Sonntag, 29. Oktober 2017

Rachegedanken

Ein bisschen Brimborium hat damals im Studium immerhin für ein bisschen Ruhe im Kopf gesorgt ^^

Im aktuellen Videospiel gab es heute eine recht dramatische Szene, in der eine Nebenfigur, deren Bruder getötet wird, von Rachegelüsten verzehrt wird und schließlich den Verstand verliert. Schnell kann man dabei fragen, ob die Darstellung nicht etwas übertrieben ist. Hab' ich aber nicht; ich habe mich selbst gefragt, wie meine Erfahrungen mit dem Wunsch nach Rache sind.

Ich weiß nicht, wie die buddhistische Sicht zu diesem Thema ist - bzw. doch, mittlerweile weiß ich es ja. Und mittlerweile kann ich die Rachegedanken in den Meditationen in Luft auflösen, weil ich nun immer versuche, die andere Seite zu verstehen. Die Seite, die mich verletzt hat, die mich wütend gemacht hat (und ja, die gibt es auch heute noch); Mitgefühl ist eines der Entwicklungs"ziele" des Zen-Buddhismus.

Und das ist wirklich nicht leicht, denn ich muss so viel Wut runterschlucken, so viele Tränen aushalten, bevor ich endlich ehrlich die andere Seite zu verstehen beginnen kann. Aber es hilft: Dank dieses Mitgefühls verstehe ich mittlerweile, warum Er so tickt. Das löst natürlich nicht die Probleme selbst. Aber es sorgt dafür, dass ich diese Probleme wirklich lösen will, und das ohne Hinterhalte, Intrigen oder Waffen.

Ohne, dass jemand zu Schaden kommt.

Samstag, 28. Oktober 2017

Verantwortung übernehmen

Büro = Verantwortung...?

Ich habe in meiner Kindheit und Jugend nie ernsthaft für irgendwas Verantwortung übernommen, manchmal nicht einmal für mich selbst. Ich wollte das auch nie; wann immer sich die "Gefahr" abzeichnete, dass ich Verantwortung für eine Gruppe oder ein Projekt übernehmen sollte, zum Beispiel in der Schule, habe ich versucht, mich irgendwie davor zu drücken. Und das war nicht immer aus Faulheit, auch wenn das für Außenstehende die angenehmste Erklärung war.

Ich hatte Angst, wie so oft, Angst davor etwas falsch zu machen und den "Sieg" unserer Gruppe zu versauen. Minderwertigkeitskomplexe. Denn, wenn ich ein Spiel nicht gewinne, wenn ich eine Aufgabe nicht schnell genug erledige, dann macht mir das nichts aus, solange nur ich selbst die Konsequenzen ertragen muss. Wenn aber andere Menschen ebenfalls unter meiner eventuellen Niederlage zu leiden hätten, das war für mich der absolute Alptraum.

Ich wollte nie, dass sie enttäuscht von mir sind. Ich habe in meiner Jugend immer wieder zu spüren bekommen, dass ich anders bin, nur leider hat sich das nie positiv angefühlt. Eher wie "Ich bin anders, und deswegen kann ich meine Aufgaben nicht zufriedenstellend erledigen".

Diese Angst, Andere enttäuschen zu können... kennt vermutlich jeder, der diesen Beitrag liest. Und auch, wer den Beitrag nicht liest; aus Erfahrung weiß ich, dass Er auch noch teilweise panische Angst davor hat, seine Mitmenschen zu enttäuschen, in der Konsequenz zu verlieren und allein zu sein. Ich muss zugeben... als wir noch normalen Kontakt miteinander hatten, hat mir oft das Verständnis für seine Angst gefehlt - "Ach, Dr Hilarius, das kennst du ja nicht mehr, du bist ja sooo viel weiter..." - und es braucht tatsächlich Intro- und Retrospektive wie an dieser Stelle, damit ich mich erinnere, dass ich diese Angst auch hatte. Habe? Ich wünschte nur, ich könnte ihm diese Angst irgendwie nehmen. Ich wünschte, Er wäre wieder bei mir.

Aus dem Grund - keine Verantwortung für irgendwas außer meinen eigenen Erfolg übernehmen zu wollen - habe ich mich im Studium sehr wohlgefühlt. Ich habe mir meine Kurse zusammengestellt, musste nur äußerst selten irgendwelche Gruppenarbeiten erledigen. Lernte so gut wie nie mit Kommilitonen für Klausuren. Hielt mich aus allem heraus, was nichts mit mir direkt zu tun hatte.

Das ging für etwa drei Semester gut. Dann meinten ein paar ältere Lateinstudenten, ich solle bei den Saturnalien mitmachen. Und dann fragte plötzlich jemand, ob ich nicht Hiwi werden wollte, ein bisschen Geld verdienen und - jep - Verantwortung übernehmen. Ich habe das Argument mit der Verantwortung ausgeklammert und einfach die monatliche Abrechnung gesehen. So wirklich ernst mit der Verantwortung wurde es, als ein Kommilitone im Examen mich überfiel mit: "Hey Doc, wir haben jetzt seit ein paar Semestern versucht, eine Fachschaft für Latein und Griechisch genehmigt zu bekommen; wir haben erst jetzt die Zusage bekommen, jetzt sind wir fast mit dem Studium durch. Würdest du das mit jemandem zusammen machen?"

