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Freitag, 10. Juli 2026

"Sie sollen sich nicht um Schüler kümmern, sie sollen Fachvermittlung betreiben!"


Diese Woche war das erste Mal, dass ich von einer Vertretungsstelle abgelehnt wurde. Ich sollte mich vorstellen, natürlich auch meine Stärken, bis mich irgendwann der Schulleiter unterbrach "Also vielleicht sollten sie kein Lehrer werden, sondern eine Schulbegleitung oder ein Schusozialarbeiter."

"Wie kommen sie zu der Einschätzung?"

"Naja, sie haben mir alles Mögliche über ihren Umgang mit den Jugendlichen erzählt, aber nichts dazu, wie sie ihre Fächer unterrichten - dabei ist das doch das wirklich Wichtige. Wir sind hier ja nicht in der Kinderspielstunde, wir sind ein Gymnsium mit gewissen Ansprüchen, und wir haben auch kein Perspektiv-Förderprogramm. Daher sehe ich sie nicht hier bei uns an der Schule, zumindest nicht im ersten Helbjahr. Danach können wir ja mal weitersehen. Auf Wiedersehen!

"Tschüs."

 Denn seien wir mal realistisch, zu einem Wiedersehen wird es nicht kommen. Wieder einen Schritt weiter in eine andere Berufslaufbahn. Es tut weh, ich kann es mir einfach nicht vorstellen, aber deswegen werde ich in der nächsten Zeit zu einem Autistencoaching der Fortbildungsakademie Wirtschaft der Stadt Kiel gehen. Langsam schwimmen mir alle Boote davon, und die Kosten für die beiden ersten Einzelcoachings übernimmt das Jobcenter.

 Tja.... immerhin sagt mir endlich mal jemand in's Gesichtg, dass ich ein schlechter Lehrer bin. Zum Glück gibt es Tabletten, die verhindern, dass man sich ernsthaft etwas antut.

Langsam will ich nicht mehr. 

Samstag, 21. Februar 2026

Schlingerkurs


Wie die Kieler Nachrichten vorgestern berichteten, sollen im kommenden Schuljahr im Land 254 neue Lehrerstellen geschaffen werden. Mein Stand war noch, dass weitere 100 Stellen gestrichen werden sollen. Ja, es war geplant, im elften Jahrgang in Geschichte, der zweiten Fremdsprache und Religion/Philo jeweils eine Stunde zu streichen. Diese Streichungen werden nun also zurückgenommen? Und als neue Planstellen verkauft?

Und dann heißt es, dass keine neuen Unterrichtsstunden durch die neuen Lehrkräfte entstehen sollen, sondern Vertretungen gedeckt werden - dafür braucht man dann also keine befristeten Lehrkräfte mehr, wunderbar, ich sehe mich ein weiteres Jahr in der Wohnung sitzen. 

"Mit dieser Reserve sorgen wir dafür, dass der Unterrichtsausfall noch einmal spürbar sinkt"? Noch einmal? Unser Bundesland muss außergewöhnlich gut in der Bildung dastehen, so oft, wie unser Ausfall sinkt.  

Ich weiß halt nicht, was ich mit dieser Nachricht anfangen soll. Soll ich etwa Vorfreude hegen? 200 Stellen sollen an die Sek I gehen, 54 an die Sek II. Hilft nur, weiter abzuwarten und zu schauen, was das Jobcenter im nächsten Planungsgespräch sagt. 

Mittwoch, 1. Mai 2024

Bewerben!


Nun geht es wieder los. Eine Schule hat eine Vertretungsstelle Englisch für das kommende Schuljahr ausgeschrieben, gar nicht weit weg von Kiel, mit dem ÖPNV gut erreichbar. Aber darf ich überhaupt noch Vertretungen übernehmen? Wenn es nach dem Ministerium geht, dann nicht, aber wenn das Ministerium "hausinternen Rechtsbruch" begeht, dann schon. Jedenfalls lautet die dortige Anweisung an mich: Bewerben! (und die bisherigen Vertretungen nicht erwähnen)

Seit der letzten offiziell ausgeschriebenen Vertretungsstelle bin ich ein bisschen gebrandmarkt. Die Bewerbungsfrist läuft noch etwas mehr als einen Monat, ich sehe da also eine große Menge von BewerberInnen, die sich dann in den Auswahlgesprächen um diese Stelle kloppen werden, und ich frage mich, warum die Schule gerade mich einstellen sollte.

