Freitag, 20. Oktober 2023

Tag 81 - Sturmwarnung

Wenigstens drinnen gemütlich

Heute gibt es einen kleinen Vorgeschmack auf den Sturm an der Ostküste, es pustet ordentlich, so dass das Durchlüften nicht mehr ganz so einfach ist, wenn man sich nicht seine Wohnung zerlegen will. Draußen ist alles grau und nass - davon bekomme ich aber wie üblich nicht viel mit, meine Rollos sind unten, die Heizung ist aufgedreht - und trotzdem ist mir kalt.

Das wäre jetzt ein blödes Timing, um krank zu werden, denn die große Buba ist da. Ich bleibe heute einfach mal mit Schüttelfrost und Schnupfen im Bett, gleich gibt es das passende Essen für dieses Wetter - heiße Suppe mit Nudeln, irgendeinen Film und ab in's Bett. Am besten wäre es natürlich, morgen einfach aufzuwachen und alles ist wieder in Ordnung, aber die Realität in Form des Wetterberichts sagt für morgen den "richtigen" Sturm voraus. Schauen wir mal, was passiert. 

Zieht Euch warm an!

Montag, 16. Oktober 2023

Tag 77 - Ach, Ferien?


Wieder einmal wird mir bewusst, wie sich die Wahrnehmung von Zeit ändert, wenn man arbeitslos ist. Plötzlich sind Ferien; als die große Buba das vor zwei Wochen angekündigt hat, hat mich das doch sehr überrascht - als wäre kaum Schule gewesen. Naja, war ja hier auch nicht. Und der Arbeitsmarkt ist typischerweise direkt nach Schuljahresbeginn leergefegt. Allerdings baue ich darauf, dass die Urlaube in den Herbstferien wieder ein paar Beine brechen werden und sich irgendwas für das zweite Halbjahr ergibt. Unbefristet wäre natürlich besser, ich habe Angst davor, mich wieder auf ein neues Arbeitsumfeld einzustellen, dass nach einem halben oder ganzen Schuljahr schon wieder verschwindet.

Hier liegen Briefe und Mails - morgen muss ich das mal abarbeiten. Heute nicht, weil heute Abend der großen Buba gehört, wenn ich aus dem Fresskoma raus bin. Wir spielen ein episches RPG mit vielen Stimmen, die man missverstehen kann - warum sollte der Held mitten im Kampf "Brioche!" schreien? Es ist herrlich, wie sich alles mit der großen Buba nochmal wieder anders spielt. ;-) Dringend benötigter comic relief.

Dienstag, 10. Oktober 2023

Tag 71 - Ei


Heute gibt es ein Glas Asperger pur. Und ich kenne jemanden da draußen, dem sich bei diesem Beitrag der Magen umdrehen dürfte.

Ich erinnere mich noch sehr gut dran, wie damals bei uns zuhause auf dem Küchentisch fast immer eine kleine Schüssel mit gekochten Eiern stand. Hin und wieder bin ich zu Mama gegangen und habe sie gefragt, ob ich mir ein Ei nehmen dürfte. Das mochte ich tatsächlich sehr gern, am liebsten mit einer winzigen Prise Salz oder etwas Remoulade. Meine Mutter hat mir gezeigt, wie man Eier kocht - ich habe mich das aus verschiedenen Gründen nie getraut. Ich hatte Angst, dass mir die Eier im Kochtopf zerbrechen, oder das ich sie zu lang oder zu kurz koche, oder dass ich sie falsch abschrecke. Jedenfalls räumte ich mir keine Chance ein, selbst Eier "richtig" zu kochen.

Heute bin ich einen kleinen Schritt weiter. Ich weiß, dass man Eier nicht abschreckt, damit man sie besser pellen kann - das hängt davon ab, wie lange sie nach dem Kochen gelegen haben. Eigentlich schreckt man nur weichgekochte Eier ab, damit sie nach dem Kochen nicht noch weiter durchgaren; ich kann das nachvollziehen, ich liebe weichgekochte Eier. Trotzdem habe ich seit meinem Auszug zuhause noch nie Eier gekocht - wie gesagt, für mich war unvorstellbar, dass ich das richtig hinbekommen könnte mit der Kochdauer und dem Kochtopf und überhaupt. Also gab es über zwanzig Jahre lang keine Eier.

