Freitag, 12. Oktober 2018

Lessness

Das waren mal meine DVDs

Less bedeutet "weniger". Lessness zu übersetzen stellt mich vor Schwierigkeiten, und vielleicht fragt sich der eine oder andere Leser ja auch, ob es das Wort überhaupt gibt, oder ob Dr Hilarius mal wieder kläglich scheiterte an dem Versuch, mit Sprache zu spielen.

Ich bin mit dem Begriff lessness im Studium in Berührung gekommen. Ist eine längere Geschichte, die American Psycho und meine Examensarbeit involviert - ein anderes Mal. Lessness beschreibt den Zustand des Wenigerseins oder Wenigerwollens. Weniger Details in einem Gemälde, weniger Instrumente in einem Musikstück, weniger dekorative Ecken in einem Haus. In den verschiedenen Künsten geht das bis hin zum Minimalismus - soweit "muss" es nicht immer kommen. Aber ich denke mal, viele von Euch haben irgendwann im Leben einen dieser Gedanken gehabt: "Nein, ich möchte eine schlichte Jacke tragen, nicht so viele Muster darauf, nicht so viele kleine Taschen überall dran." - "Ich möchte einmal Musik hören, die nicht effekt- und instrumentüberladen klingt, denn ich möchte mich auf die einzelnen Tonspuren konzentrieren." - "Ich möchte keine Fertigprodukte mehr essen, keine Geschmacksverstärker mehr, ich möchte erleben, wie so ein Stück Kohlrabi eigentlich schmeckt."

Man könnte den Beitrag jetzt in Richtung sensorische Deprivation fortführen, um herauszuheben, welche positiven Effekte es hat, wenn man die Sinneseindrücke eine Weile minimiert. Ich habe das damals in aller Kürze getan; heute allerdings geht es mir um eine andere Art der Minimierung.

Im Studium wollte ich unbedingt Regalwände haben, die bis obenhin voller Bücher, Musik-CDs und Filme sind. Das kennst Du, oder die große Buba? Warum? Keine Ahnung, wollte ich damit irgendjemandem imponieren? Oder wollte ich einfach stolz sein auf mich selbst - "Schau mal, Doc, so viele Romane hast du schon gelesen!" ...wollte ich mir selbst gegenüber beweisen, dass ich nicht dumm bin? Jedenfalls hat es geklappt, ich war stolz auf meine Reihen an Büchern und Filmen, und konnte damit insgesamt vier Regale füllen.

Aber die Dinge ändern sich. Die Sichtweisen ändern sich. Heute denke ich pragmatisch: "Doc, du lebst jetzt in einer Ein-Zimmer-Wohnung, das mögen 55m² sein, aber der Platz ist trotzdem eingeschränkt. Wo sollte ich die vier Regale aufstellen?" Vor der Frage stand ich beim Einzug tatsächlich, und ich habe versucht, immerhin so viele volle Regale wie möglich aufzustellen. Aber nach dem Einleben ist mir bewusst geworden, dass dieser Anblick mir keine Befriedigung mehr verschafft ("Eigentlich brauche ich das gar nicht!"), und es kamen immer neue Bücher und Filme hinzu. Also habe ich überlegt, wie ich all' diese Regale entrümpeln kann. Und dabei sind ein paar Sachen herumgekommen, die mir das Leben wirklich praktischer gemacht haben:

Von diesen Taschen habe ich mittlerweile drei - je eine für DVDs, Blurays und Videospiele.
Das waren früher einmal unzählige Musik-CDs.
Ich habe ein paar der DVD-Hüllen, CDs etc. aufgehoben, weil sie sich vielleicht gut als Deko machen würden; meine Hitchcock-Sammlung ist ein echter Hingucker. Und das mag oberflächlich klingen, aber ich verbringe sehr viel Zeit in meiner Wohnung und ich bin sehr empfänglich für Sinnesgenüsse. Mein Ziel war es, die Regale komplett loszuwerden, um stattdessen vielleicht ein weiteres Wandtattoo anzubringen, und ich überlege, ob ich eine Art esoterischen Altar in der Wohnung haben möchte. Dr-Hilarius-Buddhismus-Grad plus zehn Punkte.

Aber das trägt alles dazu bei, dass ich mich an meinem Ort sehr wohl fühle. Ich möchte wirklich nicht hier weg.

Und wenn bei Euch jetzt der Eindruck entstanden sein sollte, das hier schon einmal irgendwo gelesen zu haben - kein Wunder, ich habe schon einmal darüber geschrieben... oder auch nicht, jedenfalls kann ich den Beitrag gerade nicht finden. Aber heute ist es mir wieder bewusst geworden, wie sehr mir das Minimieren gefällt. Und wie sehr ich in dieser Wohnung bleiben möchte.

