Sonntag, 7. Oktober 2018

My Amazon Wishlist


Hier geht es zu meinem Amazon-Wunschzettel - erst lesen:

Die Generation der digital natives wächst mit neuen technischen Errungenschaften auf, die allesamt einen Katalog bis dato eher unbekannter Verhaltensmuster mit sich gebracht haben. Gut, genau genommen kann man das über jede Generation sagen. Wir hatten damals unter anderem das Super Nintendo Entertainment System, und auch das hat interessante Verhaltensweisen in uns herausgekehrt. Binge gaming anyone?

Das heutige Teil ist gewissermaßen ein Faszinosum für mich, weil es in meinem Kopf viele Fragen von Warum? weckt und mir die Antworten netterweise nicht gleich mitliefert, so dass ich meinen Kopf ein wenig anstrengen muss, um das herauszufinden. Es geht um etwas, was mir aufgefallen ist bei Bloggern und, noch viel weiter verbreitet, bei Youtubern. Das sind diese Menschen, die eine Möglichkeit haben, Videos von sich selbst aufzunehmen - wer hat das heutzutage nicht? - und diese Videos dann auf einer Onlineplattform zu veröffentlichen - wer macht das heutzutage nicht? (möchte man fast fragen). Das sind unterschiedlichste Videos - Schminktipps, Comedy, Menschen, die Musik machen, Videospieler, die Nutzer bei sich zusehen lassen, Fitnessjunkies, die entweder Tipps geben wollen, oder aber einfach ihren Körper präsentieren wollen - oftmals Beides.

Das lockt Nutzer an, viele dieser Youtuber haben Hunderte, Tausende, Hunderttausende Subscriber - Menschen, die ihnen folgen und jedes neue Video gierig verspachteln, als seien sie Verdurstende in der Wüste. Sie hängen ihren Youtubern an den Lippen, sie sind Fans, sie fressen ihnen aus der Hand.  Und, tut mir Leid, das muss ich hier jetzt auch erwähnen - Offenheit und so - ich weiß, dass auch der eine oder andere Leser dieses Blogs oftmals nur darauf wartet, dass ein neuer Beitrag erscheint. So hat eben jeder, der sich im Internet der Öffentlichkeit preisgibt, seine kleine Fangemeinde, oder zumindest gewogene User, und ebenso natürlich auch seine Hassgemeinde, die ihn am liebsten aus dem Internet löschen würde (und einige von ihnen können trotzdem nicht einfach wegklicken, sondern lesen den Stuss hier).

Man fängt dann an, von seinem eigenen Stil ein bisschen abzurücken und den Usern das zu geben, was sie gerne sehen möchten. Beispiel gefällig? Uwe Schüder, im Internet unter dem Namen flyinguwe vielen Menschen ein Begriff, hat vor Jahren angefangen, Kampfsportvideos von sich zu posten. Sein Talent für Sprungkicks (nennt man das so???) hat ihm seinen Internetnamen eingebracht. Nun ist es aber einmal so, dass er diese Videos ab und an in sportlicher Kleidung aufgenommen hat. Manchmal konnte man dabei so ganz unauffällig erkennen, dass er einen ziemlich durchtrainierten Körper hatte. Und was muskulöse männliche Körper in manchen Menschen auslösen können, darüber hatte ich an anderer Stelle einmal geschrieben (übrigens ein Beitrag mit überdurchschnittlich vielen Klicks; woran das nur liegen mag??).

Natürlich ist es auch Uwe nicht verborgen geblieben, dass die Videos, in denen er etwas Haut zeigt, wesentlich mehr Aufmerksamkeit bekommen als die komplett bekleideten Kampfsportvideos. Und so hat er, weil er genau diese Aufmerksamkeit genießt (kann ich verstehen), seinen Youtube-Kanal und seine Internet-Persona nach und nach umgerüstet. Ist anteilmäßig nicht mehr so viel mit Kampfsport, sondern viel mehr mit Muskeln. Fitnesstipps und er nutzt jede Möglichkeit, um seinen Followern seinen Körper zu präsentieren. Nicht falsch verstehen, ist ja vollkommen in Ordnung, mir ging es nur darum, herauszustreichen, was unsere Internetpräsenz mit uns anstellen kann, und ich hoffe, dass ich mich im Laufe dieses Blogs nicht zu sehr gewandelt habe, sondern immer noch von mir aus schreibe, nicht zu sehr von dem ausgehend, was Ihr vielleicht lesen wollt.

Diese Internet-Berühmtheiten neigen dazu, ihre Arbeit als Einkunftsquelle zu nutzen. Sei es nun, dass sie ihre Videos mit Werbung versehen oder ihre Fans um Unterstützung bitten. Man muss das einfach zur Kenntnis nehmen, dass es ein paar Menschen gibt, die davon wirklich gut leben können. Manchmal ein bisschen zu gut, zumindest erscheint es mir so, und woher kommt das? Jetzt kommen wir langsam zur Warum-Frage dieses Beitrags. Warum tun ihre Follower das? Warum schenken sie ihnen alles Mögliche? Drolliges Beispiel ist die Amazon-Wishlist.

