Mittwoch, 31. Oktober 2018

Genie beherrscht Chaos

Ein paar der wenigen Sachen, die nicht planlos in der Wohnung herumstehen.

a.k.a. liegengelassen. Heute geht es mir um ein Phänomen - das Chaos in meiner Wohnung - das ich gern mit der Hochbegabung erklären möchte. Und weil ich das so gern möchte, mache ich das jetzt auch, obwohl vermutlich siebenundneunzig Prozent aller normalbegabten Leser das ganz genauso kennen und es nichts mit der Intelligenz zu tun hat. Die Erklärung klingt einfach so nachvollziehbar, also raus damit.

Halten wir noch einmal zwei Dinge fest: Wir wissen, dass das HB-Gehirn immer drei bis fünf Schritte voraus ist. Ich leben selten im Hier und Jetzt, auch wenn ich das sollte und deswegen trainiere. Im Kopf bin ich immer schon eine halbe Stunde, eine Woche oder vier Jahre weiter. Alles zu seiner Zeit, ja, würde ich gern sagen, aber sobald mein Gehirn etwas findet, wovor ich Angst haben könnte - oder auf das ich mich freue - dann stürzt es sich gedanklich darauf. Das zweite ist der Umstand, dass das HB-Gehirn sich gern auf eine Sache so stark fokussiert, dass es Anderes aus dem Blick verliert (zum Beispiel so unnötige Dinge wie Essen).

So nehme ich zum Beispiel den Glasreiniger und ein Wischtuch zur Hand, gehe zum anderen Ende der Wohnung, um die Fenster zu putzen. Sobald das erledigt ist, und genau genommen auch schon währenddessen, denke ich daran, was ich als Nächstes mache, und direkt nach der Arbeit gehe ich dann dazu über. Die benötigten Utensilien - Glasreiniger, Wischtuch - lasse ich einfach vor dem Fenster liegen. Oder ich packe ein neues Videospiel aus, gehe dabei durch die Wohnung; ist es ausgepackt, lasse ich die Folie an Ort und Stelle fallen. Oder ich gehe in's Bad, um Handtücher zu stärken. Den Eimer zum Anrühren der Stärke? Lasse ich auf der Waschmaschine stehen, denn ich muss zurück und die Handtücher zum Trocknen aufhängen, und dabei bin ich dann im Kopf schon wieder einen Gedanken weiter.

Dinge sofort erledigen, das versuche ich mir immer wieder zu sagen, und Müll nach dem Auspacken direkt in den Mülleimer zu werfen, oder gebrauchtes Geschirr direkt in die Spülmaschine zu räumen, oder Putzmittel wieder zurück in das vorgesehene Regal zu bringen. Ich versuche wirklich, das zu trainieren, aber was mir gegenan arbeitet, ist der Umstand, dass das Chaos ja vollkommen in Ordnung ist. Wie sagt man? Nur ein Genie beherrscht das Chaos, und ich habe bei zweiundneunzig Prozent der benutzten Sachen noch im Kopf, wo ich sie abgelegt habe.

Vielleicht spielt auch ein gewisser Rebound-Effekt eine Rolle: Meine Mutter hat immer sehr darauf geachtet, dass alles blitzblank, sauber und aufgeräumt ist (zu sehr?) - das habe ich übernommen, bis ich im Studium gemerkt habe, dass die Welt nicht untergeht, wenn etwas mal nicht am zugedachten Platz liegt. Und vieleicht schlage ich deswegen in das andere Extrem aus - als Ausgleich zu einer extrem aufgeräumten Kindheit.

Transgression, quasi.

Samstag, 27. Oktober 2018

School Hopping

Immer wieder aufregend

Mein Leben stand für mich irgendwie immer fest. Da war ein klarer, gerader Plan, den ich verfolgen wollte, das hat mir Sicherheit gegeben. Ich mache mein Abitur, dann studiere ich eben schnell Latein und Englisch, mache dann mein Referendariat und bekomme einen Job.

"Schmink' dir das ab."

Sehr charmant, danke auch, aber genau das hat die Sannitanic (die bald platzt) damals zu mir gesagt. Und ich hab' sie angelächelt und mir gedacht, ach, lass' sie mal reden, die ist eh' immer so negativ und pessimistisch. Hey, ich habe Latein studiert, damit kann ich mir meine Schule aussuchen!

Abgeschminkt.

