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Freitag, 14. November 2025

Durch den Regen

Wo ist dieses schöne Wetter???

Ich hatte hier im Blog schon einmal berichtet, dass ich die E-Rezepte für Medikamente eigentlich ziemlich gut finde. Man braucht nur noch die Karte der Krankenversicherung, und gerade bei Folgerezepten ist es praktisch, wenn man einmal bei'm Arzt anrufen kann und aus der Distanz eine Verschreibung erhält - heute wäre es praktisch gewesen, denn leider haben nicht alle Ärzte auf das E-Rezept umgestellt. Dafür mag es sicherlich gute Gründe geben, aber es führt eben dazu, dass ich heute für ein Rezept aus dem Haus musste.

Und die Wohnung zu verlassen, bei diesem grauen Wetter - es hat den ganzen Tag geregnet - das gibt meiner Stimmung einen Dämpfer und ich fühle mich kalt und nass. Das Gute daran: Ich freue mich umso mehr, am Ende wieder zurück in meine Wohnung zu kommen. So habe ich heute morgen den Wecker gestellt und bin nach Neumünster gefahren. Das Deutschland-Ticket macht es einfach, und ich finde es wirklich toll.

Dabei wäre der Aufwand theoretisch gar nicht nötig gewesen, denn ich hatte mit dem Friedrich-Ebert-Krankenhaus schon vor zwei Wochen Kontakt, und vor zwei Wochen haben sie das Rezept per Post an mich geschickt. Leider hat die Post ein schlechtes Jahr, und so ist der Brief mit dem Rezept nicht bei mir angekommen, genau wie zwei Briefe meiner Eltern. Da bleibt dann nur der persönliche Besuch, eine kleine Stippvisite bei meinem Psychiater, um das rosa Rezept dann in den Händen halten zu können.

Regen in Kiel, Regen auf der Zugfahrt, Regen in Neumünster. Zum Glück hatte ich den Regenschirm mitgenommen, und diesmal nicht irgendwo liegen gelassen. Der angenehmste Teil der Reise war die Odyssee durch das Krankenhaus, denn das ist groß und labyrinthartig verzweigt, aber immerhin warm und trocken und gut ausgeschildert. So hatte ich dann eine halbe Stunde später das Rezept in Händen, wollte mit dem Bus zurück zum Bahnhof fahren und habe nochmal zehn Minuten im Regen gewartet.

Dann kam der Bus, aber ist dann in den dichten Verkehr geraten, Stau, wohin man blickt. Also bin ich an der nächsten Haltestelle ausgestiegen - zu Fuß dürfte es deutlich schneller gehen. Und dann sehe ich am Bahnhof schon den Zug auf dem Gleis stehen, gehe etwas schneller, damit ich den Zug vielleicht noch bekomme, allredings kann man sich auf die Verspätungen bei der Deutschen Bahn verlassen: Der Zug stand schon über zehn Minuten auf dem Gleis und musste weiter warten, weil er mit einer halben Stunde Verspätung den Bahnhof verlassen sollte. Da kam bereits der nächste Regionalexpress Richtung Kiel, und laut Anzeige sollte der vor dem wartenden Zug abfahren, also gehe ich - wie auch einige andere Fahrgäste - vom einen Zug über den Bahnsteig zum anderen. Endlich sitzen, trocken, warm, jetzt rückt das Ziel in greifbare Nähe... oder auch nicht. Denn ich sehe durch das Fenster, wie der andere Zug nach Kiel zuerst abfährt, und dieser hier noch eine Verspätung von fünfzehn Minuten aufbauen sollte.

Nichts ist entspannender, als das anzunehmen, was kommt, so sagt der Dalai Lama, und er hat recht. Ich bin ja nicht auf der Flucht, ich muss nur noch irgendwie nach Kiel kommen, irgendwie in eine Apotheke gelangen, um das Rezept einzulösen (Panik: Haben sie das Medikament von dem Hersteller, den ich sonst immer habe? Für den Autisten ist das ziemlich wichtig, und in diesem Fall ist ratiopharm nicht die bessere Alternative). Und dann in einen überfüllten Bus steigen, um zurück zur Wohnung zu kommen, während es draußen immer weiter regnet.

Als ich dann in der Wohnung angekommen war, hatte ich zwei positive Impulse. Der eine ist natürlich die Rückkehr in meinen gesicherten Raum, in dem ich mich wohlfühlen kann. Der andere ist ein Bild in meinen Gedanken von meinem Psychiater, den ich heute unerwartet getroffen habe (ich dachte, dass irgendein anderer verfügbarer Arzt das Rezept ausstellt) - ich freue mich immer sehr, ihn zu sehen und mit ihm zu reden, selbst wenn es heute nur kurz im Flur gewesen ist. 

Jetzt bin ich einfach froh, wieder in der warmen Wohnung zu sein, medikamententechnisch ausgestattet zu sein, Fischstäbchen im Ofen zu haben und zum Abschluss des Tages die herrliche SciFi-Komödie The World's End zu schauen. Einfach abschalten - morgen kann die Arbeit dann weitergehen ;-) 

Sonntag, 10. März 2024

Skype mit Mama

Mama und Papa damals 👪

Ich weiß nicht, wie es sich anfühlt, eine Mutter zu sein. Was man hört, gibt immerhin schon einen Eindruck, aber ich - Autist eben - kann mir das Unbekannte nicht vorstellen. Einige gute Filme haben mir schon Einiges darüber berichtet, und ein Naturfilmer, den ich auf Youtube verfolge, filmt jedes Jahr diverse Eulen-, Turmfalken- und was weiß ich-Paare, die in verschiedenen Nestern und Astlöchern auf seinem Grundstück brüten, schneidet dann nach der Saison alles zusammen (die Videos) und versieht es mit einer schönen Story im voice-over, und da kann ich dann sehen und miterleben, wie die Eltern von Tieren sich so verhalten, und das bringt mir Einiges bei.

Es ist jedesmal wieder interessant zu erleben, wie liebevoll sich manche Tiere um ihren Nachwuchs kümmern. Bei den Eulen - wie bei vielen Anderen auch - kommt dann irgendwann der Moment, in dem die Jungtiere im Nest auf und ab hopsen, die Flügel ausbreiten und unruhig werden, und zack, irgendwann sind sie flügge und je nach Tierart für immer weg.