Ich denke mal, wir alle kennen dieses riesige Versandhaus, das so nach und nach die Welt zu übernehmen scheint. Ich kenne es seit bald zwanzig Jahren (oder so) und ich muss zugeben, ich nutze es sehr gern. Vor einiger Zeit habe ich deswegen die prime-Mitgliedschaft erworben, für Gratisversand und Filme. Eine der Funktionen dieser Onlineseite ist die Wunschliste: Manche Sachen hätten wir gern, haben sie aber im Moment nicht. Weil die Finanzen nicht ausreichen, oder weil andere Sachen einfach wichtiger sind. Bei so gut wie jedem Artikel, den wir auf der Seite anklicken können, haben wir neben In den Einkaufswagen auch die Option Auf meinen Wunschzettel, und so kann man sich also, wenn man einen Account bei Amazon hat, eine eigene Wishlist führen.

Das hat sogar Vorteile; ich dagegen habe seit Jahren immer einen handschriftlichen Zettel an meiner Pinnwand, auf dem ich Sachen notiere, die ich mir im Moment noch nicht kaufen kann oder möchte, die aber interessant sind. Oder ich setze mir Bookmarks zu den Artikelseiten. Der Wunschzettel ist tatsächlich wesentlich übersichtlicher und komfortabler, mit einem Klick erledigt.

Was allerdings manche Internet"stars" damit machen, fasziniert mich: In ihren Profilen posten sie ihren Wunschzettel, für jedermann sichtbar. Man findet diesen Link dann unter jedem ihrer Videos, neben jedem ihrer Fotos, einfach überall, und es kommt, wie es kommen muss: Manch' ein Follower schaut sich die Wunschliste seines Stars an und erfüllt ihm dann einen oder mehrere dieser Wünsche. Und dann kommt es so, dass viele Youtuber ein sogenanntes unboxing video online stellen: ein Video, auf dem sie das Paket vom Versandhandel dann auspacken.

Warum?

Warum fasziniert das so viele Nutzer? Warum sehen sie so gern, wie andere Menschen ihre Geschenke auspacken? Warum kommen sie überhaupt auf die Idee, die Wunschzettel anderer, wildfremder Menschen abzugrasen? Warum funktioniert diese Maschinerie seit Jahren, und warum wird sie auch noch ewig weiterlaufen?

Und jetzt bitte nicht vernünftig argumentieren, denn diese Argumente kenne ich: Wenn einer der Internetstars sich wirklich Mühe gibt für seine Follower, und ihnen wirklich etwas Tolles zu bieten hat, dann möchte man sich irgendwann irgendwie bedanken. Nicht nur stiller Mitleser sein, sondern irgendwie diesem Menschen ein Kompliment aussprechen. Und dann möchte man es vielleicht auch gern sehen, wie dieser Mensch das Paket öffnet, das man ihm geschenkt hat, und wie er darauf reagiert.

Ist ja alles nachvollziehbar. Aber wenn man dann sieht, wie der eine oder andere Youtuber seine Wohnung mit High Tech ausrüsten kann, mit einer fetten Karre vorfährt, wenn man sieht, was da für Werte fließen und es aufrechnet gegen den Aufwand, der dafür getätigt wurde, dann... nun, es bleibt bei mir eben immer noch die Frage Warum?

Um das einmal zu erleben, habe ich nun also selbst einen Wunschzettel erstellt. Und damit das gleich klar ist: Ich erwarte nicht, dass irgendjemand von Euch mir etwas davon schenkt - denn zum einen habe ich wirklich nichts getan, um das zu verdienen und zum anderen liegt meine größte Genugtuung in den Rückmeldungen, die ich immer mal wieder von Euch bekomme. Ich möchte nur einmal ausprobieren, wie das funktioniert. Wie erstelle ich so eine Wishlist, wie sieht das nachher aus, wie fühle ich mich, wenn so etwas öffentlich zugänglich ist. Ich möchte dem Warum-Verständnis durch eigene Expertise etwas näher kommen. Denn sicherlich entbehrt auch dieser Gedanke nicht jeder Grundlage: Zeige mir Deine Amazon-Wishlist und ich sage Dir, wer Du bist. Wer das über mich herausfinden möchte...

...der findet hier meinen Amazon-Wunschzettel.


Samstag, 6. Oktober 2018

Eingefroren

Freeze!

Für mich war das Studium die große Zeit des Ausprobierens. Auf einmal waren so viele Barrieren weg, so viele neue Wege verfügbar, die Freiheit fühlte sich geradezu unendlich an. Und trotzdem habe ich mir auch schon damals selbst im Weg gestanden: Wenn etwas gerade in war, wenn alle etwas gemacht haben, Trends, Hypes, dann war ich von der Bildfläche verschwunden. Irgendwie hatte ich immer eine Abneigung gegen Trends, und ich wollte nie ein Insider sein.

Umso drolliger ist es irgendwie, dass ich damals von der Flashmob-Welle erfasst worden bin. Das war noch bevor diese große Welle Deutschland überspült hat, bevor jede Schulprojektwoche ein Flahmob-Projekt hatte, bevor solche Events nicht nur multimedial geplant, sondern auch live im Fernsehen übertragen wurden - kurz: Bevor die Flashmobs aufhörten, Flashmobs zu sein.

Denn genau das gehörte ja gerade bei diesen sehr speziellen Aktionen dazu: Es sollte ungeplant wirken. Ohne Absprache. Spontan. Aus heiterem Himmel taten Menschen etwas Unerwartetes, und die Nichteingeweihten schauten sich erstaunt um. Das war eigentlich nichts Neues, es hat sich aus der Szene des Improvisationstheaters heraus entwickelt, ging in Übersee los und ist herübergeschwappt. Und hat sich dann leider selbst zersetzt und weichgespült.

