Freitag, 31. Januar 2020

Aufregende Woche

Pflaster sind momentan zum Glück noch nicht nötig...

Die Schienbeine blutig gekratzt, die Nagelbetten ausgetrocknet und eingerissen, der Kreislauf heute im Keller. Das sind die klassischen Symptome für eine aufregende Zeit bei mir.

Dabei war das alles ganz anders geplant. Im letzten Sommer, als in meinem Kopf der Groschen gefallen war, dass ich eine Behinderung haben könnte, bin ich mit Die Tante durch die Graudenzer Straße in Heide spaziert und wir haben überlegt, wie nun wohl die nächsten Monate aussehen würden. Ich hatte zum Glück zwölf Monate am Stück gearbeitet und damit Anspruch auf Arbeitslosengeld I - deswegen sind wir gelandet bei "Okay, bis zum Termin in der Psychiatrie schiebe ich die Jobsuche erstmal beiseite, und ab Februar schaue ich dann, wo ich wieder Arbeit finden könnte."

Das klang strukturiert, das klang gut geplant und war für mich nachvollziehbar. Und ich hatte etwas Angst, dass das für mich zuviel wird - gleichzeitig bewerben und Diagnose erleben. Aber wie das nun mal ist mit der Arbeitslosigkeit - zumindest bei mir - es wird langweilig, ich bin unterfordert und werde kirre, und deswegen habe ich dann doch irgendwann angefangen, nach Stellen zu suchen. Ich war allerdings nicht davon ausgegangen, dass ich zum ersten Februar irgendwo anfangen würde.

Und dann hat es sich eben doch so ergeben. Auswahlgespräch, erster Psychiatriebesuch, erster Besuch an der neuen Schule. Das mag für viele Menschen problemlos sein, aber mich überfordert das. Okay, das bekommt man offensichtlich nicht mit - in meiner dienstlichen Beurteilung steht zur Belastbarkeit "...und all' dies gelingt ihm scheinbar mühelos." - und auch meine erste Schulleiterin hat mir Unglaubwürdigkeit in's Gesicht geurteilt, als ich ihr erklärt habe, wie ich unter dem Referendariat gelitten habe.

Die Konsequenzen sind eben nicht offen sichtbar: Ich vergesse das Essen und Trinken, weil ich mit dem Kopf vollkommen in der neuen Schule Släsch Psychiatrie sitze, dadurch schwankt mein Kreislauf, und wenn ich denn etwas esse, achte ich nicht darauf, was es ist; mein Zuckerkonsum schnellt in die Höhe und das führt zu einem Neurodermitisschub, und das bedeutet oft: Kratzen, bis die Haut blutet, weil es so juckt. Und ich denke auch nicht daran, regelmäßig meine Hände zu waschen und danach einzucremen, so dass sie austrocknen, die Haut spröde und rissig wird und die Nagelbetten einreißen.

Von außen erkennt man das alles nicht, und wenn ich das anderen Menschen erkläre, heißt es ganz oft "Ach, das geht uns doch allen so!" - und das stimmt auch, aber eben nur bis zu einem gewissen Grad (und dann bringe ich die Geschichte mit dem Kreislaufzusammenbruch wegen Essenvergessen an und die Sache hat sich erledigt).

Ich muss also jetzt mal wieder ein neues Regelblatt aufhängen, um diese Schäden einzudämmen. Aber immerhin sind es diesmal positive Anlässe für diese Symptomatiken, und das ist schon okay so. Der Einstieg in der neuen Schule wird auch wieder holperig werden, aber ich versuche das zu kaschieren, damit es dann wieder heißt, all' dies gelinge mir scheinbar mühelos.

Donnerstag, 30. Januar 2020

Wasserturm und Banane

Endlich wieder kreativ sein!

Wie klein die Welt doch ist. Nicht nur, dass ich mit einer Kollegin zusammenarbeiten darf, bei der ich an der Uni - vor Ewigkeiten, als ich noch jung war, muss etwa dreißig Jahre her sein, oder achtzig - ein Seminar zu drama techniques belegt habe, nein, bei der Führung durch die Schule sehe ich mehrere bekannte Gesichter, und ich habe Probleme, die einzuordnen, und das ist mir etwas unangenehm - kennen wir uns aus dem Studium? Wer bist Du nochmal? Haben wir an einer anderen Schule zusammen gearbeitet? Besonders peinlich, weil sich all' diese Menschen offenbar an mich erinnern können, aber bei mir wabert da nur so ein "joah, das Gesicht kenne ich irgendwoher" im Kopf herum.

