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Donnerstag, 16. April 2026

Bloß nicht ernst genommen werden! :-(


Ich gehe zum Arzt, wenn ich Hilfe brauche. Das ist sicherlich für viele von Euch eine Selbstverständlichkeit, aber für diesen Autisten nicht, davor habe ich Angst. Da breche ich mir den Zeigefinger seitlich im 80°-Winkel, breche ihn zurück, wickele ihn in Verbandsstoff ein und das war es - aber und an vielleicht mal Aspirin. Zum Arzt bin ich erst einen Monat später gegangen, als mir bewusst wurde, dass es meinem Finger eben doch nicht wieder gut geht, dass er nicht von allein gerade wird und dass ich ihn nicht mehr bewegen kann.

Wer sich mit dem Autismusspektrum auskennt, weiß vielleicht, dass AutistInnen u.A. eine eigene Schmerzwahrnehmung haben. Mir hat das nicht weiter wehgetan, auch ohne die Aspirin fast gar nicht, und deswegen war ich nicht bei'm Arzt. Danach bin ich vom Hausarzt zu einer Handchirurgin überwiesen worden und nach Röntgen und Messungen der Fehlstellungen ging es weiter in die Lubinusklinik, Anästhesie. Die Story könnt Ihr hier im Blog nachlesen.

Worum es mir bei diesem Beitrag geht: Ich war diesen Ärzten außerordentlich dankbar, dass sie mir geholfen haben und mich möglichst weit wieder in einen Normalstand zurückbringen könnten. Großer Dank an Dr.es Schroer, Koblitz, Ranft, Hinrichsen, Seegers, Spilok, Britz, Heinze u.v.m.; Ulf Heinze ist mein Zahnarzt und einer, der sein Handwerk wirklich versteht. Ich habe Angst davor, dass er irgendwann komplett in den Ruhestand geht (derzeit reduziert er und die Praxis wird in die Hände seiner Kinder übergehen).

Dr. Britz, mein Hausarzt, ist im Ruhestand, aber nach zwanzig Jahren Besuchen bei ihm sind mir unsere Wortwechsel gut in Erinnerung geblieben. Sie waren jedenfalls nicht so:

Hilarius: Guten Tag, ich war zwanzig Jahre bei ihrem Vorgänger und suche einen neuen Hausarzt.

Ärztin: Okay.

Hilarius: Ich bringe ein paar Diagnosen mit; ich habe eine Autismus-Spe...

Ärztin ungeduldig: Ja das steht hier alles in ihrer Akte. Was wollen sie denn von mir?

Hilarius: Ich bräuchte ein paar Folgerezepte zur Grundversorgung. Die meisten Sachen habe ich noch, aber A und B sind jetzt alle. Medikament A benötige ich gegen Kolikschmerzen, ich habe colitis ulcerosa

Ärztin: Ja, das kann ich ihnen verschreiben. Wo tut es denn weh?

Schweigen - was für eine überflüssige Frage... ja, mir tut bei'm Krampfscheißen das rechte Ohr weh, und mein linker Zeh juckt!

Hilarius: Ähm... im Magen und Darmbereich. Wegen der Colitis...

Ärztin: Ah, ich sehe gerade, sie haben colitis ulcerosa. Okay. Aber Medikament B werde ich ihnen nicht verschreiben. Das darf nur ein Psychiater - aber ich kann sie gern in eine Entzugsklinik überweisen, dort bekommen sie dann ihre Medikamente und man kümmert sich um sie.

n.b.: Medikament B ist Clonidin, ein Mittel, das den Blutdruck senkt und das quasi jeder Arzt verschreiben kann.

Ärztin genervt: Dann machen wir es so, ich schreibe ihnen das jetzt für vier Wochen auf einem Privatrezept auf. Das bezahlen sie selbst. Danach bekommen sie nichts mehr von mir. Ich kann sie aber in eine Entzugsklinik überweisen."

______________

Den Rest des Gesprächs möchte ich nicht wiedergeben, weil mein Gehirn das sorgfältig verdrängt hat. Diese nicht sehr subtile Andeutung, ich sei abhängig und müsse dringend in einen Entzug. Sie hat mich kein einziges Mal gefragt, wozu ich die Medikamente überhaupt brauche! Panikattacken, Meltdowns, Krampfanfälle - nichts davon! Sie hat meine Krankenakte gelesen, bzw. die Verschreibungshistorie, und damit schien sie alles über mich zu wissen.

Nuh-uh!

Na immerhin habe ich jetzt eine Überweisung in die, Moment... "Psychitrei" (sic) steht da. Natürlich hätte sie den Namen meines Psychiaters hinschreiben können (aus der Überweisungshistorie, in der zwölf dieser Überweisungen vorkommen), oder zumindest den des Krankenhauses, aber Psychitrei schien ihr zu reichen.

Diese... ... ...Frau... hat sich kein bisschen für mich als Mensch interessiert, sie weiß nichts über mich, hat keinerlei amnestisches Interview geführt und mich die Medikamente selbst bezahlen lassen, obwohl ich für dieses Jahr zuzahlungsfrei bin. Als ich zuhause angekommen war, hatte ich erstmal einen Nervenzusammenbruch, bin in Tränen ausgebrochen, ein authentischer Anlass für einen Tranquilizer, damit ich in Ruhe festfestellen konnte:

Der Besuch bei dieser Frau Baryshnikova in Kronshagen war ein Vergnügen, das ich mir nicht durch allzu schnelle (oder überhaupt irgend eine) Wiederholung verderben möchte. Never again! (erinnert mich an das Horrorerlebnis mit Dr.Müller-Steinmann...)

Ich habe schon ein paar tolle Tipps von Euch bekommen für einen neuen Hausarzt! Also wenn Ihr sonst noch ÄrztInnen kennt, die ihre Patienten ernst nehmen und womöglich noch nahe der Bushaltestelle Diesterwegstraße praktizieren, wäre das ein tolles Geschenk.

Ich bin so froh, dass ich wenigstens noch meinen Psychiater, Zahnarzt und Gastroenterologen habe... 

posct scriptum: Hattet Ihr sowas auch schon einmal? Dass Ihr Euch nach dem Besuch bei einem Arzt wie ein Verbrecher gefühlt habt, oder als ob Ihr gar nicht existiertet? Und ich fürchte, es gibt leider auch einige LehrerInnen dieser Art - zumindest hatte ich schon mit ein paar Schulleitungen dieser Art zu tun (nicht alle - Herr Ramm war toll, und auch Herr Haack - und manche eben nicht, nicht wahr, Frau Karschin?).

Dienstag, 14. April 2026

Zu viele Ärzte - ICH BRAUCHE EURE HILFE!!!


Ich schreibe nur eben den Einleitungssatz, dann muss ich zurück in's Bett, denn ich habe leichtes Fieber; ich muss mir irgendwo einen Infekt eingefangen haben und hoffe nur, dass ich ihn gestern nicht an meinen Psychiater weitergegeben habe. Vier Arzttermine an zwei Tagen sind zuviel für mich, inklusive Regenmärschen an beiden Tagen; herzlich willkommen im April. Ich beneide jeden einzelnen Menschen, der das schafft - ich muss mal etwas vernünftiger mit meiner Energie in's Gericht gehen und nach Möglichkeit in Zukunft maximal einen Arzttermin pro Tag legen. Ich brauche einfach Zeit, um diesen Arztbesuch zu verarbeiten - nicht nur Revue passieren zu lassen, sondern auch alles aufzunehmen, was ich dabei erfahren habe.

