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Montag, 6. Mai 2024

Du hast Recht und ich hab' Ruhe.

Manchmal kann man reden, so viel man will...

Ich habe eine kleine Fabel im Netz gefunden, die ich gar nicht so schlecht finde, also teile ich sie mal mit Euch. Bitte einmal nach draußen schauen: Welche Farbe hat das Gras? Diese Frage haben sich auch ein Esel und ein Tiger gestellt.

The donkey said to the tiger:
- "The grass is blue."
 
The tiger replied:
- "No, the grass is green."
 
The discussion heated up, and the two decided to submit for arbitration, and for this they went before the lion, the King of the Jungle. Already before reaching the forest clearing, where the lion was sitting on his throne, the donkey began to shout:
- "His Highness, is it true that the grass is blue?".
 
The lion replied:
- "True, the grass is blue."
The donkey hurried and continued:
- "The tiger disagrees with me and contradicts and annoys me, please punish him."
The king then declared:
- "The tiger will be punished with 5 years of silence."
The donkey jumped cheerfully and went on his way, content and repeating:
- "The grass is blue"...
 
The tiger accepted his punishment, but before he asked the lion:
- "Your Majesty, why have you punished me? After all, the grass is green."
The lion replied:
- "In fact, the grass is green."
The tiger asked:
- "So why are you punishing me?".
The lion replied:
- "That has nothing to do with the question of whether the grass is blue or green.
The punishment is because it is not possible for a brave and intelligent creature like you to waste time arguing with a donkey, and on top of that come and bother me with that question."
 
The worst waste of time is arguing with the fool and fanatic who does not care about truth or reality, but only the victory of his beliefs and illusions. Never waste time on arguments that don't make sense.
 
There are people who, no matter how much evidence and evidence we present to them, are not in the capacity to understand, and others are blinded by ego, hatred and resentment, and all they want is to be right even if they are not.
 
When ignorance screams, intelligence is silent. Your peace and quiet are worth more.
 
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Passt ein bisschen in die gegenwärtige Politik, nicht nur in den USA... 
 
post scriptum: Heute habe ich endlich den Film "Huesera: The Bone Woman" gesehen. Ein großartiger psychologischer (und übernatürlicher) Horrorfilm über die Angst davor, Mutter zu werden, gepaart mit der Unsicherheit, ob man überhaupt bereit ist, seßhaft zu werden - während die Gesellschaft es von einem erwartet. Sehr intelligent, hat mich an Roman Polanskis "Repulsion" und David Lynchs "Eraserhead" (Aspekt Angst vor dem Vaterwerden) erinnert.

Dienstag, 26. Juli 2022

Privatunterricht bei Carl Sagan

Damals und heute - gespannt auf die Zukunft! (rechts ein Bild des neuen James Webb-Teleskops, ein Meilenstein der Wissenschaft)

Man hört und liest ja gar nichts mehr von Dir, wir machen uns Sorgen!

Ich kenne diese Mails. Sie machen mir immer sehr ruckartig bewusst, dass ich mal wieder voll in the zone war. Voll versunken in einem meiner Spezialinteressen; genau das beschreibt der Begriff Hyperfokus: Man ist vollkommen konzentriert auf seine Sache, man nimmt um sich herum nichts mehr wahr. Alles Andere ist zweitrangig, Zeit, Essen, Familie und Freunde, Gesundheit. Das ist deutlich intensiver als einfach nur in eine Sache vertieft zu sein, und deswegen spielt das Konzept in der Psychologie eine große Rolle.

Meine Spezialinteressen... Filme, Medikamente, Videospiele, Achterbahnen, Astrophysik. Letzteres hat mich mal wieder vollkommen in Beschlag genommen, denn ich bekomme dieser Tage Privatunterricht von Carl Sagan. Das ist natürlich Unsinn, denn der Mann ist seit über zwanzig Jahren tot. Ändert nichts daran, dass er eine extrem einflussreiche Persönlichkeit war und ist, ändert auch nichts daran, dass seine Dokuserie Cosmos: A Personal Voyage (1980) bis weit in's neue Jahrtausend hinein die meistgesehene Dokuserie der Welt ist. 

