Montag, 14. Januar 2019

Dalai Lama (DHL-Remix)

Oder doch lieber Selbstabholung...?

Als ich vor knapp fünf Jahren nach Kiel umgezogen war, hatte ich zwei verschiedene Paketzusteller. Ein lustiger älterer Deutscher und eine junge sportliche Russin, beide sehr freundlich und unglaublich zuverlässig. Das hat sich mittlerweile geändert, und damit erzähle ich wohl niemandem mehr etwas Neues. Und woran das liegt? Natürlich wie immer an den Anderen!

"Die Zusteller kommen hier in die Filiale und verstehen unsere Sprache nicht, sagenhaft!" - "Die haben bei mir nichtmal geklingelt!" - "Ich sollte das Paket in Filiale A abholen, aber das ist in Z gelandet!" - "Ich habe über eine Woche gewartet!"

Ich bin mir sicher, dass auch einige von Euch in letzter Zeit ein paar Probleme hatten, nicht nur mit DHL, sondern auch mit anderen Lieferdiensten. Ich hatte sie definitiv, momentan gibt es im Schnitt bei einer von fünf Zustellungen Probleme. Und ich befinde mich in einer Zwickmühle.

Ich könnte mich wunderbar darüber aufregen, ich könnte herumgrummeln, wozu ich überhaupt Postgebühren zahle, wenn dann nichts geliefert wird, ich könnte mich aufregen über alle oben in Anführungszeichen genannten Dinge. Oder ich halte es wie der Dalai Lama, nichts ist entspannender, als das anzunehmen, was kommt. Das fällt nicht immer leicht.

Dennoch gibt es zur Zeit Punkte, die es etwas leichter machen. Denn warum verstehen zum Beispiel viele Zusteller unsere Sprache nicht? Weil sie Geflüchtete sind, oder freiwillig frisch ausgewandert. Und irgendwie finde ich es ja schön, dass DHL diesen Menschen hier eine Arbeitsperspektive verschafft. Eigentlich ist das doch toll.

Aber für DHL ist das auch bitter nötig, denn wir haben alle mitbekommen, wie die Arbeitsbedingungen in den Keller gerauscht sind, so weit, dass kein Deutscher sich das antun möchte. Geringe Bezahlungen und vor allem ein extrem enges Zeitkorsett, kürzere Filialöffnungszeiten, immer öfter müssen Zustelltouren abgebrochen werden, weil einfach Unmögliches von den Zustellern verlangt wird. Und es geht mir überhaupt nicht darum, dass der Postvorstand im Schnitt zweihundertzweiunddreißigmal so viel Gehalt bekommt wie der normale Angestellte, das sind Milchmädchenrechnungen.

Ich finde es nur einfach scheiße, wenn Angestellte ausgebeutet werden. Und ich finde es richtig scheiße, wenn ich das live miterleben muss, wie die Zusteller ausgebeutet werden, manchmal unterhalte ich mich mit ihnen, und kann darin wieder nur Sparmaßnahmen sehen, genauso wie die durschnittliche Klassengröße an Schulen in Deutschland bald auf vierzig ansteigen wird, denn Lehrer sind ja zu teuer. Und eine Sonderschullehrkraft pro zweihundert Schüler.

Ich muss mich einfach darauf einstellen, wenn ich etwas per Post bekommen möchte, dass ich es am besten zwei Wochen vorher bestelle. Und das sollte nicht unmöglich sein. Ich würde all' den Zustellern wirklich wünschen, dass sie bessere Arbeitsbedingungen bekämen.

Und, nur so ganz nebenbei: Wir müssen nicht jedes Kleidungsstück im Internet in fünf verschiedenen Größen zum Anprobieren bestellen, nur weil wir das alles dann ja wieder kostenfrei zurücksenden können. Wir tragen selbst die Verantwortung dafür, dass der Paketverkehr in Deutschland um ein Vielfaches zugenommen hat; kein Wunder, dass es da zu Problemen kommt. Ergo sollten wir auch vor unserer Haustür kehren.

Wie seht Ihr das?

Sonntag, 13. Januar 2019

Dr Hilarius und das Licht

Hhhhrrrhrhrhrhrhhääähähähähähääää...

