Dienstag, 21. April 2026

Die Sonne schei...


Bei diesem Wetter scheißt mir die Sonne jedesmal wieder in meine Kleiderordnung, wenn ich zuhause bin - also fast die ganze Zeit, gerade bei Erkältung, die sich dank Kortisontherapie etwas hartnäckiger hält. Denn: Wenn da die Sonne nicht wäre, wäre es recht kalt - und damit wird es nachts in meiner Wohnung ziemlich kühl. Ich merke das aber erst bei'm Aufstehen, weil. Als Konsequenz drehe ich die Heizung eine Stufe höher und ziehe für den Tag einen Pullover an - und dann kommt die scheiNende Sonne um den Block gewandert und knallt mir von 10-17 Uhr durchgehend auf die Wohnung, auf die Dachschrägen, die in ihrem Backofencharakter ein bisschen an den Hähnchenmann denken lassen, der heute wie jeden Dienstag unten steht und hungrige Menschen glücklich macht.

Damit werde ich aber nicht zum glücklich-satten Menschen, sondern zum durchgebackenen Grillhähnchen, drehe die Heizung irgendwann, im Pullover zu Tode schwitzend, wieder runter und ziehe ein T-Shirt an - damit sich die gleiche Soße morgen dann wiederholen kann. Aber was verlange ich - es ist April. Das Wetter ist nur in seiner Unvorhersehbarkeit vorhersehbar. Wenn ich morgen wieder etwas fitter bin, setze ich zur Sicherheit drei Sonnenbrillen auf, oder eine, die zumindest richtig abdunkelt, und gehe mal wieder raus.

Heute war das nur einmal für den Paketboten nötig. Und jetzt werde ich eine digitale Balkonsturzfrau, eine klappernde Geisterpuppe und eine Halsknickfrau zu Tode fotografieren, ich brauche 200.000 Punkte, um mir einen winzigen Beutel für einen zusätzlichen Schutztalisman zu kaufen. 

Die Welt spielt zur Zeit total verrückt. 

Donnerstag, 16. April 2026

Bloß nicht ernst genommen werden! :-(


Ich gehe zum Arzt, wenn ich Hilfe brauche. Das ist sicherlich für viele von Euch eine Selbstverständlichkeit, aber für diesen Autisten nicht, davor habe ich Angst. Da breche ich mir den Zeigefinger seitlich im 80°-Winkel, breche ihn zurück, wickele ihn in Verbandsstoff ein und das war es - aber und an vielleicht mal Aspirin. Zum Arzt bin ich erst einen Monat später gegangen, als mir bewusst wurde, dass es meinem Finger eben doch nicht wieder gut geht, dass er nicht von allein gerade wird und dass ich ihn nicht mehr bewegen kann.

Wer sich mit dem Autismusspektrum auskennt, weiß vielleicht, dass AutistInnen u.A. eine eigene Schmerzwahrnehmung haben. Mir hat das nicht weiter wehgetan, auch ohne die Aspirin fast gar nicht, und deswegen war ich nicht bei'm Arzt. Danach bin ich vom Hausarzt zu einer Handchirurgin überwiesen worden und nach Röntgen und Messungen der Fehlstellungen ging es weiter in die Lubinusklinik, Anästhesie. Die Story könnt Ihr hier im Blog nachlesen.

Worum es mir bei diesem Beitrag geht: Ich war diesen Ärzten außerordentlich dankbar, dass sie mir geholfen haben und mich möglichst weit wieder in einen Normalstand zurückbringen könnten. Großer Dank an Dr.es Schroer, Koblitz, Ranft, Hinrichsen, Seegers, Spilok, Britz, Heinze u.v.m.; Ulf Heinze ist mein Zahnarzt und einer, der sein Handwerk wirklich versteht. Ich habe Angst davor, dass er irgendwann komplett in den Ruhestand geht (derzeit reduziert er und die Praxis wird in die Hände seiner Kinder übergehen).

Dr. Britz, mein Hausarzt, ist im Ruhestand, aber nach zwanzig Jahren Besuchen bei ihm sind mir unsere Wortwechsel gut in Erinnerung geblieben. Sie waren jedenfalls nicht so:

Hilarius: Guten Tag, ich war zwanzig Jahre bei ihrem Vorgänger und suche einen neuen Hausarzt.

Ärztin: Okay.

Hilarius: Ich bringe ein paar Diagnosen mit; ich habe eine Autismus-Spe...

Ärztin ungeduldig: Ja das steht hier alles in ihrer Akte. Was wollen sie denn von mir?

Hilarius: Ich bräuchte ein paar Folgerezepte zur Grundversorgung. Die meisten Sachen habe ich noch, aber A und B sind jetzt alle. Medikament A benötige ich gegen Kolikschmerzen, ich habe colitis ulcerosa

Ärztin: Ja, das kann ich ihnen verschreiben. Wo tut es denn weh?

Schweigen - was für eine überflüssige Frage... ja, mir tut bei'm Krampfscheißen das rechte Ohr weh, und mein linker Zeh juckt!

Hilarius: Ähm... im Magen und Darmbereich. Wegen der Colitis...

Ärztin: Ah, ich sehe gerade, sie haben colitis ulcerosa. Okay. Aber Medikament B werde ich ihnen nicht verschreiben. Das darf nur ein Psychiater - aber ich kann sie gern in eine Entzugsklinik überweisen, dort bekommen sie dann ihre Medikamente und man kümmert sich um sie.

n.b.: Medikament B ist Clonidin, ein Mittel, das den Blutdruck senkt und das quasi jeder Arzt verschreiben kann.