Der Vertrag ist unterschrieben, Schulschlüssel überreicht. Schule Nummer sieben, und die ist mir auf Anhieb extrem sympathisch. Auch wenn ich nicht immer vergleichen soll, aber ich kann viel St.Peter-Ording dort wiedererkennen. SPO ist quasi code für eine Schule, an der ich mich wohlfühle. Davon gab es bisher nicht allzu viele, und ich weiß, dass das zu einem großen Teil auch an mir liegt. Sicherlich fühlen sich die Kollegen an meiner Ausbildungsschule wohl. Oder in Eckernförde. Aber ich habe scheinbar einen speziellen "Kollegiumsbedarf", wie auch immer.

Wie toll sich die neue Schule anfühlt! Ein ähnliches Gefühl hatte ich auch, als ich meine erste Nacht in dieser Wohnung verbracht habe. Es wäre bestimmt toll, wenn der Vertrag verlängert werden könnte, aber das sehen wir, wenn der Sommer kommt. Ein Motiv auf dem Schulhof ist mir besonders in Erinnerung geblieben, aber das ist einen eigenen Eintrag wert.

Jetzt geht es erstmal los mit dem Papierkram, ich muss meinen Schulschlüsselbund wieder hervorsuchen, der mit dem Spruchanhänger Der Schlüssel des Erfolgs, der fällt Schülern immer wieder auf, und dann fragen sie auch nach dem anderen Anhänger, den mir die Sannitanic aus Spanien mitgebracht hat - aus dem Freizeitpark PortAventura. 

Und was hat es mit dem Titel auf sich? Auf dem Schulgelände ist ein unerwartetes Wahrzeichen, ein Wasserturm, ein ordentlicher Gegensatz zum Bauhaus-Stil der Schulgebäude, und ein Gebäude wird tatsächlich von allen nur Banane genannt, aufgrund seiner Form.

Vielen Dank, Jessica, dass Du dir so viel Zeit für mich genommen hast!!!

post scriptum: Es ist fantastisch, einen Gamer als Nachbarn zu haben, der eine Tastatur übrig hat, so kann ich nun ohne große E-Verluste tippen und es sollten nicht mehr ganz so viele Fehler auftauchen. Fehwer, nicht wahr, die große Buba? Und so aufregend: Er scheint beim Saubermachen einige Tasten an den falschen Stellen angebracht zu haben, wenn ich nun also ein H brauche, muss ich auf das A drücken, und der Buchstabe A ist wiederum von M besetzt. Ich finde das unglaublich faszinierend, weil ich hier problemlos tippen kann. Offenbar braucht das Gehirn irgendwann den Aufdruck auf den Tasten gar nicht mehr, weil es abgespeichert hat, wo welche Buchstaben liegen. Ich habe seit meiner Jugend relativ viel geschrieben, ich mache das gern - ich kann kein vernünftiges Zehn-Finger-System, aber trotzdem einigermaßen schnell tippen.

paulo post scriptum: Heute abend werde ich mir endlich Ari Asters neuen Folk-Horrorfilm "Midsommar" (2019) anschauen. Ich bin gespannt, er soll gut sein, und Asters Stil hat mir schon in "Hereditary" (2018) gefallen.

Dienstag, 28. Januar 2020

"Bon(g) (b)rauche ich nicht."

Witzige Idee eines Bäckers

Jep, Bong rauche ich tatsächlich nicht. Ich habe das ein paarmal ausprobiert, aber mir sagt die Wirkung des THC so gar nicht zu (wobei es lustig war, aus einer leeren Colaflasche, einem Kugelschreiber, einem Perlator, Alufolie und Klebeband etwas zu improvisieren). Ich fühle mich unter dem Einfluss extrem dumm, und ich nehme das als sehr unangenehm wahr. Gilt aber nicht für alle: Ein paar hochbegabte Schüler haben mir berichtet, dass sie ganz froh sind, wenn sie durch das Kiffen für eine Weile ihren Kopf abschalten können und nicht mehr denken müssen. Und ich kann das sehr gut verstehen.

