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Freitag, 30. April 2021

Der Mörder schlägt wieder zu!

Erbsechore, das neueste Opfer des gestörten Mörders

E - Eine Stadt sucht einen Erbsenmörder

Kiel, 30.04.2021

Es ist noch gar nicht lang her, da hat der bekannte Serienmörder Dr Hilarius wieder einmal zugeschlagen und einem Lebewesen in der Blüte seiner Zeit das Leben genommen. Hilarius, in bestimmten Kreisen auch bekannt als Der schwarze Daumen (nicht zu verwechseln mit Buba La Tättah a.k.a. Der braune Daumen), wurde als Verantwortlicher hinter dem Attentat auf Chuck die Pflanze ermittelt. Damals ist der Mörder besonders brutal vorgegangen und hat sein Opfer zerstückelt, nachdem er es hat verdursten lassen, und es gibt Gerüchte, dass er mit den Leichenteilen seine Wohnung schmücken soll. 

Wir müssen etwas tun gegen diesen kranken Geist, denn es geht das neueste Gerücht um: Dr Hilarius soll sich wieder eines Opfers bemächtigt haben, diesmal noch im Kindesalter! Wird dieser Wahnsinn nie ein Ende nehmen? Wie kann ein Mensch nur ein Kind entführen? Und wir alle fragen uns, ob er sein Opfer sofort ermorden wird, oder ob er es vorher noch Tage und Monate beobachten wird, wie er es bei CdP getan hat.

Wir bitten Sie um Mithilfe: Wenn Sie eine junge Dame namens Erbsechore finden, kontaktieren Sie sofort die Polizei und einen Notgärtner, das junge Mädchen braucht dringend agrikulturelle Unterstützung, denn wir wissen, dass Dr Hilarius es früher oder später ermorden wird. Die Frage ist nur, ob wir ihn vorher erwischen können - oder ob er uns weiter Fotos seiner Tat schicken wird; das obige Foto hat uns gestern erreicht und zeigt Erbsechore (scheinbar eine Anspielung auf die antike Muse Terpsichore), wie sie scheinbar unversehrt in der Wohnung des Killers steht. 

Bitte helfen Sie uns!

post scriptum: Wer die Anspielung in der Schlagzeile versteht, darf sie behalten und stolz sein, einen der "greatest movies of all time" zu kennen - wenn man Kritikern glauben darf.

paulo post scriptum: Ich habe endlich wieder ein schönes, entspannendes Rätselspiel für die Playstation gefunden (The Sojourn) - wo man einfach durch eine fantasievolle Welt geht, begleitet von Ambient-Musik, und teils sehr verzwickte Aufgaben löst. Einfach nur dasitzen, sich umschauen, die Musik genießen, während das Gehirn meditativ über das Leben und die Lösung der Aufgabe nachdenkt. Großartig.

Donnerstag, 1. April 2021

Das Vermächtnis

Balinesische Lampe v2.0

Wie nett. Der Titel dieses Beitrags klingt wie einer meiner früheren Cluedo-Fälle, reiht sich wunderbar ein in Diamantenjagd, Mörderparty oder Das alte Wissen. Und in der Tat ist auch wieder jemand gestorben. Ich habe gelernt, dass es keine gute Idee ist, lebende Pflanzen im Bad zu halten. Sie sind idealer Nährboden für Pilze und können leicht krank werden. Chuck die Pflanze hat den Aufenthalt im Badreich nicht überlebt.

Und wie es irgendwie immer so ist, nehme ich aus einer Niederlage etwas mit, Lehre und in diesem Fall Dekoration. CdP war eingetrocknet, und ich wollte ihn nicht einfach in die Tonne kloppen - also habe ich die Palmwedel abgeknipst und damit meine Bali-Lampe im Schlafbereich aufgemotzt. Das passt wirklich ganz toll zusammen, und ich bin stolz, dass CdP durch sein Vermächtnis noch immer ein Teil meines Lebens ist.