Es ist jetzt etwa zehn Jahre später. Ich hatte mich an etwa dreißig Schulen im Land initiativ beworben, weil ich dachte, dass mir jemand antworten wird. Nein. (Die große Buba kennt den Tonfall.) Da kam nix zurück, außerdem war meine Examensnote mit Eins Komma Neun einfach zu schlecht, da gab es viel bessere Bewerber - und mir führt das auch heute noch vor Augen, dass die Note des Zweiten Staatsexamens nichts über die pädagogische Kompetenz eines Junglehrers aussagt.

Ich habe mich dann irgendwann damit abgefunden, dass es wohl noch eine Weile dauern wird, bis ich die richtige Schule für mich gefunden hatte. Und auch wenn es immer wieder eine richtige Tortur war, an eine neue Schule zu kommen - neue Schüler, neue Kollegen, neue Orte, neue Fahrstrecken, neue Klassenstufen, neue Curricula, für den Hochbegabten der absolute Horror - so hatte dieses school hopping eine unschätzbar wertvolle positive Seite.

Meine erste Schule fand ich toll. Das war alles so aufregend, und es lief für mich scheinbar gut. Ich bin bei Schülern und Eltern gut angekommen, und wenngleich mich ein paar Dinge etwas störten, so dachte ich mir, dass es diese nervigen Dinge überall geben wird und ich das einfach hinnehmen müsste. Ich war soweit, Husum als meinen festen Schulort zu akzeptieren.

Einzig durch das Zerwürfnis mit meiner Schulleiterin, das um ein Haar das Ministerium erreicht hätte, und den daraus resultierenden Schulwechsel nach St.Peter-Ording habe ich kennen gelernt, wie Schule auch anders funktionieren kann. Ich habe an der zweiten Schule ein aufgeschlossenes, kollegiales Kollegium kennengelernt, bunte, wilde Schüler, Schulsozialpädagogik in Gestalt von Thekla, und das alles hat mein Bild von der ersten Schule in Husum drastisch relativiert.

Auf einmal wirkte meine erste Schule für mich kalt, rücksichtslos, falsch, der absolute Horror und ich war so glücklich, von dort weggekommen zu sein. Dieses In's-Verhältnis-Setzen wäre nie geschehen, wenn ich in Husum geblieben wäre, und ich bin unendlich dankbar dafür. Es lässt sich vielleicht nachvollziehen, dass ich an mittlerweile sechs verschiedenen Schulen trotz aller Unannehmlichkeiten sehr wertvolle Eindrücke sammeln konnte. Ich konnte Schulen miteinander vergleichen, konnte feststellen, was für unterschiedliche Schulkonzepte dort herrschen und konnte auch ein wenig erfahren, welche Eigenschaften eine Schule haben sollte, an der ich mich wirklich wohlfühlen kann.

Auch wenn das jetzt wahrscheinlich blöd klingt, manchen Kollegen gegenüber, die nie eine zweite oder dritte (oder sechste) Schule kennengelernt haben: Ich möchte das nicht missen. Das waren sieben harte Jahre (vorausgesetzt, ich werde in Plön bleiben können), aber ich mag mir gar nicht ausmalen, was mir gefehlt hätte, wenn ich in Husum damals fest übernommen worden wäre, so wie eine Mitrefi damals.

Und ich bin dankbar.

Donnerstag, 25. Oktober 2018

Asozial

"Bin ich etwa asozial?"

"Dr Hilarius, stimmt das, dass du deine Schüler im Unterricht asozial genannt hast??"

Ja, stimmt. Habe ich getan. Würde, und werde ich wieder tun, wenn es nötig ist. Wenn die Schüler mir signalisieren, dass in ihrem Kopf immer nur die Anderen asozial sind. Der gestrige Beitrag über das Ehrlichsein hat eine Anekdote in meinem Kopf herausgeklopft - an einer meiner früheren Schulen.

Eine Klasse, wie man sie sich vorstellt, Gemeinschaftsschule. Laut, lustig, menschlich - und asozial. In dieser Klasse ist ein Schüler auf den Rollstuhl angewiesen; glaubst Du, irgendjemand hätte ihm geholfen, als es in den Hochseilpark ging? Oder die Schülerin, die eine Arbeit nachschreiben soll; glaubst du, auch nur ein Mitschüler hätte ihr geholfen und den Tisch nach draußen getragen (ich hatte extra darum gebeten)? Und dabei hatte ich starke Jungs in der Lerngruppe. Bereitschaft zu helfen - nicht vorhanden. Und wenn die Schüler etwas scheiße finden, nennen sie es "schwul". Und wenn sie einen Menschen scheiße finden, nennen sie ihn "behindert".

