Donnerstag, 11. November 2021

Eine etwas andere Black Story


vorweg: Ich habe im Internet neben den Klassikern ("Romeo und Julia tot auf dem Boden, Teppich nass" - "(Albatross- oder) Leguansteak" - "Schachspiel, der Gewinner erschießt sich" und so weiter...) eine Black Story gefunden, die ich noch nicht kannte und die richtig gut klingt. Ich muss sie mal mit einer Klasse ausprobieren. Wichtig ist, dass man das mit einer Lerngruppe macht, die schon einige Black Stories gelöst hat und das Prinzip kennt!


The Cave - an unusual situational puzzle

A woman enters a cave and sings a loud song. She then picks up an object and dies. Why? 

(scroll down for the solution)


















The solution: There is no solution to this story. You answer every question alternating between YES and NO. At some point one of the students may realize this pattern - but by then you will have heard some amazing theories and stories. That is the objective of this story: Let the students be as creative as possible; there is no end to this and you can have lots of fun. 

Mittwoch, 10. November 2021

Die Ablehnung


Das Problem: Eine Physikstunde muss vertreten werden.

Der Plan: Ich mache eine Englischstunde, tell me about your internships, and then we'll do a situation puzzle (=Black Story).

Die Realität: Wir reden über das Geldverdienen. Wieviel Geld verdient man eigentlich so? Was bedeutet brutto und netto? Wo geht das abgezogene Geld überall hin? Wie bekommt man überhaupt Arbeit? Wieviel verdient Dr Hilarius? Was ist Arbeitslosengeld? Kann Dr Hilarius an der Schule bleiben?

Also habe ich wieder mein Bild mit den Kreisen (=Planstellen einer Schule) herausgeholt und den Schülern erklärt, dass ich als Unfallvertretung für Frau Rogenweg (Frau R) eingesprungen bin und eigentlich erstmal nur ein halbes Jahr bleiben sollte.

Das ist interessant, denn ausgerechnet aus der heutigen Klasse hatte ich damals einige Schüler in meinem Englischkurs, und ich weiß noch ziemlich gut, wie sehr ein paar von ihnen mit Ablehnung auf mich reagiert haben (weil Frau R besser ist). Heute sieht das anders aus; Frau R ist immer noch toll, aber ich bin an der Schule ein bisschen bekannter und ausgerechnet die Schüler, die damals stark geblockt haben, haben sich heute im Unterricht beteiligt. The times are a'changin', und ich habe das gleich für eine Lehrstunde genutzt und die Bewerbung an der Toni vor sieben Jahren ausgepackt.

Ich hatte damals im Blog darüber geschrieben, dass ich keinen Erfolg mit der Bewerbung hatte. Der Schulleiter meinte damals zu mir "Werden sie mal konkret.", als ich ihm erzählt habe, dass ich eine ungewöhnliche Lehrkraft bin. Und das konnte ich dann nicht. Im Nachgang klassisches Asperger-Symptom - etwas Hypothetisches nicht genau ausmalen können. Deswegen bin ich nicht vor sieben Jahren an die Toni gekommen, sondern erst vor zwei Jahren aus einer Not heraus.

Weil man mir erstmal mit Ablehnung oder zumindest reserviert begegnet. Fast immer. Deswegen habe ich keine Chance in Auswahlgesprächen auf Planstellen an unbekannten Schulen, das Lied habe ich hier schon oft genug gesungen. Worum es mir geht: Ich konnte anhand dieses Beispiels den Schülern gut zeigen, wie das ist mit ersten Eindrücken, Oberflächlichkeit, Offenheit und verpassten Chancen.

War eine tolle Physikstunde!

Dienstag, 9. November 2021

Ich wiederentdäcke Knäcke


Immer wieder interessant, was so alles bestimmte Erinnerungen an die Kindheit triggern kann - zum Beispiel, wenn man sich den Magen verdorben hat: Als Schonkost gilt Zwieback oder besser noch Knäckebrot, und ich stehe vor dem Knäckeregal im Supermarkt und fühle mich angesichts Wasa in's Haus meiner Oma zurückversetzt. 

Meine Oma hatte in der Küche immer mindestens eine Dose mit Knäckebrot; vielleicht ist das noch aus der Zeit der Flucht geblieben - immer etwas dazuhaben - denn es hält sich ewig. Und ich habe, wenn ich meine Oma besucht habe, immer diese Dose gesucht und Knäckebrot gegessen. Ohne Aufstrich und Belag, weil ich den Geschmack von Knäcke pur so gern mochte. 