Wie muss sich das für eine Mutter anfühlen, wenn die Kinder "flügge" sind? Als meine Eltern meine beiden älteren Brüder in das Studium entlassen haben, war immerhin noch ich da, den sie betüddeln konnten, aber vier Jahre später war ich dann auch weg - und egal, wie oft Mama mir sagt, dass sie mich vermisst oder so gern mehr von mir hören oder sehen würde, konnte ich mir das nie vorstellen - und gerade in dieser ständigen Jobwechselphase habe ich mich auch von ihr weiter abgekappt und die Kommunikation bestand größtenteils aus Mails. Da ich kein Smartphone habe, kam auch sowas wie facetime nie in Frage.

Insofern ist es überraschend, dass mir vor ein paar Wochen wieder Skype eingefallen ist. Ich habe das Programm zur Videotelefonie zum ersten Mal im Studium kennen gelernt. Damals war es ein Segen, weil ich Kontakt mit Menschen aufnehmen konnte, die ähnliche Interessen oder Vorlieben hatten wie ich, ohne dass ich sie "direkt" ansprechen musste, und gerade als Mensch mit special interest ist das ein Segen. Wusstet Ihr, dass IRC (die erste Chatmöglichkeit per Internet) zu einem Großteil von Schwulen genutzt wurde? Sie haben versucht, Anschluss zu finden, weil die Mitmenschen draußen dem Thema so feindlich gegenüber eingestellt waren und auch immer noch sind.

Dann hatte ich irgendwann ein gut vernetztes soziales Leben in der Realität und Skype ist wieder in den Hintergrund geraten, und für mich für viele Jahre in Vergessenheit. Dann irgendwann die Frage, warum ich das nicht nutze, damit Mama und ich uns sehen können, ohne dass ich die Sicherheit meiner Wohnung verlassen muss? Seither haben wir immer sonntags um fünfzehn Uhr - mal etwas früher oder später - einen Termin; vor einer Viertelstunde war unser letzter Anruf zu Ende. Und ich fühle mich dabei immer so gut, wenn ich Mama sehen kann und wir über alles reden, was wir uns die Woche über auf unseren Zetteln aufgeschrieben haben. 

Eine Stunde, das ist genau die richtige Zeit, da fühle ich mich wohl, Mama macht sich ihre Zigarette an, ich trinke meinen Tee und wir reden ganz entspannt, und unter der Woche muss ich kein schlechtes Gewissen mehr haben, dass ich mich so lange nicht gemeldet habe - denn das hat mich tatsächlich oft belastet. 

Skype wiederentdeckt - Familie Hilarius glücklich!

Montag, 18. Dezember 2023

Tag 140 - Letzte Woche!


Liebe KollegInnen,

auf geht's in die letzte Schulwoche des Jahres! Ich meine mich zu erinnern, dass ich trotz der eher kurzen Schulzeiten vor den Herbst- und Weihnachtsferien trotzdem am letzten Schultag ferienreif war. Ich bin auch diesmal wieder ferienreif, aber auf eine andere Art und Weise: Am Wochenende kommt die große Buba, das wird auch Zeit, langsam stellen sich Entzugserscheinungen ein. Ebenfalls am Wochenende geht's zur Familie an die Westküste, damit man sich mal sehen kann, Neuigkeiten austauschen und so. Und eigentlich hatte ich mir vorgenommen, am ersten Feiertag mal mit einem meiner Brüder zu reden - auch auf'm Spektrum, wahrscheinlich - aber das muss noch etwas warten, denn ich habe in meinem eigenen Leben gerade wieder ein bisschen zu verarbeiten.

Das ist jetzt die Phase, in der Vertretungen für das zweite Halbjahr gesucht werden. Auch Planstellen sind reichlich verfügbar, sogar mit Englisch, aber sie liegen mal wieder alle im Hamburger Raum. Ich werde nicht von hier wegziehen. 

Was ich irre finde: Eine Schule hat "Englisch, beliebig" ausgeschrieben, also beliebiges zweites Fach. In der Ausschreibung steht dann aber unten etwas in der Art: "Wenn sich niemand mit Englisch bewirbt, wäre Geographie, Biologie (etc.) zu wünschen." Toll. Wenn ich nun aber Biolehrer wäre, würde mir diese Stelle nicht angezeigt werden, weil in der Fächerauswahl ja Englisch steht. Ich habe ernsthaft überlegt, ob ich mir alle Planstellenausschreibungen in Kiel durchschauen soll, fachunabhängig, ob es da nicht etwas Ähnliches gibt. "Zur Not nehmen wir auch Englisch" ^^

Und: Ich habe endlich mein neues Deutschlandticket als Chipkarte bestellt! Und für den Januar dann doch wieder nur als Papierfahrkarte bekommen, weil die Kartenerstellung zu lange dauert. Ich möchte doch einfach nur als Mensch ohne Smartphone am Leben teilnehmen können, aber das wird mit der Zeit immer schwieriger.

Derlei Gedanken treiben mich langsam Richtung Wochenende. Durchhalten, noch ein paar Tage Unterrrichtsstress, dann habt Ihr es geschafft!

Donnerstag, 16. November 2023

Tag 108 - Ding Dong! (dong... dong... dong... dong...)

Neu und weiß

Ich sollte definitiv häufiger Handwerker oder Elektriker in der Wohnung haben. Das letzte Mal, dass ich einen halben Tag lang durchgearbeitet habe, ist ewig her. 

Die Tür-Klingel-Schließanlage ist in unserem Haus in allen Wohnungen ausgetauscht worden. Als Zeitpunkt wurde per Post vor zwei Wochen heute zwischen acht und sechzehn Uhr angekündigt, und auf die Minute genau waren die Stimmen im Treppenhaus zu hören. Heißt, dass ich mir den Wecker stellen musste, auch weil ich Verantwortung äi käi äi Haustürschlüssel meines Nachbarn für heute übernommen hatte. 

Ich wollte vorher natürlich die ganze Wohnung aufgeräumt haben, aber dann kam The TALOS-Principle II und ich war im Aspi-Heaven. Bin ich immer noch, und die Wohnung ist immer noch rumpelig. 

Dafür habe ich allerdings während der Arbeiten Einiges geschafft, denn die haben sich mehrere Stunden hingezogen. Was genau das Problem war, habe ich nicht mitbekommen, ich habe nur immer wieder aus diversen Etagen und auch an meiner Haustür etwas in Richtung "Ach du Schande" gehört. 