Wäre da nur ich allein gewesen, hätte ich sofort abgelehnt. Aber ich hatte ein paar total verrückte Freunde gefunden - richtige Freunde, zum ersten Mal im Leben, und ich fragte sie, ob wir das vielleicht zusammen wuppen könnten. Wir bekommen dafür kein Geld, wahrscheinlich noch nichtmal ein Dankeschön von irgendjemandem. Aber wir konnten jüngeren Studenten helfen. Und das taten wir dann.

Indem ich also zum ersten Mal in meinem Leben anderen Studenten geholfen habe, sie beraten habe, habe ich also Verantwortung übernommen. Und es ist nicht so, dass meine Angst vor dem Enttäuschen plötzlich weg war: Ich hatte immer noch Angst, dass ich ihnen Unsinn erzähle, dass sie meinetwegen in ihrem Studium nicht richtig vorankommen. Die Tatsache, dass wir mehrere Mitglieder in der Fachschaft Klassische Philologie waren, hat aber Mut gemacht. Und ich dachte mir, okay, solange das nicht mehr wird, schaffe ich das.

Und irgendwann wurde es dann mehr - als Ingo Kolar damals mit einem Tablett Donuts im Hiwibüro auftauchte. "Ich wollte nur mal reinschauen und Donuts mitbringen" - immerhin hat er mit seinem Hintergedanken nicht lange hinterm Deich gehalten, das war pure Strategie: Ob ich mich für die "Fachschaftsliste HSG" (FaLi) für die nächste Wahl des Studierendenparlaments (StuPa) aufstellen lassen würde.

Ich hab ihm dann genau die gleiche Inkompetenzarie heruntergebetet, und er hat versucht, mich zu beruhigen: "Keine Angst, die Wahrscheinlichkeit, dass du tatsächlich ins StuPa kommst, ist gering, wir haben so viele Kandidaten auf der Liste... dein Name könnte uns aber ein paar zusätzliche Stimmen einbringen, denn dich kennen ja einige durch die Arbeit im Institut." - "Naja okay meinetwegen, wenn ich sowieso nicht damit rechnen muss,  reinzukommen..." - "Und wenn, dann kannst du deinen Platz ja auch einfach an den nächsten Listenkandidaten abgeben, das ist gar kein Problem!" - "Na gut, wenn ich keine Verantwortung übernehmen muss... dann setz' mich auf die Wahlliste!"

Big mistake. Or was it?

Denn irgendwie kannten mich letztlich doch so viele Studierende, dass es für einen der einundzwanzig Sitze im StuPa gereicht hat. Und plötzlich war von "Abgeben" keine Rede mehr: "Ach komm, das wird bestimmt ganz interessant, und du kannst da gar nicht viel falsch machen." Aha... "Wir wollen versuchen, in jeden der drei Ausschüsse mindestens einen FaLi-Menschen zu schicken. Im Hochschulausschuss, da musst du nie was machen, die treffen sich nur bei Bedarf, vielleicht einmal im Jahr." Aha...

...und dann stand die konstituierende Sitzung an und es ging an die Wahl der drei Ausschüsse. Wir hatten abgesprochen, dass M mich für den Hochschulausschuss vorschlägt, klasse, da kann ich als Muse Incompetentia nicht allzu viel kaputtmachen. Doch zuerst sollte der Haushaltsausschuss gewählt werden (HHA), und fröhlich und ohne Zögern rief M in die Runde: "Ich schlage Dr Hilarius vor!"

Method acting. Einfach weiterlächeln, he he... he... Erdetudichaufundverschlingmich! Spontan fiel mir Ingo wieder ein: "Der einzige Ausschuss, der tatsächlich einiges zu tun hat, ist der Haushaltsausschuss. Der bestimmt über die Verwendung der Gelder der Studierenden, Finanzanträge und so, der muss sich dazu einmal monatlich treffen." ...and the rest is history.

Und so sollte ich nun Verantwortung für einen Teil der Semesterbeiträge übernehmen? Der totale Horror, ich hatte wirklich Angst, alles falsch zu machen. Aber zum Glück waren ja auch noch andere Stupisten im HHA - und irgendwie klappte es. Irgendwie habe ich mich auf einmal ein bisschen wichtiger gefühlt. Und das wurde intensiver, als ich in meinem zweiten und dritten Jahr StuPa plötzlich HHA-Vorsitzender wurde - was übrigens nichts mit Qualifikation zu tun hat: Der Vorsitzende übernimmt die ganze Schreibarbeit, ich glaube, da sind viele froh, wenn sie es nicht machen müssen. Naja, und ich hatte ja auch Unterstützung, wer war denn da noch... Flori Pietsch, Alex Schmuck (fand ich süß - hoffentlich liest er das nicht ^^), warum kann ich mich nicht an die restlichen Mitglieder erinnern? Manu, Manu, irgendwas mit Manu - naja, wer so egozentrisch ist wie der Doc, der bekommt eh' nichts um sich herum mit.