Und auch, warum ich gerade an dieser Schule würde arbeiten wollen; es ist ein Gymnasium, man könnte fast von einer Eliteschule sprechen, und von all' dem habe ich mich in den letzten Jahren deutlich wegbewegt. Aber wir müssen das pragmatisch sehen: Wenn ich die Stelle nicht bekomme, steht ab August Bürgergeld an (da hilft es auch nichts, wenn man mir mit 99%iger Wahrscheinlichkeit eine Planstelle zum Sommer zugesagt hat - nichts ist in Sicht, und Hoffnungen macht sich ein Buddhist sowieso nicht), und darüber möchte ich überhaupt nicht weiter nachdenken.

Also setze ich ein neues Bewerbungsschreiben auf. Schule Nummer Neun. Ich erwähne meine Stärken, lasse alles Andere weg. Den Lebenslauf liest eh' kaum jemand ganz durch, und das Gutachten auch nicht. Sollte ich eingeladen werden, werde ich möglichst vorzeigbar auftreten. Nix mit schwarz, vorher zum Friseur, gut rasiert, Duftwasser, und werde mich wie so ein Vorzeigestudent präsentieren. Und sollte es dann hart auf hart kommen, dann werde ich eben ein Jahr lang die Zähne zusammenbeißen - Hauptsache, ich kann wieder Geld verdienen, und das lang genug, um danach wieder Arbeitslosengeld zu beantragen. Und diesmal werde ich während des Vertrags konstant nach Planstellen Ausschau halten.

Ich halt' Euch auf dem Laufenden.

Mittwoch, 14. Februar 2024

Widerspruch: Zurückgewiesen (Tag -190)


"Der Widerspruch wird wahrscheinlich zurückgewiesen. Und wissen sie, was sie dann machen? Sie setzen sich sechs Monate Schamfrist, und dann stellen sie einen Änderungsantrag, in dem sie die Einschränkung ihrer Teilhabe an der Gesellschaft darlegen. Darum geht es nämlich bei'm Grad der Behinderung.

Nehmen wir einmal an, ihre Behinderung bewirkt, dass sie die Hand nicht mehr stillhalten können. Sie können argumentieren, dass ihre Dienstfähigkeit eingeschränkt wird, weil sie nicht mehr an der Tafel schreiben können. Das interessiert aber nicht. Der Umstand, dass sie auf einer Party ein Glas mit einem Getränk deswegen nicht mehr halten können, und dass sie deshalb auf keine Parties mehr gehen, weil sie sich schämen, sie könnten unabsichtlich jemandem ihr Getränk über das Outfit schütten, das ist eingeschränkte Teilhabe an der Gesellschaft. Darum geht's bei'm Grad der Behinderung."

Mir geht es richtig gut, denn so oder so ähnlich klingt das Gespräch mit Martin Zacharias im Ministerium nach. Deswegen hat es mich auch überhaupt nicht überrascht oder gar betrübt, als heute die Absage vom Landesamt für soziale Dienste hereingeflattert ist. Im Gegenteil, sie bestätigt Zacharias' Aussage, und damit verstehe ich endlich den GdB und was es bedeutet, einen höheren Grad der Behinderung zu haben. Jetzt weiß ich, wie ich argumentieren muss, jetzt weiß ich, wie die ärztlichen Befundberichte aussehen müssen, damit sie Relevanz für eine Neueinstufung haben.

Das ist großartig! Also setze ich mir jetzt diese sechsmonatige Frist - daher Tag minus hundertneunzig im Titel - und dann werde ich mich mit Hausarzt, Psychiater und Gastroenterologen zusammensetzen und eine Änderung beantragen. Das Thema ist also vorerst abgehakt, und das erleichtert ungemein! Rein rechtlich bin ich eh' auf der sicheren Seite, weil ich gleichgestellt bin, es geht ja nur noch darum, den vollen Nachteilsausgleich zu bekommen. 