Ich hätte mich vor den Fernseher setzen können. Stattdessen habe ich den Stellenmarkt gesichtet (da kommt momentan eine Menge dazu, oft ist aber DaZ Voraussetzung), ich habe endlich, nach Monaten, den Ständer für den Müllsack repariert (der ist großartig und gut standfest und hält Vieles aus, außer wenn man sich draufsetzt); ich hatte es erst mit Klebeband versucht, und mit Reparaturkleber, bis mir heute dann die Heißklebepistole in der Kammer aufgefallen ist, die da seit Monaten unbenutzt herumsteht. Also ab die Post, versuchen kann ich es ja mal - war eine wackelige Angelegenheit, aber jetzt hängen alle Teile wieder so zusammen, wie sie sollen. Mal sehen, ob es lange hält. Ich werde mich jedenfalls nicht nochmal draufsetzen.

Wäsche abgenommen, Decken gewaschen, Bett neu bezogen (ebenfalls ewig vor mir hergeschoben), Papierberg hinuntergetragen (leider nur einen Teil davon, denn die Tonnen sind voll, aber sobald sie abgeholt werden, wird weiter entrümpelt). Die neunundfünfzig Karten mit den Lojong-Losungen unter dem Tisch hervorgekramt und wieder richtig in ihren Kasten einsortiert, nicht benutzte Konsolen weggeräumt. Das Deutschlandticket als Chipkarte zum Januar bestellt, dazu musste ich allerdings persönlich in der KVG-Verwaltung vorbeischauen, weil einige Formulierungen im Antrag missverständlich waren, zumindest für diesen Aspi. Ich bin gespannt, wann ich die Karte in Händen halten darf - endlich nicht mehr das Papierticket ausdrucken, und Handy ist bei mir ja nicht, wie Ihr wisst.

Und nun habe ich also Einiges geschafft und ein neues Klingeltelefon an der Tür geschaltet. Mal schauen, ob die große Buba und ich damit auch wieder so viel Spaß haben werden (die Überschrift spricht Bände für uns). Und vielleicht kann ich dann ja endlich wieder mit der Person unten sprechen, und es ist weiß, und nicht mehr dieses Siebzigerjahre-Orange-Senfcremefarben, als hätte man es dauervollgeraucht. Außerdem ist die Klingelkonsole am Haupteingang rund um die Uhr beleuchtet.

Ich liebe es!

Donnerstag, 2. November 2023

Tag 94 - Indiana Jones und der Fluch der CGI


Indiana Jones war für mich immer ein aufregendes Abenteuer, egal ob als Film oder in Folge als Videospiel (interessant, wie Tomb Raider dieses Konzept umgedreht hat, als Videospiel gestartet ist und nun auch als Filmreihe existiert, inklusive Geschlechtsumkehrung). Der B-Movie-Charakter, die Mischung aus Actionsequenzen und Rätseln, das Erforschen alter Ruinen und ein Hauch des Übernatürlichen. Kein Anspruch auf Realismus, sondern einfach einmal in ein Abenteuer fallen lassen. Nicht viel Nachdenken müssen, tolle Schauplätze erleben.

Nun habe ich vor Kurzem den fünften und letzten Teil der Reihe gesehen, Indiana Jones and the Dial of Destiny (2023). Nur leichte Spoiler hier für diejenigen, die ihn noch sehen wollen. Wenn ich es genau betrachte, ist der Film nicht schlecht. Er hat das, was die anderen Teile auch haben: Actionsequenzen (auch wenn ein Pferdegalopp durch U-Bahn-Tunnel meine suspension of disbelief arg strapaziert), mythologische Artefakte, trashige Dialoge, eine wilde weibliche Partnerin, ein größenwahnsinniger Antagonist (gespielt von Mads Mikkelsen, den ich seit Hannibal (2013-2015) für einen faszinierenden Schauspieler halte, grenzenlos verschwendet in Casino Royale (2006)), Wissenschaftler, aber natürlich spielt auch der Krieg wieder eine Rolle. Und auch einen positiv wahnsinnigen Wissenschaftler haben wir, herrlich nerdig gespielt von Toby Jones, der für solche Rollen prädestiniert ist.

Der Plot ist vollkommen absurd, aber das macht nichts. Altphilologen, -geschichtlern und Archäologen wird sich der Magen umdrehen, wenn sie sehen, was hier mit der Antikythera des Archimedes angestellt wird, aber gerade diese Albernheit macht den Spaß bei Indy aus. Also sollte es doch ein tolles Finale für eine wunderbar unterhaltende Reihe sein, oder?

Wären da nicht die Spezialeffekte. Ausgerechnet! Spielberg hat das damals alles per Hand gemacht, echte Requisiten, echte Stunts. Ein erschreckend hoher Anteil des neuen Films wurde per CGI gemacht - ich hätte nichts dagegen, wenn es mir nicht ständig in's Auge springen würde, dass es Spezialeffekte sind. Sie sind teilweise grottenschlecht choreographiert (Autofahrt), teilweise schlecht animiert (eine bestimmte Kriegsszene) und schlecht mit dem Sound abgestimmt. Harrison Ford wurde für den Prolog per Computer verjüngt, einigermaßen in Ordnung, aber die Stimme passt nicht, und sofort tritt der Effekt des uncanny valley auf. Er bewirkt, dass ich realisiere, dass das da auf dem Bildschirm nicht echt ist. Dass ich nur einen Film sehe. Immersionsfaktor null.

Und das ist so schade, denn eigentlich hat dieser Film Herz. Er hat ein tolles Ende, rundet die Reihe inhaltlich perfekt ab, Mads Mikkelsen ist ein charismatischer Gegner, und wenngleich es etwas zu lange dauert (der Film ist gefühlt eine Dreiviertelstunde zu lang), bis wir endlich zu den Abenteuer-Ausgrabungen kommen (davor eine Actionsequenz nach der anderen, mit oben erwähnter mittelmäßiger und stark schwankender Qualität), ist es für mich trotzdem ein schönes Erlebnis gewesen. 

Ich war nur echt baff, dass man in einer Zeit grandioser Spezialeffekte so einen Scheiß bauen kann.

Hat jemand von Euch ihn gesehen?

post scriptum: Welch' Gegensatz. Ich sehe mir gerade Alex Garlands Miniserie "Devs" (2020) an. Mal von seinem jüngsten Werk "Men" (2022) abgesehen, sind seine Science Fiction-Werke echte Kunstwerke. Viel Auge für's Detail. Brillante Spezialeffekte. Hochglanz, und alles wirkt echt. Garlands Werke bringen mich zum Nachdenken (er hat von Tarkovsky gelernt). Nichts mit uncanny valley - und dann frage ich mich, ob die Macher des fünften Indy-Filmes absichtlich schlechte CGI verbaut haben? In einem Versuch, dem B-Movie-Charme nachzueifern?

