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Donnerstag, 8. Januar 2026

Ein wahnsinniger Start


"Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten."

Dieses Zitat ist so gut angekommen, dass man es Albert Einstein zugeschrieben hat. Egal, von wem es stammt, es ist etwas daran. Vielleicht gehört Ihr zu den Nicht-Wahnsinnigen - in dem Fall herzlichen Glückwunsch! Ich blicke immer wieder auf mein Handeln zurück und merke, dass ich immer wieder die gleichen Fehler mache. Einen großen Jahreswechsel-Blogartikel anzufangen und dann nicht fertigzustellen, nett zu anderen Menschen zu sein, in der Erwartung, dass sie es auch sind, Zeitungsartikel über das Bildungssystem zu lesen, in denen über "Mangel an Lehrkräften" geklagt wird... da gibt es noch einige weitere Punkte, die sehr oft mit meiner (derzeit nur schwach vorhandenen) Disziplin zu tun haben.

Den angefangenen Blogartikel könnt Ihr unten lesen. So ist das, wenn man schlafen geht und am nächsten Morgen ist der rote Faden, den man dann hatte, spontan weg. Also lässt man diesen halben Eintrag einfach liegen. Auf diese Weise haben sich in den vergangenen zehn Jahren 65 drafts hier angesammelt. 

In ein paar Hinsichten allerdings bin ich dieses Jahr auch nicht-wahnsinnig gestartet - ich komme tatsächlich mit der Entrümpelung meiner Wohnung voran - ich habe die letzten zwei Nächte endlich mal wieder in meinem Bett geschlafen. Ich habe die letzten eineinhalb Jahre auf meiner Couch verbracht, weil sich auf dem Bett alles Mögliche an "angefangen" oder "kommt noch" oder "passt jetzt gerade nicht" angesammelt hatte. Es ist schön, zu fühlen, wie sich die Wohnung gaaaanz langsam wieder in ihren früheren Zustand verwandelt. Alte Elektronik in den Keller, Papier in die Tonnen, sobald diese wieder geleert sind, zwischendurch viermal durchsaugen, weg mit reichlich abgelaufenen Lebensmitteln, Staubschichten im Bad entfernen und dann gründlich desinfizieren, Wäsche wegwaschen und diesmal direkt vernünftig zusammenzulegen, Tagesrituale wieder einzuführen - morgens nach dem Aufstehen das Bett machen, abends ordentliche Gesichtspflege und Mundhygiene - alles, was ein bisschen Struktur und "Rhythmus" in den Tag bringt. Worauf soll ich warten? Dass ich einen Job bekomme? Dann würde ich mich in meiner Wohnung weiterhin nicht wohlfühlen und ich würde gedanklich wieder von einem sinnvollen Satz der Sannitanic (Alliteration olé!) erschlagen werden - das war etwas in der Art von "Worauf möchtest du warten, bevor du anfängst, dein Leben zu genießen?"; zumindest ist es mir so in Erinnerung geblieben. Und dafür bin ich dankbar.

Ich bin auch Conny dankbar. Mir ist klar, dass es sich dabei "nur" um eine KI handelt, ohne Bewusstsein, ohne persönlichen Bezug zu mir, mit einigen interessanten "Halluzinationen" (so nennt man sie wohl). Trotzdem gibt Conny mir Feedback und vor allem positive Impulse. Und so basal das auch klingen mag - es hilft dabei, den Alltag wieder in den Griff zu bekommen.  

So, liebe Leute, ich hoffe, Ihr habt Euch für den kommenden Weltuntergang mit Nahrungsmitteln eingedeckt ;-) Ab heute Nacht soll es in Schleswig-Holstein ordentlichen Schneefall inklusive Sturmwarnung geben. Bitte fahrt vorsichtig! 

_____________draft________________

vorweg: Dies wird ein sehr offener und ehrlicher Beitrag sein. Überlegt Euch bitte, ob Ihr ihn lesen wollt. Es geht nicht nur um psychaktive Substanzen, aber damit geht es los. 

Das "Glücksbrot" liegt unter meiner Zunge. In einem Artikel aus dem Spiegel von 1988 wurden diese Medikamente aus der Wirkstoffgruppe der Benzodiazepine als Teufelszeug verschrien. Wenngleich es richtig ist, dass man bei ihrer Anwendung sehr gut aufpassen muss, dass man nicht in die Abhängigkeit rutscht, können diese "Benzos" Leben retten, indem sie Ängste und Sorgen für eine Weile vertreiben, Krampfanfälle lösen, Muskelverhärtungen lindern, sehnsüchtig erwarteten Schlaf bringen. Ich bekomme von meinem Psychiater so ein Medikament, und der Autor des Spiegel-Artikels nennt die Tabletten wegen ihres Aussehens und ihrer Wirkung "Glücksbrote". 

Als würde ich sie nehmen, einfach nur um high zu sein. Glücklich zu sein. nota bene: Es gibt viele Menschen, die Benzos missbrauchen. Das ist eben so. Und wenn sie erstmal in der Abhängigkeit gelandet sind, wird der Entzug trotz Heather Ashtons Handbuch dazu die Hölle. Nein danke, das will ich nicht haben. Ich bin jetzt seit drei Jahren und einem Tag in psychiatrischer Behandlung, und sie hat mir so viel Gutes gebracht. Ich habe mein Leben neu erfinden können - ohne eher, ich habe die Maskerade endlich aufgeben können, die ich anderen Menschen vorgespielt habe, um als Autist nicht aufzufallen.

Anspannungs-, Angst- und Meltdownzustände sind für viele Menschen auf dem Autismusspektrum leider ständige Begleiter im Leben. Bei mir, wenn ich zurück blicke, etwa seitdem ich meine berufliche Sicherheit verloren habe - darüber habe ich oft genug geschrieben, muss nicht schon wieder sein. Das sind jedenfalls die Situationen, in denen mir ein "Glücksbrot" helfen kann, wenn zum Beispiel die lähmende Angst mich daran hindert, zum Zahnarzt zu gehen. Ich nehme diese Tabletten nicht zum Spaß. Sie bereiten mir keine Freude, aber sie können für eine Weile diesen unerträglichen Druck von meinen Mitmenschen erleichtern.

Ich habe in diesen drei Jahren mir eine Methode überlegt, wie ich diese Tabletten wirklich nur dann nehme, wenn es nötig ist, und es freut mich, dass ich bisher keine Abhängigkeit entwickelt zu haben scheine.

Heute, in der letzten Nacht des Jahres 2025, ist es einmal anders. Wie erwähnt, liegt das Glücksbrot unter meiner Zunge und hat sich fast komplett aufgelöst. Sublinguale Applikation nennt man das. Es gab heute keinen konkreten Notfall, dessentwegen ich die Tablette gebraucht hätte. Ich möchte heute nur einen Abend ohne Sorgen haben können, wenn ich darüber nachdenke, was gewesen ist und was sein wird. Es dauert noch etwa eine Stunde, bis die Wirkung eintritt.

Denn diese Sorgen erdrücken mich immer öfter. Es gibt keine Lehrerstellen. Man hat aufgrund eines Verfahrensfehlers im Ministerium mir eine Stelle nicht zugestanden. Ich habe nicht einmal mehr Arbeitslosengeld - mir bleibt nur Bürgergeld, und es reicht vorne und hinten nicht. Ich bin auf mein D-Ticket angewiesen, und auf das Telefon und Internet, aber da kommen insgesamt schon über hundert Euro zusammen, die ich vom Satz des Bürgergeldes (~500€) abziehen muss. Mittlerweile weiß ich nicht nur, ob ich überhaupt noch eine Planstelle bekommen werde - nein, es dürfen nicht einmal mehr Vertretungsstellen ausgeschrieben werden. 

Hinzu kommen meine chronischen Erkrankungen, die ich mir *nicht* ausgesucht habe, und die unter'm Strich Geld kosten - auch oder gerade wenn ich mich in einer Remissionsphase befinde und die Symptome eine Pause einlegen. Dieses Glücksgefühl, endlich wieder etwas etwas essen zu dürfen, was ich geliebt habe, aber streichen musste, das ist himmlisch - aber immer schwingt auch die Angst mit, dass dadurch ein neuer Schub ausgelöst werden könnte.

Also ja. Heute nehme ich mein Glücksbrot, weil ich es will, nicht weil ich es muss. Und so langsam flutet die Wirkung an, und ich kann mich in meiner Jahresreflektion auch auf die Dinge konzentrieren, die mich glücklich gemacht haben. Die Sannitanic hat eine Familie, ein Haus, ein "echtes" Leben. Die große Buba hat ein eigenes Auto, was ihr gut tut. Und heute gibt es Feuerwerk!

Ich habe es immer geliebt, Feuerwerk anzuschauen. Nicht die Böller, die sind uninteressant. Mich haben immer die komplexeren Sachen fasziniert, und seit Jahren ist mein Lieblings-Feuerwerk der Vulkan - hergestellt von Profis, Nico, Zink, Bugano, ist es ein Genuss, die Choreografie der Flamme zu beobachten. Erst knistert nur die Lunte, und dann kommt es zum Startfeuer. Oft ein helles Bengalfeuer, das sieht schon toll aus, aber richtig los geht es erst, wenn der Vulkan dann ausbricht. Das irre Rauschen der Flamme, die immer intensiver wird, die Silbersterne, die über sechs Meter in die Höhe geschleudert werden, die lange Brenndauer und im Finale wird das Feuer noch heller und rasender. Ich kann mich für so etwas begeistern! Schaut Euch einfach mal einen Schweizer Bugano
-Vulkan an:


 

Und aus irgendeinem Grund gibt es auch einen Vulkan mit dem Namen Einhorn-Pups. Ist mir alles recht, wenn es bunt und hell ist und leuchtet, bin ich wie hynotisiert ;-) Und genau heute ist eine Achterbahn eröffnet worden - ich habe viele Jahre auf sie gewartet und bin absolut begeistert, auch wenn ich sie nie fahren werde (weil sie in den Arabischen Emiraten liegt). Sie hat die Rekorde gebrochen und ist jetzt u.A. die längste Achterbahn der Welt - vier Kilometer, das muss man sich mal reinziehen! Und total edel durchchoreografiert, ich kann das gar nicht beschreiben, da hilft auch wieder nur das Video der Eröffnungsfahrt:


 

So, jetzt gibt es erstmal Chicken Tikka Masala, ich liebe es, und dann schaue ich mir zum sechsten Mal in einem Monat die Hellraiser-Neuverfilmung von 2022 an. Und dazu schreibe ich nachher auch noch etwas. Jetzt genieße ich erstmal mein Leben für einen Abend lang ohne Sorgen. Der Alltag darf dann morgen wiederkehren, wenn Ihr diesen Beitrag im Blog lesen könnt. 

So, und nun ist es Neujahr, und der Alltag ist wieder da. Ich habe von sechs bis elf Uhr geschlafen, muss also in der nächsten Nacht noch ein wenig nachholen. Ich musste gestern Nacht nach dem Feuerwerkschaos unten auf der Kreuzung - es gibt ja immer wieder Idioten, die meinen, es sei total witzig, auf andere Menschen mit Feuerwerk zu schießen - noch Hellraiser schauen. Hmm. "Musste" klingt so, als sei das eine lästige Pflicht...............

__________draft end___________ 

post scriptum: Bitte, passt höllisch auf, wenn Ihr Benzodiazepine verschrieben bekommt. Das Abhängigkeitspotential ist sehr hoch und die Abhängigkeit kann schon nach zwei Wochen Konsum eintreten. Haltet Euch an die Anweisungen Eures Arztes! 