Damit habe ich den Kopf jetzt wieder etwas freier für anstehende Arzttermine und das Aufräumen. Ja, Vertretungsstelle wäre jetzt natürlich noch besser, aber bis zum Sommer kann mich das ALG I zur Not tragen, und ich vertraue darauf, dass dann meine berufliche Zukunft gesichert sein wird.

Ist also nur scheinbar wiedersprüchlich, wenn ich mich über diese Absage freue und eine Menge Energie daraus mitnehme.

Dienstag, 6. Februar 2024

Tag 189 - Tränen im Ministerium


Ich wiederhole meine Feststellung von gestern - mir kommen Tränen in die Augen, wenn jemand ernsthaft Verständnis für meine Situation zeigt. Wenn es jemand aus dem Ministerium ist, der sagt, er sei fassungslos, wie man über die Jahre - und vor allem in der aktuellen Angelegenheit in Neumünster - mit mir umgegangen sei, dann muss ich zur Seite schauen, sonst geht die Plärrerei erst richtig los.

Jedenfalls ist mein Fall jetzt im Ministerium bekannt und ich habe einen Ansprechpartner - vorher hat sich niemand dort weiter um mich gekümmert und tatsächlich gedacht, ich würde mich auf keine Planstellen bewerben - der Eindruck ist entstanden, weil ich mich in den dreieinhalb Jahren an der Toni nicht an anderen Schulen beworben habe. Auch das haben wir heute aufgeklärt, und ich habe jetzt starke Unterstützung, so positiv, und dabei auch so unterhaltsam.

Nächstes Mal, wenn ich im Ministerium bin, werde ich mit dem Paternoster fahren - heute war es faszinierend genug, als man mir erklärt hat, wie die Türen im Ministerialgebäude funktionieren, und dass man sie bloß nicht anfassen darf.

Die Details des Gesprächs (zum Beispiel der Satz "Da ist echt alles falsch gemacht worden!") bleiben im dortigen Sitzungsraum. Ich fühle mich aber jedenfalls unglaublich erleichtert. Und ermutigt, dem Landesamt für soziale Dienste auf's Dach zu steigen. 

Erstmal aber hauptsächlich glücklich, gehört worden zu sein.

Samstag, 3. Februar 2024

Tag 186 - Situationsbeschreibungen


Eigentlich sollte es für jemanden auf'm Spektrum kein Problem sein, eine Situation zu beschreiben. Sachlich ist unsere Stärke. Beispiel gefällig?

Gestern und heute fahren in Kiel fast keine Busse. Ich bin zum Citti-Park gegangen und habe gesehen, dass stattdessen die Straßen für einen Samstag um diese Uhrzeit mehr als überfüllt sind. Es sind unglaublich viele Autos unterwegs - logisch, wenn es eben nicht anders geht. Tolles Argument für die Verkehrswende. Ebenso sieht man auf den Gehwegen deutlich mehr Fußgänger - die strahlende Sonne trägt zur Wanderlust bei. Dass das Einkaufszentrum dann wieder völlig überfüllt war, ist unabhängig von der Bussituation, denn samstags ist dort immer die Hölle los. Schreiende Kinder, Kinder, die sich den Servierrobotern von Giovanni L absichtlich in den Weg stellen oder sie liebevoll streicheln, Menschengruppen, die versuchen, sich gegenseitig zu überholen und natürlich auch wieder jene, die völlig unvermittelt im Weg stehenbleiben.

Ich würde sagen, das war eine sachliche Situationsbeschreibung. Schwieriger wird es für mich, wenn es mich selbst betrifft (und ich habe das auch schon bei meinem Bruder erlebt). Älteres Beispiel: Mein Referendariats-Portfolio, in dem ich beschreiben sollte, wie ich die drei Semester erlebt habe. Aus meiner Sichtweise habe ich einfach nur die Fehler im System beschrieben, die mir das Leben während dieser Zeit zur Hölle gemacht haben. Zum Glück hatte ich die Sannitanic als Korrekturleserin, die mir klargemacht hat, dass das extrem anklagend und vorwurfsvoll klingt, und dass es zwar sachlich alles stimmen mag, aber mir definitiv keine Türen bei den Adressaten öffnen wird. 