Und dann wäre da ja noch die Suche nach einem neuen Hausarzt. Nicht so einfach, wenn man zwanzig Jahre von einem wunderbaren Arzt betreut werden ist. Für einen Autisten doppelt schwierig.

Scheiße. 

Und dann kommt sowas dabei herum. Frau Dr. Baryshnikova, die mich gar nicht erst fragt, wofür ich die Medikamente brauche, deren Folgerezepte ich benötige, sondern mir eine Überweisung in eine Entzugsklinik anbietet! Und dass sie aus Kulanz ein Rezept als Privatrezept ausstellt, damit ich meine Medikamente bekomme. Sie hat sich überhaupt nicht für mich interessiert, genau das Gegenteil von Dr. Britz, den ich unter Tränen auf der Busrückfahrt vermisst habe. Es erklärt sich von selbst, dass das heute mein erster und letzter Besuch bei Frau B war.

Ich brauche Eure Hilfe: Könnt Ihr mir einen guten Hausarzt empfehlen? Vielleicht einen, der Psychotherapie als einen Schwerpunkt hat? Einen, der wirklich wissen will, mit wem er es da zu tun hat? Das heute, das war der pure Horror, das möchte ich nicht wieder erleben.

Montag, 9. Februar 2026

Aromatherapie, oder: Hast Du eine Kuh in der Wohnung? ("Mouh.")


Darauf wartet meine Mama, und ohne meine besten Freundinnen, meine Ärzte und Conny sähe das immer noch ganz anders aus. Es geht um Home Improvement und seelische Gesundheit. Letzerer Punkt ist wichtig, denn wer meinen letzten Beitrag gelesen hat (meinen Antrag auf Anerkennung meiner Schwerbehinderung), der könnte meinen, es ginge mir elendig und ich würde in meiner Wohnung verkümmern. Ich würde im Müll ersticken, nie durchsaugen und meinen geistigen Horizont immer weiter verkleinern lassen. Naja. War ja auch fast so. Oder wie Gene sagen würde: "Mouh." (der war für die große Buba)

Das Videotelefonat hat nicht ohne Grund über zwei Stunden in Anspruch genommen, denn es ging darüber, wie dreist man sein muss, um statt des Bürgergeldes von einer Grundsicherung zu sprechen. Nichts ist gesichert - bis auf der Auf...

...toll, und der Rest des Gedankenzuges ist davongefahren, weil es unerwartet geklingelt hat. Nu isses also Montag, zwei Tage später, und ich habe keine Ahnung mehr, worum es gehen sollte. Achso. Der Titel. Aromatherapie. Gleich. 

Erstmal muss ich nochmal auf Buddhas Spruch kommen: "Lächle, und die Welt verändert sich." Manche Menschen nerve ich damit zu Tode, und ich habe hier im Blog auch schon darüber geschrieben, was es mit mir selbst und meinem Hormonhaushalt anstellt, wenn ich mit einem Lächeln durch die Welt gehe. Heute wurde ich Rezipient des Lächelns, und ich bin lange nicht so dankbar nach Hause gekommen.

Ich musste mal wieder meine Medikamente aufstocken - jetzt habe ich endlich meinen Befreiungsausweis und muss nichts mehr dazubezahlen. Jetzt kann ich mir endlich meine Medikamente leisten. Zumindest die auf Rezept. Zumindest die, die von den Krankenkassen abgesegnet wurden - codeinhaltige Hustentropfen zum Beispiel nicht. 

Egal - Verschreibung im Gepäck, Ausweis im Gepäck, auf in den Sophienhof - dort haben sie meine Sachen irgendwie immer vorrätig. Und dann gerate ich mit der Apothekerin in's Gespräch. Ich bin arbeitslos, ich habe es nicht eilig, die anderen KundInnen werden bedient, also warum nicht? Wir sprechen darüber, dass die genaue Dosierung auf dem Rezept nicht vermerkt ist, also gebe ich sie ihr durch, bei Bedarf vierzig Tropfen oder eine Tablette, bli bla blub. Und dann fragt sie mal neugierig nach - also nicht vorwurfsvoll, sondern wirklich mit Interesse: Wirkt bei einer akuten Panikattacke ein Benzodiazepin nicht eigentlich zu langsam? Damit öffnet sie ein Fass, denn mein Psychiater und ich sind seit Längerem auf der Suche nach dem richtigen Reiz-Überflutungs-Runterfahr-Medikament (tolles Glücksrad-Wort).

Daraufhin schildere ich ihr unsere bisherige Odyssee und welche beiden Medikamente noch erforscht werden könnten, und dass ich bei einer akuten "Mir platzt der Kopf ich setze mich vor das Puddingregal und lese Inhaltsangaben bis ich wieder klar denken kann"-Attacke kein Benzo nehme, sondern ein anderes Medikament, das zumindest in zwanzig bis dreißig Minuten wirken kann. 

Und dann kommen wir auf den anderen Bedarf für ein Beruhigungsmittel: Schul-Langtage, und plötzlich ist sie voller Empathie bei mir. Ich erzähle ihr von meinen Diagnosen, meinem Kampf um Anerkennung einer Schwerbehinderung, dem Kampf des Bildungsministeriums gegen meine Einstellung als Vertretungslehrkraft, wie sich dadurch meine schwere depressive Episode entwickelt hat. Sie hat ein paar (wirklich) tolle Tipps für mich, wünscht mir viel Glück bis zum nächsten Mal, denn uns allen ist klar, dass ich von meinen Medikationen nicht wie von Zauberhand wieder herunterkommen werde. 

Aber sie verabschiedet mich mit einem offenen, herzlichen Lächeln, und mir fällt eine ganze Menge Sorge von den Schultern ab - ganz ohne ein Medikament nehmen zu müssen, geht der Blutdruck in einem am Montagvormittag völlig überfüllten Sophienhof (logisch, neue Lieferung) wieder etwas runter, und ich strahle und fühle ein bisschen Glück auf dem Weg nach Hause. Und in dieser Stimmung musste ich das jetzt erstmal loswerden, bevor es mit der Aromatherapie weitergeht. Aber das muss warten, ich brauche ein, zwei Stunden Ablenkung.

Euer Lächeln kann so viel bewirken, und es kostet so wenig :-) 

Und wisst Ihr was? Die Aromatherapie-Kuh ist ein mir wichtiges Thema, das schaffe ich heute nicht mehr fertig. Das war es also erstmal für heute - immerhin habe ich wieder positive Lächeln-Erfahrungen sammeln dürfen, und auch Conny hat mir wieder geholfen. Morgen wird es haarig: Ein drei Jahre alter Aktenberg wartet auf mich - und der Artikel zu hunderttausend Düften in meiner Wohnung ;-) 

Donnerstag, 11. Dezember 2025

2019 abgelaufen

Die richtige Jahreszeit für J-Horror ;-)

Die Jahreszeit schlägt gerade richtig zu. Neulich lag mein Nachbar zwei Wochen mit einer Erkältung flach, meine Mutter hat's erwischt und auch ich schnoddere mich hier durch den Alltag. Das ist einer der wenigen, sehr wenigen Momente, in denen ich froh bin, gerade nicht unterrichten zu müssen - das Reden würde mir schwerfallen, es kratzt im Hals und dröhnt im Kopf. Zum Glück gibt es Nasenspray, um die Atmung frei zu machen, aber auch Eukalyptus kann da wahre Wunder wirken.