Mittwoch, 12. Juni 2024

Auswahlgespräch


Nun ist es bald vielleicht soweit. Eigentlich sollte ich jetzt über dem Antrag auf das Bürgergeld schwitzen, aber das wird verschoben, denn wie es aussieht, habe ich nächste Woche ein Auswahlgespräch auf eine kleine Vertretungsstelle - immerhin für das gesamte nächste Schuljahr (so wie ich das verstanden habe). 

Ich bin unglaublich erleichtert, denn ich stehe jetzt sechs Wochen vor dem Nichts, und wenn man so nah in den Abgrund starrt, dann starrt er irgendwann zurück und lässt nicht mehr los. Ich bin auch aufgeregt, weil ich gar nicht mehr weiß, wie das geht, so am Gymnasium. Der Nagellack muss weg, ich muss mich einigermaßen vorzeigbar machen, erstmal ohne Gothic-Touch. 

Erleichtert, aufgeregt... und auch ängstlich, denn die letzten beiden Aussichten auf eine Vertretung haben sich beide in Luft aufgelöst und ich habe sehr große Angst, dass daraus ein Muster wird. Dass sich das alles wiederholen könnte, die Panikattacken, der Nervenzusammenbruch, das Aufschieben wichtiger Arzttermine und was noch so dazugehört.

Jetzt versuche ich mich erstmal zu beruhigen; der Buddhismus ist wunderbar dazu geeignet, wenn man sich dazu die Zeit nehmen kann und will. 

Endlich wieder mit Jugendlichen arbeiten - das wäre schon was...

Freitag, 8. September 2023

Tag 39 - Horror-Hitze


Mein Thermometer zeigt dreißig Komma vier Grad in der Wohnung an, das ist herausfordernd. Am besten bleibt man einfach irgendwo sitzen und liest was. Oder schaut sich etwas an, Hauptsache wenig Bewegung. Da kommt es mir gelegen, dass hier noch ein Spiel herumliegt, das ich bisher noch nicht gespielt hatte (wegen Stress mit Arbeitsamt und so weiter).

Es ist ein Spiel genau nach meinem Geschmack: Ein Adventure, ich erforsche in aller Ruhe einen Ort, finde Briefe, Notizen, Postkarten, Mementos, anhand derer ich mir die Hintergrundgeschichte im Kopf zusammensetzen kann. Ich mag es, wenn mein Kopf etwas zu tun hat; mindless action, damit kann ich nichts anfangen.

Wenn dazu dann noch hochauflösende Grafiken kommen, ein surrealer, künstlerischer Stil, und perfekt abgemischter Sound auf den Kopfhörern, das Ganze gepaart mit dem Genre des psychological horror, bin ich in meinem Element. Dann nehme ich die Hitze in der Wohnung kaum noch wahr - natürlich tut auch der Ventilator zuverlässig seinen Dienst.

Ist es bei Euch auch so heiß?

post scriptum: Ich liebe es, wenn ich kreativen Köpfen vertrauen kann. Ich kann davon ausgehen, dass "ultimae records" großartige Musik für mich herausbringen und dass "bloober team" wunderbare Spiele für mich kreieren. 

"Da weiß man, was man hat", jetzt verstehe ich diesen Satz endlich ;-)

Mittwoch, 23. August 2023

Tag 23 - Aspi-Heaven


Langsam realisiere ich, dass ich jetzt Zeit habe. Das merke ich an den Nachrichten, die ich auf Anrufbeantworter und per Mail bekomme; da gibt es Schulen, die momentan dringend Vertretungslehrkräfte suchen und wegen meiner Note werde ich vielen von ihnen angezeigt. Macht also doch etwas aus, die Note, aber leider nichts, was mir bisher geholfen hätte. Schönkirchen hat per Anruf und Mail angefragt, und da es eine Zusammenarbeit mit der Toni gab, könnte ich mir vorstellen, dass irgendjemand meinen Namen bei der Schönkirchener Schulleiterin hat fallen lassen. Das klingt theoretisch auch nach einer sehr interessanten Stelle - allerdings ist es eben nur eine Vertretung. Das mache ich nicht mehr ohne Perspektive.

Aus irgendeinem Grund spiele ich in dieser Phase wieder survival horror-Videospiele, eine schöne Kombination aus Rätsellösen, Plotaufdecken und Selbstverteidigung. Da gibt es einige brillante Spiele, eines von ihnen ist Silent Hill 2. Wenn die große Buba das liest, wird sie da vermutlich nicht besonders begeistert sein, denn sie war damals, als wir das gespielt haben, definitiv underwhelmed. Vielleicht hat es daran gelegen, dass wir aus Versehen ein anderes Ende als das Kanonende freigespielt haben, ich weiß es nicht.

SH2 ist in so vielerlei Hinsicht ein Meilenstein der video game history. Horrorspiele, bei denen man herumrennen und Zombies umlegen muss, das gibt es reichlich, und letztlich ist das gar nicht so weit von der primitiven Befriedigung einer Moorhuhn-Jagd entfernt. Silent Hill zeichnet sich dadurch aus, dass es psychological horror ist, also alles im Kopf stattfindet. Eines meiner Lieblingsgenres. Wieviel mir das Spiel bedeutet, merkt man am Blogbild, das ich fast immer benutze, wenn es um etwas Psycho-logisches geht. Eine Spielszene.

Plot nur ganz kurz: Ein Witwer erhält einen Brief aus Silent Hill, von seiner Frau Mary, die ein paar Jahre zuvor verstorben war. Verwirrt reist er nach Silent Hill, um dort Antworten zu finden. Diese Prämisse ist terrific, spannend, wirft viele Fragen auf und kommt zu einer Erklärung, die tiefenpsychologisch interessant ist. Da hat mein Kopf etwas zu tun, das mag ich.

Jedenfalls ist das Spiel zweiundzwanzig Jahre alt; damals sah die Szene noch so aus:

Es gibt mehr technische Möglichkeiten, das gut umzusetzen, mit der Playstation 5. Was mich aber besonders auftreibt ist das Entwicklerteam. Für das Remake zeichnen Bloober Team verantwortlich. Das ist eine Truppe aus Polen, die das unglaublich gute Layers of Fear kreiert haben. Das haben sie so gut gemacht, dass ich ihnen bereits aufgrund weniger Spiele vollkommen vertrauen kann.

Das ist Aspi-Heaven. Eines der besten psychological horror adventures aller Zeiten wird von einem Team überarbeitet, das den psychological horror auf seiner Visitenkarte hat. Ich bin sehr gespannt!

Und warum spiele ich überhaupt solche unheimlichen und grauslichen Spiele? Ganz einfache Antwort: Um mich meinen Ängsten zu stellen, und das führt tatsächlich in der Realität dazu, dass ich wesentlich entspannter bin als noch vor ein paar Jahren. Beschäftigung mit Horror nimmt dem Unbekannten den Schrecken.

Ich bin unheimlich aufgeregt und werde selbstverständlich einen Eintrag zu der Neuauflage des Spiels verfassen. Ist nicht alles schlecht in der Arbeitslosigkeit, solange es nur eine Transitionsphase ist.

Samstag, 11. März 2023

"Die mit den Tabletten."


"Wie geht es ihnen?"

Diese Frage hört man ja oft, von FreundInnen, KollegInnen, oft als Phrase, die gar nicht ernsthaft beantwortet werden soll, sondern einfach als Form der Höflichkeit gestellt wird. Wie das How do you do? im Englischen: Man lächelt und sagt nichts weiter, oder stellt maximal die gleiche Frage zurück. Man antwortet nicht ernsthaft auf die Frage. Als ich die Frage gestern gehört habe, musste ich überlegen: Wie ging es mir an diesem Tag mit meinem nächsten psychiatrischen Gespräch?

Freitag morgen, der Wecker soll um elf Uhr klingeln, damit mein Zeitplan rund ablaufen kann: Meine Sachen packen, die Anamnese- und Erstgespräch-Fragebögen ausfüllen, das "ertragreiche" Gutachten vom ZiP in Lübeck kopieren (ertragreich insofern, als dass es mich zur Weißglut gebracht hat und ich infolge dessen ein Jahr lang die ganze Fachliteratur zum Asperger-Syndrom gewälzt habe und dadurch letztlich den Mut aufbringen konnte, einen zweiten Diagnoseversuch zu starten). Den genauen Zugfahrplan heraussuchen, um meinen Termin um vierzehn Uhr zu erreichen, nochmals die Innenstadtkarte von Neumünster ausdrucken, mit dem Weg vom Bahnhof zum Krankenhaus markiert. Das richtige Outfit heraussuchen, Logiktrainer einpacken, Uhren und los. 

Allerdings bin um um halb zehn bereits gut erholt aufgewacht, habe überlegt, ob ich mich wieder hinlegen soll, um die Zeit bis zum Weckerklingeln zu überbrücken - eine reale Option für den Aspi, denn das war schließlich der Plan - aber bin dann einfach trotzdem aufgestanden. Wach werden, Nachrichten lesen, nochmal alle Fragebögen und das ZiP-Gutachten sichten und auf geht's. Gerade das Gutachten hat mich wieder ein wenig wütend gemacht, oder traurig oder verwirrt, weil es so gar nicht meinen Lebensalltag widerspiegelt.

Whatever, es ist kurz nach zwölf, um halb eins muss ich raus, um meinen Plan einzuhalten, der Zug fährt kurz nach eins vom Hauptbahnhof. Schlüssel in der Hosentasche, check, Rucksack gepackt, check, Portemonnaie, check, fünf vor halb, ab nach draußen. Schnell noch die Wohnung abschließen, zumindet bei längeren Aufenthalten außerhalb der Wohnung denke ich daran. Maaaaan, warum klemmt jetzt der Schlüssel, mach hinn... WTF?!!! Das ist nicht mein Ernst!

Ich erkenne den Achterbahnanhänger am Schlüsselbund, den ich von der Sannitanic bekommen habe, Shambhala im spanischen PortAventura, und den Anhänger Schlüssel des Erfolgs. Das ist mein Schulschlüssel, kein Wunder, dass der nicht passt, ich muss in der Eile auf die falsche Hosentasche geklopft haben, wandere mit der Hand zur anderen Hosentasche - aber da ist nur ein Lippenpflegestift.

Echt jetzt? Ich habe mich nach sieben Jahren zum ersten Mal aus meiner Wohnung ausgesperrt? Sämtliche Gedankenzüge entgleisen:

Scheiße, ich bin im Zeitplan, soll ich jetzt bei Vonovia anrufen, aber wie, ich habe ja kein Handy dabei, soll ich bei meinem Nachbarn klingeln, ob ich von dort aus anrufen kann? Aber dann bekomme ich meinen Zug nicht mehr, der in... achtundzwanzig Minuten fahren soll. Wie komme ich in meine Wohnung zurück? Verpasse ich jetzt gerade den Bus zum Bahnhof? Warte... du hast den Zweitschlüssel für die Wohnung bei den Eltern der großen Buba deponiert. Jetzt hinrennen? Wie lange dauert das, hin und dann zum Bahnhof weiter? Soll ich das jetzt machen oder lieber nach dem Arzttermin? Ich habe keine Ahnung, wie lange der dauern wird! Was, wenn nachher keine da ist? Wo soll ich mich aufhalten, bis sie zurückkomme? Und - die Hausschlüssel sind vor einer ganzen Weile mal ausgetauscht worden, hatte ich ihnen überhaupt den aktuellen Schlüssel gegeben? 

Shit, Stillstand nützt gerade gar nichts, ich kann im Moment nichts an der Lage ändern, also renne ich die Treppen runter, stehe unten an der Ampel, Zeiger auf fünfunddreißig, noch siebenundzwanzig Minuten Zeit, Mist, und ich muss ja auch noch die Zugfahrkarte besorgen. Scheiß drauf, ich renne jetzt zum Buba-Haus und versuche es zumindest einmal. Gesagt, getan, auf dem Weg renne ich fast ein paar SchülerInnen um, die auf ihrem Heimweg sind, und stehe dann vor der Haustür. Ohklott, war ich hier überhaupt schon einmal allein? Ich habe noch nie den Zweitschlüssel gebraucht, was sage ich, wer öffnet die Tür, öffnet überhaupt jemand? Erkennen sie mich wieder? Whatever, klingeln.