Ich glaube, man wächst mit seinen Aufgaben - aber dann kam das Ref und damit als Dauerkanonade ein "schlecht, falsch, ungeeignet, nicht durchdacht"-Refrain, der letztlich dazu geführt hat, dass ich wieder am Anfang stehe: Ich möchte keine Verantwortung übernehmen für irgendwas, das nicht direkt mit mir zu tun hat. Damit im schlimmsten Fall nur ich darunter zu leiden habe.

Das heißt... eine Ausnahme gibt es mittlerweile doch. Einen Menschen gibt es, für den ich Verantwortung übernehmen würde. Ich habe irgendwann einmal gehört, dass das einer der Kernbestandteile einer "Beziehung" ist - Verantwortung füreinander zu übernehmen. Ihr dürft mich gern davon überzeugen, dass ich das falsch in Erinnerung habe; ich habe in den vergangenen Jahren immer wieder behauptet, dass ich nicht auf der Suche nach einer festen Beziehung bin, und das behaupte ich auch heute noch. Aber manchmal frage ich mich, wenn Er dazu bereit wäre, wie ich dann denken würde. Für den Moment ist mir das zu hypothetisch. Aber immerhin: Der Gedanke war mal da.

So, Schluss für heute. Als letzter Zusatz sei noch erwähnt, dass auch einer der Gründe, warum ich zur Zeit kein Kind adoptieren würde, darin besteht, dass ich es mir nicht zutraue, diese Verantwortung zu übernehmen. Ich bewundere alle, die dieser Tage und Jahre Eltern werden.

Donnerstag, 26. Oktober 2017

Hausbeben

...breaking apart...

E.A.Poes The Fall of the House of Usher - modern und in Hassee. Hoffen wir mal, dass es nicht bis zur Katastrophe am Ende der Geschichte kommt. Aber von Anfang an, denn: Zukunft braucht Herkunft.

Als ich zum ersten Mal die Keller dieses Hauses erforscht hatte, war ich erstaunt, wie lang die Gänge des Gewölbes sind. Ich wohne direkt an einer vielbefahrenen Kreuzung, und mein Orientierungssinn hatte mir angedeutet, dass ein Teil der Straße unterkellert sein muss. Das ist wahrscheinlich Unsinn. Aber es fühlt sich tatsächlich so an, nicht nur optisch.

Die große Buba war neulich zu Besuch, wir saßen in aller Ruhe auf der Psycho-Couch, als plötzlich ein Beben durch die Wohnung ging. Ein, zwei, drei spürbare Stöße, quasi ein kleines Hausbeben. Ich kenne das schon zur Genüge, ich erlebe das mit hübscher Regelmäßigkeit; DGB aber hat das zum ersten Mal bewusst wahrgenommen und war, vollkommen zu Recht, etwas erschrocken.

Ich habe ihr dann erklärt, dass das immer passiert, wenn die großen LKWs die Kreuzung passieren. Meine ehemalige Nachbarin hat mich aufgeklärt, dass es am schlimmsten bei den riesigen Kränen ist: Man denkt, dass das Haus kurz vor dem Einsturz steht. Ob das was mit einer möglichen Unterkellerung der Straße zu tun hat, kann ich nicht sagen - wobei, das würden die Gewölbe doch niemals überstehen, oder? Selbst in meiner Wohnung direkt unter dem Dach sind mir schon bei der ersten Wohnungsbesichtigung die Spuren aufgefallen, die das Hausbeben hinterlässt, und nun kommen wir zum literarischen Einstieg zurück.

Die Risse in den Wänden erinnern mich nämlich unweigerlich an den Riss, der durch das Herrenhaus in Poes Geschichte führt und an dem das Haus schließlich zerbricht und dem Erdboden gleich gemacht wird. Und ich frage mich, wann es wohl hier soweit sein wird. Ich hoffe natürlich gar nicht, denn mit dieser Wohnung habe ich mich richtig angefreundet.

post scriptum: Ich schaue gerade wieder Dario Argentos "Suspiria" - die Bluray von '84 Entertainment ist fantastisch! Gestochen scharfes Bild, die Farben (ein eigener Charakter in diesem Film) leuchten noch mehr, und die 5.1-Tonspur zieht mich richtiggehend hinein in den Film. Kein Vergleich zu der DVD, die ich bisher hatte und auf deren Grundlage ich meine erste Suspiria-Rezension geschrieben habe. Es ist, als würde ich einen ganz anderen Film schauen. Ein echtes Kunstwerk!

Dienstag, 24. Oktober 2017

Der beste Beruf der Welt


"Herzlichen Glückwunsch, sie haben sich für den anspruchsvollsten Beruf der Welt entschieden. Noch können sie das nicht schaffen, aber wenn sie mit diesem Teil der Ausbildung fertig sind, mit dem Referendariat, dann werden sie genauso gut sein wie wir."

Und ich bin arrogant und überheblich? Diese Worte stammen aus dem Mund des Leiters des IQSH, das in Schleswig-Holstein die Lehrerausbildung verwaltet, im Jahr 2012, wenn ich das recht erinnere. Dr Thomas Riecke-Baulecke. Wer solche Worte vor weit über hundert Nulltsemestern in den Mund nimmt, wartet nur darauf, zitiert zu werden. Und wer bisher aufmerksam mitgelesen hat, der sieht, dass R-B nicht vom besten, sondern vom anspruchsvollsten Beruf gesprochen hat - aber mit derart stolzgeschwellter Brust, dass man recht schnell merkte: Er findet sich schon ganz geil. Also, den Lehrberuf.

