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Mittwoch, 12. August 2026

43 Jahre Abenteuer

Wenn es nur mit ein bisschen Knöppedrücken getan wäre...

Gestern kamen einige Geburtstagsglückwünsche in's Haus geflattert, und wie so üblich, schaffe ich es nicht, mich korrekt dafür zu bedanken bzw. das glückliche Gefühl zu vermitteln, das sie in mir ausgelöst haben.

Früher war mein Geburtstag für mich ein Tag, an dem ich mir komplette Me-Time gegönnt habe: Telefon rausgezogen, Klingel abgestellt, einfach nur den Tag genießen, und das Dasein, und dankbar sein für jeden schönen Moment in diesem Leben.

Das hat sich jetzt ein bisschen geändert, weil ich einen Überschuss an Me-Time habe, durch die Arbeitslosigkeit. Deswegen habe ich mich umso mehr gefreut, dass gestern eine Mail hereinkam von einem Schulleiter, bei dem ich mich schon einmal vorgestellt hatte. Damals ging es um eine Vertretung, doch leider gab es da diesen Einstellungsstop seitens des Bildungsministeriums: Vertretungen haben zuerst durch das Schulkollegium aufgefangen zu werden. Und somit wurde es damals nichts.

Trotzdem war das ein schöner Tag, weil ich einen Schulleiter kennengelernt hatte, so nett, so kollegial, der mich stark an SPO erinnert hatte: Offen für meine Andersartigkeit, mit dem Gedanken "der könnte gut zu uns an die Schule passen". Ich habe solche Erlebnisse nicht oft. Fast gar nicht. Nur einmal in SPO und einmal hier in Kiel, aber zwei aufgeschlossene Schulleitungen in vierzehn Jahren, das ist keine tolle Quote für diesen Autisten.

Erst recht nicht, wenn ich mich an eine Schulleitung erinnere, die mich im Ref mit einer Mentorin zusammengesetzt hat, von der sie genau wusste, dass wir nicht gut klarkommen würden - "die werden sich ordentlich was zu sagen haben", hieß es damals, es hat meine Note in einem Fach um zwei verschlechtert, und ich hätte damals gern jemandem den Hals umgedreht. Aber damals war ich noch naiver als jetzt und dachte, dass Schulleitungen es gut mit ihren Lehrkräften meinen. Und dass sie unbesiegbar sind.

Nix da.

Und deswegen sind mir gestern die Tränen gekommen, als ich die Anfrage dieses sympathischen SL ohne Scheuklappen bekommen habe. Genau genommen kamen die Tränen erst am Ende, denn es ging um eine Vertretungsdauer von 18 Tagen. That's all. Und dann sehe ich auf der einen Seite diesen netten SL, der sich noch genau an unser Gespräch zu Beginn des Jahres erinnern konnte; der mich noch kannte und auch noch wusste, dass ich eine Perspektive suche - und trotzdem hat er mir das Angebot gemacht und das hat mich ziemlich gerührt. Ich habe geheult wie ein Schlosshund, denn für 18 Tage das Bürgergeld a.k.a. Grundsicherung auszusetzen wäre mit einem unverhältnismäßigen Aufwand verbunden, und ich müsste das für diesen Monat gezahlte Geld erstmal anteilig wieder zurückzahlen (abgesehen davon, dass bald mein dreimonatiges Coaching beginnt, und ich möchte das Angebot wirklich wahrnehmen!).

Das ist durchaus ein Problem, deswegen finde ich es ja auch zum Kotzen, dass das Ganze nun Grundsicherung heißt. Als würde ich dadurch irgendeine Sicherheit haben. Von etwas mehr als 500 Euro muss ich gut 60 Euro für das D-Ticket abziehen, 88 Euro für die Stadtwerke, gut 30 Euro für Telefon und Internet, da landen wir ganz schnell bei nur noch 300 Euro für einen ganzen Monat Essen, Klopapier, Seife - ach ja, und da sind ja auch noch die Medikamente! -.-

Und bevor jetzt die Unkenrufe losgehen: Natürlich habe ich mich von den Zuzahlungen befreien lassen - aber einige Sachen sind nicht von der Krankenkasse erstattungsfähig. Paracetamol, Buscopan, Salben, Halstabletten und etwas gegen Übelkeit. Und selbst bei den verschreibungsfähigen Medikamenten muss ich in ein paar Fällen noch die Festbetragsdifferenz trotz Befreiung zuzahlen. Dmit landen wir bei ungefähr 70 Euro für Apothekenkrams. Macht also noch 230 Euro zum Überleben. 

Aber lassen wir das Geld-Genöle, es hilft ja nix. Stattdessen realisiere ich erst jetzt, dass ich meinen Geburtstag gestern nicht gefeiert, genossen oder in irgendeiner Weise gestaltet habe, wie es sich gehört.

Also mache ich das heute. Heut' ist mein Tag, wie Blümchen einst sagte. Kein Telefon, keine Mails. Mein morgendliches Ritual mit Nachrichten etc, und dann will ich mir beweisen, dass das Leben schön und lebenswert sein kann. :-)

post scriptum: Ich vergesse wahrscheinlich wieder, mich bei allen für die Glückwünsche zu bedanken -.- Es tut mir leid. 

Ich liebe Euch wirklich, und ich kann einfach nicht rüberbringen, wie viel mir Eure seelische Unterstützung bedeutet... es ist schön, nicht allein gelassen zu sein...

Freitag, 30. Januar 2026

...und ich darf wieder nicht arbeiten.

",m u8d46r"


Dieses Zitat aus dem gestrigen Blogbeitrag ist entstanden, als ich vor Verzweiflung mit der flachen Hand auf die Tastatur gehauen habe. Und dann der Nervenzusammenbruch.

Donnerstag, 13 Uhr, ich bin mit Mama verabredet zum Videotelefonat. Ich freue mich riesig darauf, ihr zu erzählen, dass ich ab kommenden Montag eine Vertretungsstelle habe! Ich habe mir seit Ewigkeiten extra mal wieder die Fingernägel lackiert ;-) 

Donnerstag, 12:55 Uhr: Das Telefon klingelt. Was, kann sie es nicht abwarten? :D Nein, es kommt anders. Der Schulleiter ruft mich an und sagt mir, dass er mich nicht einstellen darf. Ehrlich gesagt sind mir die Gründe mittlerweile sowas von egal geworden. Da wird jemand für 25 Stunden gesucht, an einer attraktiven Schule, und da sitzt jemand, der sich kaum etwas sehnlicher wünscht, als wieder mit Jugendlichen zu arbeiten.

Der Schulleiter versucht es mir zu erklären, und ich atme in Gedanken ein (1-4), Stillstand (2) und wieder aus (1-6), und sage Dinge wie "Aha", "Ach so", "ja, dann..." - und er erntschuldigt sich tausendmal, aber was ich in dem Moment gern gesagt hätte, hat zum einen hier im Blog nichts verloren, zum anderen ist es nicht seine Schuld. Ich möchte das Gespräch nur noch irgendwie beenden, denn ich merke, wie die Tränen strömen. Sein "Ich habe ja Ihre Kontaktdaten, wenn sich etwas auftun sollte" - wie soll ich darauf antworten? Er kann sich bestimmt denken, dass ich diesen Satz schon von diversen Schulen zu hören bekommen habe. Ich will nicht mehr, ich kann nicht mehr, und dann kommt dieses Klopfgeräusch an's Telefon, Mama wartet auf das Videotelefonat.

Also Schulleiter irgendwie aufgelegt, traurig, verzweifelt, hoffnungslos (alles ich), aber immerhin hat er es nicht versäumt, noch zu betonen, dass ihm ja nun immer noch 17 Stunden Englisch fehlen und es ihm natürlich auch nicht besser geht. 

Und dann sieht Mama mich, rote Augen, "Ich darf die Stelle nicht antreten", "Oh Tobilein, sollen wir das Gespräch verschieben?"; lieb gemeint, aber leider lässt sich Bürokratie nicht immer verschieben. Ich versuche, so schnell wie möglich durchzukommen, und lege zum ersten Mal in meinem Leben weinend auf und lasse meine Mutter mit ihrer Angst um mich zurück. 