Erinnert mich an eine Rose, die ich damals in der Oberstufe von Frau Jacobsen bekommen hatte; wir hatten sie an meiner Zimmerdecke aufgehängt, sie ist eingetrocknet und wir haben sie einfach dort hängen lassen, jahrelang. Trockenpflanzen können echt toll sein!

Samstag, 5. September 2020

Das Leben geht seinen Weg

Vertrocknete Blätter bleiben, wo sie sind.

Worüber schreibe ich denn heute mal? Darüber, dass ich vollkommen von der Kieler Woche überrascht worden bin? Dass ich das nur anhand der kleinen Fahnen auf den Bussen bemerkt habe? Dass ich letzte Nacht zufällig über einen beeindruckenden, sehr verstörenden Film über Kindesmissbrauch gestolpert bin, der mich noch nicht loslässt? Dass jetzt gerade vor dem offenen Fenster eine Krähe kräht?

Nein, nur ganz kurz über Melisse Etheridge. Sie hat das Bad für sich erobert, ist so stark gewuchert, könnte man sagen, dass sie Chuck der Pflanze das ganze Tageslicht genommen hat, mit ihren Blättern am Fenster. Deswegen wurde CdP jetzt erstmal in die Wohnung ausquartiert. Und meine Mutter hatte mir empfohlen, den Melissenwald ein wenig zurückzuschneiden, damit die Pflanze neu ausschlagen kann. Recht hat sie, aber genau das habe ich bisher nicht gemacht.

Ich habe ME einfach auf der Fensterbank wachsen lassen. Ich habe sie versorgt (die irre Tante säuft wie ein Loch!), und sie ist von kleinen Saatkörnern zu einem Biotop mutiert (ist es nicht toll, dass man jetzt mit Altgriechisch erklären kann, dass ein Biotop ein "Ort für das Leben" ist? Ich bereue mein Studium kein bisschen, auch wenn ich de facto kein Latein mehr unterrichte). Die Fensterfront lebt noch, aber einige der dem Bad zugewandten "Bäume" sind abgestorben, weil sie kein Sonnenlicht mehr bekommen. 

Ich finde das total faszinierend, weil ich jetzt mal live und in Farbe erleben kann, wie das Leben seinen Weg findet und geht. Würde ich die abgestorbenen Pflanzenteile abschneiden, wollte ich womöglich eine Perfektion erreichen - damit die Pflanze gut aussieht. 

Muss aber nicht perfekt sein. Ich finde natürlich an dieser Stelle irgendwie schöner. 

Dienstag, 4. August 2020

Der Melissenwald


Mein Badreich ist um eine Zone reicher geworden: Nachdem ich Melisse Etheridge in den Pflanzkasten umgesetzt hatte, hat sie dort tatsächlich Fuß gefasst, ihre Wurzeln noch weiter ausgebreitet und ist in die Höhe und Breite geschossen - so sehr, dass deutlich weniger Tageslicht in's Bad kommt. Das passt mir aber ganz gut, denn ich habe ja das blaue Stimmungslicht, das per Bewegungsmelder eingeschaltet wird, die olle Areté hätte mal wieder ihren Spaß.

Irgendwie ist es ein sehr angenehmes Gefühl, mit der Hand über die vielen großen Melissenblätter zu streichen. Auf ihnen ist eine Vielzahl kleiner Härchen, fast schon flauschig, und wenn man mit ein wenig Druck an ihnen reibt, riechen die Finger frisch nach Zitrone, das ist toll. Ich hätte nicht gedacht, dass diese Pflanze mein Bad derart bereichern würde, und das gibt mir die Motivation, auch noch eine dritte Pflanze dort wachsen zu lassen. Ich habe ein Bild davon im Kopf, jetzt muss ich nur noch die passende Pflanze dafür finden. 

Ich kann nicht erklären, warum, aber dieses Konzept von Natur im Bad finde ich gut passend, die Pflanzen produzieren Sauerstoff, es duftet frisch, jetzt muss ich es nur noch schaffen, regelmäßig zu gießen, denn Melisse säuft wie ein Loch; ich hätte nicht gedacht, dass sie zu einer Wasserholikerin wird. Immerhin hat sie sich mit Chuck die Pflanze gut angefreundet, so darf das gern weitergehen!