Und nun tun wir dem armen R-B mal nicht Unrecht; er ist nicht der Einzige mit dieser Diktion. Mit wunderbarer Regelmäßigkeit hören wir in Talkshows und lesen wir in einschlägigen Zeitschriften von Lehrkräften, die festhalten, was sie eigentlich für Arbeiten zu erfüllen haben: Sozialarbeiter, Pädagogen, Fachvermittler, Psychologen, Mediatoren, Familienhelfer - und vieles mehr. Und da ist ja auch ein bisschen was dran, wenn es nur nicht suggerieren würde, dass all' diese Lehrkräfte diese Aufgaben auch beherrschen. Tut mir nicht leid, aber ich habe in den letzten fünf Jahren ausreichend Lehrkräfte erlebt, die diesen Aufgaben eben nicht gewachsen waren. Und das ist ja auch in Ordnung, nobody is perfect, und ich ganz bestimmt erst recht nicht, sonst wäre ich nicht arbeitslos.

Ich möchte nur mal ein bisschen abkommen von der Denke, dass unser Beruf irgendwo ganz oben auf einer imaginären Rangliste anzusiedeln ist. Und möchte ein bisschen Respekt schaffen für: Ärzte, die meinen Finger wieder gerichtet haben; Klempner, dank denen ich wieder Wasser in meiner Wohnung habe; Techniker, dank denen ich überhaupt diese Gedanken in das Internet tragen kann; unterbezahlte Näherinnen in Indien, die mir meine Klamotten im Studium produziert haben; Bauarbeiter, die dafür sorgen, dass mir unter meinem Arsch nicht die Straße wegbricht; Kassiererinnen, die es ermöglichen, mein täglich Brot aus dem Regal in meine Küche zu befördern (na, registriert und analysiert schon jemand meine Verwendung der Geschlechter?); die Ladies unten bei Frau Kliewer im Laden, die mich von den nervigen Haaren befreien; Bauern, ohne die ich heute keinen Kaiserschmarrn würde backen können, für den ich Eier, Mehl und Milch benötige; ADAC-Engel, die mich nach einem Unfall auf dem Schulweg wieder in die Zivilisation befördern...

Ich kann diese Liste unendlich fortführen. Ich finde es ziemlich vermessen, Berufe in eine unsachliche Rangliste zu ordnen. Jeder einzelne dieser Berufe ist wichtig, und es mag sicherlich Unterschiede geben hinsichtlich der Frage, wie anspruchsvoll diese Berufe sind. Sich aber damit zu brüsten, gerade als Lehrer, der den Lehrberuf verlassen hat, um das IQSH zu leiten, kann ich nur schwer ertragen. Und so habe ich das IQSH hassen gelernt, bereits ein paar Tage, bevor ich überhaupt offiziell Referendar wurde.

Diese Abneigung hat dann auch dazu geführt, dass ich es abgelehnt habe, meine Hausarbeit im Institut auszustellen. Ich stelle sie gern jederzeit hier im Blog zur Verfügung, aber nicht unter der "Schirmherrschaft" des Ladens, der mich zu biegen und brechen versucht hat. Ich wollte auf keinen Fall, dass das IQSH sich diese Hausarbeit als Ergebnis ihrer Ausbildung auf die Kappe schreibt.

JEDER Beruf zählt.

Montag, 23. Oktober 2017

Cinerentula - Aschenputtel Latine versa

Random-Bild, Quelle: https://www.roalddahlfans.com/wp-content/uploads/revolatin7.jpg (müsste das nicht eigentlich mit Gerundivum gebildet werden?)

Dieses Werk hat seitens des Profs, der es in Auftrag gegeben hat, nie die verdiente (oder überhaupt irgendeine) Anerkennung bekommen. Viel Spaß beim Lesen - ich garantiere nicht dafür, dass man es mit Schülern behandeln kann - aber vielleicht könnte das ganz nett werden. Wir haben eine Ewigkeit gebraucht, um in Erfahrung zu bringen, was eigentlich ein "Puttel" ist...

Cinerentula
übersetzt von Yasemin Demir, Sandra Ertel, Tobias Homann und Catrin Riegel

