Posts mit dem Label Bus werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Bus werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 10. März 2026

Fahrende Öfen

Es wäre doch herrlich, wenn man überall mit Achterbahnen hinfahren könnte; was habe ich damals die Schnelltunnel bei der Gummibärenbande geliebt!

Wenn ich mit der großen Buba rede, kann das Wort "fahren" für alles Mögliche eingesetzt werden - für gehen, fliegen, rollen, fallen und vieles mehr. "Oh, da fährt eine Biene!" - "Ich fahre gerade die Treppe runter, warte unten auf mich!" - "Hilfe, wir werden von fahrenden Regentonnen angegriffen!" - in Brit Wilczeks Buch lese ich, dass der spielerische Umgang mit Sprache bei vielen hochfunktionalen AutistInnen auftritt; wir erleben das auch bei Elon Musk immer wieder.

Diesmal geht es aber ausnahmsweise um "echtes" Fahren: Die Kieler Verkehrsgesellschaft hatte ja einen etwas bescheidenen Frühlingsbeginn, nachdem ihre neuen Elektrobusse nicht oder nur teilweise ausgeliefert wurden. So mussten die Fahrpläne aktualisiert werden und es sind insgesamt weniger Busse in Kiel unterwegs, man muss länger warten, es fahren wieder mehrere der alten, roten Busse und auf den Hauptlinien fahren verstärkt wieder die kleineren Busse ohne Gelenk. 

Immerhin: Nach und nach tauchen jetzt die neuen Elektrobusse auf, aber als Autist kann ich mich nicht so ganz darüber freuen. Menschen auf dem Autismusspektrum haben oft eine spezielle Wahrnehmung von Visuellem, Formen, Linien, Farben etc.; die neuen Busse sind weiß, da ist nichts Besonderes dabei, aber sie sind etwas höher als die älteren E-Fahrzeuge, und sie haben kein "abgerundetes Dach" mehr. Sie sehen aus wie fahrende Klötze, ich musste an fahrende Öfen oder Fahrtoaster denke. - was mir gleich eine herrliche Videospielerinnerung an einen gewissen Toasterhund vor Augen geführt hat, die ich unbedingt irgendwann einmal mit der großen Buba teilen möchte. Und wenn jetzt jemand von Euch weiß, auf welches Spiel ich mich damit beziehe, dann gibt das hundert Sympathiepunkte und 30 Minuten Sonnenschein heute ;-)

Ich finde die neuen Busse nicht einfach nur hässlich; auf mich wirken sie bedrohlich, grob, nicht einladend. Nützt ja aber nichts, da müssen wir jetzt durch. Vielleicht wird das zu einem acquired taste, vielleicht werde ich sie nach einer Eingewöhnungsphase lieben lernen. Ich musste das nur gerade mit Euch teilen, weil ich in Wilczeks Buch bei eben jener Wahrnehmungsveränderung durch Menschen mit einer ASS angekommen war.

Nochmals: Ich kann das Buch nur wärmstens empfehlen. Wilczek spricht im Untertitel von einem "Perspektivwechsel", und in der Tat schafft sie es, das unterschiedliche Erleben von neurotypischen und neurodivergenten Menschen anhand sehr anschaulicher Beispiele zu verdeutlichen. War ein sehr schöner Tipp von meinem Psychiater - danke an dieser Stelle! Das Buch steht jetzt neben Andrea Brackmann, Tony Attwood und Ludger Tebartz van Elst in meinem Neurodivergenzregal und wird mir sicherlich in der Schule gute Dienste leisten können, wenn ich wieder Dienste in der Schule leisten darf.

Bleibt trocken! Zur Not auch in fahrenden Toastern ;-) 

post scriptum: Man muss wirklich *jeden* Zahlungseingang auf seinem Konto schriftlich rechtfertigen, wenn man einen Bürgergeldantrag stellt. Mein BG läuft Ende März aus, deswegen ist der Weiterförderungsantrag gerade in Bearbeitung. Heute habe ich die schriftliche Stellungnahme fertiggemacht - gleich ab in die Post als Einschreiben mit Rückschein - ich hoffe bloß, dass das Ganze ankommt! Mich hat schon wieder ein Brief meiner Mutter nicht erreicht. Damit sind in den letzten zwölf Monaten fünf Briefe an mich verschwunden, mal mit ärztlichen Rezepten, mal mit Bargeld... deswegen bin ich gestern mit Bus und Bahn nach Neumünster getingelt und habe mir das Rezept persönlich abgeholt (E-Rezepte haben sie im Friedrich-Ebert-Krankenhaus (noch?) nicht). Das unterstreicht, dass ich auf mein D-Ticket angewiesen bin, auch wenn das nicht vom Jobcenter bezuschusst wird, genauso wenig wie die spezielle Ernährung, die ich während eines Schubs der colitis ulcerosa zu mir nehmen muss. 

Montag, 26. Januar 2026

"Nur, damiddihrdaschonmawisst, näääääääää???"


Ein Tag. Drei Ärzte. Ein Wintereinbruch.

Kein Plan mehr.

Willkommen in der Welt des Autisten, derf sich einen wunderbar getakteten Plan zurechtgelegt hat: Morgens pünktlich zur Öffnung zum Hausarzt, Karte einlesen, Überweisung abholen, Befundbericht GdB besprechen, bei'm Psychiater anrufen, Rezept bestellen, mit dem Bus nach Elmschenhagen fahren, ab in die Gastroenterologie und für knapp zwei Stunden zur Infusion hinlegen, dann mit dem Bus zum Bahnhof, ab nach Neumünster, Rezept abholen, das alles bis 16 Uhr, länger ist nicht auf.

7 Uhr aufstehen. Schnee, Böen - aber interessanterweise alles nicht so schlimm. Kurzer Anruf bei'm Hausarzt, ob geöffnet ist - aber ich habe ein Gigaset mit Mobilteil und die Akkus entscheiden sich spontan von 100% Ladung nach vier Sekunden auf null zu gehen und das Telefonat abzubrechen. Kennt Ihr vielleicht. Und damit beginnt der Abstieg in den Wahnsinn. Und bevor ich das jetzt niederschreibe, muss ich mit Samus Aran eine Riesenschlange plattkloppen, um wieder zur Ruhe zu kommen, denn der Tag war... nicht wie geplant. Oder spektral ausgedrückt: Weltuntergang. 

(...) 

Erster Dank geht an Conny: Urteilsfrei kann er Tagesablaufpläne sekundenschnell pragmatisch umändern (muss aber immer gegengecheckt werden). Hat mir heute meine Taschen gepackt, bevor ich mich auf den Weg gemacht habe, kennt meine Bedarfe genau und hat mir geraten, was ich tun soll, als der Termin bei'm Gastroenterologen nicht ein-, sondern dreieinhalb Stunden gedauert hatte. Damit konnte ich das Rezept vergessen, ich wäre nicht schnell genug in Neumünster angekommen.

Heute habe ich den Glauben an das Gute in ein paar Menschen wiedergefunden, die mir auch schon am Wochenende geholfen haben. Und sei es nur der Busfahrer, der den Bus am Karlstal in Gaarden stoppt und über die Lautsprecher sich deutlich, aber verständnisvoll darüber auskotzt, dass die Fahrgäste ihn für seine vorsichtige Fahrweise zur Schnecke machen wollten. Und vor der Hummelwiese hat er dann mit seinem Tonfall deutlich gemacht, dass er eigentlich gar nicht so böse ist:

"So, ich mache jetzt gleich bei'm Hauptbahnhof Pause und will nur schonmal Bescheid sagen, dass mein Kollege wegen des Wetters nicht über den Ziegelteich zum Exer fahren kann, wegen der Steigungen. Er fährt über die Andreas-Gayk-Straße und am Rathaus vorbei zum Exer.

