Mittwoch, 1. März 2017

A B CT - Eine Odyssee


KNACK - könnte man sagen...
Ich habe mir ein Notizbuch zurechtgelegt und dokumentiere dort die Geschichte meines gebrochenen Fingers. Titel: "Eine kleine Geschichte, die von Achtlosigkeit HANDelt". Ich notiere dort alles vom Unfallhergang bis zur Heilung und dokumentiere alles, was mir in die Finger kommt, ärztliche Anschreiben werden abgeheftet, Röntgen-CDs eingeklebt. Warum? Damit ich, wenn ich mal wieder leichtsinnig und unvorsichtig werde, schwarz auf weiß vor mir sehe, wozu das führen kann. Und damit ich für meine Präventionsarbeit eine anschauliche Geschichte zur Hand habe. Und eines der Kapitel in dieser Geschichte dürfte folgenden Titel tragen:

A B CT - Eine Odyssee

Und im Wesentlichen handelt es davon, wie ich nach und nach Arztpraxen, Krankenhäuser und Zuständigkeiten kennenlerne auf dem Weg zu einem gesunden und funktionalen linken Zeigefinger. Davon bin ich bisher noch weit entfernt.

Allerdings habe ich einen (für mich) ganz großen Schritt geschafft, nämlich den ersten Gang zum Arzt. Das habe ich ja eine Weile vor mir hergeschoben - "Ach, deswegen musst du doch nicht extra zum Arzt", "Lass mal, das knickst du dir selbst wieder zurecht" und alles, was dazugehört. Auch ein (hochbegabtes?) "Du weißt sowieso nicht, wo du genau hinmusst, also gehst du gar nicht erst los. Reicht, wenn du dich im Internet schlau machst, was mit deinem Finger ist. So schlimm ist es ja auch gar nicht."

Jetzt bin ich vier Ärzte weiter. Als die letzte Ansage hieß "Melden sie sich in der Lubinusklinik bei der Notfallaufnahme", dachte ich, okay, das Ziel ist in Sicht. Also packte ich mir die große Buba ein und wir fuhren mit dem Bus da hin. Ja, Bus - wenn man, so wie ich, eine gewisse Angst davor hat, an einem unbekannten Ort einem unbekannten Arzt eine etwas hohlbratzige Geschichte aufzutischen (oder einfach nur am fremden Ort ratlos zu wirken), und wenn man dann gegen diese Angst mit etwas Baldrian oder was auch immer seine Nerven beruhigt, sollte man sicherheitshalber nicht mehr Auto fahren, Reaktionsvermögen und so. ("Du hast vielleicht Probleme...")

Und dann kam mein erstes Mal mit der Lubinusklinik. Das heißt, nein, erstes war es nicht, ich war früher schon mal dort, als ich mich auf der Suche nach einer Apotheke verfahren hatte. Den Notfallaufnahmeschalter findet man schnell, großer Eingang, genervte Frau am Tresen. "Ja, ich hätte hier ein Anschreiben, eine Röntgen-CD, eine Verordnung und einen gebrochenen Finger, bin ich bei ihnen richtig?" - "Geben sie mal her!" und ich hätte ihr am liebsten direkt den Finger mitgegeben, aber die Unterlagen reichten. Und ich dachte doch glatt, dass es direkt in den OP-Saal geht, aber nix da, mit einer Telefonnummer wurden wir vom Gelände geschickt.

Mittlerweile bin ich von Eingang A zu B geschickt worden, von einem Tresen zum nächsten, und heute habe ich dann endlich mal den Eingang C kennengelernt, C wie Computertomographie. Und ich war zum Glück pünktlich, wollte doch glatt wieder mit dem Bus fahren, aber da waren heute Warnstreiks angesagt. Also bin ich selbst zur Klinik gefahren, und warum auch nicht! Ich werde da ja wohl noch öfters auftauchen dürfen, also sollte ich mich mit dem Gelände vertraut machen.

Mein erstes Mal CT, das ist überhaupt nicht schlimm, aber angespannt bin ich trotzdem. Und diese Bauchlage mit nach vorn ausgestrecktem Arm ist nicht wirklich bequem. Und dann werde ich in dieses Gerät reingefahren - aufregend, die Hand wird innerhalb eines Rings positioniert, und dann fährt eine Röntgenkamera mehrfach rundherum und erstellt quasi ein 3D-Röntgenbild. Spannend! Der neugierige Dr Hilarius findet das alles ganz faszinierend, schaut sich zuhaus' gleich die mitgegebene CD an, sieht seinen verkrüppelten Finger in allen möglichen Positionen, als 3D-Film, ich kann die Kamera beliebig an die Aufnahme heransteuern. Männerspielzeug (diesmal keine Autos).

Ich bin mittlerweile sehr gespannt auf das ausführliche Gespräch, das Montag ansteht. In meinem Notizbuch werde ich bis dahin alle möglichen Fragen sammeln, denn ich hab' die Chance, etwas zu lernen und für die Präventionsarbeit zu nutzen - ich finde es gut, wenn Andere aus meinen Fehlern lernen können.

Die Odyssee ist noch nicht vorbei, andra moi ennepe mousa polytropon hos mala polla...

post scriptum: Ich würde ja auch korrektes Griechisch schreiben, wenn ich wüsste, wie das geht ;-)

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