Mittwoch, 8. Juli 2020

Flora im Badreich

Natur im Bad - gefällt mir.

Ich glaube, es war eine gute Entscheidung, Melisse Etheridge zu Chuck die Pflanze in's Bad zu stellen und ihr einen vernünftigen Pflanzkasten zu besorgen. Aus irgendeinem Grund finde ich den Gedanken schön, im Bad Pflanzen zu haben. Ein dritter neuer Mitbewohner ist bereits geplant, aber dazu muss ich schauen, ob es eine Pflanze gibt, die die verschiedenen Kriterien erfüllt. Jedenfalls fühlt sich das gut an!

Samstag, 27. Juni 2020

Melisse Etheridge

Melisse Etheridge, und links im Bild Troilus und Kresse? Da!

Es ist mal wieder Zeit für schlechte Wortspiele. Auf der Fensterbank an der Küchenzeile hatte ich mir mit den praktischen Anpflanzsets von IKEA Küchenkräuter herangezüchtet, und die Zitronenmelisse ist gerade mit der reichlichen Sonnenbestrahlung der letzten Wochen und ein wenig Dünger in die Höhe geschossen; so sehr, dass ich sie endlich von ihrem Plastikgefängnis befreien wollte.

Also habe ich sie zu Chuck die Pflanze in's Bad befördert, wo sie einen frischen Duft verbreiten und Sauerstoff produzieren kann, und vielleicht freut sich CdP ja über ein wenig Gesellschaft. Und ich muss zugeben, dieser natürliche Touch in meinem blau angehauchten Bad fühlt sich echt toll an, besonders mit der richtigen Musik und Beleuchtung, eine richtige kleine Entspannungsoase (und wie nennt man dann den Wohnbereich?).

Pflanzen - eine echte Alternative zu Haustieren ;-)

Mittwoch, 6. Mai 2020

Troilus und Kresse? Da!

Ein neuer Mitbewohner

Mit einem ganz grausigen Wortspiel auf die antike Geschichte von Troilus und Cressida (Homer dürfte sich im Grabe herumdrehen, Chaucer und Shakespeare drehen sich mit) beginnt also eine Nachricht nach einer Woche Funkstille; ich muss diese Beiträge endlich wieder in so etwas wie einen geregelten Tagesablauf integrieren, der auch Tiefkühlessen enthält. Oder überhaupt irgendein Essen.

Vielleicht sogar mit selbstgezüchteter Kresse; die erobert mittlerweile mein Küchenfenster, ist am oberen Rahmen angekommen und wird bald durch die Außenwand brechen (wird dann wieder Zeit für einen Katastrophenthriller mit einer dicken Frau auf einer Parkbank, die Sahnetorten mit Kresse einatmet). Dabei esse ich gar keine Kresse, und obwohl ich mir vor einigen Wochen vorgenommen hatte, Kresse für den eigenen Verzehr zu züchten, hatte das Ganze einen völlig anderen Hintergrund.

Ein Haustier.

Ich schaue zur Zeit endlich etwas konsequenter die Serie Mr. Robot, und die Hauptfigur wird als Mensch mit Sozialphobie beschrieben - gleichzeitig realisiert er aber, dass er sich zuhause nicht mehr allein fühlen will. Das war in meinem Kopf erstmal nur sehr schwer vereinbar - gleichzeitig Menschen um jeden Preis meiden zu wollen, sich aber trotzdem schmerzhaft allein zu fühlen. Liegt möglicherweise einfach nur daran, dass ich selbst als Sozialphobiker (oder Schizoider, who knows?) keine Einsamkeit verspüre. Auch kein Alleinsein.