Wie wohl ich mich fühle.

post scriptum: Die Sannitanic geht ja bald zum zweiten Mal unter, ich habe das heute gemerkt, wenn ich ihr einmal die Tür aufhalten wollte - sie ist so fett, da passt niemand mehr durch die Tür! Und ich freue mich wahnsinnig für sie, denn das zweite Kind ist unterwegs. Und, das muss wohl Zufall gewesen sein, aber der heutige Film war "Children of Men" (2006); Regisseur Alfonso Cuarón hat die Frage beleuchtet, wie die Welt wohl aussähe, wenn in einer nahen Zukunft alle Frauen unfruchtbar wären und niemand mehr schwanger werden kann. Ich muss zugeben, der Film ist echt gut, und als mir dann wieder eingefallen ist, dass Cuarón auch für "Gravity" (2013) verantwortlich war, hat das seine Tendenz, die menschliche Psyche offenzulegen, bestätigt.

Donnerstag, 11. Oktober 2018

Die letzte Zugfahrt

Manches lässt sich nicht trennen

Wir sitzen am Bahnhof, niemand sonst wartet auf den Zug nach Freiburg. Niemand da, der stören könnte, und trotzdem sprechen wir nicht miteinander. Wir blicken beide traurig abwechselnd auf den Boden oder in die Richtung, aus der der Zug kommen sollte. Wir haben beide rote Augen. Ich vom Weinen, Er von der durchgemachten Nacht. Wir sind beide übermüdet; vielleicht ist auch das einer der Gründe, warum wir nicht miteinander reden. Was sollten wir denn auch besprechen? Worüber unterhält man sich auf der letzten gemeinsamen Zugfahrt? Was sagt man sich, wenn man sich am Zielbahnhof ein letztes Mal in den Arm nimmt? Was sind die letzten Worte, die man dem Menschen sagen soll, der einem so sehr ans Herz gewachsen ist, wenn man weiß, dass man sich nicht mehr wiedersehen wird?

Ich habe mich bereits die letzten zwei Nächte über mit dem Gedanken auseinandergesetzt – aber Er ist sich erst spät, bzw. heute in aller Frühe dieser Realität bewusst geworden. Und dabei hätte es alles toll sein können. Wir beide sind für vier Tage von zuhause geflohen, quer durch Deutschland gefahren und den Europa-Park besucht. Ich hatte versucht, für alles zu sorgen, und Er meinte, dass das ein echtes Erlebnis ist.

Ich will auch gar nicht weiter darüber nachdenken, was zu dieser beschissenen Situation geführt hat. Und nun kommt der Zug, wir steigen ein und zwanzig Minuten später schon wieder aus. Und reden immer noch nicht miteinander. Dann fährt der ICE Richtung Norden ein, wir suchen unsere reservierten Plätze, ein Vierer, und uns gegenüber sitzt eine Frau mit ihrer Tochter. Die Kleine ist so niedlich, dass wir beide lächeln und ein bisschen mit ihr spielen.

Der Zug fährt ab, und ich schaue ihn zum ersten Mal an diesem Tag direkt an, und Er schaut zurück. „Hey, wollen wir uns jetzt stundenlang anschweigen?“ fragt sein Blick mich. Ich lächele traurig, Er auch. Er nimmt sich seinen MP3-Player und setzt die Kopfhörer auf. Ich fasse nach seiner Schulter, bitte noch nicht, bitte lass' uns wenigstens ein bisschen reden. Das tun wir. Unauffällig, weil wir dem kleinen Mädchen nicht alle Details der letzten Nacht servieren wollen.

Aber worüber reden wir nun? Ich schaue auf die Uhr, noch sechs Stunden, dann heißt es Abschied nehmen. Wir schauen uns seit Minuten an, ununterbrochen. Ich möchte nicht mehr wegschauen, und Er auch nicht. „Mama, warum sind die beiden Männer so still?“ Wir lächeln. „Tina, die Männer sind bestimmt sehr müde, lass' sie mal ein bisschen in Ruhe.“ Die Mutter lächelt uns an, und ich verwette mein Gehirn, dass sie genau weiß, woran Er und ich gerade denken. Sie sieht, dass wir traurig sind. Man könnte denken, dass wir uns lieben, ich ihn und Er mich. Und die Mutter lächelt hilflos, denn sie würde uns gern etwas Gutes tun.

Nach einer gefühlten Ewigkeit den Anschauens fragt Er mich, ob es okay ist, wenn Er eine Weile Musik hört. Natürlich ist es das, und wir schließen die Augen und lehnen uns zurück. Ich nehme meine Armbanduhr ab, ich möchte nicht sehen,wie unsere letzte gemeinsame Zeit verrinnt.

