Mittwoch, 20. Mai 2026
Keine Chance
"Ich verstehe Ihre Besorgnis und den Frust in Ihrer Situation. Auch bei Gleichstellung und Schwerbehinderung besteht leider AOPlus. Es gibt hier keinerlei Härtefallregelungen. Heißt: Wir müssen über das Bewerbungesgespräche gehen. (...)
Ich fühle mich wie eine Schießbudenfigur.
Sonntag, 17. Mai 2026
Kein Zurück mehr
Ich habe unglaubliche Angst, und es gibt kein Zurück mehr. Die Bewerbung an das Kieler Gymnasium ist rausgegangen. Meine Fachkombination, und sooooo schlecht sind meine Noten auch wieder nicht (zweimal 1,9). Außerdem habe ich bereits 13 Jahre Schuldienst vorzuweisen. Interessanterweise wird die Behinderung erst ganz am Ende berücksichtigt, als letzter möglicher Faktor.
Warum habe ich Angst? Nach zwanzig Auswahl- und Vorstellunggesprächen und nach zwei Handvoll Absagen ohne jegliche Begrüngung sehe ich nicht in erster Linie eine Chance, sondern eine kommende Absage, verbunden mit all' dem Schmerz, der jedesmal dazugehört. Daran kann ich mich einfach nicht gewöhnen.
Ich lese das Schwerbehindertenrecht an Schulen, eine Broschüre des GEW, und bin deprimiert, dass ich zwar mit GdB30 und Gleichstellung gleichgestellt bin, aber das gibt nur für die Bewerbung. Ansonsten werde ich wie eine normale Lehrkraft behandelt. Wenn ich rückblickend betrachte, was meine Behinderung die letzten 25 Jahre über ausgemacht hat, dann möchte ich fast weinen. Keine Nachteilsausgleiche, kaum Rücksichtnahme; wenigstens habe ich die Schwerbehindertenvertretung des Ministeriums mit im Boot.
Die Angst hat auch noch mehrere Ursachen: Mal wieder "reine" Gymnasialarbeit (*wenn* es denn klappen sollte), Schwerpunkt Fachvermittlung, das Pädagogische wird etwas in den Hintergrund gerückt. Kann ich dem überhaupt gerecht werden? Selbstzweifel in Massen, und dabei hat es doch damals im Referendariat auch geklappt. Das kann nicht unmöglich sein.
Aber die Angst bleibt: Ich werde haufenweise Fehler machen, man wird mich komisch anschauen, man wird mich "aus Höflichkeit" nicht auf meine Fehler ansprechen, stattdessen irgendwann eine Dienstanweisung vorlegen, man wird mich wieder nicht ernst nehmen, wenn ich von den Problemen erzähle, die durch die Autismus-Spektrum-Störung entstehen ("Ach, das geht uns doch allen so!").
Manchmal wünschte ich mir, ich müsste das nicht schon wieder auf mich nehmen. Einfach als Karteileiche irgendwo enden.
Danke an alle, die mir in dieser Phase beistehen! Ich weiß, dass ich Euch gemein vernachlässigt habe! Ich kann momentan nicht mehr so gut alles regeln. Nächstes Ziel ist erstmal eine Einladung an die Schule zum Auswachgespräch, und wer weiß, vielleicht wird man sich dort ja wieder für einen anderen Bewerber entscheiden.
Es gibt kein Zurück mehr.
Freitag, 15. Mai 2026
Härtefallbegründung - Planstelle?!
Es wird nun, nach jahrelangem Warten, etwas heißer... und gleichzeitig deprimierender, weil unser Bildungsministerium das ******* Konzept Abordnung Plus eingeführt hat: Selbst wenn ich bei dieser Stelle an einem Kieler Gymnasium genommen würde, müsste ich erstmal für drei Jahre an eine Grundschule abgeordnet werden, die an den Randkreisen liegt - Dithmarschen, Steinburg und so weiter. Für mich tausend rote Tücher, aber wie mache ich das in meiner Bewerbung klar?