Fuit vir dives, cuius uxor aegrotavit. Cum se brevi tempore morituram esse sentiret, filiam ad lectum suum vocavit et “Cara puella” inquit, “in pietate et in virtute mane, ut deus tibi semper faveat. A caelo te aspicam.” Sic effata mortua est. In dies filia pia ad sepulcrum matris venit et flevit. Anno intermisso pater alteram in matrimonium duxit.
Haec mulier duas filias in domum eius induxit, quae facie pulchrae et candidae sed corde nigrae et improbae fuerunt. Tum tempus triste puellae coepit. “Licetne” aiunt, “anseri nobiscum sedere? Ei, qui edere vult, panis merendus est. Exeat ancilla!” Tum vestimentum pulchrum dereperunt et ei pallam canam veterem induerunt et calceos ligneos dederunt.
“Ecce regis filia gloriosa tam ornata!” His verbis exclamatis Cinerentulam in culinam duxerunt. Ab ortu ad occasum solis laborare et ante ortum surgere, aquam portare, ignes facere, coquere et lavare debuit. Ultro sorores eam quibuscumque maeroribus affecerunt et eam illuserunt et pisa lentesque in cinerem fuderunt, ut diligeret. Vesperi exhausta non in lectu, sed in cinere iuxta focum dormivit. Cum ob eam rem sordida esset, eam Cinerentulam appellaverunt.
Accidit, quod pater in mercatum ire voluit, cum privignas interrogavit, quid allaturus sit. Tum altera “Vestes pulchras”, “Gemmas et margaritas” altera respondit. “Sed tu, Cinerentula” ait, “quid tu habere vis?” “Pater, defringe primum surculum, quod in itinere tuo caput tangit.” Privignis vestes gemmasque emit et per corulum equitans pilleum a surculo attractum amisit. Tum surculum defregit et secum duxit.
Cum domum venit privignis desiderata dedit. Cinerentulae surculum coruli dedit. Gratias egit et ad tumulum matris iit et surculum posuit. Lacrimis terram perfudit. Surculus crevit et arbor pulchra facta est. Diem de die ter sub arborem iit, flevit, oravit et semper avis alba in arborem volavit et cum puella desiderium declaravit, avis deiecit, quod ea desideravit.
Evenit, ut rex tres dies festos pararet. Ad quos omnes pulchrae virgnies terrae invitatae sunt, ut filius regis uxorem deligeret. Sorores cum id audivissent, ut ibi pararent, gavisae sunt. Tum Cinerentulam vocaverunt, quae capillos suos pecteret et soleas purgaret et fibulas figeret, quia ad nuptias in arcem regis adire voluerunt. Cinerentula paruit et flevit, quia etiam ad saltationem adire voluit. Oravit novercam, ut sibi permitteret. “Cinerentula” inquit noverca, “num sordida cinere ad nuptias adire vis? Tibi nullae vestes soleaeque sunt. Num saltare vis?” Cum Cinerentula pergeret , noverca dixit: “Ecce lentes in cinerem dispersi. Si lentes intervallo duarum horarum legeris, adibis.” Puella in hortum iit et evocavit: “Columbulae, columbulae placidae, turturillae, omnes aves sub caelo, venite et me adiuvate legere – Bonae in ollulam, malae in gutturulam.”
Per fenestram culinae duae columbulae pervolaverunt, tum turtures, denique omnes aves sub caelo. Omnes circum cinerem circumsederunt. Bonas lentes in ollam legere coeperunt. Una hora intermissa operam finiverunt et evolaverunt. Tum puella ollam ad novercam attulit et gavisa est et se ad nuptias adire permissum iri putavit. Sed noverca dixit: “Minime, Cinerentula. Tibi nullae vestes sunt et tu saltare non potes.” Cum Cinerentula flevit, noverca “Si duas ollas” inquit, “spatio unae horae e cinere legere potueris, adibis.” Et Cinerentulam numquam perfecturam putavit.
Postquam duas ollas lentum in cinerem dispersit, Cinerentula omnes aves rursus evocavit, ut se adiuvarent. Paulo post operam finiverunt. Puella rursus ad novercam adiit. Sed noverca rursus dixit: “Nihil te adiuvabit. Non venies, quia nos pudet tuae speciei.” Denique cum sororibus abiit. Tum Cinerentula ad tumulum matris sub curulo iit et vocavit: “Arbuscula, quassa quate funde aurum et argentum.” Avis vestes et aureas et argenteas deiecit. Festinanter sibi vestes induit atque ad nuptias properavit.
Cinerentula tam pulchra fuit, ut nemo eam cognosceret, ne sorores quidem nec noverca. Filius regis totum vesperum cum ea saltavit. Cum domum ire vellet, filius regis id concedere noluit. Ergo fugientem secutus est. Cinerentula in columbarium saluit. Cum rex, qui eam in columbario esse scire vellet, id deleret, id vacuum esse vidit. Cinerentulam in cinere dormientem sordido vestimento indutam in culina invenerunt, quae antea cito e columbario domum fugisset.
Proximo vespere eadem acciderunt. Sed in hoc fugiens in hortum saluit et ascendit arborem. Tum rex arborem cecidit. Iterum Cinerentula sordido vestimento induta in culina fuit.
Tertio die avis ei vestem splendidissimam et soleas aureas dedit. In hoc filius regis gradus picandos curavit, ut Cinerentula, cum fugeret, soleam amitteret. Solea fuit venusta et aurea et parva. Ortu solis filius regis dixit: “Unam eam, cui heac solae est, in matrimonium ducere volo.”
Tum sorores gavisae sunt, quid eis pedes pulchri fuerunt. Soror maxima soleam aptare voluit, sed pollex aptus non fuit, quia solea minor fuit. Statim mater ei cultrum dedit, it ea pollicem abscindere posset. Sine pollice ad filium regis advenit et cum eo ad arcem equo avecta est. Cum ambo sepulcrum preaterirent, columbulae in curulo vocaverunt: “Turtura, turtura, sanguis est in solea. Minor est crepida, est domi sponsa vera.”
Tum filius regis sanguinem se e solea efundentem aspexit. Ergo falsam sponsam reddidit et soleam ab altera sorore aptatum iri dixit. Quae soleam aptare voluit, sed calx apta non fuit. Mater ei quoque cultrum dedit, ut calcem abscindere posset. Sine calce ad filium regis advenit et cum eo avecta est. Cum ambo sepulcrum praeterirent, columbulae in curulo vocaverunt: “Turtura, turtura, sanguis est in solea. Minor est crepida, est domu sponsa vera.”
Tum iterum filius regis sanguinem se e solea efundentem aspexit. Ergo falsam sponsam reddidit et rogavit: “Habesne aliam filiam?” Pater respondit: “Filiam sordidam tantum a mea prima uxore habeo. Ea numquam sponsa esse potest.” Sed filius regis eam videre voluit. Mter autem contradixit: “Sed ea est nimis sordida. Eam videri non licet.” Sed filius regis in sententia sua perseveravit, ut Cinerentula afferetur. Lavata ad filium regis advenit et accepit soleam auream a filio. Cum ea soleam aptaret, solea apta fuit. Statim filius regis cognovit Cinerentulam, quacum saltaret, et vocavit: “Ea sponsa vera est!” Mater et sorores aegre tulerunt. Tum filius regis Cinerentulam ad arcem duxit. Cum ambo sepulcrum praeterirent, columbulae in curulo vocaverunt: “Turtura, turtura, sanguis nullus in solea. Est apta crepida, domum it sponsa vera.”
Die nuptiarum etiam sorores falsae blanditiae causa venerunt. Poenae autem columbulae oculos sororum effoderunt. Sic caecae fuerunt ad ultimum diem, cum Cinerentula cum coniuge beate viveret ad ultimum diem.
Et, nisi mortui sunt, iam hodie vivunt.