"...weint sie vor Kummer, denn sie trauert um..." - "Um was?" - "Ihr Haar!" - "WAS?!"- "Jaaaaa!!!"

Neben vereinzelten Lesern wird vermutlich auch bei der Gräfin Esterhazy-Liechtenstein (sie hat es gehasst, so genannt zu werden) eine Milch-Nostalgieleuchte im Kopf angehen. Völlig zusammenhanglos, aber das musste gerade mal hierhin. Stichwort Leuchte...

"Wenn du dir später mal eine Lampe kaufst, achte darauf, dass das ganze Zimmer gut ausgeleuchtet wird, das ist sonst nicht gut für die Augen."

Ich habe eine sehr lange Zeit gedacht, alles muss immer so hell wie möglich sein, jeglicher Schummerschatten könnte schädlich für meine Augen sein. Dann allerdings hatte ich irgendwann mein erstes eigenes Zimmer in den Kronshagener Bergen, meine Studenten-WG mit Conny und Paul, und dort habe ich Vieles ausprobiert - unter anderem auch, was man mit Licht so alles anstellen kann, und habe dadurch gelernt, dass die hellste Beleuchtung nicht unbedingt die atmosphärischste sein muss. Nach und nach habe ich gelernt, mein Zimmer für unterschiedliche Anlässe mit unterschiedlichen Beleuchtungskonzepten zu versehen.

Dazu kam dann noch irgendwann die Einsicht, dass der graue Himmel im Winterhalbjahr depressiv macht - das ist mir im Dauergrau/-weiß Husums besonders bewusst geworden. An diesen Tagen dunkle ich die ganze Wohnung ab, damit ich das nicht mit ansehen muss. Zum Ausgleich schalte ich dann die Lampen in der Wohnung an, aber längst nicht mehr so, wie ich das damals gelernt habe - alles möglichst hell ausgeleuchtet - sondern mit atmosphärischem, warmen Licht und Lampen im Ethno- oder Fernoststil, besonders gern mit indirekter Beleuchtung und unsichtbaren Lichtquellen. Dabei sind in den letzten Jahren und Wohnungen unterschiedlichste Eindrücke und Ideen entstanden:

Beleuchtung aus dem Hintergrund mochte ich schon in Kronshagen

Hamburger Bahnhof in Berlin

Cluedo-Nacht im Institut

Cluedo II

Auch im Hansapark mag ich Lichtspielereien

Kerzen in den Kronshagener Bergen

Meine erste Goa-Jacke im Schwarzlicht

Früher waren mehr Kerzen...

Selbst bei der Abschlussrede in einem Seminar an der Uni musste das Licht stimmen (und die sexy Tänzerin)

Kronshagener Nacht

Schrankbeleuchtung

Logisch, dass es mich auch zur düsteren Lost Souls zieht

Kronshagener Gewölbe

Meine erste balinesische Lampe

Spielereien im Studium

Sinistres Licht auch bei dem Phantom der Leibnizstraße

Das erste Mal eigenes Schwarzlicht

Space Chamber in Husum

Nachts

Husum II

Samstag, 12. Januar 2019

Die Abschaffung der Nacht

Nacht? Überbewertet...

Es gab da also einmal diese Phase, in der ich einen Beitrag für unsere Schülerzeitung Hermes schreiben wollte, aber ich war gerade in der Oberstufe angekommen, hatte weder Rückgrat noch Selbstvertrauen und war mir sehr sicher, dass ich nicht gut schreiben kann. Ganz bestimmt könnte ich keinen ernsthaften Beitrag veröffentlichen, der zum Nachdenken anregt, ganz bestimmt fehlten mir dazu Intelligenz und Hintergrundwissen. Also entschied ich mich für den einfacheren Weg und nahm mir vor, etwas Witziges zu schreiben. Das war der viel einfachere Ausweg, denn auf diese Weise sollte man meinen Text gar nicht ernst nehmen und ich wäre aus dem Schneider, gewissermaßen.