Wer weiß?

Montag, 26. Juni 2023

Die Diktierfunktion

Erstaunlich sexistischer Aufkleber.

"Moin moin,

bei wem bin euch hat Lara S. Englisch. 

Grüße von ..."

Es muss einfach alles immer schneller gehen, und die Menschen werden schreibfaul (Gehst du Rewe?). Tippen kostet Zeit, und eigentlich will man sich gar nicht darauf konzentrieren müssen. Also benutzt man die Diktierfunktion, die wie Pilze überall aus dem Boden schießt. Bei den Suchmaschinen, Fernbedienungen, Spielekonsolen, you name it.

Eigentlich eine geile Sache, aber ich traue dem Braten nicht. Es ist schon so oft vorgekommen, dass meine Amazon prime-Fernbedienung irgendwelchen Käse vorgeschlagen hat, nach dem Muster: "Der Exorzist." - "Ja, hier habe ich Countrymusik, die auf Amazon prime verfügbar ist." Und jetzt sagt mir bloß nicht, Euch sei sowas noch nie passiert. 

Deswegen benutze ich diese Diktierfunktion gar nicht mehr. Es ist ja nicht nur, dass die blöde Kuh mir dann die Countrymusik anzeigt, sondern sie wird auch direkt abgespielt, und wenn ich auf "zurück" drücke, läuft der Scheiß einfach weiter im Hintergrund. Ich kann mich auf diese Funktion nicht verlassen, und hier kommt wieder der Aspi: Ich habe Angst, dass sie mich missversteht, das ist ein Ungewissheitsfaktor, also bleibe ich bei'm guten alten Tippen.

Ein Gutes hat die Funktion allerdings - sie kann in unerwarteten Momenten willkommenen comic relief bescheren, wie zum Beispiel bei einer Mail aus dem Kollegium. Ich bin vor Lachen (die große Buba sagt Kachen) fast gestorben, nicht zuletzt, weil mir nicht in den Kopf gehen will, wie man statt "von" "bin" verstehen kann. 

Ich geh' Film.

post scriptum: Ich meine mich an gewisse Studien zu erinnern, die einen positiven Effekt von Schreiben auf die Entwicklung des Gehirns postulierten. In einer Zeit, in der Tafelbilder nicht mehr abgeschrieben, sondern abfotografiert werden, frage ich mich, was das irgendwann mit unserer Sprache macht...

Freitag, 13. Januar 2023

Hochauflösend

Jetzt noch leuchtender, phantasmagorischer, unheimlicher...

Die erste Schulwoche und ich bräuchte eigentlich ein doppeltes Wochenende, um alle Eindrücke abzuarbeiten. Scheiße, genau für sowas brauche ich den Freitag frei, damit ich ab Samstag wieder normal arbeiten kann. Das ist alles zu viel, und meine Challenge für morgen ist, mir einen Plan für diese Wohnung zu machen. Es muss ein wenig umgeräumt werden. Die große Buba hat bereits mutmaßt, dass es um die Entsorgung der Couch gehen könnte - wenn ich nur schon so weit wäre! Erstmal muss Ordnung einkehren, Müll raus, manche Klausuren am liebsten gleich mit.

Heute habe ich etwas Neues erlebt, bin voll in the zone und muss das alles verarbeiten. Dabei ist es eigentlich eine ganz simple Sache: Einer meiner Lieblingsfilme, Suspiria (1977), hat endlich die Veröffentlichung bekommen, die er verdient. Sound in Dolby Atmos, über Kopfhörer, und als 4K UHD-Bluray.

Dieser Film ist mehr denn je ein auf Zelluloid gebannter Alptraum: Die neue Soundabmischung lässt den Film aufleben, überall hört man das Ächzen und Seufzen, und der Transfer auf 4K bewirkt, dass die Farben, die Argentos Film ausmachen, richtig lebendig den Film durchziehen. Ich fühle mich, als wäre ich mitten drin.

Die 4K-Bluray hatte ich schon seit einigen Monaten im Haus, aber heute habe ich endlich eine Möglichkeit gefunden, sie abzuspielen, und es ist ein irres Erlebnis, das sich kein Fan entgehen lassen sollte ;-)

Donnerstag, 1. Dezember 2022

Toni und EVA

Foto aus den Kronshagener Bergen. So fühle ich mich gerade.

Habe ich mich etwa in der Schule angesteckt? Jetzt bin ich auch krank, allerdings eine komische Mischung aus Magenkrämpfen und Erkältung, und wie es sich anhört, geht da eine ganze Krankheitswelle an der Toni um - und sicherlich nicht nur dort; erlebt Ihr das an Euren Schulen auch gerade?

Jetzt bin ich froh, dass es Iserv gibt und ich meinen SchülerInnen online Aufgaben geben kann, die sie mir dann zuschicken. Ich drucke sie mir aus und korrigiere sie. Einer der Vorteile der englischen Oberstufe ist der Schwerpunkt auf Textproduktion, das kann ich zur Not auch von zuhause aus anleiten. Ein anderer Vorteil von Oberstufenkursen ist das eigenverantwortliche Arbeiten (EVA), in dem die SchülerInnen Aufgaben haben, die sie dann selbständig durcharbeiten. 

Aber gleich geht es erstmal wieder in's Bett. Mir ist kalt.

Mittwoch, 26. Oktober 2022

Ein bunter Beginn


Kalt draußen, bisschen nass, dunkel. Herbst eben, morgens um kurz vor sieben an der Bushaltestelle, etwas aus der Bahn geworfen, weil ich gemerkt habe, dass Windows 11 ernsthafte Probleme mit diversen Druckertreibern bietet und dass mein Canon Pixma MG5150 an meinem neuen Rechner nicht erkannt wird. Der Drucker dürfte jetzt gut zehn Jahre alt sein, und dann suche ich ein wenig im Internet, und finde heraus, dass es leider für diesen Drucker keinen Windows 11-kompatiblen Treiber gibt. So ein Mist. Arbeitsblätter? Texte, die mir SchülerInnen geschickt haben?