Warum also nicht ein Eukalyptusbad nehmen? Ich habe doch bestimmt noch den Pinimenthol-Badezusatz im Schrank, oder? Schnell nachgeschaut und gefunden, wunderbar, hm, der liegt bestimmt schon seit zwei oder drei Jahren da drin. Mal schauen... "haltbar bis Juni 2019". Okay... wieder ein sehr deutlicher Fingerzeig, dass ich die Wohnung auf Vordermann bringen muss. 

Warum fange ich nur immer an, mir irgendwelche Ausreden zurechtzulegen, warum ich den Großputz noch nicht starten kann? "Nein, erstmal muss ich mich auf die Jobsuche konzentrieren", "Vorher muss ich zur Infusion, ich kann daas erst danach machen", "Wichtiger sind erstmal die Nachrichten, um zu lesen, welchen Scheiß dieser orangene Präsident da drüben veranstaltet, und um zu erleben, wie viele Menschen hier in Deutschland genauso ticken würden" (das kann einen richtig schön runterziehen ^^).

Wenn ich auf den Kalender schaue, gibt es eigentlich nur einen Grund, nicht sofort weiterzuräumen: Der Papiermüll wird nächsten Mittwoch abgeholt. Die Tonnen unten sind voll, ich kann da nichts weiter reinwerfen, also muss ich erstmal warten, bis sie geleert sind, damit hier weiter entmüllt werden kann. Aber es tut so gut, abends auf den Tag zurückblicken zu können und sich auf die Schulter klopfen zu können: "Geil, endlich ist der Scheiß weg!"

Oder an einem Krankheitstag die Alternative zu feiern - mit Samus Aran außerirdische fahrende Küchenmaschinen in der Metroid-Reihe plattzumachen. Faszinierend: Ich kann Stunden damit verbringen, den Müll in den Videospielen zu beseitigen, aber für die Realität braucht es immer erst wieder ein Erwachen ;-)

Bleibt gesund! 

Dienstag, 11. November 2025

Das Hals- und Zahnbruch-Finale


Die Brücke ist jetzt drin, und ich freue mich schonmal sehr, dass sie passt und ich wieder einen ganz normalen Biss habe - das war durch das Provisorium etwas "verrutscht". Und so langsam verschwinden auch die Schmerzen bei Kältegefühl am Zahn - das war richtig unangenehm und ich hoffe, dass das nicht wiederkommt.

Tja, aber ansonsten geht es mir eigentlich gut. Natürlich ist es noch immer erschreckend, wie leergefegt der Stellenmarkt für Lehrkräfte in Schleswig-Holstein ist, und ich bin ernüchtert, wie unzuverlässig die Postzustellung geworden ist, so sind in den letzten sechs Monaten vier Briefe an mich verloren gegangen. 

Ich hoffe, dass das nicht passiert bei'm nächsten Angang: Ich versuche, mit der Hilfe von Conny, meiner KI, und verschiedenen Ärzten einen neuen Antrag zu stellen bezüglich meines Schwerbehindertenstatus - die colitis ist dazugekommen, und vielleicht schaffe ich es diesmal, einen GdB 50 zu bekommen. Dafür ist die KI wirklich hilfreich; schauen wir mal, ob ich etwas erreichen kann. Ich halte Euch auf jeden Fall auf dem Laufenden.

Oh, und ich genieße es wieder, dass es früh dunkel wird - perfekte Bedingungen, um sich in virtuellen Welten zu verlieren und die Zeit bis zur nächsten Schule zu überbrücken ;-)

Dienstag, 14. Oktober 2025

Hals- und Zahnbruch!


So, morgen früh ist es mal wieder soweit: Ich werde daran erinnert, warum es sich lohnt, bei der eigenen Gesundheit nicht allzu schnell zum nächsten Tagesordnungspunkt weiterzugehen. 

Mir ist es vor zwei Jahren nicht aufgefallen, dass ich abgenommen hatte. Ich bin von KollegInnen darauf angesprochen, aber was soll schon sein, mein Gewicht ist immer etwas hin- und hergependelt. Zu Beginn meines Studiums war ich auf 78kg runter, sah zwar aus wie ein Hungerhaken, aber mir ist das nie bewusst geworden, weil ich mich täglich im Spiegel gesehen hatte und kleine Veränderungen nie wahrgenommen hatte. 

Erst, als ich mein Foto an der Kollegiumswand meiner letzten Schule gesehen hatte, wurde es doch etwas gruselig, mit hervortretenden Wangenknochen und claviculae, aber ich hatte es wieder abgetan und auf das Sonnenlicht und den Schatten geschoben. Dann kam da diese eine Mathestunde, in der ich schwarz auf weiß sah, dass ich nur noch 68kg wog - das kam dann wie ein Schock, und dann wurde mir auch erst klar, warum ich die Treppen in meine Wohnung im dritten Stock meistens nicht mehr am Stück schaffte.

Logisch - woher sollte mein Körper die Energie nehmen, wenn er kaum noch Nährstoffe aus der Nahrung aufgenommen hatte? Denn ich hatte damals reichlich gegessen und trotzdem immer weiter abgenommen. Und daraus ließ sich dann auch erklären, warum meine Fingernägel gebrochen, eingerissen und splittrig waren. 

Und wenn ich etwas früher nachgedacht hätte, hätte ich mir auch denken können, dass durch den Nährstoffmangel auch meine Zähne nach zwei Jahren bruchanfälliger geworden waren - kein Wunder, dass innerhalb von einem Jahr drei Zähne abgebrochen sind. Bis auf den neulichen Backenzahn ließ sich das ja alles sanieren; Grund zum Aufatmen gibt es trotz anschlagender Therapie noch nicht, denn so ist mir vor drei Wochen wieder ein Stück von einem Zahn abgebröselt. 

Also darf ich morgen früh um fünf Uhr mit meinem Wecker aufstehen, ansatzweise menschlich werden und ab zum Zahnarzt, der mich noch irgendwie vor den ersten Patienten des Tages geschoben hatte: Zeit für den Abdruck (ich freue mich schon sehr auf das Gefühl) für die Brücke und für den abgebrochenen Zahn. Diesmal gibt es das Sedativum direkt vom Zahnarzt, denn mir ist am hintersten Backenzahn ein Stück abgebrochen - genau die Stelle, an der (im anderen Quadranten) das Anschleifen für die Brücke letztes Mal ziemlich wehgetan hatte, und damit ich diesmal nicht wieder so verkrampfe wie damals, gibt es anstelle eines Anxiolytikums eben ein Sedativum - eine Runde dösen im Zahnarztstuhl, mit einer Wirkdauer, die gut auf die gesamte Behandlungsdauer zugeschnitten ist.

Aber es gibt auch noch eine gute Nachricht: Meine Bewerbungsunterlagen sind aktualisiert; die Bewerbungen im automatischen Bewerbungsverfahren sind immer sechs Monate gültig und müssen dann aktualisiert werden. Bisher hatte ich nach einem halben Jahr immer wieder etwas Neues gefunden, aber Dank des Kürzungswahns im SH-Bildungswesen gibt es diesmal weiterhin keine Perspektive. Okay, war also nur eine halb-gute Nachricht.

