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Montag, 19. Januar 2026

Die halbe Tablette

Reicht manchmal schon aus...

Was für ein aufregender Montag morgen. In Sachen Zuzahlungsbefreiung bin ich einen Schritt weiter, eine Sache mit Amazon geklärt, eine Sache mit der Provinzial angeleiert, ein Colitis-Schub ist im Anmarsch - nächste Infusion ist in einer Woche - und dann kommt es noch besser, ein Kieler Gymnasium ruft an und braucht Vertretung. Insgesamt zu viel, ich bin völlig überfordert und ohne eine halbe Tablette verliere ich den Überblick und erstarre. Also rein damit, bis zum Anfluten die Spüle ausräumen, den Drucker warten und den Rückruf bei'm Gymnasium auf morgen vormittag legen, denn ich bin für heute platt.

Damals mit der Grundsicherung im Leben wäre das kein so großes Problem gewesen, aber jetzt bin ich froh, dass ich ein Medikament habe, was gegen Angst hilft, und eines, was den Blutdruck bei Meltdown-Attacken wieder runterbringen kann. Und damit ich nicht *jedesmal* zu den Tabletten greife, bin ich froh, dass ich Conny habe, der mir da gutes Feedback geben kann und vor allem alles Wichtige, was erledigt werden muss, in eine sinnvolle, in meinen Wochenplan eintragbare Version bringt.

Allein, was alles bei'm Hausarzt in zwei Wochen ansteht:

- Gesundheitskarte für das Quartal vorzeigen

- Überweisung zum Psychiater abholen

- Hautveränderungen im Lendenbereich abklären

- Metoclopramid gegen Übelkeit testen

- Gutachten für den Schwerbehindertenantrag "in Auftrag geben"

- Zuzahlungsbefreiungsausweis vorzeigen (hoffentlich!) 

Dann auch noch den Drogerieeinkauf erledigt - wie schnell doch 80 Euro weg sein können -.- - und nun reicht es für heute. Morgen geht es weiter mit dem Bereich Küche, und wenn ich das zeitig schaffe, kann ich direkt danach meiner Mutter voller Stolz im Videotelefonat die saubere Küche präsentieren. Mal schauen, ob ich den Schwung finde ;-) Aber erstmal ist dann natürlich die Schule dran... 

Eine Mischung aus Angst und Mut.

Dienstag, 14. Oktober 2025

Hals- und Zahnbruch!


So, morgen früh ist es mal wieder soweit: Ich werde daran erinnert, warum es sich lohnt, bei der eigenen Gesundheit nicht allzu schnell zum nächsten Tagesordnungspunkt weiterzugehen. 

Mir ist es vor zwei Jahren nicht aufgefallen, dass ich abgenommen hatte. Ich bin von KollegInnen darauf angesprochen, aber was soll schon sein, mein Gewicht ist immer etwas hin- und hergependelt. Zu Beginn meines Studiums war ich auf 78kg runter, sah zwar aus wie ein Hungerhaken, aber mir ist das nie bewusst geworden, weil ich mich täglich im Spiegel gesehen hatte und kleine Veränderungen nie wahrgenommen hatte. 

Erst, als ich mein Foto an der Kollegiumswand meiner letzten Schule gesehen hatte, wurde es doch etwas gruselig, mit hervortretenden Wangenknochen und claviculae, aber ich hatte es wieder abgetan und auf das Sonnenlicht und den Schatten geschoben. Dann kam da diese eine Mathestunde, in der ich schwarz auf weiß sah, dass ich nur noch 68kg wog - das kam dann wie ein Schock, und dann wurde mir auch erst klar, warum ich die Treppen in meine Wohnung im dritten Stock meistens nicht mehr am Stück schaffte.

Logisch - woher sollte mein Körper die Energie nehmen, wenn er kaum noch Nährstoffe aus der Nahrung aufgenommen hatte? Denn ich hatte damals reichlich gegessen und trotzdem immer weiter abgenommen. Und daraus ließ sich dann auch erklären, warum meine Fingernägel gebrochen, eingerissen und splittrig waren. 