In dieser Phase befinde ich mich jetzt auch wieder. Ich beschreibe gerade meine berufliche Situation, um das dann an den ÖPR oder die GEW oder die Frau aus dem Ministerium zu schicken, oder übermorgen meinem Sachbearbeiter im Arbeitsamt davon zu erzählen. 

Und wieder ist es so: Ich schreibe alles erstmal gefühlt sachlich auf, aber einen Tag später klingt der Text wie "Unser Schulsystem ist scheiße, ich fühle mich menschenunwürdig behandelt, und das Ministerium trägt die Schuld". Auch hier: Da mag zwar ein Körnchen Wahrheit dran sein, könnte aber das Todesurteil für Unterstützung seitens des Ministeriums sein. Also lasse ich den Text noch etwas garen. Überlege mir, ob wichtige Punkte fehlen, und wie ich ihn freundlicher, hilfesuchender gestalten kann. Dass am Ende der Eindruck bleibt, dass dieser Lehrkraft irgendwie geholfen werden muss.

post scriptum: Es wird mal wieder spannend - Dienstag früh gehe ich in's Bildungsministerium, ich habe einen Termin bei'm Schwerbehindertenbeauftragten. Darauf freue ich mich tatsächlich - vielleicht bekomme ich ein paar Antworten. Bis dahin sollte meine berufliche Situationsbeschreibung also fertig überarbeitet sein ;-)

Donnerstag, 1. Februar 2024

Tag 184 - ...nun also doch?!


Ich werde wahnsinnig. Heute erhalte ich aus dem Ministerium eine Mail, dass ich, befristet bis zum Ende des Schuljahres, nun doch eine Vertretungsstelle an einer Gemeinschaftsschule ohne Oberstufe annehmen kann (warum diese Einschränkung? whatever...) - verbunden mit dem Hinweis, dass mir keine Planstelle entgeht, wenn ich alle zwei Wochen in's pbOn schaue.

Ich bin wütend (und werde deswegen gleich in die Meditation gehen), und zwar aus zwei Gründen:

1) An der Wilhelm-Tanck-Schule in Neumünster hätte ich jetzt eine Vertretungsstelle gehabt, an einer Schule, die zu mir passt und per ÖPNV gut erreichbar ist, die man mir erst verboten hat und die ich nun doch hätte übernehmen können. Nun habe ich immerhin einen Alternativvorschlag bekommen, aber mit anderthalb Stunden Anfahrt. Ich frage mal an der WTS nach, ob noch Bedarf besteht.

2) Ich komme absolut nicht damit klar, wenn ich behandelt werde, als sei ich dumm. Make no mistake: Ich habe ein großes Talent darin, mich dumm anzustellen und einen großen Hang zur Naivität. Aber wieder dieser mitschwingende Ton in der Mail, dass ich nicht wüsste, wie man richtig mit dem pbOn umgeht, macht mich wütend. Ich arbeite mit diesem System seit zwölf Jahren, ich weiß, wie man sich auf eine Planstelle bewirbt (und vor allem, wie man Absagen bekommt).

Jetzt ist wieder geistige Quarantäne angesagt, um mit der aktuellen Situation zurechtzukommen. Und eine Antwortmail zu formulieren, dass ich mich durchaus schon auf Planstellen beworben habe und warum ich mich nicht auf die nächstbeste Planstelle bewerbe, die im System auftaucht.

Tief durchatmen.

Montag, 29. Januar 2024

Tag 181 - Vertretung gesucht?! WTF!?!


Ich gebe auf. Eben lese ich eine Mail aus dem Bildungsministerium, man habe sich mit dem Schulamt in Neumünster in Verbindung gesetzt und es gebe eine Schule, die Vertretungsbedarf in Englisch hat, und mit der möge ich mich doch bitte in Verbindung setzen und meine Bewerbung in's pbOn einstellen.

What.

The.

Actual.

FUCK???