Bei einem Flashmob ist wichtig, dass die Aktion wie aus heiterem Himmel geschieht (Flash eben). Dass alle Mitglieder diszipliniert sind. Dass die Aktion nicht aufgesetzt wirkt, sondern aus dem ganz normalen Alltag heraus. Und dass danach alle weitergehen, als wäre nichts gewesen. Ein sehr schönes Beispiel dafür ist der Freeze von ImprovEverywhere an der Grand Central Station gewesen:

Man beachte: Die Teilnehmer, hier undercover agents genannt, gehen am Ende einfach davon. Kein Abschlusstreffen, keine Manöverkritik. Der Applaus kommt von den Menschen, die von der Aktion überrascht wurden. Ein ganz klassischer Flashmob, wenig originell, aber sehr effektiv - wenn man ihn richtig macht.

Es geht aber auch anders, und so hat sich damals im StudiVZ eine Aktion entwickelt, um das Einfrieren am Kieler Hauptbahnhof nachzuspielen. Gut, okay, nicht originell, aber warum nicht. Ich war auch neugierig, und dementsprechend bin ich auch zur vereinbarten Zeit am vereinbarten Ort gewesen. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt schon ein paar Flashmobs erlebt und auch organisiert (dazu unten mehr), und war letztlich von der Aktion im Bahnhof etwas ernüchtert. Doch vielleicht solltet Ihr einen Blick auf das Ereignis werfen, das Alexander Main organisiert und in ein Video zusammengeschnitten hat.

Also, eigentlich sieht das doch super aus. Und irgendwie war es auch witzig. Aber meiner Auffassung von Impro nach ist das kein richtiger Flashmob. Es sind viel zu viele Teilnehmer: Der Kieler Hauptbahnhof ist niemals so voll (außer bei Großereignissen); es wirkt sehr aufgesetzt, wenn die Rate der Teilnehmer:Passanten bei 40:1 liegt. Dazu kommt, dass einige Teilnehmer sehr kreativ sein wollten und sich in Posen gesetzt haben, die sicher nett gemeint waren, aber mit der Grundidee des "aus heiterem Himmel einfrieren" nichts mehr zu tun haben - zum Beispiel der Mann mit heruntergelassener Hose, der Mann mit Pistole, die "nichts sehen, nichts hören, nichts sagen"-Damen... alles kreativ, ja, aber lässt den Flashmob noch künstlicher wirken. Und wie passend, dass bereits Menschen mit Fernsehkameras dabei waren, um abends im Schleswig-Holstein-Magazin übertragen zu können. Und dann die Selbstbeweihräucherung danach - nachdem alle wieder "aufgetaut" waren, beklatschten sie sich zunächst selbst, um dann noch für ein Gruppenfoto am Seiteneingang des Bahnhofs zu posieren.

Sorry, das ist dann zwar eine künstlerisch interessante Aktion, aber definitiv kein Flashmob mehr im klassischen Sinne. Ich fand es witzig, aber auch sehr eierschaukelnd, mir fällt gerade kein vernünftiger Begriff ein. Und letztlich hat das dazu geführt, dass mein Interesse an den Flashmobs wieder abgeklungen ist, denn in Deutschland wurden daraus nach und nach abgesprochene, geplante, gründlich inszenierte Aktionen, die meinetwegen Mobs sind - aber da flasht definitiv nix mehr.

Ich habe damals bei meinen "eigenen" Flashmobs versucht, den Grundprinzipien treu zu bleiben. Eine Aktion allerdings hat mir - einige Zeit später - vor Augen geführt, dass ich mich in genau dieselbe Richtung entwickelte. Vor fast genau zehn Jahren habe ich eine Kissenschlacht über soziale Netzwerke angeleiert. Auf ein Zeichen hin sollten Passanten aus heiterem Himmel aufeinander einprügeln. Auf Studenten kann man sich verlassen; so nahmen an dieser Aktion mitten auf der Kieler Holstenstraße ungefähr vierzig Flashmobber teil. Der schönste Moment war für mich, als ein Bankangesteller, elegant angezogen, pomadiertes Haar, versucht hat, sich zwischen den Kissnschlachtern hindurchzuschlängeln; er hat mir fast ein bisschen leid getan, doch dann holte er wie aus dem Nichts ein Kissen hervor und stürzte sich in' s Getümmel.

Ich habe daraus ein Video erstellt, genauso selbstbeweihräuchernd wie das Video von Herrn Main, und das hat dann tatsächlich dazu geführt, dass ich mich von den Flashmobs abgewandt habe. Irgendwie war es schon ein cooles Gefühl, so eine Aktion anzuleiern. Deswegen war ich so gern bei den Saturnalien. Und genau dieses "Anführergefühl", bzw. meine Vorliebe dafür, habe ich hassen gelernt ^^

Und hier also das Video von damals, das wegen der Tonspur vermutlich bald gesperrt werden wird. Whatever.



