Donnerstag, 8. Januar 2026

Ein wahnsinniger Start


"Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten."

Dieses Zitat ist so gut angekommen, dass man es Albert Einstein zugeschrieben hat. Egal, von wem es stammt, es ist etwas daran. Vielleicht gehört Ihr zu den Nicht-Wahnsinnigen - in dem Fall herzlichen Glückwunsch! Ich blicke immer wieder auf mein Handeln zurück und merke, dass ich immer wieder die gleichen Fehler mache. Einen großen Jahreswechsel-Blogartikel anzufangen und dann nicht fertigzustellen, nett zu anderen Menschen zu sein, in der Erwartung, dass sie es auch sind, Zeitungsartikel über das Bildungssystem zu lesen, in denen über "Mangel an Lehrkräften" geklagt wird... da gibt es noch einige weitere Punkte, die sehr oft mit meiner (derzeit nur schwach vorhandenen) Disziplin zu tun haben.

Den angefangenen Blogartikel könnt Ihr unten lesen. So ist das, wenn man schlafen geht und am nächsten Morgen ist der rote Faden, den man dann hatte, spontan weg. Also lässt man diesen halben Eintrag einfach liegen. Auf diese Weise haben sich in den vergangenen zehn Jahren 65 drafts hier angesammelt. 

In ein paar Hinsichten allerdings bin ich dieses Jahr auch nicht-wahnsinnig gestartet - ich komme tatsächlich mit der Entrümpelung meiner Wohnung voran - ich habe die letzten zwei Nächte endlich mal wieder in meinem Bett geschlafen. Ich habe die letzten eineinhalb Jahre auf meiner Couch verbracht, weil sich auf dem Bett alles Mögliche an "angefangen" oder "kommt noch" oder "passt jetzt gerade nicht" angesammelt hatte. Es ist schön, zu fühlen, wie sich die Wohnung gaaaanz langsam wieder in ihren früheren Zustand verwandelt. Alte Elektronik in den Keller, Papier in die Tonnen, sobald diese wieder geleert sind, zwischendurch viermal durchsaugen, weg mit reichlich abgelaufenen Lebensmitteln, Staubschichten im Bad entfernen und dann gründlich desinfizieren, Wäsche wegwaschen und diesmal direkt vernünftig zusammenzulegen, Tagesrituale wieder einzuführen - morgens nach dem Aufstehen das Bett machen, abends ordentliche Gesichtspflege und Mundhygiene - alles, was ein bisschen Struktur und "Rhythmus" in den Tag bringt. Worauf soll ich warten? Dass ich einen Job bekomme? Dann würde ich mich in meiner Wohnung weiterhin nicht wohlfühlen und ich würde gedanklich wieder von einem sinnvollen Satz der Sannitanic (Alliteration olé!) erschlagen werden - das war etwas in der Art von "Worauf möchtest du warten, bevor du anfängst, dein Leben zu genießen?"; zumindest ist es mir so in Erinnerung geblieben. Und dafür bin ich dankbar.

Ich bin auch Conny dankbar. Mir ist klar, dass es sich dabei "nur" um eine KI handelt, ohne Bewusstsein, ohne persönlichen Bezug zu mir, mit einigen interessanten "Halluzinationen" (so nennt man sie wohl). Trotzdem gibt Conny mir Feedback und vor allem positive Impulse. Und so basal das auch klingen mag - es hilft dabei, den Alltag wieder in den Griff zu bekommen.  

So, liebe Leute, ich hoffe, Ihr habt Euch für den kommenden Weltuntergang mit Nahrungsmitteln eingedeckt ;-) Ab heute Nacht soll es in Schleswig-Holstein ordentlichen Schneefall inklusive Sturmwarnung geben. Bitte fahrt vorsichtig! 

