Mittwoch, 6. September 2023

Tag 37 - Sperrfrist


Der Buddhist lernt, seine Wut oder Aufregung umzuwandeln in etwas, von dem er Positives mitnehmen kann. Er lernt, ruhig zu bleiben, und das trainiere ich seit mittlerweile mehr als zehn Jahren. Es ist aber nicht immer ganz einfach.

Mein Bewilligungsbescheid für das Arbeitslosengeld ist gekommen.

Das war die gute Nachricht. Die schlechte Nachricht ist, dass ich trotz Stellungnahme und ärztlichem Gutachten eine Sperrfrist bekomme - das bedeutet, dass ich für die ersten sieben Tage meiner Arbeitslosigkeit kein ALG bekomme. Das kann passieren, wenn man sich nicht mindestens drei Monate vor Beendigung des Arbeitsverhältnisses arbeitssuchend gemeldet hat. Ich habe das in den letzten zwölf Jahren noch nie geschafft, hier die aktuelle Begründung (diese Stellungnahme muss dem ALG-Antrag angehängt werden):

"Ich habe eine geistige Behinderung (Autismus-Spektrums-Störung), die mich vor große Probleme stellt, wenn mehrere "wichtige" Aufgaben gleichzeitig zu erledigen sind. Im letzten Halbjahr hatte ich mich voll darauf konzentrieren müssen, die ASS endlich als Schwerbehinderung anerkennen zu lassen (bisher nur GdB 30, aber ich werde zusammen mit meinem Psychiater Widerspruch einlegen).
Hinzu kommt, dass ich erst vor vier Wochen erfahren habe, dass eine Lehrkraft zum neuen Schuljahr querversetzt wird und ich damit keine Chance mehr habe, an dieser Schule zu arbeiten. Daraufhin hatte ich einen Nervenzusammenbruch.
In der Hauptsache liegt die Verspätung also in meinem Autismus, der fachärztliche Befundbericht ist angehängt."

Den Befundbericht habe ich beigelegt. Letztes Mal war das in Ordnung, wurde akzeptiert und ich hatte keine Sperrfrist bekommen. Diesmal, wo diese unsägliche Agentur für Arbeit und das unsägliche DLZP es nicht einmal geschafft haben, meine Arbeitsbescheinigung innerhalb von fünf Wochen zu übermitteln, darf ich auch noch die Konsequenzen aus der Überforderung durch meinen Jobverlust schultern und bekomme für den August ein Viertel weniger Arbeitslosengeld.

Das sind Momente, in denen mein Lojong-Training auf die Probe gestellt wird. Momente, in denen ich irgendwie ruhig bleiben muss. Momente, in denen ich einfach froh sein sollte, dass jetzt überhaupt Geld kommt und für (fast) zwölf Monate bewilligt worden ist.

Runterschlucken.

Und weitermachen.

post scriptum: Liebe Eltern, ich rufe Euch morgen Abend einmal an!

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