Samstag, 20. Juni 2020
Unflexibel. Pedantisch. Arrogant. Klugscheißer.
Wen es interessiert, für den lohnt sich das Lesen über Aspis, Kapitel Cognitive Abilities:
"...has a disctinctive learning style, being talented in understanding the logical and physical world, noticing details and remembering and arranging facts in a systematic fashion (...), and when problem solving appears to have a "one-track mind" and a fear of failure.
...at least 75 per cent of children with Asperger's syndrome also have a profile of learning abilities indicative of an additional diagnosis of Attention Deficit Disorder. (...)
If the child is attending to an activity associated with his or her special interest, the level of attention can be excessive (...) [and it] can have difficulty "changing track" while engaged in a "train of thought". (...) The person with Asperger's syndrome usually has considerable problems switching to a new activity until there has been closure, i.e. the activity has been successfully completed. (...)
The psychological term "executive function" includes (...) inhibition and impulse control (...) time management and prioritizing (...) using new strategies. We now have considerable research evidence to confirm that some children, but more expecially adolescents and adults, with Asperger's syndrome have impaired executive function.
Impaired executive function can include a difficulty considering alternative problem-solving strategies. (...) can be represented by a train on a singular track. If it is the right track, the child will quickly arrive at the destination, the solution to the problem, [but they may be] the last to know if they are on the wrong track, or to recognize that there may be other tracks to the destination. Thus, there may be a problem with flexible thinking. (...) An adult [with AS] assumed that his solution was correct and did not need to be changed. His thoughts were "This is the right way to solve the problem, why isn't it working?", which caused considerable frustration. (...)
The person with Asperger's syndrome may also become distressed in situations at school that do not provide an opportunity for mental rehearsal or preparation for change. (...)
Some adolescents with Asperger's syndrome can also have difficulty with abstract reasoning, prioritizing which task to concentrate on first, and time management, especially how long to spend on a designated activity. This can be exasperating for parents and teachers, who know that the child has the intellectual capacity to complete the work to a high standard, but impaired executive function will contribute to a delay in the submission of the work and therefore incur penalties. (...)
Some children and adolescents with Asperger's syndrome facilitate problem solving by having an external (rather than internal) conversation and, as they are thinking and problem solving, find that it helps to talk to themselves. (...)
Adults with Asperger's syndrome may be famous (or notorious) for being an iconoclast and rejecting popular beliefs and conventional wisdom. (...)
The learning profile of children and adults with Asperger's syndrome can include a tendency to focus on errors, a need to fix an irregularity and a desire to be a perfectionist (...) [This can lead] to their thinking being described as pedantic. Creative adults with Asperger's syndrome (...) often cannot cope with any deviation from their original design. (...)
I have noted that children, and sometimes adults, with Asperger's syndrome have a tendency to point out the errors of other people, being unaware that such a comment breaks the social conventions, and can be embarassing or offensive. Your status does not matter; the child with Asperger's syndrome will point out your mistake and think that you should be grateful to them for doing this. Teachers in particular do not like their mistakes being loudly announced to class. (...)
The difficulty for children with Asperger's syndrome who are able to solve complex mathematical problems can be explaining in words how they achieved the answer (...) "I can't do this orally, only headily." The child can provide the correct answer to a mathematical problem but not easily translate into speech the mental processes used to solve the problem. (...)
[The child] develops an apparently inflexible adherence to specific, non-functional routines or rituals. (...) Once a pattern has emerged it must be maintained. Unfortunately, the components of the anticipated sequence may increase over time. For example, the bedtime routine may have started with lining up only three toys, but becomes an elaborate ritual where dozens of toys have to be placed according to strict rules of order and symmetry. When a journey to a destination has followed the same route several times, there is the expectation that this must be the only route and no deviation is tolerated. (...) Set routines, times, particular routes and rituals all help to get order into an unbearably chaotic life."