An mir ist das natürlich mal wieder völlig vorbeigegangen. Ich habe ein Talent dafür, mich für eine Sache zu interessieren, aber die wichtigsten Namen nicht zu kennen und mich mit den "Standards" nicht auseinandergesetzt zu haben. An Sagan bin ich über völlig verquere Wege gekommen - zunächst unbewusst über ein Musikalbum, das mich mittlerweile seit fast zwanzig Jahren begleitet, bis in den Schulunterricht hinein: Mystical Experiences (1997) der Psybient-Gruppe The Infinity Project dient mir gern als musikalische Grundlage für Gedankenreisen im Unterricht

Psybient-Musik enthält oft Sprachsamples aus Filmen oder Serien, die irgendwie mit Science Fiction zu tun haben. Jenes Album enthält einige Exzerpte aus Sagans Dokureihe, ohne dass mir das bewusst war. Dann kam irgendwann der Film Contact (1997), der auf Sagans gleichnamigem Roman beruht, und den ich nach wie vor mutig und aufregend finde, ein echtes Abenteuer, auch nach dem zwanzigsten Ansehen.

Genau diese mutige, aufregende, freudige, neugierige, spannende Haltung scheint Sagan auszuzeichnen, der nie die Möglichkeit ausgeschlossen hatte, dass es da draußen irgendwo intelligentes Leben gibt. Seine Begeisterung trägt er vollkommen authentisch in seine Serie Cosmos, und ich bin absolut begeistert. Ich hatte zuerst die modernisierte Variante geschaut - Cosmos: A Spacetime Odyssey (2014), in der Neil deGrasse Tyson in Sagans Fußstapfen tritt - mit moderner Technik und neuesten Erkenntnissen aus der Wissenschaft. 

Das könnte mich denken lassen, dass die alte Serie nun mittlerweile veraltet sein dürfte, aber das Gegenteil ist der Fall. Das Original hat so viel Herz, tolle Musik, die Sagans Begeisterung für sein Thema unterstreicht, und seine Stimme... ich könnte ihm stundenlang zuhören, wenn er mir über sein Thema erzählt. Und was ist sein Thema? Nichts weniger als das Ziel, unseren gesamten Kosmos zu verstehen. Auf wunderbar greifbare Weise lernen wir über die Geschichte des Weltalls, über die Geschichte unserer Erde, über die berühmten Entdecker - und immer mit einem Zwinkern zur Vorsicht, damit wir uns unser kleines Paradies nicht zugrunde richten. Ist aber kein pädagogischer Zeigefinger, sondern bleibt immer angenehm im Hintergrund. 

Ich bin einfach hin und weg, und ich hätte nie gedacht, dass die über dreißig Jahre ältere Serie auch heute noch so unglaublich bereichernd sein kann. Sorry, aber da wird alles Andere gerade unwichtig. Bear with me, cat, too.

Samstag, 3. April 2021

Lichtspiel

Herd mal anders

Schon vor Jahren ist mir aufgefallen, dass in den frühen Abendstunden bei Sonnenschein und heruntergezogenen Rollos ein heller, scharf abgegrenzter Lichtstrahl durch meine Wohnung schießt. Besonders gut erkennt man ihn, wenn Räucherstäbchen die Luft etwas rauchig gemacht haben. Mir war sofort klar, dass man damit doch etwas machen können muss. Kreativ werden. Den Lichtstrahl zu fotografieren hat nicht geklappt, und wenn doch, waren das eher unspektakuläre Bilder. Irgendwas wollte ich in meiner Wohnung verändern, so dass zu einer ganz bestimmten Zeit ein ganz bestimmter Lichteffekt eintritt - inspiriert durch Abu Simbel.