Heute geht es mir allerdings um die andere Lesart des Titels - "Bon brauche ich nicht." - ein Satz, der schon seit Langem in meinem Repertoire ist, dessen Bedeutung mir aber seit der gesetzlich geregelten Bonpflicht immer bewusster wird. Mittlerweile müssen überall Bons ausgestellt werden - ob der besseren Nachvollziehbarkeit der Abrechnung, heißt es. In der Apotheke, im Supermarkt, im Blumenladen, an der Tanke. Jeder muss mitziehen.

Auch eine Supermarktkette wie EDEKA, die es sich - zumindest bei der Filiale da vorne - zur Norm gemacht hat, Bons nur noch auf expliziten Wunsch an der Kasse ausdrucken zu lassen. Das fand ich toll, spart Papier, sehr viele Kunden wollen diese Zettelchen gar nicht haben und werfen sie eh' gleich weg. Das kann problematisch sein, denn viele Kassenzettel sind auf Thermopapier gedruckt, das eigentlich im Sondermüll entsorgt werden muss.

Großartig, nun wird also noch mehr Papier verbraucht und achtlos weggeworfen, und das Drollige dabei: Es gibt keinerlei Sanktionen, wenn ein Geschäft sich nicht an die Bonpflicht halten sollte. Warum denn dann überhaupt? Ich verstehe das bis heute nicht.

Montag, 27. Januar 2020

DrH bei DrT

Was geht in diesem Kopf vor sich?

Die Aufregung der letzten Tage fällt ab.

Ursprünglich sollte dieser Artikel Danach heißen, aber eigentlich wäre Mittendrin passender. Ich sitze gerade im Zug von Lübeck nach Kiel und habe meinen ersten Besuch im Zentrum für integrative Psychiatrie (ZiP) hinter mir. Meine betreuende Ärztin war sehr nett, und das hat nach der kleinen Odyssee über den UKSH-Campus wirklich gut getan.

Eigentlich war die Anweisung eindeutig: Anmeldung in Haus 33. Ach ne, seit drei Tagen Haus 22B. Die erste gute Nachricht war, dass der Bahnhof Lübeck St.Jürgen fast direkt am Campus liegt, keine Busfahrt nötig, und nach nur fünf Fußminuten stand ich am Campuswegweiser. Den hatte ich mir sicherheitshalber auch am Vorabend ausgedruckt, und toll, Haus 22 ist gleich da vorne um die Ecke! Mit einem Strahlen gehe ich um das Gebäude herum Richtung Eingang - doch dort steht "Haus C1". Okaaaaayyyy....

Ich muss sehr verwirrt ausgesehen haben, denn schnell hat mir eine Mitarbeiterin weitergeholfen: "Haus B22, ja, da gehen sie einfach immer geradeaus zu dem Gebäude, auf dem 33 steht. Das ist 22." What the...? Aber dort stand dann tatsächlich "ZiP", und das hat mich beruhigt. Die nette junge Dame dort hat mir dann (m)eine Krankenakte mitgegeben und gesagt, ich muss zu B1. Eine andere Mitarbeiterin auf dem Campus bringt mich dann zu Station B.1, und dort heißt es dann "Nein, das Haus da vorne, auf dem 3 steht, das ist B1."

Passierschein A38, anyone?

Naja, irgendwann sitze ich dann bei DrT im Büro. Sie ist sehr nett, und fragt erstmal ganz allgemeine Dinge, darunter auch mein aktueller Gemütszustand (Skala 1-10), ob ich gut schlafen kann, wann ich mine letzte Beziehung hatte, ob ich in den dreizehn Jahren seit meiner letzten Beziehung kein Interesse an Bindung hatte, dann geht es zu den Auffälligkeiten, die ich hier nicht noch einmal en detail aufschreibe. Ich freue mich, dass ich nicht erklären musste, warum ich die Diagnose haben möchte, und dass ich nicht erklären musste, warum ich schwarz trage. Insgesamt sehr angenehm.