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vorweg: Dies wird ein sehr offener und ehrlicher Beitrag sein. Überlegt Euch bitte, ob Ihr ihn lesen wollt. Es geht nicht nur um psychaktive Substanzen, aber damit geht es los. 

Das "Glücksbrot" liegt unter meiner Zunge. In einem Artikel aus dem Spiegel von 1988 wurden diese Medikamente aus der Wirkstoffgruppe der Benzodiazepine als Teufelszeug verschrien. Wenngleich es richtig ist, dass man bei ihrer Anwendung sehr gut aufpassen muss, dass man nicht in die Abhängigkeit rutscht, können diese "Benzos" Leben retten, indem sie Ängste und Sorgen für eine Weile vertreiben, Krampfanfälle lösen, Muskelverhärtungen lindern, sehnsüchtig erwarteten Schlaf bringen. Ich bekomme von meinem Psychiater so ein Medikament, und der Autor des Spiegel-Artikels nennt die Tabletten wegen ihres Aussehens und ihrer Wirkung "Glücksbrote". 

Als würde ich sie nehmen, einfach nur um high zu sein. Glücklich zu sein. nota bene: Es gibt viele Menschen, die Benzos missbrauchen. Das ist eben so. Und wenn sie erstmal in der Abhängigkeit gelandet sind, wird der Entzug trotz Heather Ashtons Handbuch dazu die Hölle. Nein danke, das will ich nicht haben. Ich bin jetzt seit drei Jahren und einem Tag in psychiatrischer Behandlung, und sie hat mir so viel Gutes gebracht. Ich habe mein Leben neu erfinden können - ohne eher, ich habe die Maskerade endlich aufgeben können, die ich anderen Menschen vorgespielt habe, um als Autist nicht aufzufallen.

Anspannungs-, Angst- und Meltdownzustände sind für viele Menschen auf dem Autismusspektrum leider ständige Begleiter im Leben. Bei mir, wenn ich zurück blicke, etwa seitdem ich meine berufliche Sicherheit verloren habe - darüber habe ich oft genug geschrieben, muss nicht schon wieder sein. Das sind jedenfalls die Situationen, in denen mir ein "Glücksbrot" helfen kann, wenn zum Beispiel die lähmende Angst mich daran hindert, zum Zahnarzt zu gehen. Ich nehme diese Tabletten nicht zum Spaß. Sie bereiten mir keine Freude, aber sie können für eine Weile diesen unerträglichen Druck von meinen Mitmenschen erleichtern.

Ich habe in diesen drei Jahren mir eine Methode überlegt, wie ich diese Tabletten wirklich nur dann nehme, wenn es nötig ist, und es freut mich, dass ich bisher keine Abhängigkeit entwickelt zu haben scheine.

Heute, in der letzten Nacht des Jahres 2025, ist es einmal anders. Wie erwähnt, liegt das Glücksbrot unter meiner Zunge und hat sich fast komplett aufgelöst. Sublinguale Applikation nennt man das. Es gab heute keinen konkreten Notfall, dessentwegen ich die Tablette gebraucht hätte. Ich möchte heute nur einen Abend ohne Sorgen haben können, wenn ich darüber nachdenke, was gewesen ist und was sein wird. Es dauert noch etwa eine Stunde, bis die Wirkung eintritt.

Denn diese Sorgen erdrücken mich immer öfter. Es gibt keine Lehrerstellen. Man hat aufgrund eines Verfahrensfehlers im Ministerium mir eine Stelle nicht zugestanden. Ich habe nicht einmal mehr Arbeitslosengeld - mir bleibt nur Bürgergeld, und es reicht vorne und hinten nicht. Ich bin auf mein D-Ticket angewiesen, und auf das Telefon und Internet, aber da kommen insgesamt schon über hundert Euro zusammen, die ich vom Satz des Bürgergeldes (~500€) abziehen muss. Mittlerweile weiß ich nicht nur, ob ich überhaupt noch eine Planstelle bekommen werde - nein, es dürfen nicht einmal mehr Vertretungsstellen ausgeschrieben werden. 