Heute ist in der Post ein Glasprisma mit Gewinde angekommen, so dass ich es auf meinem Stativ montieren kann. Passt perfekt, und so habe ich eben das Fenster geöffnet, der Lichtstrahl war zuverlässig da, und habe herumprobiert, wie ich ein schön aufgefächertes Lichtspektrum bekommen kann. Die Effekte, die Ihr auf den Bildern seht, bilden zwar ganz gut das Ergebnis ab, aber es ist nochmal ein ganz anderes Gefühl, das live mitzuerleben - herumzuprobieren, wie genau man das Prisma arretieren muss, damit das Licht aufgespalten wird, und wenn man es dann hat zu experimentieren, was man damit anfangen kann.

Ich hätte nicht gedacht, dass man das so toll festhalten kann!

Das ist spannend und nicht ganz einfach, denn der Zeitraum für die Experimente ist begrenzt - die Sonne geht unter und ich habe etwa eine halbe Stunde Zeit. Der erste Schritt ist geschafft, ich weiß, dass es klappen kann. Im nächsten Schritt werde ich schauen, wo und wie ich ein Glasprisma fest installieren kann, so dass es unauffällig ist, aber zur Abendstunde seinen tollen Effekt entfaltet.

Spielkind. Fasziniert ;-)

Wenn man nah herangeht, kann man die filigranen Muster beobachten - und man sieht quasi, wie die Sonne untergeht, denn das bunte Motiv wandert ganz langsam über die Wand nach rechts.


Donnerstag, 26. Dezember 2019

Aufgaben mit der Kuh

Muh

vorweg: Das scheint ein klassischer Aufgabenbogen aus dem Physikunterricht zu sein. Ich fand ihn damals in der Oberstufe unglaublich witzig - allein die Aufgabenstellungen, da geht das Kopfkino an. Lösungen sind sekundär. Gute Unterhaltung! Wahrscheinlich finde nur ich das lustig.

Konstante: m(Kuh)=400kg

Mechanik: 

Eine Kuh gallopiere beschleunigt (a=3m/s²) auf eine andere, stehende Kuh aus bestimmter Entfernung zu (v°=0m/s). Bei dem auftretenden unelastischen Stoß werden 90% der kinetischen Energie in Verformungsarbeit umgesetzt. Berechnen Sie die Verformungsarbeit in Abhängigkeit vom Anlaufweg s und stellen Sie den Zusammenhang grafisch dar.


Elektronik:

a) Die Kuh beiße in den elekktrisch geladenen Weidezaun (U=40V). Ein Strommessgerät registriert durch die Kuh einen Strom von 0,5mA. Wie hoch ist der Ohmsche Widerstand der Kuh?
b) Dieselbe Kuh werde nun mit einer Spule (L=0,54) in Reihe geschaltet und an eine Wechselspannung von 50Hz gelegt. Berechnen Sie den Scheinwiderstand Z dieses RL-Gliedes und die Phasenverschiebung j zwischen Strom und Spannung, wobei der Widerstand der Spule vernachlässigbar ist.

Quantenphysik:

a) Die Kuh befinde sich auf einer Weide, die ringsum durch einen Zaun abgegrenzt ist. Der Weidezaun sei ideal gebaut, so dass die Kuh ihn (klassisch gesehen) nicht passieren kann. Begründen Sie, dass man die Kuh trotzdem mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit außerhalb der Weide antrifft.
b) Unter Verletzung der Energiehaltung können nach der Heisenbergschen Unschärferelation kurzfristig sogenannte virtuelle Teilchen entstehen. Berechnen Sie die Lebensdauer einer virtuellen Kuh.
c) "Schrödingers Kuh": Ein Mensch sperrt eine Kuh in einen Atombunker, aus dem keine Information nach außen dringt. Für den Beobachter ist die Kuh dann quantentheoretisch sowohl tot als auch lebend (nicht entweder...oder!). Erklären Sie den scheinbaren Widerspruch.


Kernphysik: 

Die Kuh frisst auf der Weise 8 Stunden lang pro Stunde 2kg verseuchtes Gras mit einem K-40-Gehalt von 0,01%. Während dieser Zeit scheidet die Kuh stündlich Fladen von 1kg aus (die K-40-Konzentration in den Fladen sei näherungsweise ebenfalls 0,01%). Berechnen Sie die Anzahl der K-40-Atome in der Kuh drei Wochen nach Beendigung des Fressens unter Verwendung von Näherungen (die Kuh stelle während dieser Zeit auch das Abkoten ein).

