Mittwoch, 12. Dezember 2018

"Voll Schluss Digger!"

"Schluss ist erst, wenn ich das sage!"

Es wäre sehr einfach, jetzt einen Artikel zu schreiben über die Sprache der Jugendlichen heute. So wie das immer wieder ein beliebtes Thema ist für Ältere, die sich darüber aufregen wollen. Und für Lehrer, denen der Jugendsprech teilweise nur noch peinlich ist. Heute aber war es andersrum, ich war ziemlich froh, als ich den Satz am Ende meines Schultages gehört habe, denn auch ich hatte in dem Moment Schluss. Bzw., ich hatte "voll Schluss", wie der Schüler meinte. Voll gut? Voll peinlich? Voll Schluss Digger!

Haben wir damals auch so gesprochen? Klar, Bro und Sachen wie !!!!eins!!elf drölf hatten wir nicht, aber wir hatten Alter! und fett! und Boah Ey! - und natürlich fanden die meisten von uns das damals geil. Ich finde es faszinierend, jetzt, da ich mit älteren Schülern arbeite, zu sehen, für wie cool sie sich halten. Ein echter Mann, eine echte Frau, jetzt mit Führerschein und Nebenjob... dreht sich die Welt meistens immer noch nur um mich selbst. Ich finde diese Menschen viel spannender als Kinder in der Orientierungsstufe. Jetzt kommt Sex, Führerschein, Drogen, und das stellt was mit den Leuten an. Meine Zielgruppe, könnte ich mir vorstellen.

Und weil ich heute einen Zeitreise-Film gesehen habe (Predestination, 2014, kostenlos auf Amazon prime), frage ich mich, ob ich - wenn ich die Möglichkeit hätte - für eine Woche wieder jugendlich würde sein wollen. Und ich habe mich dagegen entschieden, denn ich frage mich, was es nützt, in Nostalgie zu schwelgen. Das habe ich oft genug gemacht, ich möchte lieber in die Zukunft schauen und mir ein tolles Leben im Hier und Jetzt gestalten.

Wir hatten heute die Vokabel the elderly - "ältere Menschen", und die Schüler meinten, dass Menschen ab dreißig als alt gelten. Ich bin also quasi tot. Und fand es faszinierend, wie wenig manche Schüler älter werden wollen. Wie sehr sie davor Angst haben - lieber cool sein, "Voll Schluss Digger!" durch den Schulflur grölen, ewig jung und unbesiegbar sein.

Hattet Ihr einmal Angst vor dem Älterwerden?

Samstag, 8. Dezember 2018

Damals, im Studium...

Ein bisschen Unkonventionalität aus dem Studium habe ich mir behalten.

Gestern habe ich mir endlich Charlie Kaufmans Synecdoche, New York (2008) angeschaut. "Endlich", weil Roger Ebert in den allerhöchsten Tönen darüber geschrieben hat und weil mir die Wikipedia erklärt, dass der Film polarisiert. Das ist eine interessante Kombination, so wie zum Beispiel auch bei Cloud Atlas (2012). Der Titel deutet schon ein gewisses literarisches Niveau an, und Kaufman scheint ein Händchen für anspruchsvolle Filmskripte zu haben - für Eternal Sunshine Of The Spotless Mind (2004) hat er damals den Academy Award bekommen.

Es geht mir heute gar nicht so sehr um den Film - der sollte zu einem anderen Zeitpunkt die verdiente Aufmerksamkeit bekommen - sondern um einen der Gedankenzüge, die er gestartet hat. Es hat ein kleines bisschen gedauert, bis ich realisiert hatte, dass es sich dabei um einen postmodernen Film handelt. Spätestens, als ein ununterbrochen brennendes Haus einen neuen Mieter gefunden hat, war das aber klar. Postmoderne kann frustrierend sein, unverständlich, skurril, absurd. Ich verstehe, dass es Kritiker gibt, die den Film deprimierend und unverständlich genannt haben. Ich habe mich köstlich amüsiert, und das hat mich erinnert...