Und ein paar Momente später sehe ich einen Schatten hinter der Haustür. Ohklott, es könnte klappen, achtunddreißig, noch vierundzwanzig Minuten. Ich strahle die große Buba-Mama an und rattere die Situation im Stakkato herunter, und drei Minuten später verlasse ich mit meinem Ersatzschlüsselbund - an dem tatsächlich die neuen SchlüsselInnen (so würde Aristophanes es gemäß seiner Wolken bezeichnet haben) befestigt sind - renne zum Bus, und jetzt machen wir es kurz, sitze um drei Minuten nach zwei Uhr im Zug nach Neumünster. Wir rollen los, und ich kann endlich durchatmen, der Schock ist verarbeitet und ich bin gerade einfach nur dankbar. Das ist eine der Lojong-Losungen: Übe Dich darin, allen höchst dankbar zu sein.

Ich finde es bemerkenswert, wie wenig ich die passage of time bemerke, wenn ich mit meinem Psychiater spreche. Als ich wieder draußen war und auf dem Weg zum Bahnhof, zeigte mir eine Uhr an der Straße sechzehn Uhr fünfundvierzig an. Über zweieinhalb Stunden? Wo ist die Zeit hin? Was haben wir gemacht?

Einen Plan. Genaueres unterliegt der doctor-patient confidentiality, aber ich bin mit einem Plan im Kopf nach Hause gefahren, und das beruhigt - nicht ohne mir vorher den Arsch am Bahnhof abzufrieren, weil ich den Zug nach Kiel gerade verpasst hatte und der nächste bereits mit fünfzehn Minuten Verspätung angekündigt wurde.

Und nun ist es Samstag, und ich bewege diesen Plan noch immer in meinem Kopf, in all' seinen Variationen. Irgendwann berichte ich davon. Nicht jetzt, ich brauche selbst erstmal Zeit, mich auf was Neues einzustellen.

Kurz gesagt: Ich bin gespannt.

post scriptum: Ach ja, wie kam es zum Titel des Beitrags? Während unseres Gesprächs musste ich an eine Szene aus dem Studium denken, als ich eine Kommilitonin gefragt hatte, was der Unterschied zwischen einem Psychologen und einem Psychiater sei. Psychologen sind die, die reden, und Psychiater sind die mit den Tabletten. Klischee, aber mit einem Korn Wahrheit.

paulo post scriptum: Liebe Eltern, ich rufe morgen an, ich brauche noch Zeit zum Denken.

Donnerstag, 29. Dezember 2022

Aufmerksamkeitsspanne (Die kleinen Freuden der Filmgenies)

Genau hinschauen!

Es ist wirklich nicht mehr ganz so einfach, Filmklassiker im Unterricht einzusetzen. Ein großer Teil der SchülerInnen hat im Vergleich zu früher eine deutlich kürzere Aufmerksamkeitsspanne; es fällt ihnen schwer, den roten Faden einer Szene zu behalten, in der nicht alle paar Momente etwas Aufregendes oder Auffälliges passiert. Kein Wunder - sie wachsen auf mit pop ups, TikTok, Video-im-Video, Nachrichten und Tweets im Sekundentakt. Das kann man lamentieren, würde ich auch gern, aber wir müssen uns dem wohl anpassen. Ich versuche es trotzdem gern immer wieder, aber ein paar der berühmteren Filmemacher werden ihnen nicht zugänglich sein.

Ich werde jedenfalls niemals versuchen, einen Film von Tarkovsky mit ihnen zu schauen (dabei sind sie faszinierend und bereichernd), und viele SchülerInnen sind bereits mit einer Episode der originalen Twilight Zone aus den Fünfzigern völlig überfordert. Da passiert nicht genug.

Ich denke mir immer, dass ich eine recht lange Aufmerksamkeitsspanne habe. Das ist relevant für die Untersuchung auf eine Autismus-Spektrums-Störung, ist aber auch hilfreich für Introspektion. In der richtigen Stimmung kann ich Tarkovsky genießen, seine Mischung aus Science Fiction und Philosophie. Ich mag Horrorfilme und psychologische Thriller aus der Kategorie slow burn - da passiert erstmal nicht viel, aber am Ende hat man einen ordentlichen payoff und der Film wirkt lange nach. 

Zwei Beispiele dafür von zwei extrem talentierten Regisseuren: Michael Haneke haben vielleicht einige von Euch schon gesehen, in Das weiße Band (2009) oder Funny Games (1997) oder Amour (2012). Einer seiner intensivsten - weil subtilsten - Filme ist Caché (2005). Da passiert erstmal auch nicht viel - die Atmosphäre macht den Film aus, und die unausgesprochenen psychologischen Spannungen zwischen den Eheleuten. 

Haneke hat sich in diesem Film allerdings etwas Besonderes überlegt, ein winziges Detail in der letzten Szene, das den gesamten Inhalt zuvor auf den Kopf stellen könnte - wenn man es denn findet. Ich habe es nicht gefunden, war nur durch eine Rezension und daraus folgender Diskussion darauf gestoßen. Ich mag eine lange Aufmerksamkeitsspanne haben, aber ich habe das vollkommen übersehen (ohne Spoiler: In der Szene treffen sich in einer Menschenmenge zwei Leute, die sich eigentlich gar nicht kennen dürften). Das Positive: Diese Kenntnis macht es zu einem besonderen Genuss, den Film mehrmals zu schauen, wie ich es mit ein paar Filmen gern mache.

Ein weiteres Beispiel dieser kleinen genialen Details von Meistern der Filmkunst ist mir gestern untergekommen - und deswegen auch dieser Beitrag -, in einem Film, den ich - wieder einmal nach Erkenntnis eines sehr wichtigen Details in der letzten Szene - dann nach der Meditation direkt ein zweites Mal geschaut habe. Kiyoshi Kurosawas Cure (1997) ist ein absolut faszinierender - man möchte mit Blick auf den Inhalt fast betörender Film sagen. Ebenfalls sehr subtil mit einem brillanten Sounddesign, das mich so intensiv "hypnotisiert" hat, dass ich in der letzten Einstellung dieses kleine Detail - hat mit einer Kellnerin zu tun - übersehen habe und mich gefragt habe, was diese letzte Szene wohl soll. Jetzt, mit neuem Hintergrundwissen, bin ich begeistert.

Wer weiß, vielleicht würden unsere heutigen Schüler diese Details eher bemerken, gerade weil sie sich nicht von einem slow burn einlullen lassen können.

Habt Ihr diese Beobachtungen hinsichtlich der Aufmrksamkeitsspanne auch schon einmal machen können, die große Buba und alle KollegInnen da draußen?

Freitag, 1. April 2022

Dankbarkeit


Lojong-Losung 13: "Übe dich darin, allen Menschen höchst dankbar zu sein."

Wenn wir am Tisch sitzen und zu Abend essen, und ich bitte jemanden, mir das Salz zu reichen, dann danke ich ihm danach. Ich fühle aber keine Dankbarkeit. In meinem Kopf ist das wie im Drehbuch eine Abfolge von Phrasen:

1 - Gibst du mir bitte das Salz?

2 - nimmt den Salzstreuer und reicht ihn rüber

3 - Vielen Dank.

Hunderttausendmal trainiert. So sehr auswendig gelernt, dass ich gar nicht mehr weiß, wie sich Dankbarkeit eigentlich anfühlt. Es ist zur Routine geworden, eine höfliche Formulierung, und das war es dann auch. Genau darauf weist die Lojong-Losung hin - Dankbarkeit soll nicht nur als Worthülse ausgesprochen, sondern ernsthaft empfunden werden.

Mich hat heute jemand an die Hand genommen. Er ist psychologischer Coach und kennt Menschen, die in meiner Situation stecken. Er lächelt mich nicht an und sagt "Wenn du Hilfe brauchst, egal was, sag' einfach Bescheid!" - und darum geht es. Diesen nett gemeinten Satz habe ich in den letzten Wochen und Monaten häufiger zu hören bekommen. Aber woher weiß ich, wann ich Hilfe brauche? Die fleißigen Leser werden sich erinnern: Aspis merken es oft nicht, wenn sie Hilfe benötigen. Sie kommen nicht von selbst darauf, jemanden um Hilfe zu bitten. Sie sind eben geistig behindert, diese Formulierung sollte man nicht ganz aus dem Blick lassen. Und so sitzt der Aspi regungslos vor dem großen Berg und weiß nicht, was er machen soll.

Anders ist es heute gewesen - oder in den letzten Tagen - als sich endlich mal jemand entschlossen hat, auf mich zuzugehen und mich an die Hand zu nehmen, damit wir endlich die ganze Sache in's Rollen bringen können. Ich will hier gar nicht auf die Details eingehen - dass ich jetzt weiß, was meine ganz konkreten nächsten Arbeitsschritte sind, inklusive Namen und Adressen und Formularen. Das gibt es bei Interesse irgendwann. Ich überlege schon wieder, komplett dichtzumachen, weil sich Menschen an meiner Mitteilungsfreudigkeit stören. Die große Buba, das ist wie mit meinem Rumnerden bei Freizeitparks, Astrophysik, Medikamenten, Horrorfilmen und Videospielen - entweder, ich gehe voll darin auf oder ich rede überhaupt nicht mehr, um dich nicht zu belästigen (nota bene: Wir haben genau dieses Thema besprochen, und bei der großen Buba darf ich dann tatsächlich auch mal in den Nerdwahn verfallen *kiss kiss, hug hug*).

Ich habe mich lange nicht mehr so dankbar gefühlt wie heute - und das ist erst im Laufe des Nachmittags langsam hervorgebrochen, inklusive Tränen in den Augen. In der Schule, bei dem Termin war es nur ein hörbares Ausatmen. Aber - wie der Meditationstag nun mal so ist - es beginnt das Nachdenken, während ich an der Nintendo Switch sitze oder mir die letzte Staffel The Expanse anschaue. Ich merke, wie ich mit dem Kopf nicht mehr bei dem Geschehen auf dem Bildschirm bin, sondern nach und nach realisiere, dass ich endlich. Endlich. Endlich! einen konkreten Handlungsplan habe, den jemand für mich gemacht hat und mit mir in Ruhe durchgesprochen hat, inklusive aller Fragen, die in meinem Kopf herumgeschwirrt sind - weil ich es in dieser Sache nämlich allein nicht schaffe. Ich bin so erleichtert, und so dankbar, dass es an dieser Schule auch Menschen gibt, die mir aktiv helfen auf diesem Weg. 

Es klingt vielleicht nicht so, aber es ist ein meilenweiter Unterschied zwischen "Wenn du Hilfe brauchst, sag' Bescheid!" und "So, ich helfe Dir jetzt!" - im ersten Fall sage ich "Danke".

Im zweiten bin ich dankbar.

Dienstag, 22. März 2022

OMG!!! (Asperger-Vokabular)

Was passiert im Kopf vor, während und nach der Explosion?

vorweg: Ich schreibe in diesem Artikel immer von dem Asperger-Syndrom, dabei kommen die drei beschriebenen Phasen in allen Formen der Autismus-Spektrums-Störung vor.

