Freitag, 12. August 2022

Denkwürdige AB-Nachricht


Nur kurz, aber erwähnenswert: Ich habe heute Abend eine Nachricht auf meinem Anrufbeantworter entdeckt, die nachwirkt. Von meinem Aspi-Bruder (diese Ferndiagnose erlaube ich mir einfach mal, auch wenn er das vielleicht - noch - anders sieht), nachträglich zum Geburtstag. Die üblichen Glückwünsche und Planung für das Wochenende; morgen soll es nach Dithmarschen gehen. Dazu demnächst mehr.

Unter den üblichen Glückwünschen hat sich allerdings ein Satz angefunden, den ich nicht erwartet hätte. Okay, generell erwarte ich keine Glückwünsche, und mir ist es jedes Mal total unangenehm, wenn ich nicht an den Geburtstag meiner Brüder denke. Gewissen und so. Und dann höre ich zwischen den anderen Sätzen:

"Schön, dass es dich gibt!"

Nun könnte man sagen, dass das auch eine klassische Geburtstagsphrase ist, die man früher gelernt hat und seitdem immer höflich aufsagt. Könnte man; ich habe diesen Satz in den vergangenen neununddreißig Jahren noch nicht ein einziges Mal von meinem Bruder gehört. Und deswegen bewegt mich das gerade, und ich hoffe, dass ich mich dafür revanchieren kann, wenn die ganze Psycho-Geschichte abgearbeitet ist.

Donnerstag, 11. August 2022

Vertrag - unterzeichnet!

Es kann wieder losgehen!

Heute Besuch in der Schule, um die Inventarisierung des Archivs zu Ende zu bringen und die erste Runde Entmüllung und Aktenvernichtung einzuleiten. Irgendwie war das ganz schön - die ersten Kollegen wiederzusehen, sich mit den Gebäuden akklimatisieren und spüren, dass dieser Beruf mir Freude bereitet.

Davon kann mich letztlich auch nicht der neue Stundenplan abhalten, der zwar einen freien Tag vorsieht, allerdings stünden nur zwei Stunden der Idee im Weg, diesen freien Tag am Freitag zu haben, und das hätte mir viel bedeutet, weil die Woche dann wieder einen Block Arbeit und einen Block frei gehabt hätte. Das war mir immer wichtig, denn so hatte ich einen guten Rhythmus aus Arbeiten und Erholung (und Arbeit in der Wohnung). Das wäre dann auch die Auflösung zum gestrigen Blogeintrag - als ich den Stundenplan geöffnet hatte, war der Rest des Tages für mich dann quasi gelaufen. Immerhin musste nicht die letzte Ferien-Session mit der großen Buba dran glauben (das hätte durchaus passieren können).

Leider sind diese zwei störenden Stunden nicht so einfach umzulegen, denn ich unterrichte ausschließlich in Kursen, die aus mehreren Klassen bestehen und deren Verlegung mindestens vier weitere Lehrkräfte beträfe. Ich gebe mir jetzt jedenfalls erstmal zwei Wochen, um einen positiven Spin für die ganze Sache zu finden. Mal sehen, ob das klappt.

Immerhin gab es heute auch ein sehr positives Event, das zumindest ablenkt: Ich habe meinen neuen Arbeitsvertrag unterschrieben, und damit bin ich für zwölf Monate wieder in Sicherheit. Angestellt, befristet, das Übliche, aber immerhin bin ich nicht wieder arbeitslos. 

Also kann ich mit einem Lächeln in die dreißig Grad Celsius meiner Wohnung zurückkehren, den Abend noch ein bisschen genießen und dann Schlaf nachholen, denn der war gestern nicht allzu reichhaltig.

Mittwoch, 10. August 2022

Kleiner Test


Diesen Stundenplan habe ich heute Mittag bekommen. Wenn Du verstehst, wie ich ticke, kannst Du daraus ableiten, wie mein Tag war. ;-)

Dienstag, 9. August 2022

Ein Lois Duncan-Sommer


Die Sommerferien sind für mich immer eine etwas wacklige Angelegenheit. Auf der einen Seite ist es schön, nicht mehr zwischen den Modi Arbeit und freie Zeit wechseln zu müssen - auf der anderen Seite habe ich nichts mehr, was einen regelmäßigen Tagesrhythmus aufrecht erhält. Das kann dazu führen, dass ich ab der vierten, fünften freien Woche den Überblick verliere. Deswegen ist es am Ende langer Ferien immer ganz schön, wieder in den Arbeitstrott zurückzukommen (man kann sich ungefähr vorstellen, wie das erst in den großen Semesterferien war).