Und dann fangen wir doch an zu reden. Wir möchten uns nicht die Schuld geben. „Es war nicht dein Fehler“, sagt Er. Dann ich. Ich nehme seine Hand. Die kleine Tina malt in einem Buch herum. Und selbst, wenn sie das nicht täte: Heute ist es uns egal, was die Menschen um uns herum denken. Wir bekommen gar nichts mehr mit, schauen uns nur wieder an. „Ich will dich nicht gehen lassen“, aber wir haben diesen Entschluss in der letzten Nacht gefällt. Seitdem hatte er nicht mehr mit mir gesprochen, hat sich im Hotel im Bett weggedreht, weil er nach und nach die Tragweite dieses Entschlusses einschätzen konnte.

Und plötzlich fangen wir an, ehrlich miteinander zu reden. Über Gefühle, über alles, was wir erlebt haben. Über die irren Nächte, über die schönen Zeiten, ich halte immer noch seine Hand. Wir würden das niemals zuhause in der Öffentlichkeit gemacht haben, denn ich war nie ein gutes Gesprächsthema in seiner Welt, und deswegen hat Er versucht, mich geheim zu halten. Aber nun, mehrere Hundert Kilometer entfernt von den Menschen, die nicht wollen, dass wir befreundet sind, nun können wir endlich authentisch sein. Wir haben noch nie so offen gesprochen wie auf dieser Zugfahrt, haben uns angeschaut und die Mutter gegenüber lächelt uns weiter an. 

Wir haben Eis gebrochen, und wir reden über alles, was in unseren Herzen vor sich geht. Wir haben Angst davor, zurückzukehren in eine Welt, in der wir wieder Rollen spielen müssen, in der wir nicht wir selbst sein dürfen. Wir würden so gern diese Zugfahrt ewig ausdehnen, denn Er redet wie ein Wasserfall von seinen Gedanken und Gefühlen, und für eine Weile wirkt es, als würden wir uns in einer leuchtenden Kugel befinden, in der wir endlich ehrlich sind und keine Blicke von außen fürchten müssen.

Dann fährt der Zug durch den Bahnhof Hamburg-Harburg, und wir realisieren, dass die Heimat immer näher kommt - und das Leuchten unserer Kugel wird schwächer. Er setzt seine Kopfhörer auf, ich lehne mich zurück und schließe die Augen. Habe ich ihn lang genug angesehen, dass ich in Zukunft ohne diesen Anblick werde auskommen können?

Time will tell...

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Und ich erspare Euch die letzten Momente nach der Ankunft in Kiel. Warum schreibe ich das hier überhaupt? Weil Streit, unschöne Gefühle, Tiefen einfach zu jeder zwischenmenschlichen Beziehung dazugehören. Und die Geschichte zeigt uns vor allem eins: Solche traurigen, schweren Zeiten machen uns stärker. Warum würde Er sonst immer noch für mich aufgeschlossen sein?

Mittwoch, 10. Oktober 2018

Die erste Zugfahrt

Aller Anfang ist schwer...

Es ist früher Abend, als ich im Bus sitze. Langsam dämmert es, kein Wunder, es ist Herbst. Es wird kälter, aber so wirklich nehme ich das nicht wahr, denn ich fühle mich schon kalt genug. Ich fahre zum Bahnhof, habe einen Rucksack mit Zeitschriften, Büchern dabei, außerdem eine Sporttasche mit Wäsche, die gewaschen werden muss.

Bevor ich am Bahnhof in meinen Zug steige, hole ich noch vom Zeitschriftenladen den aktuellen Intelligenztrainer und von Pizza Hut etwas Wegzehrung. Ich habe noch über zwanzig Minuten, bis der Zug nach Neumünster abfährt, und so genieße ich die Pizza, habe einen Viererplatz im Zug ganz für mich und schaue hinaus, auf das, was sich später einmal Bahnhofshalle nennen soll. Es dauert schon ewig, es wird auch weiterhin ewig dauern, kann mir aber egal sein, ich mache mir sowieso nicht viel aus Kiel, ich werde hier neun Semester studieren und dann haue ich wieder ab.

Es ist im Herbst Zweitausenddrei, und ich habe die erste Woche in meiner neuen Wohnung hinter mir, in meiner neuen WG, und ich vermisse meine Eltern wirklich sehr. Ich bin so froh, dass jetzt Wochenende ist und ich sie besuchen kommen kann. Die ersten Nächte in Kronshagen waren die Hölle. Alles so allein und ruhig und Conny nervt.

