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Donnerstag, 16. April 2026

Bloß nicht ernst genommen werden! :-(


Ich gehe zum Arzt, wenn ich Hilfe brauche. Das ist sicherlich für viele von Euch eine Selbstverständlichkeit, aber für diesen Autisten nicht, davor habe ich Angst. Da breche ich mir den Zeigefinger seitlich im 80°-Winkel, breche ihn zurück, wickele ihn in Verbandsstoff ein und das war es - aber und an vielleicht mal Aspirin. Zum Arzt bin ich erst einen Monat später gegangen, als mir bewusst wurde, dass es meinem Finger eben doch nicht wieder gut geht, dass er nicht von allein gerade wird und dass ich ihn nicht mehr bewegen kann.

Wer sich mit dem Autismusspektrum auskennt, weiß vielleicht, dass AutistInnen u.A. eine eigene Schmerzwahrnehmung haben. Mir hat das nicht weiter wehgetan, auch ohne die Aspirin fast gar nicht, und deswegen war ich nicht bei'm Arzt. Danach bin ich vom Hausarzt zu einer Handchirurgin überwiesen worden und nach Röntgen und Messungen der Fehlstellungen ging es weiter in die Lubinusklinik, Anästhesie. Die Story könnt Ihr hier im Blog nachlesen.

Worum es mir bei diesem Beitrag geht: Ich war diesen Ärzten außerordentlich dankbar, dass sie mir geholfen haben und mich möglichst weit wieder in einen Normalstand zurückbringen könnten. Großer Dank an Dr.es Schroer, Koblitz, Ranft, Hinrichsen, Seegers, Spilok, Britz, Heinze u.v.m.; Ulf Heinze ist mein Zahnarzt und einer, der sein Handwerk wirklich versteht. Ich habe Angst davor, dass er irgendwann komplett in den Ruhestand geht (derzeit reduziert er und die Praxis wird in die Hände seiner Kinder übergehen).

Dr. Britz, mein Hausarzt, ist im Ruhestand, aber nach zwanzig Jahren Besuchen bei ihm sind mir unsere Wortwechsel gut in Erinnerung geblieben. Sie waren jedenfalls nicht so:

Hilarius: Guten Tag, ich war zwanzig Jahre bei ihrem Vorgänger und suche einen neuen Hausarzt.

Ärztin: Okay.

Hilarius: Ich bringe ein paar Diagnosen mit; ich habe eine Autismus-Spe...

Ärztin ungeduldig: Ja das steht hier alles in ihrer Akte. Was wollen sie denn von mir?

Hilarius: Ich bräuchte ein paar Folgerezepte zur Grundversorgung. Die meisten Sachen habe ich noch, aber A und B sind jetzt alle. Medikament A benötige ich gegen Kolikschmerzen, ich habe colitis ulcerosa

Ärztin: Ja, das kann ich ihnen verschreiben. Wo tut es denn weh?

Schweigen - was für eine überflüssige Frage... ja, mir tut bei'm Krampfscheißen das rechte Ohr weh, und mein linker Zeh juckt!

Hilarius: Ähm... im Magen und Darmbereich. Wegen der Colitis...

Ärztin: Ah, ich sehe gerade, sie haben colitis ulcerosa. Okay. Aber Medikament B werde ich ihnen nicht verschreiben. Das darf nur ein Psychiater - aber ich kann sie gern in eine Entzugsklinik überweisen, dort bekommen sie dann ihre Medikamente und man kümmert sich um sie.

n.b.: Medikament B ist Clonidin, ein Mittel, das den Blutdruck senkt und das quasi jeder Arzt verschreiben kann.

Ärztin genervt: Dann machen wir es so, ich schreibe ihnen das jetzt für vier Wochen auf einem Privatrezept auf. Das bezahlen sie selbst. Danach bekommen sie nichts mehr von mir. Ich kann sie aber in eine Entzugsklinik überweisen."

______________

Den Rest des Gesprächs möchte ich nicht wiedergeben, weil mein Gehirn das sorgfältig verdrängt hat. Diese nicht sehr subtile Andeutung, ich sei abhängig und müsse dringend in einen Entzug. Sie hat mich kein einziges Mal gefragt, wozu ich die Medikamente überhaupt brauche! Panikattacken, Meltdowns, Krampfanfälle - nichts davon! Sie hat meine Krankenakte gelesen, bzw. die Verschreibungshistorie, und damit schien sie alles über mich zu wissen.

Nuh-uh!

Na immerhin habe ich jetzt eine Überweisung in die, Moment... "Psychitrei" (sic) steht da. Natürlich hätte sie den Namen meines Psychiaters hinschreiben können (aus der Überweisungshistorie, in der zwölf dieser Überweisungen vorkommen), oder zumindest den des Krankenhauses, aber Psychitrei schien ihr zu reichen.

Diese... ... ...Frau... hat sich kein bisschen für mich als Mensch interessiert, sie weiß nichts über mich, hat keinerlei amnestisches Interview geführt und mich die Medikamente selbst bezahlen lassen, obwohl ich für dieses Jahr zuzahlungsfrei bin. Als ich zuhause angekommen war, hatte ich erstmal einen Nervenzusammenbruch, bin in Tränen ausgebrochen, ein authentischer Anlass für einen Tranquilizer, damit ich in Ruhe festfestellen konnte:

Der Besuch bei dieser Frau Baryshnikova in Kronshagen war ein Vergnügen, das ich mir nicht durch allzu schnelle (oder überhaupt irgend eine) Wiederholung verderben möchte. Never again! (erinnert mich an das Horrorerlebnis mit Dr.Müller-Steinmann...)

Ich habe schon ein paar tolle Tipps von Euch bekommen für einen neuen Hausarzt! Also wenn Ihr sonst noch ÄrztInnen kennt, die ihre Patienten ernst nehmen und womöglich noch nahe der Bushaltestelle Diesterwegstraße praktizieren, wäre das ein tolles Geschenk.

Ich bin so froh, dass ich wenigstens noch meinen Psychiater, Zahnarzt und Gastroenterologen habe... 

posct scriptum: Hattet Ihr sowas auch schon einmal? Dass Ihr Euch nach dem Besuch bei einem Arzt wie ein Verbrecher gefühlt habt, oder als ob Ihr gar nicht existiertet? Und ich fürchte, es gibt leider auch einige LehrerInnen dieser Art - zumindest hatte ich schon mit ein paar Schulleitungen dieser Art zu tun (nicht alle - Herr Ramm war toll, und auch Herr Haack - und manche eben nicht, nicht wahr, Frau Karschin?).

Sonntag, 1. März 2026

Zurück nach Kiel

Blick nach innen - wo gehöre ich hin...?

To whom it may concern:

Das Leben besteht aus Entscheidungen. In meiner Personalakte steht, dass ich bereits einmal zur Entfristung vorgesehen war. Das war vor etwa zehn Jahren in St.Peter-Ording. Wenn ich dort geblieben wäre, hätte ich jetzt Arbeit und könnte vorsorgen - aber "Hätte liegt im Bette und ist krank - Gott sei Dank!" Irgendwann bin ich nur noch schwer gegen mein Heimweh angekommen... 

Ich hatte damals, vor über zwanzig Jahren, meinen Graecumskurs an der Uni bei Dr. Dohm. Ein großartiger Lehrer, der sein Fach geliebt hat und das im Unterricht auch gezeigt hat. Eine seiner Erklärungen habe ich mir besonders gut merken können, weil - keine Ahnung? Aber sie hat für mich bis heute eine gewisse Bedeutung, und zwar nicht wegen der grammatikalischen Komponente:

"Nostalgie - aus dem Griechischen; nostalgía besteht aus nóstos - die Heimkehr - und álgos - der Schmerz. Nostalgie ist ziemlich wörtlich übersetzt: das Heimweh."