Aber ich war mir sicher, dass ich genau genommen auch nichts Witziges schreiben konnte. Das musste irgendwie anders erzeugt werden. Ich musste etwas schreiben, dass sich selbst nicht ernst nimmt, dessen gewünschte Leserreaktion allerdings anders erzeugt wird. Wie soll das gehen? Zeichnen konnte ich erst recht nicht, und ich war bei Weitem nicht so schlau wie unser Jahrgangsprimus MC S, niveauvoll war also auch nicht drin. Es musste etwas völlig Unsinniges sein, und am besten auch ohne meinen Namen in der Zeitung veröffentlicht werden, damit niemand irgendwelche Rückschlüsse auf meine Person ziehen könnte.

Also nahm ich mir etwas Albernes vor. Und schrieb einen Brief an die damalige Bürgermeisterin der Dithmarscher Kreisstadt Heide, Maike Jahns. Ich wollte das einfach mal probieren: Einen Brief an eine wichtige Person schreiben, und dann mal schauen, ob und wie diese Person (oder meinethalben irgendein Angestellter) darauf reagiert. Und sollte diese Reaktion witzig sein, gäbe ich sie zusammen mit meinem Brief an die Redaktion der Schülerzeitung weiter.

Dann versuchte ich, einen Mittelweg zu finden: Etwas völlig Albernes zu schreiben, aber mit ganz sachlicher Logik zu argumentieren, pseudo-ernsthaft, so dass diese "berühmte Person" selbst entscheiden kann, ob ernsthaft oder witzig geantwortet würde. Also schrieb ich an die Bürgermeisterin einen Brief mit der Bitte um die Abschaffung der Nacht, da eine Reihe von Argumenten dafür sprächen.

Und ja, es kam eine Antwort. Das war dann so ein Fall, wo es in meinem Kopf hieß: "Was, sie hat tatsächlich geantwortet? Oder irgendjemand? Oh mann, den Brief mache ich nicht auf, mein Brief war so albern, ich bekomme bestimmt Ärger oder so." Keine Ahnung, ob das typisch HB ist oder einfach konditioniert, diese Versagensangst bzw. Angst vor Zurückweisungen. Dennoch habe ich den Brief geöffnet - und kurze Zeit später konnte der Briefwechsel dann in der Schülerzeitung unter der Rubrik Funkuchen gelesen werden (draufklicken zum Vergrößern):



post scriptum: Ich habe mir heute endlich einmal "The Social Network" (2010) angeschaut, ein Biopic über Mark Zuckerberg und seine Facebook-Gründung. Ein brillanter Film, für mich anstrengend zu folgen, weil derweil so viele Gedanken in meinem Kopf gekreist sind. Und eine sehr authentische Darstellung eines sozial inkompetenten, gefühlskalten, genialen Hochbegabten, und deswegen füge ich diesen Film der Seite "Hochbegabung im Film" hinzu.

Donnerstag, 10. Januar 2019

Junge mit Kamera

...uuuuuuuund ACTION!

Da war mal ein Teenager, der einen Film drehen wollte. Als Beschäftigung neben der Schule; Handball interessierte ihn nicht, Sport war nie so sein Ding, er wollte lieber seine Kreativität ausleben. Also schrieb er ein Drehbuch und fragte in seinem Jahrgang herum, ob ein paar Leute mitmachen würden - und die gab es. Der Teenager war ich, und ich habe darüber bereits geschrieben. Aber dieses Setting brauchen wir für den heutigen Beitrag; das war in den späten Neunzigern, lange vor dem Vormarsch der digitalen Videos, und so hatte dieser Teenager eine recht große Videokamera in der Hand. Hätte er dieses Projekt eine Dekade früher umsetzen wollen, hätte er vielleicht auf Super 8 zurückgegriffen (welle:erdball-Fans werden das verstehen).

Ich kann mich noch gut erinnern, dass mein Papa auf dem Dachboden ein paar selbstgedrehte Super 8-Filme hatte, und ich fand es immer großartig, sie anzuschauen. Die Filmrollen richtig einzusetzen, und dann das knatternde Geräusch, wenn der Film lief... großartige Erinnerungen. Vielleicht liegt es genau daran - dass ich dieses System gern benutzt habe, und dass ich später selbst einen eigenen Film gedreht habe - dass der Film, den ich mir heute angeschaut habe, wie eine Liebeserklärung an die Jugend wirkte.