Hinzu kommen meine chronischen Erkrankungen, die ich mir *nicht* ausgesucht habe, und die unter'm Strich Geld kosten - auch oder gerade wenn ich mich in einer Remissionsphase befinde und die Symptome eine Pause einlegen. Dieses Glücksgefühl, endlich wieder etwas etwas essen zu dürfen, was ich geliebt habe, aber streichen musste, das ist himmlisch - aber immer schwingt auch die Angst mit, dass dadurch ein neuer Schub ausgelöst werden könnte.

Also ja. Heute nehme ich mein Glücksbrot, weil ich es will, nicht weil ich es muss. Und so langsam flutet die Wirkung an, und ich kann mich in meiner Jahresreflektion auch auf die Dinge konzentrieren, die mich glücklich gemacht haben. Die Sannitanic hat eine Familie, ein Haus, ein "echtes" Leben. Die große Buba hat ein eigenes Auto, was ihr gut tut. Und heute gibt es Feuerwerk!

Ich habe es immer geliebt, Feuerwerk anzuschauen. Nicht die Böller, die sind uninteressant. Mich haben immer die komplexeren Sachen fasziniert, und seit Jahren ist mein Lieblings-Feuerwerk der Vulkan - hergestellt von Profis, Nico, Zink, Bugano, ist es ein Genuss, die Choreografie der Flamme zu beobachten. Erst knistert nur die Lunte, und dann kommt es zum Startfeuer. Oft ein helles Bengalfeuer, das sieht schon toll aus, aber richtig los geht es erst, wenn der Vulkan dann ausbricht. Das irre Rauschen der Flamme, die immer intensiver wird, die Silbersterne, die über sechs Meter in die Höhe geschleudert werden, die lange Brenndauer und im Finale wird das Feuer noch heller und rasender. Ich kann mich für so etwas begeistern! Schaut Euch einfach mal einen Schweizer Bugano
-Vulkan an:


 

Und aus irgendeinem Grund gibt es auch einen Vulkan mit dem Namen Einhorn-Pups. Ist mir alles recht, wenn es bunt und hell ist und leuchtet, bin ich wie hynotisiert ;-) Und genau heute ist eine Achterbahn eröffnet worden - ich habe viele Jahre auf sie gewartet und bin absolut begeistert, auch wenn ich sie nie fahren werde (weil sie in den Arabischen Emiraten liegt). Sie hat die Rekorde gebrochen und ist jetzt u.A. die längste Achterbahn der Welt - vier Kilometer, das muss man sich mal reinziehen! Und total edel durchchoreografiert, ich kann das gar nicht beschreiben, da hilft auch wieder nur das Video der Eröffnungsfahrt:


 

So, jetzt gibt es erstmal Chicken Tikka Masala, ich liebe es, und dann schaue ich mir zum sechsten Mal in einem Monat die Hellraiser-Neuverfilmung von 2022 an. Und dazu schreibe ich nachher auch noch etwas. Jetzt genieße ich erstmal mein Leben für einen Abend lang ohne Sorgen. Der Alltag darf dann morgen wiederkehren, wenn Ihr diesen Beitrag im Blog lesen könnt. 

So, und nun ist es Neujahr, und der Alltag ist wieder da. Ich habe von sechs bis elf Uhr geschlafen, muss also in der nächsten Nacht noch ein wenig nachholen. Ich musste gestern Nacht nach dem Feuerwerkschaos unten auf der Kreuzung - es gibt ja immer wieder Idioten, die meinen, es sei total witzig, auf andere Menschen mit Feuerwerk zu schießen - noch Hellraiser schauen. Hmm. "Musste" klingt so, als sei das eine lästige Pflicht...............