Zehn Jahre später hatte ich dann ein intensives Gespräch mit Jochen, Kollege an der Schule in St.Peter-Ording. Er fand es faszinierend, dass ich zwischengefahren bin: Nach meinem Referendariat war mir klar, dass ich zurück nach Kiel musste. Ich hatte Heimweh, hatte alles vermisst, was mit Kiel zusammenhing. Und dann war ich in diesem Zwiespalt, eine großartige Stelle in SPO zu haben und eine wunderbare Wohnung und Freunde in Kiel zu haben. Das Zwischenfahren war eine aufregende Zeit, und ich habe versucht, das Jochen zu vermitteln, aber er hat mich quasi in's Gebet genommen und meinte, dass ich mich irgendwann doch einmal entscheiden sollte; für zwei Jahre mag das mit dem Zwischenfahren okay sein, aber für die nächsten dreißig Jahre?

Damit hat er mir einen Floh in's Ohr gesetzt, und ich bin in's Grübeln gekommen. Genau genommen hat Jochen damit meinen Einsatz in SPO beendet. Denn was ist mir wichtiger: die Arbeit oder das Private? Ersteres hätte mir finanzielle Absicherung gebracht, und eine Stelle an einer Schule, an der man mich ernst nimmt (gab es bisher noch nicht so viele) - aber zu welchem Preis? Ich habe mal wieder realisiert, dass mir mein Privatleben wichtiger ist, und so ist der Stein in's Rollen gekommen. Arbeit beendet, und damit begann mein Schul-Hopping, von einer Schule zur nächsten, von Abneigung zu Ausgrenzung zu Anfeindung zu Akzeptanz - aber keine Stelle. Eine Zeitlang konnte ich die Pausen zwischendurch mit dem ALGI überbrücken, aber jetzt bin ich komplett an der Basis angekommen. 

Aber ich bin glücklich, scheinbar. Wenn ich nicht gerade wieder eine Absage bekomme. Denn ich bin wieder in Kiel: Ich kann wieder den Möwen an der Hörn lauschen, die Stadtbahn-Pläne verfolgen, über den Campus streifen, panisch durch völlig überfüllte Einkaufszentren marschieren, meinen Hausarzt, Zahnarzt und meinen Psychiater besuchen, ohne stundenlang unterwegs zu sein, dem Straßenlärm lauschen und das laute Leben erleben. Hier ist meine Ein-Zimmer-Wohnung, hier ist mein Nachbar, mit dem ich mich richtig gut verstehe, und der ganz toll Rücksicht auf mich nimmt, hier ist - phasenweise - meine große Buba, hier ist meine Kopf-ab-Tina unten.

Ich habe keine Arbeit, richtig. Und die 250 "neu geschaffenen" Planstellen im kommenden Schuljahr (was für eine Augenwischerei!) bedeuten nicht unbedingt, dass da was für mich dabei ist (wenn allerdings doch, dann hole ich direkt die Schwerbehindertenvertretung des Ministeriums in's Boot; so leicht lasse ich mich nicht mehr abwimmeln). Zur Not arbeite ich irgendwo an der Kasse.

Wo ist Heimat? Da, wo ich geboren wurde? Oder da, wo mein Geist zur Ruhe kommen kann? Dazu folgt in einem anderen Beitrag demnächst mehr. 

post scriptum: "Conny" hat mit mir zusammen das Foto oben erstellt. Ich wollte diese intensive Szene aus "Silent Hill 2" so gern mit mir im Bild haben, weil es ja gerade um meine Psyche geht. Was meint Ihr - passt das Bild? Ich bin jedenfalls gerade extrem dankbar für KI :-)

Sonntag, 16. November 2025

Durch die Sonne


Das muss dann die ausgleichende Gerechtigkeit sein - dass heute die Sonne geschienen hat, ein wunderbares Wetter, ganz anders als vorgestern. Die Situation war ähnlich, denn ich musste wieder raus aus dem Haus: Heute war in Kiel die Wahl des neuen Oberbürgermeisters, also Schuhe an und einen kleinen Spaziergang Richtung Wahllokal. Es waren tatsächlich einige Menschen unterwegs, um ihr Kreuz zu setzen, und jetzt gerade sehe ich im Schleswig-Holstein-Magazin, dass momentan Gerrit Derkowski in Führung ist, dicht gefolgt von Ulf Daude und Samet Yilmaz.

Gerrit kenne ich aus dem SH-Magazin, finde ihn auch sehr sympathisch, aber er ist ein Gegner der Stadtbahn, und das finde ich sehr schade. So ist mein Kreuz dann bei Ulf Daude gelandet, und wenn ich den Moderatoren im Fernsehen glauben darf, dann wird es Anfang Dezember eine Stichwahl geben.

Ich kenne mich ja nicht so mit Einfluss aus; die Ratsversammlung hat vor einer Weile für die Stadtbahn abgestimmt, so dass wir uns jetzt in der Planungsphase befinden und in gut zwei Jahren die ersten Arbeiten beginnen. Könnte Gerrit das Ganze einfach so kippen? Wahrscheinlich nicht, aber es gibt in der Kieler Bevölkerung noch mehr Menschen, die gegen die Stadtbahn sind. 

Es könnte also im Dezember noch einmal richtig spannend werden, wenn es in die Stichwahl geht. Oder aber der heutige Abend bringt doch noch ein eindeutiges Ergebnis. Ich gebe zu, ich bin bei meiner Wahl ziemlich single-minded vorgegangen - ich will Bahn fahren! ;-) 

Mittwoch, 20. August 2025

Die Brücken


In den letzten drei Tagen hat mir ChatGPT wirklich sehr weitergeholfen. Am Montag hat er mir Mut gemacht und Bahn- und Busverbindung rausgesucht, so dass ich spontan nach Neumünster zum Krankenhaus gefahren bin, um mir ein Folgerezept abzuholen, denn meine Medikamente reichten nicht mehr bis zum nächsten Termin bei'm Psychiater. Und leider hat das Friedrich-Ebert-Krankenhaus (noch?) nicht auf das E-Rezept umgestellt, also musste ich persönlich vorbeischauen, weil ich außerdem nicht wusste, ob und wann das Rezept per Post ankommen würde. Das hat mir die Panik genommen. 

Außerdem hat ChatGPT mich darüber aufgeklärt, dass ich mit meiner Vermutung richtig lag: Neulich hatte ich über zwei Behelfsbrücken berichtet, die die Rendsburger Landstraße blockiert hatten. Jetzt sind die Brücken fertig installiert, sie führen tatsächlich über die Bahngleise der Strecke Hauptbahnhof - Citti-Park. Die bestehende Brücke soll nämlich erneuert werden, und es geschieht tatsächlich im Rahmen der Umbauten zur Kieler S-Bahn, die in zehn Jahren oder so eingerichtet werden soll. Wie cool, ich bin richtig gespannt! Es sei denn natürlich, ChatGPT a.k.a. Conny hat mir Unsinn erzählt ;-)

Außerdem hilft Conny mir dabei, meine Wohnung aufzuräumen, und sie hat mir ein Patientenblatt für den neuen Zahnarzt fertig gemacht, wo in Stichpunkten draufsteht, dass ich Angstpatient bin, Autist, Wünsche an den Arzt, wie er sich verhalten kann, damit ich ruhig bleibe - wobei, wenn ich das richtig gesehen habe, ist Ulf Heinze noch nicht im Ruhestand?! Das wäre doch morgen mal einen Versuch wert, also schön ausschlafen, etwas zur Beruhigung nehmen und auf zum Zahnarzt, und auf dem Weg noch bei einer Apotheke vorbeischauen, deren Inhaber mich gut kennen und sehr sympathisch und unterstützend für meine *gesamte* gesundheitlich-medikamentöse Situation sind. 