(Attwood, Tony: The Complete Guide to Asperger's Syndrome, London 2007, S.240-255)
Danach folgen eine ganze Reihe Tipps für Lehrer hinsichtlich Lehrerausbildung, Unterrichtsmethoden, Hausaufgabentipps, alles sehr hilfreich und fängt ein wenig den eiskalten Schauer ab, der mir bei'm Lesen dieser Passagen über den Rücken gelaufen ist. Es ist genau, wie die große Buba es vermutet hat: Es ist gruselig, all' diese Parallelen schwarz auf weiß zu lesen. Als hätte der Autor Kameras in meinem Leben positioniert, und zwar mit Blickwinkeln und Eindrücken, die ich immer vor meinen Mitmenschen geheimzuhalten versucht habe, bzw. die mir nie bewusst waren.
Ich habe bereits eine ganze Menge aus diesem Buch gelernt, und das letzte Drittel liegt noch vor mir. Es ist fast noch gruseliger - und noch befreiender - zu lesen als damals das Brackmann-Buch über Hochbegabung.
Noch irgendwelche Zweifel?
Donnerstag, 18. Juni 2020
Lampensymmetrie
![]() |
| Anschauen beruhigt! |
vorweg: Okay, Blogger zickt weiter herum, das Problem scheint bekannt zu sein im Hilfeforum. Es gibt keine sinnvolle Erklärung dafür, dass man keine Bilder mehr hochladen kann, nur verschiedene Tipps zur Lösung des Problems - für einen Aspi ziemlich nervig, wenn er das "Warum?" nicht verstehen kann - und so habe ich jetzt einen anderen Browser benutzt. Funktioniert immerhin, aber es hat gewaltige Überwindung gekostet, den alteingesessenen Firefox für ein Weilchen links liegen zu lassen.
Ich habe in meiner Wohnung genügend Lampen, um sie dreifach auszuleuchten - trotzdem kommt immer mal wieder eine neue Lichtquelle hinzu, wenn sie interessant ist, so wie dieses neue Fundstück. Sie ist schwarz, auch wenn man das auf diesem Bild nicht so gut erkennen kann, und sie hat einen interessanten Einschaltmechanismus: Die beiden Kugeln auf dem Bild sind magnetisch und jeweils mit einem Faden am "Gerüst" der Lampe befestigt. Wenn man die untere Kugel an die obere heranbewegt, so dass sie sich gegenseitig anziehen, wird die Lampe eingeschaltet. Zum Abschalten legt man die untere Kugel einfach wieder auf den Sockel zurück.
Der Hauptgrund für die Anschaffung war allerdings nicht diese technische Besonderheit, sondern die Form der Lampe, besonders im eingeschalteten Zustand. Sie hat zwei Symmetrieachsen (Sockel ausgenommen), und ich kann mich an der oblongen, abgerundeten Form nicht satt sehen. Dieser Tage lese ich, dass Symmetrie und klare Linien für Aspis unwiderstehlich sind, und ich kann das nur bestätigen: Im Studium war ich fast immer mit einer Digitalkamera in der Tasche unterwegs, und wann immer ich eine interessante Form gesehen habe, musste sie fotografiert und katalogisiert werden.
Ganz nüchtern betrachtet ist diese Lampe nur ein weiterer Staubfänger in meiner Wohnung - aber ich schaue sie immer wieder gern an, die Form beruhigt mich tatsächlich.
Dienstag, 16. Juni 2020
Plötzlich anders
"Ach, da bist du ja, dich habe ich gesucht. Könntest du dir vorstellen, ein weiteres Jahr bei uns an der Schule zu bleiben? Noch keine Garantie, ich wollte nur einmal vorfühlen, ob du bereit wärst."
Ohklott, was sag' ich jetzt nur? Wo bin ich? Wer bin ich? Ruhig bleiben. Dein Schulleiter hat dich gerade gefragt, ob du eventuell ein Jahr länger würdest bleiben wollen. Soll ich ihm sagen, dass ich die letzten Tage damit verbracht habe, in meinem Kopf eine Mail Släsch Gesprächsgrundlage zu entwerfen, um ihm zu verdeutlichen, dass ich unbedingt an dieser Schule bleiben möchte, weil ich nämlich aufgrund meiner Behinderung auf dem Arbeitsmarkt keine Chance habe? Soll ich ihm lang und breit und detailliert erklären, warum das so ist? Ich wollte doch eigentlich diese Woche bei ihm vorbeischauen, um dieses persönlich wichtige Gespräch zu führen, in dem ich ihm dann sagen wollte, dass ich wirklich alles tun würde, damit ich an der Schule bleiben kann, weil das nach fünf Jahren endlich wieder eine aufgeschlossene Schule ist? Okay, dann lassen wir einfach die ganzen Erklärungen und hauen die Quintessenz raus...