post scriptum: Ich hatte einmal darüber geschrieben, dass ich gern gestärkte Handtücher als Unterlage nehme. Bisher habe ich diesen Effekt mit Wäschestärke erzielt, jetzt aber - weil sie im Supermarkt unten ausverkauft war - habe ich mich gefragt, ob ich einfach auf Speisestärke umsteigen kann. "frag-mutti.de" hat mir dann weitergeholfen und ich werde nun keine Wäschestärke aus dem Waschmittelregal mehr nehmen. Die Hausfrauenalternative ist günstiger und belastet die Umwelt nicht, und die Handtücher krachen bei'm Drauflegen - so soll es sein.

paulo post scriptum: Der heutige Film war Sam Raimis "Drag Me To Hell" (2009), ein Horrorfilm mit witzigen Untertönen, wie man es wohl von Raimi kennt - war richtig, richtig gut, visuell und akustisch ein Genuss, und ich habe herrlich gelacht, als ein "Geist" an die Windschutzscheibe eines Autos geklatscht ist, BOO-Moment, und was macht die Protagonistin? Wischt ihn mit dem Scheibenwischer weg, großartig. Tobi, kam der Tipp von Dir? Falls ja: Danke!

Freitag, 5. Oktober 2018

Tü tü de lü... TÜV!


Ich habe zu Autos ein, nun ja... ein seltsames Verhältnis. Ich finde Autos toll, Ich fahre gern, aber ich bin nicht in der Lage, mich vernünftig um mein Auto zu kümmern: Müll rausräumen, durchsaugen, waschen, Ölstand messen, Scheibenwischerwasser whatever, all' diese Kleinigkeiten vergesse ich. Ich werde mir da eine andere Verhaltensweise antrainieren müssen, wenn ich irgendwann mein eigenes Auto habe (und irgendwie freue ich mich darauf).

Bis dahin allerdings fahre ich mit einem Gebrauchtwagen, und der hat Einiges mitgemacht. Vor fünf Jahren hat er mir die Touren nach St.Peter-Ording ermöglicht, morgens um vier Uhr aufstehen, Downtempo-Musik oder Radio einzuschalten und dann fast zwei Stunden bis an das äußerste Ende von Eiderstedt, das war eine spannende Phase. In dieser Phase hatte ich dann auch meinen Autounfall, selbst verschuldet, bei regennasser Fahrbahn in einer S-Kurve zu schnell gelenkt, Lenkung blockiert und ganz fix ging es dann rückwärts auf die Gegenfahrbahn, zweihundert Meter lang, und dann in einen Acker. Landung. Und viel Glück gehabt: Es war Gegenverkehr vorhanden, aber in sicherem Abstand, und das hatte den Vorteil, dass jemand sich um mich gekümmert hat.

Das war ein irres Erlebnis, das werde ich wohl nie vergessen, naja, jedenfalls hat das Auto einige Kratzer, Dellen und Schrammen mitbekommen, aber es ist immer noch weitergefahren. Dann kam die Phase mit Neumünster, ein Jahr lang über die Autobahn bügeln, Fahrtwind genießen (quasi), Musik, Sonne, kaum zu glauben, was dieses Auto noch alles aushält. Und dann kam der Herbst Zweitausendachtzehn immer näher: Termin zur Hauptuntersuchung a.k.a. TÜV.

Ich bin sehr froh, dass wir in Deutschland den TÜV haben. Als Freizeitparkfan gibt mir das Sicherheit. Keine Achterbahn darf in Deutschland in Betrieb genommen werden, ohne vom TÜV auf Herz und Nieren geprüft zu sein. Dieser Technische ÜberwachungsVerein ist schon was Tolles. Und gründlich. Und leider so gründlich, dass ich keine Hoffnung hatte, dass mein Wagen, der wirklich quietscht und kracht und was es noch so gibt... Gedankenzug. Jedenfalls hatte ich keine Hoffnung, dass er noch einmal das TÜV-Siegel bekommt.

Und dann hat es doch geklappt. Mit einem Tausender an Werkstattkosten hat das Auto nun tatsächlich die Erlaubnis, zwei weitere Jahre zu fahren. Und das finde ich deshalb so toll, weil ich in zwei Jahren vielleicht verbeamtet bin und endlich die Finanzierung meines eigenen Autos angehen kann. Das wird sehr aufregend, ich hoffe, Er gibt mir da auch ein paar Tipps dazu. Und bis dahin darf ich wieder mit meinem Unfallauto die Straßen unsicher machen.

Es ist ein tolles Gefühl, mobil zu sein.

Donnerstag, 4. Oktober 2018

Ein anderes Gefühl von Bett


Ein paar Tage weit in die Ferien hinein, und so langsam wird mir das bewusst, so langsam kann ich das genießen. Das deutlichste Signal für mich ist, dass das Schlafengehen sich komplett anders anfühlt. In der Schulzeit gehe ich abends zu Bett mit dem Gedanken "Uh, nur noch sechs Stunden, dann muss ich schon wieder aufstehen", und manchmal versuche ich mich auf Krampf zum Einschlafen zu bringen, bis es irgendwann heißt "Oh, nicht einmal mehr zwei Stunden, bis der Wecker klingelt".

Das ist jetzt vollkommen anders - egal, um welche Uhrzeit ich in's Bett gehe, ich weiß, dass die Wecker ausgeschaltet sind, und drifte vollkommen entspannt in den Schlaf. Und irgendwann wache ich wieder auf, und es gibt da kein zu spät oder verschlafen. Ich wache auf, wenn ich mich ausgeschlafen fühle, und so beginnt dann auch der Tag gleich ganz anders. Energetischer. In den Ferien erlebe ich quasi ein ganz anderes Gefühl von Bett, und ich liebe es.