Eine gute halbe Stunde Fahrt später sitze ich im Anschlusszug nach Dithmarschen. Das ist der, der nur zwanzig Kilometer in der Stunde fährt und alle paar Minuten Warnsignale in die Nacht hinaus trötet, falls Kühe auf den Gleisen grasen. AKN. Nach H, und dann nach B.
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Das war vor fünfzehn Jahren. Heute sitze ich wieder im Zug, wieder die Pizza neben mir. Nur dass es jetzt nicht mehr die AKN ist, sondern die nordbahn, und dass die Kieler Bahnhofshalle fertig ist. Und dass ich nicht mehr in Kronshagen wohne, nicht mehr in einer WG, und meine Wäsche inzwischen selbst wasche. Und der Intelligenztrainer heißt mittlerweile Intelligenzrätsel.

Hat sich also Vieles verändert, und mittlerweile will ich auch gar nicht mehr aus Kiel weg. Aber es war ganz spannend zu erleben, wie all' diese Gefühle bei so einer Zugfahrt wieder hochkommen können.

Vermisse ich das Studium? Nein. Jedesmal, wenn ich einen Film über Studenten sehe, bin ich eigentlich ganz froh, dass ich einen Schritt weiter bin. Unabhängiger, selbstbewusster. Und mehr nach vorne schaue. War eine geile Zeit, aber ich bin froh, dass sie vorbei ist.

Coming of age und so...

Sonntag, 7. Oktober 2018

My Amazon Wishlist


Hier geht es zu meinem Amazon-Wunschzettel - erst lesen:

Die Generation der digital natives wächst mit neuen technischen Errungenschaften auf, die allesamt einen Katalog bis dato eher unbekannter Verhaltensmuster mit sich gebracht haben. Gut, genau genommen kann man das über jede Generation sagen. Wir hatten damals unter anderem das Super Nintendo Entertainment System, und auch das hat interessante Verhaltensweisen in uns herausgekehrt. Binge gaming anyone?

Das heutige Teil ist gewissermaßen ein Faszinosum für mich, weil es in meinem Kopf viele Fragen von Warum? weckt und mir die Antworten netterweise nicht gleich mitliefert, so dass ich meinen Kopf ein wenig anstrengen muss, um das herauszufinden. Es geht um etwas, was mir aufgefallen ist bei Bloggern und, noch viel weiter verbreitet, bei Youtubern. Das sind diese Menschen, die eine Möglichkeit haben, Videos von sich selbst aufzunehmen - wer hat das heutzutage nicht? - und diese Videos dann auf einer Onlineplattform zu veröffentlichen - wer macht das heutzutage nicht? (möchte man fast fragen). Das sind unterschiedlichste Videos - Schminktipps, Comedy, Menschen, die Musik machen, Videospieler, die Nutzer bei sich zusehen lassen, Fitnessjunkies, die entweder Tipps geben wollen, oder aber einfach ihren Körper präsentieren wollen - oftmals Beides.

Das lockt Nutzer an, viele dieser Youtuber haben Hunderte, Tausende, Hunderttausende Subscriber - Menschen, die ihnen folgen und jedes neue Video gierig verspachteln, als seien sie Verdurstende in der Wüste. Sie hängen ihren Youtubern an den Lippen, sie sind Fans, sie fressen ihnen aus der Hand.  Und, tut mir Leid, das muss ich hier jetzt auch erwähnen - Offenheit und so - ich weiß, dass auch der eine oder andere Leser dieses Blogs oftmals nur darauf wartet, dass ein neuer Beitrag erscheint. So hat eben jeder, der sich im Internet der Öffentlichkeit preisgibt, seine kleine Fangemeinde, oder zumindest gewogene User, und ebenso natürlich auch seine Hassgemeinde, die ihn am liebsten aus dem Internet löschen würde (und einige von ihnen können trotzdem nicht einfach wegklicken, sondern lesen den Stuss hier).

Man fängt dann an, von seinem eigenen Stil ein bisschen abzurücken und den Usern das zu geben, was sie gerne sehen möchten. Beispiel gefällig? Uwe Schüder, im Internet unter dem Namen flyinguwe vielen Menschen ein Begriff, hat vor Jahren angefangen, Kampfsportvideos von sich zu posten. Sein Talent für Sprungkicks (nennt man das so???) hat ihm seinen Internetnamen eingebracht. Nun ist es aber einmal so, dass er diese Videos ab und an in sportlicher Kleidung aufgenommen hat. Manchmal konnte man dabei so ganz unauffällig erkennen, dass er einen ziemlich durchtrainierten Körper hatte. Und was muskulöse männliche Körper in manchen Menschen auslösen können, darüber hatte ich an anderer Stelle einmal geschrieben (übrigens ein Beitrag mit überdurchschnittlich vielen Klicks; woran das nur liegen mag??).