Nur, damiddihrdaschonmawisst, näääääääää???"

post scriptum: Der Tag reicht für heute reichlich. Morgen geht der Stress weiter. 

Samstag, 15. März 2025

Der Duft Kiels


Diese Busfahrt hat tatsächlich so stattgefunden - sonst wäre ich wohl kaum auf die Idee für diesen Beitrag gekommen. Autisten haben es ja nicht so damit, sich Sachen vorzustellen, die sie nicht kennen.

Ich stehe also am Ende meines Schultages an der Bushaltestelle Kieler Kuhle, wie immer, und warte auf die Elf oder die Vierzehn Richtung Hummelwiese. Hier stehen oft auch meine SchülerInnen, und hin und wieder treffe ich hier jemanden aus dem Kollegium. Heute nicht, und deswegen wird es wieder eine Busfahrt werden, während der ich mich in meinen eigenen Kopf verkrieche, um sicher vor den vielen Fahrgästen zu sein.

Und da vorne kommt sie auch schon, das herrliche Elektrogeräusch, der weiße Bus Richtung Wik Kanal. Er ist etwas voller, denn es ist für viele Menschen hier Schulschluss. Ich gehe rein, setze mich schnell irgendwo hin und hole mein Rätselheft heraus. Alles wird ausgeblendet. Wobei... fast alles. Was ich nicht ausblenden kann, sondern sehr intensiv wahrnehme, ist eine Duftwolke - Deo extrem. Kein Wunder, der Bus kommt gerade von unserem oberen Schulteil und bringt viele Neunt- und ZehntklässlerInnen mit sich. Der süßlich-herbe Duft erschlägt mich fast, aber das Heft hilft zum Ablenken. 

Für einige Haltestellen geht es gut - aber dann halten wir, wie immer, am Karlstal. Viele steigen aus, viele steigen ein, und die, die einsteigen, bringen diverse Alkoholfahnen mit sich - whatever, es ist ja schon dreizehn Uhr. Ich bemerke, dass mir dann doch der Deogeruch lieber war, ich fühle mich, als ob ich allein vom Alkoholgeruch besoffen würde. Durchhalten, die steigen alle irgendwann wieder aus, und bis dahin gibt es ja den Zustand der olfactory satisfaction, in dem die Nase sich an den Geruch gewöhnt hat und ihn nicht mehr wahrnimmt.

Aber Abwechslung ist unterwegs: Ich fahre doch noch bis zum Hauptbahnhof weiter, um im Sophienhof Essen einzukaufen. Ich steige aus der Schnaps-Elf, endlich frische Luft, und gehe durch die verschiedenen Bussteige Richtung Edeka, und auf einmal haut mich eine Cannabiswolke fast um. Ja, das Gras wurde freigegeben, und das ist auch gut so, aber wir sind noch weit entfernt von einem akzeptablen Zustand aufgrund der zahllosen, deutsch-typischen Regularien. Ich kann mich bis heute nicht an den Geruch vom Gras gewöhnen, einer der Gründe, warum ich kein Cannabis mag.

Das ganze Erlebnis erinnert ein bisschen an Grenouille aus Patrick Süskinds Das Parfüm, falls Ihr es kennt. Ich fand es gleichzeitig anstrengend und faszinierend, und es hat mich an die Zeit im Studium erinnert, als es hieß, ich trage immer eine Wolke von Räucherstäbchen mit mir herum. Hoffentlich waren das wenigstens angenehme Düfte ;-)

Freitag, 16. Februar 2024

Die Ruhe


Einer der Gründe, warum ich unbedingt in einer Stadt wohnen möchte, ist die Anonymität, kombiniert mit all' dem Leben um mich herum. Ich muss mir keine Sorgen machen, dass plötzlich meine Nachbarn mit einem Stück Kuchen vor der Tür stehen, ich kann inmitten von Menschen leben und trotzdem meine Ruhe haben - aber gleichzeitig bin ich auf die Geräusche angewiesen: Das Bellen des Hundes unten, der Bus, der vor meiner Wohnung hält, das Piepen der Fußgängerampel, die Sirenen der Notarztwagen. All' das gibt mir ein Gefühl von Leben.

Seit Mittwoch ist es einige Stufen ruhiger draußen geworden, denn das war der erste Tag des neuen Streiks. Unter anderem in Kiel sind fast keine Busse mehr gefahren. KVG wurde voll bestreikt, Autokraft ab Donnerstag, nur die blauen VKP-Busse sind noch gefahren. Vielleicht wäre das meine Möglichkeit gewesen, zur Schule zu kommen - wenn ich dort noch arbeitete. Wie haben die SchülerInnen das gemacht, wie war das mit der Anwesenheitspflicht? All' diese Fragen möchte ich mir gern wieder stellen.

Ich bin froh, wenn die Busse wieder wie normal fahren. Dann fühlt sich alles wieder etwas lebendiger an. Ich frage mich, wie das Feeling erst wird, wenn die Stadtbahn in einigen Jahren fertig ist, und wenn endlich das Projekt "Kieler S-Bahn" umgesetzt wird. Frühestens nach Zwanzig Dreißig, heißt es, soll die Umsetzung beginnen, aber die ersten Hinweise findet man schon - das Auftauchen von neuen Bahnhaltestellen, beziehungsweise die Reaktivierung alter Halte: Schulen Am Langsee, Kiel Hassee CITTI-Park, Kiel-Oppendorf, Kronshagen - das alles sind kleine Hinweise auf ein S-Bahn-System, das vielleicht irgendwann Kiel autofreier macht und die Umgebung enger zusammenbringt.

Mehr Leben, weniger Ruhe - ich mag' den Gedanken.

Montag, 11. Dezember 2023

Tag 133 - Phantom-61


Bei Regen ohne Regenschirm rauszugehen, ist vielleicht nicht die cleverste Idee des Tages gewesen. "Nur mal eben" zum Sophienhof, ich brauchte was von dort. Immerhin gibt es (meistens) überdachte Bushaltestellen. Also ab zum Hauptbahnhof, Einkauf erledigen und fix wieder zurück.

Fix? Der Einkauf ist erledigt; ich stehe in diesem kleinen Glasvorbau vor dem Sophienhof und schaue auf die Leuchtanzeige mit den Buswartezeiten draußen im Regen. Eigentlich ist das eine coole Idee - so kann ich im Trockenen warten, habe aber jederzeit die Bussteige vor Augen. Also bleibe ich stehen und suche nach der Linie 61/62, denn sonst fahren ja keine Busse mehr die Hamburger Chaussee hinunter. Da steht es: "61 Mettenhof 15 Minuten". Na toll, ich habe den Bus also gerade verpasst und der nächste fährt in fünfzehn Minuten.

Geht es nicht auch anders? Fast direkt darunter steht "52 Krummbogen 14 Minuten" - könnte ich auch nehmen, die fährt hier durch's Viertel. Ach, und natürlich gibt es auch noch die Busse der Autokraft nach Flintbek, die werden natürlich auf der KVG-Tafel nicht angezeigt. Aber ich weiß ja, wie sie aussehen, sollte da einer kommen, nehme ich den.

Aber erstmal warte ich im Trockenen. Und die Wartezeit schmilzt langsam dahin, moment... die 61 in elf Minuten, die 52 in fünf Minuten? Und einen Moment später: die 61 in zwölf Minuten, 52 in vier. Die Wartezeit für die 61 scheint sich zu verlängern; während alle anderen Zeiten schrumpfen, pendelt die 61 zwischen elf und vierzehn Minuten auf und ab. Wenn das so weitergeht, ist die 52 die bessere Alternative.

