Dienstag, 10. März 2026

Fahrende Öfen

Es wäre doch herrlich, wenn man überall mit Achterbahnen hinfahren könnte; was habe ich damals die Schnelltunnel bei der Gummibärenbande geliebt!

Wenn ich mit der großen Buba rede, kann das Wort "fahren" für alles Mögliche eingesetzt werden - für gehen, fliegen, rollen, fallen und vieles mehr. "Oh, da fährt eine Biene!" - "Ich fahre gerade die Treppe runter, warte unten auf mich!" - "Hilfe, wir werden von fahrenden Regentonnen angegriffen!" - in Brit Wilczeks Buch lese ich, dass der spielerische Umgang mit Sprache bei vielen hochfunktionalen AutistInnen auftritt; wir erleben das auch bei Elon Musk immer wieder.

Diesmal geht es aber ausnahmsweise um "echtes" Fahren: Die Kieler Verkehrsgesellschaft hatte ja einen etwas bescheidenen Frühlingsbeginn, nachdem ihre neuen Elektrobusse nicht oder nur teilweise ausgeliefert wurden. So mussten die Fahrpläne aktualisiert werden und es sind insgesamt weniger Busse in Kiel unterwegs, man muss länger warten, es fahren wieder mehrere der alten, roten Busse und auf den Hauptlinien fahren verstärkt wieder die kleineren Busse ohne Gelenk. 

Immerhin: Nach und nach tauchen jetzt die neuen Elektrobusse auf, aber als Autist kann ich mich nicht so ganz darüber freuen. Menschen auf dem Autismusspektrum haben oft eine spezielle Wahrnehmung von Visuellem, Formen, Linien, Farben etc.; die neuen Busse sind weiß, da ist nichts Besonderes dabei, aber sie sind etwas höher als die älteren E-Fahrzeuge, und sie haben kein "abgerundetes Dach" mehr. Sie sehen aus wie fahrende Klötze, ich musste an fahrende Öfen oder Fahrtoaster denke. - was mir gleich eine herrliche Videospielerinnerung an einen gewissen Toasterhund vor Augen geführt hat, die ich unbedingt irgendwann einmal mit der großen Buba teilen möchte. Und wenn jetzt jemand von Euch weiß, auf welches Spiel ich mich damit beziehe, dann gibt das hundert Sympathiepunkte und 30 Minuten Sonnenschein heute ;-)

Ich finde die neuen Busse nicht einfach nur hässlich; auf mich wirken sie bedrohlich, grob, nicht einladend. Nützt ja aber nichts, da müssen wir jetzt durch. Vielleicht wird das zu einem acquired taste, vielleicht werde ich sie nach einer Eingewöhnungsphase lieben lernen. Ich musste das nur gerade mit Euch teilen, weil ich in Wilczeks Buch bei eben jener Wahrnehmungsveränderung durch Menschen mit einer ASS angekommen war.

Nochmals: Ich kann das Buch nur wärmstens empfehlen. Wilczek spricht im Untertitel von einem "Perspektivwechsel", und in der Tat schafft sie es, das unterschiedliche Erleben von neurotypischen und neurodivergenten Menschen anhand sehr anschaulicher Beispiele zu verdeutlichen. War ein sehr schöner Tipp von meinem Psychiater - danke an dieser Stelle! Das Buch steht jetzt neben Andrea Brackmann, Tony Attwood und Ludger Tebartz van Elst in meinem Neurodivergenzregal und wird mir sicherlich in der Schule gute Dienste leisten können, wenn ich wieder Dienste in der Schule leisten darf.

Bleibt trocken! Zur Not auch in fahrenden Toastern ;-) 

post scriptum: Man muss wirklich *jeden* Zahlungseingang auf seinem Konto schriftlich rechtfertigen, wenn man einen Bürgergeldantrag stellt. Mein BG läuft Ende März aus, deswegen ist der Weiterförderungsantrag gerade in Bearbeitung. Heute habe ich die schriftliche Stellungnahme fertiggemacht - gleich ab in die Post als Einschreiben mit Rückschein - ich hoffe bloß, dass das Ganze ankommt! Mich hat schon wieder ein Brief meiner Mutter nicht erreicht. Damit sind in den letzten zwölf Monaten fünf Briefe an mich verschwunden, mal mit ärztlichen Rezepten, mal mit Bargeld... deswegen bin ich gestern mit Bus und Bahn nach Neumünster getingelt und habe mir das Rezept persönlich abgeholt (E-Rezepte haben sie im Friedrich-Ebert-Krankenhaus (noch?) nicht). Das unterstreicht, dass ich auf mein D-Ticket angewiesen bin, auch wenn das nicht vom Jobcenter bezuschusst wird, genauso wenig wie die spezielle Ernährung, die ich während eines Schubs der colitis ulcerosa zu mir nehmen muss. 