FINIS

Sonntag, 22. Oktober 2017

Dazugehören

Was uns verbindet? Die Farbe Schwarz...

Vorweg: Die Idee zu diesem Beitrag kam bereits vorgestern, diese ersten Zeilen habe ich gestern geschrieben, dennoch musste die Veröffentlichung bis heute warten, denn das hier beschriebene Gefühl konnte ich erst in der letzten Nacht wieder erleben und wollte die Eindrücke möglichst unverfälscht wiedergeben.

Manche Menschen kommen auf diese Welt und haben, soweit sie sich erinnern können, nie ein Gefühl von Zugehörigkeit erfahren. Schon als Kinder haben sie sich in ihrer Familie irgendwie fremd gefühlt. Vielleicht, weil ihre Eltern ihnen das Gefühl gegeben haben, in der Familie nicht willkommen zu sein, oder vielleicht, weil sie tatsächlich anders waren und das nicht so einfach akzeptiert werden konnte. Ein Gefühl von wir konnte nicht entstehen, stattdessen haben sie sich an den Topos von ich und die anderen gewöhnt.

Wer Glück hatte, konnte in der Schule einen Freundeskreis finden. Eine peer group, in der man willkommen war und die einen genauso nahm, wie man war - vielleicht, weil die anderen selbst etwas spezieller waren. Manch' einer hatte da allerdings Pech, wurde gemobbt und ausgegrenzt, und das, obwohl er so sehr versuchte, sich anzupassen und dazuzugehören.

Für diese Menschen, die jahrelang auf der Suche nach der eigenen Identität sind - und nach Menschen, bei denen sie OK sind - na super, Bewusstseinsstrom, diesen Satz habe ich in der letzte Nacht angefangen und jetzt weiß ich nicht mehr, wie ich weiterschreiben wollte.

Wenn ich Schüler bemerke, denen es so geht, die das Gefühl haben, immer außen vor zu sein, versuche ich ihnen einen Gedanken an's Herz zu legen: Irgendwann werden auch sie Menschen finden, die ihnen das Gefühl von Zugehörigkeit vermitteln. Und ich erzähle dann aus meinem eigenen Leben. Und dass ich mehr als zwanzig Jahre auf dieses Gefühl habe warten müssen - bis ich schließlich im Lateinstudium angekommen war und dort zwar nach wie vor ein Freak war, aber damals studierten fast nur Freaks dieses Fach, das war noch vor den neuen Studiengängen und dem Latein-Boom. Da fand ich Menschen, die auch alle ein bisschen verrückt waren. Auch dort habe ich mir zwar Zeit gelassen, mich mit Kommilitonen anzufreunden, aber ich hatte nicht mehr das Gefühl ausgegrenzt zu sein.