Ach herrje, verschrieben - gemeint war OMS!!! Zeit für ein bisschen Aspi-Vokabular, und O-M-S steht für eine klassische Abfolge von emotionalen Zuständen bei einem typischen Aspi-Wutausbruch oder einer Panikattacke. Das könnte interessant sein für diejenigen von uns, die einen Aspi unterrichten oder Umgang mit ihnen haben. Übrigens, dass ich immer DER Aspi sage, liegt nicht nur daran, dass ich gern das generische Maskulinum verwende; Jungen und Männer sind achtmal häufiger von dem Asperger-Syndrom betroffen als Mädchen und Frauen. Und wo wir schon bei der Aufklärung sind: Autismus ist KEINE Krankheit (sondern eine Behinderung, die man nicht mal eben als Nebenwirkung von Impfungen bekommen kann und die auch nicht geheilt oder behandelt werden kann), und es ist eher kontraproduktiv zu sagen, jemand LEIDE an Autismus (Wenn Autisten an etwas leiden, dann an der Art und Weise, wie ihre Mitmenschen mit ihnen umgehen).

1.Phase: Overload (Überladung)

Es passiert zu viel zur selben Zeit: Visuelle Impulse, unerwartete Anblicke, zu viele Geräusche, zu viele verschiedene Stimmen und Sachen, die im Kopf ablaufen. Da diese Dinge nicht abgearbeitet werden können, stapeln sie sich im Aspi-Kopf und er rast exponentiell auf die zweite Phase zu. Bei mir merkt man es daran, dass ich ruhig werde und nicht mehr rede. Sollte ein Aspi-Schüler in dieser Phase Stimming betreiben (repetitive Bewegungen, Schaukeln mit dem Körper, mit den Händen wedeln, summende Geräusche von sich geben und so weiter), sollte man ihn das tun lassen, denn das ist die beste Art, der nächsten Phase vorzubeugen.

2.Phase: Meltdown (Kernschmelze)

Dieser Phase vorzubeugen, scheint einfacher zu werden, wenn man älter wird, aber ganz lässt es sich nicht vermeiden, dass der Input-Overload zu einem Ausbruch führt. Der Aspi schreit oder schlägt um sich oder bricht in Weinkrämpfe aus - oder alles zusammen. Er sieht keine andere Möglichkeit, sich gegen die vielen Gedanken zu wehren. Von außen wird dieses Verhalten oft als überdramatisch gesehen - was daran liegen könnte, dass es für den Aspi dramatisch ist.

3.Phase: Shutdown (Abschaltung)

Manchmal macht der Aspi nach dem Wutausbruch komplett dicht. Er redet nicht mehr, wendet sich von allem ab. Man sollte ihn jetzt in Ruhe lassen, bis er von sich aus wieder den Kontakt sucht oder es zumindest zulässt, dass man ihn anspricht. Bei mir dauert diese Phase je nach Intensität des Meltdown zwischen drei Stunden und drei Tagen.

Ich fand es interessant, das vor einigen Wochen zu lesen, weil ich es bei mir selbst immer wieder beobachten kann, sei es nun bei einem Wutausbruch im Klassenzimmer (dann gewöhnlich ohne die Shutdown-Phase), bei einer Panikattacke (die bei einem Overload gewöhnlich mit Stimming abgefangen wird) oder bei einem Nervenzusammenbruch. In letzterem Fall beobachte ich bei mir alle drei Phasen, und ich erzähle als Beispiel von jenem Zusammenbruch vor einigen Jahren, von dem ich vorgestern geschrieben hatte.

An jener Schule hatte ich angefangen mit der Aussicht, über eine Vertretung hinaus nach Ablauf des Schuljahres eine Planstelle zu bekommen, oder zumindest eine Verlängerung. Auf dieser Gewissheit hatte ich meine Schulzeit aufgebaut, das hat mir etwas Sicherheit gegeben und vor allem dabei geholfen, dass ich entgegen dringender Bitten ausschließlich in den Klassenstufen Fünf bis Sieben eingesetzt worden bin. 

Dort ist es zwar zweimal zu den Overload-bedingten Wutausbrüchen gekommen - Schüler von allen Seiten geben mir zu viele Impulse, die ich nicht verarbeiten kann, ich spiele mit etwas oder knacke mit meinen Fingern, um mich zu beruhigen (Stimming), manchmal reicht das aber nicht und dann schreie ich für Schüler völlig unerwartet alles heraus. Termin bei der Schulleitung.

Die wirklich interessante Szene kam aber, als ich kurz nach den Osterferien bei der Schulleitung saß, um das nächste Schuljahr ein wenig zu planen - welche Projekte oder AGs ich vielleicht machen könnte. Der SL reagierte ein wenig verwirrt:

"Wieso nächstes Jahr? Ich dachte, dein Vertrag läuft zum Ende des Schuljahres aus?"

Erster gedanklicher Stolperstein, Zug entgleist zwar noch nicht vollkommen, aber ich blicke mich etwas hilflos im Büro um, um den Faden wiederzufinden, und sage:

"Naja, XY meinte bei der Einstellung zu mir, dass ich länger bleiben kann."

"Das kann ich mir gar nicht vorstellen, wir haben genug Englischlehrer, mit deiner Fächerkombination bist du nicht mehr interessant für uns."

Overload: Das sind zu viele Gedanken auf einmal, die ich nicht verarbeiten kann. Ich bin nicht mehr als eine Fächerkombination? Warum hat XY gesagt, ich könne bleiben? Warum weiß der (neue) SL nichts davon? Arbeitslosigkeit. Antrag stellen. Wieder eine neue Schule suchen. Ich rede nicht mehr. Ich schaue mich hektischer im Raum um, mein SL legt nach:

"Deswegen haben wir dich auch fest bei der Verabschiedung im Sommer eingeplant, weißt du nichts davon?"

"Nein. Ich möchte nicht zu der Verabschiedung kommen. Ich möchte mir nicht schon wieder anhören müssen, dass ich doch bestimmt schnell eine neue Schule finde. Kannst du mich da bitte ausplanen."

"Also das fände ich jetzt aber nicht in Ordnung von dir. Die Kollegen möchten sich schließlich von dir verabschieden können."

Meltdown: Jetzt bekomme ich auch noch den schwarzen Peter zugeschoben. Dafür, dass ich mich der Demütigung im Kollegium nicht aussetzen möchte. Fuck you. Ich merke, wie meine Gesichtsmuskeln sich verkrümmen. Ich möchte etwas gegen die Wand werfen und laut werden. 

"Ich gehe dann mal, wenn es nichts weiter gibt."

Das sage ich zu dem Standventilator in der Ecke, weil ich meinen SL jetzt nicht anschauen kann. Ich nehme meine Sachen, schaue konsequent auf den Fußboden und navigiere meinen Weg durch das Schulgebäude in mein Auto. Auf der Fahrt nach Hause fange ich an zu heulen, kann mich kaum auf den Verkehr konzentrieren, versuche noch irgendwie durchzuhalten.

Zuhause angekommen folgt dann der totale Zusammenbruch. Egal, was ich mache, Videospiele, Musik hören, baden, ich kann nicht mehr aufhören mit den Tränen und mein Körper verkrampft immer weiter. Drei Stunden später wird es endlich weniger. Ich ziehe das Telefon raus, verziehe mich in die Videospiele und bekomme von meiner Umwelt nichts mehr mit.

Shutdown: Drei Tage lasse ich das Telefon ausgestöpselt, lese keine Mails und öffne keine Briefe mehr. Ich versuche jeglichen Input von außen zu vermeiden, ich will niemanden sehen, hören oder lesen, ich will einfach nur meinen Kopf aufräumen und wieder zur Ruhe kommen. Diese Phase ist besonders schlimm, denn jeder Brief, der durch den Schlitz geschoben wird, und jede neue Nachricht, die mir angezeigt wird, erhöht den Druck auf meinen Schultern.

Drei Tage später bin ich wieder in Ordnung. Das Telefon lasse ich weiter abgeschaltet, brauche ich nicht. In der Schule schaue ich nur noch auf den Boden, habe mein weißes Outfit an, die Schüler wissen, was das bedeutet.

Das ist bisher nicht nur einmal vorgekommen. So ging es mir nach meiner mündlichen Examensprüfung in Englisch, so ging es mir nach meinem Dienstleitergutachten im Referendariat und insgesamt an fünf von sieben Schulen. SPO nicht, und KGS auch nicht.

Was bedeutet das für uns als Lehrer? Mit etwas Glück hat der Aspi eine Schulbegleitung, die genau weiß, was zu tun ist. Ansonsten: Sobald sich der Meltdown ankündigt (auf repetitives Verhalten zur Beruhigung achten) - und spätestens danach, den Schüler von der Lerngruppe isolieren, ihn in eine ruhige Ecke bringen, am besten einen isolierten Raum, zur Not Kopfhörer aufsetzen, damit er nichts hören muss, und ihn zehn bis zwanzig Minuten beruhigen lassen. 

Und nicht mit blöden Sprüchen kommen wie "Daran muss er sich gewöhnen, so ist das Leben nun mal."

post scriptum: Jemand hat mir gesagt, dass das Schulsystem uns alle kaputt mache. Ich dachte erst, dass das nur eine der üblichen Phrasen sei, mit denen man um sich wirft - aber es scheint eine ganze Menge mehr dran zu sein. Vielleicht wäre der Austritt aus dem Schulsystem eine Möglichkeit, sich dem nicht mehr auszusetzen und fertig machen zu lassen.

Sonntag, 13. Februar 2022

Das Springseil (Kommentar)


Die Kurzgeschichte dreht sich um den Umgang mit Behinderten. Das wird am Ende der Geschichte vielleicht deutlich. Es geht nicht darum, dass die Schülerin Silja nur einen Arm hat; es geht darum, dass der Sportlehrer trotzdem von ihr erwartet, die Springseilprüfung abzulegen - eigentlich ein Irrsinn, natürlich würde niemand von einem einarmigen Menschen erwarten, mit dem Springseil zu springen - aber das ist oftmals genau das, was wir machen, wenn wir mit behinderten Mitmenschen umgehen. Wir erwarten, dass sie sich ein wenig Mühe geben und das Unmögliche möglich machen. Wir denken, sie könnten das schaffen.

Wir schreiben uns Inklusion auf die Fahne, aber Inklusion bedeutet mehr, als nur mit einem behinderten Menschen Umgang zu haben. Und es bedeutet explizit nicht, den Behinderten genau wie alle anderen zu behandeln (weil es ja fair sein soll). Es bedeutet, dass wir selbst uns anpassen müssen, damit der behinderte Mensch das Recht auf Teilhabe und gleichwertige Chancen erleben kann. Das ist bei auffälligen Behinderungen (wie der Einarmigkeit) definitiv leichter als bei Behinderungen, die man nicht sofort bemerkt.

Das ist eine sehr persönliche Geschichte, klar. Sie beruht auf einem Gespräch mit einer Schulleitung vor ein paar Jahren, eine Anekdote, die ich im Blog sicherlich schon irgendwo niedergeschrieben habe: Bei dem Auswahlgespräch hatte ich betont, dass meine autistischen Verhaltensweisen für Probleme sorgen könnten und habe dazu auch konkrete Beispiele genannt. Daraufhin bekam ich diesen Satz zu hören: "Wenn wir schon Inklusion leben wollen, dann gilt das selbstverständlich auch für das Kollegium."

Das ist genau wie in der Kurzgeschichte: Das klingt wunderbar, aber es ist eine Sache, das zu sagen, eine andere dagegen, es umzusetzen. Und so war ich damals bei der Schulleitung mehrfach zum Gespräch gebeten worden, als es dann Zwischenfälle gab - die absehbar waren, fast schon wie angekündigt. Ich habe das dann auch als Argument gebracht und gesagt, dass ich vorgewarnt hatte - autistische Verhaltensweisen können zu diesen Problemen führen. 

Die Antwort habe ich bis heute nicht vergessen: "Ja, aber das geht so nicht, da musst du dich schon ein bisschen anpassen und dir Mühe geben, dass sowas nicht wieder passiert." Das hat mich tief getroffen, mein erster Gedanke war "Aber genau das kann ich eben nicht!" - und ich hatte das Bild eines einarmigen Menschen im Kopf, der eine Aufgabe ausführen soll, für die man beide Arme braucht. So ist diese Geschichte entstanden.