Muss ich denen erklären, dass ich keine Vertretungen mehr übernehmen darf? Es ist, als ob das Ministerium systematisch versucht, mich in den Wahnsinn zu treiben! 

Mal schauen, was als Erklärung kommt.

Montag, 15. Januar 2024

Tag 167 - Zufall?


vorweg: Das nagende Gefühl ist zerstreut worden ;-)

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass Du zeitgleich ein Einweisungsgespräch mit einer anderen Kollegin hast, die genau wie Du ihren Dienst antritt? Sehr hoch - so kann die Schulleitung etwas Zeit sparen, indem sie nur einmal Rundgänge, Formalitäten und Ähnliches klärt.

Wie wahrscheinlich ist es aber, dass die Kollegin ebenfalls aus Kiel kommt? Hoch, gerade wenn sie ein nulltes Semester macht und noch an der Abschlussarbeit sitzt.

Und dass sie nur zwei Straßen weiter wohnt? Das wird schon interessanter, wobei das auch mit den Mieten zusammenhängen könnte, die hier für Kieler Verhältnisse eher niedrig sind.

Und dass sie hochbegabt ist? Noch interessanter, denn das sind nur so zwei bis drei Prozent der Bevölkerung.

Und dass sie auch hochfunktionale Autistin ist? Jetzt wird es spannend. Ich habe, wenn ich auf die letzten elf Jahre zurückblicke, schon das eine oder andere Mal unbewusst mit KollegInnen auf'm Spektrum zusammengearbeitet, das kommt also vor, aber selten. Aspis lieben es, Dinge zu erklären. Prädestiniert für Schule, sollte man meinen.

Und dass sie ebenfalls noch im Erkenntnisprozess ist? Wow. Sie ist auch erstmal privat dabei, ihre Familie zu analysieren und zu realisieren, was es bedeutet, auf'm Spektrum zu sein. Das ist schon ein echt großer Zufall.

Ich gehe davon aus, dass sie es etwas leichter haben wird als ich, und das freut mich. Und ich hoffe, dass sie die nötigen Diagnosen und Anerkennung der Behinderung bekommt. Ich habe am Freitag tatsächlich zwei Stunden in Meditation gelegen und überlegt, ob sie den gleichen Scheiß durchmachen muss wie ich? Und ich habe so oft Revue passieren lassen, wie sich unser Gespräch nach dem Termin bei der Schulleitung entwickelt hat. Wie sich so nach und nach das mit der Nachbarschaft und den geistigen Konfigurationsparallelen herauskristallisiert hat.

Solche Erlebnisse beschäftigen mich intensiv und fressen in der Nachbereitung viel Zeit, aber zu einem positiven Anlass. Ich freue mich wirklich sehr auf die Arbeit an der neuen Schule...

...und fülle zum xten Mal die Erklärung zur Prüfung der Versichungsfreiheit blablabla aus. Mal schauen, ob das Gehalt diesmal rechtzeitig angewiesen wird. Das hat damals an der Toni nicht geklappt, genauso wie der Arbeitsnachweis für das ALG I nicht geklappt hat. 

Keep your fingers crossed!

Samstag, 19. März 2022

Wer will hier was?


Das Ministerialdeutsch ist für einen Autisten absoluter Irrsinn. Jüngst ging mal wieder ein Brief vom Bildungsministerium heraus. Das Foto oben zeigt eine Formulierung, die typisch für das Ministerium ist, die mich aber immer wieder auf's Neue irritiert: 

"Im Rahmen der Umfrage wollen Sie bitte mitteilen, wie viele Tests Sie aktuell an Ihrer Schule zur Verfügung haben und wie viele Sie zuletzt bestellt haben. Sodann wollen Sie bitte mitteilen..."

Sodann wollen Sie bitte mitteilen? Woher weiß das Ministerium, was ich will? Oder soll ich das als altphilologischen noli me tangere-Imperativ auffassen? Und ich dachte, ich schreibe komisch! Warum ist man nicht einfach sachlich-klar: Die verbeamteten Lehrer stehen in einem Dienstverhältnis und haben Anweisungen von oben entgegenzunehmen. Fertig. Warum nicht:

"Bitte teilen Sie uns in der Umfrage mit, wie viele Tests sie..."