Das ist auch heute noch so, ich mag diese krachenden Scheiben mit dezentem Roggen- oder Vollkorngeschmack. Und wenn es gesund ist, umso besser. Dazu noch ein kleiner Tablettencocktail bei Bedarf gegen Übelkeit, Magenkrämpfe oder Durchfall - kann nur besser werden.

Woher das kam? Von schlechtem Sushi, da bin ich mir sehr sicher. Normalerweise esse ich es sofort, aber das hier dürfte ein paar Tage im Kühlschrank gestanden haben. Kommt davon, wenn man planlos Nahrungsmittel einkauft, also findet sich in dieser Anekdote ein Hauch von Asperger pur wieder.

Und falls die große Buba das liest: Nein, es lag nicht an meiner Schimmelmelone, die munter durch den Kühlschrank gewandert ist. Das Teil ist inzwischen komplett entseucht. ;-)

Sonntag, 7. November 2021

Filmgenuss mit Botschaft

Szene aus Candyman (2021)

Ein Film, der die Effekte der Gentrifizierung sozial schwächerer Viertel amerikanischer Großstädte aufzeigt. Ein Film, der Polizeigewalt gegenüber Afroamerikanern anprangert. Der in der Kunstszene spielt. Der selbst künstlerisch ansprechend ist. Der seine Sozialkritik mit rabenschwarzem Humor verbindet. Der gender fluidity wie selbstverständlich zeigt und uns gleich zu Beginn ein interracial gay couple zeigt, das tatsächlich eine wichtige Rolle spielt. Für mich klingt das wunderbar. Oh, und es ist ein Horrorfilm. Und so viel mehr.

Das verwundert nicht, wenn man sich anschaut, wer dahinter steckt - Jordan Peeles Monkeypaw Productions; der gute Mann hat uns mit Get Out und Us bereits zwei psychological horror films präsentiert, die sich mit racial injustice and the Black Experience in den USA auseinandersetzen. Diesmal handelt es sich um einen übernatürlichen Slasherfilm und Nia DaCosta hat Regie geführt. Dass es kein Standard-Slasher vom Fließband ist, zeigen die ersten zehn Minuten des Films: Die Auflistung der Produktionsfirmen verläuft etwas anders als üblich, und die opening credits zeigen uns eine Kamerafahrt durch soziale Wohnungsbauprojekte in den USA - konkret das Cabrini-Green - allerdings mit überkopf gehaltener Kamera, die die Hochhäuser nach oben filmt. Wenn man die vorbeigleitenden Wolkenkratzer betrachtet, deren Spitzen im Nebel verschwinden (gleichzeitig ein flashforward aus den Siebzigern in die Gegenwart), und dazu die abstrakte Musik hört - eindringlich-hypnotisierend, aber kein Ohrwurm - hat man eher das Gefühl, man schaut einen Science Fiction-Film mit in den Wolken schwebenden Gebäuden. Muss nicht extra erwähnt werden, dass ich mir die gesamte Sequenz wieder und wieder angesehen habe.

Und so geht es den gesamten Film über: Unkonventionelle Kameraarbeit und eine Regisseurin, die wenig Gewalt direkt zeigt (in den Mordszenen), aber über Musik und Geräusche mit unseren Vorstellungen spielt. Und sie gleichzeitig immer wieder überrascht: DaCosta liebt das Spiel mit der misdirection, der In-die-Irre-Führung: Man erwartet anhand bestimmter Kameraperspektiven dramatische Entwicklungen, aber sie enthält sie uns vor. Eine der Mordsequenzen erinnert an eine Einstellung aus dem neuen Halloween, in der die Kamera außerhalb des Hauses bleibt und durch die Fenster beobachtet, wie drinnen das Chaos ausbricht.

Horror in der Künstlerszene

Der Film ist definitiv auch durch George Floyd und sämtliche zeitgenössischen Enthüllungen amerikanischer Polizeigewalt inspiriert - die tagline des Films lautet nicht ohne Grund "Say his name!" Die deutsche Filmkritikerin Antje Wessels zieht folgendes Fazit: 

"In seiner stilistisch herausragenden Mischung aus abgebrühtem Killerfilm, Rassismusanklage und Psychodrama um einen von seiner Muse vereinnahmten Künstler ist „Candyman“ einer der besten Filme des Jahres und mit Sicherheit der Startschuss für eine spannende Karriere der Regisseurin Nia DaCosta."