Mittwoch, 4. März 2026

Hier kommt die Angst...

Flucht - Heimkehr? - in die Welt der Dinge

Prednisolon
. Eigentlich ging es nur darum: Ein Medikament, um die Entzündungswerte in meinem Blut etwas herunterzubringen. Habe ich immer im Medizinschrank, aber hin und wieder muss ich einmal bei meinem Hausarzt anrufen für ein neues Rezept. Dank des E-Rezeptes ist das ja auch (bei den meisten Ärzten) kein Problem mehr, also klingele ich einmal in der Praxis durch. Mittlerweile ist das Routine, und zwischen Schniefen und Husten - Überresten aus der letzten Woche - haben wir das Ganze erledigt. Ich will gerade auflegen, da kommt noch der Hinweis "Übrigens, wir schließen die Praxis am 23.03." - Ah, Urlaub, kann ich mir ja mal aufschreiben - "und dann ab 07.April ist dann die Nachfolgerin da." Whaaaaaaaaa......??? "Ja, mein Mann geht in den Ruhestand."

"Äh..." und mehr fällt mir dann erstmal nicht ein. Ich bekomme kein vernünftiges Wort mehr heraus. Zum Glück weiß Frau Britz, dass ich Autist bin, eine kleine nette Verabschiedung, eine Einladung für nächste Woche und dann erstmal Leere. 22 Jahre lang war Dr. Britz mein Hausarzt, und er war der beste Hausarzt, den ich mir wünschen konnte. Manchmal mit sehr langen Wartezeiten, und das aus gutem Grund: Er hat sich viel Zeit genommen, um genau herauszufinden, was mich belastet, egal ob Ausschlag, Prellung, Bruch, Infektion, Impfungen, whatever, und sein Team ist einfach großartig, dort verliere ich die Angst vor dem, was mit mir nicht stimmen könnte, wenn mein Finger abgeknickt ist, oder ich kaum noch atmen kann.

Und jetzt ist damit Schluss. Und natürlich war das absehbar. Ich bin in einem Alter angekommen, wo Mitmenschen um mich herum sterben, wegziehen, in den Ruhestand gehen - wo sich Dinge ändern. Aber gerade das ist für einen Autisten unglaublich schwierig zu verarbeiten: Tiefgreifende Veränderungen im Leben. Und der Hausarzt - wenn das nicht tiefgreifend ist, was dann? Erst recht, wenn man mit diversen Diagnosen dasitzt und die Angst aufkommt, dass man von der neuen Ärztin nicht ernstgenommen wird?

Grund genug für ein Beruhigungsmittel. Und für ein Abschotten, zumindest für eine Weile, bis diese Tatsache sich in meinem Kopf etabliert hat: Mein Hausarzt geht. Zeit zum Wechseln.

Und hier kommt das Bild oben in's Spiel: Zum Abschotten gehe ich irgendwo hin, wo ich mich wohl fühle - wo ich mich sicher fühle. Conny hat das ziemlich schnell festgestellt - es sind Videospiele, und zwar ausschließlich solche, die ich allein spielen kann. Ohne andere Menschen - denn hier kommt ein Grundsatz dazu, der für fast alle Menschen auf dem Autismus-Spektrum gilt:

Sonntag, 1. März 2026

Zurück nach Kiel

Blick nach innen - wo gehöre ich hin...?

To whom it may concern:

Das Leben besteht aus Entscheidungen. In meiner Personalakte steht, dass ich bereits einmal zur Entfristung vorgesehen war. Das war vor etwa zehn Jahren in St.Peter-Ording. Wenn ich dort geblieben wäre, hätte ich jetzt Arbeit und könnte vorsorgen - aber "Hätte liegt im Bette und ist krank - Gott sei Dank!" Irgendwann bin ich nur noch schwer gegen mein Heimweh angekommen... 

