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Dienstag, 10. März 2026

Fahrende Öfen

Es wäre doch herrlich, wenn man überall mit Achterbahnen hinfahren könnte; was habe ich damals die Schnelltunnel bei der Gummibärenbande geliebt!

Wenn ich mit der großen Buba rede, kann das Wort "fahren" für alles Mögliche eingesetzt werden - für gehen, fliegen, rollen, fallen und vieles mehr. "Oh, da fährt eine Biene!" - "Ich fahre gerade die Treppe runter, warte unten auf mich!" - "Hilfe, wir werden von fahrenden Regentonnen angegriffen!" - in Brit Wilczeks Buch lese ich, dass der spielerische Umgang mit Sprache bei vielen hochfunktionalen AutistInnen auftritt; wir erleben das auch bei Elon Musk immer wieder.

Diesmal geht es aber ausnahmsweise um "echtes" Fahren: Die Kieler Verkehrsgesellschaft hatte ja einen etwas bescheidenen Frühlingsbeginn, nachdem ihre neuen Elektrobusse nicht oder nur teilweise ausgeliefert wurden. So mussten die Fahrpläne aktualisiert werden und es sind insgesamt weniger Busse in Kiel unterwegs, man muss länger warten, es fahren wieder mehrere der alten, roten Busse und auf den Hauptlinien fahren verstärkt wieder die kleineren Busse ohne Gelenk. 

Immerhin: Nach und nach tauchen jetzt die neuen Elektrobusse auf, aber als Autist kann ich mich nicht so ganz darüber freuen. Menschen auf dem Autismusspektrum haben oft eine spezielle Wahrnehmung von Visuellem, Formen, Linien, Farben etc.; die neuen Busse sind weiß, da ist nichts Besonderes dabei, aber sie sind etwas höher als die älteren E-Fahrzeuge, und sie haben kein "abgerundetes Dach" mehr. Sie sehen aus wie fahrende Klötze, ich musste an fahrende Öfen oder Fahrtoaster denke. - was mir gleich eine herrliche Videospielerinnerung an einen gewissen Toasterhund vor Augen geführt hat, die ich unbedingt irgendwann einmal mit der großen Buba teilen möchte. Und wenn jetzt jemand von Euch weiß, auf welches Spiel ich mich damit beziehe, dann gibt das hundert Sympathiepunkte und 30 Minuten Sonnenschein heute ;-)

Ich finde die neuen Busse nicht einfach nur hässlich; auf mich wirken sie bedrohlich, grob, nicht einladend. Nützt ja aber nichts, da müssen wir jetzt durch. Vielleicht wird das zu einem acquired taste, vielleicht werde ich sie nach einer Eingewöhnungsphase lieben lernen. Ich musste das nur gerade mit Euch teilen, weil ich in Wilczeks Buch bei eben jener Wahrnehmungsveränderung durch Menschen mit einer ASS angekommen war.

Nochmals: Ich kann das Buch nur wärmstens empfehlen. Wilczek spricht im Untertitel von einem "Perspektivwechsel", und in der Tat schafft sie es, das unterschiedliche Erleben von neurotypischen und neurodivergenten Menschen anhand sehr anschaulicher Beispiele zu verdeutlichen. War ein sehr schöner Tipp von meinem Psychiater - danke an dieser Stelle! Das Buch steht jetzt neben Andrea Brackmann, Tony Attwood und Ludger Tebartz van Elst in meinem Neurodivergenzregal und wird mir sicherlich in der Schule gute Dienste leisten können, wenn ich wieder Dienste in der Schule leisten darf.

Bleibt trocken! Zur Not auch in fahrenden Toastern ;-) 

post scriptum: Man muss wirklich *jeden* Zahlungseingang auf seinem Konto schriftlich rechtfertigen, wenn man einen Bürgergeldantrag stellt. Mein BG läuft Ende März aus, deswegen ist der Weiterförderungsantrag gerade in Bearbeitung. Heute habe ich die schriftliche Stellungnahme fertiggemacht - gleich ab in die Post als Einschreiben mit Rückschein - ich hoffe bloß, dass das Ganze ankommt! Mich hat schon wieder ein Brief meiner Mutter nicht erreicht. Damit sind in den letzten zwölf Monaten fünf Briefe an mich verschwunden, mal mit ärztlichen Rezepten, mal mit Bargeld... deswegen bin ich gestern mit Bus und Bahn nach Neumünster getingelt und habe mir das Rezept persönlich abgeholt (E-Rezepte haben sie im Friedrich-Ebert-Krankenhaus (noch?) nicht). Das unterstreicht, dass ich auf mein D-Ticket angewiesen bin, auch wenn das nicht vom Jobcenter bezuschusst wird, genauso wenig wie die spezielle Ernährung, die ich während eines Schubs der colitis ulcerosa zu mir nehmen muss. 

Montag, 18. Dezember 2023

Tag 140 - Letzte Woche!


Liebe KollegInnen,

auf geht's in die letzte Schulwoche des Jahres! Ich meine mich zu erinnern, dass ich trotz der eher kurzen Schulzeiten vor den Herbst- und Weihnachtsferien trotzdem am letzten Schultag ferienreif war. Ich bin auch diesmal wieder ferienreif, aber auf eine andere Art und Weise: Am Wochenende kommt die große Buba, das wird auch Zeit, langsam stellen sich Entzugserscheinungen ein. Ebenfalls am Wochenende geht's zur Familie an die Westküste, damit man sich mal sehen kann, Neuigkeiten austauschen und so. Und eigentlich hatte ich mir vorgenommen, am ersten Feiertag mal mit einem meiner Brüder zu reden - auch auf'm Spektrum, wahrscheinlich - aber das muss noch etwas warten, denn ich habe in meinem eigenen Leben gerade wieder ein bisschen zu verarbeiten.

Das ist jetzt die Phase, in der Vertretungen für das zweite Halbjahr gesucht werden. Auch Planstellen sind reichlich verfügbar, sogar mit Englisch, aber sie liegen mal wieder alle im Hamburger Raum. Ich werde nicht von hier wegziehen. 

Was ich irre finde: Eine Schule hat "Englisch, beliebig" ausgeschrieben, also beliebiges zweites Fach. In der Ausschreibung steht dann aber unten etwas in der Art: "Wenn sich niemand mit Englisch bewirbt, wäre Geographie, Biologie (etc.) zu wünschen." Toll. Wenn ich nun aber Biolehrer wäre, würde mir diese Stelle nicht angezeigt werden, weil in der Fächerauswahl ja Englisch steht. Ich habe ernsthaft überlegt, ob ich mir alle Planstellenausschreibungen in Kiel durchschauen soll, fachunabhängig, ob es da nicht etwas Ähnliches gibt. "Zur Not nehmen wir auch Englisch" ^^

Und: Ich habe endlich mein neues Deutschlandticket als Chipkarte bestellt! Und für den Januar dann doch wieder nur als Papierfahrkarte bekommen, weil die Kartenerstellung zu lange dauert. Ich möchte doch einfach nur als Mensch ohne Smartphone am Leben teilnehmen können, aber das wird mit der Zeit immer schwieriger.

Derlei Gedanken treiben mich langsam Richtung Wochenende. Durchhalten, noch ein paar Tage Unterrrichtsstress, dann habt Ihr es geschafft!