Super 8 (2011) handelt von einer Gruppe Schüler, die einen Zombiefilm drehen wollen, mit viel Liebe zum Genre, ich habe Vieles wiedererkannt. Und dann passiert etwas, ein zweiter Plot kommt hinzu (ähnlich wie bei Blowup (1966)) - durch Zufall filmen die Schüler etwas, das nicht hätte gefilmt werden dürfen. Ich will gar nicht mehr zum Plot sagen, es hat mit Science Fiction zu tun, und der Regisseur J.J. Abrams versucht, genau wie in seiner Serie Lost, das Mysterium möglichst lang aufrecht zu erhalten.

Ich fand den Film klasse, eine richtige Nostalgiewelle an meine eigene Jugend, und das auch noch kombiniert mit einem meiner Lieblingsgenres. Sicherlich gibt es Kritikpunkte. Sicherlich lässt sich über das Ende streiten, über die Spezialeffekte, und sicherlich könnte man über die Spielberg-Anleihen diskutieren. Aber wozu? Hier ist ein spannender Jugendfilm, der recht authentisch eine Hommage an die Achtziger darstellt. Im Radio läuft Blondie, Disco war absolut "in".

Ich habe die Achtziger nicht wirklich bewusst miterlebt, aber als Schüler/Amateurfilmer habe ich mich direkt angesprochen gefühlt. Und dann erscheint es nur passend, dass bei den Schlusscredits der Super 8-Film der Schüler gezeigt wird. Und er sieht aus, wie so ein Schülerfilm eben aussieht, und es ist herrlich. Meine Berufsschüler mögen sich für diesen Film zu alt fühlen (obwohl auch Horror-Anleihen enthalten sind), aber mit einer oberen Mittelstufe hätte ich den vielleicht gern zusammen gesehen.

Es kommt nicht so oft vor, dass ich den eigentlich geplanten Beitrag aufschiebe und stattdessen einen gerade gesehenen Film erwähne. Muss einen Grund haben.

Dienstag, 8. Januar 2019

Konsequenzen


Liebe KollegInnen, ich hoffe, Ihr hattet einen guten Schulstart. Es steht eine ganz interessante Zeit vor uns; die letzten Arbeiten müssen korrigiert werden - falls Ihr, so wie ich, das nicht schon vor bzw. in den Ferien gemacht habt - und dann werden die Zeugnisnoten entsprechend ausgewürfelt. Es stehen Zeugniskonferenzen bevor, die je nach Schule in unterschiedlichster Variation stattfinden; auch das eine faszinierende Beobachtung der letzten Jahre.

So gibt es Schulen, die die Konferenz pro Klasse mit nur zwanzig Minuten ansetzen, bei Klassengrößen um die vierundzwanzig. Es sind Kollegien, die ihren Gesprächsbedarf bereits im Lehrerzimmer abgefrühstückt haben; hier müssen nur noch ein paar organisatorische Fragen geklärt werden, und so kann man viele Klassen an einem einzigen Nachmittag abarbeiten. Andere Schulen nehmen sich für jede Klasse eine Dreiviertelstunde, auch bei Klassenstärken um die achtzehn. Es sind die Kollegien, die alles gern zwei oder dreimal sagen; Lehrkräfte, die alles gern auch noch einmal aus ihrem eigenen Mund gesagt hören wollen. Da gibt es viel pädagogischen Handlungsbedarf, und Ihr wisst: Was die Konferenzen in die Länge treibt, sind in der Regel pädagogische Überlegungen. Die Noten sind fair ausgewürfelt, da ist man sich einig.

Hoffentlich wurden die Noten im Verlauf des Halbjahres auch transparent vermittelt. Ich erlebe immer wieder Lehrkräfte, die es als Zumutung empfinden, dass Schüler ein Anrecht darauf haben, zweimal pro Halbjahr ihre Noten zu erfahren. Es gibt noch immer Lehrkräfte, die erst nach den Zeugissen mit ihren Schülern über die Noten reden. So etwas befeuert Selbstherrlichkeit und Notenwillkür und schadet intensiv dem Image von Schule.

Ich verfahre in der Regel nach dem Handbuch und teile den Schülern direkt nach den Herbstferien ihren Notenstand mit; genauer gesagt, ich frage sie, welche Note sie gern hätten und sage ihnen, was sie dazu machen müssen. Das ist fair, so wissen die Schüler um ihren Stand und wissen auch, was zu tun ist, damit im Zeugnis keine unerwünschte Note auftaucht (diese Einsen können ganz schön lästig sein).

