Mittwoch, 10. Oktober 2018

Die erste Zugfahrt

Aller Anfang ist schwer...

Es ist früher Abend, als ich im Bus sitze. Langsam dämmert es, kein Wunder, es ist Herbst. Es wird kälter, aber so wirklich nehme ich das nicht wahr, denn ich fühle mich schon kalt genug. Ich fahre zum Bahnhof, habe einen Rucksack mit Zeitschriften, Büchern dabei, außerdem eine Sporttasche mit Wäsche, die gewaschen werden muss.

Bevor ich am Bahnhof in meinen Zug steige, hole ich noch vom Zeitschriftenladen den aktuellen Intelligenztrainer und von Pizza Hut etwas Wegzehrung. Ich habe noch über zwanzig Minuten, bis der Zug nach Neumünster abfährt, und so genieße ich die Pizza, habe einen Viererplatz im Zug ganz für mich und schaue hinaus, auf das, was sich später einmal Bahnhofshalle nennen soll. Es dauert schon ewig, es wird auch weiterhin ewig dauern, kann mir aber egal sein, ich mache mir sowieso nicht viel aus Kiel, ich werde hier neun Semester studieren und dann haue ich wieder ab.

Es ist im Herbst Zweitausenddrei, und ich habe die erste Woche in meiner neuen Wohnung hinter mir, in meiner neuen WG, und ich vermisse meine Eltern wirklich sehr. Ich bin so froh, dass jetzt Wochenende ist und ich sie besuchen kommen kann. Die ersten Nächte in Kronshagen waren die Hölle. Alles so allein und ruhig und Conny nervt.

Eine gute halbe Stunde Fahrt später sitze ich im Anschlusszug nach Dithmarschen. Das ist der, der nur zwanzig Kilometer in der Stunde fährt und alle paar Minuten Warnsignale in die Nacht hinaus trötet, falls Kühe auf den Gleisen grasen. AKN. Nach H, und dann nach B.
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Das war vor fünfzehn Jahren. Heute sitze ich wieder im Zug, wieder die Pizza neben mir. Nur dass es jetzt nicht mehr die AKN ist, sondern die nordbahn, und dass die Kieler Bahnhofshalle fertig ist. Und dass ich nicht mehr in Kronshagen wohne, nicht mehr in einer WG, und meine Wäsche inzwischen selbst wasche. Und der Intelligenztrainer heißt mittlerweile Intelligenzrätsel.

Hat sich also Vieles verändert, und mittlerweile will ich auch gar nicht mehr aus Kiel weg. Aber es war ganz spannend zu erleben, wie all' diese Gefühle bei so einer Zugfahrt wieder hochkommen können.

Vermisse ich das Studium? Nein. Jedesmal, wenn ich einen Film über Studenten sehe, bin ich eigentlich ganz froh, dass ich einen Schritt weiter bin. Unabhängiger, selbstbewusster. Und mehr nach vorne schaue. War eine geile Zeit, aber ich bin froh, dass sie vorbei ist.

Coming of age und so...

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