Aufregende Tage! 

Dienstag, 5. August 2025

Sommer, Sonne, Baugerüst

Was da wohl entsteht?

Das Wetter hatte heute wirklich viel zu bieten, kräftige Windböen, einen ordentlichen Regenguss, aber die meiste Zeit war es sonnig. Die Zeit habe ich genutzt, um zum Rewe Center zu spazieren, Weichspüler kaufen. Könnte ich auch im Supermarkt direkt hier vor der Haustür, aber die kleinen Spaziergänge tun ganz gut, damit ich nicht zu sehr in der Wohnung verlottere. Jacke war heute nicht nötig, aber Sonnenbrille war Pflicht; wenn ich aus der abgedunkelten Wohnung nach draußen in's Sonnenlicht trete, bin ich erstmal ein paar Sekunden blind.

Mitten auf dem Weg zum Center ist mir dann eine Sperrung der Rendsburger Landstraße aufgefallen. Es ist schon länger offensichtlich, dass da irgendwas gebaut wird, der Bahndamm wurde abgeholzt und Fundamente für was auch immer gegossen. Und jetzt stehen mitten auf der Straße zwei Brücken herum, eine etwas breitere und eine schmale. Ich finde sowas ja immer total spannend - zu spekulieren, was da wohl gebaut wird. Als damals in Berlin der S-Bahnhof Papestraße umgebaut wurde, habe ich die gesamte Entwicklung verfolgt, bis aus diesem kleinen, unauffälligen S-Bahnhof der Fernbahnhof Südkreuz wurde. 

Natürlich wird hier in der Nachbarschaft kein riesiger Bahnhof gebaut werden. Mich interessiert aber, wozu diese Brücken dienen sollen. An der Stelle soll ja in Zukunft mal ein S-Bahnhof entstehen, aber die Planungen für die Kieler S-Bahn werden frühestens 2030 beginnen. Dafür ist es also noch zu früh. 

Ich find's super: Ein Anreiz, öfter mal spazieren zu gehen.  

Samstag, 12. Juli 2025

Dr Hilarius unter Menschen

Damals mit der großen Buba

Und natürlich waren die Omas gegen rechts da. Toll!

Es ist nichts dazwischengekommen, und so bin ich heute im relativ normalen Outfit mit buntem Hemd und großer Regenbogenflagge zum CSD getingelt. Start diesmal nicht am Asmus-Bremer-Platz, sondern am Bahnhofsvorplatz. Der hat auch einen Namen, aber der fällt mir gerade nicht ein. 

Ursprünglich wollte ich die Flagge wieder am Besenstiel befestigen und dann als Fahne hochhalten - aber ich habe dank der Colitis noch nicht wieder die körperliche Kraft, so etwas eine längere Zeit zu tragen. Also habe ich die Flagge um meinen Gürtel gewunden, so dass jeder sehen konnte, wes Geistes Kind ich bin. 

Es war einiges los am Bahnhof, viele Menschen, und am Anfang der Parade trugen mehrere Menschen eine riesige Flagge vorweg. Ich bin direkt dahinter mitgegangen, falls mich heute in der Berichterstatung jemand entdecken will. Großartige Live-Musik hat den Marschrhythmus vorgegeben, und so sind wir dann für unsere Rechte Richtung Exerzierplatz gezogen, einmal drumrum und dann die Rathausstraße wieder runter. Ich habe gestaunt, wie viele Menschen dabei waren: Der Umzug hat gereicht, um den Exer einmal komplett zu umzingeln und noch mehr.

Erst als wir an der Holstenbrücke ankamen, merkte ich, dass mein Körper wieder Sperenzchen macht. Zwei Stunden Spaziergang sind momentan einfach noch zu lang, und deswegen habe ich mich dort ausgeklinkt - wohl wissend, dass ich schließlich auch noch den ganzen Heimweg nach Hassee zu Fuß würde bestreiten müssen, da keine Busse durchkamen.

Als ich hier ankam, war es wirklich kein schönes Gefühl mehr, aber dafür gibt es eine leichte Mahlzeit, das Klo und die richtigen Medikamente. Das war richtig toll heute, die Sonne kam eine lange Zeit heraus, dazu aber ein angenehm frischer Wind. Menschen, die aus ihren Wohnungen heraus gewunken haben, ein fünfjähriges Mädchen im Regenbogenkleid, das die Riesenflagge mit festgehalten hat, Gothics, Punks, Hundemasken, eine große Vielfalt, kein rechter Terror.

Und ich war seit Jahren mal wieder unter Menschen. Draußen unter vielen Menschen. Und ich hatte Spaß dabei. Das ist so ein tolles Gefühl, nachdem ich immer wieder Gründe gefunden hatte, nicht loszugehen, und mir der Antrieb fehlte. 

Zeit für eine Meditation, um das Ganze Revue passieren zu lassen. 

Freitag, 11. Juli 2025

Der Kieler CSD

Meine Kieler gay Hand

vorweg: Milchshake heute mit Mandelmilch, einem knappen Pfund TK-Erdbeeren, zwei Kugeln Vanilleeis und einer Prise Zimt-Zucker: Der Hammer, wenn es draußen heiß wird!

Lang lebe der Pride Month, und ich bin so froh, dass die Sichtbarkeit der LGBTQ-Community endlich erhöht wird und sich immer mehr Anhänger und Unterstützer finden, die selbst hreterosexuell sind. Ich bin so glücklich, dass endlich jemand zeigt, dass ich okay bin, und mir beisteht. Seit dem Studium habe ich das für Andere gemacht, als wissenschaftliche Hilfskraft, Fachschaftler, im StuPa und besonders in der Suchtprävention. Danke, dass es auch andersherum geht!

Ich bin im Studium sehr oft auf die Straße gegangen, zu diversen Anlässen. Meine größte Demo war die für den Erhalt der medizinischen Fakultät Lübeck - um die 13.000 StudientInnen waren da und waren laut. Und ich fand es toll, mich dafür einzusetzen, auch wenn ich selbst überhaupt kein Medizin studiere. Und so kommen eben auch morgen jene Menschen zur CSD-Parade, die selbst nicht Teil der LGBTQ sind. Danke an Euch!!!

Wenn nichts dazwischenkommt, werde ich morgen auch dort sein. Mal im ganz normalen Outfit, obwohl es endlich mal wieder ein Anlass wäre, als Gothic loszuziehen. Mal schauen, was der Wetterbericht sagt, und dann entscheide ich, ob ich mich pragmatisch kleide oder "stilvoll". Kommt Ihr auch? Ich gebe zu, mir ist ein bisschen mulmig bei dem Gedanken an die Rechten, die kommen könnten, um das Ganze zu stören. Aber zum einen ist die Polizei vor Ort, und zum anderen haben wir verloren, wenn wir uns von denen unterdrücken lassen und uns in unseren Zimmern verkriechen. 

Schaut Euch die heutige Jugend an: Sie ist viel aufgeschlossener für die sexuelle Vielfalt. Natürlich gibt es auch da noch Einiges zu tun, aber meine SchülerInnen können sich zum großen Teil eine Szene miit küssenden Jungs anschauen, ohne sich zu übergeben oder fiese Kommentare abzulassen. Das soll nicht heißen, dass die ältere Generation vollkommen rückwärtsgewandt ist, im Gegenteil: Es freut mich, Menschen wie die Omas gegen rechts zu sehen, besonders, wenn die Oma ihre Frau mitgebracht hat.

Kommt mit! Morgen um 12 Uhr geht es los, wenn ich mich recht entsinne, wieder am Asmus-Bremer-Platz. Lasst uns ihnen zeigen, dass wir da sind, und dass wir stolz sind, wir zu sein! 