Leider kommt es vereinzelt auch vor, dass Schüler keine Konsequenzen aus der ersten Notenrunde ziehen. Nehmen wir Schülerin Telse. Sie hat nach den Herbstferien erfahren, dass sie in Englisch auf Fünf steht, da so gut wie keine Beteiligung ihrerseits vorliegt und die erste Klausur ebenfalls mit Fünf benotet wurde. Telse wurde ein bisschen bleich im Gesicht, dann kamen die Beteuerungen, dass sie sich auf eine Vier retten möchte, und dann?

Nichts. Wochen-, monatelang nichts, bis heute. Und nun wird es Zeit, die Sechs herauszuholen, denn ich habe keinerlei Bewertungsgrundlage. Telse hatte lange genug eine Chance, ihre Englischnote zu verbessern, und hat sie nicht genutzt. Es wird Zeit, die Konsequenzen zu spüren bekommen und sie, eben als Konsequenz des eigenen Handelns, zu tragen. Wir bringen junge Erwachsene heran, und da ist es nicht geholfen, aus Mitleid doch noch eine ausreichende Note zu geben. Damit signalisiere ich Telse, dass es ja doch noch okay ist und dass es zum Abschluss bereits ausreicht, physisch anwesend zu sein. Damit ist niemandem geholfen.

Genauso wenig hilfreich ist es, wenn ich Elke sage, dass "Englisch ein Selbstläufer ist" - auch wenn es vielleicht so ist: Elke ist begeisterte Videospielerin, chattet mit Teilnehmern über die ganze Welt verteilt, und hat nicht die geringsten Probleme, Englisch zu verstehen oder sich in der Zielsprache auszudrücken. Ohne dass sie auch nur einen Handschlag tut, reicht es in Englisch immer für eine Zwei oder Drei aus. Also tut sie keinen Handschlag.

Ich habe dann allerdings als Lehrkraft die Konsequenzen zu verantworten: Im Abschlussjahrgang, in dem im Fach Englisch ein bisschen mehr erwartet wird, als einen Text lesen zu können, kann Elke so gut wie nichts. Sie hat keine Ahnung, was ein Einleitungssatz ist, sie weiß nicht, wie man einen eigenen Text vorstrukturiert, sie hat keine Idee, was Leserlenkung bedeutet. Sie hat von all' diesen Sachen nichts gelernt, weil "Englisch ein Selbstläufer" war und sie nie etwas tun musste.

Auch wenn ich das also nett gemeint hatte, habe ich Elke damit Signale gesetzt, die Konsequenzen zeitigten, und auch diese Konsequenzen müssen sich dann in den Zeugnisnoten widerspiegeln.

Ich frage mich, was so schwer daran ist, Noten transparent zu vermitteln und jedem Schüler die Chance zu geben, es besser zu machen? Mehr als nur ein paar tun es dann ja doch nicht... und umso wichtiger ist es, dass unsere jungen Erwachsenen verstehen, dass sie die Konsequenzen für ihr Handeln tragen müssen.

post scriptum: Mittlerweile verstehe ich dann auch, was ein Kollege mir vor einigen Jahren zu erklären versucht hat - wenn ich im Halbjahreszeugnis zwischen zwei Noten stehe, sollte ich lieber die schlechtere Note geben. Heute tue ich das dann auch meistens, weil viele Schüler sich auf der besseren Note ausgeruht haben.

Mittwoch, 2. Januar 2019

Ich könnte platzen!

Da geht in mir eine Bombe hoch!

MediaMarkt - Ich bin doch nicht blöd!

So lautet der Werbeslogan einer Ketten von Elektronikläden. Ich zögere ein bisschen, von Fachmärkten zu sprechen, denn wenn man eine fachliche und kompetente Beratung sucht, geht man besser woanders hin. Das ist zumindest meine Erfahrung.

Eine Anekdote: Ich bin auf der Suche nach einer bestimmten Glühbirne, vier Watt, warmes Licht, A-Vierzehn-Gewinde. Ich finde auf Anhieb das richtige Produkt, Kostenpunkt Vier Neunundneunzig, super, her dam... warte mal... und ich entdecke zwei Reihen tiefer dasselbe Produkt, gleicher Hersteller, gleiches Gewinde, gleiche technischen Daten, gleiche Artikelnummer, für Drei Neunundneunzig. Habe ich mich verguckt?