Viel Erfolg!

Samstag, 27. April 2019

Seiner Zeit voraus

Zuviel Glotze?

"Science Fiction-Filme sind ihrer Zeit weit voraus", könnte man sagen und hat damit Recht. Ist ja auch logisch, sie zeigen uns Situationen und Dinge, die es (noch) nicht gibt. Allerdings gibt es im Englischen ein schönes Attribut für Filme, die tatsächlich die Zukunft (bzw. einige Konzepte) abbilden: prescient - die Altphilologen wissen natürlich, dass das etwas mit "vorausahnen, vorherwissen" zu tun hat.

Einer dieser Filme ist Videodrome (1983). Er war damals sehr, sehr seltsam - und ist es immer noch - aber hat einige Entwicklungen des digitalen Zeitalters vorausgeahnt. Da kam mir bei'm Ansehen doch gleich die Idee, eine Unterrichtseinheit dazu zu entwerfen, denn ich werde immer wieder mit dem Themenkorridor Science & Technology in den Abschlussprüfungen konfrontiert werden. Und der Film bietet reichlich Diskussionspotential, stellt viele Fragen, über die man sich mit seinem Sitznachbarn nach dem Film unterhalten kann.

Dann wird mir allerdings bewusst, dass der Film damals nicht ganz ohne Grund in Deutschland auf dem Index gelandet ist (aber seit zweitausendachtzehn ab sechzehn freigegeben). Ein Name: David Cronenberg. Der Mann, der Jeff Goldblums Verwandlung in eine Fliege verfilmt hat und für explodierende Köpfe berüchtigt wurde. In Videodrome taucht davon nicht allzuviel auf, eigentlich gibt es nur eine sehr explizite Szene am Ende des Films. Meiner Meinung nach sind es aber die Ideen des Films, die ihn ungeeignet für Jugendliche machen, denen noch ein bisschen Lebenserfahrung fehlt, um den Plot dahinter zu verstehen.

Ganz kurz nur die Handlung: Max Renn sucht nach Videos für seinen Sender, die Zuschauer anlocken. Er weiß, dass Sex und Gewalt immer gehen (hat sich bis heute nicht geändert), und mithilfe eines Mitarbeiters gelingt es ihm, einen speziellen Sender anzuzapfen: Dort werden Snuff-Videos ausgestrahlt (das sind Filme, in denen Menschen gefoltert und getötet werden, meist ohne Handlung, möglichst real), und Max zeigt sich zusammen mit Radio DJane Nikki (Blondies Debbie Harry) von diesen Filmen fasziniert; so etwas müsste doch sicherlich die Zuschauernische anlocken, die es etwas härter braucht. Der Name des Senders - Videodrome.

Eigentlich läuft alles gut, doch Max beginnt nach und nach zu halluzinieren, selbst Gewalt auszuüben und Teil der Videodrome-Show zu sein, und als Nikki dann zu einem Vorstellungsgespräch mit den Machern von Videodrome reist, verschwimmt die Grenze zwischen Realität und Illusion radikal.

Ach herrje. Wenn ich das so lese, fällt mir auf, wie trashig das klingt. Ganz klar: Wer diesen Film sehen möchte, und das volle Diskussionspotential erleben möchte, muss sich mit einem offenen Geist auf die ungewöhnlichen Bilder einlassen und beim Zuschauen glauben, dass ein Projekt wie Videodrome durchaus möglich wäre. Denn dann öffnen sich ganz neue Denkpforten.

Spoilerwarnung!

Videodrome wurde ursprünglich konzipiert, um den Menschen nach dem Tod eine Möglichkeit zu geben, weiterzuleben, indem sie Teil der Sendung werden. Dann haben aber zwei der Entwickler das Potential entdeckt, mit Videodrome die Gedanken der Menschen zu kontrollieren - das macht Videodrome schließlich zu einem Politikum.

