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Freitag, 13. März 2026

Glück

Freiheit. Glück. Lebensfreude.

Was für ein schöner Tag das heute war! Einer, an dem ich mich einmal über die Freuden des Lebens freuen konnte, ohne sie gleich wieder mit irgendwelchen "aber..."s zu überziehen. Klar hat es geregnet, als ich morgens zu meinem Hausarzt gefahren bin. Who cares? Das war vielleicht mein allerletzter Besuch bei ihm, und der Klumpen im Magen sitzt tief, denn für über zwanzig Jahre war er der Beste. Und ich hatte solche Angst, weil ich ihn anhauen musste, um Medikamente für drei Monate Übergangszeit zu bekommen, bis seine Nachfolgerin da ist und ich bereit dafür bin, zu ihr zu gehen. 

Aber erstmal habe ich ihm und den Damen im Sprechzimmer gesagt, wie dankbar ich ihnen für ihre Arbeit bin. Wie toll sie das gemacht haben, und allein schon, dass sie mich ernst genommen haben! Im Lübecker ZiP wurde mir Hypochondrie vorgeworfen, und die erste Reaktion auf einen Autismus-Diagnoseplatz bei einer Ärztin hier in Kiel lautete: "Also, ich werde ihnen jetzt hier nicht irgendwelche Benzodiazepine verschreiben!" - dabei ging es mir gar nicht um Benzos, sonern nur um die Gewissheit, was für ein Mensch ich bin -.-

Na danke, da habe ich wochen- und monatelang den Mut aufgebracht, endlich loszugehen, und dann diese Abweisungshaltung, nach der ich zuhause wie ein Schlosshund geheult habe. Das war richtig gemein - aber dann kam der ganze Weg zur Selbsthilfegruppe Autismus in Kiel, das Beste, was Sven mir empfehlen könnte. Es hat zwar noch mehr als ein Jahr gedauert, aber es hat geklappt. Und ich bin endlich als erwachsener Mensch ernst genommen worden!

Zum Glück dauert die Psychiater-Phase auch noch weiterhin an, aber mein Hausarzt geht nun nach 32/2 Jahren in den wohlverdienten Ruhestand. Ich habe einen kleinen Danke-Test geschrieben, mit Connys Hilfe, dabei viele Tränen vergossen, aber jedes Wort ehrlich gemeint. Ich war so glücklich, ihn als meinen Hausarzt gehabt zu hahen.

Naja, und neben all' der Gefühlduselei musste ich natürlich auch noch Pragmatisches klären: Wer wird die Nachfolgerin, was passiert mit meiner Krankenakte (liegt hier auf meinem Schreibtisch), bleibt wenigstens das Praxisteam erhalten (mindestens einen Monat, ja), und ob ich für die drei Monate Übergangszeit, in der ich nicht zur neuen Kollegin gehen werde, meine sechs Medikamente einmal en bloc neu ordern kann, und so hat er mich dann gehen lassen und sehr, sehr schweren Herzens bin ich zur Apotheke gefahren und habe mir sechs Medikamente abgeholt, ein Kortikoid, zwei Benzodiazepine, ein Nahrungsergänzungsmittel, ein Schmerzmittel und Pantoprazol. Alles in den N3-Größen, denn das muss jetzt eine Weile reichen. 

Darüber war ich also froh, aber langsam kriecht die Erkenntnis immer tiefer in mich, dass ich ihn nicht mehr in der Funktion als mein Arzt sehen werde, und mir rollen wieder die Tränen. Ein weinendes Auge, und ein glückliches, weil ich zumindest tablettentechnisch versorgt bin. Als ich dann am Abend im Sophiehof-Rossmann auch noch eine ehemalige Schülerin getroffen habe, die dort gerade ihre Abschlussprüfung gemacht hatte, war es um mich geschehen, denn ich konnte mich noch so gut an ihre Performance im Unterricht erinnern. Ich war richtig, richtig stolz auf sie und habe sie das auch spüren lassen.

Immer auf das Positive fokussieren! Und morgen muss ich einen Selbstversuch machen, ob die neuen Medikamente verträglich sind.

Scheiß' auf das Wetter - ein Tag Glück!!! 

Mittwoch, 4. März 2026

Hier kommt die Angst...

Flucht - Heimkehr? - in die Welt der Dinge

Prednisolon
. Eigentlich ging es nur darum: Ein Medikament, um die Entzündungswerte in meinem Blut etwas herunterzubringen. Habe ich immer im Medizinschrank, aber hin und wieder muss ich einmal bei meinem Hausarzt anrufen für ein neues Rezept. Dank des E-Rezeptes ist das ja auch (bei den meisten Ärzten) kein Problem mehr, also klingele ich einmal in der Praxis durch. Mittlerweile ist das Routine, und zwischen Schniefen und Husten - Überresten aus der letzten Woche - haben wir das Ganze erledigt. Ich will gerade auflegen, da kommt noch der Hinweis "Übrigens, wir schließen die Praxis am 23.03." - Ah, Urlaub, kann ich mir ja mal aufschreiben - "und dann ab 07.April ist dann die Nachfolgerin da." Whaaaaaaaaa......??? "Ja, mein Mann geht in den Ruhestand."