Also ab die Post, damit ich morgen vormittag eine "richtig" gute Nachricht vermelden kann! ;-) 

Sonntag, 28. September 2025

Stolz wegen einer Kleinigkeit


Da wäre ja noch der andere gesundheitliche Punkt, dessentwegen ich mich lange nicht gemeldet habe - die colitis ulcerosa. Nach den ersten Infusionsterminen ging es mir deutlich besser, ich war richtig erleichtert, ich habe endlich wieder angefangen, Horrorfilme zu schauen - bei mir ein Zeichen dafür, dass ich psychisch fit bin. Dann kam allerdings der Rückfall: Die Remissionsphase hatte ein Ende, und plötzlich musste ich wieder zwischen acht und zwölf mal am Tag zur Toilette, und an Schlaf war des Nachts nicht zu denken. Das hat mich echt fertig gemacht. Zum Glück konnte ich bei meinem nächsten Termin bei der Gastroenterologin das Thema zur Sprache bringen und wir sind zum Schluss gekommen, dass die Intervalle zwischen den Infusionen zu schnell vergrößert wurden. Also haben wir den Terminplan etwas aktualisiert.

Montag war ich wieder da, pieks tropf tropf tropf spül, und heute, einige Tage später, spüre ich, wie es mir wieder besser geht. So gut, dass ich Lust auf Dinge habe - wie zum Beispiel aufräumen. Es ist Sonntag, zehn Uhr morgens, und ich habe die Wäsche gewaschen, aufgehängt, Müll rausgebracht, Antrag auf Zuzahlungsbefreiung fertig gemacht, diesen Artikel geschrieben. Das freut mich riesig, ich bin total stolz, auch wenn das eigentlich nur Kleinigkeiten waren. Aber wenn etwas auf der Seele lastet, kann das für einen totalen Stillstand sorgen; vielleicht kennt ja der eine oder die andere von Euch das. 

Jetzt werde ich den Rest des Sonntags richtig genießen, und mich auf morgen freuen, wenn ich meiner GE mitteilen kann, dass die Infusion angeschlagen hat und wir mit der Kortison- (bzw. Prednisolon)dosis wieder etwas runtergehen können. Ich bin erleichtert, und wenn auch das Aufräumen in der Wohnung sehr langsam vorangeht - wie heißt es? "Auch eine Reise von zehntausend Meilen beginnt mit dem ersten Schritt."

Danke an alle von Euch, die an mich glauben, auch wenn ich mich Euch gegenüber momentan unmöglich verhalte. Ich bereite mir jetzt mal ein leicht verdauliches Mittagessen zu, nach dem mein Magen hoffentlich nicht explodieren wird. ;-)

post scriptum: Song of the day aus einem Filmsoundtrack <3 (I Saw the TV Glow)


 

Montag, 22. September 2025

Alien im Zahnarztstuhl


Tot bin ich noch nicht. Dass ich mich genau einen Monat lang nicht gemeldet habe, hat verschiedene Gründe - immer noch der allgemeine Frust über die Jobsituation und dass Schleswig-Holstein sich derzeit nicht in der Lage sieht, neue Lehrkräfte einzustellen, außerdem eine Art Schamgefühl, weil ich auf viele Mails nicht geantwortet habe - das summiert sich - und dann gibt es da noch gesundheitliche Gründe.

Eine Thoraxprellung vor ein paar Wochen wäre keine Ausrede gewesen, warum ich hier nichts mehr geschrieben habe. Sie hat das Atmen und die Rückenlage etwas unangenehm gemacht, aber es gibt ja Medikamente und so eine Prellung dauert nicht ewig. Problematischer wird es da bei den Zähnen. Mir ist ein Backenzahn dergestalt auseinandergebrochen, dass er das Prädikat nicht erhaltungswürdig bekommen hat. Bedeutet: Der muss raus, genauer gesagt das, was von ihm noch übrig war.

Für einen Autisten der Horror: Eine unbekannte Situation. Mir ist noch nie bei vollem Bewusstsein (aber natürlich reichlicher Betäubung) ein Backenzahn gezogen worden. Wie sieht das aus, wie fühlt sich das an? Meine vier Weisheitszähne sind mir zusammen unter Vollnarkose herausoperiert worden, davon hatte ich nichts weiter mitbekommen - aber klar war natürlich, dass ich an jenem Tag ein Beruhigungsmittel vorher brauchen würde, denn diese Angst vor unbekannten Situationen kann niederschmettern.

Von Tag zu Tag ist diese Panik gewachsen, das war echt kein schöner Zustand. Zum Glück gibt es Medikamente, die so etwas abmildern können. So konnte ich an dem Tag ruhig und gelassen zum Zahnarzt gehen. Hupsie, Pupsie, und schon waren die zwei Hälften des Zahnrests raus. Es fühlte sich zwar an, als würde mein Zahnarzt mir den Unterkiefer ausreißen wollen, aber da hilft der Autismus dann - sachlich bleiben, er weiß, was er tut, und natürlich habe ich mich vorher belesen, wie so eine Zahnextraktion sich anfühlen kann.

Das war letzten Donnerstag, und die Schmerzen sind so gut wie weg. Nur, wenn ich viel rede, meckert der Unterkiefer noch herum. Aber es ist ja erschreckend, wie groß so ein Backenzahnloch ist! Da könnte man drei Kinder drin beerdigen. Da muss Zahnersatz her, und schon sind wir bei einem weiteren Punkt unter der Kategorie "Warum Dr Hilarius sich nicht meldet". So ein Kostenvoranschlag für eine Zahnbrücke kann einen erschlagen! Gleichzeitig kommt in einem zweiten Brief aber die Bestätigung der Krankenkasse, dass sie - nach Härtefallprüfung - 100% des Regelsatzes übernimmt (weil ich Bürgergeld bekomme). Also gleich die Bitte, das Standardbrückenmodell zu nehmen, ohne ästhetische Aufbesserungen. Dann habe ich eben etwas mehr Metall im Mund - ganz weit hinten, kaum sichtbar. Irgendwie fühlt sich das an wie Science Fiction, wenn Teile des Körpers nach und nach durch künstliche Sachen ersetzt werden ;-)

Das lässt mich an eine Sache denken, die die ganze Zahnbehandlung etwas erleichtert hat. So sehr, dass ich zwischendurch die Augen schließen musste, um nicht laut loszulachen. Diesmal war ich nämlich in einem anderen Behandlungszimmer, mit einer anderen Lampe über dem Zahnarztstuhl. Sie war so geformt, dass sie aussah wie ein klassischer Alienkopf, mit Anime-Augen. Kaum ist der Gedanke einmal da, werde ich ihn nicht mehr los, und deswegen Augen zu, damit der Arzt weiter arbeiten kann.

Und auch die colitis hat dazu beigetragen, dass ich nichts schreiben mochte, aber dazu bei'm nächsten Mal mehr. An alle, die ich zur Zeit vernachlässige: Es tut mir so leid! Vielleicht wird es irgendwann wieder besser.

post scriptum: Wer weiß, worauf sich der Ausdruck "Hupsie & Pupsie" bezieht, bzw. woher er kommt, bekommt eine Schachtel Belgische Meeresfrüchte ;-) 

Mittwoch, 30. Juli 2025

Blut Druck

Irgendwie ist das das einzige Bild von mir mit ganz langen Haaren, das ich finden kann, aus einer Zeit, in der ich Sicherheit im Leben hatte...

Meine Küchenschranktüren habe ich früh nach Einzug neu dekoriert, indem ich an einige von ihnen Tafelfolien geklebt habe. Wer die nicht kennt - das sind so schwarze Folien mit etwas rauher Oberfläche, auf denen man dann mit Kreide schreiben kann. So kann ich alle wichtigen Termine direkt auf meine Küchenschränke schreiben und einfach wieder abwischen, oder wichtige Erinnerungen notieren. Als ich noch Sicherheit im Leben hatte, habe ich mir zum Beispiel alle "Wartungstermine" aufgeschrieben - Waschmaschine reinigen, Bad wischen, Ölstand messen und so weiter.