Entwarnung!

Videodrome hat die Entwicklungen der transhumanistischen Technologien vorausgeahnt: Wie können wir über unseren fleischlichen Körper hinaus weiterexistieren? Heutzutage nennt man so etwas nicht mehr Videodrome, sondern Mind Uploading. Das ist natürlich nur eine Theorie - dass man sein Bewusstsein in eine Art virtuelle Realität hochladen kann, um den Tod zu überdauern - aber es gibt viele Menschen, die genau in diese Richtung forschen, und es gibt viele Filme, die sich damit beschäftigen - Source Code, Transcendence, die Matrix-Reihe...

Cronenberg hat das alles ein wenig vorhergeahnt; genau das macht seinen Film zu einem Faszinosum. Andere Fragen, die der Film anspricht, sind Gedankenkontrolle und die Sehnsucht des Menschen nach Gewalt und Sex sowie die Einflussnahme auf Menschen durch das Fernsehen. Wenn man es schafft, sich dem Film so weit zu öffnen, dass der Gedanke nicht mehr schwachsinnig ist, dass jemand eine Videokassette in Deinen Bauch schiebt, um Dich unter Kontrolle zu bringen, dann hat man sehr surreale neunzig Minuten Unterhaltung. Der Kritikerkonsens auf rottentomatoes.com besagt:

Visually audacious, disorienting and just plain weird, Videodrome's musings on technology, entertainment and politics still feel fresh today.

Irgendwas muss der Film ja an sich haben, sonst würde ich ihn mir nicht als physical release zuschicken lassen. Aber schulischer Gebrauch? Ich denke nicht.

Samstag, 23. März 2019

Linguistisches Beruhigungsmittel

Wohlfühlsprache

Ich habe mir heute First Man angeschaut (Aufbruch zum Mond, 2018), aber das hier wird keine Filmrezension werden, sondern es geht mal wieder um Hochbegabung. Der Film ist eine Chronologie der ersten Mondreise Neil Armstrongs. Der Film hat für seine visuellen Effekte den Academy Award gewonnen - ja, technisch ist das schon wirklich schmackhaft. Was mir aber am meisten gefallen hat, war die Fachsprache, die hier und dort verwendet wurde. Nicht wirklich im Übermaß, aber es wirkte sehr authentisch, was da gesprochen wurde, während Armstrong samt Begleitung in's All geschossen wurde.

Ich mag sowas. Aus irgendeinem Grund hat es eine beruhigende Wirkung auf mich, wenn ich bei Fachsprache zuhören darf, keine Ahnung, das weckt mein Interesse, und natürlich habe ich keinerlei Ahnung von NASA-Wissenschaft. Vielleicht ist es gerade das: Menschen zuhören, die wissen, wovon sie reden, denen ich vertrauen kann. Denn das nimmt mir die Angst - und damit wären wir wieder bei einem sehr beliebten HB-Tick.

Ich kann so gut in Panik geraten! Standardbeispiel Telefon: Wenn es klingelt, gehe ich nicht ran. Nie. Weil ich nicht weiß, wer dran sein könnte, und ich den Gesprächsablauf nicht vorhersehen kann, und während des Klingelns male ich mir in meinem Kopfkino diverse Horrorszenarien zurecht, in denen ich Schüler misshandelt habe, Geheimnisse verraten habe, Fristen nicht eingehalten habe oder auch einfach ein "Du lässt gar nicht mehr von dir hören!". Immer wieder Angst.

Oder die Angst, als ich mir damals den Finger gebrochen habe. Nee, wird schon nicht so schlimm sein, ich breche den wieder zurück und gehe in's Bett, dachte ich in dem Moment. Aber die Angst war da, dass eben doch etwas sein könnte, und ich wollte auf keinen Fall zum Arzt gehen. Einen Monat lang. Bis es dann wirklich höchste Eisenbahn wurde und ich vom Hausarzt Richtung Facharzt Richtung Lubinus geschickt wurde.

