Mittwoch, 30. August 2023

Tag 30 - Bye bye, Schule!

Sorry an alle, denen ich etwas Anderes in Aussicht gestellt hatte! :-)

Mail: futureperfectATgmxPUNKTde

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Dienstag, 29. August 2023

Tag 29 - Aufatmen, Luft holen.


Manche Beiträge sind ganz kurz, aber wichtig - die Arbeitsbescheinigung ist angekommen, das ALG I wird angewiesen, nach vielen Telefonaten und Mails und Verzweiflung. Mal schauen, wann die ersten Mahnungen eintrudeln, aber immerhin weiß ich jetzt, dass das Geld irgendwann kommt.

Tief durchatmen. :-)

Montag, 28. August 2023

Tag 28 - Schlüsselabgabe


Heute habe ich meine Schlüssel in der Schule abgegeben. Jemand sieht mich, strahlt mich an und fragt:

"Hey, geht's gut?"

Ich schüttele nur den Kopf.

"Oh, warum das denn?"

"Hmmm, warum das denn... ich bin zum siebten Mal in zwölf Jahren arbeitslos, nachdem es an meiner siebten Schule nicht geklappt hat. Das DLZP sendet meine Arbeitsbescheinigung nicht an die Agentur für Arbeit. Ich bekomme seit einem Monat kein Arbeitslosengeld. Ich bin nicht krankenversichert. Ich bekomme keinen Schwerbehindertenstatus. Ich habe meinen vierzigsten Geburtstag mit Psychopharmaka verbracht, weil ausgerechnet mein eigener Schulleiter mich vor dem gesamten Kollegium bloßgestellt hat. Wie geht es mir wohl?"

"..."

"Schlüssel. Schlüssel. Fernbedienung. USB-Stick. Noch Fragen? ... Gut."

Und damit habe ich diese Schule zum letzten Mal verlassen.

post scriptum: Ich bin nicht traurig oder wütend. Das war einfach nur eine extrem unangenehme Situation.

paulo post scriptum: Ich habe eben den Film "Deadstream" (2022) gesehen. Extrem witzige Horrorsatire auf Influencer und Followertum, ich habe sehr gelacht!

Samstag, 26. August 2023

Tag 26 - Warum ich Wordle liebe...


...und mir nur dafür - beziehungsweise ein Feature davon - ein Abonnement der New York Times (NYT) zugelegt habe:

Ihr wisst, ich liebe Sprache. Ich liebe ihre Fähigkeit, komplexe Konzepte zu vermitteln, die uns sonst zu beschreiben überfordern würden. Ich liebe ihre Wandelbarkeit - dass sie immer im Wandel ist, und das ("Durchschnitts-")Englisch von heute bereits ein völlig anderes ist als noch vor einer Woche; früher hätten Amerikaner bei corona an den Lichtkranz bei einer Sonnenfinsternis gedacht, heute denken sie zuerst an Covid-19.

Das fasziniert mich unglaublich, und ich bin gierig darauf, immer mehr über Sprache zu lernen. Dieses Wissen hat interessante Effekte: In meinem Amerikaurlaub hat niemand, mit dem ich mich unterhalten habe, gemerkt, dass ich Deutscher bin, ich bin voll mit dem Freizeitparkleben dort verschmolzen, als hätte ich nie was Anderes gemacht. Die Erkenntnis bei den Amis war dann immer wieder interessant im Gesicht abzulesen ;-)

Alles nur durch Sprache. Und ich bin mir immer bewusst, dass meine Englischkenntnisse noch extrem fehler- und lückenhaft sind (eine Frage der Relation). Damit ich merken kann, wie gut ich das gesamte englische Vokabular kenne, spiele ich Wordle von der NYT - ja, ich weiß, ich muss doch kein wandelndes Wörterbuch sein. Aber ich möchte es gern, es macht mich glücklich und erfüllt mich mit Zufriedenheit und Ausgeglichenheit und Ruhe.

Wer es nicht kennt: Man hat sechs Versuche, ein fünfbuchstabiges englisches Wort zu erraten, so wie das Spiel Mastermind früher: Man bekommt einen farbigen Hinweis, wenn ein Buchstabe im Wort vorkommt, aber an anderer Stelle, beziehungsweise wenn der Buchstabe genau richtig liegt.

Und nachdem man das Rätsel, das jeden Tag um exakt null Uhr Ortszeit (also für uns um Mitternacht) neu gestartet wird, gelöst hat, kann man sich mit einer künstlichen Intelligenz in Verbindung setzen, dem WordleBot, und für den brauche ich das Abo. Der Rest, das Spiel, ist kostenlos. Der Bot gibt mir dann in mehreren ausführlichen Erläuterungen eine Analyse, welche Rolle skill, also Fertigkeit, und luck, also Glück bei meinen Versuchen gespielt haben. 