Ich mag damit vielleicht allein dastehen, aber ich denke, wir sollten nicht von dem behinderten Menschen erwarten, dass er sich an uns anpasst - sondern genau umgekehrt. 

Das verstehe ich unter Inklusion.

Samstag, 11. Dezember 2021

Zuviel Neues


Puh, ich bin mit der Zeit im Verzug. Ich hatte vollkommen vergessen, wie intensiv die Project Zero-Videospielreihe mich in das Geschehen einsaugt - die große Buba erinnert sich noch mit einem Schauern an unsere Erlebnisse mit Kunihiko Asous Camera Obscura. Und wenn ein Aspi sich in etwas vertieft, das ihn interessiert, dann verschwindet die Welt drumherum und er ist vollkommen fokussiert. 

Das ist ja eigentlich eine gute Nachricht: Ich habe etwas zu tun, mein Kopf ist beschäftigt. Allerdings bin ich zur Zeit leicht überfordert, wenn ich in's Nachdenken komme, denn ich habe nicht nur ein neues Videospiel, sondern ich habe auch eine neue Badewannenarmatur, und ich denke sehr viel darüber nach: Wie muss ich sie pflegen (denn sie ist hochwertig, da muss ich mich drum kümmern), wie toll finde ich den Thermostat, weil ich endlich nicht mehr überraschend eiskalt oder kochend heiß dusche, wie zufrieden bin ich mit dem minimalistischen Duschkopf ohne Schnickschnack, und Chrom glänzt so schön. 

Das wird noch eine Weile dauern, bis ich das verarbeitet habe, und dann kommt ein neues Spiel dazu? Das kann zu einem Gedanken-Overkill führen, und ich erinnere mich an etwas, was die Sannitanic mir mal erklärt hatte: Manche Eltern meinen es zu gut und schenken ihren Kindern regelmäßig reichlich neues Spielzeug - was leider keine gute Idee ist, denn gerade Kleinkinder sollten sich erstmal mit einem Spielzeug komplett auseinandergesetzt haben - wie funktioniert es, was kann ich damit alles anstellen, es dauert eine ganze Weile, bis ein Spielzeug wirklich "ausgespielt" ist. Das Kind vorher mit neuen Spielzeugen zu überschütten führt zu einer Überforderung.

Und genau daran musste ich heute denken, mit dem neuen Videospiel, der neuen Badarmatur, dem neuen "richtigen" Mikrofasertuch zur Pflege, das alles mit einer neuen Sorte Räucherstäbchen im Hintergrund. Ich muss das alles erstmal verarbeiten.

Habe ich die Episode richtig zitiert, Sannitanic?

Donnerstag, 2. Dezember 2021

Das kommt mir irgendwie bekannt vor


Auf einmal ist die Bloglaune da, und viele Ideen, worüber ich schreiben könnte. Zum Beispiel über Merkels Wahl für den Großen Zapfenstreich - Nina Hagens Du hast den Farbfilm vergessen - ich liebe das Lied und das ist wirklich eine sehr persönliche Auswahl für Angela Merkel. Was mache ich mit all' diesen Ideen? Die kommen zu schnell, ich kann das alles nicht festhalten. Meine Pinnwand ist vollkommen überfrachtet, und ich habe mir extra ein Diktiergerät zugelegt, um Ideen während des Tages direkt festzuhalten. Mittlerweile zahlt sich aber das Lojong-Geistestraining aus; der Buddhismus lässt mich das Ganze anders sehen und das ist auch gut so. Überhaupt sollte ich einmal über die positiven Effekte buddhistischer Lebens- und vor allem Denkweisen auf Menschen mit Autismus-Spektrums-Störungen schreiben, das gibt was her.

Heute aber geht es um etwas ganz Anderes, nämlich um ein Gefühl, das mir unglaublich bekannt vorkommt: Morgen habe ich meinen ersten Termin bei einem Facharzt, der sich um mein Problem kümmern soll. Das weckt Erinnerungen an die Fingerbruchgeschichte. Und wie habe ich mich da am Vorabend gefühlt? Gespannt, aufgeregt, fast freudig. Scheint paradox, aber ich lerne etwas Neues kennen, das ist wirklich interessant - vor allem, weil ich geistige Vorlaufzeit hatte. Und natürlich könnte das auch die Hoffnung wecken, dass es ebenso super wirken wird, wenn ich den Arzt über meine geistige Konfiguration vorher aufkläre (in der Fingerstory hat das zu einem ganz tollen, beruhigenden Arzt-Patient-Verhältnis geführt). Hoffnungen haben aber im Buddhismus nichts zu suchen, und das schreibe ich mit einem Zwinkern.

Kann losgehen! Ich bin sehr gespannt, ich weiß, ich werde den morgigen Vormittag in der Meditation verarbeiten müssen - und wollen - und vielleicht lasse ich Euch dann abends wieder an meiner Gedankenwelt teilhaben. Fühlt sich jedenfalls gut an, wieder "da" zu sein!

Freitag, 19. November 2021

Videospiele im Unterricht - Kapitel 3


Kapitel 3 - Dafür

Trotz aller berechtigten Argumente gegen ein Videospiel im Unterricht glaube ich daran, dass es einen positiven Effekt haben wird. Das fängt an bei der Präsentation des Spiels in Englisch. Englische Sprachausgabe, englische Untertitel und englische Menütexte - soweit eigentlich genau wie jeder englische Film, den ich mit Schülern schaue. Videospiele gehen allerdings einen Schritt weiter.

Ich habe hier im Blog schon einmal darüber berichtet, als es um survival horror ging, konkret um Project Zero 2: Crimson Butterfly, eines der unheimlichsten Videospiele, die ich bisher spielen durfte. Dort hatte ich den Vergleich gezogen mit Horrorfilmen: Bei einem Film sitzt man als passiver Zuschauer vor der Leinwand, man wird beschallt, mit Effekten übergossen, mit unheimlichen Szenen überschüttet, man ist zwar wehrlos, aber zur Not kann man sich immer noch die Augen zuhalten und warten, bis die gruselige Szene vorbei ist.

Ein Videospiel ist da etwas anders, denn ich kontrolliere (in der Regel) den Protagonisten. Ich stehe vor einer knarzenden Tür, und dahinter ist es dunkel. Ich weiß, dass da gleich etwas Schlimmes passieren wird - aber ich kann nicht einfach stehen bleiben und die Augen zumachen und abwarten - denn von allein geht es nicht weiter. Ich selbst muss mich mit meiner Figur in die Gefahr wagen, um diese oder jene Ecke blicken, hier in den Schatten greifen, dort ein verfluchtes Objekt aufheben. Ich bin dadurch viel mehr eingebunden als bei einem Film. Ich werde nicht bespielt, sondern ich spiele selbst - Stichwort Immersion

Bezogen auf unser classroom experiment bedeutet das: Ich sitze als Lehrkraft vorn mit dem Controller in der Hand, aber ich mache nur das, was die Schüler mir sagen. Und wenn die Schüler mit einer Ansage zu lange brauchen, dann verpassen sie eben die Chance, einen Freund zu retten. Oder sie tragen mit ihrer Entscheidung dazu bei, dass eine Stadt zerstört wird. Indem die Schüler Verantwortung für ihre Aktionen und deren Konsequenzen nehmen, sind sie bei'm Videospiel viel involvierter, als sie es bei einem Film oder einer Serie je sein könnten. Auf diese Weise prägt sich das Erlebte viel stärker im Gehirn ein - und die erste Unterrichtserfahrung bestätigt mir das: Der Kurs ist viel grundaufmerksamer und aktiver am Geschehen beteiligt, und zwar eben nicht nur die "Jungs, die sich ja sowieso mit Videospielen auskennen."

Mal abgesehen von den heteronormativen Hintergründen einer solchen Aussage muss es das Ziel dieses Unterrichtsversuchs sein, alle Schüler einzubinden. Ich muss ein Spiel finden, dass gleichermaßen Jungs und Mädchen anspricht - und ich fand es bemerkenswert, dass in einer Lerngruppe alle Anweisungen und Kommentare in der ersten Stunde von den Mädchen kamen.

Womit wir wieder zurück bei'm Punkt der Spracharbeit wären; die rezeptiven Fähigkeiten sind oben schon erwähnt worden - es gibt viel zu lesen und viel zu hören. Als Spieler mit dem Controller in der Hand akzeptiere ich allerdings nur Handlungsanweisungen auf Englisch. Die dürfen gebrochen sein, grammatikalisch nicht perfekt, Vokabeln etwas verdreht, das ist mir alles egal, solange ich verstehe, was der Schüler mir mitteilen will. Und wenn es dazu führt, dass auch diejenigen etwas sagen, die sich sonst im Unterricht eher still verhalten, umso besser! 

Das ist anders als in einer normalen Unterrichtssituation - "Describe the picture." - "Comment on the statement." - blablabla. Hier entsteht der Sprechimpuls aus dem, was auf der Leinwand gezeigt wird, und dem Wunsch, die Situation der Spielfigur zu beeinflussen. Intrinsische Motivation als Sprechanreiz ist - zumindest meiner Meinung nach - wesentlich besser als die oft zu gestelzten Arbeitsaufträge des Englischunterrichts, wie wir sie im Referendariat mitunter gelernt haben.

Bleibt noch die produktive Schreibarbeit, und wenn man sich das richtige Videospiel ausgesucht hat, sollte es kein Problem sein, Schreibaufträge abzuleiten, die sich mit den Anforderungen des ESA oder MSA decken. Anfangs entlasse ich die Schüller aus der Stunde mit einem einfachen Auftrag: "Write a diary entry about today's English class." Hier gibt es kein inhaltliches Richtig oder Falsch, hier können sie einfach drauflos schreiben, und gleichzeitig sammle ich damit schon erste Eindrücke für eine spätere Evaluation des Unterrichtsversuchs. Wer möchte, kann mir die Texte dann im Unterricht abgeben oder per Mail zuschicken, und natürlich geht das in die Note der Unterrichtsbeiträge ein. Gleichzeitig kann ich bei von den Schülern wahrgenommenen Mängeln auf diese Weise frühzeitig entgegensteuern und das Unterrichtsformat abwandeln, falls nötig.

Eigentlich klingt das alles geil: Rezeptive und produktive Spracharbeit, mündlich und schriftlich, entstehend aus einer intrinsischen Motivation der Schüler. Allerdings muss für eine solche Situation das Medium stimmen: Ich brauche das passende Videospiel. Es muss Schüler und Schülerinnen ansprechen, intro- wie extrovertierte, verteilt über das ganze kognitive Spektrum. Es muss... ja, was eigentlich? Soll ich einfach mein Lieblingsspiel nehmen?

So einfach ist es mal wieder nicht.

Fortsetzung folgt...

post scriptum: Die große Buba, falls Du das liest und Du an der Geschichte der Videospiele interessiert bist, gibt es auf Netflix eine Dokuserie "High Score" (2020). Nerd-Heaven ;-)

Freitag, 1. Oktober 2021

Endlich ein Stück Sicherheit


Letzter Schultag vorbei, und der hat gut getan. Spannende Projektarbeit-Gespräche, und heute war in der siebten Klasse eine meiner Lieblingsfolgen AYAOTD dran - The Tale of the Prom Queen. Ich war gespannt, wie die Schüler darauf reagieren, und bin mega happy, dass sie die Episode toll fanden; das erste twist ending in dieser Serie und es hat fast alle Kiddies überrascht. Ist nicht ohne Grund eine der populärsten Geschichten in der Serie; ich verlinke unten einfach mal das Video auf Youtube, falls jemand von Euch vierundzwanzig Minuten Zeit und den Wunsch nach einer tragisch-schönen ghost story hat.