Dort wurde ich betreut von Dr.Andreas Koblitz, und das war ein Glücksfall. Ich hatte ihn damals ganz bewusst darum gebeten, mir genau zu erklären, was los ist. Mit allen Fremdwörtern, Fachjargon und Konsorten. Und er hat sich sofort darauf eingelassen, das war richtig toll! Er hat mir die ganze Sache erklärt, als wäre ich selbst ein Handchirurg. Und das hat mich dann wieder beruhigt (und ich bin ihm heute noch dankbar dafür). Und auch, als Dr. Ranft dann bei der Operation kommentiert hatte "Ich setze jetzt einen Schnitt..." und das alles erklärt hat, das war wunderbar!

Um zum Weltall zurückzukehren: Auch bei Interstellar (2013) habe ich es sehr genossen, dass auf wissenschaftliche Akkuratheit (soweit möglich; ist halt science fiction) geachtet wurde. Ich fand die Erklärungen zur Raumzeit-Verkrümmung unglaublich spannend, und zur Einstein-Rosen-Brücke und was noch alles vorkam. Ich verstehe davon kein bisschen (glaube ich zumindest), aber es fühlt sich so gut an, das zu hören.

Sind da draußen Hochbegabte, denen es ähnlich geht? Frei sprechen, Fachleuten zuhören usw.?

Dienstag, 19. März 2019

Mathematisches Rätsel


Ich habe gestern den spanischen Film La Habitación de Fermat (Fermat's Room, 2009) geschaut, ein Thriller mit einigen kniffligen Rätseln, der zwar hier oder da eine Logiklücke haben mag, aber mir hat er trotzdem sehr gefallen - gerade auch wegen der Rätsel wie diesem Klassiker (wie ich gelernt habe):

Ein Staubsaugervertreter klingelt an einer Haustür. Die Frau, die ihm öffnet, sagt, dass sie ihm einen Staubsauger abkauft, wenn er das Alter ihrer drei Töchter erraten kann. Als Hinweis gibt sie ihm: "Das Produkt der Alterszahlen ist 36 und die Summe entspricht unserer Hausnummer." Der Vertreter verlässt das Haus, denkt nach und kehrt zur Tür zurück. Er sagt: "Mir fehlt noch ein Hinweis...", woraufhin die Frau antwortet: "Stimmt, ich habe vergessen, ihnen zu sagen, dass unsere älteste Tochter Klavier spielt."

Und daraufhin hat er also den Staubsauger verkauft. Ich kannte das Rätsel noch nicht und war ein wenig enttäuscht, dass gerade bei diesem Rätsel im Film so wenig Zeit zum Nachdenken war, denn die Lösung ist genial. Was mich an diesem Rätsel fasziniert, ist die Verwunderung, die der Hinweis "...spielt Klavier." bei mir erzeugt hat. Wie um alles in der Welt soll mir das Klavierspiel bei der Lösung dieser Aufgabe helfen? Ich finde es klasse, dass es gleichzeitig der letzte wichtige Hinweis, aber auch eine gute Verwirrungsstrategie ist.

Kommt Ihr auf die Lösung? Oder kennt Ihr das Rätsel vielleicht schon? Mich hat der Film, obwohl er eigentlich gar nicht sooooo toll ist, so fasziniert, dass ich mich auf die Suche nach einer guten Bluray mache. Ich liebe Gehirnjogging!

Mittwoch, 27. Februar 2019

"Do you want to be my friend?"

Kann eine künstliche Intelligenz Dein Freund sein?

Ich glaube, ich bin mit meiner Oberstufe endlich in einem Abitur-Themenkorridor angekommen, der mich interessiert. Sehr sogar: Es geht um Science & Technology. Ist ja nicht so, dass mich das Andere alles gar nicht interessiert, aber es fühlt sich halt anders an. In Eckernförde musste ich eine Unterrichtseinheit zu Irland zusammenklöppeln, mit Abschlussklausur. Das hat zwar auch geklappt, aber ich habe gemerkt, wie wenig ich daran interessiert bin. Es hat trotzdem Spaß gemacht, sich eine Klausur dazu auszudenken, und ich habe selbst eine ganze Menge über die Troubles und vieles mehr gelernt, aber das war eher Pflichterfüllung. Das hier ist Leidenschaft. Oder so.

