Donnerstag, 9. Juli 2026

Bittere Wahrheit?


"Vielleicht sollten Sie lieber kein Lehrer werden."

Diesen Satz habe ich bei meinem letzten Vorstellungsgespräch gestern ins Gesicht gesagt bekommen - ohne Lächeln, ohne dass das Gesicht irgendwie verzogen wurde. Und die Begründung dafür hat mich innerlich aus dem Fenster springen lassen: "Sie möchten Schülerinnen und Schülern helfen, durch die zugegeben schwierige Jugendphase zu kommen. Aber als Sie ihre Stärken beschrieben haben, haben Sie nircht ein einziges Mal erwähnt, dass Sie ihre Fächer lieben und unterrichten wollen."

An dieser Stelle ist mein Gesicht versteinert und ich kann mich nicht mehr an alles erinnern. Ich weiß nur noch, wie schockiert ich war, dass man mir meinen Zugang zu den Jugendlichen als Nachteil auslegt. Und dann kam irgendwann der eingehende Satz - ich solle doch vielleicht lieber kein Lehrer werden. Weil ich nicht in der Lage sei, den Kindern Englisch und Latein beizubringen?

Das ist doch wohl die Grundlage jeder Bewerbung - dass ich meine Fächer beherrsche, und dass ich sie mit Begeisterung an die SchülerInnen weitergebe. Und was hat die Schulleitung daraus gelesen? Ich möchte mit den Kindern Händchen halten, alles Mögliche, nur keinen Fachunterricht machen. Und dann wagt man doch tatsächlich die Frage: "Hat es Ihnen denn an irgendeiner Schule schon einmal gut gefallen?"

WAS SOLL ICH MIR EIGENTLICH NOCH ALLES ANHÖREN?! 

Ich bin zu nett, ich bin zu wenig streng, ich arbeite zu wenig fachlich, ich sitze im Lehrerzimmer zu nah am Rand, ich bringe mich zu wenig in Diskussionen ein, ich bringe Kindern nichts bei - wenn ich diese Liste noch weiter führe., werfe ich diesen Computer aus dem Fenster.

Offensichtlich hasse ich Schule. Und da wären wir bei dem Abschiedssatz von gestern an einem Gymnasium: "Vielleicht sollten Sie lieber kein Lehrer werden. Schulbegleitung, Schulsozialarbeiter...

Ich werde mich jedenfalls nie wieder an dieser Schule bewerben, auch wenn der Kollege, der mir das Schulgebäude gezeigt hat, ausgesprochen freundlich war, und dort eine Kollegin arbeitet, mit der ich zusammen studiert habe.

Zeigt mir nur wieder, dass an Gymnasien nur Fachvermittlung gilt. Das Wohlbefinden der SchülerInnen ist absolut sekundär - wenn überhaupt irgend ein "-är". 

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