Freitag, 21. Dezember 2018

Klaatu Barada Nikto

Deprimierend, dass ausgerechnet der Roboter friedlich ist und die Menschen sich gegenseitig an den Hals gehen...

Ich finde es faszinierend, wie viele Menschen die Wendung Klaatu Barada Nikto kennen, und zwar aus unterschiedlichsten Quellen. Ich habe sie damals zuerst gehört im Videospiel Lost Vikings 2, vor vielen Jahren. Dann habe ich mir vor nicht allzu langer Zeit endlich die Evil Dead-Filme angeschaut, und im dritten Teil musste Ash Williams das Ganze als Zauberformel aufsagen - was er natürlich versaut hat, weil ihm der letzte Begriff entfallen ist. Necktie? Noodle? Und genau diese Versprecher haben es dann in das Videospiel geschafft.

Heute habe ich endlich mal den Ursprung kennengelernt, indem ich The Day The Earth Stood Still (1951, das Remake von 2008 soll bei Weitem nicht so gut sein) angeschaut habe. Science Fiction, allerdings geht es um ein zutiefst menschliches Thema. In der Antike gab es da den Spruch homo homini lupus, und wenn ich noch Latein unterrichtete, wüsste ich vielleicht sogar, was das heißt. Ich habe mich beim Ansehen des Films ein bisschen dafür geschämt, ein Mensch zu sein: Rücksichtslos, auf Unbekanntes immer mit Argwohn zugehen und Gewalt als einzige Sprache, die jeder versteht. Dass sich daran auch bis heute nichts geändert hat, zeigt der Film Arrival (2016).

Ich fand es allerdings gut, dass der Film nicht zu didaktisierend wirkt. Ich überlege glatt, den in meinen Schulkanon aufzunehmen. Warum ist es so, dass wir Menschen auf Unbekanntes immer misstrauisch zugehen? Dass wir alles Unbekannte gleich als Gefahr sehen? Ist das immer noch das Verhalten der Jäger und Sammler damals? Ich wünschte, man könnte das ändern. Aber es kann ja jeder nur bei sich selbst anfangen.

Wie passend, dass James Mattis aus Trumps Kreis ausgestiegen ist, seinen Kündigungsbrief werde ich in meine Schulmaterialien aufnehmen. Er beklagt sich darin auf äußerst höfliche Art über Trumps Isolationspolitik. Ich glaube, Trump hat den Film nicht gesehen. Und ich bezweifele, dass er sich diese Worte würde merken können. Klaatu Barada Nikto.

Und irgendwann wird es friedlich sein...

Donnerstag, 20. Dezember 2018

Wo sitze ich?

Mitte? Bloß nicht!

Mein sechstes Lehrerzimmer, meine sechste Suche nach einem Sitzplatz in der neuen Schule. Zum sechsten Mal frage ich "Habt ihr hier eine bestimmte Sitzordnung?", zum sechsten Mal bekomme ich die Antwort "Nein, wir machen das hier ganz locker, setz' dich einfach irgendwo hin." und zum sechsten Mal realisiere ich während der ersten Schulwochen, dass es eben doch eine Sitzordnung gibt, zwar nicht verbindlich, aber jeder Kollege scheint seinen Lieblingsplatz zu haben. Und damit beginnt der Terror für diesen Hochbegabten - denn ich mag mich auf gar keinen Stuhl setzen, aus Angst, dass ich ihn jemandem wegnehme. Deswegen suche ich mir anfangs meistens einen Sitzplatz irgendwo am Rand.

"Vielleicht würde es deiner Eingliederung in's Kollegium weiterhelfen, wenn du dich mit zu uns rübersetzt, einfach in die Mitte. Denn wenn du da hinten sitzt, dann entsteht bei den anderen ja erst recht der Eindruck, dass du dich abkapseln willst. Und da hinten bekommst du ja auch nichts mit - wenn wir zum Beispiel über eine Klasse reden. Ich glaube, es wäre wirklich gut, wenn du dich hierhin setzt."