Natürlich ist es auch Uwe nicht verborgen geblieben, dass die Videos, in denen er etwas Haut zeigt, wesentlich mehr Aufmerksamkeit bekommen als die komplett bekleideten Kampfsportvideos. Und so hat er, weil er genau diese Aufmerksamkeit genießt (kann ich verstehen), seinen Youtube-Kanal und seine Internet-Persona nach und nach umgerüstet. Ist anteilmäßig nicht mehr so viel mit Kampfsport, sondern viel mehr mit Muskeln. Fitnesstipps und er nutzt jede Möglichkeit, um seinen Followern seinen Körper zu präsentieren. Nicht falsch verstehen, ist ja vollkommen in Ordnung, mir ging es nur darum, herauszustreichen, was unsere Internetpräsenz mit uns anstellen kann, und ich hoffe, dass ich mich im Laufe dieses Blogs nicht zu sehr gewandelt habe, sondern immer noch von mir aus schreibe, nicht zu sehr von dem ausgehend, was Ihr vielleicht lesen wollt.

Diese Internet-Berühmtheiten neigen dazu, ihre Arbeit als Einkunftsquelle zu nutzen. Sei es nun, dass sie ihre Videos mit Werbung versehen oder ihre Fans um Unterstützung bitten. Man muss das einfach zur Kenntnis nehmen, dass es ein paar Menschen gibt, die davon wirklich gut leben können. Manchmal ein bisschen zu gut, zumindest erscheint es mir so, und woher kommt das? Jetzt kommen wir langsam zur Warum-Frage dieses Beitrags. Warum tun ihre Follower das? Warum schenken sie ihnen alles Mögliche? Drolliges Beispiel ist die Amazon-Wishlist.

Ich denke mal, wir alle kennen dieses riesige Versandhaus, das so nach und nach die Welt zu übernehmen scheint. Ich kenne es seit bald zwanzig Jahren (oder so) und ich muss zugeben, ich nutze es sehr gern. Vor einiger Zeit habe ich deswegen die prime-Mitgliedschaft erworben, für Gratisversand und Filme. Eine der Funktionen dieser Onlineseite ist die Wunschliste: Manche Sachen hätten wir gern, haben sie aber im Moment nicht. Weil die Finanzen nicht ausreichen, oder weil andere Sachen einfach wichtiger sind. Bei so gut wie jedem Artikel, den wir auf der Seite anklicken können, haben wir neben In den Einkaufswagen auch die Option Auf meinen Wunschzettel, und so kann man sich also, wenn man einen Account bei Amazon hat, eine eigene Wishlist führen.

Das hat sogar Vorteile; ich dagegen habe seit Jahren immer einen handschriftlichen Zettel an meiner Pinnwand, auf dem ich Sachen notiere, die ich mir im Moment noch nicht kaufen kann oder möchte, die aber interessant sind. Oder ich setze mir Bookmarks zu den Artikelseiten. Der Wunschzettel ist tatsächlich wesentlich übersichtlicher und komfortabler, mit einem Klick erledigt.

Was allerdings manche Internet"stars" damit machen, fasziniert mich: In ihren Profilen posten sie ihren Wunschzettel, für jedermann sichtbar. Man findet diesen Link dann unter jedem ihrer Videos, neben jedem ihrer Fotos, einfach überall, und es kommt, wie es kommen muss: Manch' ein Follower schaut sich die Wunschliste seines Stars an und erfüllt ihm dann einen oder mehrere dieser Wünsche. Und dann kommt es so, dass viele Youtuber ein sogenanntes unboxing video online stellen: ein Video, auf dem sie das Paket vom Versandhandel dann auspacken.

Warum?

Warum fasziniert das so viele Nutzer? Warum sehen sie so gern, wie andere Menschen ihre Geschenke auspacken? Warum kommen sie überhaupt auf die Idee, die Wunschzettel anderer, wildfremder Menschen abzugrasen? Warum funktioniert diese Maschinerie seit Jahren, und warum wird sie auch noch ewig weiterlaufen?

Und jetzt bitte nicht vernünftig argumentieren, denn diese Argumente kenne ich: Wenn einer der Internetstars sich wirklich Mühe gibt für seine Follower, und ihnen wirklich etwas Tolles zu bieten hat, dann möchte man sich irgendwann irgendwie bedanken. Nicht nur stiller Mitleser sein, sondern irgendwie diesem Menschen ein Kompliment aussprechen. Und dann möchte man es vielleicht auch gern sehen, wie dieser Mensch das Paket öffnet, das man ihm geschenkt hat, und wie er darauf reagiert.