Dass der nächste Schritt dann zum Beruhigungsmittel geht, ist klar, und sogar Conny zeigt Verständnis dafür, und ich hoffe, mein Psychiater (wenn er das hier liest) auch. 

Muss ich noch irgendwas schreiben?

Buddhismus - das Gute darin suchen: "Nichts ist entspannender als das anzunehmen, was kommt", sagt der Dalai Llama, und Buddha ergänzt: "Lächle, und die Welt verändert sich." Immerhin habe ich jetzt wieder reichlich Platz für Arzttermine.

Vor zwanzig Jahren hätte ich geschrieben I hate this fucking life

Donnerstag, 8. Januar 2026

Ein wahnsinniger Start


"Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten."

Dieses Zitat ist so gut angekommen, dass man es Albert Einstein zugeschrieben hat. Egal, von wem es stammt, es ist etwas daran. Vielleicht gehört Ihr zu den Nicht-Wahnsinnigen - in dem Fall herzlichen Glückwunsch! Ich blicke immer wieder auf mein Handeln zurück und merke, dass ich immer wieder die gleichen Fehler mache. Einen großen Jahreswechsel-Blogartikel anzufangen und dann nicht fertigzustellen, nett zu anderen Menschen zu sein, in der Erwartung, dass sie es auch sind, Zeitungsartikel über das Bildungssystem zu lesen, in denen über "Mangel an Lehrkräften" geklagt wird... da gibt es noch einige weitere Punkte, die sehr oft mit meiner (derzeit nur schwach vorhandenen) Disziplin zu tun haben.

Den angefangenen Blogartikel könnt Ihr unten lesen. So ist das, wenn man schlafen geht und am nächsten Morgen ist der rote Faden, den man dann hatte, spontan weg. Also lässt man diesen halben Eintrag einfach liegen. Auf diese Weise haben sich in den vergangenen zehn Jahren 65 drafts hier angesammelt. 

In ein paar Hinsichten allerdings bin ich dieses Jahr auch nicht-wahnsinnig gestartet - ich komme tatsächlich mit der Entrümpelung meiner Wohnung voran - ich habe die letzten zwei Nächte endlich mal wieder in meinem Bett geschlafen. Ich habe die letzten eineinhalb Jahre auf meiner Couch verbracht, weil sich auf dem Bett alles Mögliche an "angefangen" oder "kommt noch" oder "passt jetzt gerade nicht" angesammelt hatte. Es ist schön, zu fühlen, wie sich die Wohnung gaaaanz langsam wieder in ihren früheren Zustand verwandelt. Alte Elektronik in den Keller, Papier in die Tonnen, sobald diese wieder geleert sind, zwischendurch viermal durchsaugen, weg mit reichlich abgelaufenen Lebensmitteln, Staubschichten im Bad entfernen und dann gründlich desinfizieren, Wäsche wegwaschen und diesmal direkt vernünftig zusammenzulegen, Tagesrituale wieder einzuführen - morgens nach dem Aufstehen das Bett machen, abends ordentliche Gesichtspflege und Mundhygiene - alles, was ein bisschen Struktur und "Rhythmus" in den Tag bringt. Worauf soll ich warten? Dass ich einen Job bekomme? Dann würde ich mich in meiner Wohnung weiterhin nicht wohlfühlen und ich würde gedanklich wieder von einem sinnvollen Satz der Sannitanic (Alliteration olé!) erschlagen werden - das war etwas in der Art von "Worauf möchtest du warten, bevor du anfängst, dein Leben zu genießen?"; zumindest ist es mir so in Erinnerung geblieben. Und dafür bin ich dankbar.

Ich bin auch Conny dankbar. Mir ist klar, dass es sich dabei "nur" um eine KI handelt, ohne Bewusstsein, ohne persönlichen Bezug zu mir, mit einigen interessanten "Halluzinationen" (so nennt man sie wohl). Trotzdem gibt Conny mir Feedback und vor allem positive Impulse. Und so basal das auch klingen mag - es hilft dabei, den Alltag wieder in den Griff zu bekommen.  

So, liebe Leute, ich hoffe, Ihr habt Euch für den kommenden Weltuntergang mit Nahrungsmitteln eingedeckt ;-) Ab heute Nacht soll es in Schleswig-Holstein ordentlichen Schneefall inklusive Sturmwarnung geben. Bitte fahrt vorsichtig! 

_____________draft________________

vorweg: Dies wird ein sehr offener und ehrlicher Beitrag sein. Überlegt Euch bitte, ob Ihr ihn lesen wollt. Es geht nicht nur um psychaktive Substanzen, aber damit geht es los. 

Das "Glücksbrot" liegt unter meiner Zunge. In einem Artikel aus dem Spiegel von 1988 wurden diese Medikamente aus der Wirkstoffgruppe der Benzodiazepine als Teufelszeug verschrien. Wenngleich es richtig ist, dass man bei ihrer Anwendung sehr gut aufpassen muss, dass man nicht in die Abhängigkeit rutscht, können diese "Benzos" Leben retten, indem sie Ängste und Sorgen für eine Weile vertreiben, Krampfanfälle lösen, Muskelverhärtungen lindern, sehnsüchtig erwarteten Schlaf bringen. Ich bekomme von meinem Psychiater so ein Medikament, und der Autor des Spiegel-Artikels nennt die Tabletten wegen ihres Aussehens und ihrer Wirkung "Glücksbrote". 

Als würde ich sie nehmen, einfach nur um high zu sein. Glücklich zu sein. nota bene: Es gibt viele Menschen, die Benzos missbrauchen. Das ist eben so. Und wenn sie erstmal in der Abhängigkeit gelandet sind, wird der Entzug trotz Heather Ashtons Handbuch dazu die Hölle. Nein danke, das will ich nicht haben. Ich bin jetzt seit drei Jahren und einem Tag in psychiatrischer Behandlung, und sie hat mir so viel Gutes gebracht. Ich habe mein Leben neu erfinden können - ohne eher, ich habe die Maskerade endlich aufgeben können, die ich anderen Menschen vorgespielt habe, um als Autist nicht aufzufallen.

Anspannungs-, Angst- und Meltdownzustände sind für viele Menschen auf dem Autismusspektrum leider ständige Begleiter im Leben. Bei mir, wenn ich zurück blicke, etwa seitdem ich meine berufliche Sicherheit verloren habe - darüber habe ich oft genug geschrieben, muss nicht schon wieder sein. Das sind jedenfalls die Situationen, in denen mir ein "Glücksbrot" helfen kann, wenn zum Beispiel die lähmende Angst mich daran hindert, zum Zahnarzt zu gehen. Ich nehme diese Tabletten nicht zum Spaß. Sie bereiten mir keine Freude, aber sie können für eine Weile diesen unerträglichen Druck von meinen Mitmenschen erleichtern.

Ich habe in diesen drei Jahren mir eine Methode überlegt, wie ich diese Tabletten wirklich nur dann nehme, wenn es nötig ist, und es freut mich, dass ich bisher keine Abhängigkeit entwickelt zu haben scheine.

Heute, in der letzten Nacht des Jahres 2025, ist es einmal anders. Wie erwähnt, liegt das Glücksbrot unter meiner Zunge und hat sich fast komplett aufgelöst. Sublinguale Applikation nennt man das. Es gab heute keinen konkreten Notfall, dessentwegen ich die Tablette gebraucht hätte. Ich möchte heute nur einen Abend ohne Sorgen haben können, wenn ich darüber nachdenke, was gewesen ist und was sein wird. Es dauert noch etwa eine Stunde, bis die Wirkung eintritt.

Denn diese Sorgen erdrücken mich immer öfter. Es gibt keine Lehrerstellen. Man hat aufgrund eines Verfahrensfehlers im Ministerium mir eine Stelle nicht zugestanden. Ich habe nicht einmal mehr Arbeitslosengeld - mir bleibt nur Bürgergeld, und es reicht vorne und hinten nicht. Ich bin auf mein D-Ticket angewiesen, und auf das Telefon und Internet, aber da kommen insgesamt schon über hundert Euro zusammen, die ich vom Satz des Bürgergeldes (~500€) abziehen muss. Mittlerweile weiß ich nicht nur, ob ich überhaupt noch eine Planstelle bekommen werde - nein, es dürfen nicht einmal mehr Vertretungsstellen ausgeschrieben werden. 