Und wenn ich etwas früher nachgedacht hätte, hätte ich mir auch denken können, dass durch den Nährstoffmangel auch meine Zähne nach zwei Jahren bruchanfälliger geworden waren - kein Wunder, dass innerhalb von einem Jahr drei Zähne abgebrochen sind. Bis auf den neulichen Backenzahn ließ sich das ja alles sanieren; Grund zum Aufatmen gibt es trotz anschlagender Therapie noch nicht, denn so ist mir vor drei Wochen wieder ein Stück von einem Zahn abgebröselt. 

Also darf ich morgen früh um fünf Uhr mit meinem Wecker aufstehen, ansatzweise menschlich werden und ab zum Zahnarzt, der mich noch irgendwie vor den ersten Patienten des Tages geschoben hatte: Zeit für den Abdruck (ich freue mich schon sehr auf das Gefühl) für die Brücke und für den abgebrochenen Zahn. Diesmal gibt es das Sedativum direkt vom Zahnarzt, denn mir ist am hintersten Backenzahn ein Stück abgebrochen - genau die Stelle, an der (im anderen Quadranten) das Anschleifen für die Brücke letztes Mal ziemlich wehgetan hatte, und damit ich diesmal nicht wieder so verkrampfe wie damals, gibt es anstelle eines Anxiolytikums eben ein Sedativum - eine Runde dösen im Zahnarztstuhl, mit einer Wirkdauer, die gut auf die gesamte Behandlungsdauer zugeschnitten ist.

Aber es gibt auch noch eine gute Nachricht: Meine Bewerbungsunterlagen sind aktualisiert; die Bewerbungen im automatischen Bewerbungsverfahren sind immer sechs Monate gültig und müssen dann aktualisiert werden. Bisher hatte ich nach einem halben Jahr immer wieder etwas Neues gefunden, aber Dank des Kürzungswahns im SH-Bildungswesen gibt es diesmal weiterhin keine Perspektive. Okay, war also nur eine halb-gute Nachricht.

Also ab die Post, damit ich morgen vormittag eine "richtig" gute Nachricht vermelden kann! ;-) 

Sonntag, 28. September 2025

Stolz wegen einer Kleinigkeit


Da wäre ja noch der andere gesundheitliche Punkt, dessentwegen ich mich lange nicht gemeldet habe - die colitis ulcerosa. Nach den ersten Infusionsterminen ging es mir deutlich besser, ich war richtig erleichtert, ich habe endlich wieder angefangen, Horrorfilme zu schauen - bei mir ein Zeichen dafür, dass ich psychisch fit bin. Dann kam allerdings der Rückfall: Die Remissionsphase hatte ein Ende, und plötzlich musste ich wieder zwischen acht und zwölf mal am Tag zur Toilette, und an Schlaf war des Nachts nicht zu denken. Das hat mich echt fertig gemacht. Zum Glück konnte ich bei meinem nächsten Termin bei der Gastroenterologin das Thema zur Sprache bringen und wir sind zum Schluss gekommen, dass die Intervalle zwischen den Infusionen zu schnell vergrößert wurden. Also haben wir den Terminplan etwas aktualisiert.

Montag war ich wieder da, pieks tropf tropf tropf spül, und heute, einige Tage später, spüre ich, wie es mir wieder besser geht. So gut, dass ich Lust auf Dinge habe - wie zum Beispiel aufräumen. Es ist Sonntag, zehn Uhr morgens, und ich habe die Wäsche gewaschen, aufgehängt, Müll rausgebracht, Antrag auf Zuzahlungsbefreiung fertig gemacht, diesen Artikel geschrieben. Das freut mich riesig, ich bin total stolz, auch wenn das eigentlich nur Kleinigkeiten waren. Aber wenn etwas auf der Seele lastet, kann das für einen totalen Stillstand sorgen; vielleicht kennt ja der eine oder die andere von Euch das. 

Jetzt werde ich den Rest des Sonntags richtig genießen, und mich auf morgen freuen, wenn ich meiner GE mitteilen kann, dass die Infusion angeschlagen hat und wir mit der Kortison- (bzw. Prednisolon)dosis wieder etwas runtergehen können. Ich bin erleichtert, und wenn auch das Aufräumen in der Wohnung sehr langsam vorangeht - wie heißt es? "Auch eine Reise von zehntausend Meilen beginnt mit dem ersten Schritt."