Und wenn dann einmal ein Mensch hier zu Besuch war, brauchte ich immer wieder eine Pause danach, Ruhe von Kontakten jeglicher Art. War nicht leicht für meinen ersten Freund, dass ich nach einem gemeinsamen Abend jedesmal mehrere Tage Abstand brauchte - und ist mir immer noch unangenehm, wenn jemand auf ein Gespräch vorbeikommen möchte, dass ich dann irgendwann nach einer halben Stunde oder so sagen möchte "Okay, können wir bitte Schluss für heute machen, mir reicht's gerade..."; das gilt auch für die große Buba, die ich zwar hochdosiert ertragen kann, auch täglich, aber auch da gilt, dass ich nach zwei oder drei Stunden lieber allein sein möchte.

Hin und wieder habe ich überlegt, ob ich ein Haustier haben möchte, und wenn ja, was ich dann gern hätte. Ich war immer begeistert von der Idee, eine Katze zu haben, aber ich bin allergisch gegen Katzenhaare - und selbst eine Katze ist mir zu pflegeintensiv, ich kann dafür nicht die Verantwortung übernehmen, ich würde die Katze vernachlässigen und es nicht einmal merken. Und sie rempelt mir meine Sachen in der Wohnung um. Also lieber den Nerdklassiker, ein Goldfisch mit dem Namen Sushi im Glas (die Idee ist noch nicht vom Tisch), oder eine Schlange.

Oder eben doch kein Tier, sondern wieder einmal eine Pflanze. Kaum zu glauben, aber Chuck die Pflanze im Bad lebt immer noch, wuchert mittlerweile um die ganze Waschmaschine herum, und auch das achtarmige Monster, das mir damals in den Kronshagener Bergen die Bücherregale umarmt hat, hat es sehr lange mit mir ausgehalten.

Also Kresse. Tausend winzige Samen in diese Anpflanzerde von IKEA, und wochenlang passiert nichts. Kaum Sonnenlicht. Klar, einer der Hauptgründe gegen eine Pflanze war für mich immer, dass ich es in meiner Wohnung gern dunkel habe - aber auf der Küchenbank konnte ich die Pflanze so arrangieren, dass das Rollo davor heruntergezogen werden kann - Dunkelheit in der Wohnung, Sonne für Troilus und Kresse? Da! (TuKD).

Und nach ein paar Wochen ging es dann auch endlich los, und es haben nur drei Samen gekeimt, einer von denen erinnert mittlerweile allerdings an eine Liane im Urwald. Nur weiter so! Und damit es TuKD nicht langweilig wird, habe ich daneben noch so einen Pflanzerdewürfel gestellt, diesmal mit Zitronenmelisse. Die sollte nach zweiundzwanzig bis dreißig Tagen keimen - nach fünf Tagen war bereits alles grün, und ich bin mal gespannt, was daraus wird, und ob mir dafür auch ein völlig unpassender Name einfällt. Ich nehme auch gern Vorschläge an - ich setze sie zwar selten um, aber "große Buba, dicke Tuba" beweist, dass ich auch mal was von meinen Mitmenschen übernehme, also seid kreativ!

Tja... und irgendwie bin ich nun doch ganz froh, Lebewesen in meiner Wohnung zu haben, die nicht allzu anspruchsvoll sind, bei denen sich aber trotzdem "etwas tut". Hätte ich ein Problem damit, wenn sie alle plötzlich verfaulten und ich sie rauswerfen müsste? Wahrscheinlich würde ich das nicht einmal mitbekommen...

Montag, 2. Dezember 2019

CdP v2.0

Mal schauen, ob es funktioniert...

Im Studium hatte ich überhaupt keine Probleme damit, meine Zimmerpflanzen zu versorgen. Irgendwie hat es geklappt, eine von diesen kleinen dreißig Zentimeter-Rankpflanzen auf Ranken über fünf Meter mutieren zu lassen, an einem Regal herunter, am anderen wieder hinauf. Und dann kam irgendwann die Faulheit. Schwarzer Daumen oder so, viele Menschen haben sowas, ich vielleicht auch.

Deswegen war es ja auch ein wenig wagemutig, Chuck die Pflanze für die Wohnung anzuschaffen: Würde sie den Winter im Bad überstehen? Regelmäßig gießen, aber nicht zuviel? Vielleicht etwas Dünger? Wie schnell würde ich das Teil wohl zugrunde richten?