 


Ich finde das wahnsinnig interessant, vor allem, weil ich dann auch erfahre, wie gut mein Skill und meine Wortkenntnisse gegenüber dem Durchschnitt der NYT-Leser sind, und somit weiß ich, ob ich noch mehr lernen muss oder "genug" weiß. Was natürlich niemals passieren wird. ;-)

Und damit ich mich auf die Analyse des WordleBot verlassen kann, spiele ich nach sehr strengen Regeln: Ich rate aus dem Kopf. Ich schlage keine möglichen Wörter nach, weder im dictionary noch online. Das führt dann eben dazu, dass ich keine hundert-Prozent-Quote habe; ja, ich habe es zweimal nicht erraten. Ich bin irgendwie stolz auf die Quote und die strenge Regeleinhaltung.

Ich liebe Wordle. Ich bin ein Wordler. Ich liebe Lernen. Und Sprache. Und das Leben an sich.

Freitag, 25. August 2023

Tag 25 - Beste Absage ever!


Fuck, wie gut ein Telefonat tun kann. Ich habe gestern und heute je eines hinter mich gebracht, und ich habe es selten gehabt, dasss ich nach einem Telefonat fröhlich klatschend durch die Wohnung gesprungen bin. The Reason I Jump. Nice!

Ich rufe eine unbekannte Schulleiterin an, aus eigenem Impuls heraus. Sie hat bei mir für eine Vertretung angefragt. Grund- und Regional- beziehungsweise Gemeinschaftsschule. Klein, ein- bis zweizügig, fünfundzwanzig Minuten mit dem Bus, inklusive Förderzentrum. Genau das richtige Umfeld für mich - wollte ich früher nicht wahrhaben, aber ich weiß jetzt als special needs person, wie wichtig das für mich ist.

Gesucht wurde eine Vertretung zunächst für ein halbes Jahr zwanzig Stunden, eventuell auf ein Jahr siebenundzwanzig aufstockbar. Ich bin jetzt seelentechnisch an einem Punkt angekommen, wo ich mich auf eine neue Schule einlassen kann, selbst wenn es nur für eine Vertretung ist. Geld muss dringend her, und zwar jetzt, denn die Arbeitsbescheinigung ist immer noch nicht eingereicht worden. Ich bekomme kein Geld, weil das DLZP seine Arbeit nicht richtg macht. Meine Sachbearbeiterin hat vorhin ihren guilt trip abbekommen, und wenn es drauf ankommt, kann ich das richtig gut. Ärgerlich nur, dass es manchmal eben darauf ankommen muss.

Dann habe ich überlegt, warum die Schulleiterin sich bei mir gemeldet hat. Nicht nur per Mail, sondern zusätzlich per Nachricht auf dem Anrufbeantworter, und mir deutlich gesagt hat, dass die Stelle vierundzwanzig Stunden für mich freigehalten wird. Das ist ein Luxus, der ist nicht normal. Solch' einen Aufwand hat damals nur die Nordseeschule in St.Peter-Ording für mich betrieben, weil sie mich behalten wollte. Um. Jeden. Preis. Also habe ich angerufen und gefragt, warum ich angefragt wurde, weil nämlich zu genau jener Vertretungs-Grundschule zwei FörderschulkollegInnen von mir an der Toni Verbindungen haben und es mich nicht überrascht hätte, wenn mein Name in Gesprächen dort gefallen wäre. Ist tatsächlich schonmal vorgekommen, es gibt nicht nur Schlechtes über mich zu berichten ;-)

Interessanterweise hat sich in unserem Telefonat aber herausgestellt, auch wenn das so explizit wohl nicht gesagt werden darf, dass das an meinem Gleichstellungsstatus mit Schwerbehinderten liegt. Tatsache - im pbOn, dem Schulbewerbungssystem, ist nämlich jetzt der Eintrag schwerbehindert freigeschaltet - und es zeigen sich erste Wirkungen.

Wir haben dann in einem tollen, offenen Gespräch mit weinenden und lächelnden Augen festgestellt, dass diese Stelle für mich nicht optimal geeignet ist. Der Impuls ging von mir aus, ich habe also quasi abgesagt. Genau das, worüber ich letztens hier geschrieben hatte - es wirkt! Es funktioniert! Und das gibt mir eine so unglaubliche Seelenruhe, dass ich jetzt endlich bereit bin, mein Leben anzugehen. Das Aufräumen. 

Das war eine der besten Absagen evar

post scriptum: Das andere Gespräch war ein Telefonat mit Mama vorhin über genau das (und mehr) - das hat mich klatschend in der Wohnung zurück gelassen. Diesen Tag lasse ich mir durch nichts wegnehmen!

Mittwoch, 23. August 2023

Tag 23 - Aspi-Heaven


Langsam realisiere ich, dass ich jetzt Zeit habe. Das merke ich an den Nachrichten, die ich auf Anrufbeantworter und per Mail bekomme; da gibt es Schulen, die momentan dringend Vertretungslehrkräfte suchen und wegen meiner Note werde ich vielen von ihnen angezeigt. Macht also doch etwas aus, die Note, aber leider nichts, was mir bisher geholfen hätte. Schönkirchen hat per Anruf und Mail angefragt, und da es eine Zusammenarbeit mit der Toni gab, könnte ich mir vorstellen, dass irgendjemand meinen Namen bei der Schönkirchener Schulleiterin hat fallen lassen. Das klingt theoretisch auch nach einer sehr interessanten Stelle - allerdings ist es eben nur eine Vertretung. Das mache ich nicht mehr ohne Perspektive.

