Dienstag, 31. Oktober 2017

Kann nur schlechter werden?

Quelle: http://www.joblo.com/images_arrownews/suspiria-2017.jpg

Kann nur schlechter werden, das war mein erster Gedanke, als ich gelesen hatte, dass nun endlich ein Remake von Dario Argentos Horrorfilm Suspiria (1977) in die Kinos kommen soll.

Ich frage mich immer, wozu man Remakes macht. Bei Videospielen taucht es ab und an auf, dass die Macher eines Spiels die Kritiken der Spieler ernst nehmen und eine Neuauflage herausbringen, bei der die Kritikpunkte ausgebessert worden sind. Kann ich verstehen, finde ich gut. Aber bei Filmen?

Mir fallen spontan zwei Fälle ein, in denen der Film gelitten hat, nämlich Gus Van Sants Neuverfilmung von Psycho (1998) und Jan De Bonts Neuauflage von The Haunting (1963), unter dem Titel Das Geisterschloss (1999). Da muss man sich die Frage stellen, warum ein Film, der im Original so gut war, überhaupt neu verfilmt werden muss. Dann kommen Totschlagargumente - "An die Generation Internet anpassen", "für die heutige Jugend zugänglich machen" - als müssten Neuauflagen per se schon einmal einige Niveaus tiefer angesiedelt werden.

Wollen wir doch mal schauen, an welchen Stellen Suspiria denn etwas frischen Wind vertragen könnte. Die Story ist relativ schnell erzählt, die Ballettschülerin Suzy Bannion beginnt einen Kurs in der berühmten Freiburger Tanz-Akademie (inklusive Internat; das Remake spielt im Berlin der Siebziger), allerdings merkt sie sehr schnell, dass dort nicht alles mit rechten Dingen zugeht.

Das merkt man als Zuschauer ebenfalls in jeder Szene - Argento hat ein Auge für Details und präsentiert uns bereits in der ersten Szene, Suzys Ankunft am Flughafen, surreale Perspektiven: Ob das Remake auch die intensive Ausleuchtung der alltäglichsten Orte mit den Farben Rot, Grün und Blau vornimmt? Ob es auch ein Closeup der Automatiktür am Eingang zur Wartehalle unheimlich und bedrohlich wirken lassen kann? Ich bin sicherlich nicht der Einzige, der so gespannt und kritisch auf die Neuverfilmung zugeht. Die Taxifahrt zur Tanzakademie dürfte eine der Szenen darstellen, an denen der Film gemessen wird: Wie wird das Wetter? Wird es im Tunnel regnen? Wie viele Lichteffekte werden verwendet, wie wird der Soundtrack? Wie creepy wird der Taxifahrer?

Und spätestens jetzt überlege ich, wie das Remake besetzt wird. Dario Argento und Daria Nicolodi hatten in ihrem Original ganz klare Vorstellungen: Die Tanzschülerinnen sollten so jung wie möglich sein, idealerweise noch Kinder (deswegen war Jessica Harper mit ihren großen Augen als Suzy ein Volltreffer, und deswegen hat man damals alle Türklinken im Schulgebäude möglichst hoch angebracht - um die Schülerinnen kleiner wirken zu lassen). Die beiden leitenden Tanzlehrerinnen, Madame Blanc und Miss Tanner, sollten direkt einschüchternd und unheimlich wirken. Die Leiterin der Tanzakademie sollte "die älteste Frau [sein], die man sich vorstellen kann".

Suspiria wirkt auf der sinnlichen Ebene. Es ist ein visueller und akustischer Albtraum; natürlich wird das Casting des Remakes einer gründlichen Prüfung unterzogen, wobei es eben nicht so sehr um schauspielerisches Talent geht, sondern um die Wirkung, die die Charaktere auf den Zuschauer haben.

Ich werde ganz bestimmt nicht Alida Valli in der Rolle der damaligen Miss Tanner vergessen - der Beiname Butch From Hell trifft es eigentlich ganz gut. Sie ist streng, streng gekleidet, dosiert ihre Mimik sehr sparsam - und wenn sie einmal lächelt, dann bekommt man als Zuschauer direkt Angst, weil man merkt, dass etwas nicht stimmt. Im Remake erhält die deutsche Schauspielerin Angela Winkler die Rolle, und ich glaube, das könnte passen.

Miss Tanner 2017 (Angela Winkler) und 1977 (Alida Valli)


Noch mehr allerdings bin ich vom Casting der Madame Blanc beeindruckt. Im Original die letzte Filmrolle für Joan Bennett, spielte sie eine fürsorgliche, wenngleich sinistre Tanzlehrerin, eine Stufe menschlicher als Miss Tanner. Für das Remake, lese ich, wurde Tilda Swinton gecastet (ganz oben im Bild ganz rechts) - wow, ich kann es gar nicht genau beschreiben, aber wenn man Argentos Vorstellungen für die Tanzlehrerinnen im Kopf hat, passt Swinton einfach unglaublich gut in die Rolle. Hoffen wir mal, dass sie sie mit derselben unheilvollen Aura füllt wie Bennett damals. Oh, gerade gesehen, ein Foto vom Suspiria-Set; ja, das ist Swinton, nein, ich kann das Bild nicht erklären ^^

Tilda Swinton als Madame Blanc - unkonventionell, wie man es erwartet...