Danke an alle von Euch, die an mich glauben, auch wenn ich mich Euch gegenüber momentan unmöglich verhalte. Ich bereite mir jetzt mal ein leicht verdauliches Mittagessen zu, nach dem mein Magen hoffentlich nicht explodieren wird. ;-)

post scriptum: Song of the day aus einem Filmsoundtrack <3 (I Saw the TV Glow)


 

Montag, 22. September 2025

Alien im Zahnarztstuhl


Tot bin ich noch nicht. Dass ich mich genau einen Monat lang nicht gemeldet habe, hat verschiedene Gründe - immer noch der allgemeine Frust über die Jobsituation und dass Schleswig-Holstein sich derzeit nicht in der Lage sieht, neue Lehrkräfte einzustellen, außerdem eine Art Schamgefühl, weil ich auf viele Mails nicht geantwortet habe - das summiert sich - und dann gibt es da noch gesundheitliche Gründe.

Eine Thoraxprellung vor ein paar Wochen wäre keine Ausrede gewesen, warum ich hier nichts mehr geschrieben habe. Sie hat das Atmen und die Rückenlage etwas unangenehm gemacht, aber es gibt ja Medikamente und so eine Prellung dauert nicht ewig. Problematischer wird es da bei den Zähnen. Mir ist ein Backenzahn dergestalt auseinandergebrochen, dass er das Prädikat nicht erhaltungswürdig bekommen hat. Bedeutet: Der muss raus, genauer gesagt das, was von ihm noch übrig war.

Für einen Autisten der Horror: Eine unbekannte Situation. Mir ist noch nie bei vollem Bewusstsein (aber natürlich reichlicher Betäubung) ein Backenzahn gezogen worden. Wie sieht das aus, wie fühlt sich das an? Meine vier Weisheitszähne sind mir zusammen unter Vollnarkose herausoperiert worden, davon hatte ich nichts weiter mitbekommen - aber klar war natürlich, dass ich an jenem Tag ein Beruhigungsmittel vorher brauchen würde, denn diese Angst vor unbekannten Situationen kann niederschmettern.

Von Tag zu Tag ist diese Panik gewachsen, das war echt kein schöner Zustand. Zum Glück gibt es Medikamente, die so etwas abmildern können. So konnte ich an dem Tag ruhig und gelassen zum Zahnarzt gehen. Hupsie, Pupsie, und schon waren die zwei Hälften des Zahnrests raus. Es fühlte sich zwar an, als würde mein Zahnarzt mir den Unterkiefer ausreißen wollen, aber da hilft der Autismus dann - sachlich bleiben, er weiß, was er tut, und natürlich habe ich mich vorher belesen, wie so eine Zahnextraktion sich anfühlen kann.

Das war letzten Donnerstag, und die Schmerzen sind so gut wie weg. Nur, wenn ich viel rede, meckert der Unterkiefer noch herum. Aber es ist ja erschreckend, wie groß so ein Backenzahnloch ist! Da könnte man drei Kinder drin beerdigen. Da muss Zahnersatz her, und schon sind wir bei einem weiteren Punkt unter der Kategorie "Warum Dr Hilarius sich nicht meldet". So ein Kostenvoranschlag für eine Zahnbrücke kann einen erschlagen! Gleichzeitig kommt in einem zweiten Brief aber die Bestätigung der Krankenkasse, dass sie - nach Härtefallprüfung - 100% des Regelsatzes übernimmt (weil ich Bürgergeld bekomme). Also gleich die Bitte, das Standardbrückenmodell zu nehmen, ohne ästhetische Aufbesserungen. Dann habe ich eben etwas mehr Metall im Mund - ganz weit hinten, kaum sichtbar. Irgendwie fühlt sich das an wie Science Fiction, wenn Teile des Körpers nach und nach durch künstliche Sachen ersetzt werden ;-)

Das lässt mich an eine Sache denken, die die ganze Zahnbehandlung etwas erleichtert hat. So sehr, dass ich zwischendurch die Augen schließen musste, um nicht laut loszulachen. Diesmal war ich nämlich in einem anderen Behandlungszimmer, mit einer anderen Lampe über dem Zahnarztstuhl. Sie war so geformt, dass sie aussah wie ein klassischer Alienkopf, mit Anime-Augen. Kaum ist der Gedanke einmal da, werde ich ihn nicht mehr los, und deswegen Augen zu, damit der Arzt weiter arbeiten kann.