Samstag, 15. März 2025

Der Duft Kiels


Diese Busfahrt hat tatsächlich so stattgefunden - sonst wäre ich wohl kaum auf die Idee für diesen Beitrag gekommen. Autisten haben es ja nicht so damit, sich Sachen vorzustellen, die sie nicht kennen.

Ich stehe also am Ende meines Schultages an der Bushaltestelle Kieler Kuhle, wie immer, und warte auf die Elf oder die Vierzehn Richtung Hummelwiese. Hier stehen oft auch meine SchülerInnen, und hin und wieder treffe ich hier jemanden aus dem Kollegium. Heute nicht, und deswegen wird es wieder eine Busfahrt werden, während der ich mich in meinen eigenen Kopf verkrieche, um sicher vor den vielen Fahrgästen zu sein.

Und da vorne kommt sie auch schon, das herrliche Elektrogeräusch, der weiße Bus Richtung Wik Kanal. Er ist etwas voller, denn es ist für viele Menschen hier Schulschluss. Ich gehe rein, setze mich schnell irgendwo hin und hole mein Rätselheft heraus. Alles wird ausgeblendet. Wobei... fast alles. Was ich nicht ausblenden kann, sondern sehr intensiv wahrnehme, ist eine Duftwolke - Deo extrem. Kein Wunder, der Bus kommt gerade von unserem oberen Schulteil und bringt viele Neunt- und ZehntklässlerInnen mit sich. Der süßlich-herbe Duft erschlägt mich fast, aber das Heft hilft zum Ablenken. 

Für einige Haltestellen geht es gut - aber dann halten wir, wie immer, am Karlstal. Viele steigen aus, viele steigen ein, und die, die einsteigen, bringen diverse Alkoholfahnen mit sich - whatever, es ist ja schon dreizehn Uhr. Ich bemerke, dass mir dann doch der Deogeruch lieber war, ich fühle mich, als ob ich allein vom Alkoholgeruch besoffen würde. Durchhalten, die steigen alle irgendwann wieder aus, und bis dahin gibt es ja den Zustand der olfactory satisfaction, in dem die Nase sich an den Geruch gewöhnt hat und ihn nicht mehr wahrnimmt.

Aber Abwechslung ist unterwegs: Ich fahre doch noch bis zum Hauptbahnhof weiter, um im Sophienhof Essen einzukaufen. Ich steige aus der Schnaps-Elf, endlich frische Luft, und gehe durch die verschiedenen Bussteige Richtung Edeka, und auf einmal haut mich eine Cannabiswolke fast um. Ja, das Gras wurde freigegeben, und das ist auch gut so, aber wir sind noch weit entfernt von einem akzeptablen Zustand aufgrund der zahllosen, deutsch-typischen Regularien. Ich kann mich bis heute nicht an den Geruch vom Gras gewöhnen, einer der Gründe, warum ich kein Cannabis mag.

Das ganze Erlebnis erinnert ein bisschen an Grenouille aus Patrick Süskinds Das Parfüm, falls Ihr es kennt. Ich fand es gleichzeitig anstrengend und faszinierend, und es hat mich an die Zeit im Studium erinnert, als es hieß, ich trage immer eine Wolke von Räucherstäbchen mit mir herum. Hoffentlich waren das wenigstens angenehme Düfte ;-)

Freitag, 14. März 2025

Ostufer


So, die erste Schulwoche nach der Krankschreibung ist um. Das Prednisolon tut seinen Dienst, mit ein paar Aussetzern zwischendurch geht es mir doch deutlich besser, so gut, dass ich mich heute an's Schreiben mache. 

Vor etwa zwanzig Jahren hat die Tante mir einen Tipp gegeben: "Wenn Du mit der U-Bahn und S-Bahn fährst, nimm' Dir mal eine halbe Stunde und steig' in Neukölln aus. Geh' die Karl-Marx-Straße rauf und runter, da kannst Du mal eine Brise echtes Leben erleben."

Neukölln ist für Berlin in etwa das, was Gaarden für Kiel ist. Ein Stadtteil, in dem viele sozial abgehängte Menschen leben, viele mit Migrationshintergrund und seit Merkel auch sehr viele Flüchtlinge. Das betrifft in Kiel aber nicht nur Gaarden, sondern auch Ellerbek und Wellingdorf. Es ist doch ein deutlicher Unterschied zwischen dem "Sozialniveau" des Ost- und Westufers. Am Westufer wird Kiel zur Studentenstadt (ja, auch an der Fachhochschule am Ostufer), da gibt es gehobene Stadtteile wie den Blücherplatz, das habe ich zehn Jahre lang erlebt.

Jetzt arbeite ich an einer Perspektivschule mit dem Schulsozialindex 9 (whatever). Ich gehe quasi die Karl-Marx-Straße in Berlin entlang. Ich erlebe eine andere Seite unserer Gesellschaft und ich finde es toll, denn es fühlt sich an, als könnte ich da etwas bewirken. Es tut so gut, wieder in der Schule zu sein! Und zu helfen. Das ist Pädagogik pur, könnte man sagen. Es schlaucht, und es macht glücklich. Es ist nicht jeder Lehrkraft Traum, aber die Nordseeschule in St.Peter-Ording hat mir gezeigt, dass das was für mich ist.

Ich frage mich, ob die sozialen Unterschiede zwischen dem Kieler West- und Ostufer irgendwann aufgehoben werden können, und sei es nur teilweise. Oder ob die Kluft, im Gegenteil, sich weiter vertiefen wird.

Freitag, 16. Februar 2024

Die Ruhe


Einer der Gründe, warum ich unbedingt in einer Stadt wohnen möchte, ist die Anonymität, kombiniert mit all' dem Leben um mich herum. Ich muss mir keine Sorgen machen, dass plötzlich meine Nachbarn mit einem Stück Kuchen vor der Tür stehen, ich kann inmitten von Menschen leben und trotzdem meine Ruhe haben - aber gleichzeitig bin ich auf die Geräusche angewiesen: Das Bellen des Hundes unten, der Bus, der vor meiner Wohnung hält, das Piepen der Fußgängerampel, die Sirenen der Notarztwagen. All' das gibt mir ein Gefühl von Leben.

Seit Mittwoch ist es einige Stufen ruhiger draußen geworden, denn das war der erste Tag des neuen Streiks. Unter anderem in Kiel sind fast keine Busse mehr gefahren. KVG wurde voll bestreikt, Autokraft ab Donnerstag, nur die blauen VKP-Busse sind noch gefahren. Vielleicht wäre das meine Möglichkeit gewesen, zur Schule zu kommen - wenn ich dort noch arbeitete. Wie haben die SchülerInnen das gemacht, wie war das mit der Anwesenheitspflicht? All' diese Fragen möchte ich mir gern wieder stellen.

Ich bin froh, wenn die Busse wieder wie normal fahren. Dann fühlt sich alles wieder etwas lebendiger an. Ich frage mich, wie das Feeling erst wird, wenn die Stadtbahn in einigen Jahren fertig ist, und wenn endlich das Projekt "Kieler S-Bahn" umgesetzt wird. Frühestens nach Zwanzig Dreißig, heißt es, soll die Umsetzung beginnen, aber die ersten Hinweise findet man schon - das Auftauchen von neuen Bahnhaltestellen, beziehungsweise die Reaktivierung alter Halte: Schulen Am Langsee, Kiel Hassee CITTI-Park, Kiel-Oppendorf, Kronshagen - das alles sind kleine Hinweise auf ein S-Bahn-System, das vielleicht irgendwann Kiel autofreier macht und die Umgebung enger zusammenbringt.

Mehr Leben, weniger Ruhe - ich mag' den Gedanken.