Zum Glück habe ich hier Beschäftigung, der neue Logik-Trainer ist vor ein paar Tagen reingeflattert und ich bearbeite gerade das Rätsel um den Fernsprechtischapparat 611. Außerdem gibt es Videospiele und Filme und die große Buba (momentan aber zur Sicherheit auf Abstand, nein, jetzt nicht mehr). Und in diesem speziellen Sommer ging es für mich mal wieder zurück in die Welt der Bücher.

Wenn ich mich recht entsinne, habe ich zum ersten Mal Lois Duncan mit Schülern in Husum gemacht, I Know What You Did Last Summer. Das hat ganz gut funktioniert - aber interessanterweise hatte ich jahrelang nur insgesamt zwei Duncan-Bücher gelesen. Irgendwann habe ich meinen Horizont dann um drei weitere Bücher erweitert, darunter das grandiose Down A Dark Hall, das ich letztes Jahr mit einer neunten Klasse behandelt habe, aber dann war wieder Schluss. Das dürfte daran gelegen haben, dass es nicht so leicht ist, an Duncans Romane zu kommen, zumindest wenn man eine bestimmte Ausgabe haben möchte.

Und das kann tatsächlich wichtig sein: Vor etwas über zehn Jahren hat der Verlag Little&Brown neun von Duncans Romanen in einer überarbeiteten Ausgabe herausgebracht. Die Geschichten sind ganz leicht modernisiert worden - die Romane wurden in den Siebzigern und Achtzigern geschrieben, und deswegen hat man nun auch Internet und Handys hinzugefügt, damit Jugendliche sich besser mit der Handlung identifizieren können.

Das ist schließlich sehr wichtig, denn Duncan hat viel Young Adult Fiction (YA) geschrieben. Bücher, die sich an eine ganze bestimmte Altersgruppe richten, und bei jedem Buch frage ich mich direkt, ob man das nicht im Unterricht behandeln könnte. Sie sind echt gut. 

In diesen Sommerferien habe ich mir dann vorgenommen, nach weiteren Romanen der überarbeiteten Reihe zu suchen, und bin in Großbritannien und den USA fündig geworden: Locked In Time, The Third Eye, Gallows Hill, Daughters of Eve - und ich habe sie gefressen. Duncan hat mich derartig infiziert, dass mir nun eigentlich nur noch A Gift Of Magic und Ransom fehlen. 

Und die Begeisterung ist ansteckend: Die große Buba frisst gerade ebenfalls alle Bücher auf, die ich ihr ausgeliehen habe. Kein Wunder: Wir sind beide EnglischlehrerInnen, wir lieben es mit Jugendlichen zu arbeiten, wir mögen Lois Duncans Talent, die Naivität Jugendlicher einzufangen und authentisch-realistisch rüberzubringen, selbst wenn in einigen Romanen übernatürliche Elemente vorkommen. 

Ich möchte diese Bücher wärmstens empfehlen und gebe nur kurz eine Stichwortliste zu ein paar der bisher gelesenen Romanen, um vielleicht Interesse zu wecken:

I Know What You Did Last Summer - suspense, betrayal, friendship, responsibility, trust, after school

Down A Dark Hall - gothic fiction, haunted house, boarding school, dark past, insanity, art, supernatural

Killing Mr Griffin - school, naivete, trust, teachers, students, school life, responsibility, revenge, suspense

Locked In Time - southern gothic, magic, plantation, family, greed, envy, love

Gallows Hill - witch trials, Salem, superstition, conservatism, school life, America

Daughters Of Eve - feminism, anti-feminism, school life, gender roles, family, friendship, trust, suspense

Über Daughters Of Eve werde ich beizeiten einen Blogartikel schreiben, weil dieses Buch mich besonders mitgenommen hat. Um die große Buba zu zitieren: "Seite 45 - ich koche! Seite 126 - ich bin eine Sauna!!!" Ich denke mal, dass ich das mit meinem zwölften Jahrgang lesen werde.

Lois Duncan - ganz großartig! Auch wenn sie nach Neunzehnhundertneunundachtzig keine suspense novels mehr geschrieben hat - das Jahr, in dem ihre Tochter erschossen wurde. 