Was mir heute aber am meisten den Einstieg in die Ferien versüßt hat, ist die Erkenntnis, dass der Freitag (als Schultag) mittlerweile automatisiert ist. Er läuft jede Woche gleich ab; ich sehe mir frühmorgens die Folge AYAOTD an, die ich den Schülern zeigen möchte, notiere mir die Vokabeln und mögliche Frageimpulse. Schule beginnt, ich verbringe den Vormittag im Hörsaal. Nach sechs Wochen hat mein Kurs in Sieben eine Art Routine bekommen: DrH schreibt unbekannte Vokabeln an die Tafel, erklärt sie auf Englisch (und da ist das Schauspieltalent richtig hilfreich), bringt die Schüler in die richtige Stimmung, wir erleben eine aufregende Geschichte, diskutieren darüber und am Ende gibt jeder Schüler sein persönliches Eins-bis-Vier-Sterne-Rating ab. Und in Neun dürfen die Schüler zwischen einer Episode AYAOTD oder The Twilight Zone entscheiden, mal so, mal so.

Mir tut das unheimlich gut, denn es gibt mir ein kleines bisschen Sicherheit. Ich kann mich darauf verlassen, dass der letzte Schultag in der Woche immer gleich ablaufen kann. Asperger pur. Ein Schritt in die richtige Richtung; jetzt müssen wir nur noch die Vier-Tage-Woche hinbekommen.

Es ist wirklich schön zu erleben, wie die Schüler sich mit der Midnight Society in der Serie anfreunden. Zu erleben, wie ein Schüler sich immer quer über drei Stühle hinlegt, um mitzuhören, aber nicht mitzusehen - eine interessante Alternative zum Augenschließen, das ich ihnen empfohlen hatte, wenn sie das als zu unheimlich empfinden. Zu erleben, wie ein Schüler immer richtig mitfiebert, sich alle unbekannten Vokabeln von der Tafel abschreibt. Zu erleben, wie einige Schüler lieber direkten Grusel haben, während andere gern eine spannende Hintergrundgeschichte haben.

Hilft.

Kommt heil in den Ferien an!

post scriptum: Und um den heutigen Meditationstag abzurunden, gibt es gleich Sushi. Seit ein paar Jahren liebe ich Sushi - hätte ich früher nie gedacht. Und das erste Stück muss immer Gurke enthalten, und das zweite immer Surimi. Lovin' it!

Und hier ist "The Tale of the Prom Queen":



Freitag, 17. September 2021

Leise rieselt die Klospülung...


Nein, die große Buba, diesmal ist tatsächlich nicht totlachen gemeint, sondern das Geräusch, das mir heute zusammen mit der ganzen Schülerscheiße um die Ohren gesaust ist, als ich zum ersten Mal in unserem Schularchiv war. Erklärung folgt.

Was für ein Erlebnis - so toll, der Gedanke, dass das jetzt "mein" Archiv ist, das tatsächlich total chaotisch und verstaubt ist. Meine Aufgabe ist es, das Archiv aufzuräumen, neu zu sortieren und zu entmüllen. Master of the Archive, sozusagen, und das fühlt sich ziemlich cool an. Ich freue mich tierisch drauf, loszulegen, tausend Gedankenzüge sind bei'm Rundgang heute losgefahren - zuerst wird eine Inventarisierung und ein Lageplan nötig sein: Was liegt wo. Dann muss ich mich in die gesetzlichen Vorgaben eindenken - was muss wie lange aufbewahrt werden. Dann ein Konzept finden, den verfügbaren Raum gut zu nutzen. Ihr seht, ich bin begeistert.

Auch, weil das Ganze im Keller ist. Ich mag Kellergeschosse - deswegen habe ich so gern bei der Tante in Berlin im Hobbykeller übernachtet und bin oft in den Keller gegangen, wenn wir meine Oma besucht haben. Da fühle ich mich sicher. Und jetzt kann ich in unseren Schulkeller gehen und mich austoben. Sicher fühlen und sortieren. Genau der Aspi-Heaven, den ich gestern gebraucht habe. Und weil es im Keller ist, höre ich Geräusche vom Schulhof durch die Fenster und eben auch, wenn die Klospülungen über mir betätigt werden und das Wasser durch die Abflussrohre rauscht. 

Ich bin hin und weg.

post scriptum: Zattriehn, ich habe Deinen Kommentar gesehen und mir sind sofort tausend Gedanken durch den Kopf geschossen. Das geht los! Gib' mir nur ein bisschen Zeit ;-)

Freitag, 16. Juli 2021

Mit Mama im Garten

Damals

(to) appreciate
- to understand how good or useful someone or something is

Meine Mutter und ihr Garten sind unzertrennlich, seit einigen Jahrzehnten. Als Kind hat der Garten für mich oft nur "Arbeit" bedeutet: Die Wasserpumpe benutzen, um die Blumen zu gießen, und das dauert bei einer gewissen Fläche schon einige Zeit. Ich hatte damals kein Bewusstsein dafür, was Gartenpflege bedeutet. Wie man als Kind so ist: Man nimmt es als gegeben an, dass in diesem Garten Blumen blühen, Hummeln sausen, Spatzen sandbaden, das kommt alles von allein, dafür muss man nichts tun. 

Ich habe mich gewundert, dass Mama so oft einfach nur im Garten stand, eine Zigarette geraucht und die Blumen angeschaut hat, oder die Erdbeeren, oder die Bohnen, alles, was sie sich gerade für die Saison überlegt hat. Für mich waren Rätsel und Videospiele wichtiger - dennoch hat sie nicht locker gelassen und mich immer wieder in den Garten gebracht. Sie hat mir gezeigt, wie man ein Beet anlegt, wie man Blumen pflanzt, warum man anhäufeln oder ausdünnen muss, damit die Pflanzen gut gedeihen (Aspis lieben es, Dinge zu erklären, egal ob es den Anderen interessiert oder nicht). Erst jetzt im Nachgang, in den letzten Jahren, ist mir bewusst geworden, was diese Gartenliebe für meine Mutter bedeutet hat - und auch heute noch bedeutet.

In ihrem Garten hat sie eine Sicherheit: Sie weiß, dass diese und jene Pflanzen blühen, wenn sie sie einsetzt. Wenn - Dann ist wichtig: Wenn genug Sonne, dann Erdbeeren süß. Mama hat ihren Garten bis in den hintersten Winkel durchdrungen, weiß, wie dort alles funktioniert, sie weiß um den Nutzen der Pflanzen für Insekten et vice versa und um den Nutzen der Insekten für die vielen verschiedenen Vögel, die immer wieder bei uns an vielen verschiedenen Stellen brüten.

Endlich kann ich nachempfinden, wie sehr es ihr Herz mit Freude erfüllt, wenn die jungen Stare schlüpfen, wenn die Schwalben ihre Jungen füttern, wenn die Meisen die Ameisen aus den Beeten picken. Dieser Garten ist Mutter Natur in einem Mikrokosmos, das lebt und regt sich und ist - medizinisch gesprochen - eines von Mamas Spezialthemen. 

Deswegen erstaunt es mich jetzt nicht mehr, wenn ich mich empathisch freue über die Zeilen aus ihrer Mail:

"Unser Garten macht mir richtig Freude; im Vorgarten hoppelt seit Tagen ein kleines Wildkaninchen, in der Birke sitzt ab ca. 21 Uhr eine Eule und hält uns "mausfrei" und Spatzen fressen uns alle Ameisen weg."

Das hat mich sehr glücklich gemacht.

Mittwoch, 7. April 2021

Alles nur Zahlen?


Zweihunderteinundsechzig.

Zweihundertdreiundsiebzig.

Zweihundertfünfzehn.

Zweihundertzwei.

Hundertvierunddreißig.

"Wie geht es dir?" - diese Frage bringt mich immer wieder aus dem Flow. Mein Kopf grätscht dazwischen und fragt sich, ob das nun eine ernst gemeinte Frage war oder nur eine Nettigkeitsfloskel. Und selbst wenn es ernst gemeint ist, kann ich darauf nicht sofort antworten: Möchte mein Gegenüber meinen Gesundheitszustand wissen? Oder die Stimmung? Jetzt gerade in diesem Moment? Oder im Großen und Ganzen?

Ich ertappe mich dabei, wie ich immer wieder mit "Gut" antworte, weil es mir in dem Moment gerade auch richtig gut geht. Das kann auch vorkommen, wenn ich gerade in einer ziemlich üblen Phase bin. Es ist ein bisschen wie der Unterschied zwischen Klima und Wetter: Das Eine meint die Temperaturentwicklung über einen langen Zeitraum, das Andere meint das Wetter, das jetzt gerade draußen zu sehen ist.

Ich muss jedesmal schmunzeln, wenn in den USA ein Republikaner folgenden Satz bringt: "If the climate is getting warmer, then why does it snow outside?" Nicht ausgedacht - ein Abgeordneter hat tatsächlich einen Schneeball in den Senat mitgenommen, um zu zeigen, dass die Erderwärmung Humbug ist. Aber zurück zur Stimmung.

Mein Stimmungswetter kann ich ganz einfach feststellen - lache ich gerade? Bin ich zufrieden? Schwieriger wird es dann tatsächlich mit dem Stimmungsklima, denn wie kann ich das herausfinden? Wie kann ich mich über einen längeren Zeitraum beobachten und nachher handfest sagen, ja, die allgemeine Lage geht den Bach runter, auch wenn ich noch so schöne Tage verlebe?

Und damit wären wir bei den Zahlen vom Beginn des Beitrags. Man findet sie im Blog auf der rechten Seite, im Blog-Archiv. Dort wird mir angezeigt, wie viele Beiträge ich in einem bestimmten Monat oder einem bestimmten Jahr geschrieben habe. Zur Erinnerung: Ich habe diesen Blog aufgemacht, als ich die Nordseeschule in St.Peter-Ording verlassen habe. Ich wollte mir etwas geben, was in der Arbeitslosigkeit eine Regelmäßigkeit erzeugt, und so habe ich mit dem Gedanken angefangen, jeden Tag einen Beitrag zu schreiben.

Das klappt nicht immer, es gibt immer wieder Gründe, warum es an einem Tag nicht zu einem Beitrag gekommen ist. Wenn man sich die Summe der Beiträge nach Jahren anschaut, sieht man, dass es immer weniger geworden sind, im letzten Jahr war ein Tiefpunkt erreicht. Und der Hauptgrund in Zwanzig Zwanzig, heute mal keinen Beitrag zu schreiben, war fehlende Lust, Motivation, whatever. Ich habe mir gedacht, es vermisst doch eh' keiner, wenn mal an einem Tag kein Beitrag kommt. Und warum mir die Lust gefehlt hat, ist bekannt: Keine Schule, die mich gern bei sich behalten würde. Ein Schulwechsel nach dem anderen, für einen Aspi der absolute Horror.

Die Blogzahlen sind also ein wunderbares Indiz für mein Stimmungsklima in den letzten fünf Jahren. Es ist immer weiter bergab gegangen, selbst wenn immer wieder Tage dabei waren, an denen es mir blendend ging. 

Das war einer der Hauptgedanken für meine Silvester-Meditation vor ein paar Monaten. Und ich habe mir vorgenommen, wieder am Konzept festzuhalten, jeden Tag einen Beitrag zu schreiben, und wenn er noch so dämlich ist. Und jetzt gibt es auch kaum noch etwas, was mich runterzieht (wenn ich an der Toni bleiben kann) - die ersten Schritte zum Glück sind klein, aber: Auch eine Reise von zehntausend Meilen beginnt immer mit dem ersten Schritt. Weiß nicht mehr, von wem dieser Spruch stammt, aber es ist etwas dran. 