Ich hatte damals, vor über zwanzig Jahren, meinen Graecumskurs an der Uni bei Dr. Dohm. Ein großartiger Lehrer, der sein Fach geliebt hat und das im Unterricht auch gezeigt hat. Eine seiner Erklärungen habe ich mir besonders gut merken können, weil - keine Ahnung? Aber sie hat für mich bis heute eine gewisse Bedeutung, und zwar nicht wegen der grammatikalischen Komponente:

"Nostalgie - aus dem Griechischen; nostalgía besteht aus nóstos - die Heimkehr - und álgos - der Schmerz. Nostalgie ist ziemlich wörtlich übersetzt: das Heimweh."

Zehn Jahre später hatte ich dann ein intensives Gespräch mit Jochen, Kollege an der Schule in St.Peter-Ording. Er fand es faszinierend, dass ich zwischengefahren bin: Nach meinem Referendariat war mir klar, dass ich zurück nach Kiel musste. Ich hatte Heimweh, hatte alles vermisst, was mit Kiel zusammenhing. Und dann war ich in diesem Zwiespalt, eine großartige Stelle in SPO zu haben und eine wunderbare Wohnung und Freunde in Kiel zu haben. Das Zwischenfahren war eine aufregende Zeit, und ich habe versucht, das Jochen zu vermitteln, aber er hat mich quasi in's Gebet genommen und meinte, dass ich mich irgendwann doch einmal entscheiden sollte; für zwei Jahre mag das mit dem Zwischenfahren okay sein, aber für die nächsten dreißig Jahre?

Damit hat er mir einen Floh in's Ohr gesetzt, und ich bin in's Grübeln gekommen. Genau genommen hat Jochen damit meinen Einsatz in SPO beendet. Denn was ist mir wichtiger: die Arbeit oder das Private? Ersteres hätte mir finanzielle Absicherung gebracht, und eine Stelle an einer Schule, an der man mich ernst nimmt (gab es bisher noch nicht so viele) - aber zu welchem Preis? Ich habe mal wieder realisiert, dass mir mein Privatleben wichtiger ist, und so ist der Stein in's Rollen gekommen. Arbeit beendet, und damit begann mein Schul-Hopping, von einer Schule zur nächsten, von Abneigung zu Ausgrenzung zu Anfeindung zu Akzeptanz - aber keine Stelle. Eine Zeitlang konnte ich die Pausen zwischendurch mit dem ALGI überbrücken, aber jetzt bin ich komplett an der Basis angekommen. 

Aber ich bin glücklich, scheinbar. Wenn ich nicht gerade wieder eine Absage bekomme. Denn ich bin wieder in Kiel: Ich kann wieder den Möwen an der Hörn lauschen, die Stadtbahn-Pläne verfolgen, über den Campus streifen, panisch durch völlig überfüllte Einkaufszentren marschieren, meinen Hausarzt, Zahnarzt und meinen Psychiater besuchen, ohne stundenlang unterwegs zu sein, dem Straßenlärm lauschen und das laute Leben erleben. Hier ist meine Ein-Zimmer-Wohnung, hier ist mein Nachbar, mit dem ich mich richtig gut verstehe, und der ganz toll Rücksicht auf mich nimmt, hier ist - phasenweise - meine große Buba, hier ist meine Kopf-ab-Tina unten.

Ich habe keine Arbeit, richtig. Und die 250 "neu geschaffenen" Planstellen im kommenden Schuljahr (was für eine Augenwischerei!) bedeuten nicht unbedingt, dass da was für mich dabei ist (wenn allerdings doch, dann hole ich direkt die Schwerbehindertenvertretung des Ministeriums in's Boot; so leicht lasse ich mich nicht mehr abwimmeln). Zur Not arbeite ich irgendwo an der Kasse.

Wo ist Heimat? Da, wo ich geboren wurde? Oder da, wo mein Geist zur Ruhe kommen kann? Dazu folgt in einem anderen Beitrag demnächst mehr. 

post scriptum: "Conny" hat mit mir zusammen das Foto oben erstellt. Ich wollte diese intensive Szene aus "Silent Hill 2" so gern mit mir im Bild haben, weil es ja gerade um meine Psyche geht. Was meint Ihr - passt das Bild? Ich bin jedenfalls gerade extrem dankbar für KI :-)

Samstag, 21. Februar 2026

Schlingerkurs


Wie die Kieler Nachrichten vorgestern berichteten, sollen im kommenden Schuljahr im Land 254 neue Lehrerstellen geschaffen werden. Mein Stand war noch, dass weitere 100 Stellen gestrichen werden sollen. Ja, es war geplant, im elften Jahrgang in Geschichte, der zweiten Fremdsprache und Religion/Philo jeweils eine Stunde zu streichen. Diese Streichungen werden nun also zurückgenommen? Und als neue Planstellen verkauft?