Candyman | Wessels-Filmkritik.com

Ich freue mich schon, wenn im Dezember die Bluray veröffentlicht wird.

post scriptum: Wieder ein moderner Horrorfilm, der in der Künstlerszene veranlagt ist - das erinnert mich an die schwarze Horrorsatire "Velvet Buzzsaw" ("Die Kunst des toten Mannes") mit Toni Colette und Jake Gyllenhaal ;-) Aber der hier hat mehr zu sagen.

Donnerstag, 4. November 2021

Das Betriebskostenabrechnungsdrama


Es ist unglaublich schwer, sich runterzufahren, wenn einem verschiedene Blogideen in den Kopf schießen. Drei Möglichkeiten - ich könnte über einen wunderbaren Film schreiben, den ich gestern entdeckt habe und der intensiv nachwirkt. Ich könnte über - ach, wie praktisch, Nummer Zwei ist schon wieder aus meinem Bewusstsein verschwunden. Bleibt also der dritte Punkt: Das Betriebskostenabrechnungsdrama.

Ein Wort für das Glücksrad. Ich glaube, ich habe noch nie so lange auf eine Betriebskostenabrechnung gewartet wie in diesem Jahr; vor zwei Tagen ist sie dann gekommen, zusammen mit der Heizkostenabrechnung. Und ich habe die Briefe erstmal einen Tag ungeöffnet gelassen, denn - Schrödingers Katze grüßt: Erst wenn ich den Brief öffne, wird es unangenehm, vorher ist das alles unsicher.

In den letzten Jahren hatte ich da horrende Nachzahlungen; das lag daran, dass ich gegen einen ziemlich fiesen Neurodermitisschub regelmäßig medizinische Ölbäder machen musste. Dann hat die Sannitanic mich darauf hingewiesen, dass in der Neurodermitis-Szene Kokosöl sehr beliebt ist, und seitdem reicht es mit Duschen und danach den Körper mit Kokosöl behandeln. 

Und das zahlt sich jetzt aus, denn zum ersten Mal bekomme ich eine Rückzahlung der Betriebskosten, großartig! Auf der anderen Seite muss ich bei den Heizkosten ein wenig nachzahlen, aber das macht gar nichts. Fast nichts. Denn mich verwirrt die dämliche Abrechnungsmaschinerie von Vonovia und ihren Subunternehmen.

Brief Eins: Ganz toll, Sie haben zuviel Betriebskosten bezahlt, wir zahlen Ihnen etwas zurück und die Miete wird gesenkt von A auf B.

Brief Zwei: Sie müssen bei den Heizkosten noch etwas nachzahlen, infolgedessen wird die Miete erhöht von A auf C.

Ich hoffe wirklich, dass die das ordentlich miteinander verrechnen, und ich werde Anfang Dezember meinen Kontoauszug sehr genau studieren.

I hate Vonovia. 

Dienstag, 2. November 2021

Wir hatten etwas vor


...aber erstens kommt es anders, und zweitens, als man denkt. Zum Glück, möchte man in diesem Fall sagen. Ich habe mir gestern noch einmal Get Real (1998) angeschaut - immer dran denken, mit Deinen Schülern keine Sachen anzuschauen, die Du noch nicht oder lange nicht gesehen hast, die Erinnerung kann trügen! Der Film ist gut, das bleibt auch so, aber er ist für die heutige Jugend zu langsam. Die Kiddies sind heute an instant gratification gewöhnt, die (meisten von ihnen) halten so einen slow burn nicht durch. Also habe ich meinen Plan für heute geknickt.

Hat ja sicherlich auch etwas Gutes: Ich trainiere, spontan einen Plan zu ändern. nota bene: Es gibt Dinge, die man als Behinderter nicht trainieren kann, dazu gibt es demnächst auch eine kleine Allegorie hier. Ich habe heute also eine Alternative gemacht, die eigentlich idiotensicher ist - wir haben uns den MSA Zweitausendachtzehn vorgeknöpft, die rezeptiven Aufgaben, um den jungen Erwachsenen einen Eindruck davon zu geben, wie fit sie tatsächlich für die Abschlussprüfungen sind. So ein eye opener möglichst früh im Schuljahr kann sehr hilfreich sein: Plötzlich kommt die Panik in den Augen, plötzlich werden andere Sachen unwichtiger - Fitnessstudio, Parties, Videospiele, Rumhängen. Lernen ist angesagt, sonst endet man wie der Wiederholer.