Wie eine Szene aus ihren Romanen...

post scriptum: Ein paar der Bücher gibt es auch als "Easy Readers"-Variante für leistungsschwächere Lerngruppen; deutlich gekürzt, leichtere Sprache, Bilder und Vokabelhilfen.

Mittwoch, 3. August 2022

Das Bushaltestellen-Wunder


Obwohl ich lieber S- und U-Bahn fahre - und ich hoffe sehr, dass der anstehende politische Entscheid für die Kieler Straßenbahn fallen wird - hat doch der Begriff Bushaltestelle in meinem Leben eine besondere Bedeutung gewonnen. Genauer gesagt, drei besondere Bedeutungen.

Da wäre zuerst die Unterrichtsmethode Bushaltestelle, die bei mir so aussieht, dass, wer in einer Erarbeitungsphase zuerst fertig ist, sich an die Bushaltestelle setzt. Das sind zwei Stühle neben dem Lehrerpult. Von da an können sich Schüler melden, die Hilfe benötigen, und der oder die BushaltestellenschülerInnen gehen dann in die Klasse und helfen. Ganz klassisches Schüler-hilft-Schüler-Prinzip, klappt immer wieder super, gerade in den leistungsschwächeren Kursen kann mir das viel Arbeit abnehmen.

Dann war da noch ein ganz besonderes Erlebnis in meiner schulischen Arbeit, an das ich immer sofort denken muss, wenn ich den Begriff "Bushaltestelle" höre - das Bushaltestellen-Wunder. In der Impro AG haben wir damals ganz am Anfang eine Übung gemacht, bei der die SchülerInnen Menschen spielen sollten, die an der Bushaltestelle warten. Sie haben sich also bestimmte Charaktere überlegt und sind dabei in die "Extreme" gegangen: ein spielendes, unruhiges Kind, ein genervter Schüler, zwei, die sich streiten, alles mit ein bisschen overacting. Danach haben wir eine Übung gemacht, bei der wir uns für fünf Minuten so langsam wie irgend möglich bewegen mussten - so langsam, dass die Bewegungen fast wie von einem Schnappschuss zum nächsten wirkten. Diese extreme Langsamkeit hat etwas in den SchülerInnen bewegt; wir haben danach noch einmal die Bushaltestellenszene gespielt, und plötzlich waren da Menschen, die Sorgen im Leben hatten, die verliebt waren, die lecker gegessen hatten, extrem subtil und realitätsnah dargestellt. Ich hatte diesen "Trick" von Viola Spolin gelernt, hätte aber nicht gedacht, dass er so deutliche Resultate bringt. Wirklich ein kleines Wunder.

Nummer drei bezieht sich auf gestern Abend und den Grund, warum ich diesen Artikel überhaupt schreibe. In der großen Buba-Familie gibt es einen Corona-Fall, und zur Sicherheit haben wir uns gestern einfach unten an der Bushaltestelle Diesterwegstraße getroffen, hingesetzt und ein bisschen erzählt. Es gab eine Phase, da hatten wir das hier öfters gemacht, einfach ne halbe Stunde Bushaltestelle, das war cool, wenn ich vielleicht an einem Abend keine Lust auf Menschen hatte. Ich glaube, das war vor unserer Videospiel-Filme-Medien-gemeinsam-erleben-Phase. War großartig und wird deshalb hier festgehalten.

Dienstag, 2. August 2022

Chrónia pollá!

Kleine Erinnerung an eine verrückte Zeit ;-)

Hi Sanni!

Ich will mal hoffen, dass Ihr gerade einen kleinen Urlaub zu viert macht oder zumindest irgendwie den Tag genießt, denn schließlich ist nicht jeder Tag Dein Geburtstag. Ich wünsche Dir für das neue Lebensjahr Gesundheit und Gelassenheit, davon kann man nie genug haben, und dass Euer Haus nicht einstürzt, das kann auch nicht schaden.

Ich komme auf das Einstürzen, weil ich momentan täglich morgens um acht Uhr geweckt werde von den Schlagbohrern in der Nachbarswohnung. Ich dachte erst, dass die einfach nur renoviert werden soll, aber da werden tatsächlich komplett neue Leitungen verlegt, keine Ahnung, was sonst noch alles, jedenfalls haben mein Nachbar links und ich uns vorgenommen, das Treppenhaus erst wieder zu putzen, wenn die Arbeiter aus der Wohnung raus sind, denn die tragen jede Menge Dreck durch das Haus. Ich bin ja mal gespannt, wer da irgendwann einziehen wird; so nach und nach nähere ich mich dem Titel "Fossil im Haus", denn nun sind nur noch zwei Mietparteien länger im Haus als ich. Das ist irgendwie ein besonderes Gefühl - ein Zuhause zu haben. Du kennst das, gerade mit Deiner Familie, jetzt noch besser als ich. Deswegen wünsche ich Dir, dass das Haus nicht zusammenbricht (und Du auch nicht).