Und auch die colitis hat dazu beigetragen, dass ich nichts schreiben mochte, aber dazu bei'm nächsten Mal mehr. An alle, die ich zur Zeit vernachlässige: Es tut mir so leid! Vielleicht wird es irgendwann wieder besser.

post scriptum: Wer weiß, worauf sich der Ausdruck "Hupsie & Pupsie" bezieht, bzw. woher er kommt, bekommt eine Schachtel Belgische Meeresfrüchte ;-) 

Mittwoch, 23. Juli 2025

Date mit Morpheus


Nein, ich habe kein Morphin genommen. Mein Date bezieht sich auf den Ursprung des Namens - oder einfacher ausgedrückt: Ich habe letzte Nacht sechs Stunden am Stück geschlafen! Das hatte ich ewig nicht mehr,  aber so nach und nach haben sich meine Schlafphasen verlängert. Wer weiß, vielleicht kann ich bald wieder eine ganze Nacht durchschlafen, ohne alle zwei Stunden von Magenproblemen aufgeweckt zu werden.

Ja, es ist wieder nur ein kleiner Schritt Richtung Genesung, aber zu einer Genesung wird es eh' nicht kommen, meine Krankheit ist chronisch. Also ist das Ziel, sie so zu behandeln, dass ich mein Leben wieder einigermaßen normal leben kann. Dazu gehören dann eben auch die Erfolge der letzten Tage - keine Koliken mehr, weniger Medikamentenbedarf, Gewichtszunahme, und in ganz kleinen Schritten eben auch der Schlaf.

Und ich muss sagen, dass es ganz gut tut, dass ich mich im Moment nicht auf die Arbeit konzentrieren muss - ich habe schließlich keine - sondern mich auf meinen Gesundheitszustand konzentrieren kann, so wie meine Jobcenter-Sachbearbeiterin das mit mir abgesprochen hat. 

"Lächle, und die Welt verändert sich." (Buddha)

Sonntag, 20. Juli 2025

Treppensteigen


Vor ein paar Tagen:

Zwei neue Erfolgserlebnisse auf dem Weg der Genesung machen mich gerade sehr glücklich: Ich habe diese Nacht komplett durchgeschlafen! Zumindest scheint es so, und wenn man zweieinhalb Jahre immer nur ein bis zwei Stunden am Stück schlafen konnte, dann ist das etwas Besonderes. Es ist sechs Uhr morgens und ich fühle mich wach und aktiv. 

Und zum zweiten: Einer meiner ersten Gänge morgens führt mich runter zu nahkauf, um dort entweder Bananen zu holen, oder ein Stück jungen Gouda, Tomatensuppe oder weißes Toastbrot. Dann geht es mit voller Tasche wieder die Treppen hinauf in den dritten Stock. Als ich noch aussah wie der Tod, musste ich mich auf der zweiten Etage immer einen Moment hinsetzen, durchatmen, einen Schluck trinken, ich konnte nicht mehr. Das gehört nun auch der Vergangenheit an - vor zwei Tagen bin ich sogar den längeren Weg zum Rewe Center gewandert und mit voll belandener Tasche zurückgekehrt. Auf dem Weg die Treppe hinauf habe ich meine frühere Technik angewandt - immer zwei Stufen auf einmal zu nehmen - und auch das hat geklappt!

Das Fett kehrt zurück, die Farbe kehrt zurück, die Energie kehrt zurück, ich fange an, mich für unterschiedliches Essen zu interessieren, ich brauche derzeit kaum Schmerzmittel. Kurzum: Es geht bergauf, und ds gibt mir Gelassenheit und Freude, die ich hoffentlich an andere Menschen weitergeben kann.

VIELEN LIEBEN DANK für Eure Unterstützung, sei es mit gesunden Rezepten, Haushaltstools für Colitispatienten oder einfach liebe Worte der Anteilnahme. Das lässt meine Hoffnung in die Menschlichkeit wieder etwas aufflammen. :-) 

Heute:

Heute bin ich nicht gut drauf. Das muss auch mal erlaubt sein; es ist der zweite Tag mit 29 Grad in der Wohnung, der Ventilator hilft etwas, aber eben nur etwas. Das wird eine unangenehme Nacht werden, könnte wieder eine jener durchwachten Art sein, bei der ich mich morgens wie ein lebender Toter fühle. Hoffen wir mal, dass die Temperatur einigermaßen runtergeht.