Noch lebt CdP, und das ist auch gut so, und weil ich Panik habe, dass ich mal wieder das Gießen vergesse, habe ich aufgerüstet. Eher per Zufall habe ich diese Bewässerungskegel aus Keramik entdeckt, die die Erde feucht halten sollen. Wenn das klappt, wäre das eine echte Erleichterung für einen Menschen, der regelmäßige Wartungsarbeiten ohne Erinnerungstafel nicht auf die Kette bekommt.

Freitag, 18. Oktober 2019

Therapeutischer Schuhputz

Herbst

Der Herbst ist angekommen, grau, nass, kalt, zwischendurch ein wenig Sonne, und wenngleich ich ein Sommermensch bin, hat die dunkle Jahreszeit auch ihre Vorteile. Man kann sich eine schöne, heimelige Atmosphäre einrichten, die Heizung aufdrehen und sich wohlfühlen. Und einen ganz anderen Vorteil habe ich heute erleben dürfen; ich habe schwarze Lederschuhe und war damit neulich unterwegs, und irgendwie muss ich durch matschiges Terrain gegangen sein, denn die Schuhe waren richtig dreckig. Kaum zuhause, habe ich sie abgewischt und weggestellt.

Dann ist mir allerdings etwas eingefallen, was ich lange vergessen zu haben schien: Im Studium habe ich mit schöner Regelmäßigkeit meine Lederstiefel, Schuhe etc. mit Schuhcreme gepflegt und auf Hochglanz poliert. Die sahen wirklich immer super aus! Und dann habe ich bei'm Nachdenken festgestellt, dass ich zum letzten Mal vor fünf oder sechs Jahren meine Schuhe bearbeitet habe.

Dann kam das Überlegen: Woran könnte das liegen, dass im Studium die Stiefelpflege eine Selbstverständlichkeit war, seit meinem Dienstbeginn aber so gar nicht mehr stattgefunden hat? Die Lehrkräfte unter Euch werden sich sicher denken, dass der Schulstress das in den Hintergrund gerückt hat. Ich glaube nicht, dass es daran liegt, denn ich mache mir mit Schule nicht zuviel Stress - zu irgendwas muss ein schnell denkender Kopf ja gut sein.

Ich könnte mir vorstellen, dass es an der allgemeinen Situation liegt: Als ich noch in den Kronshagener Bergen gewohnt habe, war meine Situation immer abgesichert. Ich hatte immer einen festen Weg unter den Füßen, nämlich mein erstes Staatsexamen zu erreichen, das es nun nicht mehr gibt. Selbst im Referendariat hatte ich einen sicheren Weg und musste mir darüber keine Gedanken machen. Ich konnte mich auf andere Sachen konzentrieren.

Seitdem ich nun aber von einer Schule und einer Arbeitslosigkeit zur nächsten tingele, fällt es mir nicht mehr so leicht, mein Leben in den Griff zu bekommen. Dieser Umstand, dass ich nicht weiß, wann ich endlich wieder diesen sicheren Weg unter meinen Füßen habe (a.k.a. unbefristete Beschäftigung), scheint dafür zu sorgen, dass ich unglaublich Vieles schleifen lasse.

Klar, das könnte etwas mit Autismus zu tun haben, aber ich vermute mal, das ist ein ganz normales Phänomen, oder? Dass ich mein Leben erst wieder vernünftig auf die Reihe bekommen kann, wenn ich wieder auf dem gesicherten Weg bin?

Jedenfalls hat mir der Herbstdreck und das damit verbundene Schuheputzen das einmal wieder vor Augen geführt, und ich überlege mir jetzt einmal kleine Tricks, um zu verhindern, dass ich den Halt verliere. Die Erinnerungs-Tafeln in der Wohnung helfen schon ein ordentliches Stück weiter, und auf die Wartung-Tafel ist jetzt auch Chuck die Pflanze gekommen, um rechtzeitig neue Düngestäbchen einzusetzen, damit die Palme nicht ganz ohne Nährstoffe ist. Ach ja, und interessant zu sehen, wie sich CdP nach und nach hier einlebt - die Palme richtet ihre Blätter nach dem Sonnenlicht aus, und da ein Palmwedel quasi "mit dem Rücken" zum Fenster steht, haben sich dort einzelne Blätter ganz nach innen zusammengeklappt.