Montag, 11. Dezember 2023

Tag 133 - Phantom-61


Bei Regen ohne Regenschirm rauszugehen, ist vielleicht nicht die cleverste Idee des Tages gewesen. "Nur mal eben" zum Sophienhof, ich brauchte was von dort. Immerhin gibt es (meistens) überdachte Bushaltestellen. Also ab zum Hauptbahnhof, Einkauf erledigen und fix wieder zurück.

Fix? Der Einkauf ist erledigt; ich stehe in diesem kleinen Glasvorbau vor dem Sophienhof und schaue auf die Leuchtanzeige mit den Buswartezeiten draußen im Regen. Eigentlich ist das eine coole Idee - so kann ich im Trockenen warten, habe aber jederzeit die Bussteige vor Augen. Also bleibe ich stehen und suche nach der Linie 61/62, denn sonst fahren ja keine Busse mehr die Hamburger Chaussee hinunter. Da steht es: "61 Mettenhof 15 Minuten". Na toll, ich habe den Bus also gerade verpasst und der nächste fährt in fünfzehn Minuten.

Geht es nicht auch anders? Fast direkt darunter steht "52 Krummbogen 14 Minuten" - könnte ich auch nehmen, die fährt hier durch's Viertel. Ach, und natürlich gibt es auch noch die Busse der Autokraft nach Flintbek, die werden natürlich auf der KVG-Tafel nicht angezeigt. Aber ich weiß ja, wie sie aussehen, sollte da einer kommen, nehme ich den.

Aber erstmal warte ich im Trockenen. Und die Wartezeit schmilzt langsam dahin, moment... die 61 in elf Minuten, die 52 in fünf Minuten? Und einen Moment später: die 61 in zwölf Minuten, 52 in vier. Die Wartezeit für die 61 scheint sich zu verlängern; während alle anderen Zeiten schrumpfen, pendelt die 61 zwischen elf und vierzehn Minuten auf und ab. Wenn das so weitergeht, ist die 52 die bessere Alternative.

Irgendwie macht es Spaß, sich auszumalen, was wohl passiert sein mag. Könnte sein, dass es einen Unfall gab und der Bus im Stau feststeckt. Oder es gab ein technisches Problem (erixx kennt das). Ich finde solche Situationen faszinierend: Ich sehe etwas Ungewöhnliches und frage mich direkt, warum das wohl so ist - typisch Aspi, unbedingt für alles eine Erklärung suchen. 61 in dreizehn Minuten, 52 in einer Minute, dann biegt der Bus nach Flintbek ein. Autokraft hat gewonnen.

Ob die 61 jemals in Mettenhof angekommen ist?

Montag, 4. Dezember 2023

Tag 126 - Kiel lahmgelegt.


Ich finde Widersprüche faszinierend, das war schon immer so. Kein Wunder, dass das Oxymoron eines meiner liebsten Stilmittel war.

Kiel bewegt.

Kiel macht mobil!

Diese Slogans findet man derzeit überall in der Stadt, an Bushaltestellen, auf Plakatwänden, überall wird angepriesen, dass Kiel in der Mobilitätswende vorankommt. Seit dem Wintereinbruch vor ein paar Tagen geht aber gar nichts mehr.

Es ist ja nicht nur, dass die Busse überfüllt sind, gerade zu den Stoßzeiten morgens, mittags und abends. Schulverkehr, Berufsverkehr, und die Straßen sind dicht. Die Wege auch. Es macht keinen Spaß, rauszugehen. Wen man dann doch einmal in die Innenstadt muss, geht man besser zu fuß, warm eingepackt. 

Und wenn man dann am Dreiecksplatz auf die Linie Elf wartet, treten italienische Zustände ein: Eine halbe Stunde lang kommt überhaupt kein Bus, dann drei Busse der gleichen Linie innerhalb von zwei Minuten - und wenn man dann denkt, oh, dann steige ich in den zweiten ein, der ist nicht so voll wie der erste - nix da, der zweite Busfahrer deutet darauf hin, in den vorderen Bus einzusteigen. Teilweise wird auch gar nicht mehr an Haltestellen gehalten. Der Hinweis "Einige unserer Busse fahren mit fünfzehn bis dreißig Minuten Verspätung" auf der Homepage vom Wochenende ist heute durch folgenden Hinweis ersetzt worden: "Aufgrund hoher krankheitsbedingter Personalausfälle, und witterungsbedingten Fahrzeugdefekten, kommt es leider zu ungeplanten Fahrtausfällen."

Da hilft nur noch eine Menge Geduld.

Donnerstag, 16. November 2023

Tag 108 - Ding Dong! (dong... dong... dong... dong...)

Neu und weiß

Ich sollte definitiv häufiger Handwerker oder Elektriker in der Wohnung haben. Das letzte Mal, dass ich einen halben Tag lang durchgearbeitet habe, ist ewig her. 

Die Tür-Klingel-Schließanlage ist in unserem Haus in allen Wohnungen ausgetauscht worden. Als Zeitpunkt wurde per Post vor zwei Wochen heute zwischen acht und sechzehn Uhr angekündigt, und auf die Minute genau waren die Stimmen im Treppenhaus zu hören. Heißt, dass ich mir den Wecker stellen musste, auch weil ich Verantwortung äi käi äi Haustürschlüssel meines Nachbarn für heute übernommen hatte. 

Ich wollte vorher natürlich die ganze Wohnung aufgeräumt haben, aber dann kam The TALOS-Principle II und ich war im Aspi-Heaven. Bin ich immer noch, und die Wohnung ist immer noch rumpelig. 

Dafür habe ich allerdings während der Arbeiten Einiges geschafft, denn die haben sich mehrere Stunden hingezogen. Was genau das Problem war, habe ich nicht mitbekommen, ich habe nur immer wieder aus diversen Etagen und auch an meiner Haustür etwas in Richtung "Ach du Schande" gehört. 

Ich hätte mich vor den Fernseher setzen können. Stattdessen habe ich den Stellenmarkt gesichtet (da kommt momentan eine Menge dazu, oft ist aber DaZ Voraussetzung), ich habe endlich, nach Monaten, den Ständer für den Müllsack repariert (der ist großartig und gut standfest und hält Vieles aus, außer wenn man sich draufsetzt); ich hatte es erst mit Klebeband versucht, und mit Reparaturkleber, bis mir heute dann die Heißklebepistole in der Kammer aufgefallen ist, die da seit Monaten unbenutzt herumsteht. Also ab die Post, versuchen kann ich es ja mal - war eine wackelige Angelegenheit, aber jetzt hängen alle Teile wieder so zusammen, wie sie sollen. Mal sehen, ob es lange hält. Ich werde mich jedenfalls nicht nochmal draufsetzen.

Wäsche abgenommen, Decken gewaschen, Bett neu bezogen (ebenfalls ewig vor mir hergeschoben), Papierberg hinuntergetragen (leider nur einen Teil davon, denn die Tonnen sind voll, aber sobald sie abgeholt werden, wird weiter entrümpelt). Die neunundfünfzig Karten mit den Lojong-Losungen unter dem Tisch hervorgekramt und wieder richtig in ihren Kasten einsortiert, nicht benutzte Konsolen weggeräumt. Das Deutschlandticket als Chipkarte zum Januar bestellt, dazu musste ich allerdings persönlich in der KVG-Verwaltung vorbeischauen, weil einige Formulierungen im Antrag missverständlich waren, zumindest für diesen Aspi. Ich bin gespannt, wann ich die Karte in Händen halten darf - endlich nicht mehr das Papierticket ausdrucken, und Handy ist bei mir ja nicht, wie Ihr wisst.

Und nun habe ich also Einiges geschafft und ein neues Klingeltelefon an der Tür geschaltet. Mal schauen, ob die große Buba und ich damit auch wieder so viel Spaß haben werden (die Überschrift spricht Bände für uns). Und vielleicht kann ich dann ja endlich wieder mit der Person unten sprechen, und es ist weiß, und nicht mehr dieses Siebzigerjahre-Orange-Senfcremefarben, als hätte man es dauervollgeraucht. Außerdem ist die Klingelkonsole am Haupteingang rund um die Uhr beleuchtet.