...an damals, im Studium, als ich mein Interesse an postmoderner amerikanischer Literatur entdeckte. Das kam erst im Hauptstudium, davor fand ich diese Bücher unverständlich, komisch, konnte mich nicht damit arrangieren, dass ich nicht sofort alles verstanden habe. Dann habe ich gelernt, dass man nicht alles verstehen muss, konnte loslassen, und habe irgendwann Thomas Pynchons Roman The Crying Of Lot 49 zu einem meiner Lieblingsromane gekürt. Muss wohl so gewesen sein, denn daher hat dieser Blog seinen Namen.

Und ich habe mich erinnert an diese tolle Zeit, in der ich abgefahrene Literatur kennenlernen wollte, nicht der ganze normale Kram, es musste schon etwas spezieller sein. Dr Jens-Peter Becker und Prof Dr Konrad Groß haben in ihren Vorlesungen und Seminaren mein Interesse für das Ungewöhnliche angefeuert. Das war die Zeit, in der ich ernsthaft überlegt habe, an der Universität zu bleiben, und mich weiter mit postmoderner Literatur auseinanderzusetzen. Ich hatte mich gefühlt, als sei ich in literarische Höhen aufgestiegen, Paul Auster war kein Fremder mehr, auch Kathy Acker hat es in mein Regal geschafft, zusammen mit Tom Robbins und Philip Roth (dessen Portnoy's Complaint ich immens unterhaltsam fand).

Und mit all' diesem Wissen, mit all' diesem literarischen Anspruch - kam ich dann in eine neunte Klasse eines Gymnasiums. Jeder, der studiert hat und dann an die Schule gegangen ist, weiß, worauf ich damit anspiele. Postmoderne Literatur mit Schülern? Never! Okay, damit hatte ich schon ein bisschen gerechnet (ich wusste damals noch nicht, was die intellektuelle Norm ist), aber es ging noch viel weiter runter. Bis ganz nach unten - in den Abiturjahrgang, in dem man noch immer erklären musste he, she, it, the -s must fit.

Das ist jetzt ungefähr sieben Jahre her. Ich mache an den Schulen so gut wie nichts von dem, was ich damals an der Uni so faszinierend fand. Aber das Schöne: Ich bin darüber nicht unglücklich, die Arbeit macht Spaß, ich liebe es, Pädagoge zu sein. Aber Synecdoche, New York hat mir für zwei Stunden eine Phase in Erinnerung gerufen, die ich sehr genossen habe, und das war ein tolles Erlebnis.

post scriptum: Wenn die noch relativ junge Kollegin in der Schule, Pädagogin?, mich sorgfältig distanziert aufgrund meines Erscheinungsbildes wie einen asozialen Vollidioten behandelt, die ältere Dame bei LIDL mit ihrem Rollator und sechs Teilen mich aber an der Kasse freundlich lächelnd fragt, ob ich vorgehen möchte, dann stimmt mich das...

Freitag, 7. Dezember 2018

Do you like ESSEN?

a a a a a a a a a a a a a a a

Berufsfachschule III, Wirtschaft
Schwerpunkt Informatik, Oberstufe, Englisch
Task: Create an advertisement for a German city of your choice, following the AIDA-principle (attract Attention, create Interest, create Desire, call to Action).

I love creative tasks, and these two results almost had me die of laughter - I love them! However, this is just proof of my sick humor - das sagt nichts über die endgültige Bewertung aus. Ich bin mir bewusst, dass manche Menschen diese Anzeigen nicht besonders geglückt finden - but these are really original and deserve some attention.

This one nearly killed me (besonders der "Wir sind das Volk"-Typ): 

Donnerstag, 6. Dezember 2018

12/06

HB-Gehirn sagt: Geistergeschichten sind interessanter als Korrekturen, Rechnungen, Briefe, Essen, Aufräumen...