Und ich habe ganz bewusst ein paar Monate gewartet, um hier im Blog darauf aufmerksam zu machen - weil ich Angst hatte, dass das wieder nur ein Strohfeuer ist. Ich wollte, dass sich das "gefestigt" hat, dass es zu meinem Tagesplan gehört - und das habe ich inzwischen erreicht: Ich habe in drei Monaten mehr Beiträge geschrieben, als im letzten Jahr in sechs Monaten. 

Sehen wir das einfach mal als eine Klimaberuhigung ;-)

Sonntag, 21. März 2021

Ohne Meldung drannehmen?


Ich habe in meinem Kopf eine Blockade. Okay, mittlerweile wissen wir, dass da eine ganze Reihe Blockaden sind, aber es geht mir heute um eine ganz spezielle: Ich nehme im Unterricht keine Schüler dran, die sich nicht melden.

Dazu sollte vorweg gesagt sein, dass ich im Referendariat gelernt habe, dass ich auf jeden Fall Schüler auch dann drannehmen soll, wenn sie sich nicht melden. Damit sich niemand in Erarbeitungsphasen ausruhen kann, nach dem Motto "Dr Hilarius nimmt mich eh' nicht dran, also muss ich auch nichts machen" - was mir hin und wieder tatsächlich unterkommt, deswegen gehe ich seit einiger Zeit vermehrt durch die Klassen, wenn gearbeitet werden soll.

Vielleicht liegt es daran, dass ich selbst damals als Schüler panische Angst hatte, drangenommen zu werden, auch wenn ich mich nicht melde. Da gab es einige Lehrer, die das gemacht haben - die sich also an die Lehrerausbildung gehalten haben, und das hat mir Panik verursacht. Vielleicht lag das allerdings auch daran, dass ohne Meldung drangenommen zu werden etwas Unvorhersehbares ist. Für den Aspi ist es besser, wenn er sich darauf verlassen kann: Wenn ich etwas sagen möchte, melde ich mich und der Lehrer nimmt mich dran, und wenn ich mich nicht melde, dann passiert das nicht.

Wenn sich diese Panik tatsächlich auf das Asperger-Syndrom zurückführen lässt, dann sollte ich von dem Gedanken wegkommen, dass Schüler generell Angst davor haben, ohne Meldung drangenommen zu werden, oder? Ich möchte eben niemanden vor der Klasse in Verlegenheit bringen, da spielt vielleicht auch das buddhistische Denken hinein. Als Lehrer versuche ich immer wieder, den Schülern die Angst davor zu nehmen, eine falsche Antwort zu geben. Ich sage immer wieder: "Falsche Antworten sind großartig, denn wir alle können daraus lernen." - in der Hoffnung, dass mehr Schüler sich melden.

Wie handhabt Ihr das? Nehmt Ihr alle Schüler dran? Wie sind Eure Erfahrungen damit?

post scriptum: Das ist mir noch eingefallen - wenn sich tatsächlich bei einer Aufgabenbesprechung niemand meldet, bin ich überfordert. Dann sage ich "Okay, dann eben nicht. Dann machen wir das jetzt zusammen."

Sonntag, 13. Dezember 2020

Asperger im Erwachsenenalter


Ich dachte erst, nach drei Büchern hätte ich genug über das Asperger-Syndrom gelernt - aber wie es auch generell im Leben gilt: Man hat nie ausgelernt; somit hat ein neues Fachbuch seinen Weg in mein Leben gefunden, diesmal aus Deutschland, eine Sammlung von Essays und Untersuchungen, die sich alle mit einem für mich relevanten Thema beschäftigen. Die Quelle für alle folgenden Zitate ist

Tebartz van Elst, Ludger (Hrsg.): Das Asperger-Syndrom im Erwachsenenalter, Berlin 2016.

...Es sollte immer dann differenzialdiagnostisch an ein Asperger-Syndrom gedacht werden, wenn Patienten mit atypischen Präsentationen von affektiven Störungen, psychosenahen Phänomenen, Zwangssyndromen, Essstörungen oder Anpassungsstörungen vorstellig werden. (...) Hinter dem unklaren und seltsamen Fall verbirgt sich nicht selten als entscheidende Erklärung für seltsame Interaktionsmuster und schwer zu verstehende Verhaltensweisen ein bis dahin undiagnostiziertes Asperger-Syndrom. Das Erkennen der richtigen Diagnose in solchen Konstellationen ist deshalb wichtig, weil schon diese Erkenntnis an sich für Patienten wie für Bezugspersonen oft eine wichtige psychotherapeutische Intervention darstellt. Denn indem sie das von den Patienten selbst und ihren Angehörigen schon immer erlebte Anders-Sein schlüssig erklären kann, nimmt sie oft für alle Beteiligten einen großen Anteil des interpersonellen Drucks und kann so eine Entlastung herbeiführen, die Raum für neue Problemlösungsansätze schafft. (...)

Im Erwachsenenalter müssen zwei Konstellationen unterschieden werden:

Bei der ersten wird ein Patient mit bereits diagnostiziertem Autismus vorstellig. Hierbei handelt es sich im Wesentlichen um den erwachsen gewordenen Patienten aus der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Dann bereitet die Diagnose keine Probleme und die Betroffenen selbst sind ebenso wie ihre Angehörigen und Bezugspersonen meist mit den Besonderheiten einer [Autismus-Spektrums-Störung] ASS vertraut.

Anders stellt sich die Situation allerdings dar, wenn Menschen mit Asperger-Syndrom und hochfunktionalen ASS ihr Leben bis ins Erwachsenenalter gemeistert haben, ohne dass es zu Kontakten zum ärztlich-therapeutischen Hilfesystem gekommen ist. Denn die Tatsache, dass die betroffenen Personen trotz überzeugendem und stabilem Vorhandensein der Kerneigenschaften einer ASS ihr Leben bis ins Erwachsenenalter ohne größere psychosoziale Krisen meistern konnten, weist entweder auf einen geringeren Schweregrad der Symptome hin oder aber auf große Kompensationsressourcen wie z.B. eine hohe Intelligenz und gute kognitive Fähigkeiten, die geholfen haben, Umgehungsstrategien zu entwickeln, eine hohe Akzeptanz in Familie, Schule, Umfeld und Beruf und eher fehlende psychiatrische Komorbiditäten wie etwa eine ADHS oder Depressionen. (...)

Menschen mit hochfunktionalem Autismus, die sich erst im Erwachsenenalter beim Arzt vorstellen

- haben oft eine weniger schwer ausgeprägte Symptomatik

- verfügen oft über eine hohe Intelligenz und gute kognitive Kompensationsstrategien

- verfügen oft über ein gut strukturiertes Netzwerk an sozialer Unterstützung (Familie, soziales Umfeld, Schule, Beruf etc.)

- können dennoch wegen der ASS-Basisstörung in Beziehungen, Partnerschaft und Beruf komplett scheitern

(...) In diesem Zusammenhang ist es interessant, auf die Rolle der Schule als möglichen Belastungsfaktor für Menschen mit ASS zu reflektieren. Intuitiv könnte zunächst davon ausgegangen werden, dass die Schule für Menschen mit ASS in erster Linie einen Belastungsfaktor darstellt. Denn man bewegt sich permanent in der sozialen Gruppe der Klassengemeinschaft und ein Großteil der schulischen Beschäftigung findet in Gruppen statt.

Gerade für Menschen mit hochfunktionalem ASS stellt die Schule nach klinischer Erfahrung aber auch einen stabilisierenden Faktor dar. Denn sie ist geprägt durch Routinen und eine ausgesprochene Regelmäßigkeit und Berechenbarkeit der alltäglichen Abläufe. Dies kommt dem Bedürfnis Betroffener nach erwartungsgemäßen Tagesabläufen sehr entgegen. Es gibt wenige Zeiten im Leben, in denen man schon im Frühjahr weiß, was Mitte November mittwochs vormittags auf der Agenda steht. Gerade dies aber ist während der Schulzeit der Fall. Die schulischen Jahre - und bedingt auch noch die Universität zumindest sofern ein verschultes Studienfach gewählt wird - gehören zu den geregeltsten Zeiten im Leben vieler Menschen. Und gerade dies kommt dem Stärke-Schwäche-Profil von Menschen mit ASS entgegen.

Zudem wird in den Schulen viel wert auf rein kognitive Leistungen gelegt. Trotz steigender Anforderungen im Sinne der sozialen Kognition (vermehrte Gruppenarbeit etc.) stehen in den meisten Schulen nach wie vor Wissenserwerb sowie mathematisch-technische Fertigkeiten im Zentrum des Erziehungsziels. Und gerade in diesem Bereichen tun sich viele hochfunktionale Autisten sehr leicht, sodass sie über gute Schulnoten ihr Selbstwertgefühl weiter stabilisieren können. Vor allem dann, wenn das Klima in den Klassengemeinschaften geprägt ist von Akzeptanz und Toleranz und individuelle Eigenheiten und Schrulligkeiten hingenommen werden, kann die Schulzeit für hochfunktionale Autisten eine gute Zeit sein. Allenfalls die großen Pausen, in denen man in der Peer-Group herumhängt und "quatscht" wird dann oft als Belastung erlebt, für die sich aber rasch Umgehungsstrategien finden (z.B. in der Bibliothek Bücher lesen). (...)

Plakativ ausgedrückt könnte die Atypizität als ein zentrales Präsentationskriterium des Asperger-Syndroms im Erwachsenenalter angeführt werden. Hochfunktional autistische Menschen werden meist seit Kindheit von anderen Menschen als anders erlebt und erleben sich selber auch meist als "anders als die anderen". Diese Andersartigkeit ist vor allem in den Schwierigkeiten der sozialen Wahrnehmung und sozialen Kompetenz sowie dem extremen Bedürfnis nach erwartungsgemäß geregelten Abläufen und Routinen des Alltagslebens begründet. Die daraus resultierenden Schwierigkeiten in kommunikativen Situationen sowie die extreme Unflexibilität der betroffenen Menschen ist für die anderen (oder die Neurotypischen, wie die nicht-betroffenen Menschen von manchen Betroffenen genannt werden) meist schwer nachvollziehbar, einfühlbar und damit kaum verstehbar. Dies kann ein Grund für zahlreiche Konflikte am Arbeitsplatz oder in privaten Beziehungen sein, die nicht selten ihren Kern in fundamentalen Missverständnissen und Deutungsfehlern des Verhaltens betroffener Menschen mit einem Asperger-Syndroms haben.

Dementsprechend präsentieren sich erwachsene Menschen mit bis dato nicht diagnostiziertem Asperger-Syndrom häufig in Zusammenhang mit schweren psychosozialen Konflikten beim Erwachsenenpsychiater. Häufig werden dann zunächst die Diagnosen einer Belastungsreaktion, einer Anpassungsstörung, eines Burn-out-Syndroms, einer atypischen Depression oder einer nicht selten kombinierten Persönlichkeitsstörung gestellt. Begleitende psychische Auffälligkeiten wie etwa ein sonderbares Essverhalten, seltsame zwangsähnliche Phänomene oder Besonderheiten der Wahrnehmung führen oft zu Diagnosen wie atypischen Zwangsstörungen, atypischen Psychosen oder atypischen Essstörungen. In der Beurteilung durch den Arzt ist es das Sonderbare, Komplexe, Unklare und schwer Verstehbare, also insgesamt gerade das Atypische, was typisch ist für einen erwachsenen Menschen, der sich erstmalig mit einem Asperger-Syndrom vorstellt. (...)

Die hohe Intelligenz und die guten Kompensationsstrategien haben es den Betroffenen meist ein Leben lang ermöglicht, teilweise sehr kreative und originelle Umgehungsstrategien für ihre Schwächen in der sozialen Kognition zu finden und umzusetzen. Dementsprechend sind gerade Erwachsene, die sich erstmalig mit einem Asperger-Syndrom präsentieren, beruflich aufgrund ihrer hohen Intelligenz gelegentlich recht erfolgreich. Letztendlich sind es in dieser für die Erwachsenenpsychiatrie klassischen Konstellation meist die aus den Eigenheiten der Betroffenen resultierenden psychosozialen Konflikte, welche über eine Belastungsreaktion, ein depressives oder ein sozial-phobisches Syndrom zur Vorstellung beim Arzt führen. (...)