Ich liebe es!

Freitag, 27. Oktober 2023

Tag 88 - Im Bus


Kleine Anekdote von heute mittag. Ich war im Sophienhof, ich brauchte etwas aus der Apotheke. Das Einkaufszentrum ist gerammelt voll, denn es sind Ferien, es hat genieselregnet und es ist Freitag, die Leute kaufen ein, als gäbe es nach dem Wochenende keine Geschäfte mehr.

Dann stehe ich an der Bushaltestelle, unter dem Dach, denn ich hatte keinen Regenschirm mitgenommen. Gefühlt zweihundert Menschen stehen um mich herum, um sich ebenfalls vor dem Regen zu schützen. Ich warte auf die Zweiundsechzig - und ich wünschte mir so dringend, dass die Zwölf und Dreizehn wieder bis nach Schulensee führen, aber das tun sie momentan nur sonntags sporadisch - und da kommt sie. Ich sehe schon, dass der Bus sehr voll ist, na toll. Ich habe eine Technik entwickelt, durch die ich mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit genau an der Stelle stehe, wo die Eingangstür des Busses ist; so kann ich vor den Anderen einsteigen und vielleicht einen Platz finden.

Aber der Stress war ganz umsonst, es sind fast alle Fahrgäste am Hauptbahnhof ausgestiegen, und so konnte ich mir gleich den Platz rechts am Fenster im vorderen Vierer auf der rechten Seite sichern. Wunderbar!

...wenn da nicht nach und nach Tausende Menschen zusteigen würden; innerhalb kürzester Zeit sind alle Sitzplätze besetzt, der Gang füllt sich, es wird tatsächlich proppevoll. Kein Zusteigen mehr möglich. Kein Gehen mehr möglich. KEIN AUSSTEIGEN MEHR MÖGLICH!!! geht es mir durch den Kopf und ich bereue, den schönen Fensterplatz gewählt zu haben. Wie soll ich nur jemals an der Diesterwegstraße aus dem Bus kommen?

Für Ablenkung sorgt ein weinend-schreiendes Kleinkind im Kinderwagen in der Busmitte. Es weint ununterbrochen. Sehr laut. Immer wieder auf's Neue. Bis eine ältere Dame sich genervt zu dem Kind dreht und sagt: "Was ist denn los? Warum weinst du? Mach' doch die Augen zu! Schlaf' einfach ein bisschen!"

Man sagt ja gern, Autisten haben es nicht so mit der Empathie. Aber da sitzt ein Kleinkind im Kinderwagen, in einem völlig überfüllten Bus, überall riesige Menschen, die von allen Seiten reden. Das Kind ist völlig überfordert und es ist vollkommen natürlich, dass es weint!! Da kann es nicht einfach mal eben die Augen zu machen und schlafen, strategisch sinnvoll, aber nicht realistisch im Kopf eines knapp zweijährigen Mädchens. Wow. Ich habe mich gewundert, wie jemand so einen dummen Kommentar machen konnte. Noch dazu eine Frau mit viel Lebens-, aber vielleicht keiner Kindererfahrung. 

Ich gebe zu, ich habe meine Einschätzung auch erst von der Sannitanic lernen müssen. Aber ich habe mir das sehr zu Herzen genommen, denn ich weiß, wie es ist, inmitten einer Menschenmenge völlig überfordert zu sein - im Sophienhof war ich wieder kurz vor der Tablette zur Beruhigung.

Aber diese Ablenkung hat mir sehr gut getan, denn meine eigene Menschenmassenpanik ist in den Hintergrund gerückt, und so konnte ich den Sinn aufbringen, die Menschen um mich herum zu bitten, mich vorne aussteigen zu lassen. Eine Dame vor mir meinte, sie mache das genauso, weil die Menschen in der Busmitte sich anfühlen wie eine Wand. Da bliebe nur der vordere Ausstieg. Das hat mir mal wieder gezeigt, dass ich mit meinen Problemen nicht allein auf der Welt bin - die Grundessenz der Tonglen-Meditation.

Endlich wieder in der Wohnung!

Freitag, 6. Oktober 2023

Tag 67 - ...und täglich schrumpft die KVG

Darf's ein bisschen weniger sein?

Wenngleich mein Termin bei'm Arbeitsamt gestern nichts gebracht hat außer einer gewissen Frustration und dem Gefühl von "ich mache alles falsch", so war es immerhin eine Gelegenheit, mal wieder in die Stadt zu kommen. Der Hinweg war zu Fuß ganz erfrischend, und danach bin ich mit den Bussen der KVG durch die Gegend gefahren.

Das ist ja bereits seit dem Juli nicht mehr ganz so einfach; die KVG musste aus Mangel an Personal den Linienverkehr einschränken. Der Kieler Süden hat davon etwas abbekommen, zwei Hauptlinien fahren jetzt nur noch bis zum Hauptbahnhof anstatt bis Schulensee (der Kieler Süden scheint sowieso etwas stiefmütterlich am ÖPNV zu hängen, auch die zukünftige Kieler Stadtbahn wird bestenfalls in einem späteren Ausbauprozess eine Linie nach Schulensee bieten; nach der Hummelwiese kommt da nichts weiter Richtung Süden). Das bedeutet, dass hier unten auf der Hamburger Chaussee je Stunde und Richtung vier Busse weniger fahren als sonst. Auf anderen Linien wurde die Taktung runtergefahren, es hat sich bisher deutlich bemerkbar gemacht.

Und jetzt, zur Oktobermitte, wird weiter gekürzt. So wird zum Beispiel das Rentnertaxi, die Linie Zweiundfünfzig, am Wochenende nur noch stündlich fahren. Die anderen Kürzungen betreffen mich diesmal nicht so sehr. Die KVG schreibt dazu auf ihrer Homepage:

"Unser klar formuliertes Ziel ist es natürlich auch weiterhin, die genannten Einschränkungen langfristig wieder zurücknehmen zu können. Das gilt auch für alle Reduzierungen, die bereits zu einem früheren Zeitpunkt umgesetzt werden mussten."

Das Wort "langfristig" gibt nicht gerade Anlass zur Hoffnung - aber solange kaum jemand BusfahrerIn werden möchte, wird sich an der Lage auch nichts ändern. Und manchmal kann ich das niemandem übel nehmen. Ein großer Teil der Fahrgäste steigt immer noch regelwidrig hinten im Bus ein anstatt vorn, das Straßennetz gleicht immer mehr einem Flickenteppich, durch die vielen Baustellen kommt es immer häufiger zu Busverspätungen und -ausfällen, was wiederum die Fahrgäste aufbringt. Und dann gibt es eben auch BusfahrerInnen mit einem sehr eigenen Fahrstil; erst neulich bin ich wieder bei einer Vollbremsung durch den Bus geflogen und gegen eine der Haltestangen geknallt (aber wer Holzachterbahnen fährt, dem macht sowas nichts aus), und vor ein paar Tagen stand ein Bus hier bei grüner Ampel zwei Minuten lang auf der Straße, anstatt die Kreuzung zu überqueren und die Bushaltestelle anzufahren. In Gedanken versunken, bis der Busfahrer dann von ein paar Fahrgästen angeblfft wurde a la "grüner wird's nicht". Das ist eine Situation, die mir tatsächlich Bauchschmerzen bereitet, weil ich mich frage, warum der Bus nicht losfährt - ist etwas kaputt, oder gab es einen Unfall; ich finde tausend Gründe, komme aber generell selten auf die Idee, dass jemand seine Arbeit nicht richtig macht.