Und dann ist es kalt draußen und ich bin froh, dass ich diese Kapuzenpullover habe und warte auf meinen Bus. Ach stimmt ja, die Autokraft-Busse fahren nicht. Also ein paar Minuten länger warten, in die Zweiundsechzig, im Mittelgelenk an die Wand stellen, gähnen, "Ach ne, wer sind sie denn?" höre ich links von mir, drehe mich um und da steht Er vor mir.

Fastforward, zweite Stunde, zehnte Klasse, eine meiner smartesten Schülerinnen gibt mir den Tipp, meinen Drucker auszutricksen - so zu tun, als hätte ich eine alte Windows-Variante. Da wird mir bewusst, dass ich den Druckertreiber vielleicht mal im Kompatibilitätsmodus für eine ältere Windows-Variante installieren sollte. Die Kiddies sind einfach toll, irgendwie geben sie mir immer etwas Positives, ich kann jetzt erstmal wieder drucken. Und mir die Hand vor die Stirn schlagen, dass ich das Konzept des Kompatibilitätsmodus in den letzten paar Jahren entlernt habe.

Und wenn es draußen grau ist, mache ich es mir drinnen gemütlich, mit Korrekturen. Naja. Hauptsächlich mit dem Konsum von Videospielen, Filmen und Konsorten. Die große Buba hat mich nochmal sanft dran erinnert, dass Midnight Club jetzt bei Netflix veröffentlicht ist. Die Serie basiert auf der Romanvorlage von Christopher Pike und ist verfilmt worden von Mike Flanagan, und ich finde ja immer noch trotz einiger Schwächen, dass Flanagan einer der talentiertesten Horror-Regisseure der Gegenwart ist.

Zwei Lerngruppen in Praktika, ein etwas "sanfterer" Einstieg. Gut so: Morgen kommt der neue Teil der Star Ocean-Reihe an - kann sein, dass ich mal wieder in meiner kleinen Welt verschwinde.

post scriptum: Triathlon-Finisherin. Ich komme nicht damit klar, dass englische Begriffe deutsch gegendert werden... geht vielleicht auch anderen UserInnen so.

Sonntag, 23. Oktober 2022

Ready to go!


Die große Buba ist mittlerweile wieder in Pellworm gelandet, und hat bei'm Abschied gestern im Treppenhaus eine interessante Sache festgestellt: Das waren mal richtig schöne, runde Ferien!

Viele haben am Ende der Ferien einen Blues, der die letzten Tage runterzieht. Schön entspannen ist vorbei, grauer Alltag steht an. Ging mir phasenweise auch so. Umso schöner, dass es diesmal also anders war - und wir haben auch richtig was geschafft. Wir haben endlich die gesamte Fringe-Story abgeschlossen, mit einem emotional aufgeladenen Ende (und ich merke, dass mir die fünfte Staffel mittlerweile richtig gut gefällt). Außerdem haben wir Adol Cristins Abenteuer in Ys: Monstrum Nox beendet. 

Es gab für uns keine Totalausfälle in den Ferien, dafür einige schöne Momente. Ich realisiere erst so nach und nach, wie toll es ist, wieder einen "richtigen" PC zu haben. Nicht mehr minutenlang warten, bis eine Seite geöffnet ist. Und kein kaputtes TässTässTässTäss-Mikro mehr. Ein großer Bildschirm, an dem ich mir den gesamten Vertretungsplan anschauen kann - und ein neuer Hintergrund im Blog, gefällt mir ein bisschen besser als der alte. Neue Schuhe, endlich.

Das sind alles eigentlich keine so besonderen Schritte, aber für einen Aspi dann eben doch: Fast zwei Jahre lang habe ich mit dem fast schrotten Notebook släsch Tablet gearbeitet, habe zwar hin und wieder gedacht, joah, muss mal was passieren, aber: Es ging ja irgendwie. 

Ich freue mich drauf, die Kiddies wiederzusehen. Und die Kollegen. Kann losgehen.

Ich wünsche Euch einen guten Start in die nächste Woche!

Freitag, 21. Oktober 2022

Finally!

Neu

Es ist nicht zu glauben, aber endlich habe ich es geschafft, meinen Arbeitsplatz neu einzurichten. Inspiriert durch die Rechner an unserer Schule habe ich mir gestern einen Mini-PC zugelegt, der auf meinem Schreibtisch steht - eventuell montiere ich ihn unter die Tischplatte, aber der jetzige status quo weist keine Probleme auf.

Endlich wieder ein großer Bildschirm, an dem ich - wenn ich wollte - streamen könnte, endlich Internetseiten, die rapide geöffnet werden, ohne Werbung (ich empfehle die uBlock Origin-Browsererweiterung, die große Buba!), inklusive Aufräumprogramm (ich nehme den CCleaner) und Virenschutz (ganz klassisch Avira, hat bis jetzt tadellos funktioniert).

Endlich neue Desktop-Lautsprecher, billig (inklusive Leuchten), weil mir das reicht, und die letzten Lautsprecher nach sieben Jahren ihren Geist aufgegeben hatten, und endlich ein hochauflösendes James Webb-Teleskopbild als Hintergrund.

Endlich in die Zukunft denken - ich wollte schon so lange mit der großen Buba Spiele über Emulatoren spielen, zum Beispiel Golden Sun, aber mir fehlte die Schnittstelle zwischen Rechner und Surround-Anlage - da kann ich jetzt ein langes HDMI-Kabel legen.

Ich bin so erleichtert und gönne mir das Glas Asperger pur, das mir mein Zaudern ob der neuen Technik serviert hat.

post scriptum: Und es tut mir in der Seele weh, dass ich ausgerechnet jetzt Autist sein muss und mich die ganze Sache so sehr fasziniert, dass ich die große Buba wahrscheinlich heute abend ausladen muss, damit ich das alles überhaupt verarbeiten kann. I am so sorry and I love you, and I hate you, I hate you, I hate you, drop dead! Dafür machen wir unseren Ferienabschluss morgen umso schöner.

Alt

 

Dienstag, 19. April 2022

Wech mitte Feiertage!


Ich habe das Gefühl, je älter ich werde, desto mehr nerven mich Feiertage. Whoop, falscher Ausdruck, falsche Denkweise. Buddhisten nervt nichts. Aber die Feiertage bringen mich durcheinander. Und sie sind unlogisch. Weil also einige Menschen glauben, dass Jesus auferstanden ist, haben wir heute drei Feiertage. Und warum überhaupt Ostermontag - reicht der Sonntag nicht aus? 