Mir ist völlig entfallen, dass es so etwas wie Eierkocher gibt, und das, obwohl wir davon zuhause später auch einen hatten. Es wäre so einfach gewesen - aber der Aspi sieht die Lösungen mal wieder nicht und steht sich lieber selbst im Weg. Erst mit knapp vierzig Jahren sieht er in einer Drogerie einen günstigen Eierkocher und sagt sich, hey, warum nicht? Und probiert ihn dann zuhause aus, einfach die richtige Menge Wasser einfüllen, Eier anstechen und einsetzen, Deckel drauf und Schalter an. Und einige Minuten später, je nach der gewünschten Garung, schrillt ein penetranter elektronischer Ton durch die Wohnung, die Eier sind fertig, und ich stelle sie zum Abkühlen auf einen Teller.

Und nach einer gewissen Abkühlphase sind sie fertig, und lassen sich wunderbar einfach pellen. Und sind soooooo lecker! Mit ein bisschen Salz oder Remoulade, wie damals. Und ich blicke auf diesen Billig-Eierkocher und frage mich mal wieder, wie ich mir so lang selbst im Weg stehen konnte. Schiebe diese Gedanken aber zur Seite und freue mich stattdessen über ein frisch gekochtes Ei.

Zum Wohl!

post scriptum: Und wenn ich die frischgekochten Eier zum Abkühlen hinstelle, merke ich tatsächlich, dass sie einen ganz charakteristischen Duft haben, bei dem sich manchen Menschen der Magen umdrehen kann. Ich dachte immer, dass die doch nach nichts riechen, aber ich habe auch keine sehr feine Nase, erst recht keine HSP-Nase. Man lernt nie aus.

Freitag, 6. Oktober 2023

Tag 67 - ...und täglich schrumpft die KVG

Darf's ein bisschen weniger sein?

Wenngleich mein Termin bei'm Arbeitsamt gestern nichts gebracht hat außer einer gewissen Frustration und dem Gefühl von "ich mache alles falsch", so war es immerhin eine Gelegenheit, mal wieder in die Stadt zu kommen. Der Hinweg war zu Fuß ganz erfrischend, und danach bin ich mit den Bussen der KVG durch die Gegend gefahren.

Das ist ja bereits seit dem Juli nicht mehr ganz so einfach; die KVG musste aus Mangel an Personal den Linienverkehr einschränken. Der Kieler Süden hat davon etwas abbekommen, zwei Hauptlinien fahren jetzt nur noch bis zum Hauptbahnhof anstatt bis Schulensee (der Kieler Süden scheint sowieso etwas stiefmütterlich am ÖPNV zu hängen, auch die zukünftige Kieler Stadtbahn wird bestenfalls in einem späteren Ausbauprozess eine Linie nach Schulensee bieten; nach der Hummelwiese kommt da nichts weiter Richtung Süden). Das bedeutet, dass hier unten auf der Hamburger Chaussee je Stunde und Richtung vier Busse weniger fahren als sonst. Auf anderen Linien wurde die Taktung runtergefahren, es hat sich bisher deutlich bemerkbar gemacht.

Und jetzt, zur Oktobermitte, wird weiter gekürzt. So wird zum Beispiel das Rentnertaxi, die Linie Zweiundfünfzig, am Wochenende nur noch stündlich fahren. Die anderen Kürzungen betreffen mich diesmal nicht so sehr. Die KVG schreibt dazu auf ihrer Homepage:

"Unser klar formuliertes Ziel ist es natürlich auch weiterhin, die genannten Einschränkungen langfristig wieder zurücknehmen zu können. Das gilt auch für alle Reduzierungen, die bereits zu einem früheren Zeitpunkt umgesetzt werden mussten."

Das Wort "langfristig" gibt nicht gerade Anlass zur Hoffnung - aber solange kaum jemand BusfahrerIn werden möchte, wird sich an der Lage auch nichts ändern. Und manchmal kann ich das niemandem übel nehmen. Ein großer Teil der Fahrgäste steigt immer noch regelwidrig hinten im Bus ein anstatt vorn, das Straßennetz gleicht immer mehr einem Flickenteppich, durch die vielen Baustellen kommt es immer häufiger zu Busverspätungen und -ausfällen, was wiederum die Fahrgäste aufbringt. Und dann gibt es eben auch BusfahrerInnen mit einem sehr eigenen Fahrstil; erst neulich bin ich wieder bei einer Vollbremsung durch den Bus geflogen und gegen eine der Haltestangen geknallt (aber wer Holzachterbahnen fährt, dem macht sowas nichts aus), und vor ein paar Tagen stand ein Bus hier bei grüner Ampel zwei Minuten lang auf der Straße, anstatt die Kreuzung zu überqueren und die Bushaltestelle anzufahren. In Gedanken versunken, bis der Busfahrer dann von ein paar Fahrgästen angeblfft wurde a la "grüner wird's nicht". Das ist eine Situation, die mir tatsächlich Bauchschmerzen bereitet, weil ich mich frage, warum der Bus nicht losfährt - ist etwas kaputt, oder gab es einen Unfall; ich finde tausend Gründe, komme aber generell selten auf die Idee, dass jemand seine Arbeit nicht richtig macht.