Das ist höflich und normal. 

Wollen wir nicht alle normal sein?

Dienstag, 25. Januar 2022

Schule zu?


Berlin setzt die Präsenzpflicht an Schulen aus - als Alternative zu Schulschließungen? Irgendwie ist es doch irre, die Zahlen schießen in die Höhe, die Inzidenz kratzt regelmäßig an neuen Rekorden, ich wundere mich fast schon, dass ich in meinen Klassentestungen noch keine positiven Fälle hatte. Einzelne Jahrgänge müssen täglich getestet werden, und natürlich auch die dort unterrichtenden Lehrkräfte - ergo vergeht kein Abend ohne einen Schnelltest, der aktuelle liegt neben mir und gleich kann das Nasebohren losgehen.

Die Schulen sollen auf gar keinen Fall geschlossen werden, sagt das Ministerium. Ist da etwas dran? Wie seht Ihr das? Ich kann da nicht von mir auf Andere schließen: Ich habe überhaupt kein Problem damit, ohne soziale Kontakte allein zu Hause zu bleiben, aber die Zahlen zeigen, dass Fälle von Depressionen bei Schülern seit Pandemiebeginn stark zugenommen haben. 

Schule auf, täglich testen - das wäre eigentlich super! Allerdings benötigen wir dafür Unmengen an Tests, und diese Kapazität hat Schleswig-Holstein derzeit nicht. Dass mit täglichem Testen fünf Wochenstunden Unterricht ausfallen - merke ich gar nicht mehr an, denn mittlerweile hat der Unterrichtsausfall sich in meinem Kopf normalisiert. Da kann man auch noch so schnell seine Klasse testen - in großen Klassen muss man einen Durchgang je Hälfte machen, und das kostet Zeit. Hin und wieder frage ich mich, ob wir nicht noch schnell in den letzten zwanzig Minuten etwas schaffen können - aber ich unterrichte in Kursen aus mehreren Klassen, und alle Schüler zusammenzuhaben, das hat bisher noch nie geklappt.

Ich frage mich, wann die Schulen wieder zugemacht werden.

Mittwoch, 8. September 2021

Dienstgeräte - Addendum - Emendum

Manchmal sehne ich mich nach der Kreidezeit zurück...

Sollte eigentlich gestern direkt nach der Lehrerkonferenz geschrieben werden, aber ich bin nicht im Takt. Egal. Ein ganz interessanter Punkt auf der Konferenz, während ich nebenbei meinen Satz VERA8 wegkorrigiert habe (und festgestellt habe, dass die Höraufgaben im erweiterten Heft teils ein extrem hohes Niveau haben, aber so ist es ja auch gedacht): Die Dienstgeräte, die wir scheinbar irgendwann vom Ministerium bekommen, sind mit ein paar Einschränkungen zu genießen.

Mich hatte es schon bei dem Auswahlblatt irritiert, dass die Geräte kein optisches Laufwerk haben. Etwas blöd, wenn man bedenkt, wie viele Materialien das Ministerium noch auf CD zur Verfügung stellt. Dazu kommt nun noch, dass keinerlei Office-Programme installiert sein werden, man muss sich das schon selbst zulegen, und überhaupt werden so gut wie keine der Apps vorhanden sein, die man vielleicht als Lehrer gebrauchen könnte. 

Vollkommen berechtigt war da die Frage "Wozu bekommen wir die Dienstgeräte dann eigentlich überhaupt?" - und die Antwort des Ministeriums ist eindeutig: Damit wir als Lehrkräfte jederzeit für das Ministerium erreichbar sind und keine Informationen an uns vorbeigehen können. Es geht also in erster Linie nicht darum, unseren Unterrichtsalltag zu enhancen, zu bereichern, sondern darum, digital erreichbar zu sein. 

Hatte ich wohl falsch verstanden. Naja. Bringt ja vielleicht trotzdem etwas.

Donnerstag, 26. August 2021

Die Dienstgeräte kommen!

Welches Schweinderl hätten's denn gern?