Und mein zweites Erlebnis von "dazugehören" folgte ein paar Jahre später, als ich zum ersten Mal auf eine Party der Schwarzen Szene mitgenommen wurde. Dort habe ich mich sofort wohlgefühlt, und das Gefühl hält bis heute an. Letzte Nacht war es wieder soweit, und ich wollte die Party abwarten, um sicherzustellen, dass es dieses Gefühl noch immer gibt. Und auch wenn immer wieder einige "Normalos" sich auf die Lost Souls verirren, so trägt doch der Großteil schwarze Outfits, Metall, Nieten, Ketten, Schmuck, schwere Boots, düsteres Makeup, und tanzt sich die Seele aus dem Leib, ohne sich darum zu scheren, was Andere wohl denken könnten. Denn auf dieser Party ist man unter sich, da muss man sich nicht groß verstellen.

Kennzeichnende Szene aus der vergangenen Nacht: Ich verlasse die Trauma, in der gleichzeitig auch die Depeche Mode-Night stattgefunden hatte, und gehe draußen über den Parkplatz. Ich gehe an zwei jungen "normalen" Frauen vorbei, die sich über das Publikum unterhalten, und ich bin gerade mal zwei Schritte an ihnen vorbei, da haut die Eine die Andere an: "Guck mal, so musst du zu dieser Party gehen, guck dir mal den Typen mit dem ganzen Metall dort an, jetzt guck doch mal!" Wie subtil. Ich habe es genossen. Auf dieser Party sind sie diejenigen, die sich nicht dazugehörig fühlen. 

Aber ich bezweifle, dass sie das ernsthaft stört. Denn manche Menschen haben eben das Gefühl, überall Teil der Gruppe zu sein, und sie verbiegen und brechen sich, um mitmachen zu können. Oder manche, naja, die kommen einfach überall gut an, die werden gleich in die Clique aufgenommen. Über diese Menschen werde ich nicht extra einen Artikel schreiben. Denn dann müsste ich wieder unweigerlich an ihn denken - der Er überall dabei sein will, überall im Mittelpunkt stehen will und sich sonstwie verstellt, damit nur niemand etwas "Komisches" über ihn denkt.

Klar habe ich ihn damals auch gefragt, ob Er mal mitkommen will auf die Lost Souls. Mehrfach sogar; Er hat zwar nie direkt abgelehnt (denn dazu müsste Er "Nein" sagen können), aber irgendwann habe ich (endlich) realisiert, dass Er dort nicht sein möchte. Und natürlich habe ich mir immer wieder gedacht "Woher willst du wissen, dass das nichts für dich ist?" - aber lass mal, DocH, Du kannst niemanden dazu zwingen, so wird keiner der Beteiligten glücklich. Und wer in erster Linie auf Parties geht, um sich volllaufen zu lassen, der findet tatsächlich bessere Events als die Schwarze Szene.

Für mich ist das aber genau das Umfeld, in dem ich mich hin und wieder austoben möchte. Hier höre ich Musik, die ich kenne, auch gestern wieder: Combichrist, VNV Nation, Covenant, ASP, Oomph!, Shock Therapy, Noisuf-X uvm... - und hier sehe ich Menschen wieder, die ich kenne: die Jackettfrau, das Spetsnazmädchen, Cybergoths, Electroheads, und sie alle sehen so gut aus und es fühlt sich so toll an, im Rhythmus mit ihnen zu tanzen.

In einem Monat geht es wieder los! Und bis dahin genieße ich es wieder, ganz für mich zu sein.

post scriptum: Jedesmal wieder der Moment, in dem man sich in den Augen herumreibt und einem dann einfällt, dass man ja Kajal und Lidschatten drauf hatte und nun die Augen brennen, weil man alles reingerieben hat, und man realisiert, dass man drei Schichten Nagellack draufhat - Schutzlack als Grundierung, dann schwarz und dann einen unsichtbaren UV-aktiven Lack drüber... und ich muss meine Boots dringend mal wieder putzen und pflegen. Ich habe das alles schleifen lassen. Und den Tag heute im Zombiemodus rumbringen, viel Schlaf gab es nicht und das graue Wetter draußen trägt nicht gerade zur Energetisierung bei...

Freitag, 20. Oktober 2017

B200 - Druckertod

Für eine Weile sind bei mir alle Lichter ausgegangen...

Das klingt wie ein Do It Yourself-Problem, oder wie eine Spezialattacke des Terminators. Oder wie eine besonders spaßige Freizeitbeschäftigung für alle, die einen Canon-Drucker besitzen und eine verrückte Buba haben, die die Herbstferien nutzen möchte, um sich die Operatorenlisten in den Fachanforderungen für Englisch vorbildlich durchzulesen, zu inhalieren und in Zukunft nur noch damit im Unterricht zu arbeiten, ha ha, ich lach' mich tot. Jedenfalls kommt die Buba hier vorbei, fragt ganz harmlos danach und das alte Frettchen hilft der fetten Schnecke natürlich gern - oder würde es, möchte ihr die Seiten mit den Operatorenlisten ausdrucken, doch der Drucker wechselt in einen Zustand von Arbeitsunwillen und das Display zeigt mir einen roten Kasten an: "Fehler B200 - Trennen Sie das Gerät vom Netz und setzen Sie sich mit dem Service-Center in Verbindung." - natürlich gehen bei mir Technik-N00b gleich alle Lichter aus. Ich sehe schon kolonnenweise Reparaturkosten über meinen Bildschirm fliegen, schiebe das aber alles erstmal beiseite und schicke der großen Buba die Datei rüber, damit sie sich das selbst ausdrucken kann, und dann verkloppen wir weiter Monster. Ach nein, jetzt löst sie Rätsel und fliegt dabei hin und wieder in die Luft, mal, wenn sie in eine Mine rennt und explodiert, mal, wenn sie in einen Fön reinrennt ("Ohhh, ich will da aber hochfliegen!"). Ich sage ja, sie ist verrückt.