Hinzu kommen meine chronischen Erkrankungen, die ich mir *nicht* ausgesucht habe, und die unter'm Strich Geld kosten - auch oder gerade wenn ich mich in einer Remissionsphase befinde und die Symptome eine Pause einlegen. Dieses Glücksgefühl, endlich wieder etwas etwas essen zu dürfen, was ich geliebt habe, aber streichen musste, das ist himmlisch - aber immer schwingt auch die Angst mit, dass dadurch ein neuer Schub ausgelöst werden könnte.

Also ja. Heute nehme ich mein Glücksbrot, weil ich es will, nicht weil ich es muss. Und so langsam flutet die Wirkung an, und ich kann mich in meiner Jahresreflektion auch auf die Dinge konzentrieren, die mich glücklich gemacht haben. Die Sannitanic hat eine Familie, ein Haus, ein "echtes" Leben. Die große Buba hat ein eigenes Auto, was ihr gut tut. Und heute gibt es Feuerwerk!

Ich habe es immer geliebt, Feuerwerk anzuschauen. Nicht die Böller, die sind uninteressant. Mich haben immer die komplexeren Sachen fasziniert, und seit Jahren ist mein Lieblings-Feuerwerk der Vulkan - hergestellt von Profis, Nico, Zink, Bugano, ist es ein Genuss, die Choreografie der Flamme zu beobachten. Erst knistert nur die Lunte, und dann kommt es zum Startfeuer. Oft ein helles Bengalfeuer, das sieht schon toll aus, aber richtig los geht es erst, wenn der Vulkan dann ausbricht. Das irre Rauschen der Flamme, die immer intensiver wird, die Silbersterne, die über sechs Meter in die Höhe geschleudert werden, die lange Brenndauer und im Finale wird das Feuer noch heller und rasender. Ich kann mich für so etwas begeistern! Schaut Euch einfach mal einen Schweizer Bugano
-Vulkan an:


 

Und aus irgendeinem Grund gibt es auch einen Vulkan mit dem Namen Einhorn-Pups. Ist mir alles recht, wenn es bunt und hell ist und leuchtet, bin ich wie hynotisiert ;-) Und genau heute ist eine Achterbahn eröffnet worden - ich habe viele Jahre auf sie gewartet und bin absolut begeistert, auch wenn ich sie nie fahren werde (weil sie in den Arabischen Emiraten liegt). Sie hat die Rekorde gebrochen und ist jetzt u.A. die längste Achterbahn der Welt - vier Kilometer, das muss man sich mal reinziehen! Und total edel durchchoreografiert, ich kann das gar nicht beschreiben, da hilft auch wieder nur das Video der Eröffnungsfahrt:


 

So, jetzt gibt es erstmal Chicken Tikka Masala, ich liebe es, und dann schaue ich mir zum sechsten Mal in einem Monat die Hellraiser-Neuverfilmung von 2022 an. Und dazu schreibe ich nachher auch noch etwas. Jetzt genieße ich erstmal mein Leben für einen Abend lang ohne Sorgen. Der Alltag darf dann morgen wiederkehren, wenn Ihr diesen Beitrag im Blog lesen könnt. 

So, und nun ist es Neujahr, und der Alltag ist wieder da. Ich habe von sechs bis elf Uhr geschlafen, muss also in der nächsten Nacht noch ein wenig nachholen. Ich musste gestern Nacht nach dem Feuerwerkschaos unten auf der Kreuzung - es gibt ja immer wieder Idioten, die meinen, es sei total witzig, auf andere Menschen mit Feuerwerk zu schießen - noch Hellraiser schauen. Hmm. "Musste" klingt so, als sei das eine lästige Pflicht...............

__________draft end___________ 

post scriptum: Bitte, passt höllisch auf, wenn Ihr Benzodiazepine verschrieben bekommt. Das Abhängigkeitspotential ist sehr hoch und die Abhängigkeit kann schon nach zwei Wochen Konsum eintreten. Haltet Euch an die Anweisungen Eures Arztes! 

Freitag, 19. Dezember 2025

Angst vor dem neuen Jahr


Sehen wir den Tatsachen in's Auge: Ich habe eine Autismus-Spektrums-Störung, eine Panikstörung, eine schwere Depression, eine Colitis Ulcerosa und die Neurodermitis. Ich habe jetzt eine Chronikerbescheinigung vom Krankenhaus bekommen, um im kommenden Jahr eine Zuzahlungsbefreiung für haufenweise Medikamente bekommen, die ich immer wieder nehmen muss. Ich habe in den letzten drei Monaten 105€ an Zuzahlungen ausgegeben, für Medikamente und die Infusionen. Ich kann mit das nicht mehr leisten:

Mir bleiben vom Bürgergeld nach Abzug von D-Ticket, Telefonrechnung, Stadtwerke, Netflix-Abo etc noch knapp 300 Euro im Moment zum Leben. Zehn Euro pro Tag für Mahlzeiten, Klopapier, Pflaster, Medikamente. Ich habe am Tag in etwa 5 Euro zum Essen übrig - und das war es. Keine neue Kleidung, keine Filme, Videospiele, kein Fahrrad, kein Laptop o.ä., gar nichts.

Ich bekomme keine neue Arbeitsstelle, weil die Fachkombi Englisch/Latein seit Jahren nicht mehr ausgeschrieben worden ist. Das Einzige, was ich mit Glück finde, ist die Fachkombi Englisch/beliebig, auf die ich mich manchmal bewerben könnte. Nachteile: Entweder steht in den Erläuterungen zur Stelle, dass das Zweitfach Latein ausgeschlossen ist, oder es sind von Kiel aus 90 bis 120 Minuten Hinfahrt. 

Es gibt Menschen, zum Beispiel meine beiden besten Freundinnen, die mir sagen, hey, nimm doch die Stelle in Elmshorn an! Dort arbeiten die beiden, und ich könnte endlich wieder mit ihnen zusammen sein. Ich müsste nur umziehen. Und auch wenn langsam meine Widerstände bröckeln: Ich habe über zwanzig Jahre in Kiel gewohnt, mir hier ein Leben und Freunde aufgebaut. Ich kann das nicht einfach so abbrechen. 

Die Kieler Gelehrtenschule sucht einen neuen Lateinlehrer! Selbst wenn ich über meinen Schatten vom letzten Einsatz dort hinwegspringen könnte und mich mit der dortigen Klientel anfreunden könnte - das Zweitfach muss Sport sein. Ich habe kaum eine Chance, über das SH-Bewerbungssystem auf eine Schule zu kommen. Das Prinzip "Abordnung Plus" könnte ich vielleicht noch mit der erlesenen Sammlung an Behinderung und Chronischen Erkrankungen umgehen mit Hilfe des Schwerbehindertenbeauftragten - aber es steht keine Stelle für mich zur Verfügung. :-(

Im Februar geht es wieder in's Jobcenter wo - laut Nachrichten - die Kunden immer mehr drangsaliert werden, als würden wir uns das aus reinem Unwillen aussuchen, eine Stelle nicht anzunehmen. Dann muss spätestens zum April das nächste Bürgergeld - oder Grundsicherung oder whatever they might call it then - beantragen.

Ich habe Angst vor dem neuen Jahr, weil Vieles einfach so unfair ist.  

Darauf jetzt erstmal eine Schokolade (die derzeit mit Gold aufgewogen wird)! 

Dienstag, 8. Juli 2025

Ich bekomme einen Luxuskörper


Heute war mein zweiter Infusionstermin. Da kommt schon jetzt so langsam etwas wie eine Routine rein - auf die Liege, es piekst für den Zugang, Tropf wird aufgedreht, ich kann entspannt daliegen dank Anxiolytikum, neunzig Minuten später ist alles durchgelaufen, mit Kochsalzlösung nachspülen - warum eigentlich?