Bis vor Kurzem war auch tatsächlich noch ein Termin zur Kühlschrankreinigung aufgeschrieben, "Juli '22", das ist schon ein bisschen her... jetzt notiere ich mir da andere Sachen, zum Beispiel meine Medikamente für die Tablettenbox und neuerdings immer mal wieder meinen Blutdruck.

Durch die colitis war der nämlich unter anderem wegen Salzmangels oft zu niedrig, was zu Schwindelanfällen geführt hat, wenn ich zu schnell aufgestanden bin. So habe ich dann den Begriff orthostatische Hypotonie kennengelernt, und dank meines Graecums kann ich mir auch übersetzen, was das heißt. Interessanterweise ist es jetzt aber so, dass die Infusionstherapie offensichtlich anschlägt, ich habe wieder zugenommen, Farbe im Gesicht, die Nährstoffaufnahme scheint wieder zu funktionieren. Das betrifft auch das Salz, und da wird mir nun wieder bewusst, dass ich mich zu salzhaltig ernähre, denn:

Jetzt ist der Blutdruck ab und an tatsächlich zu hoch, und das kann auch zum Zittern in den Händen führen. Für den Augenblick habe ich dann zum Glück ein Medikament, um den Blutdruck zu senken, aber auf lange Sicht muss ich meine Ernährung anpassen - und auch auf Sachen wie Bildschirmzeit achten: Als Arbeitsloser habe ich viel Zeit, und ich liebe nun mal gute Filme, Serien und Videospiele. Und wenn ich dann eine neue Serie entdecke, so wie jetzt gerade, dann besteht die Gefahr des Bingens, eine Folge nach der anderen schauen und die Zeit gar nicht mehr mitbekommen - und so haben sich dann schnell ein paar Stunden Bildschirmzeit und Daddelaction angesammelt, die den Blutdruck auch in die Höhe treiben können.

Die Serie, die es mir momentan angetan hat, ist von 2022 (bis heute), eine Mischung aus Science Fiction und Horror, also im Prinzip genau das, was ich mag. From hat eine ganz ähnliche Prämisse wie Lost damals, Menschen finden sich an einem Ort wieder, aus dem sie scheinbar nicht mehr entkommen können. Das kann dann zu ganz interessanten existentiellen Überlegungen führen - versucht man einen Weg heraus zu finden, oder akzeptiert man seine Lage und macht das Beste daraus? Und natürlich kommt es zwischen Menschen in einem abgeschlossenen Raum immer wieder zu interessanten Transaktionen, gerade mit so herrlich sperrigen Charakteren wie hier. Und glücklicherweise ist From noch nicht dem Lost-Fehler verfallen, das Ganze künstlich mit unzähligen Episoden in die Länge zu ziehen - hier gibt es je Staffel zehn Episoden, in denen auch Einiges passiert.

Das Rad wird nicht neu erfunden. Aber wir haben Charaktere, die wir wiedererkennen, und eine Atmosphäre zwischen unheimlich des Nachts und kleinen Momenten des Glücks tagsüber. Und ein aufregendes Abenteuer, wenn die Einwohner versuchen, einen Weg aus ihrer Kleinstadt heraus zu finden. Also eigentlich genau wie Lost - nur eben straffer und mit einem deutlichen Einschlag in Richtung übernatürlichen Horrors. From gibt es auf Amazon prime.

Und davon gibt es jetzt noch eine oder zwei Episoden, bevor ich dann mit einem einigermaßen durchschnittlichen Blutdruck in's Bett gehe.

post scriptum: Und wer sich über die Schreibweise des Titels dieses Beitrags wundert - der darf sich auch weiter wundern ^^ 

Mittwoch, 23. Juli 2025

Date mit Morpheus


Nein, ich habe kein Morphin genommen. Mein Date bezieht sich auf den Ursprung des Namens - oder einfacher ausgedrückt: Ich habe letzte Nacht sechs Stunden am Stück geschlafen! Das hatte ich ewig nicht mehr,  aber so nach und nach haben sich meine Schlafphasen verlängert. Wer weiß, vielleicht kann ich bald wieder eine ganze Nacht durchschlafen, ohne alle zwei Stunden von Magenproblemen aufgeweckt zu werden.

Ja, es ist wieder nur ein kleiner Schritt Richtung Genesung, aber zu einer Genesung wird es eh' nicht kommen, meine Krankheit ist chronisch. Also ist das Ziel, sie so zu behandeln, dass ich mein Leben wieder einigermaßen normal leben kann. Dazu gehören dann eben auch die Erfolge der letzten Tage - keine Koliken mehr, weniger Medikamentenbedarf, Gewichtszunahme, und in ganz kleinen Schritten eben auch der Schlaf.

Und ich muss sagen, dass es ganz gut tut, dass ich mich im Moment nicht auf die Arbeit konzentrieren muss - ich habe schließlich keine - sondern mich auf meinen Gesundheitszustand konzentrieren kann, so wie meine Jobcenter-Sachbearbeiterin das mit mir abgesprochen hat. 

"Lächle, und die Welt verändert sich." (Buddha)

Sonntag, 20. Juli 2025

Treppensteigen


Vor ein paar Tagen:

Zwei neue Erfolgserlebnisse auf dem Weg der Genesung machen mich gerade sehr glücklich: Ich habe diese Nacht komplett durchgeschlafen! Zumindest scheint es so, und wenn man zweieinhalb Jahre immer nur ein bis zwei Stunden am Stück schlafen konnte, dann ist das etwas Besonderes. Es ist sechs Uhr morgens und ich fühle mich wach und aktiv. 

Und zum zweiten: Einer meiner ersten Gänge morgens führt mich runter zu nahkauf, um dort entweder Bananen zu holen, oder ein Stück jungen Gouda, Tomatensuppe oder weißes Toastbrot. Dann geht es mit voller Tasche wieder die Treppen hinauf in den dritten Stock. Als ich noch aussah wie der Tod, musste ich mich auf der zweiten Etage immer einen Moment hinsetzen, durchatmen, einen Schluck trinken, ich konnte nicht mehr. Das gehört nun auch der Vergangenheit an - vor zwei Tagen bin ich sogar den längeren Weg zum Rewe Center gewandert und mit voll belandener Tasche zurückgekehrt. Auf dem Weg die Treppe hinauf habe ich meine frühere Technik angewandt - immer zwei Stufen auf einmal zu nehmen - und auch das hat geklappt!

Das Fett kehrt zurück, die Farbe kehrt zurück, die Energie kehrt zurück, ich fange an, mich für unterschiedliches Essen zu interessieren, ich brauche derzeit kaum Schmerzmittel. Kurzum: Es geht bergauf, und ds gibt mir Gelassenheit und Freude, die ich hoffentlich an andere Menschen weitergeben kann.

VIELEN LIEBEN DANK für Eure Unterstützung, sei es mit gesunden Rezepten, Haushaltstools für Colitispatienten oder einfach liebe Worte der Anteilnahme. Das lässt meine Hoffnung in die Menschlichkeit wieder etwas aufflammen. :-) 

Heute:

Heute bin ich nicht gut drauf. Das muss auch mal erlaubt sein; es ist der zweite Tag mit 29 Grad in der Wohnung, der Ventilator hilft etwas, aber eben nur etwas. Das wird eine unangenehme Nacht werden, könnte wieder eine jener durchwachten Art sein, bei der ich mich morgens wie ein lebender Toter fühle. Hoffen wir mal, dass die Temperatur einigermaßen runtergeht.