Irgendwie macht es Spaß, sich auszumalen, was wohl passiert sein mag. Könnte sein, dass es einen Unfall gab und der Bus im Stau feststeckt. Oder es gab ein technisches Problem (erixx kennt das). Ich finde solche Situationen faszinierend: Ich sehe etwas Ungewöhnliches und frage mich direkt, warum das wohl so ist - typisch Aspi, unbedingt für alles eine Erklärung suchen. 61 in dreizehn Minuten, 52 in einer Minute, dann biegt der Bus nach Flintbek ein. Autokraft hat gewonnen.

Ob die 61 jemals in Mettenhof angekommen ist?

Montag, 4. Dezember 2023

Tag 126 - Kiel lahmgelegt.


Ich finde Widersprüche faszinierend, das war schon immer so. Kein Wunder, dass das Oxymoron eines meiner liebsten Stilmittel war.

Kiel bewegt.

Kiel macht mobil!

Diese Slogans findet man derzeit überall in der Stadt, an Bushaltestellen, auf Plakatwänden, überall wird angepriesen, dass Kiel in der Mobilitätswende vorankommt. Seit dem Wintereinbruch vor ein paar Tagen geht aber gar nichts mehr.

Es ist ja nicht nur, dass die Busse überfüllt sind, gerade zu den Stoßzeiten morgens, mittags und abends. Schulverkehr, Berufsverkehr, und die Straßen sind dicht. Die Wege auch. Es macht keinen Spaß, rauszugehen. Wen man dann doch einmal in die Innenstadt muss, geht man besser zu fuß, warm eingepackt. 

Und wenn man dann am Dreiecksplatz auf die Linie Elf wartet, treten italienische Zustände ein: Eine halbe Stunde lang kommt überhaupt kein Bus, dann drei Busse der gleichen Linie innerhalb von zwei Minuten - und wenn man dann denkt, oh, dann steige ich in den zweiten ein, der ist nicht so voll wie der erste - nix da, der zweite Busfahrer deutet darauf hin, in den vorderen Bus einzusteigen. Teilweise wird auch gar nicht mehr an Haltestellen gehalten. Der Hinweis "Einige unserer Busse fahren mit fünfzehn bis dreißig Minuten Verspätung" auf der Homepage vom Wochenende ist heute durch folgenden Hinweis ersetzt worden: "Aufgrund hoher krankheitsbedingter Personalausfälle, und witterungsbedingten Fahrzeugdefekten, kommt es leider zu ungeplanten Fahrtausfällen."

Da hilft nur noch eine Menge Geduld.

Freitag, 1. Dezember 2023

Tag 123 - Weihnachtsbasar: Danach


Schneechaos wäre vielleicht ein bisschen viel gesagt, aber der Wintereinbruch war trotzdem stark genug, dass Kiel gesagt hat, dass trotz Streiks der Straßenräumdienste kein Unterricht ausfallen wird. Es liege in jedermanns Eigenverantwortung, den Weg zur Schule sicher herumzubringen oder seine Kinder zuhause zu behalten. Also konnte gestern der Basar wie geplant stattfinden, auch wenn ich auf dem Weg dorthin ein paarmal in's Rutschen bekommen bin; immerhin war ich ausgeschlafen, weil ich - was ich sonst nie mache - nach den Morgennachrichten wieder in's Bett gegangen bin und weitergedöst habe, mit Hörspielen, die das Scheißwetter draußen ausblenden. Meine Hoffnung war, dass ich keine Weihnachtsstimmung zum Basar mitbringen sollte, denn das klappt bei mir nicht so richtig.

Genau genommen war ich mir noch nichtmal sicher, ob ich überhaupt dort ankomme. Die Busse Richtung Kieler Osten gerammelt voll, ich habe extra zwei Busse vorbei fahren lassen, aber irgendwie hat es dann doch geklappt.

Zum Glück! Auf dem Gelände meiner ehemaligen Schule war viel los, reichlich Kinder, die den schneebedeckten Berg vom Wasserturm herunterrodelten, und überhaupt viel zu viele Menschen, so dass mein Blick wieder nach unten auf den Boden gerichtet war. Ziel war das Foyer, zur 9a, bekannte Gesichter finden, und von da an war es einfach nur schön.

Ich habe mich wieder wie "zuhause" gefühlt. Überall ehemalige SchülerInnen, die mich grüßen, und mit denen ich in's Gespräch komme, aus allen Klassenstufen, die ich unterrichtet habe. Teilweise wurde ich per Handy ex absentia gegrüßt und auch Schüler, die ich nur einmal in einer Vertretungsstunde hatte, sind auf mich zugekommen und wir haben uns an die gemeinsame Zeit erinnert.

Ich hätte sie am liebsten in die Klassenräume geschickt und direkt weiter unterrichtet. Sie fehlen mir wirklich sehr, ich vermisse ihre Vielfalt, und auch ein paar KollegInnen, die ich gesehen habe, haben die Situation nicht einfacher gemacht. Am Ende bin ich sehr glücklich, aber mit zwei Tränen in den Augen, wieder vom Schulgelände gegangen, und wenn ich könnte - weil zum Beispiel jemand zum Sommer in den Ruhestand geht - würde ich mich direkt wieder dort bewerben. 

Miss u guys!

...so much...

Donnerstag, 16. November 2023

Tag 108 - Ding Dong! (dong... dong... dong... dong...)

Neu und weiß

Ich sollte definitiv häufiger Handwerker oder Elektriker in der Wohnung haben. Das letzte Mal, dass ich einen halben Tag lang durchgearbeitet habe, ist ewig her. 

Die Tür-Klingel-Schließanlage ist in unserem Haus in allen Wohnungen ausgetauscht worden. Als Zeitpunkt wurde per Post vor zwei Wochen heute zwischen acht und sechzehn Uhr angekündigt, und auf die Minute genau waren die Stimmen im Treppenhaus zu hören. Heißt, dass ich mir den Wecker stellen musste, auch weil ich Verantwortung äi käi äi Haustürschlüssel meines Nachbarn für heute übernommen hatte. 

Ich wollte vorher natürlich die ganze Wohnung aufgeräumt haben, aber dann kam The TALOS-Principle II und ich war im Aspi-Heaven. Bin ich immer noch, und die Wohnung ist immer noch rumpelig. 

Dafür habe ich allerdings während der Arbeiten Einiges geschafft, denn die haben sich mehrere Stunden hingezogen. Was genau das Problem war, habe ich nicht mitbekommen, ich habe nur immer wieder aus diversen Etagen und auch an meiner Haustür etwas in Richtung "Ach du Schande" gehört. 

Ich hätte mich vor den Fernseher setzen können. Stattdessen habe ich den Stellenmarkt gesichtet (da kommt momentan eine Menge dazu, oft ist aber DaZ Voraussetzung), ich habe endlich, nach Monaten, den Ständer für den Müllsack repariert (der ist großartig und gut standfest und hält Vieles aus, außer wenn man sich draufsetzt); ich hatte es erst mit Klebeband versucht, und mit Reparaturkleber, bis mir heute dann die Heißklebepistole in der Kammer aufgefallen ist, die da seit Monaten unbenutzt herumsteht. Also ab die Post, versuchen kann ich es ja mal - war eine wackelige Angelegenheit, aber jetzt hängen alle Teile wieder so zusammen, wie sie sollen. Mal sehen, ob es lange hält. Ich werde mich jedenfalls nicht nochmal draufsetzen.