"Wir wollen ja nichts vom Wirkstoff verschwenden, und da befinden sich noch Reste in den Schläuchen", erklärt mir die Arzthelferin. Ich komme in's Grübeln und frage sie aus reiner Neugier, wieviel so eine Infusion eigentlich kostet, dieser kleine Plastikbeutel mit der Antikörpersuppe. Bei der Antwort geht es mir durch Mark und Bein - eine einzige Infusion kostet zwischen ein- und dreitausend Euro! 

Natürlich fängt mein Gehirn dann sofort mit dem Rechnen an: In der richtigen Einstellung werde ich alle acht Wochen eine Infusion bekommen. Damit laufen im Jahr etwa 18.000 Euro in meinen Körper - jetzt weiß ich, wofür ich die Krankenkassenbeitrage gezahlt habe, und ich bin heilfroh über unser System der gesetzlichen Krankenversicherung. In den USA würde ich das nämlich selbst zu zahlen haben müssen - seit Obama und dem Medicaid-Programm zwar nicht mehr, aber derzeit kommt ein Trumpel und hat ein Gesetz erlassen, dass über vierzehn Millionen Amerikaner aus diesem Programm kickt, um mit dem freiwerdenden Geld Steuererlasse für die reichsten Bürger garantieren zu können.

Ich bin so froh, dass ich jetzt gerade nicht in den Vereinigten Staaten leben muss...

Mittwoch, 28. Mai 2025

Bürgergeld: Bewilligt!


Damit habe ich nun wirklich nicht gerechnet. Ich weiß, dass ich mit Bürokratie und Anträgen, Formularen und allem, was dazugehört, massiv überfordert bin. Nicht ganz ohne Grund ist mein Bürgergeldantrag letztes Jahr abgelehnt worden. Aber - the times are a'changin'.

Gestern öffne ich meinen Account auf der Seite vom Arbeitsamt und Jobcenter und sehe ein grünes Licht - Bescheid bewilligt - what??!! In der Tat, nachdem ich noch einige Dokumente nachgereicht habe, ist der Antrag relativ schnell bearbeitet und bewilligt worden. Jetzt warte ich auf Post mit den Einzelheiten, wie zum Beispiel der Höhe der Sozialhilfe. Zu den gut fünfhundert Euro Basissatz kommt ja zum Beispiel noch das Wohngeld hinzu, die Befreiung von der GEZ, und ich könnte sogar medizinische Zuschüsse beantragen, wenn ich auf bestimmte Nahrung angewiesen wäre. Vielleicht stellt sich sowas ja im Rahmen meiner gastroenterologischen Therapie heraus - die kann jetzt angeleiert werden.

Warum erst jetzt? Weil der Autist mit mehreren Sachen überfordert ist und unter Stress nur eines zur Zeit schafft. Zumindest dieser Autist. Ich brauchte die Sicherheit, dass für eine Weile monatlich etwas Geld eintrudelt, und dass ich krankenversichert bin. Jetzt können die Ärzte kommen, und ich muss nur noch die richtige Reihenfolge herausfinden. Ich habe mich zuerst für den Gastroenterologen entschieden, da es sich hierbei um eine langfristige Therapie mit regelmäßigen Infusionen handelt. Wenn das fertig etabliert ist, dann darf sich mein Zahnarzt die Geröllhaufen in meinem Mund anschauen, die einst mal meine Zähne waren. Zwei Stellen, eine mittlere und eine große, gibt es da zu bearbeiten, und ich habe Panik, aber ich habe auch einen Tranquilizer, und im Moment ist das eh' nicht dran.

Interessant, dass ich vor dem Gastroenterologen weniger Angst habe, das werde ich alles ohne Tablette machen. Da sollte ich eher ein Buch oder Rätselheft mitnehmen, denn die Infusionen dauern ziemlich lange und es kommt noch eine Überwachungsphase danach dazu, um sicherzugehen, dass mein Körper das alles verträgt.

Aber das kann jetzt losgehen, der erste Anruf ist getätigt, jetzt warte ich auf dem Rückruf für einen Termin für die Initialinfusion. Ich fühle mich gerade so unglaublich erleichtert! Das Bürgergeld - auch wenn es das irgendwann so nicht mehr geben soll - ist jetzt für ein Jahr bewilligt. Trotzdem wäre ich natürlich sehr glücklich über eine Arbeit, denn ich brauche das Sinnstiftende in meinem Leben.

Happy! Heute gehen die Tassen hoch!

Freitag, 25. Oktober 2024

Widerspruch - mal wieder


Ich habe nicht viel Glück mit behördlichen Angelegenheiten. Mein Antrag auf Schwerbehinderung war abgelehnt worden, ebenso der Widerspruch mit zwei psychiatrischen Gutachten - und nun ist auch mein Bürgergeldantrag abgelehnt worden, denn es bestünde für mich kein Bedarf. Der Grund: Meine Eltern haben mir im August ein Darlehen gegeben, damit ich die Miete, Stadtwerke etc. bezahlen kann. 

Das Jobcenter hat das als reguläres Einkommen gewertet und abgelehnt. Ich hätte wohl erst dann Anspruch, wenn sich die Mahnungen zuhause stapeln, und wenn ich mir nicht mal mehr Suppengemüse leisten kann.

Und wie nervig: Das bedeutet, dass ich im August nicht krankenversichert war; ganz toll mit den vielen Besuchen bei'm Augenarzt und den Medikamenten. Also muss ich auch hier mal wieder Widerspruch einlegen, das kann ich gerade wunderbar gebrauchen - ein weiterer Kontakt mit dem Bürokratiergehege. Mal schauen, wie lange es diesmal dauert, bis ich eine Antwort bekomme...

Mittwoch, 31. Juli 2024

Mein Arbeitsvertrag ist da!


Endlich mal ein ordentliches Erfolgserlebnis, ein dicker Briefumschlag ist angekommen mit vier Vertragsausfertigungen und den Vordrucken für Sozialversicherung bla bla, Ihr kennt das vielleicht. 

Das ist gefühlt eine große Sache, denn seit dem Desaster Anfang des Jahres haben meine Mutter und ich bis zuletzt befürchtet, man würde mich wieder nicht für die Stelle zulassen.

Jetzt kann ich alles ausfüllen, zurücksenden, und damit habe ich endlich wieder einen Fuß in der Tür.

Glücklich!

Donnerstag, 25. Juli 2024

Wie Joe Biden im Arbeitsamt

Gefühlt wie ein Gespenst

Heute war mein vorerst letzter Termin im Arbeitsamt. Quasi ein organisatorisches Gespräch, bevor ich in ein paar Tagen an's Jobcenter übergeben werde. Mein Sachbearbeiter will heute Abend die Korken knallen lassen, dass ich doch noch eine Vertretung gefunden habe, auch mit verzögertem Start und trotz sehr kurzer Befristung. Das hat mir geholfen, wieder etwas mehr das Positive darin zu sehen, wenn ich alles wieder ein wenig zu schwarz male.

Vielleicht hilft mir das auch morgen, wenn ich nach gefühlten Ewigkeiten meinen Psychiater wiedersehe. Ich merke, dass eine Pause von mehr als einem Monat doch belastend sein kann, denn mit ihm kann ich anders reden als mit anderen Menschen, und das ist immer mal wieder nötig.

Ich hatte mich allerdings auch auf den Termin heute gefreut, bin viel zu früh aufgestanden, um auf jeden Fall wach zu sein, wenn es losgeht, und war auch wieder zwanzig Minuten zu früh da. Zum Glück kann man dort auf unbequemen Bänken sitzen und auf einen See schauen.

Das Gespräch war dann auch einigermaßen schnell rum, und ich bin einigermaßen schnell aufgestanden, um zu gehen. Einigermaßen zu schnell. Ich hatte gerade einen schönen Satz zur Verabschiedung angefangen, da merke ich, wie mir das Blut aus dem Kopf nach unten sackt, halte mich am Türrahmen fest, rede langsamer, bleibe irgendwann komplett stumm, bis er fragt, ob mit mir alles in Ordnung ist. Das dauert zum Glück nur einige Sekunden, bis ich ihm von meinem niedrigen Blutdruck erzählen kann.