12/06

Ich schreibe das heutige Datum in die obere rechte Ecke des Whiteboards, und mir wird bewusst, dass ich die Zeit der Tafeln und Kreiden hinter mir gelassen habe. Und ich finde das gar nicht schlecht, weniger Staub, magnetische Wisch-Schwämme, trocknet die Hände nicht aus. Natürlich schreibe ich das Datum im amerikanischen Format - erst der Monat, dann der Tag, und ein Schüler erkennt das und ruft: "Hey Dr H, heute ist Nikolaus!" Ach, da war ja was.

Nikolaus ist vollkommen aus meinem Bewusstsein verschwunden. Das liegt zum einen daran, dass ich mit der Kirche wirklich nichts mehr zu tun habe (nie hatte), zum anderen aber auch an der gedanklichen Überforderung seit einigen Tagen. Ich glaube, das ist ein Problem der Hochbegabten: So viel zu tun, womit soll ich nur anfangen? Home Improvement ist angesagt, ich habe eine neue Tischlampe, die Wohnungstür mit einem neuen Cover versehen (Aufkleber), die Klassenarbeiten, die in zwei Wochen anstehen, erstellen, Projektmappen der Schüler durchsehen, ach herrje, und da kommt Post, Nikolausbrief von meinen Eltern, und ich kann mich gerade noch nichtmal freuen, weil es immer mehr wird: Auf dem Tisch wartet endlich der Film Synecdoche, New York auf mich, ist morgen dran, und dann könnte ich auch mal das Bad putzen und überhaupt.

Der Nikolausbrief liegt immer noch ungeöffnet neben mir. Weil ich ja auf den richtigen Moment dazu warten muss. Weil ich Angst habe, dass doch etwas Anderes drin ist. Muss alles stimmen, bevor ich meine Post öffne - das ist behindert. Und dann esse ich etwas, und anstatt das Geschirr wegzuräumen, lasse ich es an Ort und Stelle stehen. Ich bekomme das noch nicht einmal mit, weil mein Gehirn schon im Wochenende ist, auf das neue Videospiel wartet - drei, vier Schritte weiter. Hochbegabte kennen das. Ich merke das mit dem Geschirr erst, als ein Schatten über meine Wand huscht: Eine Fliege krabbelt über die Lampe, angelockt durch Essensreste (erinnert mich an Aronofskys Film Pi).

Es ist immer wieder faszinierend, wie sehr ich mich selbst lähmen kann. Anstatt einfach mit etwas anzufangen, überlege ich, welche Reihenfolge optimal ist. Und ich komme zu keinem Schluss. Geschirr bleibt stehen, Türaufkleber ist erst zu einem Drittel angebracht, Projektmappen liegen unbesehen herum. Briefe bleiben geschlossen, Freunde müssen auf Antworten in den sozialen Netzwerken warten, weil Dr H mal wieder in geistiger Quarantäne verweilt. Ich wusste, dass die neue Schule ein Einschnitt im Leben wird, war bei jeder Schule so, aber das mit der Schulart - es ist, als ob ich eine neue, andere Welt entdecke. Input ohne Ende, Meditationen waren noch nie so hilfreich und angenehm.

Ich glaube, ich möchte mir endlich einen Alltag einrichten - weil endlich die Chance besteht. Aber in diesen sieben Jahren Schulwechsel bin ich so weit von der Bahn abgekommen, dass es eine anstrengende Arbeit wird. Und Norman Bates zu beobachten, gibt mir etwas Sicherheit und Ruhe, ausgerechnet.

Alles so aufregend...

Sonntag, 2. Dezember 2018

Im Blog verlaufen


Nun ist es fast drei Jahre her, dass ich angefangen habe, diesen Blog zu schreiben. Ich war damals arbeitslos und brauchte irgendeine Beschäftigung, etwas, was mir Regelmäßigkeit im Alltag geben würde. Und so habe ich angefangen, meine Gedanken in Worte zu fassen und in die weite Welt zu schicken, als würden sie wirklich jemanden interessieren.