Aus irgendeinem Grund spiele ich in dieser Phase wieder survival horror-Videospiele, eine schöne Kombination aus Rätsellösen, Plotaufdecken und Selbstverteidigung. Da gibt es einige brillante Spiele, eines von ihnen ist Silent Hill 2. Wenn die große Buba das liest, wird sie da vermutlich nicht besonders begeistert sein, denn sie war damals, als wir das gespielt haben, definitiv underwhelmed. Vielleicht hat es daran gelegen, dass wir aus Versehen ein anderes Ende als das Kanonende freigespielt haben, ich weiß es nicht.

SH2 ist in so vielerlei Hinsicht ein Meilenstein der video game history. Horrorspiele, bei denen man herumrennen und Zombies umlegen muss, das gibt es reichlich, und letztlich ist das gar nicht so weit von der primitiven Befriedigung einer Moorhuhn-Jagd entfernt. Silent Hill zeichnet sich dadurch aus, dass es psychological horror ist, also alles im Kopf stattfindet. Eines meiner Lieblingsgenres. Wieviel mir das Spiel bedeutet, merkt man am Blogbild, das ich fast immer benutze, wenn es um etwas Psycho-logisches geht. Eine Spielszene.

Plot nur ganz kurz: Ein Witwer erhält einen Brief aus Silent Hill, von seiner Frau Mary, die ein paar Jahre zuvor verstorben war. Verwirrt reist er nach Silent Hill, um dort Antworten zu finden. Diese Prämisse ist terrific, spannend, wirft viele Fragen auf und kommt zu einer Erklärung, die tiefenpsychologisch interessant ist. Da hat mein Kopf etwas zu tun, das mag ich.

Jedenfalls ist das Spiel zweiundzwanzig Jahre alt; damals sah die Szene noch so aus:

Es gibt mehr technische Möglichkeiten, das gut umzusetzen, mit der Playstation 5. Was mich aber besonders auftreibt ist das Entwicklerteam. Für das Remake zeichnen Bloober Team verantwortlich. Das ist eine Truppe aus Polen, die das unglaublich gute Layers of Fear kreiert haben. Das haben sie so gut gemacht, dass ich ihnen bereits aufgrund weniger Spiele vollkommen vertrauen kann.

Das ist Aspi-Heaven. Eines der besten psychological horror adventures aller Zeiten wird von einem Team überarbeitet, das den psychological horror auf seiner Visitenkarte hat. Ich bin sehr gespannt!

Und warum spiele ich überhaupt solche unheimlichen und grauslichen Spiele? Ganz einfache Antwort: Um mich meinen Ängsten zu stellen, und das führt tatsächlich in der Realität dazu, dass ich wesentlich entspannter bin als noch vor ein paar Jahren. Beschäftigung mit Horror nimmt dem Unbekannten den Schrecken.

Ich bin unheimlich aufgeregt und werde selbstverständlich einen Eintrag zu der Neuauflage des Spiels verfassen. Ist nicht alles schlecht in der Arbeitslosigkeit, solange es nur eine Transitionsphase ist.

Dienstag, 22. August 2023

Tag 22 - Weitergeleitet


Heute habe ich endlich, nach Urlaub und Gehaltszahlungsphase, meine Sachbearbeiterin im Dienstleistungszentrum Personal S-H erreicht und gefragt, wie denn der Stand der Dinge ist hinsichtlich der Arbeitsbescheinigung, die ich für das Arbeitslosengeld brauche.

Ja, sie war ja im Urlaub, und das ist alles weitergeleitet worden, schauen wir mal im System, Dr Hilarius, ah, hier steht, dass das schon am elften August erledigt wurde, aber das hat nicht geklappt? Das ist ja seltsam?

Wenn man solche Sätze am Telefon hört, tanzt der Dalai Lama im Hintergrund den "Nichts ist entspannender..."-Walzer. Ich habe immer nur ja und amen gesagt, während sie versucht hat, nachzuvollziehen, was da wohl geschehen ist oder nicht. Eigentlich sollte das also schon erledigt sein. Faszinierend: Erst während des Telefonats habe ich die Mail-Lesebestätigung von ihr bekommen - darauf habe ich seit gestern gewartet.

Ich mag nicht mutmaßen, was da falsch gelaufen ist. Das Bürokratiergehege erfindet sich ständig neu. Stand jetzt ist, dass ich Freitag mal schauen soll, ob das bis dahin geklappt hat, und ansonsten möge ich sie doch bitte wieder anrufen. Das macht mir nicht gerade Mut. Ich versuche dann mal, in der Zwischenzeit die Papierfluten abzuarbeiten, die postalisch eintrudeln.

Ich hätte wirklich nicht gedacht, dass ein Antrag auf Gleichstellung schneller durchgeht als ein Antrag auf Arbeitslosengeld.