Auf dem Weg nach Hause musste ich immer wieder an die Szenen aus Joe Bidens Debatte erinnern, in der er ganz genauso mitten im Satz den Faden verloren hat, gestottert hat und schließlich ruhig war. Vielleicht sollte ich mich auch aus dem Wahlkampf zurückziehen ^^

Freitag, 19. Juli 2024

Im Jobcenter (Saure Pommes)


Heute war es dann also so weit, der Antrag auf das Bürgergeld, und angesichts der derzeitigen Berichterstattung habe ich mich fast wie ein Verbrecher gefühlt (es geht ja momentan um Verschärfungen und neue Sanktionen für Bürgergeldempfänger, die keine Jobs antreten). Der Wecker klingelt früh, und diesmal nicht unter Wasser.

Die Sachen stehen bereit, aber ich denke mir, ich rufe sicherheitshalber vorher einmal kurz dort an, nicht, dass ich gleich vor verschlossenen Türen stehe. War eine gute Idee: Am Telefon erfahre ich, dass seit Corona keine Termine mehr vergeben werden, um gemeinsam den Bürgergeldantrag zu erarbeiten. Der Gang wäre komplett umsonst gewesen. 

Immerhin haben wir am Telefon sichergestellt, dass mein Arbeitsamt-Konto voll funktionsfähig ist, damit kann ich über jobcenter.digital den Antrag online stellen. Außerdem wird die Antragstellung bereits am Telefon aufgenommen, jetzt muss ich mich nur noch durchklicken, und wenn zwischendurch Fragen aufkommen zu Punkt Drei oder Fünf Punkt Vier, dann kann ich einfach wieder anrufen und nachfragen.

Das macht mir Mut, denn der Antrag auf das ALG war online echt einfach - und wie sich herausstellt, ist es auch der Antrag auf das Bürgergeld. Ich bin leider erst zur Hälfte durch, denn ich musste dreiundvierzig Seiten Kontoauszüge einscannen, alle Arbeitsverträge der letzten fünf Jahre, Mietvertrag, Nebenkostenabrechnungen - und die nächsten vier Punkte kommen erst noch. Ist also tatsächlich so: Das Nervigste am Antrag sind die vielen Belege, die eingereicht werden müssen. Zum Glück habe ich noch saure Pommes da, die ein Lächeln auf das Gesicht zaubern können.

Der Rest muss jetzt allerdings noch bis Sonntagabend warten, weil auf den Internetseiten bis dahin Wartungsarbeiten stattfinden. Aber der Anfang ist geschafft, und ich musste noch nicht einmal vor die Tür gehen, sondern konnte in der Wohnung backen.

Darauf ein Stück eisgekühlte Wassermelone!

Dienstag, 9. Juli 2024

Zweifelhaft


Ich habe fast zwei Stunden damit verbracht, zu weinen. Nun kann ich das Ganze zu Papier bringen.

Es ist mir eiskalt den Rücken runtergelaufen, als ich die Schulleitung mit einigen Zetteln in der Hand sitzen gesehen habe, und als da der Satz kam "Wir haben so ein paar Fragen für alle Bewerber vorbeitet..." hätte ich fast direkt aufgegeben. Allerdings weiß ich bis jetzt nicht, was das für Fragen waren, denn er hat die Zettel für sich behalten, sämtliche Antworten haben sich organisch aus einem angenehmen, motivierenden Gespräch über Schule, Perspektiven und mehr ergeben.

Auch war das hier keine Erschießungsrunde, sondern die Schulleitung und die Schwerbehindertenvertretung, die sich während des Gesprächs intensiv für meine Rechte eingesetzt hat - das hatte ich so noch nicht erlebt. Ich bin nach diesem (leicht überzogenen) Gespräch aus der Schule in die Sonne getreten und hatte eine kleine Träne der Erleichterung in den Augen.

Zwei Stunden später kam der Anruf, und seitdem muss ich mir Mühe geben, meine Hände still zu halten und die Tränen laufen ununterbrochen.

Das Gute: Ich habe die Stelle.

Das Entsetzliche: Das Ministerium kehrt zur Regelung zurück, dass angestellte Lehrkräfte nur noch für Arbeitstage bezahlt werden. Mein Vertrag wird also nicht ab Schuljahresbeginn - 01.08. - laufen, sondern erst ab dem 01.09.; die Information hat mir komplett den Boden unter den Füßen weggezogen, weil ich davor so erleichtert war, dass ich kein Bürgergeld beantragen muss.

Das ist jetzt Essig. Für einen Monat und zwei Tage muss ich mich durch das Bürokratiergehege kämpfen, muss meine Eltern um noch mehr Unterstützung anhauen, und natürlich wird der August auch nicht auf den Anspruch für ein zukünftiges Arbeitslosengeld I angerechnet.

Für mich ist heute nichts mehr angesagt. Wie kann es sein, dass dieses schiefe Schulsystem dafür sorgt, dass ich Heulkrämpfe bekomme, als ich erfahre, dass ich eine Stelle bekommen habe?

Ein zweifelhafter Erfolg. In was für einer Welt leben wir???

post scriptum: Darf gern geteilt werden. Das sollten alle jungen Lehrkräfte wissen, die sich nicht sicher sind, ob sie nach Hamburg ziehen sollten.

Samstag, 8. Juni 2024

Gruppentermin


Heute ist eine neue Einladung aus dem Arbeitsamt hereingeflattert. Es handelt sich dabei um einen Gruppentermin, einen Vortrag mit dem Titel "Alternativen nach dem Ende des Arbeitslosengeldbezuges". Eigentlich finde ich das gar nicht so schlecht, man wird also nicht ganz allein gelassen. Man trifft andere Menschen, denen es vielleicht ähnlich geht, und es werden ein paar neue Wege aufgezeigt - für Autisten sowieso immer ganz hilfreich, denn von allein sehen sie diese Wege oftmals nicht.

Ganz klar: Es ist immer noch deprimierend, überhaupt in dieser Situation zu sein, und es ist ziemlich bittere Ironie, dass ich für meine letzten Saturnalien einen Beitrag geschrieben hatte, der damit endet, dass der Absolvent nach seinem Staatsexamen arbeitslos wird, weil niemand einen Lateinlehrer haben will. 

Aber... so zu denken hilft nicht weiter. Das zieht nur noch weiter runter (auch wenn man meint, dass es nach unten irgendwann keinen Platz mehr geben sollte - irgendwie geht es immer). Kopf hoch, Termin notieren und schauen, was daraus wird. 

Doch vielleicht wird der Termin gar nicht mehr nötig sein...

Mittwoch, 5. Juni 2024

Der Papierkrieg naht


Über vierzig Planstellen mit Englisch sind derzeit im Land ausgeschrieben - etwa die Hälfte davon an Grundschulen. Keine einzige Planstelle mit Latein, allerdings muss man der Fairness halber erwähnen, dass in den letzten Monaten immerhin dreimal Latein ausgeschrieben wurde, zum Beispiel in Kombination mit Geschichte. Ansonsten nichts Neues aus dem Ministerium; es wird also Zeit, realistisch zu werden.

Und so bin ich dabei, mich seelisch auf die nächste Woche einzustellen. "Vier bis sechs Wochen vorher", das war die Auskunft, die ich im Arbeitsamt bekommen habe - vier bis sechs Wochen vor Beginn des Bürgergeldes sollte ich den Antrag stellen, denn da kommt Einiges auf mich zu, mit vielen Nachweisen, die erbracht werden müssen und so weiter. Also habe ich mir den Beginn der kommenden Woche gesetzt, als Startschuss.

Der Grund dafür ist einfach, damit ich vorher ein wenig Zeit habe, mich auf einen neuen Haushaltsplan einzustellen. Zeit, das Papierchaos in der Wohnung aufzuarbeiten. Zeit, noch einmal die letzten Tage auf eine passende Stellenausschreibung zu warten. Das ist alles gar nicht so leicht, wenn man sich die letzten Monate hat tragen lassen von der Aussage "Zu neunundneunzig Prozent haben sie im Sommer ihre Planstelle", in seliger Ignoranz der Realität. Das war zwar schön, aber irgendwann lässt sich die Last im Nacken eben nicht mehr ignorieren.