In dieser Zeit sind mehrere Hundert Beiträge zusammengekommen, und hin und wieder nehme ich mir mein Tablet zur Hand, gehe in die Sitzecke und stöbere ein bisschen durch die Archive. Ausgangspunkt sind oft die Thema-Beiträge links, und dann oftmals die tags am Ende der Beiträge. Das ist fast wie Gedankenassoziationen, ich drifte dabei von einem Thema zum anderen, immer wieder zwischen Zwosechzehn und heute hin und her.

Ich kann mich dabei richtig verlaufen, die Zeit verlieren, nostalgisch werden. Unschöne Punkte wiedererleben - Vertragsende, Liebeskummer - schöne Erlebnisse - Reisen, neue Schulen - und auch skurrile Momente, und irgendwie findet man diese Mischung auch auf diesen Seiten wieder. Und ratzfatz waren zwei Stunden um.

Das ist wirklich mal eine Alternative zum klassischen Tagebuch und ich hätte tatsächlich nicht gedacht, dass ich selbst so viel Spaß beim Stöbern hätte - von den Geschichten-Beiträgen mal abgesehen, die haben ja in der Regel ein Rad ab. Und Euer Feedback gibt mir immer wieder neue Denkimpulse zum Weiterschreiben - vielen Dank dafür.

Auf weitere Jahre verrückter Zeiten - Hilarius Times!

post scriptum: "A watched pot of milk..." - vielleicht sollte ich mich nicht dem Schreiben zuwenden, währen im Hintergrund der Milchtopf auf der Kochplatte dampft. Mal wieder sehr talentfrei, Dr Hilarius!

Samstag, 1. Dezember 2018

Ich bin die Hildegard!

Zeit zum Bingen!

Zu meiner Anfangszeit bei den Saturnalien war Hildegard von Bingen im Fach der Mittel- und Neulateinischen Philologie gern als Schutzheilige des Fernsehens veralbert worden. Ich fand das wohl grandios, sonst würde ich mir das nicht bis heute gemerkt haben.

Die große Buba und ich vergleichen gern unser TV-Verhalten. Was schauen wir uns bevorzugt an? Ich Filme, sie TV-Serien. Ich Horror, SciFi, psychological drama, sie RomCom, Satire, Positives. Besonders die Unterscheidung mit Serien und Filmen finde ich spannend, und ich habe in einem vorangegangenen Beitrag ja schon etwas über mein Serienverhalten geschrieben - dass ich eher Filme bevorzuge, aber wenn ich erst einmal mit einer Serie angefangen habe, die mich interessiert, dann werde ich tatsächlich zur Hildegard von Bingen.

Und zwar nicht von Bingen, sondern eher englisch von bingen, denn dann ziehe ich die Folgen ratzfatz durch, kann nachts um zwei Uhr nicht abschalten, kann keine Cliffhanger ungelöst lassen. Ist ja nunmal so bei diesen düsteren suspense-Sachen - die halten mich bei der Stange. Und so habe ich nun an drei Tagen die erste Staffel Bates Motel durchgeschaut, knapp siebeneinhalb Stunden "Spaß", und kann gar nicht genug von dieser Beziehung zwischen Norman Bates und seiner Mutter bekommen. Das sind die beiden aus Hitchcocks Psycho (1960). Die Serie hat genau den rabenschwarzen Humor, den ich liebe, und ich glaube, ich werde die restlichen vier Staffeln auch noch recht zügig durchbingen, denn ich bin die Hildegard!

post scriptum: Warum interessiere ich mich eigentlich immer für so kranke Charaktere? Menschen, deren Verhalten sich mir nicht auf Anhieb erschließt? Oder deren Verhalten so verdorben ist, dass ich einfach nicht wegschauen kann? Meilenweit ab vom Mainstream, in einer kleinen Nische, in der ich zufrieden grinsend zuschaue, wie Norman Bates und seine Mutter... Ihr kennt die Story.