"...auf jeden Fall, ich würde alles unterrichten, nur vielleicht keine Fächer, in denen Schüler sich leicht verletzen können."
"Ganz langsam, mir geht es in der Hauptsache um dein erstes Fach Englisch. Das ist gut zu wissen für die Stundenplanung. Dann schalte bitte umgehend deine Bewerbungsmappe im pbOn frei!"
Ach du scheiße, wie lange habe ich das jetzt vor mir hergeschoben - nein, nicht korrekt, ich habe überhaupt nicht daran gedacht, das geht sofort los, ohklott, wo ist mein Arbeitsvertrag, egal, ab nach Hause, das wird sofort in die Wege geleitet!
--------------------------------------------
Ein schönes Beispiel dafür, wie leicht ein Aspi sich aus der Bahn werfen lässt, und diesmal immerhin positiverweise. Denn auch wenn ich überhaupt keine Zusage habe - plötzlich fühlen sich meine Tage anders an, wirklich ganz anders. Ich habe keine Angst mehr vor dem Unterrichten, eine Handbremse im Kopf ist gelöst. Ich bleibe natürlich von außen betrachtet unvernünftig: Meine Bewerbungsmappe mag freigeschaltet sein, aber ich schaue mich nicht nach anderen Stellen um. Ich kann das einfach nicht, solange ich keine Garantie habe, dass es an meiner jetzigen Schule nicht klappt.
Und es tut so gut, in einem Fachbuch zu lesen, dass das alles typische Asperger-Denkweisen sind.
Liebe Kollegen, vielleicht gibt Euch das einmal eine Idee davon, wie schnell es passieren kann, dass ein Aspi bei Euch im Unterricht die Fassung verliert. Und wenn sich das alles jetzt so weiterentwickelt, wie ich "plane", dann werde ich in diesem Blog vielleicht bald ein paar Tricks für den Umgang mit Aspi-Schülern geben können.
post scriptum: Und hoffentlich kann ich bald endlich ein neues Foto aus der Wohnung posten!
Mittwoch, 10. Juni 2020
Special Interest
"[Aspergers] have remarkable ability in a chosen area of expertise. (...) The special interest is more than a hobby and can dominate the person's free time and conversations. (...) We know that the amount of time and resources dedicated to the special interest can cause considerable disruption to the daily life of the person with Asperger's syndrome. (...) The interest is often a solitary and intuitive activity, pursued with great passion (...) 'Facts are important to us because they secure us in what is otherwise a very unstable world' (...)
The third most common interest is public transport systems. This can include memorizing all the stations on a subway system (...) [and modern] interests in computer games and Japanese animation as well as science-fiction films.
[A child with AS] visited a theme park and was taken on his first roller-coaster ride. The emotional experience of acceleration and falling was extremely exhilarating for him and he insisted that he spent most of the day at the front of the roller coaster, screaming, not with fear but pleasure. (...) He subsequently developed a special interest in roller-coaster rides and, when we met, gave me a fascinating and detailed 'lecture' on the history and different types of roller coasters. He was only eight years old."