Donnerstag, 10. Juli 2025

"Du sahst aus wie... darf ich das sagen?"


Nach zwei Arzttagen war gestern eine Verschnaufpause dran. Mein Termin lautete "ab mit dem Kopf", andere Menschen nennen es "Friseurtermin". Ich war also endlich wieder unten bei Tina, und die Haare mussten wirklich dringend ab, die Schwitzerei am Kopf hat doch sehr genervt. Außerdem ist meine Erfahrung, dass ich mich mit kurzen Haaren wesentlich leichter fühle, und so sollte es auch diesmal sein.

Und wie das nun mal so ist, haben Tina und ich ein bisshen während der Schneiderei getratscht. Ja, Autisten sind keine großen Fans von belanglosem Smalltalk, und das trifft auch auf mich zu. Dadurch, dass Tina und ich aber im selben Haus "wohnen", findet man immer gemeinsame Gesprächsthemen - der Vermieter, die neue Straße, das Überleben in der Hitze. Und ich wollte die Chance nutzen, um ihr eine wichtige Frage zu stellen: "Sag' mal, Tina, Du siehst mich ja meistens in gewissen Zeitabständen und kannst das daher besser beurteilen als ich: Wie sehe ich aus im Vergleich zu ein paar Wochen? Würdest Du sagen, dass ich wieder etwas gesünder aussehe?" Und die Antwort hat mich sehr gefreut:

"Also, Du hast endlich wieder etwas mehr Gesicht, und vor allem auch wieder etwas mehr Farbe im Gesicht. Davor... Du sahst aus wie... darf ich das sagen?" - "Ja bitte, für mich ist es wichtig, das zu wissen, denn ich fühle mich, als ob ich immer gleich aussehe." - "Okay, also, du sahst aus wie... der Tod." Damit hat Tina mir meinen Verdacht bestätigt: Ich setze endlich wieder etwas mehr Fett an, und ich habe nicht mehr diese extreme Eisenmangelanämie - Blutarmut. Es dauert zwar sehr lange, die Eisenspeicher wieder aufzufüllen, aber erste Erfolge sind offensichtlich zu sehen. Ich weiß noch, wie ich mein Foto an der Kollegiumswand der letzten Schule gesehen habe.

Damals war ich sehr erschrocken, denn es waren wirklich nur noch Haut und Knochen, man konnte meinen Schädelknochen sehr gut ausmachen, und meine Haut spannte sich wie ein nasses Tuch darüber. Das war wirklich schlimm. Umso glücklicher bin ich, dass ich zwar mit kleinen, aber durchaus progressiven Schritten dem Ziel näher komme, in meine erste Remissionsphase einzutreten, in der ich (jetzt seit etwa zehn Tagen) ohne Koliken auskomme und mein Körper wieder Nährstoffe aufnehmen kann.

Ich bin im Moment sehr glücklich über meinen Colitis-Gesundheitszustand. Über die Zähne reden wir ein anderes Mal.

Oh, und als kleine Lustigkeit nebenbei habe ich Tina von meinem Stabmixer erzählt, und wie praktisch der ist für leicht verdauliche Gerichte. Dann meinte ich zu ihr, dass meine nächste Anschaffung für die Küche eine Heißluftfritteuse sein soll. Die könnte auch praktisch für die Krankheit sein, denn ich kann darin Dinge ohne oder mit minimalem Fettverbrauch backen. Gefülltes Gemüse, selbstgemachte Pommes, Aufbackbrötchen, you name it. Und wie es der Zufall so will, haben Tina und ihr Mann genau das Exemplar, das ich mir schon seit Monaten zulegen möchte, einen Ninja Airfryer. Das wird aber auch mindestens noch ein paar Monate dauern, denn das Teil kostet zwischen 100 und 150 Euro. Das bedeutet bei Bürgergeld eine ganze Zeit sparen, aber was lange währt, wird dann endlich gut. Vorfreude!

Also, liebe Eltern, Ihr dürft aufatmen, mir geht es immer besser und das Schlimmste ist erstmal überstanden ;-) 

post scriptum: Hui... ich habe den halben Tag lang geschlafen, immer wieder so in zwei-Stunden-Blöcken. War wohl doch wieder ein ordentliches Schlafdefizit angefallen; ich hoffe, dass ich irgendwann mal wieder eine ganze Nacht durchschlafen kann. Das war jetzt seit zweieinhalb Jahren nicht der Fall, aber wenn ich so betrachte, wie sich mein Gesundheitszustand in kleinen, aber realen Schritten verbessert, dann könnte es vielleicht ja noch einmal dazu kommen. Damit ist natürlich die nächste Arztterminmachung heute in's Wasser gefallen, aber ich nutze die Zeit, um endlich meinen ehemaligen SchülerInnen zu antworten. Wenn es mir nicht gut geht, kann ich mich einfach nicht dazu aufraffen, auch wenn es tolle Mails sind und aufregende Dinge, die sie mir zu erzählen haben, gerade, wenn es um ihre Gender-Selbstfindung geht, egal, ob nicht-binär oder trans oder welche Form auch immer. Es gibt mir ein schönes Gefühl, zu sehen, wie erleichtert sie oft sind, wenn sie ihr "wahres" Ich gefunden haben. Ich weiß ja selbst, was das für eine seelische Erlösung geben kann...

Mittwoch, 9. Juli 2025

Zauberstab


Nun ist es endlich so weit, ich habe einen Stabmixer mit diversem Zubehör. Irgendeine Form von Mixer sollte zur Standardausrüstung eines Menschen mit chronisch-entzündlicher Darmerkrankung gehören, weil die zerkleinerten bzw. pürierten Sachen so viel einfacher zu verdauen sind. Ein paar Rezepte haben sich schon angesammelt, aber ich werde mich noch einmal nach einem guten Stabmixer-Kochbuch umschauen.

Und dann gibt es natürlich Kleinigkeiten, die supereinfach zubereitet werden - und so habe ich eben eine Banane in den Mixbecher geschnippelt, mit Haferdrink aufgefüllt (wobei ich da auch noch einmal Mandel ausprobieren möchte, danke für den Tipp!) und dann ein paar Sekunden lang durchgemixt. Keine Stückchen mehr drin, ein ganz glatter Milchshake, soooo lecker.

Ich bin nach Stiftung Warentest gegangen, weil ich dafür etwas Vernünftiges haben wollte, geht schließlich langfristig um meine Gesundheit. Das Gerät ist relativ leise, die Teile lassen sich leicht abspülen. egal ob per Hand oder in der Spülmaschine. Nun muss ich doch gleich nochmal runter zu nahkauf, ein bisschen Obst und Gemüse holen. Vorher allerdings gründlich googeln, denn rohes Gemüse ist für mich nicht sooooo gesund - püriert ja, aber ich möchte auch mal den Spiralschneider ausprobieren, um die Sachen in Snackform zu bekommen. Und danach vielleicht noch etwas im Ofen dörren lassen.

Also wenn Ihr leckere einfache Rezepte habt, immer gern her damit. Ich darf nichts zu Saures essen - so muss ich bei Tomatencremesuppe zum Beispiel etwas Zucker dazugeben oder eine fertige wählen, die weniger Säure enthält, und auch Weintrauben sind nicht unbedingt die beste Idee - aber das braucht jetzt Zeit, um herauszufinden, welche Gerichte besonders gut zu mir passen.

So, und nun wird der Milchshake genossen. Großartig! 