Nun denn. So schrumpft das Busangebot der KVG auch weiterhin, pünktlich zur verregneten Jahreszeit. Mal schauen, welche Linien als nächstes dran glauben müssen.

Donnerstag, 5. Oktober 2023

Tag 66 - "Berufliche Rehabilitation"


Puls einhundertacht, ich verlasse die Wohnung, Gesprächstermin in der Agentur für Arbeit. Darauf bin ich tatsächlich gespannt, denn diesmal spreche ich mit jemandem, der spezialisiert ist auf die berufliche Rehabilitation von Schwerbehinderten, und es ist ärgerlich, dass letztesmal die Einladung zu spät zugestellt wurde. Das Problem scheint aber bekannt zu sein und besonders bei'm Dienstleister Nordbrief häufiger vorzukommen - dass Briefe liegen bleiben, tagelang, bevor sie zugestellt werden. Egal. Heute klappt es mit dem Gespräch, und ich frage mich, was anders wird als bei den anderen Sachbearbeitern.

Zusammengefasst:

"Sie sind also seit dem ersten August arbeitslos. Ich vermute, sie hatten vorher einen befristeten Vertrag." - "Ja, etwas über zwanzig befristete Verträge." - "Oh..." - "Ich unterrichte seit elf Jahren." - "Oh... das ist ja eine lange Zeit..."

*bemüht verständnisvoller Blick*

"Haben sie sich denn schon einmal nach beruflichen Alternativen umgesehen?"

"Haben sie Interesse an beruflichen Weiterbildungen?"

"Warum haben sie sich denn keine Hilfe gesucht für die Arbeitsuchendmeldung?"

"Ich werde sie dann wieder zum Februar einladen und wir schauen, wie die Situation dann ist."

Wer jetzt denkt, moment mal, das klingt genau wie jedes andere Karrieregespräch auch bei der AA, der hat vollkommen Recht. Ich war nach dreißig Minuten raus, kein bisschen schlauer als vorher.

Wieder einmal tut es weh, dass das Gespräch sofort darauf abzielt, mir eine neue Laufbahn zu suchen.

Wieder einmal spreche ich mit jemandem, der nicht einmal meinen Lebenslauf vorher gelesen hat.

Wieder einmal bleibt nur zu hoffen, dass ich eine Beschäftigung für zwölf Monate bekomme, damit ich irgendwann wieder verspätet Arbeitslosengeld I beziehen kann.

Sucks.

Freitag, 29. September 2023

Gastbeitrag: Satirische Notizen

Ich würde ihn mir ja gern gönnen...

vorweg: Dieser Beitrag stammt von einer Kollegin, die anonym bleiben möchte. Ich fand ihn witzig und wollte ihn hier gern teilen; vielleicht erkennt ja jemand seine Schule hier wieder. Leider steckt in dem Ganzen eben auch ein (großes) Körnchen Wahrheit...

Lehrer*in werden? Wie eine Stellenbeschreibung eigentlich aussehen müsste...

Was ein*e Lehrer*in beruflich so macht, weiß doch eigentlich jeder, oder? Oder?! Nun ja, die Bundesländer halten sich bei den Stellenausschreibungen allerdings bedeckt, konzentrieren sich auf Qualifikationen und Ausbildung und greifen schließlich zu mehr oder weniger verzweifelten Werbeaktionen: ob „Traumberuf Lehrer" im hohen Norden, "Job mit Pultstatus" im Westen oder der Kampf der Giganten im Süden der Republik mit "superflex" versus "kein Bock auf Arbeit"- so richtig überzeugen kann keiner! Versuchen wir es doch zur Abwechslung mal mit Ehrlichkeit und eine Prise Realität in der Stellenausschreibung...