Wäsche abgenommen, Decken gewaschen, Bett neu bezogen (ebenfalls ewig vor mir hergeschoben), Papierberg hinuntergetragen (leider nur einen Teil davon, denn die Tonnen sind voll, aber sobald sie abgeholt werden, wird weiter entrümpelt). Die neunundfünfzig Karten mit den Lojong-Losungen unter dem Tisch hervorgekramt und wieder richtig in ihren Kasten einsortiert, nicht benutzte Konsolen weggeräumt. Das Deutschlandticket als Chipkarte zum Januar bestellt, dazu musste ich allerdings persönlich in der KVG-Verwaltung vorbeischauen, weil einige Formulierungen im Antrag missverständlich waren, zumindest für diesen Aspi. Ich bin gespannt, wann ich die Karte in Händen halten darf - endlich nicht mehr das Papierticket ausdrucken, und Handy ist bei mir ja nicht, wie Ihr wisst.

Und nun habe ich also Einiges geschafft und ein neues Klingeltelefon an der Tür geschaltet. Mal schauen, ob die große Buba und ich damit auch wieder so viel Spaß haben werden (die Überschrift spricht Bände für uns). Und vielleicht kann ich dann ja endlich wieder mit der Person unten sprechen, und es ist weiß, und nicht mehr dieses Siebzigerjahre-Orange-Senfcremefarben, als hätte man es dauervollgeraucht. Außerdem ist die Klingelkonsole am Haupteingang rund um die Uhr beleuchtet.

Ich liebe es!

Freitag, 27. Oktober 2023

Tag 88 - Im Bus


Kleine Anekdote von heute mittag. Ich war im Sophienhof, ich brauchte etwas aus der Apotheke. Das Einkaufszentrum ist gerammelt voll, denn es sind Ferien, es hat genieselregnet und es ist Freitag, die Leute kaufen ein, als gäbe es nach dem Wochenende keine Geschäfte mehr.

Dann stehe ich an der Bushaltestelle, unter dem Dach, denn ich hatte keinen Regenschirm mitgenommen. Gefühlt zweihundert Menschen stehen um mich herum, um sich ebenfalls vor dem Regen zu schützen. Ich warte auf die Zweiundsechzig - und ich wünschte mir so dringend, dass die Zwölf und Dreizehn wieder bis nach Schulensee führen, aber das tun sie momentan nur sonntags sporadisch - und da kommt sie. Ich sehe schon, dass der Bus sehr voll ist, na toll. Ich habe eine Technik entwickelt, durch die ich mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit genau an der Stelle stehe, wo die Eingangstür des Busses ist; so kann ich vor den Anderen einsteigen und vielleicht einen Platz finden.

Aber der Stress war ganz umsonst, es sind fast alle Fahrgäste am Hauptbahnhof ausgestiegen, und so konnte ich mir gleich den Platz rechts am Fenster im vorderen Vierer auf der rechten Seite sichern. Wunderbar!

...wenn da nicht nach und nach Tausende Menschen zusteigen würden; innerhalb kürzester Zeit sind alle Sitzplätze besetzt, der Gang füllt sich, es wird tatsächlich proppevoll. Kein Zusteigen mehr möglich. Kein Gehen mehr möglich. KEIN AUSSTEIGEN MEHR MÖGLICH!!! geht es mir durch den Kopf und ich bereue, den schönen Fensterplatz gewählt zu haben. Wie soll ich nur jemals an der Diesterwegstraße aus dem Bus kommen?

Für Ablenkung sorgt ein weinend-schreiendes Kleinkind im Kinderwagen in der Busmitte. Es weint ununterbrochen. Sehr laut. Immer wieder auf's Neue. Bis eine ältere Dame sich genervt zu dem Kind dreht und sagt: "Was ist denn los? Warum weinst du? Mach' doch die Augen zu! Schlaf' einfach ein bisschen!"

Man sagt ja gern, Autisten haben es nicht so mit der Empathie. Aber da sitzt ein Kleinkind im Kinderwagen, in einem völlig überfüllten Bus, überall riesige Menschen, die von allen Seiten reden. Das Kind ist völlig überfordert und es ist vollkommen natürlich, dass es weint!! Da kann es nicht einfach mal eben die Augen zu machen und schlafen, strategisch sinnvoll, aber nicht realistisch im Kopf eines knapp zweijährigen Mädchens. Wow. Ich habe mich gewundert, wie jemand so einen dummen Kommentar machen konnte. Noch dazu eine Frau mit viel Lebens-, aber vielleicht keiner Kindererfahrung. 

Ich gebe zu, ich habe meine Einschätzung auch erst von der Sannitanic lernen müssen. Aber ich habe mir das sehr zu Herzen genommen, denn ich weiß, wie es ist, inmitten einer Menschenmenge völlig überfordert zu sein - im Sophienhof war ich wieder kurz vor der Tablette zur Beruhigung.

Aber diese Ablenkung hat mir sehr gut getan, denn meine eigene Menschenmassenpanik ist in den Hintergrund gerückt, und so konnte ich den Sinn aufbringen, die Menschen um mich herum zu bitten, mich vorne aussteigen zu lassen. Eine Dame vor mir meinte, sie mache das genauso, weil die Menschen in der Busmitte sich anfühlen wie eine Wand. Da bliebe nur der vordere Ausstieg. Das hat mir mal wieder gezeigt, dass ich mit meinen Problemen nicht allein auf der Welt bin - die Grundessenz der Tonglen-Meditation.

Endlich wieder in der Wohnung!

Montag, 25. September 2023

Tag 56 - Kiel zerlegt sich



Unglaublich, es ploppen immer mehr Baustellen in Kiel auf. Mal merke ich es direkt, weil es vor meiner Haustür ist, mal merke ich es indirekt daran, dass manche Busse Umleitungen fahren oder einige Straßen, die sonst relativ ruhig sind, plötzlich im Berufsverkehr "verstaut" sind. Was bin ich froh, nicht mehr das Auto zu nehmen!

Aber es ist ja schön, dass sich hier endlich was tut. Manche Straßen waren so marode; wenn ich mit der Buslinie Vierzehn zur Schule fahren musste, ging es die Werftstraße runter, und wenn man dann nicht in einem dieser supergefederten Elektrobusse saß, hat das Frühstück (wenn man es denn gegessen hat) eine ordentliche Schleuderpartie bis nach Wellingdorf bekommen.

Zum Glück wird die Werftstraße neu gemacht, und wie spannend das ist: Man sieht bereits Bauvorleistungen für die zukünftige Tramführung in Form von erhöhten Bordsteigen in der Straßenmitte, wo später einmal die Straßenbahnhaltestellen sein werden. Aber bevor ich mich jetzt zu sehr aufrege und freue, erinnere ich mich wieder dran, dass bis Ende Zwanzig Vierundzwanzig in erster Linie Planungen stattfinden, erst ein gutes Stück danach wird es mit den tatsächlichen Bauarbeiten losgehen.

So, nun Termine zurechtlegen, diese Woche muss gut abgepasst sein - Details folgen.

Montag, 10. Juli 2023

Kinder schlagen


Samstag nachmittag, ich sitze in der Vierzehn von Bettendorf zum Hauptbahnhof. Vorne links, hinter der Fahrerin, Einkaufstasche zwischen den Beinen, Logiktrainer auf dem Schoß. Auf den Platz vorne rechts setzt sich eine ältere Dame, Lehrerin im Ruhestand, wie ich erfahre. Sie fängt an, sich mit der Busfahrerin zu unterhalten, und ich kann ihr Gespräch nicht ausblenden. Ich habe mich ein bisschen wie die große Buba mit ihrer selektiven Schwerhörigkeit gefühlt; der Bus war voll, überall wurde geredet, aber dieses eine Gespräch hatte ich vollkommen im Fokus.

"Die Jugendlichen heute werden auch immer unhöflicher. Der junge Mann, der eben hinten eingestiegen ist. Sie haben extra für ihn nochmal gebremst, aber er hat sich nicht einmal bedankt. Frecher, und unerzogen! Die bräuchten mal einen ordentlichen Klaps. Ich habe das während meiner Lehrzeit gemacht, am Anfang, wenn ein Schüler zu ungehorsam war. Mittlerweile darf man das ja nicht mehr! Dann bekommt man eine Dienstaufsichtsbeschwerde!"