So:
"Sehr geehrter Herr Schulleiter,
sehr geehrter Herr Schwerbehindertenvertretung,
im Rahmen meiner Bewerbung möchte ich frühzeitig auf besondere persönliche und gesundheitliche Umstände hinweisen, die aus meiner Sicht bei einer möglichen Entscheidung über einen Einsatz im Rahmen des Modells „Abordnung Plus“ berücksichtigt werden sollten.
Ich bin Gymnasiallehrkraft mit den Staatsexamina (1. Staatsexamen: 1,9; 2. Staatsexamen: 1,9) sowie einer dienstlichen Beurteilung mit dem Gesamturteil „sehr gut“. Seit mittlerweile über 13 Jahren bin ich – nahezu ausschließlich im Rahmen befristeter Beschäftigungen – an zahlreichen unterschiedlichen Schulen in Schleswig-Holstein eingesetzt worden. Insgesamt war ich bislang an neun Schulen tätig.
Zugleich liegt bei mir eine diagnostizierte Autismus-Spektrum-Störung vor. Aufgrund dessen bin ich einem schwerbehinderten Menschen arbeitsrechtlich gleichgestellt. Die zuständige Schwerbehindertenvertretung ist bereits eingebunden.
Die dauerhafte Abfolge wechselnder Einsatzorte und wechselnder schulischer Systeme hat bei mir über viele Jahre hinweg zu erheblichen psychischen Belastungen geführt. Insbesondere die fehlende langfristige Stabilität und Planbarkeit wirken sich bei bestehender ASS massiv auf meine gesundheitliche Situation aus. Nach meiner Einschätzung und auch nach Einschätzung meiner behandelnden Ärzte ist eine dauerhafte Stabilisierung meiner Dienstfähigkeit wesentlich an einen verlässlichen und konstanten schulischen Einsatzort gebunden.
Hinzu kommt eine spezifische Problematik hinsichtlich des Einsatzes in jüngeren Jahrgangsstufen. Während meiner Tätigkeit an Gemeinschaftsschulen habe ich wiederholt darum gebeten, aufgrund meiner ASS möglichst nicht dauerhaft in Klassen der Jahrgänge 5 bis 7 eingesetzt zu werden. Hintergrund ist eine bei mir bestehende erhebliche Reizüberlastungsproblematik in stark kommunikationsintensiven und hochdynamischen Lerngruppen jüngerer Schülerinnen und Schüler.
Leider konnte diesem Wunsch mehrfach nicht entsprochen werden. In der Folge kam es in mehreren Fällen zu schweren autistischen Meltdowns im Unterrichtsgeschehen, die dokumentiert sind und schulische Krisensituationen nach sich zogen. Diese Situationen waren für alle Beteiligten belastend und haben deutlich gemacht, dass ein Einsatz in solchen Kontexten aus gesundheitlicher Sicht problematisch ist.
Vor diesem Hintergrund sehe ich insbesondere eine mehrjährige Abordnung an Schulen mit Primarstufenbezug bzw. mit überwiegendem Einsatz in jüngeren Klassenstufen als erhebliche Gefährdung meiner gesundheitlichen Stabilität und langfristigen Dienstfähigkeit an.
Ich bitte daher ausdrücklich darum, meine Behinderung sowie die dokumentierten gesundheitlichen Folgen entsprechender Einsatzkonstellationen im Rahmen der Ermessensausübung und der beamtenrechtlichen Fürsorgepflicht zu berücksichtigen. Aus meiner Sicht wäre ein unmittelbarer dauerhafter Einsatz an der Zielschule die mit Blick auf Inklusion, behinderungsgerechte Beschäftigung und nachhaltige Sicherung meiner Dienstfähigkeit sachgerechteste Lösung.
Ein fachärztliches Attest bzw. eine ergänzende Stellungnahme meines behandelnden Psychiaters werde ich zeitnah nachreichen.
Mit freundlichen Grüßen
Dr Hilarius"
Klingt das nachvollziehbar? Ich bin mal gespannt, wie sehr dieses BiMi wirklich Inklusion leben möchte...