Nun denn. So schrumpft das Busangebot der KVG auch weiterhin, pünktlich zur verregneten Jahreszeit. Mal schauen, welche Linien als nächstes dran glauben müssen.

Montag, 25. September 2023

Tag 56 - Kiel zerlegt sich



Unglaublich, es ploppen immer mehr Baustellen in Kiel auf. Mal merke ich es direkt, weil es vor meiner Haustür ist, mal merke ich es indirekt daran, dass manche Busse Umleitungen fahren oder einige Straßen, die sonst relativ ruhig sind, plötzlich im Berufsverkehr "verstaut" sind. Was bin ich froh, nicht mehr das Auto zu nehmen!

Aber es ist ja schön, dass sich hier endlich was tut. Manche Straßen waren so marode; wenn ich mit der Buslinie Vierzehn zur Schule fahren musste, ging es die Werftstraße runter, und wenn man dann nicht in einem dieser supergefederten Elektrobusse saß, hat das Frühstück (wenn man es denn gegessen hat) eine ordentliche Schleuderpartie bis nach Wellingdorf bekommen.

Zum Glück wird die Werftstraße neu gemacht, und wie spannend das ist: Man sieht bereits Bauvorleistungen für die zukünftige Tramführung in Form von erhöhten Bordsteigen in der Straßenmitte, wo später einmal die Straßenbahnhaltestellen sein werden. Aber bevor ich mich jetzt zu sehr aufrege und freue, erinnere ich mich wieder dran, dass bis Ende Zwanzig Vierundzwanzig in erster Linie Planungen stattfinden, erst ein gutes Stück danach wird es mit den tatsächlichen Bauarbeiten losgehen.

So, nun Termine zurechtlegen, diese Woche muss gut abgepasst sein - Details folgen.

Mittwoch, 19. Juli 2023

Helgoland geht unter

Jetzt gibt's kein Zurück mehr!

Es wird Zeit, nach vorne zu schauen. Die ganze Verbitterung und den Zynismus abzuwerfen - das dauert eine Weile. Lojong hilft. 

Auf dieses Schreiben habe ich schon lange gewartet: Vor einer ganzen Weile habe ich von den Friseur-Ladies erfahren, dass in unserem Viertel straßenbaulich etwas getan werden soll. Ich wusste aber nicht, was und wie lange das dauern würde, mir fehlten die Details, die nun in einem vierseitigen Schreiben allen Anwohnern zugegangen sind.

"Helgoland geht unter" ist gar nicht mal so übertrieben - die Helgolandstraße, an der ich wohne, soll komplett herausgerissen werden. Die Abwassersysteme sind marode und müssen erneuert werden. In dem Zuge muss sich das Kopfsteinpflaster verabschieden, die Straße wird komplett asphaltiert. Was ich richtig gut finde: Es sollen ausreichend Fahrradbügel installiert werden. Unser Viertel hat viele Fahrradfahrer, die Mieten sind relativ günstig, das zieht Menschen an, die sich ohne Auto auf Fahrrad und ÖPNV verlassen.

Ich bin aufgeregt! Jetzt geht es also endlich los; in den letzten Monaten waren immer mal wieder Landvermesser zu sehen, das hat ein bisschen Vorfreude geschürt. Wobei "Freude" vielleicht nicht der passende Ausdruck ist; die Bauarbeiten werden laut, Verkehr wird eingeschränkt - aber ich werde arbeitslos sein, mir kann das alles einigermaßen egal sein. Die Bauarbeiten sollen etwas über ein Jahr andauern. Werden also wahrscheinlich drei Jahre. 

Ganz so lang werde ich dann wohl hoffentlich nicht arbeitslos sein.

post scriptum: Es ist kaum zu glauben, aber die "Final Fantasy"-Reihe hat endlich - ENDLICH! - ihren ersten schwulen Kuss vor die Kamera gebracht. Nachdem Teil fünfzehn extrem männerzentriert war und vom "male gaze" beherrscht wurde, ist man jetzt einen Schritt weiter. Aber nicht zu früh freuen: Teil sechzehn ist "male gaze" pur! Das merkt man in der Kameraarbeit: Solange die beiden jungen Männer sich nur unterhalten, gibt es close-ups, aber genau für die Dauer des Kusses geht die Kamera so weit auf Distanz, dass man nichts erkennen kann. Wir wollen doch schließlich die homophoben Gamer nicht zu sehr verstören. Ich könnte... whatever. Wer es sehen möchte, möge einmal hier klicken, zu die große Bubas und meinem Twitteraccount, auf dem wir Screenshots und kurze Videos der Spiele posten, die wir gerade spielen. 

paulo post scriptum: "Rising action" ist nicht nur für die Bauvorhaben da unten angesagt: Ich habe heute mit dem "Landesamt für soziale Dienste" telefoniert und man hat mir mitgeteilt, dass eine Entscheidung gefällt wurde und sie mir Ende dieser Woche, spätestens nächste Woche postalisch zukommen sollte. I'll keep you posted!

Freitag, 30. Juni 2023

KVG in Nöten

Weiterhin ein Zukunftstraum...

Momentan kann Busfahren in Kiel ein echtes Abenteuer sein. Seitdem das Deutschlandticket eingeführt wurde, nutzen deutlich mehr Menschen den ÖPNV. Die Busse sind voller, es ist lauter, drängeliger - nicht immer, aber immer öfter. Dazu kommt das Chaos in Kiel, hohes Verkehrsaufkommen, Baustellen und Umleitungen, Busse mit einer halben Stunde Verspätung kommen häufiger vor und das alles wird noch einmal verstärkt durch den erheblichen Personalmangel bei der KVG.

Es werden dringend BusfahrerInnen gesucht, um die Verkehrswende stemmen zu können. Man hat jetzt die Notreißleine gezogen und vorübergehend einige Änderungen im Fahrplan vorgenommen - so fahren die Linien Zwölf und Dreizehn nur noch zwischen Strande und Hauptbahnhof, nicht mehr die Hamburger Chaussee hinunter. Auf einigen Linien wird die Taktung reduziert, und so kann es vorkommen, dass ich unten an der Bushaltestelle gute zehn Minuten auf einen Bus warten muss, in der Hauptverkehrszeit.

Zum Glück fahre ich immer etwas früher los, denn manchmal bekomme ich meinen Anschlussbus nach Dietrichsdorf nicht mehr (vielleicht brauche ich ihn ja bald eh' nicht mehr. Aber da ist das letzte Wort noch nicht gesprochen), und gegen den Stress im Bus habe ich meine Hefte mit Logikrätseln dabei, so kann ich die vielen Menschen ausblenden, die seit zwei Monaten die Busse bevölkern.

Ich finde, dass das Deutschlandticket eine tolle Sache ist. Allerdings haben wir dafür noch nicht die nötige Infrakstruktur, und das dauert... ich mag mir gar nicht ausmalen, wie das erst wird, wenn in Kiel die Straßen aufgerissen werden für die neue Stadtbahn. Noch gut zwei Jahre, dann dürften die Bauarbeiten beginnen. Aber immer das Ziel im Blick haben - irgendwann wird es in Kiel einen dicht getakteten, ausgelasteten ÖPNV geben, mit reichlich Menschen, die ihre Ausbildung als BusfahrerIn machen, damit die Menschenmassen befördert werden können.

Es kann sich nur noch um Jahrzehnte handeln.

Freitag, 5. Mai 2023

Mai: Dicht again

Einfach mal aussteigen...

"Nächster Halt: Krusenrotter Weg..."

Heimweg von der Schule. Die ersten Tage nach den Ferien haben mir mal wieder gezeigt, wie gut mir die Arbeit tut, vor den SchülerInnen zu stehen, einen mitunter hektischen Schulalltag zu erleben, das ist tatsächlich schön - auch wenn ich manchmal morgens bei'm Aufstehen noch denke, dass ich nicht in die Schule will. Die Realität weiß dann fast immer zu überzeugen.