Normal scheint echt zu langweilig geworden zu sein. Hat ja auch einen Grund, dass die Hauptfiguren Norman und Norma Bates heißen. Und vielleicht ist es schön, hin und wieder Menschen zu beobachten, die auch so schräg und durchgeknallt sind wie ich. 

paulo post scriptum: Verpasst nicht den Beitrag von gestern, den ich erst nachts gepostet habe - tut mir Leid, das ging nicht früher!

Freitag, 30. November 2018

Zweiundzwanzig zweiundzwanzig

Manchmal herrscht Sturm im Kopf und ich kann mich auch nach fast zwei Stunden durchgehender Meditation nicht auf ein Thema festlegen...

Wenn ich mich auf die meditative Gedankenreise begebe, ist es komplett dunkel in der Wohnung. Nachdem meine Augen dann etwa eine Stunde kein Licht mehr gesehen haben, ist es spannend, am Ende die Augen zu öffnen und zu erleben, was ich im Dunklen alles sehen kann. Heute habe ich groß und rot 22:22 gesehen: Mittlerweile ist meine Wohnung so konfiguriert, dass ich bei der Meditation jederzeit, falls nötig, die Uhrzeit sehen kann, ohne meinen Kopf dafür bewegen zu müssen (Projektorlampen sind toll).

Normalerweise steht dann da etwa 19:30. Dass es heute deutlich später war, hat diverse Gründe, und ich würde am liebsten alles hier in einem Gedankengulasch erklären. Und weil das hier mein Blog ist, mache ich das auch. Ich werde aber die einzelnen Blöcke mit Überschriften versehen, falls jemand skippen möchte.

Schule in Preetz???

Ich fange bei der Schule an, denn die heutige Dienstversammlung ist der Grund für zwei der drei Stunden Verspätung - die dritte Stunde erklärt sich durch die Filmauswahl. Ich hatte natürlich wieder Panik, denn ich musste an einen unbekannten Ort fahren. Während ich derzeit meine Schulzeit in der Hauptstelle der Schule in Plön verbringe, sollte es heute zur Außenfiliale in Preetz gehen. Wie komme ich dahin? Wie viel Zeit brauche ich? Blockiere ich irgendwelche Autofahrer, weil ich dann so langsam durch Preetz fahre? Ach herrje, in Preetz war ja das Friedrich-Schiller-Gymnasium, das mir damals die kreative Absage geschickt hatte, dass man offen für frischen Wind sei, er müsse nur in einer für sie erträglichen Windstärke pusten. Heute, Jahre später, bin ich froh über diese Antwort, denn ich wäre wirklich keine geeignete Lehrkraft für das FSG gewesen.

Naja, jedenfalls war es meine erste Dienstversammlung an einer neuen Schulform, und das war für mich durchaus ziemlich aufregend. Worüber spricht man wohl an der Berufsschule bei so einer Konferenz? Ganz viel Input und Reaktionen gesammelt, und dann musste ich auch noch den Weg zur B76 zurück finden und hatte Angst, mich vollkommen zu verfahren. "Fahr' doch einfach hinter einem Kollegen her", sagt Klaus, die Laus. Das mag ich aber nicht, denn: Ich halte mich an die Höchstgeschwindigkeiten, und ich habe keine Lust, mir dann Vorwürfe machen zu lassen, ich sei ja so langsam gefahren. Alles schon gehabt, danke, Bedarf gedeckt.

Aber es war wirklich spannend, den Altersdurchschnitt zu sehen, die Kollegen aus den anderen Zweigstellen, die "Sitzordnung", sowas alles. Ich habe mich neben den Kollegen aus unserer Abteilung gesetzt, der bisher immer die "Ich bin OK, du bist OK"-Ausstrahlung hatte. (Transaktionsanalytiker an die Front!) Das hat mir die Angst vor diesem völlig unbekannten Ort, an dem so viele unbekannte Menschen waren, etwas genommen. War insgesamt ein echtes Erlebnis!


 "Ich habe sie gerochen!"