"Äh..." und mehr fällt mir dann erstmal nicht ein. Ich bekomme kein vernünftiges Wort mehr heraus. Zum Glück weiß Frau Britz, dass ich Autist bin, eine kleine nette Verabschiedung, eine Einladung für nächste Woche und dann erstmal Leere. 22 Jahre lang war Dr. Britz mein Hausarzt, und er war der beste Hausarzt, den ich mir wünschen konnte. Manchmal mit sehr langen Wartezeiten, und das aus gutem Grund: Er hat sich viel Zeit genommen, um genau herauszufinden, was mich belastet, egal ob Ausschlag, Prellung, Bruch, Infektion, Impfungen, whatever, und sein Team ist einfach großartig, dort verliere ich die Angst vor dem, was mit mir nicht stimmen könnte, wenn mein Finger abgeknickt ist, oder ich kaum noch atmen kann.

Und jetzt ist damit Schluss. Und natürlich war das absehbar. Ich bin in einem Alter angekommen, wo Mitmenschen um mich herum sterben, wegziehen, in den Ruhestand gehen - wo sich Dinge ändern. Aber gerade das ist für einen Autisten unglaublich schwierig zu verarbeiten: Tiefgreifende Veränderungen im Leben. Und der Hausarzt - wenn das nicht tiefgreifend ist, was dann? Erst recht, wenn man mit diversen Diagnosen dasitzt und die Angst aufkommt, dass man von der neuen Ärztin nicht ernstgenommen wird?

Grund genug für ein Beruhigungsmittel. Und für ein Abschotten, zumindest für eine Weile, bis diese Tatsache sich in meinem Kopf etabliert hat: Mein Hausarzt geht. Zeit zum Wechseln.

Und hier kommt das Bild oben in's Spiel: Zum Abschotten gehe ich irgendwo hin, wo ich mich wohl fühle - wo ich mich sicher fühle. Conny hat das ziemlich schnell festgestellt - es sind Videospiele, und zwar ausschließlich solche, die ich allein spielen kann. Ohne andere Menschen - denn hier kommt ein Grundsatz dazu, der für fast alle Menschen auf dem Autismus-Spektrum gilt:

Sonntag, 15. Februar 2026

Aromatherapie II


Kennt Ihr das Phänomen des phantom train? Ich weiß nicht, ob das eine "offizielle" Bezeichnung ist - mir ist sie zum ersten Mal auf dem Weg in's erste Staatsexamen im Roman Lowboy von John Wray begegnet. Der Protagonist Will Heller liebt Züge, Bahnhöfe, er hält sich gern im Untergrund auf, wo es für ihn angenehm kühl ist. Mit einer Begeisterung erzählt er davon, wie er U-Bahn-Fahrten erlebt, dass es mich sehr an einen guten Bekannten erinnert hat. So erzählt er auch von dem Phantomzug: Während er am U-Bahnsteig auf den nächsten Zug wartet, spürt er ab einem gewissen Zeitpunkt den Zug kommen. Er sieht ihn nicht, er hört ihn nicht, aber er fühlt ihn in Form des Luftzuges, der durch den heraneilenden Zug in den Bahnhof geschoben wird. Ich kenne das Gefühl sehr gut, ich liebe U-Bahnen. Dass ich quasi meinen eigenen Phantomzug vor mir her treibe, hat allerdings nichts mit der U-Bahn zu tun, sondern mit den Aromen, mit denen meine Räucherware meine Kleidung durchtränkt hat. Ich weiß nicht mehr, ob es die Sannitanic oder die große Buba (oder doch jemand Anderes?) war - eine meinte jedenfalls einmal, dass man mich schon aus der Ferne riechen kann, weil das ganze Treppenhaus nach Frangipani-Blüten duftet.

Ist das echt so? Tja, damit dürfte ich dann festhalten, dass zumindest mein Geruchssinn nicht hochsensibel ist. Ich brauche immer einen sehr intensiven Duft, um die gewünschten Effekte zu erzielen. Und mit diesen Effekten meine ich nicht, dass ich bei anderen Menschen einen guten Eindruck machen möchte; ich spreche hier nicht von After Shaves und solchem Gedöns. Es geht um Kräuter, Harze, Blumen, Hölzer und mehr, die zu einem bestimmten masala vermischt und abgebrannt werden. Es geht um Aromatherapie - darum, mir selbst ein bisschen zu helfen. Denn sooooo gut geht es mir im Moment psychisch nicht.