Mein weiterer Fahrplan sieht einen Termin im März vor, da werde ich einen Tag in Lübeck verbringen und verschiedene Gespräche führen und Tests machen. Zwei kleine Tests waren heute schon direkt dran: Knapp vierzig Fotos von Gesichtsausdrücken mit jeweils vier möglichen Attributen (besorgt, freudig, überrascht und viele mehr), von denen ich das jeweils treffende ankreuzen sollte, und dann wurden knapp vierzig Sätze vorgespielt, deren Tonfall ich deuten sollte (ähnliche Attribute). Das ist also schon einmal ein Anfang.

Bis zum März werde ich mir jetzt Gesprächsthemen und Fragen notieren. Mich würde interessieren, welche Formen von Nachteilsausgleich es geben kann, das können Alltäglichkeiten sein wie die Parkerlaubnis auf einem Behindertenparkplatz. Bis dahin ist genug Zeit, um jetzt erstmal in der neuen Schule anzukommen, das wird sehr aufregend werden, und jetzt endlich kann ich mich darauf konzentrieren.

Donnerstag, 23. Januar 2020

Einmal Verbrecher - immer Verbrecher?

vorher - nachher

In den letzten sieben Jahren habe ich mir immer wieder einen Spaß daraus gemacht, Schülern meinen Personalausweis zu zeigen - denn darauf ist ein biometrisches Bild von mir zu sehen. Damals brauchte ich das für meinen Reisepass, um in die USA fliegen zu können. Ich hasse diese biometrischen Bilder, auch wenn es der Sicherheit dient. Ich sehe darauf aus wie ein Schwerverbrecher auf einem klassischen mugshot.

Im vergangenen September ist mein Perso abgelaufen, und ich musste knapp vier Monate lang auf einen Termin im Amt warten. Und natürlich muss ich ein aktuelles Foto mitbringen, und ich könnte einfach zu einem Fotostudio gehen, das sind Profis, aber ich liebe Technik-Spielkram (Schnellkasse Revolution: Kontaktlos ist in Arbeit), also habe ich mich wieder in eine Fotofix-Box bgeben und versucht, diesmal nicht ganz so böse auszusehen. Wie gesagt, versucht. Ansatzweise lächelnd, mehr ist nicht erlaubt.

Ich freue mich schon auf die Verlängerung des Reisepasses.

post scriptum: Linnea, Deine Nachmieter sind jetzt auch hier ausgezogen, die Wohnung wird anscheinend renoviert, mal schauen, wer als nächstes kommt!

paulo post scriptum: Heute habe ich den neuen Science Fiction-Film "Ad Astra" (2019) gesehen - eine der wenigen subtilen, grandiosen schauspielerischen Leistungen von Brad Pitt, dazu aufregende Bilder aus unserem Sonnensystem und ein Fokus nicht auf Popcorneffekten, sondern eine sehr persönliche Geschichte. Definitely recommended!

Mittwoch, 22. Januar 2020

Annie Kay Meets Schwarze Szene

Heute ist es für mich überhaupt kein Problem mehr, ausgefallene Sachen zu finden - das war mal anders, und auch Annie Kay kann davon ein Lied singen.

Heute geht es um ein Gefühl von Zugehörigkeit als Alternative zum Freakdasein. Ich habe vor gut zwei Jahren schon einmal darüber geschrieben, aber es kann nicht schaden, das regelmäßig zu updaten. Gerade wenn man einen akuten Fall hat.

Ich kann mich noch gut daran erinnnern, wie ich mein erstes Paar New Rock Boots bestellt habe. Sauteuer, zweihundert Euro, und als Student musste ich dafür eine ganze Weile sparen, aber das war es wert: Ein paar Wochen später hatte ich zwei schwere Stiefel aus Spanien in der Hand, maßgefertigt aus Rindsleder, mit mehreren Metallapplikationen, auf die ich eine lebenslange Garantie habe, falls mal etwas abbrechen sollte - was in den vergangenen fünfzehn Jahren noch nicht ein Mal passiert ist. Die Schuhe sind qualitativ hochwertig, extrem bequem, auffällig und in der Schwarzen Szene gar nicht mal so ungewöhnlich. Wenn ich auf der Tanzfläch der Lost Souls meinen Blick nach unten richte, finde ich die Marke - erkennbar am runden Metalllogo - an mehreren tanzwütigen Beinen.