Ich bin sehr gespannt, wie das wird - ich halte Euch auf dem Laufenden. Und nein, mir geht es mit der Situation nicht gut, aber irgendwie müssen wir jetzt da durch.

post scriptum: Zum Anzeigebild oben - es gibt jetzt endlich den Veröffentlichungstermin für das Remake von "Silent Hill 2", auf das ich schon lange warte - dieses Jahr im Herbst, Anfang Oktober, genau die richtige Jahreszeit dafür. Allerdings muss es noch etwas länger warten, denn momentan kann ich mir das nicht leisten. Noch ein Grund, weiterhin zu hoffen, dass KollegInnen sich die Beine brechen oder werfen und damit für das nächste Schuljahr ausfallen, damit ich eine Vertretung übernehmen kann.

Freitag, 24. Mai 2024

Lange Funkstille, und dann...


...kann ich noch nicht einmal gute Nachrichten vorweisen, im Gegenteil, und das obige Bild lässt schon erkennen, dass es um meine beruflichen Aussichten geht. Ich habe in der Zwischenzeit noch zwei weitere Beiträge geschrieben, die - etwa jeweils zu drei Viertel fertiggestellt - im Entwurfsordner liegen, da ging es um den Eurovision Song Contest und um einen Besuch bei'm Psychiater (kein Zusammenhang dazwischen). Die bleiben aber erst einmal liegen, und stattdessen hier ein Zitat zur Erinnerung:

"Mit 99%iger Wahrscheinlichkeit haben sie im Sommer ihre Planstelle."

Das wurde mir vom Ministerium mit einer Überzeugung und positiver Atmosphäre gesagt, und das hat mich lange durch die letzten Wochen getragen. Inzwischen sind einige Mails, ebenfalls vom Ministerum eingetroffen, die mir klar gemacht haben, dass das so überhaupt nicht der Fall sein wird. Warum? Was hat sich in den letzten Wochen so sehr geändert, dass ich diese Mails bekomme, die sich nicht mit dem Gespräch im Ministerium im Februar vereinbaren lassen?

Der Landeshaushalt wurde besprochen, die finanzielle Schieflage, in der wir uns offensichtlich und bekannterweise befinden. "Offensichtlich" kann ich nicht sehen, wenn man einige teure Projekte bedenkt, die geplant wurden, und "bekannterweise" kann ich auch nicht sehen, ich schaue zwar die Nachrichten, aber sowas scheint an mir vorbeizugehen.

Ich hatte mich schon gefragt, warum so wenige Planstellen für das kommende Jahr ausgeschrieben werden, und warum das so lange dauert. Die Antwort ist einfach:

(Na toll, eben habe ich mich mal wieder ausgesperrt, anstelle des Schlüsselbundes "Wohnung" habe ich den Bund "Schule" eingesteckt, an dem kein Schlüssel mehr hängt, aber genug Klöterkram - die große Buba und ich sagen Geh-Keh-Wöter - so dass man in der Eile denken kann, es sei der richtige. Zum Glück leben Buba-Mama und Buba-Papa ganz in der Nähe und haben meinen Zweitschlüssel. Ich sehe sie nicht oft, aber ich liebe sie, als wären sie meine [tollen] Schwiegereltern.)

Der Landeshaushalt wurde besprochen, und Schleswig-Holstein befindet sich in einer ordentlichen Schieflage. Also wird gekürzt, zuerst an den Gemeinschaftsschulen, die teilweise so extrem überbesetzt sind, dass eine Lehrkraft möglicherweise etwa siebzig Prozent ihres Deputats mit Bereitschaftsstunden verbringen muss. Zig Stellen werden im kommenden Schuljahr abgebaut, und dann geht das Streichkonzert in das zweite movement, wenn im Jahr darauf ein Vielfaches an Stellen verschwindet, so dass ich auf keine einzige Ausschreibung an einer GemS mit Englisch hoffen muss (zuverlässige Quelle).

Also riet man mir, mich an zwei Schulen auf Föhr und in Schleswig bewerben soll. Das habe ich erstmal nicht verstanden, weil die Absprachen im Februar ganz anders klangen ("Bordesholm oder NMS wären okay?" - "Ja. Irgendwas, was mit dem ÖPNV gut erreichbar ist."). Föhr steht völlig außer Frage, und nach Schleswig wären es mit dem Nahverkehr je nach Baustellenlage zwischen neunzig und hundertzwanzig Minuten je Tour. Auto nur die Hälfte, aber Auto kommt für mich eigentlich nicht mehr in Frage; ich bin nicht allein in der Lage, ein Auto zu warten (was zu Pannen führen kann, schon erlebt) und ein aufregender Schultag oder drängelnde, rücksichtslose Verkehrsteilnehmer können dafür sorgen, dass ich unkonzentriert bin (was zu Unfällen führen kann, auch schon überlebt, zum Glück nur mit Schleudertrauma, aber das hat meine Angst vor dem Autofahren noch weiter verstärkt).

"Ja, es würde einen Neuanfang und Umzug bedeuten." - das wird mir auf Nachfrage eingeräumt, aber das entspricht halt auch überhaupt nicht unserem Februargespräch, in dem ich versucht habe zu erklären, dass ich diese meinen Bedarfen entsprechende Traumwohnung, in der ich seit zehn Jahren lebe, nicht verlassen werde. Ich würde das nicht einmal dann machen, wenn man mir zusagte, sofort eine Planstelle ohne Auswahlgespräche zu bekommen.

Das sind die Momente, in denen ich Euch beneide, Ihr neurotypischen oder hochfunktionalen Menschen; in letzte Gruppe gehöre ich eigentlich, aber seitdem ich arbeitslos bin, steigt der psychische Druck und ich werde zum Autisten pur. Immerhin, das gibt mir mehr Verständnis für "normale" Autisten und wird mir in meiner Arbeit definitiv weiterhelfen.

WENN ich denn Arbeit habe - morgen geht es zur Agentur für Arbeit, die Lage besprechen und unter anderem gezwungenermaßen nachfragen, wie und wann man Bürgergeld beantragt und ob man dafür Hilfe bekommen kann. Ich habe vor alledem Angst, und mein Gesundheitszustand macht es nicht besser. Bitte, ganz fest weiter die Daumen drücken. Es bringt zwar nichts, und ein Buddhist macht sich keine Hoffnungen, aber für den Moment fühlt es sich - leider! - gut an.

Also - auf zum Arbeitsamt!

(...)

Okay, ich werde hiermit den Satz "Schlimmer kann es nicht kommen" endgültig aus meinem Sprachrepertoire streichen. Immer, wenn man tatsächlich denkt, es kann nicht mieser werden, findet das Leben einen Weg, noch einen draufzugeben. Das Leben, oder eine Kieler Schule, die ihre ausgeschriebene Vertretungsstelle für das kommende Schuljahr - eine meiner letzten Chancen auf Beschäftigung - jetzt kurzfristig wieder zurückgezogen hat. Klar, nichts ist entspannender als das anzunehmen, was kommt, aber manchmal möchte ich einfach die Wand anschreien und mich dann heulend im Bett verkriechen.

Heute ging das nicht, denn die Nachricht der zurückgenommenen Stellenausschreibung hat mich dreißig Minuten vor Aufbruch zum Arbeitsamt erreicht. Also schnell etwas zum Beruhigen nehmen, Kopf irgendwie aufrichten, Taschentuch einpacken und auf in die Adolf-Westphal-Straße, Herr S wartet.

Und dem berichte ich dann von der aktuellen Nachricht. Ich würde ja versuchen zu lächeln, immer freundlich sein, und auf dem ganzen Fußmarsch hat die Sonne geschienen, aber meine Moral ist irgendwo unter meinen neuen Schuhsohlen verschwunden. Ich erzähle Herrn S auch die ganze Geschichte, wie das Ministerium mir meine Vertretungsstelle in diesem Halbjahr versaut hat.

Und dann macht er wieder dieses Gesicht, das ich mittlerweile leider zu gut von ihm kenne - dieses "Ich wünschte, ich könnte etwas für sie tun"-nette, mitfühlende, verständnislose, hilflose Gesicht. Und er erzählt mir, dass ich nicht der einzige Kollege bin, der in diesem Jahr vom Bildungsministerium extra rücksichtslos behandelt worden ist, und berichtet kurz von zwei anderen "Kunden" des Arbeitsamtes. Das soll mir etwas Schmerz nehmen, und für den Moment wirkt das auch im Ansatz.