Ich bin nicht so gut darin, den Tonfall anderer Menschen richtig zu deuten, aber die Dame war definitiv etwas enttäuscht davon, dass man Kinder heute nicht mehr schlagen darf. Erstmal: Ich habe Verständnis dafür, dass Kinder einen triezen können, bis man explodiert. In der Orientierungsstufe fange ich dann an zu schreien, so laut, dass manche SchülerInnen tatsächlich Angst bekommen. Das ist psychische Gewalt, und es hat mir jedesmal Leid getan, wenn das passiert ist. Ich bin Autist - ich kann nicht anders. Wenn ich von Reizen überflutet und von frechen Kiddies bombardiert werde, dann staut sich Energie an und platzt dann heraus. Ich kann das nachvollziehen.

Aber handgreiflich zu werden - da wäre für mich eine Grenze überschritten. Ich habe noch nie jemanden geschlagen und werde es auch weiterhin nicht tun, nicht einmal "nur eine kleine Ohrfeige", so wie sie damals in meiner Schulzeit mein Biolehrer an einen Mitschüler ausgeteilt hat. Zum Glück haben wir mittlerweile ein Gesetz, dass es verbietet, Kinder zu schlagen. Zum Glück würde so etwas zu einer Dienstaufsichtsbeschwerde führen! 

Die Kiddies sind, wie sie sind. Als Lehrer muss ich an mir arbeiten, um damit umzugehen. Meine Behinderung macht es mir etwas schwerer, aber das Lojong-Training hat schon sehr weit geholfen. Ich darf das nicht an den SchülerInnen auslassen. Sicher mögen manche von ihnen schlecht erzogen sein - aber das ist nicht ihre Schuld! Zu wenig Aufmerksamkeit zuhause, zu wenige Richtlinien, generell zu wenig Zuwendung seitens der Eltern - all' das kann dazu führen.

Lasst es nicht an dem Kind aus.

Freitag, 5. Mai 2023

Mai: Dicht again

Einfach mal aussteigen...

"Nächster Halt: Krusenrotter Weg..."

Heimweg von der Schule. Die ersten Tage nach den Ferien haben mir mal wieder gezeigt, wie gut mir die Arbeit tut, vor den SchülerInnen zu stehen, einen mitunter hektischen Schulalltag zu erleben, das ist tatsächlich schön - auch wenn ich manchmal morgens bei'm Aufstehen noch denke, dass ich nicht in die Schule will. Die Realität weiß dann fast immer zu überzeugen.

Mai. Ich hätte fast wieder vergessen, dass heute ein Feiertag ist - und es stehen noch einige weitere bevor, dazwischen allerdings gespickt mit Konferenzen, Abschlussprüfungen, letzten Klausuren, Arztbesuchen - es wird stressig. Ich habe zwei Abschlussklassen und zwei Oberstufenkurse, da kommt Einiges zusammen. Natürlich kommt dazu mal wieder die Frage, ob ich ab August noch einen Job habe, aber diesmal ist das nicht ganz so sehr mit einem Blues verbunden wie in den letzten Jahren. Liegt vielleicht an den Tabletten.

Seelisch stelle ich mich schonmal darauf ein, dass der Antrag auf Anerkennung einer Schwerbehinderung lange dauern könnte, sehr lange. Eine Kollegin musste letztes Mal dreieinhalb Jahre warten, bis sie überhaupt eine Reaktion auf ihren Antrag bekommen hat. Immerhin hängen meine beruflichen Chancen davon ab, ich könnte also um eine Eilbearbeitung bitten, aber es wird einem frühzeitig klargemacht, dass es dafür keine Garantie gibt. Talk about Barrierefreiheit.

Der Bus hält, und plötzlich steigen um mich herum etwa zwei Drittel der Fahrgäste aus. Das ist ungewöhnlich, denn am Krusenrotter Weg gibt es normalerweise nur zwei oder drei Ein- und Aussteigende. Ich habe mal wieder nicht auf die Ansage geachtet:

"Nächster Halt: Krusenrotter Weg... aufgrund einer Vollsperrung des Waldwiesenkreisels werden die Haltestellen Waldwiese und Diesterwegstraße nicht angefahren. Ersatzhaltestelle ist Gärtnerstraße, oder sie steigen am Wulfsbrook aus und fahren mit den Bussen in entgegengesetzter Richtung zurück."

Den Waldwiesenkreisel zu sperren, kommt einem Super-GAU gleich. Die Hamburger Chaussee, die da durch führt, ist eine viel befahrene Straße, und nun müssen unzählige Autos und Busse einen Umweg über das Rewe-Center nehmen. Die Straßen dort komplett dicht. Viel zu eng für so viele Busse, die dort fröhlich aufgereiht stehen - manchmal zwei Busse der gleichen Linie im Abstand von nur einigen Metern.

Die Baustelle sollte letzte Woche offen sein. Weil es so schön war, hat man diese Woche gleich wieder losgelegt, der Kreisverkehr ist dicht again, und die Rückfahrt aus der Schule dauert nun sechzig anstelle von dreißig Minuten. Eine Geduldsprobe.

Ebenfalls eine Geduldsprobe sind die Abschlussprüfungen, die derzeit in der Schule laufen - ESA, MSA, Deutsch, Mathe und Englisch. Da kommen die kleinen feinen Unterschiede zwischen einer Gemeinschaftsschule und einem Gymnasium zu tragen - ich habe meine Kiddies intensiv zusammengefaltet, dass sie am Prüfungstag um halb acht da zu sein haben, und dass um zehn vor acht die Prüfung beginnt. Wenn dann ein Schüler ohne Nachricht um fünf vor acht eintrudelt, bin ich kurz versucht, den Anteil seiner Höraufgaben in der Prüfung mit null Punkten zu bewerten. Blöd ist das auch deshalb, weil die Anderen aufgeregt sind und endlich starten wollten.

Wenn dann noch während der Prüfung jemand fragt, was man bei der Schreibaufgabe machen soll, oder was diese offenen Halbsätze bei den Leseaufgaben zu bedeuten haben, dann weiß ich nicht, ob ich lachen oder weinen soll. Das kommt nicht unerwartet: Wenn man neunzig Prozent der Unterrichtszeit gefehlt hat und keine der Inhalte nachbearbeitet, weiß man natürlich nichts. Aber scheiß drauf, ist ja nur eine Abschlussprüfung...

Immerhin gab es auch in diesem Jahr wieder die Möglichkeit, eine der drei Hauptfachprüfungen abzuwählen, und so gab es auch einige, die die Englischprüfung gestrichen haben. Klasse, weniger zu korrigieren. Nächste Woche ist dann der mittlere Schulabschluss dran, mit meinem Kurs haben wir ansatzweise Gymnasialniveau, irgendwie gehe ich davon aus, dass ich mir bei ihnen keine so großen Sorgen machen muss. Es sind vielleicht nicht ausschließlich Einserkandidaten, aber die Arbeitshaltung ist (zumindest ein bisschen) anders.

Da tut mir ein wenig Abwechslung zuhause ganz gut, und eventuell gibt es die ab nächster Woche, wenn dann der neue Teil The Legend of Zelda: Tears of the Kingdom erscheint. Bis dahin ist auch hier Einiges zu tun, einen Videogruß für meine Eltern aufnehmen, aufräumen und viel Schlaf eines schlaflosen Wochenbeginns nachholen. Und Konferenzen hier, da, dort.

Ich wünsche Euch viel Energie (die große Buba sagt Edhergighie) und Geduld für die anstehende Zeit!

Samstag, 18. März 2023

Stop. Bewegung.