Donnerstag, 10. Juli 2025

"Du sahst aus wie... darf ich das sagen?"


Nach zwei Arzttagen war gestern eine Verschnaufpause dran. Mein Termin lautete "ab mit dem Kopf", andere Menschen nennen es "Friseurtermin". Ich war also endlich wieder unten bei Tina, und die Haare mussten wirklich dringend ab, die Schwitzerei am Kopf hat doch sehr genervt. Außerdem ist meine Erfahrung, dass ich mich mit kurzen Haaren wesentlich leichter fühle, und so sollte es auch diesmal sein.

Und wie das nun mal so ist, haben Tina und ich ein bisshen während der Schneiderei getratscht. Ja, Autisten sind keine großen Fans von belanglosem Smalltalk, und das trifft auch auf mich zu. Dadurch, dass Tina und ich aber im selben Haus "wohnen", findet man immer gemeinsame Gesprächsthemen - der Vermieter, die neue Straße, das Überleben in der Hitze. Und ich wollte die Chance nutzen, um ihr eine wichtige Frage zu stellen: "Sag' mal, Tina, Du siehst mich ja meistens in gewissen Zeitabständen und kannst das daher besser beurteilen als ich: Wie sehe ich aus im Vergleich zu ein paar Wochen? Würdest Du sagen, dass ich wieder etwas gesünder aussehe?" Und die Antwort hat mich sehr gefreut:

"Also, Du hast endlich wieder etwas mehr Gesicht, und vor allem auch wieder etwas mehr Farbe im Gesicht. Davor... Du sahst aus wie... darf ich das sagen?" - "Ja bitte, für mich ist es wichtig, das zu wissen, denn ich fühle mich, als ob ich immer gleich aussehe." - "Okay, also, du sahst aus wie... der Tod." Damit hat Tina mir meinen Verdacht bestätigt: Ich setze endlich wieder etwas mehr Fett an, und ich habe nicht mehr diese extreme Eisenmangelanämie - Blutarmut. Es dauert zwar sehr lange, die Eisenspeicher wieder aufzufüllen, aber erste Erfolge sind offensichtlich zu sehen. Ich weiß noch, wie ich mein Foto an der Kollegiumswand der letzten Schule gesehen habe.

Damals war ich sehr erschrocken, denn es waren wirklich nur noch Haut und Knochen, man konnte meinen Schädelknochen sehr gut ausmachen, und meine Haut spannte sich wie ein nasses Tuch darüber. Das war wirklich schlimm. Umso glücklicher bin ich, dass ich zwar mit kleinen, aber durchaus progressiven Schritten dem Ziel näher komme, in meine erste Remissionsphase einzutreten, in der ich (jetzt seit etwa zehn Tagen) ohne Koliken auskomme und mein Körper wieder Nährstoffe aufnehmen kann.

Ich bin im Moment sehr glücklich über meinen Colitis-Gesundheitszustand. Über die Zähne reden wir ein anderes Mal.

Oh, und als kleine Lustigkeit nebenbei habe ich Tina von meinem Stabmixer erzählt, und wie praktisch der ist für leicht verdauliche Gerichte. Dann meinte ich zu ihr, dass meine nächste Anschaffung für die Küche eine Heißluftfritteuse sein soll. Die könnte auch praktisch für die Krankheit sein, denn ich kann darin Dinge ohne oder mit minimalem Fettverbrauch backen. Gefülltes Gemüse, selbstgemachte Pommes, Aufbackbrötchen, you name it. Und wie es der Zufall so will, haben Tina und ihr Mann genau das Exemplar, das ich mir schon seit Monaten zulegen möchte, einen Ninja Airfryer. Das wird aber auch mindestens noch ein paar Monate dauern, denn das Teil kostet zwischen 100 und 150 Euro. Das bedeutet bei Bürgergeld eine ganze Zeit sparen, aber was lange währt, wird dann endlich gut. Vorfreude!