Auch, wenn es ein paar Tage gedauert hat; ich mache mir für die Ferien immer irgendwelche Pläne, so nach dem Motto Aufräumen oder Ernährung umstellen oder so 'nen Kasperkram. Am ersten Ferientag geht's los, so denke ich mir - aber dann merke ich jedesmal wieder, dass ich vielleicht erstmal das Feriengefühl ein bisschen genießen sollte.

Und so gammele ich in die erste Ferienwoche hinein und genieße das Leben aus vollen Zügen und in überfüllten Bussen, ist ja schließlich noch eine ganze Weile hin, bis der Schulalltag wieder ruft.

Samstag, 29. September 2018

Maul verbieten?! Nicht mit ihr!

Damals, SoSoFaFe...

vorweg: Langsam kommen mehrere Einträge in diesem Blog zusammen über Menschen, die meinem Leben einen ernsthaften Denkimpuls verpasst haben. Viele sind das nicht, weil mir irgendwie immer egal war, was Andere von mir denken, genauso wie mir Andere auch egal waren. Egozentriker halt. Und dennoch waren (und sind) da einige wenige sehr wichtige Menschen in meinem Leben, und von diesem Beitrag aus, den ich links in die Linkliste pinne, könnt Ihr etwas über sie erfahren.

Ich habe sie alle persönlich kennenlernen dürfen, sie wissen, dass sie in den folgenden Beiträgen verewigt sind und ich bin ihnen sehr dankbar für die Zustimmung. Und, ich muss zugeben, ich würde mich über Gastbeiträge freuen, in denen sie beschreiben, wie sie mich kennengelernt haben.

Die Links zu anderen Menschen sind am Ende des Beitrags!

Und gaaaaanz unten sind im post scriptum noch ein paar Anmerkungen zu Evil Dead 2: Dead by Dawn.
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"Hautausschlag."

Wenn meine Erinnerung mich nicht täuscht, war dies eines der ersten Worte, die sie an mich persönlich gerichtet hatte, und ich hatte mich damals gefühlt, als ob ich ein Autogramm von einem Popstar bekommen hatte. Und gewissermaßen war sie ja auch ein Popstar, hatte eine große Fangemeinde (Tausende Stimmen bei den Uniwahlen!) - und wie ich später herausfinden sollte, eine ebenso große Menge an Menschen, denen sie mächtig auf den Sack ging, weil sie sehr unbequem sein konnte (und hoffentlich auch immer noch sein kann).

Ich hatte noch nie zuvor von ihr gehört. Ich weiß allerdings eines ganz genau: Seitdem ich sie zum ersten Mal mit mir in einem Raum erlebt habe, konnte sie nicht einen Moment still sein. Ich glaube, das war immer so - und ich hoffe, das ist auch immer noch so, denn solche Stimmen braucht es, um für den Rechtsstaat einzutreten. Für die Rechte von Menschen im Allgemeinen, oder wie damals: Für die Rechte von Studenten.

Ich hatte noch nie zuvor von Julia Wuttke gehört.

Genau genommen hatte ich von keinem Einzigen der anderen zwanzig Abgeordneten des Kieler Studierendenparlamentes zuvor gehört. Warum ich trotzdem dort gelandet bin, hatte ich in diesem Artikel berichtet. Julia war mir schon auf der Fachschaftsvertreterkonferenz (FVK) aufgefallen, weil sie so völlig anders war als ich damals. Ich hatte durch die Mobbingphase gelernt, meinen Mund zu halten. Bloß nicht anderen Menschen sagen, was ich denke, das bringt mir nur ungewollte Aufmerksamkeit ein. Julia war, wie gesagt, völlig anders. Sie war klein, hatte schwarze Haare und einen Mund, den sie jedesmal geöffnet hat, wenn irgendwo irgendwas gegen die Rechte der Studierenden der Kieler Christian-Albrechts-Universität ging. Oder wenn generell etwas gegen die Menschlichkeit ging, linker Touch und so, fällt mir da etwas Konkretes ein?

Ja, tut es tatsächlich. Ich weiß nicht mehr, in welchem Jahr es war (ich könnte nachschauen, wenn ich meine Protokolle des Haushaltsausschusses durchginge), als eine Gruppe um finanzielle Unterstützung für eine Vorlesungsreihe bat, in der es um kontroverse Themen gehen sollte, quasi aufrütteln. An sich ja okay, aber einer der geladenen Gäste laut Liste wäre Pierre Vogel gewesen. Mir hat der Name damals nichts gesagt, warum sollte das auch ein Problem sein? Und Julia hat zusammen mit noch einem Namensvetter von mir dem ganzen Studierendenparlament deutlich gemacht, was für ein Mensch hinter dem Namen "Pierre Vogel" steckt.

Julia hatte... nein warte, warum schreibe ich von ihr, als sei sie tot. Julia hat ein unglaubliches Talent dafür, den Finger in die Wunde zu legen. Auch rücksichtslos, wenn nötig, aber ihre humanistische Denkweise rechtfertigt das allemal. Woher sie dieses Talent hat?