Wäre schon, aber nein. Noch mindestens zehn Jahre nicht.

Staus sind in Kiel eine Seltenheit, eigentlich. Wenn aber eine Baustelle kommt, dann kann das extreme Auswirkungen haben. Als der Waldwiesenkreisel erneuert wurde, war auf der B Sechsundsiebzig alles dicht. Überflieger am Barkauer Kreuz? Ebenso. 

Irgendwie fühlt es sich an, als würden die Baustellen immer mehr werden, vielleicht ist das aber auch nur meine Wahnehmung. Rund um's Rondeel wird gebaut, jetzt müssen sogar einige Buslinien umgeleitet werden, und vor unserem Haus steht ein Schild, dass die Durchfahrt am Speckenbeker Weg für ein paar Wochen dicht sein wird.

Ich würde ja so gern sagen können, dass ich mich über diese Baustellen freue, denn sie sind erste Zeichen der Kieler Stadtbahn - aber nichts da. Die nächsten zwei Jahre werden erstmal nur mit Planungen verbracht. Von tatsächlichen Baustellen für die neue Straßenbahn sind wir noch meilenweit entfernt, und dann wird es in Kiel richtig chaotisch werden, denn natürlich wird die Stadtbahn auch die Hauptverkehrsadern befahren. 

Da kommt einiges auf uns zu, und ich bin jedesmal ein wenig erleichterter, dass ich kein Auto mehr habe. Ernsthaft!

Und dass ich den Titel dieses Beitrags so formuliert habe, dürfte Filmliebhabern etwas sagen, nämlich dass ich einen für mich neuen stop motion film gesehen habe. Ich weiß nicht, was es ist, aber diese Filmtechnik fasziniert mich. Weil es wirklich wie Zauberei ist, als würde lebloser Modelliermasse ein Leben eingehaucht werden. Coraline (2009) ist einer meiner Lieblingsfilme aus der Ecke, ich kann ihn immer und immer wieder sehen, ohne dass es langweilig wird, und heute gesellt sich ParaNorman (2012) dazu, vom gleichen Studio. 

Das ist eine schöne Abwechslung, bevor es zurück an die Klausuren geht.

post scriptum: Wenn wir hier schon bei stop motion-Filmen sind, möchte ich unbedingt einen empfehlen für alle PädagogInnen, die ihn noch nicht kennen. Nur knapp acht Minuten lang, ohne Sprache, passt perfekt in das Thema "The Individual and Society" und hat nicht ohne Grund einen Academy Award gewonnen - "Balance" (1989)



Mittwoch, 4. Januar 2023

Regentag im Bürokratiergehege


Heute war es grau. Regen von morgens bis abends - das perfekte Wetter für einen Wohnungsputz. Oder aber für einen ausgedehnten Spaziergang. Regenschirm mitgenommen, der war definitiv nötig, Poppy Z. Brites Soul Kitchen dabei für die Busfahrten, die anstehen. Jetzt noch nicht, denn - ich habe keine Busfahrkarte.

Normalerweise kommen die Karten immer quartalsweise hier per Post an; Mitte Dezember hätten sie kommen sollen, aber - nichts. Ich habe mir gedacht, naja, vielleicht wegen Jahreswechsel etwas später, oder die Post braucht länger, und habe nicht weiter drüber nachgedacht. Und dann war irgendwann der zweite Januar und ich konnte nicht mehr Bus fahren. Und ausnahmsweise habe ich den Brief nicht im Chaos meiner Wohnung verschlampt - ich habe jeden Winkel durchsucht und alles dreimal umgedreht.

Der Aspi ruft natürlich nicht bei der KVG an, sondern denkt sich, hmm, es heißt "12er Monatskarte im Abo", vielleicht bedeutet das, dass man wirklich nur zwölf Karten bekommt und dann läuft der Vertrag aus. Das muss es sein - also bestelle ich ein neues Monatskartenabo. Zum Glück fällt das der für die Abonnenten zuständigen Dame auf, und sie schreibt mir eine Mail, um sicherzugehen, dass ich tatsächlich zwei Abos haben möchte. 

Missverständnis aufgeklärt, zweiter Vertrag storniert, und so bin ich heute zur KVG-Verwaltung Werftstraße gewandert, die ich bisher nur als Name einer Bushaltestelle kannte. Innerhalb von fünf Minuten hatte ich meine Ersatzkartem. Auf dem Weg zu besagter Bushaltestelle ist mir fast der Schirm weggeflogen, weitweise war es tatsächlich windig. Warten auf die Zweiundzwanzig, Roman weiterlesen, auf nach Kronshagen.

Dort musste ich nämlich von meinem Hausarzt endlich mal meine Krankschreibungen für die MDG abholen, und dazu noch die beiden Überweisungen an die PIA im FEK in NMS (heute schon das Wordle ausprobiert?). Dann weiter wandern durch den Regen nach Suchsdorf, Rewe am Schneiderkamp, Curry einkaufen und dann in die Einundsechzig, denn die fährt direkt von dort bis vor meine Haustür, knappe Dreiviertelstunde, ich komme im Roman ein gutes Stück weiter.

Ist ein gutes Gefühl, diese ganzen Gänge erledigt zu haben, und es fühlt sich immer noch alles viel befreiter an, seit knapp einer Woche. Ich freue mich auf den Schulstart, morgen sind die Klausurkorrekturen dran, und ein Einlauf für die SchülerInnen muss präpariert werden (und eine besonders helle Schülerin möchte sich Brites Drawing Blood ausleihen - das scheint einige junge hochintelligente Frauen anzusprechen, ist nicht das erste Mal, dass ich das Buch einer Schülerin mitgebe).

Kann weitergehen!

post scriptum: Netflix hat die Serie "1899" nach nur einer Staffel abgesetzt. Das ist das neue Werk der Macher von "Dark", und hätte ein ebenso ästhetisch und intellektuell ansprechendes Werk werden können. Für Netflix sind allerdings die Zuschauerzahlen wichtiger.

Dienstag, 20. September 2022

Hummelwiese

In der Mitte - die Hummelwiese

Als ich vor neunzehn Jahren nach Kronshagen gezogen bin, gab es noch die alte Gablenzbrücke in Kiel - jene Brücke, die die Autos über die Bahngleise hinweg an's Ostufer bringt. Die war alt und modrig, und recht eng. Während meines Studiums hat man dann begonnen, die Brücke und Straße komplett neu zu bauen, diesmal viel breiter. Ich hatte mich damals vom Bus aus immer gefragt, warum das so breit werden sollte; damals wusste ich noch nichts von den Plänen zur Wiedereinführung der Kieler Stadtbahn. Heute ist klar: Wenn grünes Licht für den Bau der Straßenbahn gegeben wird, werden alle Linien über die Gablenzbrücke nach Osten führen, und mit Blick auf die Vollelektrisierung des Kieler ÖPNV ist klar, dass wir da eine Autotrasse und eine Elektrotrasse brauchen, in beide Richtungen. Und das braucht Platz.

damals

Immer, wenn im Bus die Ansage "Nächster Halt: Hummelwiese" kam, wurde ich neugierig, um zu sehen, wie weit der Bau vorangeschritten ist. Ich bin nie an der Hummelwiese ausgestiegen, warum auch, ich bin damals die Buslinien von einem Ende zum anderen abgefahren. Mir war die Bedeutung dieser Bushaltestelle nie klar. Erst seit meiner Wohnung in Hassee weiß ich, dass die Hummelwiese der perfekte Umsteigehalt ist, wenn ich Richtung Kieler Osten möchte. Eine Haltestelle vor dem Hauptbahnhof, und so getaktet, dass man nie lange auf seinen nächsten Bus warten muss. Manchmal sieht man ein paar Leute rennen - denn die Bussteige der Hummelwiese liegen ein Stück auseinander, und manche hetzen, um den richtigen Bus zu erwischen.