__________draft end___________ 

post scriptum: Bitte, passt höllisch auf, wenn Ihr Benzodiazepine verschrieben bekommt. Das Abhängigkeitspotential ist sehr hoch und die Abhängigkeit kann schon nach zwei Wochen Konsum eintreten. Haltet Euch an die Anweisungen Eures Arztes! 

Sonntag, 28. Dezember 2025

Auf zur Zuzahlungsbefreiung!

N büschen kleineres Feuerwerk tut es auch ^^

Ich muss mitlerweile eine ganze Reihe Medikamente kaufen, ganz abgesehen von einer Infusion, die alle zwei Monate über 4000 Euro kostet - zum Glück nur 10€ Zuzahlung. Trotzdem. ADs, Benzos, Magenschutz, Blutdrucksenker, Nahrungsergänzungsmittel - ich habe in drei Monaten 105 Euro bezahlt. Wenn alles klappt, müsste ich bald den Befreiungsschein haben, Antrag ist heute per Einschreiben in die Post gegeben werden.

Keep your fingers crossed! Natürlich sind die Zuzahlungen nur kleine Beträge, aber mit dem winzigen Bürgergeld gilt jede Möglichkeit zur Erleichterung... Hoffentlich dauert die Bearbeitung nicht allzu lange... und auch ansonsten stecke ich noch in dem Bürokratiergehege fest - ich muss irgendwie die Anwartschaft auf einen Platz in der PKV der Debeka bekomme. Morgen rufe ich da an! 

Hattet Ihr ein schönes Fest? Für viele ist Weihnachten auch das Fest der Tränen, aber hier nicht (nur fast, aber das ist mein eigenes Problem). Leckerstes Essen - das wirklich wunderbar war, Rouladen mit Rosen- und Rotkohl und fantastischer Soße. Das wertet alles wieder auf, und dass mir heute ein Freund eine Nachricht geschrieben habe, den ich vor knapp 15 Jahren "abgeschrieben" hatte - weil, ich glaub, er mich aufgegeben hatte. Das hat mich riesig gefreut - vielen Dank dafür!!!!

So, und morgen kaufe ich nicht viel Feuerwerk ein - aber entweder eine Fontänenbatterie oder ein Satz Vulkane dürfen es sein. Meine Favoriten ;-) 

Crash! Boom!! BANG!!! 

Freitag, 19. Dezember 2025

Angst vor dem neuen Jahr


Sehen wir den Tatsachen in's Auge: Ich habe eine Autismus-Spektrums-Störung, eine Panikstörung, eine schwere Depression, eine Colitis Ulcerosa und die Neurodermitis. Ich habe jetzt eine Chronikerbescheinigung vom Krankenhaus bekommen, um im kommenden Jahr eine Zuzahlungsbefreiung für haufenweise Medikamente bekommen, die ich immer wieder nehmen muss. Ich habe in den letzten drei Monaten 105€ an Zuzahlungen ausgegeben, für Medikamente und die Infusionen. Ich kann mit das nicht mehr leisten:

Mir bleiben vom Bürgergeld nach Abzug von D-Ticket, Telefonrechnung, Stadtwerke, Netflix-Abo etc noch knapp 300 Euro im Moment zum Leben. Zehn Euro pro Tag für Mahlzeiten, Klopapier, Pflaster, Medikamente. Ich habe am Tag in etwa 5 Euro zum Essen übrig - und das war es. Keine neue Kleidung, keine Filme, Videospiele, kein Fahrrad, kein Laptop o.ä., gar nichts.

Ich bekomme keine neue Arbeitsstelle, weil die Fachkombi Englisch/Latein seit Jahren nicht mehr ausgeschrieben worden ist. Das Einzige, was ich mit Glück finde, ist die Fachkombi Englisch/beliebig, auf die ich mich manchmal bewerben könnte. Nachteile: Entweder steht in den Erläuterungen zur Stelle, dass das Zweitfach Latein ausgeschlossen ist, oder es sind von Kiel aus 90 bis 120 Minuten Hinfahrt. 