Das Gymnasium xyz stellt zum nächstmöglichen Zeitpunkt (am besten gestern) ein:
Eine/n Verrückte/n (m/w/nicht divers, die * sind zu anstrengend) mit
Helferkomplex, masochistischen Zügen und naiven Idealvorstellungen;
Qualifikation: fast egal; Wochenarbeitszeit: schauen wir mal

Unser Profil:

Wir sind ein Traditionsunternehmen mit über 1000 Mitarbeiter/innen, von denen sich etwa
90% in der mehr oder weniger freiwilligen Ausbildung befinden. Spüren Sie unsere über
60jährige Erfahrung in jedem herabrieselnden Putzbrocken, platzeffizienten Klassenräumen mit übergreifender Akustik und dunkelgrauen Waschbetonwänden sowie originalgetreuen Lehrmaterialien. Verbringen Sie Ihre Mittagspause in unserem offenen Mehrzweckbereich inmitten tobender Schülerscharen und lauschen Sie dem Wasserplätschern durch das
Flachdach. Unsere Sanitäranlagen für Männer und Frauen punkten durch ihre Existenz.

Das bringen Sie mit:

• sämtliches Arbeitsmaterial, von der Büroklammer über Lehrbücher bis hin zu Kabeln, Adaptern, Boxen; ebenfalls gern gesehen ist persönliches Datenvolumen um Dinge wie die digitale Klassenbuchführung erledigen zu können
• Flexibilität und Improvisationfähigkeit- da Sie mit Menschen arbeiten, läuft hier eh nichts nach Plan, den Sie sich natürlich gewissenhaft gemacht haben und dann ganz flexibel über den Haufen werfen
• Organisationstalent - ob Berge von Formularen, Geld für den Ausflug oder die Suche nach einem Klausurtermin für einen Kurs aus 5 verschiedenen Klassen und zwei Jahrgängen: Sie behalten den Überblick
• robuste Gesundheit (oder zumindest eine große Portion Leidensfähigkeit) - es kann ja schließlich nicht dauernd Unterricht ausfallen, weil Sie sich an unserem großen Viren- und Bakterienangebot hemmungslos bedienen

Das bieten wir Ihnen:

• Teilzeit? -kein Problem!* (*Gilt nur bei Vorlage triftiger Gründe, wie kleinen Kindern oder
pflegebedürftigen Eltern; persönliches Belastungsempfinden zählt nicht dazu!) Solange Sie bereit sind, regelmäßig an Ihrem freien Tag zu Konferenzen in der Schule zu erscheinen, das gleiche Maß an Vertretung wie in Vollzeit zu übernehmen und jedes Schuljahr lastminute
aufzustocken, steht dem Antrag nur noch die bürokratische Hürde entgegen
• absolut flexible Arbeitszeiten an Wochenenden, in den Abendstunden und in den Ferien - machen Sie Ihre Korrekturen, Vor- und Nachbereitung, wann Sie wollen und solange Sie wollen, hauptsache, Sie werden rechtzeitig zum Unterricht fertig
• spannende Dienstreisen mit diversen Herausforderungen, die Sie komplett selbst nach Ihren Vorstellungen organisieren, solange diese in das schmale Budget und den festgelegten Zeitraum passen. Wir bieten dafür eine Verpflegungspauschale, die etwa 1/3 der tatsächlichen Kosten abdeckt (Angebot gilt nur, solange der Vorrat reicht).
• Damit Sie möglichst viele Erfahrungen in den verschiedenen Abteilungen sammeln können, ist bei uns jede Woche eine Vertretungsstunde inklusive
• Ihre Freizeit liegt uns am Herzen! Wir bieten Ihnen die Möglichkeit, Nachmittage und Abende mit spannenden Elterngesprächen,Schülerkonzerten oder der Repräsentation der Schule zu verbringen - wie bei allen unseren Programmangeboten gilt: die Teilnahme ist obligatorisch und erfolgt ohne jede Entlastung

Falls wir Sie bisher noch nicht überzeugen konnten, bedenken Sie bitte
Folgendes:

• Beachten Sie bei der Familienplanung bitte, dass keine Stückelung der Elternzeit möglich ist und ein zeitlicher Mindestabstand zu den Ferien gegeben sein muss. Es ist notwendig, dass Sie Ihre beruflichen Verpflichtungen mit Ihrer Familie in Einklang bringen.
• Ein Sabattjahr ist in der Theorie weiterhin möglich, in der Praxis sind die neuen Bedingungen quasi aber unerfüllbar.
• jede Lehrkraft verfügt bei uns über einen eigenen Sitzplatz und einen Arbeitstischanteil von ca. 50x 50cm. In gemütlicher Atmosphäre nutzen Sie den Fühlungsvorteil bei der Unterrichtsvorbereitung mit den anderen Kollegen.
• Ihnen wird ein digitales Endgerät zur Verfügung gestellt (Schul-Wlan exklusive, support je nach Laune und Beanspruchung der Informatik-Lehrkräfte).