Ist ja alles nachvollziehbar. Aber wenn man dann sieht, wie der eine oder andere Youtuber seine Wohnung mit High Tech ausrüsten kann, mit einer fetten Karre vorfährt, wenn man sieht, was da für Werte fließen und es aufrechnet gegen den Aufwand, der dafür getätigt wurde, dann... nun, es bleibt bei mir eben immer noch die Frage Warum?

Um das einmal zu erleben, habe ich nun also selbst einen Wunschzettel erstellt. Und damit das gleich klar ist: Ich erwarte nicht, dass irgendjemand von Euch mir etwas davon schenkt - denn zum einen habe ich wirklich nichts getan, um das zu verdienen und zum anderen liegt meine größte Genugtuung in den Rückmeldungen, die ich immer mal wieder von Euch bekomme. Ich möchte nur einmal ausprobieren, wie das funktioniert. Wie erstelle ich so eine Wishlist, wie sieht das nachher aus, wie fühle ich mich, wenn so etwas öffentlich zugänglich ist. Ich möchte dem Warum-Verständnis durch eigene Expertise etwas näher kommen. Denn sicherlich entbehrt auch dieser Gedanke nicht jeder Grundlage: Zeige mir Deine Amazon-Wishlist und ich sage Dir, wer Du bist. Wer das über mich herausfinden möchte...

...der findet hier meinen Amazon-Wunschzettel.


Samstag, 6. Oktober 2018

Eingefroren

Freeze!

Für mich war das Studium die große Zeit des Ausprobierens. Auf einmal waren so viele Barrieren weg, so viele neue Wege verfügbar, die Freiheit fühlte sich geradezu unendlich an. Und trotzdem habe ich mir auch schon damals selbst im Weg gestanden: Wenn etwas gerade in war, wenn alle etwas gemacht haben, Trends, Hypes, dann war ich von der Bildfläche verschwunden. Irgendwie hatte ich immer eine Abneigung gegen Trends, und ich wollte nie ein Insider sein.

Umso drolliger ist es irgendwie, dass ich damals von der Flashmob-Welle erfasst worden bin. Das war noch bevor diese große Welle Deutschland überspült hat, bevor jede Schulprojektwoche ein Flahmob-Projekt hatte, bevor solche Events nicht nur multimedial geplant, sondern auch live im Fernsehen übertragen wurden - kurz: Bevor die Flashmobs aufhörten, Flashmobs zu sein.

Denn genau das gehörte ja gerade bei diesen sehr speziellen Aktionen dazu: Es sollte ungeplant wirken. Ohne Absprache. Spontan. Aus heiterem Himmel taten Menschen etwas Unerwartetes, und die Nichteingeweihten schauten sich erstaunt um. Das war eigentlich nichts Neues, es hat sich aus der Szene des Improvisationstheaters heraus entwickelt, ging in Übersee los und ist herübergeschwappt. Und hat sich dann leider selbst zersetzt und weichgespült.

Bei einem Flashmob ist wichtig, dass die Aktion wie aus heiterem Himmel geschieht (Flash eben). Dass alle Mitglieder diszipliniert sind. Dass die Aktion nicht aufgesetzt wirkt, sondern aus dem ganz normalen Alltag heraus. Und dass danach alle weitergehen, als wäre nichts gewesen. Ein sehr schönes Beispiel dafür ist der Freeze von ImprovEverywhere an der Grand Central Station gewesen:

Man beachte: Die Teilnehmer, hier undercover agents genannt, gehen am Ende einfach davon. Kein Abschlusstreffen, keine Manöverkritik. Der Applaus kommt von den Menschen, die von der Aktion überrascht wurden. Ein ganz klassischer Flashmob, wenig originell, aber sehr effektiv - wenn man ihn richtig macht.

Es geht aber auch anders, und so hat sich damals im StudiVZ eine Aktion entwickelt, um das Einfrieren am Kieler Hauptbahnhof nachzuspielen. Gut, okay, nicht originell, aber warum nicht. Ich war auch neugierig, und dementsprechend bin ich auch zur vereinbarten Zeit am vereinbarten Ort gewesen. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt schon ein paar Flashmobs erlebt und auch organisiert (dazu unten mehr), und war letztlich von der Aktion im Bahnhof etwas ernüchtert. Doch vielleicht solltet Ihr einen Blick auf das Ereignis werfen, das Alexander Main organisiert und in ein Video zusammengeschnitten hat.