Und ich war zu dem Zeitpunkt auch schon ein wenig durch eine Stunde in einer großartigen Klasse beruhigt, denn in jener Stunde fiel zum ersten Mal ein Thema, das früher oder später jeder einmal anmerkt.

Dr H: "Ach, ich hätte den Rechner ja auch schon eingeschaltet lassen können, ich war vorhin schon mit einer anderen Klasse hier im Raum."
S: "Das habe ich mir schon gedacht!"
Dr H: "Hast du auf meinen Stundenplan geschaut, oder wie?"
S: "Nein, ich habe sie gerochen!"

Und ich war gleichzeitig total stolz, dass ein Schüler die Chuzpe hat, sowas auszusprechen, und total happy, dass meine "Duftmarke" an der Schule angekommen ist. Ich mache das ja nicht, um jemanden zu ärgern. Es ist nur einfach so, dass es in meiner Wohnung immer nach Räucherstäbchen riecht, meistens Adlerholz, gern aber auch Variationen. Und nach den Erfahrungen, die ich bisher gesammelt habe, scheint das kein sehr unangenehmer Duft zu sein, also schäme ich mich dafür mittlerweile auch nicht mehr (ja, war tatsächlich mal so).


Altered States 

Eine kleine Anmerkung zum gestrigen Film muss noch sein, der scheint mich tatsächlich nicht so einfach loszulassen. Er hat wirklich gute Kritiken bekommen; besonders überrascht war ich vom Lexikon des internationalen Films, das ich für sehr konservative Standpunkte kennengelernt habe. Hätte nicht gedacht, dass ein Film über psychedelische Substanzen ausgerechnet von jener Seite als intelligenter Horrorfilm bezeichnet wurde. Und, so ehrlich muss man sein, seine beiden Oscarnominierungen (Sounddesign) hat er sich redlich verdient.

Wer vielleicht bei den kommenden Academy Awards im März Berücksichtigung finden wird, ist der Film Mandy, ganz frisch im September herausgebracht worden: Der Plot mag banal sein, nichts Originelles und so, aber das ist wirklich mal ein Fall von slash with panache, der hat Stil: Das Sounddesign ist sensationell, und die visuelle Gestaltung ist so gewagt, dass ich mich direkt an Dario Argentos Suspiria (1977) erinnert gefühlt habe - einen Film, den ich als Kunstwerk immer wieder gern genieße. Laut Wikipedia wird Mandy als psychedelic horror kategorisiert - aber egal, wie man es versucht, man kann diesen Film nicht beschreiben, man muss ihn erleben. WENN man sich denn für bewusstseinserweiternde Substanzen interessiert. War also heute eher durch Zufall ein echter Volltreffer! Und auch wieder: Bei den Kritikern sehr gut angekommen, Mainstream war nicht so begeistert.

Was bleibt?

Die Feststellung, dass der heutige Tag sehr viele Gedanknzüge in Bewegung gebracht hat - und nicht nur positive; so langsam bekomme ich die Reservierungen manch' einer kollegialen Lehrkraft zu spüren. Aber egal, das war an jeder Schule so. Es erfordert wesentlich weniger Denkarbeit, Dr Hilarius in die Schublade Unerfahrener Rowdy, direkt von der Uni, hat keine Ahnung, wie Schule funktioniert, ist in ein paar Wochen eh' wieder weg zu stecken. Ist ja auch alles in Ordnung, ich provoziere das ja auch (immer mit dem Ziel eines Erkenntnisgewinns). Das Einzige, womit ich wirklich Probleme habe, ist, wenn Menschen mich behandeln, als wäre ich dumm. Damit kann ich bisher noch nicht so gut umgehen - aber interessanterweise wird mir ausgerechnet der Buddhismus da raushelfen, da bin ich mir sicher.

Kommt gut in's Wochenende, Leute! Wobei, der Artikel erscheint spät, der wird wohl frühestens am Samstag gelesen werden, also hoffe ich, dass Ihr gut im Wochenende gelandet seid ;-)