(Attwood, Tony: The Complete Guide to Asperger's Syndrome, London 2007, S.184-195)
Eigentlich ein ganz normaler Tag, an dem ich gerade in einem Videospiel versunken war, als es an der Tür raschelte und klapperte - der Postbote hat einen Luftpolsterbrief eingeworfen, und ohne draufzuschauen war mir der Inhalt klar. Es hat gute fünf Wochen gedauert, bis die Bluray von The Haunting of Hill House (2018) aus den USA ihren Weg zu mir gefunden hat. Etwas umständlich, aber es musste sein: Ich war bereits total begeistert von der Serie, als ich sie mir mehrfach bei Netflix angeschaut habe, allerdings ist es ein bekanntes Problem, dass das Bild bei Netflix etwas dunkler ist als ursprünglich gefilmt. So kommt es vor, dass in dunklen Szenen überhaupt nichts zu sehen ist, obwohl eigentlich zumindest Silhouetten erkennbar sein müssten.
Bei einer Serie, die im Bereich des gothic horror spielt, kann das problematisch sein, denn viele Szenen spielen des Nachts, in dunklen Räumen, in denen sich plötzlich Dinge bewegen oder Geister erscheinen. Ärgerlich, wenn man das als Zuschauer nicht sehen kann, und deswegen wollte ich ein physical release der Serie haben. Das war leider nur per Import zu erhalten. Nun ja, denke ich mir, ich kann mir ja einfach mal die erste Episode anschauen, allein schon um zu sehen, ob es tatsächlich Unterschiede hinsichtlich des Bildes gibt.
"Unterschiede" ist leicht untertrieben - es hat sich angefühlt, als würde ich eine völlig neue Serie entdecken, mit brillanter SHD-Qualität und wunderschöner Musik im Surroundsound. Genau das hatte ich mir so sehr gewünscht, und damit hat mein Aspi-Heaven begonnen; es ist nämlich an diesem Wochenende so Vieles zusammengekommen.
Meinen ersten Kontakt mit Shirley Jacksons Roman von Neunzehnhundertneunundfünfzig hatte ich während meiner Schulzeit in der Oberstufe. Ich wollte einen gruseligen Film sehen, der nicht eklig ist, kein Splatter, keine fliegenden Körperteile und so weiter (das hat dann später zu meiner Projektarbeit geführt, in der ich untersucht habe, wie ein Film Spannung erzeugen kann). Die Fernsehzeitung hatte mir Bis das Blut gefriert (1963) empfohlen. Ich kannte den Originaltitel nicht, wusste nicht, dass es sich um eine Romanverfilmung handelt, das war alles irrelevant, aber das Filmerlebnis hat sich mir eingeprägt, denn das war wirklich unheimlich.
In den folgenden zwanzig Jahren habe ich mich dann wieder und wieder mit dem Roman The Haunting of Hill House beschäftigt. Ich habe mich über Shirley Jackson informiert, ich habe fast all' ihre Werke gelesen, ich habe mir die zweite Haunting-Verfilmung angesehen (vom Regisseur Jan de Bont, 1999), ich bin über die berühmte Kurzgeschichte The Lottery gestolpert und Jackson hat einen festen Platz in meinem Literaturherzen gefunden.
Nun kann man vielleicht nachempfinden, was für ein Gefühl von Glück es in mir auslöst, wenn ich mir diese Serie in perfekter Bild- und Klangqualität anschauen kann. Und dann kam da dieser Moment... manchmal, wenn ich einen Film richtig beeindruckend finde, informiere ich mich über den Regisseur. Okay, fast immer. Und der Regisseur der neuen Haunting-Verfilmung ist Mike Flanagan, offensichtlich einer der wichtigsten Regisseure der Horror-Gegenwart. Ich habe dann das ganze Wochenende und die folgenden Tage bis gestern damit verbracht, mir seine Filme anzuschauen (von denen ich drei schon kannte, aber nicht realisiert hatte, dass es Flanagan-Filme sind); sein Frühwerk hat mich besonders interessiert, und wer mal einen Geschmack für ihn bekommen möchte, dem empfehle ich den Kurzfilm Oculus Chapter 3: The Man With The Plan (2006), der auf Youtube frei verfügbar ist und etwa eine halbe Stunde läuft.