Also, eigentlich sieht das doch super aus. Und irgendwie war es auch witzig. Aber meiner Auffassung von Impro nach ist das kein richtiger Flashmob. Es sind viel zu viele Teilnehmer: Der Kieler Hauptbahnhof ist niemals so voll (außer bei Großereignissen); es wirkt sehr aufgesetzt, wenn die Rate der Teilnehmer:Passanten bei 40:1 liegt. Dazu kommt, dass einige Teilnehmer sehr kreativ sein wollten und sich in Posen gesetzt haben, die sicher nett gemeint waren, aber mit der Grundidee des "aus heiterem Himmel einfrieren" nichts mehr zu tun haben - zum Beispiel der Mann mit heruntergelassener Hose, der Mann mit Pistole, die "nichts sehen, nichts hören, nichts sagen"-Damen... alles kreativ, ja, aber lässt den Flashmob noch künstlicher wirken. Und wie passend, dass bereits Menschen mit Fernsehkameras dabei waren, um abends im Schleswig-Holstein-Magazin übertragen zu können. Und dann die Selbstbeweihräucherung danach - nachdem alle wieder "aufgetaut" waren, beklatschten sie sich zunächst selbst, um dann noch für ein Gruppenfoto am Seiteneingang des Bahnhofs zu posieren.

Sorry, das ist dann zwar eine künstlerisch interessante Aktion, aber definitiv kein Flashmob mehr im klassischen Sinne. Ich fand es witzig, aber auch sehr eierschaukelnd, mir fällt gerade kein vernünftiger Begriff ein. Und letztlich hat das dazu geführt, dass mein Interesse an den Flashmobs wieder abgeklungen ist, denn in Deutschland wurden daraus nach und nach abgesprochene, geplante, gründlich inszenierte Aktionen, die meinetwegen Mobs sind - aber da flasht definitiv nix mehr.

Ich habe damals bei meinen "eigenen" Flashmobs versucht, den Grundprinzipien treu zu bleiben. Eine Aktion allerdings hat mir - einige Zeit später - vor Augen geführt, dass ich mich in genau dieselbe Richtung entwickelte. Vor fast genau zehn Jahren habe ich eine Kissenschlacht über soziale Netzwerke angeleiert. Auf ein Zeichen hin sollten Passanten aus heiterem Himmel aufeinander einprügeln. Auf Studenten kann man sich verlassen; so nahmen an dieser Aktion mitten auf der Kieler Holstenstraße ungefähr vierzig Flashmobber teil. Der schönste Moment war für mich, als ein Bankangesteller, elegant angezogen, pomadiertes Haar, versucht hat, sich zwischen den Kissnschlachtern hindurchzuschlängeln; er hat mir fast ein bisschen leid getan, doch dann holte er wie aus dem Nichts ein Kissen hervor und stürzte sich in' s Getümmel.

Ich habe daraus ein Video erstellt, genauso selbstbeweihräuchernd wie das Video von Herrn Main, und das hat dann tatsächlich dazu geführt, dass ich mich von den Flashmobs abgewandt habe. Irgendwie war es schon ein cooles Gefühl, so eine Aktion anzuleiern. Deswegen war ich so gern bei den Saturnalien. Und genau dieses "Anführergefühl", bzw. meine Vorliebe dafür, habe ich hassen gelernt ^^

Und hier also das Video von damals, das wegen der Tonspur vermutlich bald gesperrt werden wird. Whatever.



post scriptum: Ich hatte einmal darüber geschrieben, dass ich gern gestärkte Handtücher als Unterlage nehme. Bisher habe ich diesen Effekt mit Wäschestärke erzielt, jetzt aber - weil sie im Supermarkt unten ausverkauft war - habe ich mich gefragt, ob ich einfach auf Speisestärke umsteigen kann. "frag-mutti.de" hat mir dann weitergeholfen und ich werde nun keine Wäschestärke aus dem Waschmittelregal mehr nehmen. Die Hausfrauenalternative ist günstiger und belastet die Umwelt nicht, und die Handtücher krachen bei'm Drauflegen - so soll es sein.

paulo post scriptum: Der heutige Film war Sam Raimis "Drag Me To Hell" (2009), ein Horrorfilm mit witzigen Untertönen, wie man es wohl von Raimi kennt - war richtig, richtig gut, visuell und akustisch ein Genuss, und ich habe herrlich gelacht, als ein "Geist" an die Windschutzscheibe eines Autos geklatscht ist, BOO-Moment, und was macht die Protagonistin? Wischt ihn mit dem Scheibenwischer weg, großartig. Tobi, kam der Tipp von Dir? Falls ja: Danke!

Freitag, 5. Oktober 2018

Tü tü de lü... TÜV!


Ich habe zu Autos ein, nun ja... ein seltsames Verhältnis. Ich finde Autos toll, Ich fahre gern, aber ich bin nicht in der Lage, mich vernünftig um mein Auto zu kümmern: Müll rausräumen, durchsaugen, waschen, Ölstand messen, Scheibenwischerwasser whatever, all' diese Kleinigkeiten vergesse ich. Ich werde mir da eine andere Verhaltensweise antrainieren müssen, wenn ich irgendwann mein eigenes Auto habe (und irgendwie freue ich mich darauf).