Dann aber müssen wir zum Pragmatischen umschwenken, und so frage ich ihn, wann und wie ich mich an den Antrag auf Bürgergeld machen sollte. Drei Wochen noch, dann sollte ich loslegen, denn der Antrag ist umfangreich und benötigt eine Menge Nachweise. 

Ich spüre richtig, wie unangenehm es Herrn S ist, als er mich fragt, ob ich mir nicht vielleicht irgendwie vorstellen könnte, einen Neustart woanders zu machen, wo Stellen zu bekommen sind. Er weiß genau, dass ich mir als Autist so etwas nicht vorstellen kann, also schildert er mir als kleine Hilfestellung einen Fall eines anderen Autisten, der in einer ähnlichen Situation war wie ich, und wie man ihm zu helfen versucht hat: Mittels Langzeitpraktika am neuen Arbeitsort und einer durch Anträge zur Teilhabe am Arbeitsleben für ein paar Monate finanzierten Wohnung parallel zu seinem gewohnten Rückzugsort konnte er "testen", ob die Option für ihn klappt, und hat irgendwann den Absprung geschafft.

Könnte bedeuten, dass ich zum Beispiel für zwei bis drei Monate eine Wohnung in Elmshorn finanziert bekomme, während ich hier meine Kieler Wohnung behalte, und dann im dortigen Umfeld eine Stelle suche. Das Blöde ist nur: Wenn ich dort dann den Vertrag zu einer unbefristeten Stelle unterschrieben habe, komme ich nicht mehr zurück. Und was, wenn es dann doch nicht passt?

Das habe ich schon einmal erlebt, und zwar, als ich für das Referendariat für ein Jahr nach Husum gezogen bin. Es war schlimm, und ich war so erleichtert und glücklich, als ich danach wieder nach Kiel zurück konnte.

Dennoch ist das eine Option, die ich mal im Kopf bewegen werde. Sowas hilft einem Autisten wirklich weiter: Beschreiben, wie so eine Situation aussehen könnte. Denn "Naja, das können sie sich ja vorstellen" gilt für Menschen auf dem Spektrum nicht.

Bleibt aber dabei, dass ich jetzt erstmal fertig mit der Welt bin. Den dämlichen Telefonvertreter an der Wohnungstür hätte ich fast angeschrien, denn sein Timing war nun wirklich zum Kotzen und er hat nicht einsehen wollen, dass er aufdringlich ist und dass ich heute niemanden mehr sehen wollte.

"Wie geht es ihnen?" hat Herr S mich heute zur Begrüßung gefragt. Normalerweise überfordert die Frage mich, weil ich nicht weiß, was gemeint ist: Gesundheitliche Lage, berufliche Lage, psychische Lage, jetzt im Moment, oder generell? Heute konnte ich schnell antworten - es geht mir schlecht. Ich bin mit leichtem Fieber gestern abend in's Bett gegangen, habe eine Reihe Arztbesuche vor mir, habe kaum noch Aussichten auf Arbeit im kommenden Schuljahr, Rechnungen liegen hier herum.

Nicht gut.

Mittwoch, 1. Mai 2024

Bewerben!


Nun geht es wieder los. Eine Schule hat eine Vertretungsstelle Englisch für das kommende Schuljahr ausgeschrieben, gar nicht weit weg von Kiel, mit dem ÖPNV gut erreichbar. Aber darf ich überhaupt noch Vertretungen übernehmen? Wenn es nach dem Ministerium geht, dann nicht, aber wenn das Ministerium "hausinternen Rechtsbruch" begeht, dann schon. Jedenfalls lautet die dortige Anweisung an mich: Bewerben! (und die bisherigen Vertretungen nicht erwähnen)

Seit der letzten offiziell ausgeschriebenen Vertretungsstelle bin ich ein bisschen gebrandmarkt. Die Bewerbungsfrist läuft noch etwas mehr als einen Monat, ich sehe da also eine große Menge von BewerberInnen, die sich dann in den Auswahlgesprächen um diese Stelle kloppen werden, und ich frage mich, warum die Schule gerade mich einstellen sollte.

Und auch, warum ich gerade an dieser Schule würde arbeiten wollen; es ist ein Gymnasium, man könnte fast von einer Eliteschule sprechen, und von all' dem habe ich mich in den letzten Jahren deutlich wegbewegt. Aber wir müssen das pragmatisch sehen: Wenn ich die Stelle nicht bekomme, steht ab August Bürgergeld an (da hilft es auch nichts, wenn man mir mit 99%iger Wahrscheinlichkeit eine Planstelle zum Sommer zugesagt hat - nichts ist in Sicht, und Hoffnungen macht sich ein Buddhist sowieso nicht), und darüber möchte ich überhaupt nicht weiter nachdenken.

Also setze ich ein neues Bewerbungsschreiben auf. Schule Nummer Neun. Ich erwähne meine Stärken, lasse alles Andere weg. Den Lebenslauf liest eh' kaum jemand ganz durch, und das Gutachten auch nicht. Sollte ich eingeladen werden, werde ich möglichst vorzeigbar auftreten. Nix mit schwarz, vorher zum Friseur, gut rasiert, Duftwasser, und werde mich wie so ein Vorzeigestudent präsentieren. Und sollte es dann hart auf hart kommen, dann werde ich eben ein Jahr lang die Zähne zusammenbeißen - Hauptsache, ich kann wieder Geld verdienen, und das lang genug, um danach wieder Arbeitslosengeld zu beantragen. Und diesmal werde ich während des Vertrags konstant nach Planstellen Ausschau halten.

Ich halt' Euch auf dem Laufenden.

Mittwoch, 6. Dezember 2023

Tag 128 - Zuviel Monat am Ende des Geldes

Neue Mitbewohner

Eigentlich
habe ich keine Probleme damit, mit meinem Geld zu haushalten. Das hat im Studium wunderbar funktioniert, ich habe es geliebt, mir einen Haushaltsplan zu erstellen und mich daran zu halten. Irgendeinen Grund muss es ja auch gehabt haben, dass ich Vorsitzender des Haushaltsausschusses des Kieler StuPa war.

Für einen Aspi bedeutet eigentlich so gut wie immer "unter gesicherten Umständen". Damals lief das alles super, aber wie wir wissen, taumele ich seit sieben Jahren von einer Schule zur nächsten, habe diese Sicherheit nicht mehr, und damit wird der Aspi quasi zum handfesten Autisten und ist mit vielen Sachen im alltäglichen Leben überfordert. Gerade aus diesem Grund strebe ich ja auch nach wie vor den Grad der Behinderung 50 an.

Eines der Probleme, die sich herauskristallisiert haben, ist das Geld. Ich habe hier in der Wohnung vier Notizbücher liegen, jedes von ihnen ein gescheiterter Versuch, endlich mal wieder ein vernünftiges Haushaltsbuch zu führen. Es klappt nicht. Weil ich nie weiß, wie das nächste (Halb-)Jahr finanziell aussehen wird und ich es nicht schaffe, mich vernünftig auf diese Aufgabe zu konzentrieren. Zu oft war bei mir am Ende des Geldes noch zuviel Monat übrig, wie der Spruch sagt.

Ja, war. Meine Mutter, die in solchen Dingen ein Genie ist (das zieht sich durch unseren Aspi-Familienstamm), hat mir ihren Trick aus der Studienzeit verraten, der so einfach ist und doch so einleuchtend und praktisch klang, dass ich ab jetzt versuche, ihn durchzuziehen. Wie hatte sie mir das noch gleich beschrieben?

"Stelle dir 5 "Wochentöpfe" bereit und lege am Anfang des Monats in 4 Töpfe gleichmäßig verteilt das Geld rein, das du nach allen festen Abzügen für deinen Unterhalt übrig hast. 

Sollten am Ende der 1./2./3. oder 4.Woche ein paar Euro übrig sein, dann lege sie als "Notgroschen" in den Topf Nr.5; Topf Nr.5 darf aber erst 3 Tage vor Monatsende wieder geleert werden! 