Das hatte ich vor fünf Jahren in St.Peter-Ording, am damaligen Regionalschulteil (das waren noch weniger Kollegen als jetzt, etwa um die vierzehn, jetzt sind wir etwas über zwanzig, aber es sind selten alle Lehrkräfte im Raum), und jüngst wieder an der Berufsschule. Das war wirklich sehr nett gemeint - aber einer dieser Fälle, in denen ich freundlich lächele und gar nichts mehr sage. Weil ich parallel überlege, ob ich folgende Antwort bringen soll:

"Ich finde es nett, dass du dir Sorgen um mich machst, und ich habe dich ja auch um Hilfestellungen gebeten, es gibt hier so viel, in das ich mich erst einarbeiten muss. Aber in dieser Sache hilft es vielleicht, meine Kameraperspektive derselben Situation - DrH kapselt sich ab - zu schildern. Ich brauche nämlich einen Sitzplatz, von dem aus ich das gesamte Lehrerzimmer im Blick haben kann. Ich werde sehr unruhig, wenn hinter meinem Rücken etwas stattfindet. Ich bekomme dann Angst, dass ich etwas verpassen könnte (aus ebendiesem Grund habe ich eine Ein-Zimmer-Wohnung Släsch Loft); es ist nämlich genau andersherum: Als HSP bekomme ich alles mit, was in meinem Blickfeld ist, und ich höre jedes einzelne Gespräch im Raum. Auch wenn ich nebenbei Rätsel löse - ich bekomme das alles mit. Und wenn ich ein Gespräch höre, das ich nicht zuordnen kann, weil es zum Beispiel hinter mir stattfindet, bekomme ich Angst. Hier, auf diesem Sitzplatz ganz am Rand, fühle ich mich sicher. Ich kann alle beobachten, ich kann allen zuhören, und wenn ich merke, dass irgendwo ein "relevantes" Gespräch stattfindet, kann ich mich von hinten dazuschalten (wenn es gerade keine andere Unterhaltung stören würde). Darüber hinaus fühle ich mich ruhiger und sicherer, wenn ich einen festen Platz haben kann. Da weiß ich, dass ich niemandem den Sitz wegnehme, und die Autisten und Asperger wissen, wie wichtig Sicherheit und Verlässlichkeit sind."

Überlege ich also... und halte dann doch wieder meinen Mund, weil ich niemanden mit meinen Problemen nerven will, und die Erklärung ist eh' viel zu umständlich.

Wie war das noch mit der Offenheit?

Mittwoch, 19. Dezember 2018

1 auf dem Silbertablett

Physische Anwesenheit allein reicht nicht aus.

Ich hasse das pädagogische Zähneziehen. Ist aber nötig, wenn folgender Schülertyp mir begegnet:

"Klaus" ist der Meinung, es reicht zum Erlangen der Allgemeinen Hochschulreife, wenn er fünf Unterrichtsstunden je Woche anwesend ist. Vor- und Nachbereitung der Stunden ist nicht nötig. Hausaufgaben, in denen es um's Lernen geht, macht er nicht, denn es reicht ja, wenn man am Wochenende vor der Klausur lernt. Dementsprechend sind Unterrichtsinhalte in nachfolgenden Stunden nicht abrufbar, sondern nur vorlesbar.

Klaus nimmt den Unterricht insgesamt nicht so ernst. Berufsschule, ist ja alles irgendwie ein Selbstläufer. Hausaufgaben abgeben, damit der Lehrer mal drüberschaut, ist auch nicht so sein Ding. Das wird schon alles irgendwie klappen, wenn er im Unterricht immer gut zuhört. Wenn er zuhört. Denn er lässt sich sehr gern ablenken, albert dann mit Mitschülern herum, die es sich definitiv nicht leisten können, abgelenkt zu werden.