Und ich, technikversiert, wie ich bin, gehe natürlich mit den Gedanken daran, die jeder Technik-N00b schon einmal hatte: "Ach, ich schalte jetzt alles aus und warte einfach mal ein, zwei Tage ab, und wenn ich das Gerät dann wieder einschalte, funktioniert alles wieder, wie es soll." Denn so funktioniert Technik ja. *Ironie aus*

Nun ist es also ein paar Tage später und ich würde mir gern einen Ortsplan von Elmschenhagen ausdrucken - denn es wollte doch schon jeder gern mal nach Elmschenhagen, so also auch Dr Hilarius. Bereitet alles mit Google Maps und Paint vor, wunderbar, schließt den Drucker an und wird begrüßt mit dem "Fehler B200", und es fällt alles wieder ein. Da war ja was. Okay, ich brauche Google und schaue mal. Ich muss gar nicht lange suchen. Ich muss nur "Canon MG5150" eingeben und fast automatisch wird das "fehler b200" ergänzt. Und die ersten Suchergebnisse klingen niederschmetternd: Canon Fehler B200 - Druckertod, und auf diversen Seiten wird erklärt, dass Canon-Geräte tonnenweise Fehlercodes haben, die man alle selbst auseinandertüfteln kann, nur beim B200 sollte man sich darauf einstellen, ein neues Gerät anzuschaffen. Druckerkopf verunreinigt, kann normalerweise nur per Reparatur wieder geregelt werden und die ist so unwirtschaftlich, dass man sich gleich ein neues Gerät zulegen sollte.

Na toll. Also ein weiterer Posten in meiner Liste von Dingen, die ich mir endlich mal neu zulegen muss: Ein Kleiderschrank (meiner fällt auseinander), ein Notebook (meines funktioniert nur noch, solange ich es keinen Millimeter bewege und weder Tastatur noch Touchpad benutze), ein Medienschrank (denn momentan liegen sämtliche Spiele, Filme und Ähnliches in der gesamten Wohnung verstreut), ein Schreibtisch (naja, der hier steht noch, aber sieht nach fünfzehn Jahren ziemlich ramponiert aus), ein Herd (wobei zwei von vier nutzbaren Kochplatten momentan noch ausreichen). Was mir alles wieder vor Augen führt: Dafür bräuchte ich einen Job. Und dafür wiederum wäre es förderlicher, wenn ich etwas mehr dem Mainstream entspräche und nicht so komisch wäre.

Nun gut, denke ich mir, wenn der Drucker also eh' schon schrottreif sein soll, dann kann ich auch noch versuchen, ihn selbst zu reparieren, schlimmer geht es ja nicht mehr, und es gibt auch B200-Suchergebnisse, die mir suggerieren, dass man das tatsächlich selbst beheben kann. Also verarsche ich den Drucker und lasse ihn gar nicht erst zum B200-Fehler kommen - ich öffne die Abdeckung, bevor ich ihn einschalte. So kommt das Teil gar nicht erst bis zur Fehlermeldung, sondern nur bis "Abdeckung geöffnet - bitte schließen". Ich nutze erstmal die Gelegenheit, um die leeren Druckerpatronen auszutauschen. Wer weiß, vielleicht ist es damit ja schon geregelt. Breche mir meinen Daumennagel zur Hälfte ab bei dem Versuch, den Verschlusskleber von einer der Patronen zu entfernen. Patronen drin, Klappe geschlossen, ratter ratter... ratter... ... B200, a.k.a. "am Arsch", das hat gar nichts gebracht. Dann finde ich eine Anleitung, die empfiehlt, das Gerät noch weiter zu veralbern: Klappe öffnen, einschalten, an den PC anschließen, vom PC-Menü aus eine Testseite drucken lassen. Hallo? Für so blöd kann Canon mich doch nicht halten, dass das so einfach zu beheben wäre. Ich probiere es natürlich trotzdem, ratter ratter... ratter... ...

...bssss... bssst bssst bssst... und das Teil spuckt nach und nach die Testseite aus. Ich fühle mich leicht verarscht. Schließe die Druckerabdeckung, warte auf das B200-Display - doch nichts. Ganz normale Benutzeroberfläche, alles wieder in Ordnung. WTF?!? Mir wird suggeriert, dass dieser Kasten schrottreif ist, dass er nur noch mit einer sauteuren Reparatur zu retten ist und ich solle mich schon mal mit einem Neukauf anfreunden, dabei muss man das System nur ein bisschen hintergehen?

Ich stelle fest, wie froh ich bin, dass es das Internet gibt, mit seinen unzähligen divergierenden Meinungen - irgendwo findet man immer, was man gerade sucht. Und sollte mein Drucker jetzt weiterhin ganz normal funktionieren, bin ich der modernen Technik erstmal sehr dankbar!