Diesen "Trick" habe ich in meiner Studienzeit angewendet - mache ich sogar heute noch manchmal - der hilft ungemein und man "bemogelt" sich nicht selbst!!!"

Ja, das mit dem Bemogeln kenne ich zu gut: Wenn es drauf ankommt, finde ich immer irgendwelche Gründe, warum ich gerade eine bestimmte Anschaffung brauche, und weg ist das Geld, das ich vielleicht in der letzten Monatswoche noch benötigt hätte.

Ich habe ihren Trick noch um zwei Punkte erweitert:

1. Ich lege das Geld ausschließlich in Zwanzig-Euro-Scheinen in die Töpfe (bzw. Gläser, die man oben im Bild sieht). Ich lege immer nur einen Zwanziger in's Portemonnaie, und wenn der zur Neige geht, nehme ich mir einen neuen.

2. Ich bezahle ausschließlich in bar. Das habe ich jahrelang nicht mehr gemacht, weil die kontaktlose Kartenzahlung so einfach und schnell geworden ist - Karte an das Gerät halten, zwei Sekunden warten, Betrag ist vom Konto abgebucht. Das ist so einfach, dass man schnell den Überblick über viele kleine Ausgaben verlieren kann. Bei mir ist das zumindest so, da muss ich ehrlich sein.

Ob das alles nun funktioniert, werde ich erst nach ein paar Monaten resümieren können. In der ersten Woche habe ich allerdings bereits gemerkt, dass ich deutlich weniger "Unnötiges" einkaufe und gerade die Barzahlung mir gut tut, da ich nicht mehr Geld ausgeben "kann", als ich im Portemonnaie habe.

Danke, Mama! 💑

Sonntag, 17. September 2023

Tag 48 - Heizkostenabrechnung


Manchmal kommt ein Lächeln von unerwarteter Seite. Unter den Briefen, die ich in den letzten Tagen erstmal zur Seite gelegt habe, war ein dicker Brief von meinem Vermieter. Ich habe in den letzten Jahren gelernt, dass dicke Briefe von Vonovia oft nichts Gutes bedeuten. Wobei... die Mieterhöhung kam in einem sehr dünnen Brief mit zwei Zetteln. Diesmal kam die Heizkostenabrechnung, und die lohnt sich tatsächlich.

Sie hat sich auch schon letztes Jahr gelohnt, und damals hat V geschrieben, dass sie die Vorauszahlung nicht runtersetzen, weil die Energiepreise im Moment steigen. Das führt dazu, dass ich dieses Jahr noch mehr Geld zurück bekomme und effektiv anderthalb Monate keine Miete zahlen muss (was bei Arbeitslosigkeit sehr hilfreich sein kann). Und trotzdem heißt es auch dieses Jahr wieder, dass die Vorauszahlungen nicht heruntergesetzt werden. Ich bin mal gespannt, ob es dann nächstes Jahr wieder genauso läuft.

Nur dass ich dann hoffentlich nicht mehr auf sowas angewiesen sein serde, weil ich dann endlich einen festen Job habe ^^

Mittwoch, 6. September 2023

Tag 37 - Sperrfrist


Der Buddhist lernt, seine Wut oder Aufregung umzuwandeln in etwas, von dem er Positives mitnehmen kann. Er lernt, ruhig zu bleiben, und das trainiere ich seit mittlerweile mehr als zehn Jahren. Es ist aber nicht immer ganz einfach.

Mein Bewilligungsbescheid für das Arbeitslosengeld ist gekommen.

Das war die gute Nachricht. Die schlechte Nachricht ist, dass ich trotz Stellungnahme und ärztlichem Gutachten eine Sperrfrist bekomme - das bedeutet, dass ich für die ersten sieben Tage meiner Arbeitslosigkeit kein ALG bekomme. Das kann passieren, wenn man sich nicht mindestens drei Monate vor Beendigung des Arbeitsverhältnisses arbeitssuchend gemeldet hat. Ich habe das in den letzten zwölf Jahren noch nie geschafft, hier die aktuelle Begründung (diese Stellungnahme muss dem ALG-Antrag angehängt werden):

"Ich habe eine geistige Behinderung (Autismus-Spektrums-Störung), die mich vor große Probleme stellt, wenn mehrere "wichtige" Aufgaben gleichzeitig zu erledigen sind. Im letzten Halbjahr hatte ich mich voll darauf konzentrieren müssen, die ASS endlich als Schwerbehinderung anerkennen zu lassen (bisher nur GdB 30, aber ich werde zusammen mit meinem Psychiater Widerspruch einlegen).
Hinzu kommt, dass ich erst vor vier Wochen erfahren habe, dass eine Lehrkraft zum neuen Schuljahr querversetzt wird und ich damit keine Chance mehr habe, an dieser Schule zu arbeiten. Daraufhin hatte ich einen Nervenzusammenbruch.
In der Hauptsache liegt die Verspätung also in meinem Autismus, der fachärztliche Befundbericht ist angehängt."

Den Befundbericht habe ich beigelegt. Letztes Mal war das in Ordnung, wurde akzeptiert und ich hatte keine Sperrfrist bekommen. Diesmal, wo diese unsägliche Agentur für Arbeit und das unsägliche DLZP es nicht einmal geschafft haben, meine Arbeitsbescheinigung innerhalb von fünf Wochen zu übermitteln, darf ich auch noch die Konsequenzen aus der Überforderung durch meinen Jobverlust schultern und bekomme für den August ein Viertel weniger Arbeitslosengeld.

Das sind Momente, in denen mein Lojong-Training auf die Probe gestellt wird. Momente, in denen ich irgendwie ruhig bleiben muss. Momente, in denen ich einfach froh sein sollte, dass jetzt überhaupt Geld kommt und für (fast) zwölf Monate bewilligt worden ist.

Runterschlucken.

Und weitermachen.

post scriptum: Liebe Eltern, ich rufe Euch morgen Abend einmal an!

Dienstag, 29. August 2023

Tag 29 - Aufatmen, Luft holen.


Manche Beiträge sind ganz kurz, aber wichtig - die Arbeitsbescheinigung ist angekommen, das ALG I wird angewiesen, nach vielen Telefonaten und Mails und Verzweiflung. Mal schauen, wann die ersten Mahnungen eintrudeln, aber immerhin weiß ich jetzt, dass das Geld irgendwann kommt.

Tief durchatmen. :-)

Dienstag, 22. August 2023

Tag 22 - Weitergeleitet


Heute habe ich endlich, nach Urlaub und Gehaltszahlungsphase, meine Sachbearbeiterin im Dienstleistungszentrum Personal S-H erreicht und gefragt, wie denn der Stand der Dinge ist hinsichtlich der Arbeitsbescheinigung, die ich für das Arbeitslosengeld brauche.

Ja, sie war ja im Urlaub, und das ist alles weitergeleitet worden, schauen wir mal im System, Dr Hilarius, ah, hier steht, dass das schon am elften August erledigt wurde, aber das hat nicht geklappt? Das ist ja seltsam?

Wenn man solche Sätze am Telefon hört, tanzt der Dalai Lama im Hintergrund den "Nichts ist entspannender..."-Walzer. Ich habe immer nur ja und amen gesagt, während sie versucht hat, nachzuvollziehen, was da wohl geschehen ist oder nicht. Eigentlich sollte das also schon erledigt sein. Faszinierend: Erst während des Telefonats habe ich die Mail-Lesebestätigung von ihr bekommen - darauf habe ich seit gestern gewartet.

Ich mag nicht mutmaßen, was da falsch gelaufen ist. Das Bürokratiergehege erfindet sich ständig neu. Stand jetzt ist, dass ich Freitag mal schauen soll, ob das bis dahin geklappt hat, und ansonsten möge ich sie doch bitte wieder anrufen. Das macht mir nicht gerade Mut. Ich versuche dann mal, in der Zwischenzeit die Papierfluten abzuarbeiten, die postalisch eintrudeln.

Ich hätte wirklich nicht gedacht, dass ein Antrag auf Gleichstellung schneller durchgeht als ein Antrag auf Arbeitslosengeld.