Während dieser Tage ist mein Horrorherz richtig warm geworden, Dinge wie Essen oder Zeugnisberichte sind in den Hintergrund gerutscht, ebenso wie Kontakte zu Freunden. Ich denke, dass es genau dieses Verhaltensmuster ist, was Tony Attwood im obigen Zitat beschreibt: Mein Spezialinteresse, besonders mit neuem Öl in's Feuer, lässt alles Andere in den Hintergrund rücken. Das mag auch bei Menschen ohne Behinderung auftreten, aber selten so, dass dadurch die Tagesroutine durchbrochen wird und notwendige Dinge vernachlässigt werden.
Das sind dann die Phasen, in denen es heißt "Man hört und sieht ja gar nichts von dir!" - und das tut mir wirklich Leid, aber zur Beruhigung kann ich dann sagen, dass es nicht daran lag, dass es mir schlecht ging, sondern dass ich mich im Aspi-Heaven befunden habe.
Es gibt wesentlich Schlimmeres.
Freitag, 5. Juni 2020
Flirten mit der Schulbegleitung
Was der Titel dieses Beitrags mit dem Psychologie-Foto zu tun hat, versuche ich im Folgenden zu erklären.
Ich habe in den letzten acht Jahren bisher "erst" an drei Schulen mit Schulbegleitungen (SB) zu tun gehabt. Wer das Konzept nicht kennt: Manche Kinder haben spezielle Bedürfnisse und sind darauf angewiesen, dass jemand mit ihnen zur Schule geht, beispielsweise, weil sie nicht allein ihren Tagesablauf geregelt bekommen.
Ich fand die SB immer toll - na klar, das hat natürlich nichts mit Flirten zu tun, aber ich habe mich mit "meinen" SB immer gut verstanden und sie als Bereicherung für meinen Unterricht empfunden. Mittlerweile dürfte mir auch klar werden, warum das so ist - oder zumindest ein Zusammenhang herausstechen.
Wenn ich mich zurückerinnere, waren fast alle SB für Kinder mit dem Asperger-Syndrom eingeteilt. Andere Fälle, wie zum Beispiel der Förderstatus emotionale/soziale Entwicklung waren seltener, aber auch die könnten sich auf Asperger zurückführen lassen. Dieser Umstand hat Konsequenzen: Als SB für einen Aspi musst Du wissen, was diese Diagnose für das alltägliche Verhalten bedeutet, und wie Du mit dem Aspi umgehen musst, wenn er eine seiner Episoden hat.
Durch die aktuelle SB, Frau Schwarzbohrer (deren Name wie üblich selbstverständlich eventuell geändert wurde), bin ich an den Namen meiner nächsten Psychologin gekommen, die sich auf Diagnostik spezialisiert hat, und mit der ich mich in Verbindung setzen werde, sobald das Chaos in meinem Kopf sich ein wenig legt. Ich bin richtig dankbar für diesen Tipp, und hab' mich auch jedesmal gefreut, sie im Unterricht zu sehen.
Mit meiner NMS-SB, Frau Freilauf (sorry Alex, langsam gehen mir die Namen aus), habe ich mich wunderbar verstanden, weil sie selbst eine Hochbegabte ist, die weiß, wie es ist, wenn man behandelt wird, als käme man von einem anderen Stern. Same here: Es war großartig, sie im Unterricht zu wissen, wie eine Art Versicherung, dass das alles irgendwie klappen wird.
Auch in SPO hatte ich eine SB für einen Aspi - aber damals war ich noch meilenweit entfernt von den Erkenntnissen, die ich heute hatte, und damals war ich noch ganz neu am Konzept Gemeinschaftsschule, und hatte große Berührungsängste - beziehungsweise Angst davor, richtig auf Schüler einzugehen, die anders waren. Das kam erst mit der Zeit; ich wette, ich hätte mich heute mit der SB auch super verstanden.
Also sehen wir: Es ist kein Flirten nach dem Motto "Ich finde die Frau an der Uni-Cafeteriakasse total sympathisch, und sie mich auch, und deswegen bekomme ich mein Essen meistens umsonst", sondern ein Verständnisding - und ich bin gespannt, ob ich diese Erfahrung auch mit zukünftigen SB haben werde.
Am meisten würde ich mich natürlich freuen, wenn ich einfach in der Klasse mit Frau Schwarzbohrer an meiner jetzigen Schule bleiben könnte, aber das steht vollkommen in den Sternen.