Also, liebe Eltern, Ihr dürft aufatmen, mir geht es immer besser und das Schlimmste ist erstmal überstanden ;-) 

post scriptum: Hui... ich habe den halben Tag lang geschlafen, immer wieder so in zwei-Stunden-Blöcken. War wohl doch wieder ein ordentliches Schlafdefizit angefallen; ich hoffe, dass ich irgendwann mal wieder eine ganze Nacht durchschlafen kann. Das war jetzt seit zweieinhalb Jahren nicht der Fall, aber wenn ich so betrachte, wie sich mein Gesundheitszustand in kleinen, aber realen Schritten verbessert, dann könnte es vielleicht ja noch einmal dazu kommen. Damit ist natürlich die nächste Arztterminmachung heute in's Wasser gefallen, aber ich nutze die Zeit, um endlich meinen ehemaligen SchülerInnen zu antworten. Wenn es mir nicht gut geht, kann ich mich einfach nicht dazu aufraffen, auch wenn es tolle Mails sind und aufregende Dinge, die sie mir zu erzählen haben, gerade, wenn es um ihre Gender-Selbstfindung geht, egal, ob nicht-binär oder trans oder welche Form auch immer. Es gibt mir ein schönes Gefühl, zu sehen, wie erleichtert sie oft sind, wenn sie ihr "wahres" Ich gefunden haben. Ich weiß ja selbst, was das für eine seelische Erlösung geben kann...

Mittwoch, 2. Juli 2025

Bananige Hilfe gesucht!


Vielleicht könnt Ihr mir weiterhelfen. Bananen gehören zu den "erlaubten" Lebensmitteln bei chronisch-endzündlichen Darmerkrankungen. Dazu kommt, dass ich Bananen liebe, wenn sie richtig durchgereift sind. Ein Problem für mich ist der sehr hohe Zuckerghalt, denn Zucker gilt als entzündungssfördernd, und als Neurodermitiker kann ich das bestätigen.

Früher habe ich mir gern einen Milchshake geacht - eine Banane kleingeschnitten, in den Mixer und durchpürieren, dann etwas Milch dazu und das Ganze nochmal durchmixen. Superlecker! Milch ist für mich nich mehr, aber Haferdrink. Kann ich diesen Bananenshake auch mit Haferdrink zubereiten?

Habt Ihr sonst Tipps, was man mit der Banane machen kann, außer sie einfah nur aufzufuttern? Ich weiß, ich darf nicht mehr als eine Banane am Tag essen, sonst meldet sich die Neurodermitis und von der Colitis fangen wi erst gar nicht an.

Kennt Ihr ein paar einfache, magenschonende Bananengerichte? 

Freitag, 27. Juni 2025

Die erste Infusion


vorweg: Das gilt natürlich nicht nur für Autisten, und nicht für alle Autisten, aber während der Kieler Woche in die Stadt zu bummeln, um etwas einzukaufen, hat etwas von Selbstfolter; es sind noch viel mehr unberechenbare Menschen unterwegs, die plötzlich stehenbleiben oder die Richtung ändern, es ist laut, ich werde mit unterschiedlichen Sprachen beschallt und möchte eigentlich nur wieder so schnell wie möglich nach Hause. In einem übervollen Bus.

Okay, die Infusion liegt jetzt schon ein paar Tage zurück; am Montag high noon war es soweit, Termin bei'm Gastroenterologen in Elmschenhagen. Von meinem behandelnden Arzt habe ich gar nicht so viel mitbekommen, das hat eigentlich alles die Arzthelferin gemacht - Zugang am linken Arm legen, Medikamentenlösung anschließen und an diesen Tropf-Garderobenständer hängen, dann hat sie mir noch eine Klingel in die Hand gedrückt für Notfälle und mir gute Entspannung gewünscht. Passend, denn dann habe ich zwei Stunden lang einfach nur dagelegen.

Ich muss zwischendurch eingeschlafen sein. Das kann an der halben Tablette Beruhigungsmittel vorher gelegen haben - ich fand das nicht unschön, denn es hat mir die Angst genommen und die Zeit ist schnell rumgegangen. Mein nächster Termin ist in zwei Wochen, da mache ich das vermutlich wieder so.