Bis dahin allerdings fahre ich mit einem Gebrauchtwagen, und der hat Einiges mitgemacht. Vor fünf Jahren hat er mir die Touren nach St.Peter-Ording ermöglicht, morgens um vier Uhr aufstehen, Downtempo-Musik oder Radio einzuschalten und dann fast zwei Stunden bis an das äußerste Ende von Eiderstedt, das war eine spannende Phase. In dieser Phase hatte ich dann auch meinen Autounfall, selbst verschuldet, bei regennasser Fahrbahn in einer S-Kurve zu schnell gelenkt, Lenkung blockiert und ganz fix ging es dann rückwärts auf die Gegenfahrbahn, zweihundert Meter lang, und dann in einen Acker. Landung. Und viel Glück gehabt: Es war Gegenverkehr vorhanden, aber in sicherem Abstand, und das hatte den Vorteil, dass jemand sich um mich gekümmert hat.

Das war ein irres Erlebnis, das werde ich wohl nie vergessen, naja, jedenfalls hat das Auto einige Kratzer, Dellen und Schrammen mitbekommen, aber es ist immer noch weitergefahren. Dann kam die Phase mit Neumünster, ein Jahr lang über die Autobahn bügeln, Fahrtwind genießen (quasi), Musik, Sonne, kaum zu glauben, was dieses Auto noch alles aushält. Und dann kam der Herbst Zweitausendachtzehn immer näher: Termin zur Hauptuntersuchung a.k.a. TÜV.

Ich bin sehr froh, dass wir in Deutschland den TÜV haben. Als Freizeitparkfan gibt mir das Sicherheit. Keine Achterbahn darf in Deutschland in Betrieb genommen werden, ohne vom TÜV auf Herz und Nieren geprüft zu sein. Dieser Technische ÜberwachungsVerein ist schon was Tolles. Und gründlich. Und leider so gründlich, dass ich keine Hoffnung hatte, dass mein Wagen, der wirklich quietscht und kracht und was es noch so gibt... Gedankenzug. Jedenfalls hatte ich keine Hoffnung, dass er noch einmal das TÜV-Siegel bekommt.

Und dann hat es doch geklappt. Mit einem Tausender an Werkstattkosten hat das Auto nun tatsächlich die Erlaubnis, zwei weitere Jahre zu fahren. Und das finde ich deshalb so toll, weil ich in zwei Jahren vielleicht verbeamtet bin und endlich die Finanzierung meines eigenen Autos angehen kann. Das wird sehr aufregend, ich hoffe, Er gibt mir da auch ein paar Tipps dazu. Und bis dahin darf ich wieder mit meinem Unfallauto die Straßen unsicher machen.

Es ist ein tolles Gefühl, mobil zu sein.

Donnerstag, 4. Oktober 2018

Ein anderes Gefühl von Bett


Ein paar Tage weit in die Ferien hinein, und so langsam wird mir das bewusst, so langsam kann ich das genießen. Das deutlichste Signal für mich ist, dass das Schlafengehen sich komplett anders anfühlt. In der Schulzeit gehe ich abends zu Bett mit dem Gedanken "Uh, nur noch sechs Stunden, dann muss ich schon wieder aufstehen", und manchmal versuche ich mich auf Krampf zum Einschlafen zu bringen, bis es irgendwann heißt "Oh, nicht einmal mehr zwei Stunden, bis der Wecker klingelt".

Das ist jetzt vollkommen anders - egal, um welche Uhrzeit ich in's Bett gehe, ich weiß, dass die Wecker ausgeschaltet sind, und drifte vollkommen entspannt in den Schlaf. Und irgendwann wache ich wieder auf, und es gibt da kein zu spät oder verschlafen. Ich wache auf, wenn ich mich ausgeschlafen fühle, und so beginnt dann auch der Tag gleich ganz anders. Energetischer. In den Ferien erlebe ich quasi ein ganz anderes Gefühl von Bett, und ich liebe es.

Auch, wenn es ein paar Tage gedauert hat; ich mache mir für die Ferien immer irgendwelche Pläne, so nach dem Motto Aufräumen oder Ernährung umstellen oder so 'nen Kasperkram. Am ersten Ferientag geht's los, so denke ich mir - aber dann merke ich jedesmal wieder, dass ich vielleicht erstmal das Feriengefühl ein bisschen genießen sollte.

Und so gammele ich in die erste Ferienwoche hinein und genieße das Leben aus vollen Zügen und in überfüllten Bussen, ist ja schließlich noch eine ganze Weile hin, bis der Schulalltag wieder ruft.