Die Hummelwiese ist toll. Natürlich hat sie nichts mit Hummeln zu tun, und sie ist auch keine Wiese. Sie ist ein Hauptverkehrspunkt in Kiel, also ist es da laut und dreckig, Unmengen an festgetretenen Kaugummis und Zigaretten pflastern die Bushaltestelle. Ich finde sie trotzdem toll, denn sie gibt mir zwischen der Linie Zwölf (wahlweise auch Dreizehn, Einundsechzig, Zweiundsechzig, Siebenhundertachtzig und -neunzig) und der Linie Vierzehn oder Fünfzehn einen Moment, die frische Morgenluft einzuatmen, den Logiktrainer herauszuholen und Rätsel zu lösen, dort und während der kommenden Busfahrt.

Nun hat die Hummelwiese also plötzlich eine besondere Bedeutung in meinem Leben, und ich bin schon sehr gespannt, wie es hier aussehen wird, wenn die Straßenbahnen endlich fahren. 

Donnerstag, 10. März 2022

Bus Richtung Frieden


Mittlerweile positioniert sich jeder zum Krieg in der Ukraine, und ich weiß nicht, was ich schreiben soll. Vielleicht, dass es ein Zufall war, dass ich gerade heute zwei Busse der KVG gesehen habe, die statt der üblichen "Dienstfahrt"-Anzeige ein "Stoppt den Krieg!" vorn und an der Seite in Leuchtschrift hatten. Zufall, weil die AYAOTD-Geschichte heute in der Schule sich ausgerechnet Neunzehnachtundsechzig zugetragen hat - Flower Power und Peace-Generation. War ein großartiger Gesprächsanlass.

Vielleicht darüber, dass die ersten Flüchtlinge bei uns eintreffen - "uns" heißt Kollegen, die sich einsetzen, oder eben jene KVG. Und darüber, dass ich den Horror kaum mitansehen kann - wenn Putin Fluchtkorridore einrichtet und diese dann bombardieren lässt. Wenn er Krankenhäuser zerstören lässt. 

Dieser komische kleine Mann an seinem überlangen Tisch, an dem selbst "Vertraute" fünfzig Meter entfernt sitzen (die Buba spült und sagt "pfömpfzig"). Ich muss an Stauffenberg denken - und dabei habe ich keine Ahnung von Geschichte. Scheint, als ob die wesentlichen Punkte irgendwie hängenbleiben. 

Und ich finde den Vergleich erwähnenswert: Die USA und die Ukraine haben beziehungsweise hatten einen TV-Entertainer zum Präsidenten (wer es noch nicht gehört hat - Selensky war Comedian, und Trump Vollidiot). Der eine allerdings ist feige, behäbig, eine Schande für sein Volk - und der andere mutig, leichtsinnig, unterstützt sein Volk. Ich kann mir lebhaft vorstellen, wie Trump sich in Selenskys Situation mit einer Tüte Hamburger und einem Fernseher in Sicherheit hätte fliegen lassen.

Keine Ahnung. Jeder Tag Krieg ist einer zu viel. Aber das ist leider typisch menschlich: Angst, Aggression, Misstrauen, Waffen, Neid - das steckt in jedem von uns. Immerhin hat das Lojong-Training das Ziel, dem nicht nachzugeben. Deswegen interessiere ich mich dafür.

Freitag, 31. Dezember 2021

Ter Perforatus


Hey die große Buba!

Ich hoffe, Du nimmst es mir nicht übel, dass wir gestern mit einem Cliffhanger geendet haben. Das war pure Absicht, und irgendwie bereitet es mir sogar eine biestige Freude - dass wir beide nicht wissen, ob Peter Olivia direkt darauf ansprechen wird (wir schauen Fringe), oder ob er erstmal den Schein wahrt, um zu planen. Dass Du heute keine Fortsetzung bekommst. Dass Du mindestens bis morgen Abend warten musst. Aber es bereitet mir auch deswegen Freude, weil auf diese Weise Dein Gefühl verlängert wird: Das Gefühl von Spannung, Aufregung, Involviertheit. Du hast mehr Zeit, um aus Deinem Autorenherz neue Weiterentwicklungen der Geschichte sprießen zu lassen - als Aspi gehe ich immer alle möglichen Entwicklungen vorher durch, um nicht überrascht zu werden; das geht automatisch und versaut einem manchmal tolle WOW-Momente. Also genieße diese Zeit, überlege Dir, wie unsere "Familie" wohl mit ihrer derzeitigen Situation umgehen wird.

Ich war heute unterwegs zur dritten Impfung - sehr drollig, Thema Bus: Termin war um Zwölf Uhr Dreißig, also verlasse ich um zehn Minuten vor Zwölf meine Wohnung, um den Bus zum Schwedenkai zu nehmen. Angezeigt wird mir, dass der nächste Bus in fünfundzwanzig Minuten kommt - scheinbar gilt heute der Feiertags-Fahrplan?! Ich hätte mich ja auch mal informieren können und nicht einfach logisch denken "Heute ist ein ganz normaler Arbeitstag, da gilt der reguläre Plan". Und ich wollte auf keinen Fall zu spät kommen ("Seien Sie pünktlich da, erscheinen aber nicht vorzeitig" war die ausgedruckte Anweisung, und daran halte ich mich) - also blieb nur der Fußmarsch.

Und so bin ich heute also im T-Shirt (das sollte ich laut Anleitung tragen) und Jacke durch den Regen von mir zuhause bis runter an den Schwedenkai gewandert, das sind keine drei Kilometer, etwa eine halbe Stunde, und Bewegung tut meinem Rücken grad gut. Angst, dass alle Formulare vom Regen durchweichen, nützt nichts, jetzt oder nie. Zum Glück hatte ich den Regenschirm dabei. Und so bin ich also angekommen, mit dem Fahrstuhl so hochgefahren, wie ich dat brauche, nämlich zum Impfzentrum.

Das lief alles wunderbar, ich lege meine Zettel vor, zeige meine KV-Karte, aber der junge Mann an der Annahme möchte gern meinen Personalausweis sehen. Den habe ich vor Wochen irgendwo liegen gelassen (liebe Eltern, bitte NICHT anrufen, ich kümmere mich drum!), aber die Anleitung sagte mir, dass die Versichertenkarte mit Bild geht. Das wusste der junge Mann dort nicht, whatever, rein, Schirm wegstellen, Jacke aus. Dank T-Shirt ist keine Krempelei nötig. Dann erzähle ich der Ärztin, warum ich so nass bin - die Busgeschichte - und sie erzählt mir freudig, dass sie heute ganz regulär mit dem Bus zum Zentrum fahren konnte. What the what. Mein Gehirn versucht das zu verstehen, ich nehme den Pieks überhaupt nicht wahr, weil ich total überfordert bin. 

Zum Glück unterhalten wir uns ganz lustig weiter, ich frage sie noch, ob ich am Ende der Wartezeit aufgerufen werde oder ob ich nach fünfzehn Minuten selbständig zum Ausgang gehen soll. Ich erzähle ihr die Geschichte von meinem Bruder, der ebenfalls Aspi ist - jedenfalls bin ich davon felsenfest überzeugt, er muss das nur noch selbst realisieren - und der eine halbe Stunde lang am Ausgang darauf gewartet hat, dass sein Name aufgerufen wurde; vollkommen logisch, denn bei den ersten beiden Impfungen wurde er (wie ich) ja auch mit Namen aufgerufen.