In der Klausur dann gibt es Probleme, wenn Klaus die Aufgabenstellung nicht schon einmal vorher im genauen Wortlaut erlebt hat. Selbst denken, was mit der Aufgabenstellung gemeint ist? Ne, lass' mal. "Selber denken macht fett", hat Herr Kries immer gesagt. Und nach der Klausur wird es erst richtig interessant, denn dann kommt Klaus und beschwert sich, dass man das alles gar nicht schaffen konnte. Dann kommen Sätze wie "Vielleicht wäre es gut gewesen, wenn wir das mal im Unterricht geübt hätten", und dann habe ich zum Glück Buddha bei mir.

Sonst würde ich platzen, würde Klaus intensiv zusammenfalten, ihm sein Unterrichtsverhalten vor Augen führen, ich würde ihm erklären, dass Hör- und Leseverstehensaufgaben zu den grundlegenden Kompetenzen gehören, festgelegt in den Bildungsstandards, und dass ein Schüler durch den Erwerb des Mittleren Bildungsabschlusses nachweist, dass er diese Kompetenzen erworben hat.

Und bis auf das Platzen mache ich das auch. Ich erkläre ihm, dass Schule Vor- und Nachbereitung braucht, und dass er an einer Hochschule genau damit konfrontiert werden wird. Ich erkläre ihm, was das bedeutet, Verantwortung für den eigenen Lernprozess zu übernehmen. Dass er nämlich selbst seinen Erfolg in der Hand hat, denn aus dem Alter der Orientierungsstufe, in der viele Lehrkräfte den Lernenden alles hinterhertragen, ist er mittlerweile hinaus.

Hoffentlich sieht er es ein, und erwartet von mir nicht die 1 auf dem Silbertablett ohne eigenen Einsatz, und fängt dann direkt an, Gründe für sein schlechtes Abschneiden überall zu suchen, nur nicht bei sich selbst. Mal schauen. Das ist mein erstes Jahr an einer Berufsschule, und vielleicht finde ich für die Zukunft noch gute Kniffe.

post scriptum: Ich habe mir heute "Los Cronocrimenes" (Timecrimes, 2007) angeschaut, und ich stelle fest, dass ich Filme liebe, die sich mit Zeitreisen und den damit verbundenen Paradoxa auseinandersetzen. Das kitzelt mein Gehirn, das ist ein echter Genuss, und deswegen habe ich auch "Predestination", "Looper" und "Back To The Future II" geliebt. Und ich freue mich jetzt schon drauf, mir endlich einmal "Primer" anzuschauen - ist leider nicht bei Amazon prime verfügbar, kommt aber sicher noch.

Sonntag, 16. Dezember 2018

Dönerteller Versace

Von ​German-speaking Benutzer Wollschaf, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=180122

Von dem Döner ist nichts mehr übrig, verspachtelt, und ich fühle mich wie ein schlachtreifes Mutterschwein. Das war nicht immer so. Also, zum einen war ich nicht immer so platzfett wie jetzt, und zum anderen hätte ich mir nicht immer einen Döner geholt. Denn früher war ich in dieser Hinsicht sehr meinem "Hochbegabter steht sich selbst im Weg"-Prinzip treu. Wenn mich jemand gefragt hat, ob wir einen Döner essen gehen wollen, habe ich ziemlich schnell und selbstsicher geantwortet, dass ich keinen Döner mag. War ja auch so - mochte ich noch nie; früher mochte ich noch nicht einmal Fleisch.

Dachte ich. Ohne das je probiert zu haben, ich konnte nicht einmal genau sagen, was überhaupt ein Döner ist. Ich wollte das nur einfach nicht probieren - könnte ja sein, dass ich es wirklich nicht mag. Oder noch schlimmer: Dass ich es eben doch mag. Denn in jener Phase war der Döner in Deutschland auf einem Vormarsch, jeder aß Döner, ein riesiger Trend. Damit stand für mich fest, dass ich das auf gar keinen Fall essen wollte, denn ich war immer gegen Dinge, die gerade in sind. Ein Gemisch aus Voreingenommenheit, Vorverurteilungen und einfach völlig falscher Vorstellungen davon, was ein Döner ist.