Und was war das jetzt genau für ein Medikament, mit dem man mich da hat volllaufen lassen? Ein Antikörper - aber mehr kann ich im Moment noch gar nicht dazu sagen, weil ich viel zu aufgeregt war. Infliximab. Vielleicht denke ich ja nächstes Mal daran, genauer nachzufragen. Jedenfalls hatte ich keinerlei spürbare (Neben-)Wirkungen, kein Schwindel, keine Übelkeit, gar nix. So darf es wirklich weitergehen, und wenn dann die gewünschte Wirkung erreicht wird, dann kann ich das Kortison erstmal ausschleichen.

Das war wirklich ein sehr positiver Arzttermin.

post scriptum: Na, wer erkennt die Frau auf dem Bild wieder? ;-)

Montag, 7. April 2025

I feel me to puke


Ja, ich hatte ewig keine dieser denglischen Verballhornungen mehr. Jetzt wird es aber Zeit, denn ich fühle mich zum Kotzen. Gar nicht mehr wegen der Arbeitslosigkeit, aber da war ein wenig Beruhigungsmittel nötig.

Nein, ich muss wieder alle zwanzig bis dreißig Minuten zur Toilette. Fünfzehn bis zwanzigmal am Tag; das ist genau wie vor der Therapie. Es fühlt sich an, als hätte ich nicht mit der Kortisondosis runtergehen sollen, aber ich kann sie ja schlecht eigenständig wieder erhöhen, dazu sind Kortikoide zu stark in Wirkungen und Nebenwirkungen. Also ist ein Besuch bei'm Arzt dringend fällig - wenn ich mal wieder länger als eine halbe Stunde die Wohnung verlassen kann, ohne zu... naja. Könnt Ihr Euch ja denken.

Dass ich nie wieder gesund werden werde, das ist mir ja klar - aber ich hätte gern eine längere Remissionsphase, endlich einmal durchatmen, endlich keine Schmerzmittel mehr flaschenweise trinken, endich nicht mehr regelmäßig in der Schule anrufen und mich krank melden - wobei sich Letzteres ja eh' bald erledigt hat.

Stichwort Abschied: Ich sollte das Wochenende nutzen, um ein paar kleine Abschiedsbriefe zu schreiben, denn einige KollegInnen haben sie sich echt verdient durch ihre tolle Unterstützung. Die Arbeit an der Theodor-Storm-Gemeinschaftsschule war anstrengend, aber horizonterweiternd und einfach total schön. Jetzt heißt es aber wieder "Ihre Bewerbungsmappe ist fehlerfrei" - so oft mittlerweile gemacht, das geht mit links. Anfangs waren immer irgendwelche Buchstaben oder Zahlen vertauscht, oder hier fehlte ein Punkt und dort ein Formular.

nach dem Wochenende

Ich fühle mich noch mehr zum Kotzen. Noch zwei Tage krank gemeldet, morgen zum Arzt, heute neue Medizin geholt. Ein bisschen deprimierend, wenn man nur noch eine Woche an der Schule hat und davon zweieinhalb Tage wegfallen - der halbe Tag, da geht es um eine Freistellung für einen Termin bei'm Psychiater, die sind sauschwer zu bekommen...

Und wenn man sich dann noch ein bisschen weiter runterziehen will, dann schaut man Serien. Momentan trendet gerade eine britische Miniserie auf Netflix, mit absolut hervorragenden Rezensionen. Vier Episoden je eine Stunde, Adolescence, über einen dreizehnjährigen Jungen, der möglicherweise eine Tat begangen hat, die seine Familie komplett zerreißt. 

Absolut realistisch, leider, und aktuell - Incel-Thematik, Pubertät, Mobbing, Männer- und Frauenrollen. Brillant gespielt bis in die kleinste Rolle mit einzelnen Szenen, die mir das Herz zerrissen haben. Gehört für mich in die Kategorie "Ich bin sehr froh, dass ich sie gesehen habe - aber einmal reicht." Ganz große Empfehlung, aber danach sollte etwas Positives für die Seele folgen. 

Das kann schon ein Heizkissen in einer verkühlten Wohnung sein.

Mittwoch, 5. März 2025

Einmal mehr oder weniger... (unheilbar krank)


"Having Trump for president is like having nonstop diarrhea: It's exhausting and there's shit everywhere."