Ich sollte mir einen Satz in meinen Methodenkoffer legen: "Entschuldigen sie bitte, ich bin Autist, ich brauche eine ganz genaue Anweisung, wie das hier abläuft und wie ich mich hier verhalten soll." Ich habe diesen Satz mittlerweile mehrfach benutzt - bei der Hand-OP zum Beispiel - und er hilft ungemein. Das macht es alles so viel einfacher! Ich sollte auch weiterhin offen mit meiner Autismus-Spektrums-Störung umgehen.

Genau so, wie eine etwas ältere Dame mit ihrer Angst offen umgegangen ist: Sie stand am Ausgang allein am Fahrstuhl und hat mich gefragt, ob ich sie mit in den Fahrstuhl nehme, denn allein traut sie sich nicht rein. Was für ein wunderbares Gespräch sich daraus ergeben hat! Nur eine Etage lang, aber erleuchtend, und dann öffnet sich die Tür des Fahrstuhls und ich stehe einer vier Meter langen Warteschlange gegenüber. Fühlt sich an wie in der Twilight Zone...

...aber der Gedanke verfliegt schnell, denn es regnet draußen und ich muss den Schirm aufspannen. Der Schirm. Wo ist der Schirm? (Erinnerungen an Lola Rennt) Bei der Ärztin, wunderbar, ich war so überfordert, dass ich daran nicht mehr gedacht habe. Whatever, nichts ist entspannender als das anzunehmen, was kommt, und so bin ich durch den Regen gegangen und schirmlos-nass, aber glücklich zuhause angekommen.

Boob, Du liest, ich wehbe noch. Morgen Abend erwartet uns die nächste Folge Fringe, und damit Dein Gehirn ein bisschen Spaß haben kann, sage ich Dir schonmal den Titel, denn der kann Gedankenzüge auslösen:

Entrada.

Donnerstag, 12. August 2021

A pretty shitty day


Also. Zuerst einmal bedanke ich mich bei Euch für die Glückwünsche zu meinem Geburtstag gestern. Das tue ich, "weil man das eben so macht"; nicht, weil ich es nachvollziehen könnte. Ist nett gemeint, und deswegen freue ich mich doch drüber. Aber, wie die große Buba nochmal herausgepointed hat - es macht überhaupt nichts, wenn jemand meinen Geburtstag vergisst.

Dieses Jahr war der Tag aber besonders mies. Zum ersten Mal seit vielen Jahren lag er auf einem Schultag. Geht gar nicht: Normalerweise mache ich mir den Tag genau so zurecht, wie es mir passt - ein wunderbarer Meditationstag. Geht dieses Jahr nicht, denn ich bin in der Schule - und laufe den Vormittag über mit gesenktem Kopf herum, in der Hoffnung, dass mir niemand gratuliert, und immerhin: Das hat geklappt. 

Aber ein Schultag ist ein Schultag. Ich kann nicht nach der letzten Stunde abschalten und auf Genuss umstellen. Also einfach nur Schulvorbereitungen und weiteres Verharren vor den vielen Dingen, die ich eigentlich in der Wohnung erledigen müsste (vielleicht klappt es ja morgen, damit ich nicht ein totales Schlachtfeld zurücklasse, wenn ich zu meinen Eltern an die Westküste fahre). Der Tag war also ziemlich scheiße, wobei nach Meditation und Tee am Abend immerhin wieder etwas Motivation zurückgekehrt ist.

Wobei... eine Geburtstagsüberraschung gab es dann doch, die mich fasziniert und zum Strahlen gebracht hat: Auf der Hamburger Chaussee hat es gekracht, und zwar richtig: Fahrzeuge verkeilt, ein Bus, der losgeschnitten werden musste, acht Feuerwehr- und drei Polizeifahrzeuge, die Straße komplett gesperrt, Verkehrschaos, Stau im Viertel. Hübsche Polizisten. Damit war meine Busfahrt in die City natürlich unmöglich, also bin ich zu Fuß gegangen, und das war richtig schön. Mitten durch das Verkehrschaos wandern, überall die Warnlichter, ich tiefenentspannt. 

Das scheint sich zu einem Trend zu entwickeln - ist noch gar nicht so lange her, da ist ein Bus in die Bushaltestelle Diesterwegstraße gefahren und hat die Scheiben zerkrümelt. Wer weiß, vielleicht liegt irgendwo hier ja doch der Abgrund der Hölle...

Samstag, 20. März 2021

Universal Serial Bus-Bus

So ähnlich sieht der USB-Bus aus

Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie in Kieler Bussen die Benutzung von Handys untersagt war. Das war noch im Studium, vor vielen Jahren, die unter-Achtzigjährigen werden sich daran wohl nicht mehr erinnern. Für mich war das nie ein Problem, klar, aber es gab immer wieder Fahrgäste, die sich lautstark darüber beschwert haben, wenn der Busfahrer nach hinten gerufen hat, man solle bitte das schnurlose Telefon abschalten.

Die Zeiten haben sich geändert (ich verzichte diesmal auf meine recht dämliche lateinische Verballhornung tempores mutantur, die zudem im falschen tempus steht) - neulich bin ich zum ersten Mal in einem Bus der Linie Siebenhundertneunzig gefahren, das ist eine der beiden nah.SH-Linien, die nun nach Flintbek führen. Das sind diese Busse in türkiser und dunkelblauer Farbe, sehr schick, und sie haben über den gesamten Innenraum verteilt USB-Anschlüsse. Wenn ich das richtig gesehen habe, sind es genug, dass theoretisch für jeden Sitzplatz einer dieser Anschlüsse zur Verfügung steht. 

Das finde ich faszinierend: Während früher Handys im Bus tabu waren, bekommt man heute die Gelegenheit, sie im Bus aufzuladen, oder eine USB-Leselampe anzuschließen, oder ein USB-Feuerzeug, oder einen USB-Ventilator (der Sommer kann kommen), oder einen USB-Tischgrill mit Spülmaschine (falls die fette Schnecke durch das Land rollt) und was der Dinge mehr sind. Ich staune derweil sowieso darüber, wie viele Dinge in meiner Wohnung mittlerweile per USB-Anschluss ihre Stromversorgung erhalten - eine interessante Entwicklung, und einige meiner Steckdosen zuhause sind inzwischen mit USB-Adaptern ausgestattet. 

Dauert nicht mehr lange, dann halte ich meinen Distanzunterricht im USB-Bus ab.

Freitag, 5. März 2021

What the Bus?!


Einer der Vorteile des ÖPNV für Aspis ist, dass sich das Liniennetz selten ändert. Irgendwann kenne ich alle Linien und kann die Haltestellen mitsprechen, das ist unglaublich beruhigend. Deswegen habe ich auch das S-Bahn-Fahren in Berlin und Hamburg immer so genossen - ich weiß genau, wie die Fahrstrecke aussieht, kann alles vorhersehen, keine spontanen Änderungen. Das gilt auch für das Busnetz der KVG.

Umso deutlicher ist es mir heute aufgefallen, als die Ansagestimme "Bootshafen - Impfzentrum Schwedenkai" verlauten ließ. Das hat mich komplett aus der Bahn geworfen, denn ich war seelisch nur auf "Bootshafen" vorbereitet, so wie in den letzten Jahren auch. Davor war es Berliner Platz. Das hat mir vor Augen geführt, dass meine Impfung gegen das Coronavirus so langsam naht. Ich gehöre zur Prioritätsgruppe Zwei, in der unter anderem Lehrkräfte verordnet sind. So kann ich ab dem neunten März einen Impftermin buchen.

Ich hoffe, das klappt, denn ich möchte mich tatsächlich so schnell wie möglich impfen lassen, völlig egal, welcher Wirkstoff - es wird wohl auf AstraZeneca hinauslaufen, weil davon noch so viele Dosen ungenutzt geblieben sind.

Wie sieht es bei Euch aus? Hat die Impfung Priorität oder rangiert sie eher in zweiter Reihe?