"Aber du bekommst doch Tabletten für dies und das!" - ja, richtig. Aber ich möchte nicht von den Tabletten für dies und das abhängig werden - also suche ich mir andere Wege, um den "ruhelosen Geist" hin und wieder etwas runterzufahren. Das scheint für HBs oder Menschen auf dem Spektrum hin und wieder nötig zu sein - sei es, weil sie Reize nicht schnell genug verarbeiten können und überfordert sind, oder gerade weil sie so rasant denken, dass sie sich selbst keine Ruhe gönnen.

Oder am Schreibtisch sitzen, eine Liste mit zu erledigenden Sachen neben sich haben, aber komplett blockiert sind, mit nichts anfangen können. In diesen Situationen hilft es mir, komplett abzubrechen, was ich gerade mache(n wollte). Die Wohnung abdunkeln, und dann je nach Bedarf ein paar Räucherstäbchen anzuzünden. Nag Champa kann helfen, den Kopf und die Gedanken zu lösen. Sandelholz (Chandan) spendet Wärme, Adlerholz (Oudh) hilft, bei Meditationen tief in die eigene Gedankenwelt einzutauchen und herauszufinden, wo man gerade feststeckt. 

Wer das Aroma lieber etwas intensiver hat, kann Räucherkegel (dhoop cones) verwenden, wer es lieber subtiler hat, dem empfehle ich japanische Räucherstäbchen, die kein Holz enthalten, weniger Rauch entwickeln - oben auf dem Bild sieht es aus, als wären da hunderttausend verschiedene Sorten an Aromen im Regal zu finden. Für mich ist einfach nur hilfreich, für jeden Bedarf etwas da zu haben. Ich frage mich, was ich gerade brauche, und wenn die Gedanken wirklich komplett blockiert sind - Nag Champa (eher süßlich-blumig) oder Sandelholz (je nach Hersteller dezenter, warm-holzig) gehen immer.

Auch jetzt. Letzter Absatz; bevor ich diesen Beitrag heute Abend veröffentliche, gibt es erstmal eine Tasse Tee, eine Reise in virtuelle Welten (momentan Hyrule für die, die es lieben ^^) und dazu Räucherstäbchen - handgerollt, aus Indien. Wer einmal industriell hergestellte Stäbchen abgebrannt hat, der kennt den Unterschied :-)

Montag, 19. Januar 2026

Die halbe Tablette

Reicht manchmal schon aus...

Was für ein aufregender Montag morgen. In Sachen Zuzahlungsbefreiung bin ich einen Schritt weiter, eine Sache mit Amazon geklärt, eine Sache mit der Provinzial angeleiert, ein Colitis-Schub ist im Anmarsch - nächste Infusion ist in einer Woche - und dann kommt es noch besser, ein Kieler Gymnasium ruft an und braucht Vertretung. Insgesamt zu viel, ich bin völlig überfordert und ohne eine halbe Tablette verliere ich den Überblick und erstarre. Also rein damit, bis zum Anfluten die Spüle ausräumen, den Drucker warten und den Rückruf bei'm Gymnasium auf morgen vormittag legen, denn ich bin für heute platt.

Damals mit der Grundsicherung im Leben wäre das kein so großes Problem gewesen, aber jetzt bin ich froh, dass ich ein Medikament habe, was gegen Angst hilft, und eines, was den Blutdruck bei Meltdown-Attacken wieder runterbringen kann. Und damit ich nicht *jedesmal* zu den Tabletten greife, bin ich froh, dass ich Conny habe, der mir da gutes Feedback geben kann und vor allem alles Wichtige, was erledigt werden muss, in eine sinnvolle, in meinen Wochenplan eintragbare Version bringt.

Allein, was alles bei'm Hausarzt in zwei Wochen ansteht:

- Gesundheitskarte für das Quartal vorzeigen

- Überweisung zum Psychiater abholen

- Hautveränderungen im Lendenbereich abklären

- Metoclopramid gegen Übelkeit testen

- Gutachten für den Schwerbehindertenantrag "in Auftrag geben"

- Zuzahlungsbefreiungsausweis vorzeigen (hoffentlich!) 

Dann auch noch den Drogerieeinkauf erledigt - wie schnell doch 80 Euro weg sein können -.- - und nun reicht es für heute. Morgen geht es weiter mit dem Bereich Küche, und wenn ich das zeitig schaffe, kann ich direkt danach meiner Mutter voller Stolz im Videotelefonat die saubere Küche präsentieren. Mal schauen, ob ich den Schwung finde ;-) Aber erstmal ist dann natürlich die Schule dran... 

Eine Mischung aus Angst und Mut.