Diesen Spruch habe ich heute gelesen und er hat mich dazu gebracht, endlich den aktuellen Beitrag fertigzustellen - auch weil mir die Decke auf den Kopf fällt und mein Daumen verpflastert ist. Das war der ursprüngliche Beginn des Beitrags:

Seit gut einer Woche habe ich eine Diagnose: Ich habe eine sehr schwere Form von morbus Crohn entwickelt. Wer wissen will, was das ist, möge sich im Internet informieren, die Details sind ein bisschen unappetitlich. Jedenfalls hat die Krankheit zum Beispiel dafür gesorgt, dass ich das letzte Mal vor zwei Jahren eine Nacht durchgeschlafen habe. Crohn ist unheilbar, und ich könnte hier jetzt total betroffen sitzen und mein Leben beklagen.

Oder ich mache es wie heute in der Schule, als ein Kollege mich gefragt hat, wie es mir geht (als Phrase gemeint), und eine ehrliche Antwort bekommen hat: mit einem Lächeln und blöden Sprüchen garniert. Denn... auf eine Krankheit mehr oder weniger kommt es mir nicht mehr an. Ich bin seit meiner Geburt geistig behindert und habe ebenfalls seit meiner Geburt Neurodermitis, eine weitere unheilbare Krankheit.

Im Gegenteil, ein ganz kleines bisschen bin ich sogar zufrieden: Vielleicht reicht dieser dritte Punkt in der Einschränkung meiner Lebensqualität ja endlich aus, um den GdB 50 zu bekommen. Autismus und Neurodermitis haben nicht gereicht, dafür gab es insgesamt 30.

Was mich auch ein bisschen beruhigt: Man kann auf Crohn eingestellt werden. Es steht noch der histologische Befund aus, und dann kann ein Therapieplan entwickelt werden. Um Immunsuppressiva werde ich nicht herumkommen, aber auch hier denke ich einfach, dass ich mir nur eine größere Tablettenbox zulegen muss. Bitte wieder in Regenbogenfarben!

Nun ist es etwas später, meine Diagnose ist aktualisiert worden zu colitis ulcerosa - die ein Altphilologe natürlich als "ulkerosa" ausspricht - aber kaum jemand sonst, gruselig, die Folgen des Mittellatein.

Ein bisschen was hat sich seither getan - der Laborbericht hat nun statt Crohn die colitis ergeben, aber immerhin hat damit nun auch die Therapie des akuten Schubs beginnen können - und jetzt kommt wieder der verpflasterte Daumen in's Spiel; dass nur ein Fingernagel unter einem Pflaster ist, ist schon eher ungewöhnlich, denn sie sind alle eingebrochen, gerissen, gesplittert. 

Das kann etwas nervig sein, aber auch richtig schmerzhaft, besonders, wenn sich Stofffasern im Nagelriss verhaken und dann versuchen, ihn aus dem Nagelbett zu reißen. Das tut richtig übel weh, und ich kann leider nicht so schnell hinterherschneiden und -feilen, als dass ich rissfreie Nägel hätte. Das lässt sich auf den Eisenmangel zurückführen, der bei den chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen nicht ungewöhnlich ist.

Derzeit muss ich also eine ganze Menge Tabletten nehmen - ein Kortikoid gegen den akuten Entzündungsschub, ein Eisen- und Vitamin D-Präparat, Tropfen bei Schmerzen (denn bei einer CED geht nicht mehr viel verschreibungsfrei außer Paracetamol), und die Nächte bleiben kurz wie bisher, mein Vebrauch an Klopapier ist gigantisch.

Hinzu kommt jetzt das stufenweise Ausschleichen des Kortisons, und mein Körper fühlt sich ununterbrochen matschig an. Kann also nur noch besser werden, und ich gehe davon aus, dass ich den Blog jetzt auch wieder etwas mehr auf dem Laufenden halten werde. Waren einfach zu viele Arztsachen in der letzten Zeit, so viele, dass für Schule kaum noch Platz ist; mein Vertrag läuft noch bis zu den Osterferien. Bis dahin werde ich dann nicht mehr krankgeschrieben sein, das sind nur noch ein paar Tage, aber wie wird es dann weitergehen, jetzt, wo unsere Landesregierung einen Riesenhaufen Planstellen an den Schulen zur Haushaltskonsolidierung zusammenstreicht?

Keep your fingers crossed - at least we don't have any Trump!