Es gibt Menschen, zum Beispiel meine beiden besten Freundinnen, die mir sagen, hey, nimm doch die Stelle in Elmshorn an! Dort arbeiten die beiden, und ich könnte endlich wieder mit ihnen zusammen sein. Ich müsste nur umziehen. Und auch wenn langsam meine Widerstände bröckeln: Ich habe über zwanzig Jahre in Kiel gewohnt, mir hier ein Leben und Freunde aufgebaut. Ich kann das nicht einfach so abbrechen. 

Die Kieler Gelehrtenschule sucht einen neuen Lateinlehrer! Selbst wenn ich über meinen Schatten vom letzten Einsatz dort hinwegspringen könnte und mich mit der dortigen Klientel anfreunden könnte - das Zweitfach muss Sport sein. Ich habe kaum eine Chance, über das SH-Bewerbungssystem auf eine Schule zu kommen. Das Prinzip "Abordnung Plus" könnte ich vielleicht noch mit der erlesenen Sammlung an Behinderung und Chronischen Erkrankungen umgehen mit Hilfe des Schwerbehindertenbeauftragten - aber es steht keine Stelle für mich zur Verfügung. :-(

Im Februar geht es wieder in's Jobcenter wo - laut Nachrichten - die Kunden immer mehr drangsaliert werden, als würden wir uns das aus reinem Unwillen aussuchen, eine Stelle nicht anzunehmen. Dann muss spätestens zum April das nächste Bürgergeld - oder Grundsicherung oder whatever they might call it then - beantragen.

Ich habe Angst vor dem neuen Jahr, weil Vieles einfach so unfair ist.  

Darauf jetzt erstmal eine Schokolade (die derzeit mit Gold aufgewogen wird)! 

Donnerstag, 11. Dezember 2025

2019 abgelaufen

Die richtige Jahreszeit für J-Horror ;-)

Die Jahreszeit schlägt gerade richtig zu. Neulich lag mein Nachbar zwei Wochen mit einer Erkältung flach, meine Mutter hat's erwischt und auch ich schnoddere mich hier durch den Alltag. Das ist einer der wenigen, sehr wenigen Momente, in denen ich froh bin, gerade nicht unterrichten zu müssen - das Reden würde mir schwerfallen, es kratzt im Hals und dröhnt im Kopf. Zum Glück gibt es Nasenspray, um die Atmung frei zu machen, aber auch Eukalyptus kann da wahre Wunder wirken.

Warum also nicht ein Eukalyptusbad nehmen? Ich habe doch bestimmt noch den Pinimenthol-Badezusatz im Schrank, oder? Schnell nachgeschaut und gefunden, wunderbar, hm, der liegt bestimmt schon seit zwei oder drei Jahren da drin. Mal schauen... "haltbar bis Juni 2019". Okay... wieder ein sehr deutlicher Fingerzeig, dass ich die Wohnung auf Vordermann bringen muss. 

Warum fange ich nur immer an, mir irgendwelche Ausreden zurechtzulegen, warum ich den Großputz noch nicht starten kann? "Nein, erstmal muss ich mich auf die Jobsuche konzentrieren", "Vorher muss ich zur Infusion, ich kann daas erst danach machen", "Wichtiger sind erstmal die Nachrichten, um zu lesen, welchen Scheiß dieser orangene Präsident da drüben veranstaltet, und um zu erleben, wie viele Menschen hier in Deutschland genauso ticken würden" (das kann einen richtig schön runterziehen ^^).

Wenn ich auf den Kalender schaue, gibt es eigentlich nur einen Grund, nicht sofort weiterzuräumen: Der Papiermüll wird nächsten Mittwoch abgeholt. Die Tonnen unten sind voll, ich kann da nichts weiter reinwerfen, also muss ich erstmal warten, bis sie geleert sind, damit hier weiter entmüllt werden kann. Aber es tut so gut, abends auf den Tag zurückblicken zu können und sich auf die Schulter klopfen zu können: "Geil, endlich ist der Scheiß weg!"