Abr wie kommt man an solche Sachen heran? Wenn man zum Beispiel noch nicht volljährig ist, und die Eltern das ganz bestimmt nicht erlauben würden? Heimlich im Internet bestellen fällt flach, wenn die Eltern die Post entgegennehmen. Bleibt also nur der ganz klassische Einkauf - in Kiel zum Beispiel im Laden Obscene, der nicht ohne Grund viele positive Bewertungen erhält. Und dennoch: Wenn man zum allerersten Mal in der Szene shoppen möchte, gehört ein wenig Mut dazu.

Wenn man diesen Mut aufbringen kann, wird man im Laden allerdings mit einigen der Charakteristika der Szene konfrontiert: Kaum fällt die Ladentür zu, wird ein Getränk angeboten, es gibt eine Führung durch das Geschäft, es ist alles sehr freundlich und familiär. Gesiezt wird nicht, denn das ist aus meinem Blickwinkel altmodischer Schwachsinn. Jegliche Angst fällt ab, und ganz kostenlos bekommt man das Gefühl, dazuzugehören, und nicht mehr ein Freak zu sein wie zum Beispiel in der Schule. Das ist eine Szene, in der das Alter irrelvant ist. Die Sexualität übrigens auch, erstaunlich weit verbreitet. Divers eben.

Und selbst wenn man bei'm ersten Besuch nur das eine oder andere neue Armband kauft, freut man sich schon auf den nächsten Besuch, irgendwann, und man merkt, dass die Schwarze Szene unglaublich tolerant ist. Quasi ein Gegenstück zum MAX in Kiel.

post scriptum: Annie Kay, Du bekommst natürlich auch noch eine vernünftige Antwort! ;-)

Dienstag, 21. Januar 2020

Termin umlegen


So langsam habe ich den Schock von gestern verarbeitet. Auch wenn es ein positiver Schock war - ab Februar darf ich an einer neuen Schule unterrichten - so fühlt es sich doch erstmal unglaublich an. Wie ein Riss in der Tapete, ein Riss in dem ALG I-Gefüge, ein Riss in dem Ich bin unterfordert-Gefüge. Jetzt kann ich anfangen, die ganz pragmatischen Konsequenzen anzuschauen.

Dazu gehörte auch, einen Zahnarzttermin zur regulären Kontrolle umzulegen. Der wäre eigentlich heute gewesen, aber das ist vielleicht ein schöner Punkt, um den Behinderungsgrad aufzuzeigen: Das überfordert mich, ich kann gerade nicht an den Zahnarzt denken, der muss zwei Wochen weggeschoben werden, sonst falle ich in geistige Quarantäne.

Ist ja kein Problem, ein kleiner Anruf und die Sache ist geklärt. Hey die große Buba, wenn Du das hier liest: Ich habe wesentlich weniger Probleme damit, irgendwo anzurufen, als bei unerwartetem Klingeln an's Telefon zu gehen - weil ich mich darauf nicht vorbereiten kann. Und trotzdem habe ich mich irgendwie schuldig gefühlt.

Kennt Ihr das? Da hat man einen Termin und kann den nicht einhalten, und muss das jemandem mitteilen. Ich hasse es, zugesagte Termine nicht einzuhalten (was einer der Hauptgründe ist, warum ich mich nicht mehr oft mit anderen Menschen verabrede). Vieleicht ist das so ein "Der Ablaufplan muss stimmen"-Autismus-Ding, aber vielleicht ist das auch ein ganz normales Gefühl. Schlechtes Gewissen, dabei sachlich völlig unbegründet.

Chill' mal, Dr Hilarius!

post scriptum: Wenn ich auf den gestrigen Beitrag blicke... es ist eine Ironie: Schüler melden mir immer wieder zurück "DrH, sie können die Sachen so gut erklären" - und ich meine mich zu erinnern, dass mir im Studium irgendjemand den "Erklärbär"-Spitznamen verpasst hat - aber ausgerechnet, wenn es um mich selbst und um meine Arbeit geht, kann ich überhaupt nix mehr erklären...