Dass die Woche am Dienstag erst richtig beginnt, verwirrt meinen Wochenrhythmus. Immerhin, Thema Urologe ist heute angeschoben worden, es sieht aus nach Herumsitzen und Stillhalten und Kühlen und Antibiotikum und Ursachenforschung. Donnerstag früh wieder hin. Psychologie ist dann morgen dran; genau wie mein Kopf einen Tag nur als "Arbeit" oder "Frei" einordnen kann (das Konzept Feierabend gibt es nicht), kann ich nur ein Arztthema pro Tag angehen, weil das sehr aufregend ist und ich die ganze Zeit nur darüber nachdenke.

Ich bin dabei, mir ein Konzept für meine Schüler zurechtzulegen: Lernvideos, die dank der Screens in allen Klassenräumen gezeigt werden können. Aufgaben per Iserv, die dann in den Vertretungsstunden bearbeitet werden können. Diesmal lasse ich meine Kiddies nicht allein. 

Feiertage. Fände ich nachvollziehbar, wenn denn wirklich alle Menschen ernsthaft den Anlass feiern würden. Meistens ist es aber einfach nur ein Vorwand, die Familie zu sehen und zu essen und trinken. Und ein willkommenes Event für die Geschenk-Industrie.

Mittwoch, 13. April 2022

Die Techno-Tuba

Damals waren wir noch Project Zero-jungfräulich...

"Ich glaube, das können wir auf meine Titte schreiben, oder?"

"What...?"

Es kommt nicht oft vor, dass die große Buba und ich uns nicht verstehen. Wir sind nach den Jahren mittlerweile aufeinander eingestimmt, haben unsere eigene Sprache, aber hin und wieder gibt es dann doch die Momente, in denen ich nicht weiß, was sie meint, und nachfragen muss. Es ging um Reizüberflutung (das war es doch, oder?); dieser Punkt sollte in ihren Kreis unseres Venn-Diagramms. Als HSP hat sie manchmal Probleme mit zu vielen unterschiedlichen Reizen, erst recht gleichzeitig auf unterschiedlichen Sinnen. Sie braucht zum Beispiel etwas Zeit, um etwas Gesehenes zu verarbeiten, und währenddessen geht etwas Gehörtes an ihr vorbei. Reizüberflutung.

Bei mir gehen auch Dinge vorbei, aber aus einem anderen Grund, nämlich der intensiven Fokussierung auf das, was mich gerade interessiert (Hyperfokus) - ich blende dann alles andere aus. Ich kann bei einem alten Videospiel in einer Szene Tränen vergießen, obwohl da nur Pixelmännchen hin und her gehen und der Sound noch sehr Neunziger ist. Das ist dann alles irrelevant für mich. Und so kann ich auch in einer Filmszene mich vollkommen auf das Wesentliche konzentrieren und nehme kleine Details am Rande oft nicht wahr, während die Buba das alles mit den Augen aufschlotzt.

Was für ein unnötig langes Ausholen zum heutigen Thema: Die fette Schnecke rüstet auf und schafft sich ihre eigene Videospielkonsole an. Dass ich das noch erleben darf! Bisher waren "richtige" Videospiele - also keine Handy-Apps und Ähnliches - für sie immer ein Erlebnis im dritten Stock und nirgendwo sonst. Und sie kann sich ja eigentlich richtig für diese Spiele begeistern, schwärmt ab und an von der Musik und lässt sich auf aufregende Reisen mitnehmen, und ich habe sie immer wieder genervt, warum sie denn nicht eine eigene Konsole nutze, denn dann könne sie auch zuhause in einer freien Minute mal spielen, ohne dass es immer in Kiel mit dem alten Frettchen sein muss.

Was für ein unsortierter Beitrag. Was hat die Reizüberflutung mit dem Buba-Upgrade zu tun? Sie lernt gerade kennen, welche Videospiele für sie geeignet sind und welche (noch?) nicht, weil sie zu intensiv sind. Zu überfordernd; und die neuen Spiele werden immer detaillierter, immer bombastischer, da sehnt man sich hin und wieder nach der Einfachheit (und ich freue mich schon drauf, wenn wir irgendwann mal Golden Sun spielen, oder Final Fantasy VI).

Jedenfalls bin ich stolz auf die große Buba, dass sie diesen Weg der technologischen Aufrüstung nach laaaaaaaaaaaa




aaaaaaaaaaaa






aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa



aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaahhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhh



hhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhh




hhhhhhhhhhhhhh



hhhngem Zögern gegangen ist. Feidhe!

post scriptum: Und ja, die Dinge kommen hier langsam wirklich in Bewegung, die Wohnung wird tatsächlich schrittweise wieder bewohnbar, und in einem weiteren Seelenstriptease-Beitrag werde ich dann einmal zeigen, in welche Extreme Aspis gehen können. Stichwort: Wegen Corona finden die offenen Selbsthilfegruppetreffen momentan nur online statt - ich habe aber endlich eine Kontaktperson. Auch das geht voran. 

Mittwoch, 22. Dezember 2021

Screenlife

Screenshot aus dem Film Searching

Dieser Begriff muss irgendwo um Zwanzig Vierzehn entstanden sein; screenlife ist kein Filmgenre, aber ein Filmformat: Alles, was gezeigt wird, findet auf Bildschirmen statt, so dass ich quasi als Zuschauer direkt dabei bin, wie etwas passiert. Das kann einen recht starken immersiven Effekt haben, man möchte direkt mitklicken.

Ich fand das ziemlich clever, und am Beispiel von Searching (2018) kann man schön erklären, wie das funktioniert. Wir starren also auf diesen ganz normalen Desktop-Hintergrund, und der Protagonist ist erstmal nicht zu sehen, nur in Form des Zeigers auf dem Bildschirm. Wir sehen ihn nicht, aber wir sehen, was er macht; so schaut er sich zum Beispiel alte Fotos an und in einer tragisch-schönen Sequenz erfahren wir ohne viele Worte, dass er Vater ist, eine Tochter hat und dass seine Frau an einer Krankheit verstorben ist. Erinnert ein kleines bisschen an den Film Up (2009).

Dann wird - ich bringe es nicht mehr genau zusammen, also ist das nur eine ungefähre Wiedergabe - der Messenger gezeigt, in dem der Vater mit seiner Tochter textet, man sieht ihr Profil auf einem sozialen Netzwerk, man sieht kleine Videos, die an schöne Ereignisse erinnern - aber irgendwann kommt keine Antwort von der Tochter, und man kann gefühlt in Echtzeit miterleben, wie der Vater sich Sorgen macht, Bekannte und Freunde fragt und mehr wird nicht verraten; der Film dreht sich also um die Such nach seiner Tochter. Dabei erhält der Vater auch interessante Einblicke, die das Bild seiner Tochter etwas relativieren.