Und das mit der Gesundheit vor allem gerade akut, weil sich Corona mir nun langsam nähert: Die große Buba hat einen Coronafall in der Familie, und wir setzen deswegen tatsächlich mal zwei Abende aus, um zu überlegen, ob es jetzt sinnvoll ist, sich zu treffen. Es wäre nicht so ganz praktisch, wenn ich mir jetzt das Virus einfinge, denn am Wochenende stehen zwei wichtige Dinge an: Ein Besuch im Hansa-Park und einer bei meinen Eltern. Bei Letzterem werde ich dann auch das Auto abgeben - es wird wirklich Zeit. Kiel ist mit ÖPNV wunderbar erreichbar, und irgendwann werde ich mir auch wieder ein Fahrrad zulegen. Ich schaffe es in meinem jetzigen Zustand einfach nicht, ein Auto zu warten, so deprimierend diese Erkenntnis auch sein mag.

Jetzt habe ich den Hauseinsturz erklärt, und auch die Gesundheit, bleibt also die Gelassenheit. Irgendwann in den nächsten drei Wochen werde ich mit meinem Psychiater telefonieren, um zu erfahren, ob er einen Diagnoseplatz für mich finden konnte. Das ist alles aufregend und fällt mit Schulbeginn mit drei neuen Lerngruppen zusammen, das könnte schnell überfordernd werden. Und dank Caro erlebe ich es, wie es ist, als HSP in einer Situation überfordert zu sein - deswegen der Wunsch nach Gelassenheit für Dich.

Ist es nicht drollig, wie man einen Geburtstagsgruß an einen Menschen so verfassen kann, dass es irgendwie nur um einen selbst geht? ;-)

Viele liebe Grüße aus dem dritten Stock an die ganze Familie!

Dr Hilarius

Montag, 1. August 2022

"Ich habe gerade meine Couch im Klo runtergespült."


Dr Hilarius: "Ich habe gerade meine Couch im Klo runtergespült."

Die große Buba: "Oh, mittlerweile ist deine Couch auch im Haus meiner Eltern angekommen."

Ich finde es immer wieder faszinierend, wie erleichternd, befreiend, zufriedenstellend Staubsaugen sein kann. Einfach mal schnell die Wohnung durchsaugen, und auf einmal kann ich wieder den Boden sehen. Ich kann mit gutem Gewissen barfuß herumlaufen, auf dem Holzboden ist das sehr angenehm. Und ich freue mich immer, wenn es im Saugrohr klötert, denn das zeigt mir, dass es sich wirklich lohnt.

Dass ich den Boden manchmal nicht mehr sehen kann, liegt nicht daran, dass überall Müll herumliegt (tut er trotzdem), sondern dass ich mir mit Einzug in diese Wohnung eine Schlafcouch gekauft habe (gut), mit Kunstleder (nicht gut). Diese Couch ist der Mittelpunkt meiner Wohnung, ich verbringe hundertzwanzig Prozent meiner freien Zeit dort. Oft zusammen mit der fetten Schnecke, Filme, Videospiele, Musik, Meditation. 

Kunstleder nutzt sich ab, und irgendwann ist es so dünn geworden, dass es gerissen ist. Seitdem fliegen ständig kleine schwarze Fetzen durch die Wohnung. Das stört mich nicht weiter, aber hin und wieder ist es schön, das alles aufzusaugen und einen Tag freien Boden zu genießen.

Diese Fetzen sind wirklich überall, und so ist neulich auch einer im Klo gelandet, so dass ich der großen Buba schreiben konnte, dass ich meine Couch im Klo runtergespült habe. Das ist wie ein running gag zwischen uns, und natürlich ist auch sie nicht gegen die Fetzen gefeit - so dass meine Couch mittlerweile ein paar Häuser weiter gelandet ist.

Es wird mal Zeit für eine neue Couch, und bis dahin muss ich aufpassen, dass ich die jetzige nicht aus Versehen aufesse.