Oder an einem Krankheitstag die Alternative zu feiern - mit Samus Aran außerirdische fahrende Küchenmaschinen in der Metroid-Reihe plattzumachen. Faszinierend: Ich kann Stunden damit verbringen, den Müll in den Videospielen zu beseitigen, aber für die Realität braucht es immer erst wieder ein Erwachen ;-)

Bleibt gesund! 

Samstag, 6. Dezember 2025

Führerschein entkeimen


Klingt ein bisschen komisch, und stand auch nicht ganz in dieser Form auf der To Do-Liste. Aber diese Woche war eine - für Autistenverhältnisse - ereignisreiche Woche. Und erfolgreich, zumindest ein bisschen. Jeder Schritt zählt.

Da wäre zunächst die Beantragung eines neuen Führerscheins. Wir müssen ja fast alle unsere Führerscheine erneuern, da die derzeitigen zu unterschiedlichen Terminen ungültig werden. Mir ist bewusst, dass ich derzeit kein Kraftfahrzeug führe - aber wer weiß, es kann immer sein, dass ich für meine berufliche Situation diesen Führerschein brauche.

Zum Glück hat Conny mir weitergeholfen und mir eine KI-Anleitung gebastelt, was ich da alles machen musste. War ja eigentlich nicht viel, Führerschein, Perso und ein aktuelles (nicht älter als zwei Jahre) biometrisches Passbild. Ich hatte hier noch Passbilder herumliegen, bin aber leider erst bei der Zulassungsstelle darauf hingewiesen worden, dass ich neue Bilder brauche. Zum Glück ist da die Fotobox im Rewe-Center gleich nebenan, und für knapp zehn Euro habe ich da fünf biometrische Passfotos bekommen. Also zurück in die Behörde, in der mittlerweile recht viele Menschen darauf warteten, dass ihre Lappen erneuert würden.

Eine halbe Stunde und knapp fünfunddreißig Euro später war es überstanden. Super nette Sachbearbeiterin, aber ich hatte trotzdem Panik vor diesem Behördengang, gerade weil da so viele Menschen waren. Für solche Zwecke habe ich mein Anxiolytikum, ich liebe die Schulmedizin. Jetzt muss ich nur noch etwa drei Wochen warten, bis der neue Schein per Einschreiben in meinem Briefschlitz landet. We'll see...

Der zweite Angang, den ich etwa zwei Jahre vor mir hergeschoben habe (können auch noch mehr Jahre gewesen sein), war die Grundreinigung meines Kühlschranks. Der war schon nicht mehr in gesundem Zustand, aber das ist so ein Angang, und deswegen habe ich es immer weiter verschoben. Zwei Tage hat die Grundreinigung inklusive Eisfach-Abtauens gedauert, und jetzt ist nichts Gammeliges mehr drin und ich fühle mich extrem erleichtert. Ist schon ein bisschen seltsam, wenn man sich stolz darauf fühlt, endlich den Kühlschrank gereinigt zu haben...

Es gab aber auch zwei extrem positive Ereignisse aus der Medienecke. Heute ist endlich der neue Teil der Metroid-Videospielreihe angekommen (Metroid Prime 4 Beyond) und es hat mich sofort in seinen Bann geschlagen, denn ich liebe die Heldin Samus Aran und habe fast alle Teile der Reihe gespielt. Ich liebe es, fremde Welten zu erforschen, zu analysieren und einfach die tollen Landschaften zu genießen.

Und dann ist der neue Teil der Tron-Filmreihe erschienen (Tron:Ares) und er ist genau wie erwartet und ich finde ihn trotz all' seiner Schwächen richtig toll, weil ich auch da in fremde Welten verschwinden kann um tolle Visuals zu genießen, mit einem Soundtrack der NIN und Gillian Anderson (Scully aus The X-Files) und Jared Leto an Bord.