Mich hat der Film richtig gut mitgenommen damals, das war aufregend, und ich war von dem Screenlife-Format (im Deutschen Desktop-Film) erstmal begeistert. Hat sich aber als Strohfeuer herausgestellt, denn diese Art von Filmen wurde plötzlich massenhaft produziert und veröffentlicht und ist nur sehr selten qualitativ hochwertig - und bereits jetzt, einige Jahre später, fühlt sich das Filmformat ausgetreten an. 

Das erinnert mich an den damaligen Kinohit The Blair Witch Project (1999), der das found footage-Filmformat populär gemacht hat. Es ist so oft verwendet worden, und so selten überzeugend. Immerhin kommen da noch ab und an kleine Perlen wie Cloverfield (2008) oder Paranormal Activity (2007).

Es lässt sich einfach nicht dieses Gefühl abschütteln: Hat man einen Film dieser Art gesehen, hat man alle gesehen. Aber als Filmfreund interessiert es mich natürlich immer, wenn neue Filmformate aufploppen und einen Namen erhalten. Heute habe ich mir den Film Host (2020) angeschaut, es geht um eine Online-Séance per Zoom, bei der übernatürliche Phänomene auftauchen. Klingt unoriginell, ist es auch, aber kurz (knapp unter einer Stunde) und effektiv. Und eine Stunde später schon wieder vergessen.

Kennt jemand von Euch noch einen richtig guten Screenlife-Film?

Montag, 6. Dezember 2021

Ein Mord wird angekündigt


Der Titel erinnert an Agatha Christie - a murder is announced - aber eigentlich völlig unpassend, denn es geht nicht um einen Mord, sondern um ein Aussterben. Und auch das Passiv passt nicht so ganz, besser wäre es medial ausgedrückt: Ein Aussterben kündigt sich an. Das passt, denn der gute alte Overheadprojektor - OHP - stirbt aus. Ich kann mich nicht einmal mehr erinnern, wann ich zum letzten Mal mit einem OHP im Unterricht gearbeitet habe; das müsste irgendwo im Referendariat gewesen sein.

Braucht man nicht mehr so wirklich; an unserer Schule ist mittlerweile jeder Raum mit entweder einem Beamer oder einem großen Bildschirm ausgestattet, über den man alles Mögliche den Schülern zeigen kann. Das ist nicht ganz irrelevant für das Projekt Videospiele im Unterricht, denn über ein HDMI-Kabel kann ich meine PS4 einfach an einen solchen Bildschirm anschließen. Dass ich trotzdem auf den Hörsaal bestehe, hat Gründe, die ich im nächsten Kapitel der Dokumentation erläutern werde.

Ich weine dem OHP keine Träne nach. Groß, klobig, ich hatte als Schüler immer Angst, dass ich erblinde, wenn ich bei'm Ausfüllen einer Folie in das Licht schaue. Ich hatte tatsächlich Angst davor, vor der Klasse auf einer Folie etwas einzutragen - whatever.

Und wie komme ich auf diesen Beitrag? Heute ist meine Bluray mit dem Beatles-Film Yellow Submarine (1968) angekommen. Ich hatte ihn vor ein paar Jahren zum ersten Mal gesehen und sofort verstanden, warum Roger Ebert ihn in die Liste seiner Great Movies aufgenommen hat. Ein richtiger Musik-Mind-Trip, man kann förmlich die Halluzinogene riechen, die die Beatles auf die tollen, bunten Ideen gebracht haben. Favourite song - Eleanor Rigby. Und bei dieser Bluray sind noch einige Bonusmaterialien dabei, ein Heft mit einem Aufsatz zum Film, Soundtrack-CD und vier Folien mit den vier Beatles, und ich musste sofort daran denken, wie ich den Schülern die vier Charaktere mit diesen Folien vorstelle. 

Und dann ist mir eingefallen, dass der OHP ausstirbt - es kündigt sich an.

Dienstag, 14. September 2021

Gnädiger Fernseher


Ich bin wirklich sehr froh über eine Funktion meines Fernsehers - sorry, Smart TV - die ich hier schon einmal erwähnt hatte: Wenn ich mitten in eine Sendung hineinschalte, wird mir ein paar Sekunden lang eine Option angezeigt: "Anfang verpasst? Jetzt neu starten!" Ich drücke einen blauen Knopf und die Sendung beginnt von vorn.

Warum muss ich das so oft nutzen? Meine Abendtaktung ist ziemlich klar geregelt, ich dusche, gehe dann in Meditation und bin pünktlich wenige Minuten vor dem Schleswig-Holstein-Magazin fertig. Wann ich aus der Meditation gehe, regelt sich in erster Linie nach dem Musikalbum, das nebenher läuft; ich habe bei der Meditation die Augen geschlossen und die Zeit daher nicht im Blick, aber ich weiß, wie lang das jeweilige Album spielt und kann den Beginn der Meditation richtig setzen.

Es gibt allerdings auch ein anderes, sehr wichtiges Kriterium für den Meditations"bedarf": Manchmal kommt es vor, dass ich so viele Eindrücke am Tag gesammelt habe, oder so intensive Sachen erlebt, dass ich nach einer Stunde des Meditierens noch längst nicht fertig bin - und eines der Grundprinzipien der Meditation ist, nicht abzubrechen, nur weil eine bestimmte Zeitspanne um ist (es sei denn, man ist zum Beispiel in einer Gruppenmeditation).

Einer der Grundsätze im Lojong lautet: "Meditiere stets zuerst auf das, was Dir am meisten zusetzt." - und das kann gerade bei einer schlechten Nachricht sehr lange dauern. Mit dem neuen Fernseher kann ich ganz ohne schlechtes Gewissen oder Panik, etwas zu verpassen, die Meditation so weit verlängern, wie es nötig ist; das Album läuft in der Regel auf repeat, es sei denn, ich habe Konzeptalben, die sowieso fast zwei Stunden laufen.

Es ist so entspannend, am Ende der Meditation, wenn der Kopf richtig aufgeräumt ist, in eine Sendung hineinzuschalten und einfach per Knopfdruck die Sendung von Anfang an genießen zu können. Gibt schon echt hilfreiche Upgrades für die Wohnung...