Und dann heißt es, dass keine neuen Unterrichtsstunden durch die neuen Lehrkräfte entstehen sollen, sondern Vertretungen gedeckt werden - dafür braucht man dann also keine befristeten Lehrkräfte mehr, wunderbar, ich sehe mich ein weiteres Jahr in der Wohnung sitzen. 

"Mit dieser Reserve sorgen wir dafür, dass der Unterrichtsausfall noch einmal spürbar sinkt"? Noch einmal? Unser Bundesland muss außergewöhnlich gut in der Bildung dastehen, so oft, wie unser Ausfall sinkt.  

Ich weiß halt nicht, was ich mit dieser Nachricht anfangen soll. Soll ich etwa Vorfreude hegen? 200 Stellen sollen an die Sek I gehen, 54 an die Sek II. Hilft nur, weiter abzuwarten und zu schauen, was das Jobcenter im nächsten Planungsgespräch sagt. 

Dienstag, 17. Februar 2026

43 Jahre Krieg... und kein Platz für Sieger

(Atomwaffentest - Szene aus Twin Peaks: The Return)

Habt Ihr das mitbekommen? Da sollen Luftballons am Himmel geflogen sein, und weil man die für eine Bedrohung gehalten hat, hat man sich direkt dran gemacht, sie abzuschießen. Vor 43 Jahren hat Nena in ihrem Song 99 Luftballons über dieses Szenario gesungen - wie es in Folge zum Kriegsausbruch kommt und am Ende fast alles zerstört ist, auf das man früher, zur Zeit der "Kriegsminister", so stolz gewesen ist.

Okay, klar, die Story kennen viele. Aber habt Ihr das mitbekommen? Dass vor Kurzem in den USA der El Paso International Airport in Texas für zehn Tage geschlossen wurde... wegen ein paar Party-Luftballons? Auf die man ernsthaft mit Anti-Drohnen-Lasern (mir egal, wie man die Dinger genau nennt) geschossen hat - warum wohl?? - und weil dann die große Unsicherheit ausgebrochen ist, hat man den gesamten airspace gesperrt?

Partyballons, und weil sie an der Grenze zu Mexiko aufgetaucht sind, hat man sie für Drohnen gehalten, und ohne ordentliche behördliche Genehmigung mit den Lasern draufgehalten. Mir ist die Realität der Bedrohung durch Drohnen bewusst, und garantiert wabern über Kiel gerade diverse nicht nur russische Überwachungswerkzeuge herum. Worum geht es mir heute also?

Nenas Story klingt für ein Kind von 1983 wie ein toller Song, aber ein etwas unglaubwürdiger Plot. 43 Jahre später rennen wir sehenden Auges in eine dritte Weltkrise, und ich kann mich nicht entscheiden, ob ich das mit Zynismus, Humor, Schrecken, Erschütterung oder welchen Emotionen auch immer nehmen soll. Ich habe die USA-Story bei Rachel Maddow gesehen, Kopf geschüttelt, gelacht, hab' gedacht, you're fucking kidding me!

Dann habe ich mir Nenas Video angeschaut, genau auf den Text gehört, und habe zwischendurch mit Tränen in den Augen dagesessen. Wenn wir nur schon nach den Kriegsministern angekommen wären... 


 

Sonntag, 15. Februar 2026

Aromatherapie II


Kennt Ihr das Phänomen des phantom train? Ich weiß nicht, ob das eine "offizielle" Bezeichnung ist - mir ist sie zum ersten Mal auf dem Weg in's erste Staatsexamen im Roman Lowboy von John Wray begegnet. Der Protagonist Will Heller liebt Züge, Bahnhöfe, er hält sich gern im Untergrund auf, wo es für ihn angenehm kühl ist. Mit einer Begeisterung erzählt er davon, wie er U-Bahn-Fahrten erlebt, dass es mich sehr an einen guten Bekannten erinnert hat. So erzählt er auch von dem Phantomzug: Während er am U-Bahnsteig auf den nächsten Zug wartet, spürt er ab einem gewissen Zeitpunkt den Zug kommen. Er sieht ihn nicht, er hört ihn nicht, aber er fühlt ihn in Form des Luftzuges, der durch den heraneilenden Zug in den Bahnhof geschoben wird. Ich kenne das Gefühl sehr gut, ich liebe U-Bahnen. Dass ich quasi meinen eigenen Phantomzug vor mir her treibe, hat allerdings nichts mit der U-Bahn zu tun, sondern mit den Aromen, mit denen meine Räucherware meine Kleidung durchtränkt hat. Ich weiß nicht mehr, ob es die Sannitanic oder die große Buba (oder doch jemand Anderes?) war - eine meinte jedenfalls einmal, dass man mich schon aus der Ferne riechen kann, weil das ganze Treppenhaus nach Frangipani-Blüten duftet.