Ich suche einen Mitarbeiter und frage ihn nach dem Preis der Glühbirne. Die erste Antwort: "Der Preis steht am Regal, wo sie die Birne gefunden haben." Na danke. Ich bin doch nicht blöd, werde aber für blöd verkauft. Also erläutere ich ihm meine Entdeckung, und die zweite Antwort ist noch sinniger: "Das kann eigentlich nicht sein, haben sie auch richtig geschaut?" Und ich laufe innerlich auf Hochtouren, hätte Lust, ihm die Glühbirne per Schwenkeinlauf einzuführen und bitte ihn, kurz mit zum Regal zu kommen, es ist ja nur fünf Meter entfernt. "Nein, ich kann hier gerade nicht weg, geben sie mir doch mal die Artikelnummer." Dann sucht er mir den korrekten Preis raus, Drei Neunundneunzig. Ich bedanke mich und frage, ob sie nicht das Preisschild ändern wollen. Letzte Antwort, die ich mir geben lasse: "Das macht nachher irgendjemand, und an der Kasse hätten sie ja eh' den niedrigeren Preis bezahlt."

Ich könnte immer mal wieder platzen (die kranke Buba sagt "peh-WATzedäh"), wenn ich für dumm verkauft werde und ich das auch noch merke. Das hat auch meine erste Schulleiterin auf sehr kreative Weise versucht, mittels eines unwahren Gutachtens, und das treibt meinen Blutdruck in die Höhe. Da könnte ich explodieren wie die herrliche Polizistin in diesem Video (gestellt, aber witzig).

Und das tut hin und wieder auch gut. Manchmal muss ich einfach den ganzen Druck und Frust und Ärger, der sich in mir angesammelt hat, rauslassen. Weil ich eben so gut wie nie den Mund aufmache, um mich über sowas zu beschweren. Dann einmal zuhause richtig platzen, rumschreien, und dann ist es auch wieder ruhig und reicht für eine Weile...

...

...dachte ich mal. Ist jetzt ein paar Jahre her. Und ich weiß, dass auch einige von meinen Lesern so denken oder dachten, und das ist ja auch in Ordnung. Ich habe es mir aber zur Aufgabe gemacht, es nicht dazu kommen zu lassen, aus zwei schönen Weisheiten heraus. Die eine lautet Humor ist der Knopf, der verhindert, dass uns der Kragen platzt. Das ist die Methode für den akuten Bedarf, anstatt laut zu werden, einfach mal einen Scherz draus machen und gut is'. Und dann? Gerade weil ich sowas mit mir herumtrage, platze ich doch irgendwann, oder?

Der Dalai Lama sagt Nichts ist entspannender, als das anzunehmen was kommt. Der Satz sagt sich so leicht, und mag auch schnell einleuchten - manchen zumindest - aber er bedeutet eben auch, dass keine Wut mehr aufkommen soll. Kein Rummeckern, kein Rummotzen, sondern dass ich mich mit meinem Frust in die Meditation begebe und den Ärger durchdenke. Von verschiedenen Blickpunkten betrachtet, und dann immer das Gute in der Situation zu sehen, eine Aufgabe, an der ich wachsen kann.

Natürlich werde ich auch heute noch wütend. Und dann lege ich mich hin, schließe die Augen, nehme mir eine Stunde am Tag, um nachzudenken. Bisher bin ich noch nie aus einer Meditation "erwacht", ohne dass ich ausgeglichener gewesen wäre. Der einzige Kampf, den man führen sollte, ist der gegen die eigene Wut - so habe ich es zumindest bisher verstanden, und es lebt sich seither deutlich besser - auch wenn ich immer noch eine Menge Entwicklungspotential habe.

Dienstag, 1. Januar 2019

The Google Trends Game

Heute wird gespielt.

"Okay you guys, welcome to our new year two nineteen, hope you had a really good time during your holidays. Today, to get us all started, I would like to play a game with you - one that I've been playing with my students for the last five years. Let me introduce you to the Google Trends Game: As you can see, there is a table on the board, four columns with ten slots each, and the four columns are called World, USA, UK and Germany.