Und als ich sie auf ihre Verhaltensweisen hinweise - ihnen diese ganzen Situationen vor Augen führe - und ihnen dann entgegenwerfe, dass sie sich asozial verhalten, fällt ihnen alles aus dem Gesicht. "Haben sie uns gerade als asozial bezeichnet? Das können sie doch nicht machen!"

Doch, sage ich dann, kann ich. Und dann erkläre ich ihnen in aller Ruhe, was das Wort a-sozial bedeutet, und weise sie darauf hin, dass jeder von uns in sich das Potential trägt, sich asozial zu verhalten. Und ein paar von ihnen nutzen das Potential.

Ich habe wegen dieser "Methode" schon häufiger Beschwerden bekommen, meistens ging das direkt an die Schulleitung. Dennoch bleibe ich dabei, denn die Schüler scheinen wirklich keine Ahnung von der Bedeutung des Wortes zu haben. Ich sage das nicht in der Orientierungsstufe - die Kinder könnten davon richtig getroffen werden und die Sache nicht verstehen. Aber ab Klasse Acht müssen sich diejenigen, die sich mies gegenüber Mitschüler verhalten, sich das auch einmal sagen lassen.

Von wegen "asozial sind immer nur die Anderen".

Mittwoch, 24. Oktober 2018

Wir sind ja so tolerant!



Lieber nicht hinsehen

"Ich habe nichts gegen Schwule. Solange sie sich nicht schwul benehmen."

Okay, das mag jetzt wenig originell sein - aber leider noch genauso aktuell wie vor Jahren. Nehmen wir doch mal Mensch A. A war ein sehr offener Mensch, gab sich zumindest Mühe. Und sicherlich hat A das auch alles ernst gemeint: "Ich habe nichts gegen dicke Menschen, soll jeder mit sich zufrieden sein."

Ich habe viel Zeit mit A verbracht, so dass ich nach einigen Monaten dann mal zu A sagen konnte: "Ist dir eigentlich mal aufgefallen, wie oft du dich über dicke Menschen lustig machst?" - Das hat gesessen, hat A einigermaßen getroffen und für ein Nachdenken gesorgt. A hat das sicherlich nie böse gemeint, die Scherze wirkten eher wie unbedachte Automatismen, und A "konnte sich das ja erlauben, weil A sehr sportlich war".

Von A kam auch der eingangs erwähnte Satz - A habe nichts gegen Schwule, solange sie sich nicht tuckig benehmen. Und ebenso, dass A nichts gegen Lesben habe, solange sie keine butch sind. Und Lesbensex in Filmen ist sowieso noch einmal etwas ganz Anderes. Und ich habe A auch in der Hinsicht klargemacht, dass A eben doch etwas gegen Schwule hat. Das ist wie "Ich habe ja nichts gegen Ausländer, aber..."

Und auch diese Erkenntnis hat gesessen, und wieder war ich überzeugt, dass A es nicht böse meinte. Immerhin ist A auch mit mir als sexuell ungebundenem Menschen klargekommen. Weil ich meistens nur rumtucke, wenn eine gewisse Die Große Buba anwesend ist.

Es hat mich gefreut, wie A mit diesem neuen Bewusstsein umgegangen ist. Dass A mir das alles geglaubt hat, und dass A sich seither Mühe gegeben hat, mehr auf Toleranz zu achten - denn A wollte definitiv tolerant sein, musste nur erstmal verstehen, was das eigentlich bedeutet.

Es gibt unglaublich viele Menschen wie A. Jene, die sich ihrer Intoleranz nicht bewusst sind, und denen es gut tun würde, wenn ein guter Freund sie einmal auf ihr Verhalten hinweisen würde. Aber aus Höflichkeit tun wir das ja oftmals nicht. Im Buddhismus heißt es, ein wahrer Freund sei einer, der Dich herausfordert. Nicht so wie die Antwortmaschinen...

Ich liebe A, und ich bedauere es wirklich, dass ich zur Zeit nicht miterleben darf, wie A sich entwickelt. Aber vielleicht tut es A auch ganz gut, wenn da mal keiner ist, der oft so verletzend ehrlich ist, wie ich es war. Rücksichtslos. Überfordernd.

Nun denn. Und mit diesem Denkimpuls könnt Ihr euch ja einmal selbst fragen, wie tolerant Ihr denn seid. Auch Schülern gegenüber. Also mal ganz ohne "Die B ist eh' zu dumm für diese Schule!" Davon habe ich jetzt genug.