Wir sehen uns, Inka!
Antwort von Frau Freilauf:
Lieber Tobi,
ich nehme Deinen Beitrag als Kompliment und freue mich gerade ein wenig...
Eine SB benötigt keinerlei Qualifikation. Wir verwalten den Schüler quasi. Wir könnten „dümmer“ als das Kind sein (entschuldigt die Ausdrucksweise) , niemand würde sich dran stören. Hauptsache wir sind da und zuständig, wenns scheisse läuft. Nur wenigen Lehrern ist es gegeben, zu sehen, was gegebenenfalls mal funktioniert und nicht ausschließlich, wo’s im Argen liegt. Danke dafür... Du hast das Potential gesehen, das unter den Traumata hervorgelugt ist. ( Zur Erklärung: ich hatte „Trauma-Kids“ , keine Aspis)
Manche Lehrer sehen in uns auch einen Störfaktor oder sogar eine Art „Unterrichtskontrolle“... Blödsinn, wir haben wirklich genug mit unseren Klienten zu tun und die Qualität des Unterrichts spielt eine wahrhaft sekundäre Rolle. Schön zu lesen, dass wir als das gesehen werden, was wir versuchen zu sein... eine klitzekleine Stütze.
Antwort von Frau Freilauf:
Lieber Tobi,
ich nehme Deinen Beitrag als Kompliment und freue mich gerade ein wenig...
Eine SB benötigt keinerlei Qualifikation. Wir verwalten den Schüler quasi. Wir könnten „dümmer“ als das Kind sein (entschuldigt die Ausdrucksweise) , niemand würde sich dran stören. Hauptsache wir sind da und zuständig, wenns scheisse läuft. Nur wenigen Lehrern ist es gegeben, zu sehen, was gegebenenfalls mal funktioniert und nicht ausschließlich, wo’s im Argen liegt. Danke dafür... Du hast das Potential gesehen, das unter den Traumata hervorgelugt ist. ( Zur Erklärung: ich hatte „Trauma-Kids“ , keine Aspis)
Manche Lehrer sehen in uns auch einen Störfaktor oder sogar eine Art „Unterrichtskontrolle“... Blödsinn, wir haben wirklich genug mit unseren Klienten zu tun und die Qualität des Unterrichts spielt eine wahrhaft sekundäre Rolle. Schön zu lesen, dass wir als das gesehen werden, was wir versuchen zu sein... eine klitzekleine Stütze.
Dienstag, 2. Juni 2020
Fünfte Klasse - aber trotzdem!
Heute einmal ganz kurz und bündig: Ich habe in diesem Blog schon mehrfach davon erzählt, dass ich mit der Orientierungsstufe nicht so gut klarkomme wie mit älteren Schülern. Dennoch war es heute so schön, meine Kiddies aus der fünften Klasse einmal wiederzusehen, denn sie sind eben doch auf eine ganz andere Art Sonnenscheinchen als die aus der Mittelstufe. Hat wirklich gut getan!
Ich hoffe, die nächste Phase der Schulöffnung verläuft für Euch mehr oder weniger problemlos? Ich schwitze gerade über dem Plan für morgen - nicht etwa, weil es viel zu tun gäbe, sondern weil jetzt der Sommer loslegt und die Temperaturen steigen; heute ist der erste offizielle Backofentag in meiner Wohnung und mein Kopf fühlt sich an, als würde er bald platzen.
Die Kleinen waren heute ein echter Lichtblick - mal schauen, wie die Woche weitergeht!