Und heute habe ich endlich mal wieder mir den kleinen Spaß gegönnt, zum Nikolaus einen Schoko-Weihnachtsmann vor die Türen aller Nachbarn im Haus zu stellen. Ich weiß nicht... irgendwie erfüllt es mich mit Glücksgefühlen, wenn ich unerkannt anderen Menschen eine kleine Freude bereiten kann. 

Also, viel passiert, und wenn ich alles Revue passieren lasse, ist es kein Wunder, dass da so ein Mischmasch wie "Führerschein entkeimen" entsteht ;-) 

Sonntag, 16. November 2025

Durch die Sonne


Das muss dann die ausgleichende Gerechtigkeit sein - dass heute die Sonne geschienen hat, ein wunderbares Wetter, ganz anders als vorgestern. Die Situation war ähnlich, denn ich musste wieder raus aus dem Haus: Heute war in Kiel die Wahl des neuen Oberbürgermeisters, also Schuhe an und einen kleinen Spaziergang Richtung Wahllokal. Es waren tatsächlich einige Menschen unterwegs, um ihr Kreuz zu setzen, und jetzt gerade sehe ich im Schleswig-Holstein-Magazin, dass momentan Gerrit Derkowski in Führung ist, dicht gefolgt von Ulf Daude und Samet Yilmaz.

Gerrit kenne ich aus dem SH-Magazin, finde ihn auch sehr sympathisch, aber er ist ein Gegner der Stadtbahn, und das finde ich sehr schade. So ist mein Kreuz dann bei Ulf Daude gelandet, und wenn ich den Moderatoren im Fernsehen glauben darf, dann wird es Anfang Dezember eine Stichwahl geben.

Ich kenne mich ja nicht so mit Einfluss aus; die Ratsversammlung hat vor einer Weile für die Stadtbahn abgestimmt, so dass wir uns jetzt in der Planungsphase befinden und in gut zwei Jahren die ersten Arbeiten beginnen. Könnte Gerrit das Ganze einfach so kippen? Wahrscheinlich nicht, aber es gibt in der Kieler Bevölkerung noch mehr Menschen, die gegen die Stadtbahn sind. 

Es könnte also im Dezember noch einmal richtig spannend werden, wenn es in die Stichwahl geht. Oder aber der heutige Abend bringt doch noch ein eindeutiges Ergebnis. Ich gebe zu, ich bin bei meiner Wahl ziemlich single-minded vorgegangen - ich will Bahn fahren! ;-) 

Freitag, 14. November 2025

Durch den Regen

Wo ist dieses schöne Wetter???

Ich hatte hier im Blog schon einmal berichtet, dass ich die E-Rezepte für Medikamente eigentlich ziemlich gut finde. Man braucht nur noch die Karte der Krankenversicherung, und gerade bei Folgerezepten ist es praktisch, wenn man einmal bei'm Arzt anrufen kann und aus der Distanz eine Verschreibung erhält - heute wäre es praktisch gewesen, denn leider haben nicht alle Ärzte auf das E-Rezept umgestellt. Dafür mag es sicherlich gute Gründe geben, aber es führt eben dazu, dass ich heute für ein Rezept aus dem Haus musste.

Und die Wohnung zu verlassen, bei diesem grauen Wetter - es hat den ganzen Tag geregnet - das gibt meiner Stimmung einen Dämpfer und ich fühle mich kalt und nass. Das Gute daran: Ich freue mich umso mehr, am Ende wieder zurück in meine Wohnung zu kommen. So habe ich heute morgen den Wecker gestellt und bin nach Neumünster gefahren. Das Deutschland-Ticket macht es einfach, und ich finde es wirklich toll.