Dienstag, 8. Juli 2025

Ich bekomme einen Luxuskörper


Heute war mein zweiter Infusionstermin. Da kommt schon jetzt so langsam etwas wie eine Routine rein - auf die Liege, es piekst für den Zugang, Tropf wird aufgedreht, ich kann entspannt daliegen dank Anxiolytikum, neunzig Minuten später ist alles durchgelaufen, mit Kochsalzlösung nachspülen - warum eigentlich?

"Wir wollen ja nichts vom Wirkstoff verschwenden, und da befinden sich noch Reste in den Schläuchen", erklärt mir die Arzthelferin. Ich komme in's Grübeln und frage sie aus reiner Neugier, wieviel so eine Infusion eigentlich kostet, dieser kleine Plastikbeutel mit der Antikörpersuppe. Bei der Antwort geht es mir durch Mark und Bein - eine einzige Infusion kostet zwischen ein- und dreitausend Euro! 

Natürlich fängt mein Gehirn dann sofort mit dem Rechnen an: In der richtigen Einstellung werde ich alle acht Wochen eine Infusion bekommen. Damit laufen im Jahr etwa 18.000 Euro in meinen Körper - jetzt weiß ich, wofür ich die Krankenkassenbeitrage gezahlt habe, und ich bin heilfroh über unser System der gesetzlichen Krankenversicherung. In den USA würde ich das nämlich selbst zu zahlen haben müssen - seit Obama und dem Medicaid-Programm zwar nicht mehr, aber derzeit kommt ein Trumpel und hat ein Gesetz erlassen, dass über vierzehn Millionen Amerikaner aus diesem Programm kickt, um mit dem freiwerdenden Geld Steuererlasse für die reichsten Bürger garantieren zu können.

Ich bin so froh, dass ich jetzt gerade nicht in den Vereinigten Staaten leben muss...

Sonntag, 6. Juli 2025

Wetter


Ich komme mit diesem Wetter nicht klar. Erst war es zu heiß - wobei ich mich selbst gewundert habe, dass es in dieser Dachgeschosswohnung an den heißen Tagen noch nicht so schlimm war wie in den letzten Jahren. Aber dieses Wetter heute - es ist grau, es sieht nach Regen aus, aber es ist sehr warm und ich schwitze, dann kommt ein angenehmer frischer Wind auf, dann kommt die Sonne heraus, und dann fängt es tatsächlich irgendwann an zu regnen. Dieses wechselhafte Wetter, da bin ich scheinbar am liebsten in der Wohnung.

Hier drinnen kann ich es mir etwas konstanter machen. Fenster auf, Ventilator an, und dadurch, dass die Rollos unten sind, sehe ich nicht, wie bewölkt es gerade ist - mein Gehirn kommt irgendwie nicht damit zurecht, wenn das Visuelle (Sonne, Wolken, hell, dunkel) nicht zu dem Sensorischen passt (warm, kalt, schwitzen, Gänsehaut bekommen). In der Wohnung kann ich es mir so einrichten, dass alles zusammen passt. Dann geht es mir besser.

Mal schauen, was der Wetterbericht für die nächsten Tage sagt; es stehen einige Ärzte an, natürlich bin ich wieder mit einem Arzt pro Tag bedient, Psychiater, Gastroenterologe, Zahnarzt, Augenarzt. Und da sind einige "positive" Termine dabei, zu denen ich gern gehe, weil ich weiß, dass es mir danach besser geht. Mit dem Psychiater und der Infusion habe ich kein Problem. Aber Zahnarzt, das wird schwierig, vor allem, weil ich schauen muss, ob mein Zahnarzt überhaupt noch praktiziert - mal schauen, eines nach dem anderen.

Erstmal was essen. 

Mittwoch, 2. Juli 2025

Bananige Hilfe gesucht!


Vielleicht könnt Ihr mir weiterhelfen. Bananen gehören zu den "erlaubten" Lebensmitteln bei chronisch-endzündlichen Darmerkrankungen. Dazu kommt, dass ich Bananen liebe, wenn sie richtig durchgereift sind. Ein Problem für mich ist der sehr hohe Zuckerghalt, denn Zucker gilt als entzündungssfördernd, und als Neurodermitiker kann ich das bestätigen.

Früher habe ich mir gern einen Milchshake geacht - eine Banane kleingeschnitten, in den Mixer und durchpürieren, dann etwas Milch dazu und das Ganze nochmal durchmixen. Superlecker! Milch ist für mich nich mehr, aber Haferdrink. Kann ich diesen Bananenshake auch mit Haferdrink zubereiten?

Habt Ihr sonst Tipps, was man mit der Banane machen kann, außer sie einfah nur aufzufuttern? Ich weiß, ich darf nicht mehr als eine Banane am Tag essen, sonst meldet sich die Neurodermitis und von der Colitis fangen wi erst gar nicht an.

Kennt Ihr ein paar einfache, magenschonende Bananengerichte? 

Freitag, 27. Juni 2025

Die erste Infusion


vorweg: Das gilt natürlich nicht nur für Autisten, und nicht für alle Autisten, aber während der Kieler Woche in die Stadt zu bummeln, um etwas einzukaufen, hat etwas von Selbstfolter; es sind noch viel mehr unberechenbare Menschen unterwegs, die plötzlich stehenbleiben oder die Richtung ändern, es ist laut, ich werde mit unterschiedlichen Sprachen beschallt und möchte eigentlich nur wieder so schnell wie möglich nach Hause. In einem übervollen Bus.

Okay, die Infusion liegt jetzt schon ein paar Tage zurück; am Montag high noon war es soweit, Termin bei'm Gastroenterologen in Elmschenhagen. Von meinem behandelnden Arzt habe ich gar nicht so viel mitbekommen, das hat eigentlich alles die Arzthelferin gemacht - Zugang am linken Arm legen, Medikamentenlösung anschließen und an diesen Tropf-Garderobenständer hängen, dann hat sie mir noch eine Klingel in die Hand gedrückt für Notfälle und mir gute Entspannung gewünscht. Passend, denn dann habe ich zwei Stunden lang einfach nur dagelegen.

Ich muss zwischendurch eingeschlafen sein. Das kann an der halben Tablette Beruhigungsmittel vorher gelegen haben - ich fand das nicht unschön, denn es hat mir die Angst genommen und die Zeit ist schnell rumgegangen. Mein nächster Termin ist in zwei Wochen, da mache ich das vermutlich wieder so.

Und was war das jetzt genau für ein Medikament, mit dem man mich da hat volllaufen lassen? Ein Antikörper - aber mehr kann ich im Moment noch gar nicht dazu sagen, weil ich viel zu aufgeregt war. Infliximab. Vielleicht denke ich ja nächstes Mal daran, genauer nachzufragen. Jedenfalls hatte ich keinerlei spürbare (Neben-)Wirkungen, kein Schwindel, keine Übelkeit, gar nix. So darf es wirklich weitergehen, und wenn dann die gewünschte Wirkung erreicht wird, dann kann ich das Kortison erstmal ausschleichen.

Das war wirklich ein sehr positiver Arzttermin.

post scriptum: Na, wer erkennt die Frau auf dem Bild wieder? ;-)

Mittwoch, 4. Juni 2025

Infusionstherapie


Endlich habe ich einen neuen Termin bei'm Gastroenterologen bekommen. Vor einer Weile ist ein aktueller Befundbericht inklusive Vorschlag eines Therapieplans angekommen. In knapp drei Wochen soll es nun losgehen mit einer Infusionstherapie. 