Ich kann es kaum glauben - heute ging ein Infobrief durch das Kollegium: Das Land Schleswig-Holstein macht ernst und möchte tatsächlich all' seine Lehrkräfte mit digitalen Endgeräten ausstatten. Man kann sogar aussuchen, ob man lieber ein HP-Notebook haben möchte (in zwei Varianten), ein iPad oder doch etwas Anderes.

Ich gebe zu, das erleichtert mich ungemein. Denn mein digitales Endgerät - beziehungsweise das Nichtvorhandensein dessen - hat mir als Last auf die Schultern gedrückt. Ich glaube, ich könnte es total toll finden, ein Gerät nur für die Schularbeit zu haben. Das gibt gewissermaßen etwas Ordnung, und das hilft einem Aspi sehr weiter.

Schauen wir mal, was da so auf uns zukommt! Habt Ihr diese Nachricht auch erhalten?

post scriptum: Einzige Meckerei: Alle Geräte sind ohne optisches Laufwerk, was schon ein bisschen blöd ist, wenn man bedenkt, wie viele Schulmedien auf CD verfügbar sind. Nitpicking - ich freue mich trotzdem!

Donnerstag, 3. Juni 2021

Ignorance Is Bliss (Talfahrt)


Ich habe dieses Schuljahr richtig Spaß gehabt, mit einem Feeling wie damals in St.Peter-Ording. Ich habe nicht mehr ganz so viele Fehler gemacht, ich habe Kollegen kennengelernt und mich mit ihnen unterhalten, ich hatte nicht mehr dieses "In der Schule bleibe ich nicht länger als nötig"-Gefühl. Das Unterrichten hat Spaß gemacht, und das bei zwei sechsten Klassen - Orientierungsstufe ist meine Achillessehne.

Das hat funktioniert, weil ich seit Herbst so getan habe, als könnte ich an der Toni bleiben. Als wäre das "meine Schule" (Stichwort bucket list). Ich habe überhaupt nicht daran gedacht, dass mein Vertrag irgendwann ausläuft, und es war toll. 

Leider hält dieser Effekt nicht mehr an, und das hat für die Funkstille im Blog gesorgt, denn jetzt ist sie wirklich dauerpräsent, diese Wahrscheinlichkeit, dass ich nicht bleiben kann. Mal abgesehen von dem demütigenden Gefühl (während Kollegen um mich herum sich über ihre Planstelle freuen dürfen (die ich ihnen gönne)). Es ist wieder soweit: Kollegen fragen, wie es denn bei mir weitergeht, und ich muss antworten. Und wieder wabert mir Jörgs Frage aus dem Vorstellungsgespräch durch den Kopf: "Wie kann das denn sein, dass jemand mit ihren Referenzen so lange keine Stelle gefunden hat?" Das ist der Moment, in dem ich emotional kollabiere.

Rückfall in den typischen Schuljahresend-Blues. Zuhause sitzen, nichts machen. Mich nicht mehr bei meinen Freunden släsch Familie melden, den Blog verkümmern lassen, überhaupt nicht mehr darauf achten, was ich esse inklusive Neurodermitisschub, und dann kommt noch eine Sachbearbeiterin im pbOn, die mir schreibt, ich solle keine "1" bei der dienstlichen Beurteilung eintragen, denn man soll nicht sein Gutachten aus dem Referendariat hochladen. Und ich kann mich nicht wehren, denn im pbOn gibt es kein Dialogfeld.

Zeit für Buddhismus. Zeit für Gedanken an berufliche Alternativen, denn ich werde nicht noch einmal an eine neue Schule wechseln, mein Leben ist durch die letzten sechs Schulwechsel bereits genug in die Brüche gegangen. Zeit, sich zu klammern an das "Wir kämpfen für dich!" der Personalratsvorsitzenden, Zeit, sich darüber zu freuen, dass heute dann plötzlich die Bewerbungsmappe im pBon doch freigeschaltet wurde.

Wörtlich: Abwarten und Tee trinken.

Montag, 17. Mai 2021

...und platsch.

Die Geiseln des Erbsenmörders - jetzt hat er sie an Stangen gefesselt...