Ich glaube, viele von uns kennen das. Vielleicht irgendwie menschlich, so wie unser human placement, um das es gestern ging? Ich bin mittlerweile immerhin ein winzig kleines bisschen offener geworden, Neues auch einmal auszuprobieren. Und ich hoffe, dass ich das nicht mit den Jahren wieder aufgebe; Die Tante hat mir vorgelebt, offen für Veränderungen zu sein.

Let's go!

post scriptum: Wer den Titel nicht versteht - es handelt sich hierbei um eine (zugegeben schlechte) Verballhornung des Namens "Donatella Versace".

Samstag, 15. Dezember 2018

Schauspieler

Wieder einmal Psychologie...

Heute geht es mir um die Art und Weise, wie wir oft mit unseren Mitmenschen umgehen.

Wir machen uns eine Vorstellung davon, wie unser Leben aussehen soll. Wir überlegen uns, ob wir eine Familie gründen wollen, welchen Job wir haben wollen, wie unsere Wohnung wohl aussehen sollte. Die Transaktionsanalyse nennt diese Vorstellung Lebensskript, aber zu diesem Skript gehört noch viel mehr dazu als nur Kulissen für unser Leben. In dem Skript stehen auch Verhaltensweisen - wie wir unsere Mitmenschen behandeln wollen, welche Gesetze wir einhalten wollen, welche wir brechen wollen. Das tun wir nun einmal, nicht wahr, liebe Raser?

Wir machen uns ein Bild von uns selbst: Wie stelle ich mir mich selbst vor? Welche Ansichten habe ich, welche moralischen Werte, welchen Glauben? Das Lebensskript ist fast wie ein Drehbuch für einen Film, es stehen Charaktereigenschaften drin, nicht nur mich betreffend, sondern auch für die Menschen, mit denen ich zu tun haben werde.

Denn meistens haben wir ja Mitmenschen als Teil unseres Lebens. Und so fülle ich mein Lebensskript / Drehbuch mit Rollen: Ich habe eine Freundin, mit der ich extrem albern sein kann, und ich habe eine Freundin, die mich auf den Erdboden zurückholt - ach warte mal, die Rollen sind schon besetzt. Gibt es freie Rollen? Tatsächlich: Es gibt da einen Mann, mit dem ich befreundet sein kann, einen, der das mit der sexuellen Orientierung nicht so genau nimmt. Und er sollte irgendwie auch alles mitmachen, was ich vorschlage. Am besten widerspricht er mir auch nicht so viel, denn dafür habe ich ja schon die Freundinnen.

Wer diesen Blog länger verfolgt hat, wird natürlich wissen, dass das eine Rolle ist, die Er eingenommen hat. Er hat da perfekt hineingepasst, klasse, nun ist auch diese Rolle besetzt. Und so entwickelt sich mein Drehbuch ganz nach meiner Regie. Planbar, übersichtlich.

Sagt mal, Dr Hilarius, hackt es?! Glaubst Du ernsthaft, dass Du Menschen in Dein Leben lassen kannst, und dass diese sich dann auch bitteschön immer nach Deinen Vorstellungen richten - und wenn sie das vielleicht mal nicht tun, dann schaust Du dich halt um, ob Du eine neue Besetzung für die Rolle findest? So funktioniert es nicht. Du kannst nicht von Menschen erwarten, Schauspieler in Deinem Drehbuch des Lebens zu sein, über das Du durchgehend Kontrolle ausübst! Denn Menschen haben ihren eigenen Kopf, und es wird nie so sein, dass jemand vollkommen authentisch ist und gleichzeitig hundertprozentig Deine geplante Rolle erfüllt. Das wird nie klappen!