Jetzt, in der Retrospektive ist mir alles so klar - aber damals, das ist jetzt zehn Jahre her, wusste ich nichts von Hochbegabung. Weder im Allgemeinen, noch dass ich davon betroffen sein könnte. Jetzt hat es ja endlich in meinem Kopf klick! gemacht und ich verstehe die Zusammenhänge. Das können Hochbegabte scheinbar sehr gut, und das gibt ihnen das Werkzeug, Augenwischerei zu entzaubern, sei es nun durch rechtsnationalistische Gesinnungen oder von Ministerien, die meinten, sie könnten die Studierenden bei ihren Entscheidungen übergehen.

Und demnach kann Julia das auch, denn sie ist hochintelligent. Und es hat ein bisschen gedauert, bis ich das gerafft habe, phasenweise dachte ich, sie sei einfach eine Bullterrier-Kampflesbe, die ihren Mund nicht halten kann und an Allem was zu meckern hat. Ich und meine Vorurteile damals... ich habe in den StuPa-Sitzungen meistens nur still dagesessen - weil ich politisch von nichts eine Ahnung hatte und die Chance nutzen wollte, zuzuhören und zu lernen.

Gelernt habe ich definitiv Einiges von Julia Wuttke: Sie hat mir vorgelebt, dass man nicht immer still sein darf, dass man nie still sein darf, wenn Menschenrechte angekratzt werden. Das Finger-in-die-Wunde-legen habe ich tatsächlich von ihr gelernt, und es ist eine der Triebfedern meiner Entwicklung  gewesen. Man könnte also sagen, wenn Julia nicht gewesen wäre, dann hätte ich vermutlich niemals die Offenheit erlangt, diesen Blog zu schreiben.

Ich bin ihr dafür wirklich dankbar, mehr, als ich es durch irgendeine Geste ausdrücken könnte. Dementsprechend war es für mich ein toller Moment, als ich realisiert habe, dass auch sie diesen Blog liest (und nach meinem Eindruck auch noch ein paar Ex-Stupisten mehr). Das ehrt mich und gibt ihr wiederum die Bestätigung, dass ihre Art, Dinge anzugehen, erfolgreich ist - auch, und das muss ich noch erwähnen, auch wenn damit verbunden ist, dass man sich den Hass seiner Mitmenschen verdient. Das dicke Fell - habe ich bei Julia bewundert und mir auch eines zugelegt.

Und eine Geschichte möchte ich noch erwähnen, das war ein Moment, in dem Julia mir direkt in's Gewissen geredet hat. Ich weiß nicht mehr Zeit und Anlass, ich weiß noch, es war eine sehr lange Sitzung des Stupa, halb vier morgens, wenn ich mich recht entsinne. Ich weiß noch, dass wir alle in der Fraktion geschlossen für diese Sache stimmen sollten - allerdings bin ich dann beim Nachdenken davon abgerückt (ähnlich wie bei 12 Angry Men) und habe anders gestimmt als die Anderen. Mir selbst treu bleiben, das hatte ich schon in Ansätzen gelernt.

Natürlich ist das bei der Stimmenauszählung aufgefallen, meine Stimme hat tatsächlich die Sache in's Kippeln gebracht. Dann gab es eine Pause - die brauchten wir alle, denn wir waren durch mit dem Kopf und mussten uns fraktionsintern vor einer nochmaligen Abstimmung besprechen. Natürlich hat Julia alle zum Fraktionszwang ermahnt, besonders in dieser Angelegenheit - aber gerade mir hat sie damals in's Gewissen geredet. Ich wette, sie wusste es. Und sie hat sinnvoll mit mir geredet. Ich kannte Konzepte wie Fraktionszwang oder Oppositionsarbeit vorher nicht, und sie hat es mir in Ruhe erklärt - dass ich einfach zu einer der vorigen Fraktionssitzungen hätte gehen können, da hätte man das sinnvoll ausdiskutieren können.

Finger in die Wunde - scheiße, das hat wirklich getroffen, denn ich war zu faul, zu mehr Sitzungen zu gehen als nötig. Julia hatte damals vollkommen Recht - und wenn wir Hochbegabten Eines wissen, dann, dass wir uns sachlichen Argumenten gegenüber nicht verschließen können. So hatte ich also meine Stimme in der zweiten Abstimmung geändert. Ich weiß, dass sie diesen Beitrag gerade liest, aber ich frage mich, ob sie sich wohl noch daran erinnert.

Rundschluss: Was hat das Alles mit dem Hautausschlag zu tun? Es dauerte nicht lange, da wusste ich, dass Julia auf Fragen keine "gewünschten" Antworten gibt, sondern sachlich und sinnig antwortet. Sie war für mich damals die richtige Person, um auf meine Frage zu antworten: "Was ist ein Arzneimittelexanthem?" Vielleicht weiß sie mittlerweile, warum ich sie das gefragt habe, macht aber nichts, falls nicht.

Danke, Julia!

(Und es überrascht mich nicht im Geringsten, dass sie der Veröffentlichung zugestimmt hat, denn sie hat nichts zu verbergen und steht zu der Person, die in ihr steckt - das habe ich gelernt)
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- Die beiden wichtigsten Damen in meinem Leben

- Der Mann, in den ich mich zum ersten Mal ernsthaft verliebt habe

- Es geht kaum unterschiedlicher, und doch...