Dienstag, 23. Oktober 2018

Lernausgangslage

Tag Zwei.

Vielleicht habt Ihr an Eurer Schule schulinterne Fachcurricula. Ich habe das gern als Papierkram abgetan, kümmert sich doch eh' keiner drum, wozu haben wir schließlich die Lehrpläne. Jetzt weiß ich die Vorteile eines schulinternen Fachcurriculums zu schätzen.

Ihr habt für Eure Schule festgelegt, wann welche Inhalte im Unterricht behandelt werden (und evtl. in einem Methodencurriculum auch darüber diskutiert, wie das gemacht werden soll). Ihr habt beschlossen, welche Inhalte den Schülern am Anfang von Klasse Sieben bekannt sein sollen. Ihr habt festgelegt, welche Inhalte mit dem Übergang in die Sekundarstufe Zwei bekannt sein sollen. Und wenn alles gut läuft, könnt Ihr Euch bei Eurer Unterrichtsplanung auch darauf verlassen und bestimmte Inhalte abrufen. Idealerweise könnt Ihr das.

Weniger ideal könnt Ihr das, wenn Ihr ein- oder zweijährige Bildungsgänge unterrichtet und womöglich jedes Jahr eine neue Lerngruppe bekommt, die aus unterschiedlichsten Schularten, Städten und Bundesländern zusammengewürfelt ist.

Die einen Schüler können in der Berufsoberschule bereits sehr gut mit (literarischen) Texten arbeiten. Die anderen können das gar nicht, manche sind dafür im Umgang mit geschäftlichem Briefverkehr top ausgebildet. Manche können Englisch, manche eher nicht so. Manche haben noch nie eine zusammenhängende Textproduktion durchgeführt.

Und jetzt, nach sechs Wochen Unterricht, soll dieser bunte Haufen an Prüflingen in der Lage sein, den ersten standardisierten Leistungsnachweis abzuliefern, und ich habe echt Angst davor. Festzustellen, dass das Leistungsspektrum genauso weit auseinandergeht wie die Lernausgangslagen. Und gerade um letztere festzustellen, beginnt man die Arbeit in einer neuen Lerngruppe ja mit einer Lernstandserhebung (die große Buba kotzt womöglich gerade über dieses Regelschullehrervokabular). Ich habe mich diesmal dabei aber leider nur auf die Sprachfertigkeit konzentriert.

Damit steht nun immerhin fest, worauf ich die nächsten fünf Monate Englischunterricht in der BO konzentrieren werde - die Schüler ganz konkret auf ihren Abschluss vorzubereiten. Und letztlich kann man als Lehrkraft keine Wunder bewirken - einige Schüler werden ihren Abschluss nicht schaffen. Vielleicht bei'm nächsten Mal.

Montag, 22. Oktober 2018

Tag Eins

Hergehört, liebe Kinderchen!

Seid Ihr gut gestartet? Sei es nun in die neue Schulzeit oder in die Ferien, wie es bei Herrn Leinhos gerade der Fall ist; hier im Norden steht also ein neuer Schulblock an und es ist wirklich verwirrend, wenn der erste Schultag gleich schon wieder frei ist. Ein etwas seltsames Gefühl, das sicherlich noch seltsamer dadurch wird, dass ich Mittagessen zubereite - für mich ungewöhnlich, weil ich monatelang intermittierendes Fasten betrieben habe, also nur eine Mahlzeit täglich am Abend zu mir genommen habe. Ich brauche jetzt aber etwas mehr Energie, um die anstehenden Aufgaben zu erledigen. Dabei kommt es mir sehr zupass, dass draußen die Sonne scheint; ich weiß ja nicht, wie es Euch geht, aber bei Sonnenschein ist die Arbeitsmotivation um Einiges höher als bei der grauen, für den Herbst üblichen Waschküche da draußen. (korrigiere: Energie für Hausarbeit rauf, Energie für Korrekturen runter)

Ich bin auch gespannt, wie meine Schüler den Start in die Schulzeit überstehen; je nach Bildungsgang verbringen sie ja nur ein Jahr an der Berufsschule, mit anschließenden Abschlussprüfungen, und ich hoffe, dass ihnen bewusst ist, dass sie von Anfang an durchpowern müssen - genau wie ich, um das Gefühl zu bekommen, dass ich sie gut auf die Klausuren vorbereitet habe. Jeder, der schon einmal ein Abitur oder ESA bzw. MSA abgenommen hat, wird das Gefühl kennen.