Mittwoch, 8. September 2021

Dienstgeräte - Addendum - Emendum

Manchmal sehne ich mich nach der Kreidezeit zurück...

Sollte eigentlich gestern direkt nach der Lehrerkonferenz geschrieben werden, aber ich bin nicht im Takt. Egal. Ein ganz interessanter Punkt auf der Konferenz, während ich nebenbei meinen Satz VERA8 wegkorrigiert habe (und festgestellt habe, dass die Höraufgaben im erweiterten Heft teils ein extrem hohes Niveau haben, aber so ist es ja auch gedacht): Die Dienstgeräte, die wir scheinbar irgendwann vom Ministerium bekommen, sind mit ein paar Einschränkungen zu genießen.

Mich hatte es schon bei dem Auswahlblatt irritiert, dass die Geräte kein optisches Laufwerk haben. Etwas blöd, wenn man bedenkt, wie viele Materialien das Ministerium noch auf CD zur Verfügung stellt. Dazu kommt nun noch, dass keinerlei Office-Programme installiert sein werden, man muss sich das schon selbst zulegen, und überhaupt werden so gut wie keine der Apps vorhanden sein, die man vielleicht als Lehrer gebrauchen könnte. 

Vollkommen berechtigt war da die Frage "Wozu bekommen wir die Dienstgeräte dann eigentlich überhaupt?" - und die Antwort des Ministeriums ist eindeutig: Damit wir als Lehrkräfte jederzeit für das Ministerium erreichbar sind und keine Informationen an uns vorbeigehen können. Es geht also in erster Linie nicht darum, unseren Unterrichtsalltag zu enhancen, zu bereichern, sondern darum, digital erreichbar zu sein. 

Hatte ich wohl falsch verstanden. Naja. Bringt ja vielleicht trotzdem etwas.

Donnerstag, 26. August 2021

Die Dienstgeräte kommen!

Welches Schweinderl hätten's denn gern?

Ich kann es kaum glauben - heute ging ein Infobrief durch das Kollegium: Das Land Schleswig-Holstein macht ernst und möchte tatsächlich all' seine Lehrkräfte mit digitalen Endgeräten ausstatten. Man kann sogar aussuchen, ob man lieber ein HP-Notebook haben möchte (in zwei Varianten), ein iPad oder doch etwas Anderes.

Ich gebe zu, das erleichtert mich ungemein. Denn mein digitales Endgerät - beziehungsweise das Nichtvorhandensein dessen - hat mir als Last auf die Schultern gedrückt. Ich glaube, ich könnte es total toll finden, ein Gerät nur für die Schularbeit zu haben. Das gibt gewissermaßen etwas Ordnung, und das hilft einem Aspi sehr weiter.

Schauen wir mal, was da so auf uns zukommt! Habt Ihr diese Nachricht auch erhalten?

post scriptum: Einzige Meckerei: Alle Geräte sind ohne optisches Laufwerk, was schon ein bisschen blöd ist, wenn man bedenkt, wie viele Schulmedien auf CD verfügbar sind. Nitpicking - ich freue mich trotzdem!

Samstag, 20. März 2021

Universal Serial Bus-Bus

So ähnlich sieht der USB-Bus aus

Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie in Kieler Bussen die Benutzung von Handys untersagt war. Das war noch im Studium, vor vielen Jahren, die unter-Achtzigjährigen werden sich daran wohl nicht mehr erinnern. Für mich war das nie ein Problem, klar, aber es gab immer wieder Fahrgäste, die sich lautstark darüber beschwert haben, wenn der Busfahrer nach hinten gerufen hat, man solle bitte das schnurlose Telefon abschalten.

Die Zeiten haben sich geändert (ich verzichte diesmal auf meine recht dämliche lateinische Verballhornung tempores mutantur, die zudem im falschen tempus steht) - neulich bin ich zum ersten Mal in einem Bus der Linie Siebenhundertneunzig gefahren, das ist eine der beiden nah.SH-Linien, die nun nach Flintbek führen. Das sind diese Busse in türkiser und dunkelblauer Farbe, sehr schick, und sie haben über den gesamten Innenraum verteilt USB-Anschlüsse. Wenn ich das richtig gesehen habe, sind es genug, dass theoretisch für jeden Sitzplatz einer dieser Anschlüsse zur Verfügung steht. 

Das finde ich faszinierend: Während früher Handys im Bus tabu waren, bekommt man heute die Gelegenheit, sie im Bus aufzuladen, oder eine USB-Leselampe anzuschließen, oder ein USB-Feuerzeug, oder einen USB-Ventilator (der Sommer kann kommen), oder einen USB-Tischgrill mit Spülmaschine (falls die fette Schnecke durch das Land rollt) und was der Dinge mehr sind. Ich staune derweil sowieso darüber, wie viele Dinge in meiner Wohnung mittlerweile per USB-Anschluss ihre Stromversorgung erhalten - eine interessante Entwicklung, und einige meiner Steckdosen zuhause sind inzwischen mit USB-Adaptern ausgestattet. 

Dauert nicht mehr lange, dann halte ich meinen Distanzunterricht im USB-Bus ab.

Mittwoch, 24. Februar 2021

Metalhead

Das war vor zehn Jahren...

Dieser Beitrag hat nichts mit der gleichnamigen Black Mirror-Folge zu tun - höchstens in ästhetischer Hinsicht, denn sie ist in schwarzweiß gefilmt. Heute gab es ein bisschen Nostalgie; eigentlich wollte ich nur ein Ben&Jerry's-Eis einkaufen, aber auf dem Weg in die Tiefkühltruhe bin ich durch die Drogerieabteilung gekommen und habe mir mal wieder die Haarfarben angeschaut.

Das habe ich lange nicht mehr gemacht - früher im Studium hatte ich alle möglichen Haarfarben ausprobiert und bin dann irgendwann bei blauschwarz gelandet. Nun sehe ich eine Haarfarbe für schwarz mit einem Metallic-Effekt. Ich habe keine Ahnung, ob das etwas taugt, aber es sah interessant aus; ich habe früher, wenn ich zum Tanzen auf die Lost Souls gegangen bin, gern Metallic-Haarspray oder -gel verwendet, ich fand das klasse. 

Finde ich auch immer noch, und deswegen werde ich nach meinem nächsten Friseurbesuch mal die neue Haarfarbe ausprobieren. Das alles hat heute Erinnerungen geweckt. Studium. Sport. Party. Schwarze Szene. 

Ich hoffe, dass bald wieder auf der Lost Souls getanzt werden darf.