- Dieser Dozent wird mir immer in Erinnerung bleiben

- Er hat meinem Leben in der Schulzeit eine entscheidende Richtungsänderung gegeben

post scriptum: Und jetzt, völlig zusammenhanglos, möchte ich noch einmal herausstreichen, was für eine geniale Idee die "Evil Dead"-Filme waren. Ich habe heute den zweiten Teil gesehen und musste zwischendurch pausieren, weil ich mit dem Lachen nicht mehr hinterhergekommen bin. Und die Zensurgeschichte dieser Filme (seit 2016 endlich ungeschnitten vom Index runter) hat in mir das Interesse geweckt, mal einen Beitrag zu "Zensur im Film" zu erstellen. Ich weiß, dass Roger Ebert sich zu Lebzeiten klar dazu positioniert hat und ich bin da ganz bei ihm.

Freitag, 28. September 2018

The Evil Mett

Weeeeeeerrrrrrr möchte Hackbraten? Happa happa!

An siebenundneunzig Prozent der Kollegen in Schleswig-Holstein: Herzlich willkommen in den Herbstferien! Zeit zum Abschalten, und das mache ich heute mit etwas, was ich schon vor... grübel... so etwa zwölf Jahren hätte machen sollen, aber nein, ich stand mir mal wieder selbst im Weg.

Ich widme den heutigen Artikel meinem Namensvetter, außerdem seiner Freundin, seinem Bruder und Schwommi. Und warum? We will see - es hat jedenfalls etwas mit Hackbraten zu tun. Oder auch nicht, ich fand nur die Assonanz ganz schön.

Ich liebe Horrorfilme, aber ich bin kein Gorehound. Das sind jene Zuschauer, die gern möglichst viele Morde auf dem Bildschirm sehen wollen, blutig sollen sie sein und bitte auch kreativ. Da reicht es nicht, dass der Mörder sein Opfer ersticht, nein, in Großaufnahme wird ihm dabei noch das ganze Gesicht abgeschnitten. So ticke ich nicht. Eher sogar im Gegenteil: Wenn die Gewalt auf dem Bildschirm zu abstoßend wird, mag ich gar nicht mehr hinschauen. Wie sich das mit meinem Faible für z.B. Dario Argento vereinbaren lässt? Es geht hier um Kunst, man kann das Ermorden auf dem Bildschirm richtig in Szene setzen, wie eine Symphonie der Gewalt, sozusagen. Und gerade diese Kunst mag ich daran. Ich mag es, wenn meine Sinne verwöhnt werden. Viele Filme tun das, wie zum Beispiel Suspiria (1977), gleichzeitig enthalten sie aber auch ein paar sehr grafische Szenen, manchmal fast splatterig. Ich stecke da sozusagen in einem Zwiespalt: Auf der einen Seite möchte ich die Kunstfertigkeit des Regisseurs genießen, auf der anderen Seite habe ich Angst, dass ich von manchen Großaufnahmen Alpträume bekomme. Ich hatte früher Alpträume (wenngleich ohne Horror-Input).

Und genau das ist der Grund, warum ich den Film The Evil Dead (1981) nie geschaut habe. Dabei war mir der Name im Kopf haften geblieben, weil mein Namensvetter damals in der Oberstufe davon erzählt hatte und hellauf begeistert war. Und ich? "Neee, lass mal, das könnte mir zu eklig sein, lieber nicht." Und so habe ich den Film immer wieder vor mir hergeschoben. Half nichts, dass er von Kritikern als einer der besten Horrorfilme evar bezeichnet wurde. Half auch nichts, zu sehen, dass der Film und sein Nachfolger bei rottentomatoes.com Spitzenplätze im Horror-Ranking halten. Es half mir noch nicht einmal die Rezension des zweiten Teils von Roger Ebert - der den Film richtig gut fand! Da muss doch irgendwas dran sein, oder?

Ich weiß nicht, warum jetzt erst der Knoten in meinem Kopf geplatzt ist. Vielleicht hängt es damit zusammen, dass mein Gehirn sich aufgrund der neuen Arbeitsstelle endlich wieder für Neues öffnen kann. Und so habe ich den Film heute geschaut und nicht eine einzige Sekunde der fünfundachtzig Minuten bereut. Denn der Film trifft bei mir einen Nerv. Genau mein Humor, ich habe zeitweise Lachanfälle bekommen und musste mehrmals pausieren aufgrund der ganzen Gedankenzüge, die der Streifen in meinem Kopf in Bewegung gesetzt hat:

"Ah, da ist ein Liebhaber von Kameraarbeit am Werk..."
"Hehe, Ash ist ein richtiger hunk!"
"Oh mein Gott, den MUSS ich mit der großen Buba schauen, wir werden das ganze Treppenhaus ausspülen vor Lachen!"
"Wow, darüber muss ich heute unbedingt im Blog berichten."
"...und die Fortsetzung soll ja sogar noch besser sein..."

Ich habe bei unzähligen Szenen gedacht "Hey, das hast du schonmal gesehen!" - kein Wunder, der Film war so einflussreich, dass ganze Szenen in andere Filme übernommen wurden, unzählige Videospiele habe die Ästhetik des Films einfließen lassen. Wie ich lese, gibt es seit über zehn Jahren Evil Dead: The Musical, und das soll sogar gut sein! 