Ich bin so gespannt! Weil es etwas Neues ist, aber es macht mir keine Angst. Weil die Hoffnung besteht, meinen Gesundheitszustand zu bessern. Ich werde alle paar Wochen für etwa zwei Stunden in der Praxis am Tropf liegen - die genauen medizinischen Hintergründe muss ich mir dann noch einmal erklären lassen. 

Es ist auch wirklich nötig, dass sich etwas tut. Noch immer sind meine Fingernägel aufgrund des Eisenmangels vollkommen zersplittert, noch immer können die Koliken auftreten, die anstrengend und schmerzhaft sind, noch immer fehlt mir die körperliche Energie, um endlich meine Wohnung grundlegend auf Vordermann zu bringen. 

Mein nächster Termin ist allerdings erstmal ein Beratungsgespräch im Jobcenter. Ich gehe da mal ganz ergebnisoffen heran, mich interessiert sehr, was meine Beraterin zu meiner Situation zu sagen hat. Was mich daran erinnert, dass ich meine Lebensweise auf das stark reduzierte Budget umstellen muss - ist für einen Autisten nicht immer ganz einfach, sich auf tiefgreifende Veränderungen im Leben einzustellen.

Ich halte Euch auf jeden Fall auf dem Laufenden - und wenn Euch das nicht interessiert, dann lest diesen Blog nicht ;-) 

Mittwoch, 28. Mai 2025

Bürgergeld: Bewilligt!


Damit habe ich nun wirklich nicht gerechnet. Ich weiß, dass ich mit Bürokratie und Anträgen, Formularen und allem, was dazugehört, massiv überfordert bin. Nicht ganz ohne Grund ist mein Bürgergeldantrag letztes Jahr abgelehnt worden. Aber - the times are a'changin'.

Gestern öffne ich meinen Account auf der Seite vom Arbeitsamt und Jobcenter und sehe ein grünes Licht - Bescheid bewilligt - what??!! In der Tat, nachdem ich noch einige Dokumente nachgereicht habe, ist der Antrag relativ schnell bearbeitet und bewilligt worden. Jetzt warte ich auf Post mit den Einzelheiten, wie zum Beispiel der Höhe der Sozialhilfe. Zu den gut fünfhundert Euro Basissatz kommt ja zum Beispiel noch das Wohngeld hinzu, die Befreiung von der GEZ, und ich könnte sogar medizinische Zuschüsse beantragen, wenn ich auf bestimmte Nahrung angewiesen wäre. Vielleicht stellt sich sowas ja im Rahmen meiner gastroenterologischen Therapie heraus - die kann jetzt angeleiert werden.

Warum erst jetzt? Weil der Autist mit mehreren Sachen überfordert ist und unter Stress nur eines zur Zeit schafft. Zumindest dieser Autist. Ich brauchte die Sicherheit, dass für eine Weile monatlich etwas Geld eintrudelt, und dass ich krankenversichert bin. Jetzt können die Ärzte kommen, und ich muss nur noch die richtige Reihenfolge herausfinden. Ich habe mich zuerst für den Gastroenterologen entschieden, da es sich hierbei um eine langfristige Therapie mit regelmäßigen Infusionen handelt. Wenn das fertig etabliert ist, dann darf sich mein Zahnarzt die Geröllhaufen in meinem Mund anschauen, die einst mal meine Zähne waren. Zwei Stellen, eine mittlere und eine große, gibt es da zu bearbeiten, und ich habe Panik, aber ich habe auch einen Tranquilizer, und im Moment ist das eh' nicht dran.

Interessant, dass ich vor dem Gastroenterologen weniger Angst habe, das werde ich alles ohne Tablette machen. Da sollte ich eher ein Buch oder Rätselheft mitnehmen, denn die Infusionen dauern ziemlich lange und es kommt noch eine Überwachungsphase danach dazu, um sicherzugehen, dass mein Körper das alles verträgt.

Aber das kann jetzt losgehen, der erste Anruf ist getätigt, jetzt warte ich auf dem Rückruf für einen Termin für die Initialinfusion. Ich fühle mich gerade so unglaublich erleichtert! Das Bürgergeld - auch wenn es das irgendwann so nicht mehr geben soll - ist jetzt für ein Jahr bewilligt. Trotzdem wäre ich natürlich sehr glücklich über eine Arbeit, denn ich brauche das Sinnstiftende in meinem Leben.

Happy! Heute gehen die Tassen hoch!

Montag, 7. April 2025

I feel me to puke


Ja, ich hatte ewig keine dieser denglischen Verballhornungen mehr. Jetzt wird es aber Zeit, denn ich fühle mich zum Kotzen. Gar nicht mehr wegen der Arbeitslosigkeit, aber da war ein wenig Beruhigungsmittel nötig.

Nein, ich muss wieder alle zwanzig bis dreißig Minuten zur Toilette. Fünfzehn bis zwanzigmal am Tag; das ist genau wie vor der Therapie. Es fühlt sich an, als hätte ich nicht mit der Kortisondosis runtergehen sollen, aber ich kann sie ja schlecht eigenständig wieder erhöhen, dazu sind Kortikoide zu stark in Wirkungen und Nebenwirkungen. Also ist ein Besuch bei'm Arzt dringend fällig - wenn ich mal wieder länger als eine halbe Stunde die Wohnung verlassen kann, ohne zu... naja. Könnt Ihr Euch ja denken.

Dass ich nie wieder gesund werden werde, das ist mir ja klar - aber ich hätte gern eine längere Remissionsphase, endlich einmal durchatmen, endlich keine Schmerzmittel mehr flaschenweise trinken, endich nicht mehr regelmäßig in der Schule anrufen und mich krank melden - wobei sich Letzteres ja eh' bald erledigt hat.

Stichwort Abschied: Ich sollte das Wochenende nutzen, um ein paar kleine Abschiedsbriefe zu schreiben, denn einige KollegInnen haben sie sich echt verdient durch ihre tolle Unterstützung. Die Arbeit an der Theodor-Storm-Gemeinschaftsschule war anstrengend, aber horizonterweiternd und einfach total schön. Jetzt heißt es aber wieder "Ihre Bewerbungsmappe ist fehlerfrei" - so oft mittlerweile gemacht, das geht mit links. Anfangs waren immer irgendwelche Buchstaben oder Zahlen vertauscht, oder hier fehlte ein Punkt und dort ein Formular.

nach dem Wochenende

Ich fühle mich noch mehr zum Kotzen. Noch zwei Tage krank gemeldet, morgen zum Arzt, heute neue Medizin geholt. Ein bisschen deprimierend, wenn man nur noch eine Woche an der Schule hat und davon zweieinhalb Tage wegfallen - der halbe Tag, da geht es um eine Freistellung für einen Termin bei'm Psychiater, die sind sauschwer zu bekommen...

Und wenn man sich dann noch ein bisschen weiter runterziehen will, dann schaut man Serien. Momentan trendet gerade eine britische Miniserie auf Netflix, mit absolut hervorragenden Rezensionen. Vier Episoden je eine Stunde, Adolescence, über einen dreizehnjährigen Jungen, der möglicherweise eine Tat begangen hat, die seine Familie komplett zerreißt. 

Absolut realistisch, leider, und aktuell - Incel-Thematik, Pubertät, Mobbing, Männer- und Frauenrollen. Brillant gespielt bis in die kleinste Rolle mit einzelnen Szenen, die mir das Herz zerrissen haben. Gehört für mich in die Kategorie "Ich bin sehr froh, dass ich sie gesehen habe - aber einmal reicht." Ganz große Empfehlung, aber danach sollte etwas Positives für die Seele folgen. 

Das kann schon ein Heizkissen in einer verkühlten Wohnung sein.