Sonntag, 31. Mai 2020
Miniserien
![]() |
| bingewatching |
Falls da draußen irgendein fettschneckiger Serienjunkie das hier liest, wird er Folgendes schon längst wissen: Im Zeitalter des Streaming können Serien eine echte Gefahr für den Alltag eines Singles darstellen. Früher, in meiner Jugend, musste ich eine Woche warten, bis ich endlich die nächste Folge The X-Files oder Ally McBeal oder Diagnosis:Murder schauen konnte - heute gibt es das, was man allgemein binge watching nennt: Eine Folge nach der anderen, viele Streamingdienste lassen noch nicht einmal den Abspann der gerade gesehenen Episode durchlaufen, sondern bieten die Möglichkeit, direkt zur nächsten Folge weiterzuspringen. Und so stellt man sich irgendwann die Frage: "Habe ich jetzt gerade zwei Folgen gesehen? Oder waren es doch eher fünf? Wo ist der ganze Tag hin? Ich wollte doch eigentlich..."
Denn Serien können richtig süchtig machen - man möchte wissen, wie es weitergeht, was mit den Figuren passiert, die man vielleicht schon liebgewonnen hat - oder hasst; vielen Fans geht es so, dass sie die Charaktere ihrer Lieblingsserie bald besser zu kennen glauben als die Macher selbst.
Das ist einer der Vorteile einer Serie gegenüber einem feature film: Mehr Zeit, die wichtigen Figuren dreidimensional zu gestalten, mehr Zeit für Hintergründe, mehr Zeit für Charakterdynamik. Mehr Zeit für Nebenplots, mehr Zeit, einzelne Szenen für den puren Genuss einzustreuen. Ich bin kein großer Serienfreund, ich bevorzuge "kurze", abgeschlossene Filme, aber ich habe einen netten Kompromiss entdecken können - Miniserien, die meist aus einer abgeschlossenen Staffel bestehen, eine abgeschlossene Geschichte erzählen, ihre Figuren ausgestalten können, ohne sich dabei in Unendlichkeiten zu verlieren und eine Staffel an die nächste zu reihen.
Ich hätte mir das so sehr für die deutsche Hörspielreihe Gabriel Burns gewünscht. Sie mag zwar keinen Preis für Originalität gewinnen, aber sie war (und ist) atmosphärisch dicht umgesetzt, hat spannende Plots - und war ursprünglich auf fünfzehn Episoden konzipiert. So hat man in den ersten Episoden viele Handlungsstränge aufgespannt und ich hatte, als es unübersichtlicher wurde, immer die Gewissheit, dass bald alles zu einer Art Schluss führen wurde. Leider hat das Team um den Produzenten Volker Sassenberg gemerkt, dass man hier eine cash cow geschaffen hat, die man noch etwas weiter melken konnte, und so wurde die Serie endlos, mit späteren Folgen, die sich in die Länge ziehen, ohne viel Plot zu bieten, und ich habe irgendwann abgebrochen, mein Interesse war weg.
Ich habe jüngst die Serie Mr.Robot zu Ende geschaut, und auch da hatte ich den Eindruck, als wäre sie idealerweise als Miniserie konzipiert worden; besonders die dritte Staffel wirkte auf mich in die Länge gezogen. Bleibt dennoch dabei, dass ich die Serie gut fand, und einige Momente ganz herausragend.
Anders ist es übrigens bei sogenannten Anthologie-Serien - hier erzählt jede Episode eine abgeschlossene Geschichte, es gibt keine cliffhanger, man kann theoretisch nach jeder Folge eine Pause einlegen. Beispiele dafür wären The Twilight Zone, The Outer Limits, Tales from the Crypt oder Black Mirror.
Ich möchte in diesem Beitrag ein paar Anregungen für Miniserien geben, falls jemand von Euch Lust bekommt, sich auf eine schöne Geschichte einzulassen, die sich nicht über hunderte Episoden hinzieht, und ich freue mich auch, falls Ihr Anregungen habt.