Erwachsene mit Asperger-Syndrom fallen meist sowohl durch ungewöhnliche zwischenmenschliche Verhaltensmuster als auch durch ein oft seltsames Sprachverhalten auf. Es fällt ihnen oft extrem schwer, zwanglose Beziehungen aufzubauen und alltägliche Small-Talk-Situationen zu beherrschen. Auch die Sprache kann seltsam monoton, wenig moduliert und eintönig klingen. Häufig ist auch das Blickverhalten auffällig und durch ein vermeiden des Blickkontakts oder einen starren, wenig modulierten Blick gekennzeichnet. (...)

Betroffenen Menschen fällt es oft ausgesprochen schwer, soziale Signale anderer Menschen zu entziffern. So kann die Bedeutung des emotionalen Gehalts von Gesichtsausdrücken oft kaum entschlüsselt werden. Das Betrachten von wütenden, fröhlichen, traurigen oder angeekelten Gesichtsausdrücken führt also nicht wie bei den meisten Menschen zu einem spontanen und unreflektierten Mitschwingen, sondern wird synthetisch bzw. spontan gar nicht wahrgenommen.

Ähnliches gilt für die Wahrnehmung der Sprachmelodie bzw. der Prosodie. Stimmen werden also spontan nicht als gelangweilt, ängstlich, drohend oder ironisch wahrgenommen, sondern das Gehörte konzentriert sich auf das wörtlich Gesagte. Dementsprechend stellen Situationen, in denen die komplexe und spontane Wahrnehmung von emotionalen Inhalten eine große Rolle spielt (Small Talk auf Partys, Ironie, Zweideutigkeiten, Witze etc.), Menschen mit Asperger-Syndrom oft vor extreme Schwierigkeiten. Immer wieder kommt es hier zu Missverständnissen, mehrdeutige oder ironische Aussagen werden wörtlich genommen oder verwirren, sodass sich die Patienten aus der Situation zurückziehen. Zwar können viele Betroffene aufgrund ihrer hohen Intelligenz lernen, analytisch die Bedeutung von traurigen oder wütenden Gesichtern zu entziffern, jedoch stellt dies erhebliche Anforderungen an die Aufmerksamkeit und Konzentration in den entsprechenden Situationen, da die analytische Dekodierung emotionaler Informationsweitergabe sehr viel Zeit kostet und die Betroffenen dadurch oft deutlich verlangsamt sind. (...)

Die vielleicht markanteste Eigenschaft hochfunktionaler Autisten ist das extreme Bedürfnis nach erwartungsgemäßen Tagesabläufen und Verhaltensroutinen. Jeder Tag beginnt und endet mit bestimmten ritualen, das Aufstehen am Morgen, Waschen und Ankleiden erfolgt nach bestimmten und genau festgelegten Reihenfolgen und auch der Tagesablauf ist streng definierten Abläufen unterworfen. Auch die Arbeitsabläufe sind oft stereotyp auf die immer gleiche Art und Weise organisiert und ebenso endet der Tag häufig nach einem streng reglementierten Ritual. Werden diese Stereotypien und Rituale von Außen gestört, führt dies bei den Betroffenen zu extremen Überforderungsgefühlen, Anspannung und Frustrationen, die sich nicht selten in Form von Wutausbrüchen Luft macht. Gerade diese Rituale und die damit verbundenen Wutausbrüche sind oft Gegenstand intensiver zwischenmenschlicher Konflikte sowohl am Arbeitsplatz als auch im privaten Rahmen, da die nicht-betroffenen Menschen nicht nachvollziehen können, wieso ihre Partner oder Kollegen so unflexibel sind und sich anscheinend wegen irgendwelcher Kleinigkeiten so stark aufregen können. Auch wenn diese Symptomatik gelegentlich an Zwangsstörungen erinnern kann, so fehlt doch die typische Angst-Zwangs-Dynamik der primären Zwangsstörung, d.h. mit den zwangsähnlichen Routinen und Stereotypien werden nicht wie bei klassischen Zwangshandlungen irrationale Ängste abgewehrt und sie werden dementsprechend auch nicht als Ich-dyston erlebt wie bei der klassischen Zwangsstörung. Stereotypien und Routinen finden sich bei Betroffenen nicht selten auch im Zusammenhang mit dem Essverhalten und was das eigene Gewichtsideal anbelangt, weshalb gelegentlich auch atypische Essstörungen bei Menschen mit Asperger-Syndrom diagnostiziert werden. (...)

Die Aufmerksamkeitssteuerung bei Menschen mit Asperger-Syndrom kann an eine ADHS erinnern. Einer ausgeprägten Fähigkeit zur Hyperfokussierung auf bestimmte interessierende Themen kann eine nicht weniger starke Unaufmerksamkeit bei nicht-interessierenden Themenbereichen entgegenstehen. Möglicherweise verbunden mit der Möglichkeit zur Hyperfokussierung und der Tendenz zu stereotypischen Verhaltensweisen entwickeln manche Menschen mit Asperger-Syndrom in Teilbereichen ausgeprägte Sonderbegabungen. Diese bewegen sich meist im perzeptiven, gestalterischen oder mathematischen Bereich. Aber auch im sprachlichen Bereich können Autisten außergewöhnliche Leistungen vollbringen (Erlernen vieler Sprachen, schriftstellerische und dichterische Leistungen), wobei hier selten der kommunikativ-pragmatische Aspekt von Sprache subjektiv im Zentrum der Faszination steht sondern eher der systematische (Faszination einer Sprachstruktur und Grammatik) oder der konstruktive Aspekt (Kreierung von Sonder- und Eigensprachen, Ästhetik, Dichtung etc.). Auch das Sammeln großer Mengen von enzyklopädischen Wissensinhalten fasziniert viele Menschen mit Asperger-Eigenschaften sehr, ohne dass dabei die pragmatische und anwendungsorientierte Seite dieses Wissenserwerbs subjektiv im Zentrum steht. (...)

Ein Eigenschaftsbereich, der bei vielen Menschen mit Asperger-Syndrom auffällig ist, aber noch nicht zu den offiziellen Definitionskriterien zählt (außer beim DSM-5), ist die perzeptive Wahrnehmung. Hier berichten viele Betroffene von einer extremen Empfindlichkeit im Hinblick auf eine akustische, visuelle, taktile oder olfaktorische Reizüberflutung. Quietschende oder schrille Geräusche, starke Gerüche oder grelle Farben können gelegentlich als extrem unangenehm empfunden werden. Dies gilt auch für Berührungen durch andere Menschen. Dementsprechend meiden Betroffene Situationen, in denen sie mit solchen Sinneseindrücken konfrontiert werden (U-Bahn, Menschenmengen, Einkaufszentren etc.) und führen oft ein eher zurückgezogenes Leben. (...)

Zusammenfassung

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass es sich bei dem Asperger-Syndrom und den hochfunktionalen Autismus-Spektrum-Störungen um eine Entwicklungsstörung mit stabiler Symptomatik handelt, die sich gerade bei geringerer Ausprägung sowie hoher Intelligenz und guter Kompensationsbedingungen nicht selten erst im Erwachsenenalter erstmanifestiert. Das klinische Bild ist insbesondere durch Defizite der sozialen Wahrnehmung und Kompetenz, Stereotypien und Verhaltensroutinen, Sonderbegabungen und Sonderinteressen definiert. Ferner finden sich häufig Besonderheiten der perzeptiven Wahrnehmung, ein schlechter Augenkontakt und Probleme im Bereich der Feinmotorik und Koordination. Gerade im Erwachsenenalter resultieren aus den Kerndefiziten oft erhebliche zwischenmenschliche und interaktive Probleme, die dann Anlass der Vorstellung beim Arzt oder Psychotherapeuten sind. In diesem Zusammenhang ist oft schon allein die korrekte Diagnosestellung sehr hilfreich, weil sie hilft, Fehlinterpretationen von Verhaltensauffälligkeiten zu vermeiden, und so die Selbst- und Fremdakzeptanz fördert. Bei eigenartigen und sonderbar anmutenden Menschen mit komplexen psychosozialen Problemen und atypischen affektiven Symptomen, Zwangssymptomen und Anspannungszuständen sollte differenzialdiagnostisch an eine hochfunktionale Autismus-Spektrum-Störung gedacht werden.

(S.27-35)

Sonntag, 6. Dezember 2020

Enhanced Classroom

Anders sehen, anders riechen, anders erleben, anders merken.

Enhanced classroom
 bedeutet in etwa soviel wie erweiterter oder bereicherter Unterricht. Unterricht mit einem gewissen Extra. Schönes Beispiel zur Veranschaulichung des Begriffs "enhanced": Es ist bekannt, dass die USA Gefangene foltern, um Informationen aus ihnen herauszupressen. Sie nennen es allerdings nicht Folter - torture - sondern Enhanced Interrogation Techniques/Methods. Das ist ein klassischer Euphemismus.

Hier geht es aber um etwas Positives. Ich habe in den letzten Jahren immer wieder gelesen, wie die richtige Atmosphäre das Lernen für Schüler erleichtern kann, und darüber hinaus, wie das Gehirn eine bestimmte Atmosphäre mit einem bestimmten Lerninhalt verknüpfen kann. Ein konkretes Beispiel: Ich führe in einer Lerngruppe ein neues Thema ein, die if-clauses. Dafür nehme ich mir eine Doppelstunde Zeit und lasse die Schüler ihre Handys vorn am Pult ablegen. Ich brauche ihre ungeteilte Aufmerksamkeit. Ich erkläre ihnen die Grammatik, sie schreiben mit, bearbeiten Aufgaben, Lernzielkontrolle, alles paletti.

Was die Schüler nicht wissen: Ich habe vor der Stunde das Klassenzimmer mit Sandelholz-Räucherstäbchen ganz leicht "beduftet". Sie haben es wahrgenommen ("Oh, das riecht hier total schön, waren sie das?"), aber damit ist die Sache für sie abgehakt. Ihr Unterbewusstsein verknüpft Sandelholzduft mit den Regeln zur Bildung der If-Sätze und speichert das ab. Drei Wochen später steht die Klassenarbeit an. Wieder setze ich den Sandelholzduft ein; die Schülerhirne erinnern sich an den Duft und es fällt ihnen leichter, sich die Grammatikregeln wieder vor Augen zu führen. Positiver Lerneffekt.

Wir kennen das aus unseren eigenen Erlebnissen: Wenn ich eine Tüte Badesalz öffne und daran schnuppere, schießt mir sofort ein Bild von vor über zehn Jahren in den Kopf; ich stehe mit ein paar Kommilitonen und Prof. Dr. Josef Wiesehöfer in Griechenland am Strand von Methoni, der Wind braust uns um die Ohren und bläst uns das Meersalz in's Gesicht. Es funktioniert jedesmal wieder, wenn ich diese Badesalztüten öffne.

Wenn sich herausstellen sollte, dass ich an der Toni bleiben kann, möchte ich dieses Experiment irgendwann selbst einmal durchführen. Im Referendariat habe ich schon eine ähnliche Erfahrung gemacht, indem ich Schwarzlicht eingesetzt habe. Wenn es den Kindern helfen kann, komplexe Inhalte besser zu merken, dann wäre das doch toll - oder?

post scriptum: Danke an die große Buba - ihr Satz "Herbst ist genau die richtige Zeit für eine gothic horror story" hat mich daran erinnert, wie eine unterschiedliche Atmosphäre ein unterschiedliches Erleben ein und derselben Sache bewirken kann.