Wir freuen uns auf Ihre Bewerbung inklusive aller Zeugnisse ab Klasse 1!

Sie wollen mehr? - Bewerben Sie sich auch gern auf eine unserer zu besetzenden Funktionsstellen! Das erste Jahr arbeiten Sie für lau (Probezeit), danach zur Zeit auch weiterhin auf unbestimmte Zeit aufgrund eines Planungsfehlers im Haushalt.

post scriptum: Vielen Dank für den Beitrag und viel Nervenstärke für die Zukunft! ;-)

paulo post scriptum: Sorry für das Format, ich habe versucht, das aus einer PDF-Datei zu ziehen. 

Donnerstag, 28. September 2023

Tag 59 - Fett, aber bauchfrei


Der Titel hat mal wieder über drei Ecken mit dem Inhalt des Beitrags zu tun. Er war ein Gedanke, den ich heute im Bus hatte, auf dem Heimweg vom Hauptbahnhof nach Hause, in aller Eile, um in der Frist zu bleiben. Warum ich den Gedanken hatte, kann man sich vielleicht denken, und manchmal fehlt mir das Taktgefühl, solche Gedanken für mich zu behalten (heute nicht). Mit dem Taktgefühl habe ich es nicht so. Haben Autisten generell nicht so, schaut Euch einfach an, was Elon Musk so hier und da raushaut.

Ich hätte an das Landesamt für soziale Dienste als Widerspruchsbegründung wahrscheinlich so etwas geschrieben:

"Das stand doch alles schon in dem ärztlichen Befundbericht, wie oft und genau wollen sie es denn noch formuliert haben, wie behindert ich bin? Sie wissen, welche Probleme ich momentan mit der Alltagsbewältigung habe, und wenn sie es nicht wissen, zum Beispiel, weil sie den ärztlichen Befundbericht bei'm Erstantrag gar nicht gelesen haben, dann wissen Sie aber, dass mein Psychiater Ihnen jederzeit für Nachfragen zur Verfügung steht, also machen sie das gefälligst!"

Das Tolle: Genau das hat mein Arzt geschrieben. Er hat es nur noch einmal neu formuliert, mit zwei, drei Sätzen mehr, und vor allem: Mit Taktgefühl. Und schließt mit

"Sollten noch fortgesetzt nähere Rückfragen (...) bestehen, stehe ich Ihnen auch weiter gern zur Verfügung."

Das Kursive fand ich grandios. Ich finde es immer faszinierend, wie andere Menschen dieses Feingefühl hinbekommen und trotzdem sagen, dass der Andere quasi ein Vollidiot ist. Dieses Schreiben ist nett und höflich und sachlich formuliert, und direkt per Fax dem Amt zugegangen. Ich vertraue Behörden aber nicht mehr und bin deswegen von NMS nach KI gesprinted, hatte mein Anschreiben und den vorbereiteten Briefumschlag schon in der Tasche, im überfüllten Zug dann eingetütet. Zum Glück musste in Neumünster eine unter Einfluss stehende Frau aus dem Zug befördert werden, das hat dafür gesorgt, dass der Zug einen Moment warten musste, und so bin ich vom Bus in den Zug in den Bus gerannt, um das Einschreiben fristgerecht loszuwerden. Und im Zug habe ich ein Puschel gesehen! Aber der Zug war voll und ich war in Hektik, weil das heute alles auf Kante genäht war - Gespräch wäre Overload gewesen, und sowas versuche ich momentan zu vermeiden, auch wenn ich dafür Tabletten im Portemonnaie habe.

So, dann wollen wir mal schauen, was das Amt als Nächstes macht. Und für Euch gibt es morgen einen Gastbeitrag, witzig, aber leider mit einem wahren Kern. Lohnt sich zu lesen, vielleicht erkennt sich jemand darin wieder.