Und trotzdem ist das etwas, was wir immer wieder machen. Nicht nur ich. Wir legen in unserem Leben für unsere Mitmenschen Rollen an, quasi festgelegt ohne Improvisationsspielraum, und sind enttäuscht, wenn diese Schauspieler sich dann nicht an die Vorgaben halten. Damit machen wir uns und unseren Mitmenschen das Leben schwer, denn dann ist es kein echt gelebtes Leben mehr.

Warum schreibe ich hier darüber? Charlie Kaufmans Synecdoche, New York (2008) beschäftigt mich seit dem Ansehen vor einigen Tagen noch immer, denn der Film stellt genau diesen Sachverhalt verständlich dar. Philip Seymor Hoffman spielt einen Theaterregisseur, der einen hoch dotierten Preis erhält und mit dem Geld ein Mammutprojekt startet: Ein Theaterstück über das Leben an sich. Dazu baut er in einer gewaltigen Halle eine Stadt nach und bevölkert sie mit Charakteren - natürlich auch mit jemandem, der ihn selbst spielt und so weiter.

Im Lauf des Films verschwimmt die Grenze zwischen Theaterstück und realem Leben immer weiter (siebzehn Jahre lang proben sie ohne Publikum), und es wird uns deutlich, dass es genau das ist, was wir immer wieder tun. Das Festlegen von Rollen, in die wir dann unsere Freunde, Familie und Mitmenschen hineindrängen.

Der Film ist wirklich toll, literarisch wertvoll, und hat mich in's Nachdenken gebracht. Und dann realisiere ich, dass Er von mir in eine Rolle gedrängt wurde, die aber nicht seinem realen Ich entspricht. Und ich schäme mich fast ein bisschen dafür, dass mir das alles immer so einleuchtend erschien damals. Es muss andersherum gehen: Er sollte von sich aus in mein Leben kommen, und ich habe ihn dann nicht als Rolle im Stück, sondern als die reale Person, die Er nun mal ist. So ist es damals nicht gelaufen und die Zeit wird zeigen müssen, ob dieses zwischenmenschliche Verhältnis aus den Schuhen der Theaterrollen hinaus springen kann und das Leben so lebt, wie es wirklich ist.

Freitag, 14. Dezember 2018

UFO über Plön


Theoretisch könnte das heute ein Beitrag über Hochbegabte werden, aber ich wette, jede "stinknormale" HSP kann das nachvollziehen. Und eigentlich überhaupt jeder Autofahrer.

Denn es geht um das Autofahren. Das ist ein Teil meines Lebens geworden, spätestens seit meiner Anstellung an der Nordseeschule in St.Peter-Ording. Jeden Morgen ging es ganz früh los, Tasche in den Kofferraum geworfen - bzw. damals noch auf den Beifahrersitz, der jetzt mit meinem MusicMan besetzt ist - je nach Jahreszeit erstmal die nötigen Einstellungen gegen die Kälte treffen, und los ging es.

Ich finde es toll, eine Fahrstrecke zu meinem Arbeitsplatz zu haben. Ich habe gemerkt, dass die perfekte Fahrzeit so um die dreißig Minuten liegt, eher ein bisschen mehr. Ich nutze diese Zeit, um nach dem drömeligen Aufstehen klarer im Kopf zu werden, was im Winter durch die Kälte besonders gut klappt. Ich gehe meinen geplanten Unterricht im Kopf durch, ich habe genug Zeit, um meinen Schultag nochmal durchzuüben. So steige ich nun in Plön aus meinem Auto aus und fühle mich bereit für die Schule, für die Kollegen, für meine Schüler. So fällt es mir viel leichter, das Lächeln aufzusetzen, für den Gang durch die Schulflure (auch wenn manchen diese scheiß Fröhlichkeit auf den Geist gehen kann, und damit meine ich diesmal ausnahmsweise nicht die Sannitanic).