Außerdem bin ich froh über die Ablenkung, die die Arbeit mit sich bringen wird. Ich habe gemerkt, dass Er mir in den vergangenen drei Wochen etwas zu viel durch die Gedanken gespukt ist, und das tut mir nicht gut. Ich habe damals im Studium zum ersten Mal die Erfahrung gemacht, wie wohltuend Arbeit sein kann - damals, bei meinem ersten Liebeskummer, für den ich dank meiner Hiwi-Arbeit kaum Zeit hatte.

Und nicht zuletzt habe ich bei allen Schulanfängen in den letzten Jahren immer wieder Eines gemerkt: Auch wenn mit dem Dahinschwinden der letzten Ferientage sich ein wenig Unmut einstellt, ein wenig Angst vor dem, was kommt, oder ein wenig Traurigkeit, dass die freie Zeit vorbeigeht, so hat die erste Schulwoche mir immer wieder bestätigt, dass ich gern Lehrer bin. Dass die Schüler mir, egal, wie sie sich gerade verhalten, gute Laune bereiten, weil ich das Gefühl habe, etwas zu bewirken. Und dabei war es völlig egal, an welcher Schule ich war - aber ich muss zugeben, an dieser hier könnte es wieder etwas angenehmer werden.

post scriptum: Heute habe ich in der Stadt ein Plakat gesehen für ein Konzert - "Vicky Leandros life!" (sic); wie soll ich meinen Schülern glaubhaft versichern, dass einzelne Buchstabenverwechsler schwerwiegende Bedeutungsunterschiede mit sich bringen können und es gerade im Bereich Business auf jeden Fehler ankommt, wenn die Werbung mal wieder solche Klassiker bringt? Vuck!

Samstag, 20. Oktober 2018

Überraschend


Das wird ein Beitrag für Videospiel-Nerds. Nach über zwanzig Jahren Kontakt mit Videospielen bekommt man irgendwann das Gefühl, alles schon einmal gesehen zu haben. Es fühlt sich an, als habe jedes Spiel eine Wüste, eine Eislandschaft, ein Ort, der in Finsternis liegt, eine gebirgige Region, einen Wald. Und vieles mehr. Es könnte die Gefahr bestehen, dasselbe Spielerlebnis wieder und immer wieder zu haben; dabei hatte ich einst geschrieben, wie sehr ich mir Neues wünsche. Neu-Gier eben.

Manchmal schafft es ein Videospiel dann doch, mich zu verwirren, herauszufordern, den Wunsch zu wecken, alles zu entdecken. Ni No Kuni hatte damals diesen Effekt, als im post-game-content das Spiel auf eine Metaebene gebracht wurde, unerwartet, verwirrend und schön.

Und nun ist es also wieder soweit. Gestern hatte ich das neue Dragon Quest XI beendet, ein schöner Abschluss für die Ferien, dachte ich. Mir war klar, dass da noch irgendwas kommen würde, nach den Credits, das gehört mittlerweile fast zum guten Ton. Noch stärkere Ausrüstungsgegenstände, neue Alchemie-Rezepturen, geheime Gegner, eine bis dahin verschlossene Tür, die nun offen steht. Das ist der Standard, den ich mittlerweile oft erlebt habe, macht ja auch Spaß, wirft mich aber nicht um. Ich wollte heute nur mal eben schauen, was denn dieses Leuchten in den seltsamen Ruinen zu bedeuten hat - und spoilerfrei kann ich sagen, dass mir der Teppich unter den Füßen weggezogen wurde.

Eine sehr kreative Art, das Spiel zu verlängern, hat mich sofort gepackt. Und wenngleich dadurch alles Vorhergegangene in Frage gestellt wurde, so gab es das ganze Spiel über kleine Anzeichen auf diese Wendung. Ich mag es, wenn mein Geist manipuliert wird, ich mag es, wenn ich staunen kann. Denn je älter man wird, umso schwieriger ist es, in's Staunen zu kommen - ich merke das immer wieder, wenn ich Roger Eberts spätere Rezensionen lese.

Gut, was ich jedenfalls sagen will, ist wieder dieser Hochbegabtenscheiß: Der Plan für heute war perfekt, ich wollte viele Dinge erledigen und am Ende des Tages auf all' die Ergebnisse schauen können - nix da, wenn das Gehirn entscheidet, dass es da etwas Anderes gibt, das irgendwie interessanter erscheint. Also denn, morgen ein neuer Versuch!