Ärztin genervt: Dann machen wir es so, ich schreibe ihnen das jetzt für vier Wochen auf einem Privatrezept auf. Das bezahlen sie selbst. Danach bekommen sie nichts mehr von mir. Ich kann sie aber in eine Entzugsklinik überweisen."

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Den Rest des Gesprächs möchte ich nicht wiedergeben, weil mein Gehirn das sorgfältig verdrängt hat. Diese nicht sehr subtile Andeutung, ich sei abhängig und müsse dringend in einen Entzug. Sie hat mich kein einziges Mal gefragt, wozu ich die Medikamente überhaupt brauche! Panikattacken, Meltdowns, Krampfanfälle - nichts davon! Sie hat meine Krankenakte gelesen, bzw. die Verschreibungshistorie, und damit schien sie alles über mich zu wissen.

Nuh-uh!

Na immerhin habe ich jetzt eine Überweisung in die, Moment... "Psychitrei" (sic) steht da. Natürlich hätte sie den Namen meines Psychiaters hinschreiben können (aus der Überweisungshistorie, in der zwölf dieser Überweisungen vorkommen), oder zumindest den des Krankenhauses, aber Psychitrei schien ihr zu reichen.

Diese... ... ...Frau... hat sich kein bisschen für mich als Mensch interessiert, sie weiß nichts über mich, hat keinerlei amnestisches Interview geführt und mich die Medikamente selbst bezahlen lassen, obwohl ich für dieses Jahr zuzahlungsfrei bin. Als ich zuhause angekommen war, hatte ich erstmal einen Nervenzusammenbruch, bin in Tränen ausgebrochen, ein authentischer Anlass für einen Tranquilizer, damit ich in Ruhe festfestellen konnte:

Der Besuch bei dieser Frau Baryshnikova in Kronshagen war ein Vergnügen, das ich mir nicht durch allzu schnelle (oder überhaupt irgend eine) Wiederholung verderben möchte. Never again! (erinnert mich an das Horrorerlebnis mit Dr.Müller-Steinmann...)

Ich habe schon ein paar tolle Tipps von Euch bekommen für einen neuen Hausarzt! Also wenn Ihr sonst noch ÄrztInnen kennt, die ihre Patienten ernst nehmen und womöglich noch nahe der Bushaltestelle Diesterwegstraße praktizieren, wäre das ein tolles Geschenk.

Ich bin so froh, dass ich wenigstens noch meinen Psychiater, Zahnarzt und Gastroenterologen habe... 

posct scriptum: Hattet Ihr sowas auch schon einmal? Dass Ihr Euch nach dem Besuch bei einem Arzt wie ein Verbrecher gefühlt habt, oder als ob Ihr gar nicht existiertet? Und ich fürchte, es gibt leider auch einige LehrerInnen dieser Art - zumindest hatte ich schon mit ein paar Schulleitungen dieser Art zu tun (nicht alle - Herr Ramm war toll, und auch Herr Haack - und manche eben nicht, nicht wahr, Frau Karschin?).

Dienstag, 14. April 2026

Zu viele Ärzte - ICH BRAUCHE EURE HILFE!!!


Ich schreibe nur eben den Einleitungssatz, dann muss ich zurück in's Bett, denn ich habe leichtes Fieber; ich muss mir irgendwo einen Infekt eingefangen haben und hoffe nur, dass ich ihn gestern nicht an meinen Psychiater weitergegeben habe. Vier Arzttermine an zwei Tagen sind zuviel für mich, inklusive Regenmärschen an beiden Tagen; herzlich willkommen im April. Ich beneide jeden einzelnen Menschen, der das schafft - ich muss mal etwas vernünftiger mit meiner Energie in's Gericht gehen und nach Möglichkeit in Zukunft maximal einen Arzttermin pro Tag legen. Ich brauche einfach Zeit, um diesen Arztbesuch zu verarbeiten - nicht nur Revue passieren zu lassen, sondern auch alles aufzunehmen, was ich dabei erfahren habe.

Und dann wäre da ja noch die Suche nach einem neuen Hausarzt. Nicht so einfach, wenn man zwanzig Jahre von einem wunderbaren Arzt betreut werden ist. Für einen Autisten doppelt schwierig.

Scheiße. 

Und dann kommt sowas dabei herum. Frau Dr. Baryshnikova, die mich gar nicht erst fragt, wofür ich die Medikamente brauche, deren Folgerezepte ich benötige, sondern mir eine Überweisung in eine Entzugsklinik anbietet! Und dass sie aus Kulanz ein Rezept als Privatrezept ausstellt, damit ich meine Medikamente bekomme. Sie hat sich überhaupt nicht für mich interessiert, genau das Gegenteil von Dr. Britz, den ich unter Tränen auf der Busrückfahrt vermisst habe. Es erklärt sich von selbst, dass das heute mein erster und letzter Besuch bei Frau B war.

Ich brauche Eure Hilfe: Könnt Ihr mir einen guten Hausarzt empfehlen? Vielleicht einen, der Psychotherapie als einen Schwerpunkt hat? Einen, der wirklich wissen will, mit wem er es da zu tun hat? Das heute, das war der pure Horror, das möchte ich nicht wieder erleben.