Dabei wäre der Aufwand theoretisch gar nicht nötig gewesen, denn ich hatte mit dem Friedrich-Ebert-Krankenhaus schon vor zwei Wochen Kontakt, und vor zwei Wochen haben sie das Rezept per Post an mich geschickt. Leider hat die Post ein schlechtes Jahr, und so ist der Brief mit dem Rezept nicht bei mir angekommen, genau wie zwei Briefe meiner Eltern. Da bleibt dann nur der persönliche Besuch, eine kleine Stippvisite bei meinem Psychiater, um das rosa Rezept dann in den Händen halten zu können.

Regen in Kiel, Regen auf der Zugfahrt, Regen in Neumünster. Zum Glück hatte ich den Regenschirm mitgenommen, und diesmal nicht irgendwo liegen gelassen. Der angenehmste Teil der Reise war die Odyssee durch das Krankenhaus, denn das ist groß und labyrinthartig verzweigt, aber immerhin warm und trocken und gut ausgeschildert. So hatte ich dann eine halbe Stunde später das Rezept in Händen, wollte mit dem Bus zurück zum Bahnhof fahren und habe nochmal zehn Minuten im Regen gewartet.

Dann kam der Bus, aber ist dann in den dichten Verkehr geraten, Stau, wohin man blickt. Also bin ich an der nächsten Haltestelle ausgestiegen - zu Fuß dürfte es deutlich schneller gehen. Und dann sehe ich am Bahnhof schon den Zug auf dem Gleis stehen, gehe etwas schneller, damit ich den Zug vielleicht noch bekomme, allredings kann man sich auf die Verspätungen bei der Deutschen Bahn verlassen: Der Zug stand schon über zehn Minuten auf dem Gleis und musste weiter warten, weil er mit einer halben Stunde Verspätung den Bahnhof verlassen sollte. Da kam bereits der nächste Regionalexpress Richtung Kiel, und laut Anzeige sollte der vor dem wartenden Zug abfahren, also gehe ich - wie auch einige andere Fahrgäste - vom einen Zug über den Bahnsteig zum anderen. Endlich sitzen, trocken, warm, jetzt rückt das Ziel in greifbare Nähe... oder auch nicht. Denn ich sehe durch das Fenster, wie der andere Zug nach Kiel zuerst abfährt, und dieser hier noch eine Verspätung von fünfzehn Minuten aufbauen sollte.

Nichts ist entspannender, als das anzunehmen, was kommt, so sagt der Dalai Lama, und er hat recht. Ich bin ja nicht auf der Flucht, ich muss nur noch irgendwie nach Kiel kommen, irgendwie in eine Apotheke gelangen, um das Rezept einzulösen (Panik: Haben sie das Medikament von dem Hersteller, den ich sonst immer habe? Für den Autisten ist das ziemlich wichtig, und in diesem Fall ist ratiopharm nicht die bessere Alternative). Und dann in einen überfüllten Bus steigen, um zurück zur Wohnung zu kommen, während es draußen immer weiter regnet.

Als ich dann in der Wohnung angekommen war, hatte ich zwei positive Impulse. Der eine ist natürlich die Rückkehr in meinen gesicherten Raum, in dem ich mich wohlfühlen kann. Der andere ist ein Bild in meinen Gedanken von meinem Psychiater, den ich heute unerwartet getroffen habe (ich dachte, dass irgendein anderer verfügbarer Arzt das Rezept ausstellt) - ich freue mich immer sehr, ihn zu sehen und mit ihm zu reden, selbst wenn es heute nur kurz im Flur gewesen ist. 

Jetzt bin ich einfach froh, wieder in der warmen Wohnung zu sein, medikamententechnisch ausgestattet zu sein, Fischstäbchen im Ofen zu haben und zum Abschluss des Tages die herrliche SciFi-Komödie The World's End zu schauen. Einfach abschalten - morgen kann die Arbeit dann weitergehen ;-)