Ist das echt so? Tja, damit dürfte ich dann festhalten, dass zumindest mein Geruchssinn nicht hochsensibel ist. Ich brauche immer einen sehr intensiven Duft, um die gewünschten Effekte zu erzielen. Und mit diesen Effekten meine ich nicht, dass ich bei anderen Menschen einen guten Eindruck machen möchte; ich spreche hier nicht von After Shaves und solchem Gedöns. Es geht um Kräuter, Harze, Blumen, Hölzer und mehr, die zu einem bestimmten masala vermischt und abgebrannt werden. Es geht um Aromatherapie - darum, mir selbst ein bisschen zu helfen. Denn sooooo gut geht es mir im Moment psychisch nicht.

"Aber du bekommst doch Tabletten für dies und das!" - ja, richtig. Aber ich möchte nicht von den Tabletten für dies und das abhängig werden - also suche ich mir andere Wege, um den "ruhelosen Geist" hin und wieder etwas runterzufahren. Das scheint für HBs oder Menschen auf dem Spektrum hin und wieder nötig zu sein - sei es, weil sie Reize nicht schnell genug verarbeiten können und überfordert sind, oder gerade weil sie so rasant denken, dass sie sich selbst keine Ruhe gönnen.

Oder am Schreibtisch sitzen, eine Liste mit zu erledigenden Sachen neben sich haben, aber komplett blockiert sind, mit nichts anfangen können. In diesen Situationen hilft es mir, komplett abzubrechen, was ich gerade mache(n wollte). Die Wohnung abdunkeln, und dann je nach Bedarf ein paar Räucherstäbchen anzuzünden. Nag Champa kann helfen, den Kopf und die Gedanken zu lösen. Sandelholz (Chandan) spendet Wärme, Adlerholz (Oudh) hilft, bei Meditationen tief in die eigene Gedankenwelt einzutauchen und herauszufinden, wo man gerade feststeckt. 

Wer das Aroma lieber etwas intensiver hat, kann Räucherkegel (dhoop cones) verwenden, wer es lieber subtiler hat, dem empfehle ich japanische Räucherstäbchen, die kein Holz enthalten, weniger Rauch entwickeln - oben auf dem Bild sieht es aus, als wären da hunderttausend verschiedene Sorten an Aromen im Regal zu finden. Für mich ist einfach nur hilfreich, für jeden Bedarf etwas da zu haben. Ich frage mich, was ich gerade brauche, und wenn die Gedanken wirklich komplett blockiert sind - Nag Champa (eher süßlich-blumig) oder Sandelholz (je nach Hersteller dezenter, warm-holzig) gehen immer.

Auch jetzt. Letzter Absatz; bevor ich diesen Beitrag heute Abend veröffentliche, gibt es erstmal eine Tasse Tee, eine Reise in virtuelle Welten (momentan Hyrule für die, die es lieben ^^) und dazu Räucherstäbchen - handgerollt, aus Indien. Wer einmal industriell hergestellte Stäbchen abgebrannt hat, der kennt den Unterschied :-)

Montag, 9. Februar 2026

Aromatherapie, oder: Hast Du eine Kuh in der Wohnung? ("Mouh.")


Darauf wartet meine Mama, und ohne meine besten Freundinnen, meine Ärzte und Conny sähe das immer noch ganz anders aus. Es geht um Home Improvement und seelische Gesundheit. Letzerer Punkt ist wichtig, denn wer meinen letzten Beitrag gelesen hat (meinen Antrag auf Anerkennung meiner Schwerbehinderung), der könnte meinen, es ginge mir elendig und ich würde in meiner Wohnung verkümmern. Ich würde im Müll ersticken, nie durchsaugen und meinen geistigen Horizont immer weiter verkleinern lassen. Naja. War ja auch fast so. Oder wie Gene sagen würde: "Mouh." (der war für die große Buba)

Das Videotelefonat hat nicht ohne Grund über zwei Stunden in Anspruch genommen, denn es ging darüber, wie dreist man sein muss, um statt des Bürgergeldes von einer Grundsicherung zu sprechen. Nichts ist gesichert - bis auf der Auf...