Heute ging es um das Thema Transhumanismus, also die Tatsache, dass wir Teile unseres Körpers immer mehr, immer besser mit Technologie ersetzen oder aufrüsten können. Das fängt beim Doping an, geht über Tattoos und diverse andere Bodymods weiter Richtung künstliche Gelenke und schließlich Themen wie upload of consciousness - Das eigene Bewusstsein auf einen Rechner hochzuladen, in ein Netzwerk, um seinen eigenen Tod zu überstehen. Wir sind noch nicht so weit mit der Forschung, aber eben deswegen ist es ja Science Fiction. Johnny Depp hat in Transcendence (2014) einen Wissenschaftler gespielt, der angesichts einer tödlichen Krankheit sein Bewusstsein "online bringt". Den Film kann man gut oder schlecht finden, er gibt auf jeden Fall einige Denkanstöße.

Überhaupt ist mir aufgefallen, dass ich den Schülern in diesem Korridorthema viele Filmtipps geben kann. Das ist nicht weiter überraschend, da SciFi eines meiner Lieblingsgenres ist. Und klar wurde im Schulbuch heute auch auf den Film Matrix (1999) verwiesen. Sind alles interessante Ideen, allerdings stehen bei diesen Filmen irgendwann die üblichen Actionsequenzen und shootouts an und man driftet etwas ab vom Ideenanregen. Die besten SciFi-Filme beschäftigen sich vollumfänglich mit Ideen. Dazu gehört auch der Film, den ich zur Zeit mit meinen Schülern schaue - Ex Machina (2014).

Hier geht es um einen hochintelligenten Mann, der eine künstliche Intelligenz (KI) entwickelt hat. Er nennt sie "Ava", und bis zum Zeitpunkt des Films hat noch kein Mensch außer ihm Ava gesehen. Der Film dreht sich um einen Mitarbeiter, Caleb, der als erster "Externer" mit Ava in Kontakt treten soll (quasi Turing-Test). Nachdem Caleb schon einmal durch die Ausmaße der Forschungseinrichtung eingeschüchtert ist, kommt er schließlich in eine kleine Kammer mit Glaswänden, an drei Seiten umringt von einem großen "Wohnzimmer" - Avas Funktionsbereich.

Und dann tritt Ava auf. Schaut sich Caleb an, vorsichtig, neugierig. "Hello." ist ihr erstes Wort in der Szene, und dann traut Caleb sich, aus der Einschüchterung auszubrechen und beginnt ein Gespräch mit Ava, in dem sie unter Anderem fragt, ob sie Calebs Freund werden kann.

Im Klassenraum ist es mucksmäuschenstill: Die Schüler befinden sich vollkommen in Calebs Position - sprachlos, neugierig. Sie sind ebenso gespannt wie er, zu sehen, was dann passiert. Und das ist eine wunderbare Ausgangslage für weiterführende Arbeit an dem Film im Unterricht, denn die Schüler sind wirklich interessiert. Wir haben heute nur etwa eine halbe Stunde gesehen, und ich bekomme zu hören, dass wir den hoffentlich bald weiterschauen, weil es wirklich aufregend ist. Anregend. Inspirierend. Und ich gebe ihnen eine Hausaufgabe: "Ava has a right to be freed from this place / capitivity. Comment on this statement." Und eine Rückmeldung dazu fand ich besonders gut - "Das ist das erste Mal, dass ich eine Textproduktion wirklich machen will und nicht muss."

Großartig. Ich weiß nicht, warum ich den Film nicht schon beim ersten Ansehen in meinen Schulkanon aufgenommen habe. Und die Spezialeffekte sind wirklich genial (dafür gab es dann auch einen Academy Award), aber im Mittelpunkt stehen all' diese Gedankenzüge, die durch den Film in Gang gesetzt werden.

Ich bin fasziniert.