Ich habe heute für die erste Meditation statt der üblichen fünfzig Minuten über anderthalb Stunden gebraucht, um mein Gedankenchaos im Kopf aufzuräumen. Sehr, sehr positiv, und das verlockt mich, morgen einen Meditationstag mit Evil Dead 2 (1987) zu machen. An den Meditationstagen bin ich aufgeschlossen für Neues, das könnte großartig werden.

Wahrscheinlich hätte ich mich ohne die Denkimpulse der oben genannten Jungs nie auseinandergesetzt mit den Raimis, oder mit Peter Jacksons Frühwerk (der hat nämlich deutlich mehr gemacht als nur Lord of the Rings). Es muss irgendwo in der Schulzeit gewesen sein, dass mir die Filmtitel Braindead und Tanz der Teufel im Gedächtnis haften geblieben sind - thanks to you, guys, und ich bin wirklich froh über diese Anregungen!

Geiler Scheiß.

Denn es muss einen Grund haben, dass ich sie bis heute, fast zwanzig Jahre später, nicht vergessen habe. Ich habe im Studium angefangen, mich richtig für Horrorfilme zu interessieren. Dass ich damals meine Projektarbeit in der Oberstufe über John Carpenters Halloween (1978) erstellt habe, scheint meine Neugier angefacht zu haben.

Und damit, satt von dem ersten Teil, aber voller Vorfreude auf die Fortsetzung, stürze ich mich mit meinem dreifaltigen Schlachtruf in die Küche:

HACK! BRA!! TÖNN!!!

post scriptum: Darf gern geteilt werden, ich stehe dazu und das war für mich heute mehr als nur "irgendein Filmtag". 

Donnerstag, 27. September 2018

Beep...bop!

Manche Englischlehrer werden dieses von Volvo gestaltete Foto aus den Sprechprüfungen wiedererkennen.

Ich schaue zur Zeit die elfte Staffel The X-Files, die im ersten Drittel des Jahres in den USA veröffentlicht wurde. Ich bin positiv überrascht, was die Macher nach einem ziemlich müden Staffelauftakt da alles servieren - richtig schöne oldschool Geschichten (Plus One), Darin Morgans irren Humor (The Lost Art of Forehead Sweat), auch mal eine schöne Mythologieepisode, in der wir etwas über Scullys Sohn erfahren (Ghouli), aber mein Favorit könnte die vorgestern gesehene Episode sein - Rm9sbG93ZXJz (S11E07).

Und dabei fängt alles ganz unspektakulär an mit Mulder und Scully, die in einem Sushi-Restaurant zu Abend essen wollen. Ein voll automatisiertes Restaurant, und man kann sich schon denken, dass etwas schiefgehen wird. Es entwickelt sich zu einer Humorepisode; wer die X-Files kennt, weiß, dass ein paar der witzigen Episoden mit zu den besten der ganzen Serie gehören, z.B. Bad Blood (S05E12). Herrlich, wie penetrant die automatisierten Roboter jedesmal, wenn sie etwas falsch gemacht haben, nachfragen, ob unsere Agenten stolz auf sie sind.

Natürlich handelt es sich bei der Episode um eine Satire auf unsere Gadget-Besessenheit und den Drang, das gesamte Leben zu automatisieren; der Inhalt und die Moral des Ganzen sind längst nicht mehr neu, aber mit der Akte X-Tapete im Hintergrund ist es ein Genuss, zu beobachten, wie Scully und Mulder sich gegen die moderne Technik zur Wehr setzen müssen. Ich habe mich schief gelacht, als Scullys Vibrator von einem wahnsinnigen Putzroboter unter dem Bett hervorgeholt wird, und die völlig inkompetenten Sprachcomputer sind wunderbar eingesetzt.

Mir gefällt auch, dass man sich hier auf visual storytelling konzentriert, es gibt fast überhaupt keine Dialoge. Ich habe spätestens seit A Quiet Place (2018) diesen Kniff sehr zu schätzen gelernt; eine angenehme Alternative zu minutenlangen Expositionsschlachten.

Genau genommen ist das hier fast keine X-Files-Episode. Aber genau solche Experimente braucht eine Serie nach über zweihundert Folgen und zwanzig Jahren Fernsehexistenz. Es gibt sie, die ungewöhnlichen Folgen in einer Serie, der "ungewöhnlich" bereits auf die Stirn geschrieben steht. Ich mag es, wenn man (für die Serie) unkonventionelle Erzähltechniken benutzt; das hat John Doe (S09E07) für mich zu einem kleinen Goldstück werden lassen. Und ich habe mich hier thematisch an Chaplins Modern Times (1936) und Tatis Playtime (1967) erinnert gefühlt, und das war es die dreiundvierzig Minuten wert.

post scriptum: Nun bin ich mit der Staffel durch und leider sehr enttäuscht, dass auch die letzte Episode "My Struggle IV" sehr schwach und inhaltsleer ist. Das, kombiniert mit dem Umstand, dass Gillian Anderson nun definitiv ihren Ausstieg bei den X-Files erklärt hat, und die realistische Einschätzung, dass es sich hierbei um die letzte Staffel gehandelt haben kann, hinterlässt einen unschönen Nachgeschmack. 

Und dennoch bleibe ich dabei: Die elfte Staffel hat ein, zwei der besten Episoden der gesamten Serie hervorgebracht. Genuss pur. Das macht richtig Lust darauf, wieder einmal einen Durchlauf zu starten.

Wer Interesse hat, findet hier noch einen älteren Blogartikel zu den X-Files.