Und nach dem Unterricht? Wunderbar, das ist quasi eine Mini-Meditation, ich fahre zurück und kann alles, was ich am Vormittag erlebt habe, noch einmal durchgehen, verarbeiten, auswerten. "Aber du musst doch auf die Straße achten!" Ist richtig, aber das klappt. Das Erlebte fährt sozusagen als Film im Hintergrund in meinem Kopf mit. Geht gar nicht anders: Ich kann nicht nicht denken. Und auf diese Weise habe ich die abendliche Meditation schon einmal vorentlastet (witzig, bevor ich in's Referendariat gegangen bin, hatte ich noch die den Ausdruck Vorentlastung gehört, und nun kann ich ihn mir nicht mehr wegdenken. Das ist fast wie Die Schüler da abholen, wo sie stehen).

In der SPO-Phase hatte ich meistens das Radio an, wenn ich im Auto unterwegs war. DrH war ein treuer R.SH-Hörer, und das hatte zwei Vorteile: Zum einen wurde ich mit Mainstream-Musik versorgt. Das war hilfreich, um bei den Schülern mal ein bisschen mitreden zu können, denn das ist gar nicht so leicht, wenn man fast nur noch Downtempo hört. Zum anderen war es toll, von den Sprechern begrüßt zu werden. Die Stimmen wurden mir schnell vertraut, der Humor auch, und auch die Zeiten der einzelnen Radioprogramme hatte ich schnell im Kopf. Wenn ich in's Auto gestiegen bin und das Radio eingeschaltet habe, hat es sich angefühlt, als würde ich gute Freunde neben mir in der Karre haben - als wäre ich ein Teil ihrer Gesprächsrunde, und das hat sich toll angefühlt. Das hat alles zur Entspannung beigetragen. Aber warum ist mir Entspannung bei der Autofahrt so wichtig?

Ich bin in diesem Schuljahr immer erst zur dritten Stunde in der Schule. So kann ich etwas länger schlafen, und wenn ich auf die B-Sechsundsiebzig einbiege (eine Straße, die bald ihren eigenen Eintrag verdient, und zwar etwas ausführlicher als meine damalige Raserei), ist es bereits hell draußen und der Berufsverkehr hat seine Hauptzeit beendet. Herrlich entspannend, das kenne ich irgendwie so gar nicht. Es geht nämlich auch unentspannt - zum Beispiel, wenn es so läuft, wie in dieser Woche.

Haufenweise Stundenplanänderungen - was angesichts der Jahreszeit nicht verwundert - verlangen, dass ich zur ersten Stunde in Plön sein soll. Kein Problem, Wecker früher gestellt, Tagesrhythmus lässt sich allerdings nicht so schnell umstellen, und so steige ich noch recht dösig in's Auto. Draußen alles dunkel. Schwarz. Sonne? Nosirree! Und auf einmal ist der Blick durch die Windschutzscheibe völlig anders. Etwas, das ich lange nicht mehr gesehen habe: Es ist stockfinster, und die Straße ist nicht gerade hell beleuchtet, wenn man Schwentinental erst einmal verlassen hat. Hinzu kommt, dass jetzt der Berufsverkehr auf vollen Touren trötet: Unzählige Pendler fahren nach Kiel zu ihrer Arbeit, fast pausenlos blicke ich ihre Frontscheinwerfer an, ein Auto nach dem anderen. Draußen alles schwarz, nur die Scheinwerfer knallen mir entgegen.

Und wenn man dann halt ein bisschen HSP mit sich trägt, dann ist das verdammt anstrengend für die Augen. Den Rückspiegel habe ich bereits umgeklappt, damit es von dort nicht auch noch blendet, aber das Dauerfeuer der entgegenkommenden Lampen verunsichert mich, und ich kann in der Dunkelheit leider nicht ein einziges dieser Lichter aus meiner Wahrnehmung ausblenden. Die Nacht wirkt noch schwärzer als sowieso schon, ich sehe außer den Frontlampen der Autos nichts mehr. Mit Müh' und Not noch die Straßenmarkierun... ach ne, ist ja die B-Sechsundsiebzig, da sind Fahrbahnmarkierungen ein echter Luxus.