Pieks... und platsch. Herr Leinhos hat mich vollkommen zu Recht daran erinnert, dass es einen Unterschied gibt zwischen einer Nebenwirkung und einer Impfreaktion. Letztere hat mich jetzt vollkommen erwischt, mit Fieber und dem Gefühl, dass der Kopf brennt. Klar, das ist nicht ungewöhnlich, und es ist ein gutes Zeichen, dass der Körper eine Immunreaktion zeigt. Ekelhaft fühlt es sich trotzdem an, ich fließe zwischen Bett und Couch hin und her und lasse mich mit Fringe berieseln - eines der vielen easter eggs der Serie sorgt für Ablenkung: Immer vor der Werbeunterbrechung wird ein Symbol eingeblendet. Mit dem richtigen Decoder ergibt das in jeder Episode ein Wort, das für den jeweiligen Plot relevant ist. Spielkram, aber zeigt, dass sich jemand viel Mühe mit der Serie gemacht hat. Der Aspi mag sowas.

Ich schaue heute nur einmal kurz aus dem Fenster, sehe Regengrau, der Anblick lohnt sich nicht, zum Abendessen gibt es Dosensuppe und Ibuprofen. Immerhin eine sinnvolle Sache habe ich heute geschafft - Erbsechore und ihre Schwestern haben endlich ihre Rankstäbe bekommen. Ich hätte das total vergessen; schön, wenn man eine Mutter hat, gegen die Demeter einpacken kann. 

Kleines Lächeln heute: Ein nettes Corona-Schreiben aus dem Ministerium weist uns darauf hin, dass es vorkommen kann, dass nun Ärzte aller Orientierung auf Lehrer zugehen zwecks Impfung. Das sei eine gute Sache, man möge aber doch ein wenig darauf achten, die Termine so zu legen, dass es aufgrund von Impfreaktionen nicht zu Häufungen von Unterrichtsausfällen kommt. Lächeln aus zwei Gründen - zum einen wegen des perfekten Timings des Schreibens, zum anderen lese ich aus dem Schreiben, dass der Unterricht möglichst nicht ausfallen soll. Angesichts des unmittelbaren Zusammenbruchs des Online-Impftermin-Systems sollte jeder Lehrer froh sein, überhaupt irgendwie geimpft werden zu können. 

Für diesen Aspi ist das alles zu chaotisch, zu unvorhersehbar, der absolute Horror da draußen. Ziel: Überleben, Unterricht ohne Kollateralschäden geben. Und jetzt? Mit Fencheltee zurück in's Bett.

Sonntag, 28. März 2021

Linke Korrekturen


Toll, endlich mal ein bisschen Arbeit in der Wohnung geschafft, und quasi als kleine Belohnung habe ich ein Bonmot in den ESA-Korrekturanweisungen gefunden - dort heißt es nämlich, dass man für jede richtige Antwort "1 Punk" vergeben soll (halbe Punks werden natürlich nicht gezählt). 

Zum einen ist das drollig, weil ich mir vorstelle, dass das Lernziel darin bestehen könnte, aus jeder Aufgabe eine möglichst vollständige Punkband zusammenzubekommen. Vielleicht sollte ich für gestrige Belohnungsaktionen in Zukunft Klebepunks verteilen? 

Zum anderen ist das natürlich ziemlich schlampig für zentral erstellte verbindliche Prüfungsunterlagen - Vorbildfunktion anyone? Ich hätte nicht übel Lust, bei jeder Aufgabe "4 Punks" o.ä. darunter zu schreiben - wenn das nicht gleich wieder die Korrekturen ungültig und eine Drittkorrektur nötig machte, ich traue unserem Ministerium alles zu. Aber ich sollte dieser Einrichtung nicht allzu böse sein, denn sie haben momentan genug damit zu tun, Entschuldigungsschreiben für impfchancenloses Lehrpersonal zu versenden (mal ganz davon abgesehen, dass "böse sein" im Lojong überhaupt keinen Platz hat).

Ich bin mal gespannt, was für Stilblüten bei den Schreibaufgaben der Schüler zustande gekommen sind...