Everyone of us knows Google. Michael, please explain - in English - Google's functions. (...) Thank you! Yes, that's right, lots and lots of people use this search engine to look for all kinds of stuff. People around the world, people in the USA, in the UK and in Germany. Thousands of millions of searches are registered every year. I wonder what the most popular searches were in two eighteen?

Let's come to the rules of the game. We split the class in two teams, right here, Team Window and Team Door. Please group together so that you can talk to each other without having the other team listen in on your conversations! Yup, this looks great. Now, each team will get a chance to find the most popular search terms of the last year. You give me a search word - or words - and I will check with my lists. I am looking for the ten most popular search terms in each of the four regions World, USA, UK and Germany. The number one spot will earn you ten points, the number ten spot will be rewarded with one point. 

You just say the search term and I will fill it in, wherever it appears on those four lists. When one team had their chance, the other team will give me a search term, and so on. Of course using your cellphones isn't allowed - that is why I asked you to leave them on the teacher's desk at the start of the lesson. 

Okay guys, think about what the most famous search phrases might have been in the last year! And don't talk too loudly - you don't want to give the other team any ideas, right? Now, to make it a bit more about English: When you give me a term, I will ask you why this might have been popular over the last twelve months, so you'll have to explain it to me - in English, of course. In the second half of the time the points for the search results will be doubled and in the final quarter they'll be tripled, so never give up, even if the other team might seem to have the advantage!"

Natürlich ist es wichtig, dass ich vorher eine genaue Spielzeit festgelegt habe. Eine Unterrichtsstunde ist ideal, man kann aber auch abkürzen, wenn den Schülern gar keine Begriffe mehr einfallen. Ebenfalls selbstverständlich ist, dass ich mich im Rahmen meiner Vorbereitung mit den Suchbegriffen vertraut gemacht habe und weiß, worum es geht. Wenn allen die Ideen ausgehen, gibt es immer ein paar hilfreiche Tipps, die man reinrufen kann:

"You know, people always look for the names of celebrities who have just died or disappeared."
"Very popular are searches for blockbuster films."
"Did we have any natural disasters in two eighteen?" 
"Any popular sports events or TV shows?" 

Ich würde das Spiel nicht seit fünf Jahren immer wieder spielen, wenn es nicht spannend wäre. Das ist eine schöne Gelegenheit, die Schüler mal dazu zu bringen, Englisch zu reden, ohne einen strikt schulischen Kontext. Außerdem wird ihr Bewusstsein dafür geschärft, dass es auch etwas außerhalb ihres Tellerrands gibt, und dass Briten zum Beispiel ihren ganz eigenen Tellerrand haben - die UK-Liste wird meistens am wenigsten abgeräumt. Man kann auch gern einen Preis für das Gewinnerteam draufgeben, Gummibärchen oder sowas. Hier sind die Google Trends von 2018, falls Ihr das einmal mit Eurer Klasse testen wollt:

WORLD

1. World Cup
2. Avicii
3. MacMiller
4. Stan Lee
5. Black Panther
6. Meghan Markle
7. Anthony Bourdain
8. XXXTentacion
9. Stephen Hawking
10. Kate Spade


USA

1. World Cup
2. Hurricane Florence 
3. MacMiller
4. Kate Spade
5. Anthony Bourdain
6. Black Panther
7. Mega Millions Results
8. Stan Lee
9. Demi Lovato
10. Election Results


UK

1. World Cup
2. Meghan Markle
3. Royal Wedding
4. Black Panther
5. Roxanne Pallett
6. Fortnite
7. Demi Lovato
8. Ant McPartlin
9. A Star Is Born
10. Khloe Kardashian


GERMANY

1. WM
2. Daniel Küblböck
3. Jens Büchner
4. Avicii
5. Medaillenspiegel
6. Olympia
7. Meghan Markle
8. Mondfinsternis
9. Euro Lira
10. Hochzeit Harry



HAVE FUN!!! 


post scriptum: Warum verhaltet Ihr Euch so scheiße?! Aber Hauptsache, Alkohol bleibt weiter vollkommen in Ordnung. Lasst sie bloß nicht kiffen, wer weiß, wie gewalttätig sie dann erst werden!