Spannend. Und nachher Hackbraten mit der großen Buba.

Montag, 7. Oktober 2019

Allein, und das ist auch gut so

Allein - und trotzdem glücklich?

vorweg: Dieser Beitrag ist schon ein paar Monate alt. Allein = OK scheint ein immer wiederkehrendes Thema zu sein.
 
Ostern, wie es im Bilderbuch steht: Es ist sonnig, warm, die große Buba ist drüben bei ihrer Familie und sie feiern Ostern, wie so viele Familien es tun. Dass ich mit der Grundbedeutung von Ostern nichts zu tun habe, versteht sich bald von selbst. Für mich sieht es quasi wie eine weitere Gelegenheit für Kommerz aus, Osterpralinen, Karten, Geschenke, kauft, Leute, kauft! [genau wie mit Weihnachten jetzt gerade, nicht wahr?]

Ich verbringe den Großteil des Tages heute so, wie ich es seit längerer Zeit am liebsten tue: Allein. Ich erinnere mich noch sehr gut, wie mir in meiner Jugend suggeriert worden ist, dass das falsch sei - in irgendeiner Weise nicht in Ordnung: "Du musst doch mal rausgehen!" - "Du musst doch mal was mit Freunden machen!" - "Du kannst doch nicht die ganze Zeit allein sein!" - jedesmal ohne, dass mir dafür nachvollziehbare Gründe gegeben worden wären.

Dennoch habe ich geglaubt, dass es so ist - weil ich es so oft gehört habe und immer dieser vorwurfsvolle Ton dabei war, oder vielleicht war es auch wieder nur mein Watzlawick-Ohr, und fast schon krampfhaft versucht, mich möglichst häufig mit Freunden zu verabreden, damit niemand etwas Schlechtes von mir denkt. Die Zwänge, denen man sich als Jugendlicher unterwirft. Und ich kann ja nicht die ganze Zeit allein sein, das geht ja gar nicht.

Irgendwann ist mir ein Phänomen aufgefallen: Ich habe mich mit jemandem verabredet, in ein paar Tagen, aber wenn dann der Tag gekommen ist, habe ich gar keine Lust, rauszugehen. Aus Höflichkeit mache ich das dann doch (zumindest manchmal - die Sannitanic hat sich an meine Absagen gewöhnt).

Es hat eine ganze Weile gedauert, bis ich realisiert habe, dass ich tatsächlich allein sein darf und das Alleinsein sogar genießen darf. Hat ja auch seine Vorteile: Ich stoße nicht so vielen Menschen vor den Kopf mit meiner viel zu direkten Art, ich muss mich an niemandes Verhalten anpassen, ich muss auf niemanden Rücksicht nehmen, ich kann mich selbst verwirklichen.

Die große Buba ist der einzige Mensch, der - für gewöhnlich - eine Dauereintrittskarte bei mir hat. Irgendwie haben wir uns aufeinander eingespielt, viel zu gut. Ich muss mich bei ihr nicht verstellen, und das macht so einen gemeinsamen Abend richtig angenehm.

Ich glaube, es war das Wort "müssen", das diesen Beitrag angetrieben hat. "Du musst doch mal was mit Anderen unternehmen!" - ich versuche, diesen Satz aus meinem Lehrerrepertoire zu streichen, und wenn ich einen Schüler unterrichte, der sich ganz allein wohlfühlt, dann werde ich ihn nicht mit Krampf in irgendwelche Gruppen bringen.

post scriptum: Jetzt, wo es mittlerweile doch deutlich kälter wird, wird mir bewusst, dass ich "Chuck die Pflanze" das Winterhalbjahr über lieber in der Wohnung unterbringen sollte, anstatt im Bad. Das wird im Winter nämlich eiskalt, weil ich dort nicht heize. Ich hoffe, CdP stellt sich nicht so an mit dem Umzug ^^