Mai. Ich hätte fast wieder vergessen, dass heute ein Feiertag ist - und es stehen noch einige weitere bevor, dazwischen allerdings gespickt mit Konferenzen, Abschlussprüfungen, letzten Klausuren, Arztbesuchen - es wird stressig. Ich habe zwei Abschlussklassen und zwei Oberstufenkurse, da kommt Einiges zusammen. Natürlich kommt dazu mal wieder die Frage, ob ich ab August noch einen Job habe, aber diesmal ist das nicht ganz so sehr mit einem Blues verbunden wie in den letzten Jahren. Liegt vielleicht an den Tabletten.

Seelisch stelle ich mich schonmal darauf ein, dass der Antrag auf Anerkennung einer Schwerbehinderung lange dauern könnte, sehr lange. Eine Kollegin musste letztes Mal dreieinhalb Jahre warten, bis sie überhaupt eine Reaktion auf ihren Antrag bekommen hat. Immerhin hängen meine beruflichen Chancen davon ab, ich könnte also um eine Eilbearbeitung bitten, aber es wird einem frühzeitig klargemacht, dass es dafür keine Garantie gibt. Talk about Barrierefreiheit.

Der Bus hält, und plötzlich steigen um mich herum etwa zwei Drittel der Fahrgäste aus. Das ist ungewöhnlich, denn am Krusenrotter Weg gibt es normalerweise nur zwei oder drei Ein- und Aussteigende. Ich habe mal wieder nicht auf die Ansage geachtet:

"Nächster Halt: Krusenrotter Weg... aufgrund einer Vollsperrung des Waldwiesenkreisels werden die Haltestellen Waldwiese und Diesterwegstraße nicht angefahren. Ersatzhaltestelle ist Gärtnerstraße, oder sie steigen am Wulfsbrook aus und fahren mit den Bussen in entgegengesetzter Richtung zurück."

Den Waldwiesenkreisel zu sperren, kommt einem Super-GAU gleich. Die Hamburger Chaussee, die da durch führt, ist eine viel befahrene Straße, und nun müssen unzählige Autos und Busse einen Umweg über das Rewe-Center nehmen. Die Straßen dort komplett dicht. Viel zu eng für so viele Busse, die dort fröhlich aufgereiht stehen - manchmal zwei Busse der gleichen Linie im Abstand von nur einigen Metern.

Die Baustelle sollte letzte Woche offen sein. Weil es so schön war, hat man diese Woche gleich wieder losgelegt, der Kreisverkehr ist dicht again, und die Rückfahrt aus der Schule dauert nun sechzig anstelle von dreißig Minuten. Eine Geduldsprobe.

Ebenfalls eine Geduldsprobe sind die Abschlussprüfungen, die derzeit in der Schule laufen - ESA, MSA, Deutsch, Mathe und Englisch. Da kommen die kleinen feinen Unterschiede zwischen einer Gemeinschaftsschule und einem Gymnasium zu tragen - ich habe meine Kiddies intensiv zusammengefaltet, dass sie am Prüfungstag um halb acht da zu sein haben, und dass um zehn vor acht die Prüfung beginnt. Wenn dann ein Schüler ohne Nachricht um fünf vor acht eintrudelt, bin ich kurz versucht, den Anteil seiner Höraufgaben in der Prüfung mit null Punkten zu bewerten. Blöd ist das auch deshalb, weil die Anderen aufgeregt sind und endlich starten wollten.

Wenn dann noch während der Prüfung jemand fragt, was man bei der Schreibaufgabe machen soll, oder was diese offenen Halbsätze bei den Leseaufgaben zu bedeuten haben, dann weiß ich nicht, ob ich lachen oder weinen soll. Das kommt nicht unerwartet: Wenn man neunzig Prozent der Unterrichtszeit gefehlt hat und keine der Inhalte nachbearbeitet, weiß man natürlich nichts. Aber scheiß drauf, ist ja nur eine Abschlussprüfung...

Immerhin gab es auch in diesem Jahr wieder die Möglichkeit, eine der drei Hauptfachprüfungen abzuwählen, und so gab es auch einige, die die Englischprüfung gestrichen haben. Klasse, weniger zu korrigieren. Nächste Woche ist dann der mittlere Schulabschluss dran, mit meinem Kurs haben wir ansatzweise Gymnasialniveau, irgendwie gehe ich davon aus, dass ich mir bei ihnen keine so großen Sorgen machen muss. Es sind vielleicht nicht ausschließlich Einserkandidaten, aber die Arbeitshaltung ist (zumindest ein bisschen) anders.

Da tut mir ein wenig Abwechslung zuhause ganz gut, und eventuell gibt es die ab nächster Woche, wenn dann der neue Teil The Legend of Zelda: Tears of the Kingdom erscheint. Bis dahin ist auch hier Einiges zu tun, einen Videogruß für meine Eltern aufnehmen, aufräumen und viel Schlaf eines schlaflosen Wochenbeginns nachholen. Und Konferenzen hier, da, dort.

Ich wünsche Euch viel Energie (die große Buba sagt Edhergighie) und Geduld für die anstehende Zeit!

Samstag, 18. März 2023

Stop. Bewegung.

Wäre schon, aber nein. Noch mindestens zehn Jahre nicht.

Staus sind in Kiel eine Seltenheit, eigentlich. Wenn aber eine Baustelle kommt, dann kann das extreme Auswirkungen haben. Als der Waldwiesenkreisel erneuert wurde, war auf der B Sechsundsiebzig alles dicht. Überflieger am Barkauer Kreuz? Ebenso. 

Irgendwie fühlt es sich an, als würden die Baustellen immer mehr werden, vielleicht ist das aber auch nur meine Wahnehmung. Rund um's Rondeel wird gebaut, jetzt müssen sogar einige Buslinien umgeleitet werden, und vor unserem Haus steht ein Schild, dass die Durchfahrt am Speckenbeker Weg für ein paar Wochen dicht sein wird.

Ich würde ja so gern sagen können, dass ich mich über diese Baustellen freue, denn sie sind erste Zeichen der Kieler Stadtbahn - aber nichts da. Die nächsten zwei Jahre werden erstmal nur mit Planungen verbracht. Von tatsächlichen Baustellen für die neue Straßenbahn sind wir noch meilenweit entfernt, und dann wird es in Kiel richtig chaotisch werden, denn natürlich wird die Stadtbahn auch die Hauptverkehrsadern befahren. 

Da kommt einiges auf uns zu, und ich bin jedesmal ein wenig erleichterter, dass ich kein Auto mehr habe. Ernsthaft!

Und dass ich den Titel dieses Beitrags so formuliert habe, dürfte Filmliebhabern etwas sagen, nämlich dass ich einen für mich neuen stop motion film gesehen habe. Ich weiß nicht, was es ist, aber diese Filmtechnik fasziniert mich. Weil es wirklich wie Zauberei ist, als würde lebloser Modelliermasse ein Leben eingehaucht werden. Coraline (2009) ist einer meiner Lieblingsfilme aus der Ecke, ich kann ihn immer und immer wieder sehen, ohne dass es langweilig wird, und heute gesellt sich ParaNorman (2012) dazu, vom gleichen Studio. 

Das ist eine schöne Abwechslung, bevor es zurück an die Klausuren geht.

post scriptum: Wenn wir hier schon bei stop motion-Filmen sind, möchte ich unbedingt einen empfehlen für alle PädagogInnen, die ihn noch nicht kennen. Nur knapp acht Minuten lang, ohne Sprache, passt perfekt in das Thema "The Individual and Society" und hat nicht ohne Grund einen Academy Award gewonnen - "Balance" (1989)