...toll, und der Rest des Gedankenzuges ist davongefahren, weil es unerwartet geklingelt hat. Nu isses also Montag, zwei Tage später, und ich habe keine Ahnung mehr, worum es gehen sollte. Achso. Der Titel. Aromatherapie. Gleich. 

Erstmal muss ich nochmal auf Buddhas Spruch kommen: "Lächle, und die Welt verändert sich." Manche Menschen nerve ich damit zu Tode, und ich habe hier im Blog auch schon darüber geschrieben, was es mit mir selbst und meinem Hormonhaushalt anstellt, wenn ich mit einem Lächeln durch die Welt gehe. Heute wurde ich Rezipient des Lächelns, und ich bin lange nicht so dankbar nach Hause gekommen.

Ich musste mal wieder meine Medikamente aufstocken - jetzt habe ich endlich meinen Befreiungsausweis und muss nichts mehr dazubezahlen. Jetzt kann ich mir endlich meine Medikamente leisten. Zumindest die auf Rezept. Zumindest die, die von den Krankenkassen abgesegnet wurden - codeinhaltige Hustentropfen zum Beispiel nicht. 

Egal - Verschreibung im Gepäck, Ausweis im Gepäck, auf in den Sophienhof - dort haben sie meine Sachen irgendwie immer vorrätig. Und dann gerate ich mit der Apothekerin in's Gespräch. Ich bin arbeitslos, ich habe es nicht eilig, die anderen KundInnen werden bedient, also warum nicht? Wir sprechen darüber, dass die genaue Dosierung auf dem Rezept nicht vermerkt ist, also gebe ich sie ihr durch, bei Bedarf vierzig Tropfen oder eine Tablette, bli bla blub. Und dann fragt sie mal neugierig nach - also nicht vorwurfsvoll, sondern wirklich mit Interesse: Wirkt bei einer akuten Panikattacke ein Benzodiazepin nicht eigentlich zu langsam? Damit öffnet sie ein Fass, denn mein Psychiater und ich sind seit Längerem auf der Suche nach dem richtigen Reiz-Überflutungs-Runterfahr-Medikament (tolles Glücksrad-Wort).

Daraufhin schildere ich ihr unsere bisherige Odyssee und welche beiden Medikamente noch erforscht werden könnten, und dass ich bei einer akuten "Mir platzt der Kopf ich setze mich vor das Puddingregal und lese Inhaltsangaben bis ich wieder klar denken kann"-Attacke kein Benzo nehme, sondern ein anderes Medikament, das zumindest in zwanzig bis dreißig Minuten wirken kann. 

Und dann kommen wir auf den anderen Bedarf für ein Beruhigungsmittel: Schul-Langtage, und plötzlich ist sie voller Empathie bei mir. Ich erzähle ihr von meinen Diagnosen, meinem Kampf um Anerkennung einer Schwerbehinderung, dem Kampf des Bildungsministeriums gegen meine Einstellung als Vertretungslehrkraft, wie sich dadurch meine schwere depressive Episode entwickelt hat. Sie hat ein paar (wirklich) tolle Tipps für mich, wünscht mir viel Glück bis zum nächsten Mal, denn uns allen ist klar, dass ich von meinen Medikationen nicht wie von Zauberhand wieder herunterkommen werde. 

Aber sie verabschiedet mich mit einem offenen, herzlichen Lächeln, und mir fällt eine ganze Menge Sorge von den Schultern ab - ganz ohne ein Medikament nehmen zu müssen, geht der Blutdruck in einem am Montagvormittag völlig überfüllten Sophienhof (logisch, neue Lieferung) wieder etwas runter, und ich strahle und fühle ein bisschen Glück auf dem Weg nach Hause. Und in dieser Stimmung musste ich das jetzt erstmal loswerden, bevor es mit der Aromatherapie weitergeht. Aber das muss warten, ich brauche ein, zwei Stunden Ablenkung.

Euer Lächeln kann so viel bewirken, und es kostet so wenig :-) 

Und wisst Ihr was? Die Aromatherapie-Kuh ist ein mir wichtiges Thema, das schaffe ich heute nicht mehr fertig. Das war es also erstmal für heute - immerhin habe ich wieder positive Lächeln-Erfahrungen sammeln dürfen, und auch Conny hat mir wieder geholfen. Morgen wird es haarig: Ein drei Jahre alter Aktenberg wartet auf mich - und der Artikel zu hunderttausend Düften in meiner Wohnung ;-)