Sharp Objects (2018) erzählt von einer Reporterin, die über ein vermisstes Mädchen in ihrer Heimatstadt berichten soll - und damit ihre eigene Kindheit aufarbeiten muss, als sie ihre Mutter nach langen Jahren wiedertrifft. Sehr schwarzer Humor, spannend, düstere Südtstaatenatmosphäre, ein toller Soundtrack und zwei brillante Schauspielerinnen in Amy Adams und Patricia Clarkson können erklären, warum diese Miniserie mit mehreren Preisen ausgezeichnet wurde. [acht Episoden je fünfzig Minuten]
Twin Peaks: A Limited Event Series (2017), auch bekannt als dritte Staffel der Kultserie Twin Peaks (1990-92) führt die damals mit einem intensiven Cliffhanger abgebrochene Serie ganz logisch weiter. Damals ging es um den Mord an Laura Palmer, witzig, idiosynkratisch, schräg und spannend. Regisseur David Lynch hat sich in fünfundzwanzig Jahren weiterentwickelt, und so hat diese neue Staffel stilistisch nur noch wenig mit den vorherigen gemein. Das soll keine Wertung sein; diese neue Staffel, die von der renommierten Zeitschrift Cahiers du Cinema als bester "Film" des Jahrzehnts ausgezeichnet wurde, ist qualitativ hochwertig. Langsam, düster, spannend, witzig - wenn man Lynchs Humor versteht. Ein echtes Meisterwerk, aber nicht für jedermann. Wer Mulholland Drive (2001) und Inland Empire (2007) mochte, dem könnte diese Miniserie, die sich mit Special Agent Dale Coopers Rückkehr nach Twin Peaks beschäftigt, richtig gut gefallen. [achtzehn Episoden je sechzig Minuten]
The Haunting of Hill House (2018) ist die neueste und meiner Meinung nach beste Verfilmung von Shirley Jacksons Romanvorlage - und das will etwas heißen, wenn man bedenkt, dass der Wise-Film aus den Sechzigern ebenfalls großartig ist. Regisseur Mike Flanagan hat hier ein kleines Kunstwerk geschaffen, dass von Kritikern als essential viewing bezeichnet wird - wer also gothic horror mag, ohne Blut und Zeugs, der kann sich hier wohlfühlen. Die Serie ist deutlich anspruchsvoller als alle bisherigen Verfilmungen, und das macht sie zu einem Genuss. Die Handlung erstreckt sich nur über wenige Tage, wird aber je Episode mit dem Fokus auf einer anderen Hauptfigur gezeigt - und wechselt zwischen der Vergangenheit, in der die Crain-Familie im unheimlichen Hill House aufgewachsen ist, und der Gegenwart, in der wir erleben, was aus den Kindern von damals geworden ist - wie sich die damaligen Erlebnisse auf ihr Leben als Erwachsene auswirken. Das bedeutet, dass es hier nicht nur um Horror geht, sondern um ein packendes Familiendrama, das technisch dem state of the art entspricht. Ich bin begeistert. [zehn Episoden je vierzig bis siebzig Minuten]
The Terror (2018/19) war ursprünglich eine Romanverfilmung um eine Crew und ihr Schiff Terror, die bei einer versuchten Überfahrt vor über hundert Jahren in's Treibeis gerät und dort festfriert. Das Drama zeigt, wie die Menschen mit dieser aussichtslosen Situation umgehen. Die zehn Episoden der ersten Staffel drehen sich darum; die zweite Staffel The Terror:Infamy spielt zu Weltkriegszeiten und stellt eine klassische japanische Geistergeschichte mit einer tragischen Vorgeschichte dar - beide Staffeln sind atmosphärisch dicht umgesetzt, und wenngleich die zweite Staffel sich manchmal allzu bekannter Horrortropen bedient, hat sie mir sogar etwas besser gefallen, weil ich zu period dramas nur selten den richtigen Zugang finde. [je Staffel zehn Episoden je fünfzig Minuten]
Weinberg (2015) kann man als deutschen Abklatsch von Twin Peaks bezeichnen, denn die Parallelen sind offensichtlich: Die lokale Weinkönigin im urigen Örtchen Kaltenzell wird ermordet und eine enigmatische Figur versucht, den Fall zu lösen und trifft dabei auf allerlei schräge Charaktere und Abgründe hinter der bürgerlichen Fassade. Allerdings ist es ein technisch einwandfreier und sehr atmosphärischer Abklatsch, und deswegen kann ich diese kurze Mysteryserie sehr empfehlen. [sechs Episoden je fünfzig Minuten]
Abonnieren
Posts (Atom)