Und dann kommt ein Anblick, der mich vollkommen verwirrt, und ich überlege fast, an die Bushaltestelle zu fahren und kurz zu pausieren. Für eine Weile kommen mir gerade keine Autos mehr entgegen, es ist also alles schwarz draußen, wohin ich nur sehe. Nur ein leuchtendes Objekt schwebt höher, als es das eigentlich sollte. Wie kann das sein? Alles schwarz, nur ein beleuchtetes UFO so weit oben? Habe ich irgendeine Abfahrt verpasst und fahre gerade in die Twilight Zone?

Nein, natürlich nicht. Es ist das Schloss Plön, das im Dunklen immer beleuchtet wird. Es steht hoch auf einem Hügel; kombiniert mit dem Umstand, dass man gerade in weiter Entfernung bergab fährt, wenn man es sieht, wirkt es für einen kurzen Moment tatsächlich wie ein UFO. Seit Dienstag bekomme ich das Bild nicht mehr aus meinem Kopf, und irgendwie muss ich mir immer vorstellen, dass da tatsächlich ein UFO über dem Gymnasium Schloss Plön schwebt und Außerirdische die Schulleiterin Anne Paulsen entführen wollen. Ich habe keine Ahnung, wie ich auf diese Idee (bzw. gerade diese Person) komme. Aber es ist ein echtes Erlebnis, das UFO über Plön morgens im Dunklen zu erleben.

post scriptum: Ich HASSE Menschen in der Weihnachtszeit. Wie sie den Weihnachtsmarkt überfluten und ich nicht mehr durch die Nase atmen kann wegen der unzähligen, viel zu intensiven Gerüche. Wie sie zu zweit den halben Sophienhof blockieren, so dass man nicht mehr vorbeikommt, und im Schneckentempo wandern, ohne Vorwarnung stehenbleiben und plötzlich wirklich den gesamten Weg blockieren. Wie sie tonnenweise Sachen einkaufen müssen, denn nach Weihnachten wird es nie wieder was geben, und deswegen Kassenmarathonwarten angesagt ist. Wie sie nur auf sich bedacht sind, oder vielleicht noch auf die Stimmen in ihren Kopf a.k.a. Handy, auf das sie ununterbrochen schauen, während sie in mich hineinrennen, usw...

Donnerstag, 13. Dezember 2018

Manchmal ist Glück...

Anders.


Manchmal ist Glück ein Mensch, der Dich spüren lässt, dass Du OK bist.

post scriptum: Ich habe heute "The Jungle Book" (2016) gesehen, das ist Disneys "Real"verfilmung der Geschichte von Rudyard Kipling. Mir ist dabei bewusst geworden, dass ich den Film noch nie gesehen hatte, auch keine der anderen Verfilmungen, und auch das Buch nie gelesen hatte, aber trotzdem die Namen "Shere Khan", "King Louie", "Baloo the Bear" und noch weitere kannte, als wäre ich bestens mit ihnen vertraut. Liegt zum einen daran, wie weit verbreitet das Dschungelbuch ist - und ich finde, es ist ein schöner Kinderfilm, die heutige Version ist atemberaubend; toll, was mit der heutigen Technik alles möglich ist. Zum anderen liegt es an einer Animationsserie, die ich in meiner Kindheit und Jugend geliebt habe, "TaleSpin", ebenfalls von Disney, die ein paar Charaktere aus dem Dschungelbuch zu ihren Protagonisten gemacht hat. In Deutschland hieß das Ganze damals "Käpt'n Balu und seine tollkühne Crew", und ich bin froh, dass ich die Serie in meiner Videothek habe.