Und ganz ohne Film ging es dann doch nicht, wir haben The 13th Floor (1999) gestartet, der bietet auch Diskussionspotential (es geht um das Leben als Simulation, ein Remake von Welt am Draht (1973), einer Romanverfilmung), und den kann ich in der nächsten Woche dann mit meinem Kurs abschließen und Schreibaufgaben dazu geben. Genau dieses Programm (mit einer black story anstelle des Films) gibt es morgen auch, Donnerstag nochmal, die Parallelklassen sind dran. Und endlich beginnt das Projekt der Neuorganisation des Toni-Jensen-Schularchivs!

Aber das ist eine andere Geschichte...

Montag, 1. November 2021

Wir haben etwas vor


Vorhabenwoche.

Ich denke, jeder kennt das irgendwie, sei es nun als Lehrkraft oder aus den Erinnerungen an die eigene Schulzeit, vielleicht auch unter dem Namen Projektwoche: Eine Woche, in der der Stundenplan außer Kraft gesetzt ist und auf andere Art und Weise gearbeitet wird. Das bietet viele tolle Möglichkeiten - aber wenn man sich nicht rechtzeitig ein gutes Konzept überlegt hat, könnte es eine thematisch schwammige Zeitverschwendung werden.

Ich habe keine eigene Klasse und bin somit als Springer verfügbar - zur Verstärkung oder bei Krankheitsausfällen, und eine Kollegin hat mich schon im Vorfeld gefragt, ob ich in ihrer Klasse nicht etwas Vorbereitung auf den MSA machen könnte. Gar kein Problem.

Problematischer wird es bei den anderen Einsätzen. Wenn ich nicht weiß, was ich machen soll, und wenn ich noch nicht einmal weiß, ob ich überhaupt etwas machen soll, werde ich panisch. Kurz gesagt: Diese Woche ist für mich ein Horror. Wenn ich frühzeitig mitgedacht hätte, hätte ich den Kollegen ab Klasse Neun einen zwei- oder vierstündigen Workshop Suchtprävention angeboten, aber wie ich schonmal geschrieben hatte, das muss auf nächstes Mal warten.

Eigentlich klingt das paradiesisch: "DrH, morgen gehst du von der zweiten bis vierten Stunde in die 10c, mach' mit denen, was du willst." Aber das ist fürchterlich, denn ich weiß nicht, was ich machen soll. Ich habe heute zwei Stunden in Meditation verbracht, um mich auf etwas festlegen zu können, das hoffentlich allen Seiten gerecht wird:

Morgen gehe ich in die Klasse, frage, ob irgendjemand dort zur LGBTQIA+-Community zählt. Wir werden eine englische classroom discussion machen über die Situation von Jugendlichen, die sich ihrer Sexualität nicht mehr sicher sind; als Grundlage, quasi als Denkinput, schauen wir uns den Film Get Real (1998) an. Dort wird die Frage gestellt, ob man sich outen sollte, oder ob man lieber ein closeted life leben soll - ganz passend anhand einer Gruppe von Schülern, von denen einer offen schwul ist, ein anderer offen hetero - und dann funkt es zwischen ihnen, aber die Hete hat panische Angst davor, dass irgendjemand etwas erfährt. Klassische Geschichte.

Und um noch eine text production hinterherzuschieben, biete ich ihnen als Schreibübung an, einen comment zu folgendem Satz zu schreiben: "If you are not heterosexual, then you should keep it a secret." Das werden wir natürlich nicht alles in diesen drei Stunden schaffen - die Schreibaufgabe wird ein Rausschmeißer; wer möchte, darf mir seinen Text gern per Iserv zuschicken, ich korrigiere und bewerte ihn. 

Mittwoch gibt es ein anderes Thema, aber dazu morgen mehr. Wenn ich meine eigene Klasse hätte (bloß nicht!), dann würde ich diese Vorhabenwoche natürlich komplett durchorchestriert haben. Und das wäre vielleicht sogar toll. Aber so als Springer, ohne konkreten Einsatzplan, das ist für den Aspi echt unschön.