Und dann hätten wir natürlich die Schülerinnen. Mein Augenmerk wandert auf drei, die für den Film absolut unentbehrlich sind. Vielleicht zuerst Pat - auch wenn sie innerhalb der ersten zwanzig Minuten eindrucksvoll ermordet wird: Dieser Mord ist so umfangreich ausgestattet, so sehr in die Länge gezogen und so detailverliebt gefilmt, dass Suspiria schnell auf dem Index gelandet ist. Da kann das Blut noch so sehr nach Wandfarbe aussehen. Dabei ist dieser (Doppel-)Mord ein kleines Kunstwerk und ich bin sehr gespannt, wie Chloe Grace Moretz, im modernen Horror kein unbekanntes Gesicht mehr (Carrie anyone?) dahingemeuchelt wird: Gibt es die Escher-Tapete in ihrem Schlafzimmer? Wird ihr Gesicht in Zeitlupe durch das Fenster gedrückt? Um nicht zu spoilern, wer den Film noch nicht kennt: Es passiert noch ein bisschen mehr, bevor sie dann endlich tot durch das Deckenlicht im Foyer kracht, und selbst die Blutflecken zeigten im Original Hexenmotive - ob das auch wieder alles beachtet wird? An diesem surrealen Mord wird der Film gemessen werden, und deswegen hat Moretz hier durchaus eine zentrale Rolle.

Chloe Grace Moretz (links) übernimmt die Rolle der Pat Hingle, rechts gespielt und gestorben von Eva Axén.

Wen ich mir im Remake gut vorstellen kann, ist Mia Goth in der Rolle der Sara. Sie hat diese kindliche, naive Ausstrahlung - eigentlich genau so, wie Argento sich das damals gedacht hat. Gleichzeitig spielt ihre Figur eine wichtige Rolle, da sie den sinistren Spuren in der Tanzschule hartnäckig nachgeht (und letztlich den Preis zahlen muss). Bleibt also zuletzt nur noch die Frage nach der Hauptdarstellerin. Sie schlüpft in die Rolle der Suzy Bannion, die das magische Geheimnis der Lehrerinnen enthüllt und sich schließlich der Hexenmutter, Mater Suspiriorum, stellen muss. Jessica Harper hat damals genau die richtigen Töne getroffen zwischen Naivität und Hartnäckigkeit, zwischen kindlichem Liebreiz und Zigaretten (und es bleibt ewig die Spekulation, ob sie vielleicht weit mehr war als nur eine weitere Tanzschülerin; ein paar Szenen des Originals regen zur Diskussion an). Hinzu kamen ihre großen Manga-Augen... ich bin gespannt, ob Dakota Johnson (mittig auf dem obersten Bild) diesen hohen Ansprüchen gerecht werden kann. Ich versuche, aufgeschlossen zu bleiben.

Dakota Johnson am Set von Suspiria - rote Haare, ein Kleid, das "Siebziger!" schreit - langsam werde ich ungeduldig...

Fragt sich nur noch, wie es mit der Oberhexe, Mater Suspiriorum, aussieht. Im Original uralt, lese ich jetzt, dass im Remake Malgosia Bela diese Rolle übernehmen soll. Eine hübsche Frau mit einer düsteren Aura, vielleicht angelehnt an die jugendlichen matres der beiden anderen Teile der Trilogie (mit Inferno und La Terza Madre). Damit habe ich nicht gerechnet und ich spare mir meinen Kommentar, bis ich den Film gesehen habe. Zur Erinnerung: Argento wollte für diese Rolle die älteste Frau bekommen, die für die Kamera zur Verfügung stand.

Kurz gesagt: Ich bin wirklich gespannt. Und diesmal ist es auch keine leere Ankündigung - seit Mitte März 2017 ist der Film im Kasten und befindet sich nun in der post-production. Ich kann nicht verstehen, warum jemand diesen Film, im Original ein echtes Kunstwerk (wenn man es zu würdigen weiß), neu auflegen will. Vielleicht habe ich in ein paar Monaten eine Antwort darauf. Argento selbst ist nicht begeistert von der Idee eines Remakes und bringt es in einem Interview auf den Punkt:

"Why are you opposed to it?
Well, the film has a specific mood. Either you do it exactly the same way — in which case, it’s not a remake, it’s a copy, which is pointless — or, you change things and make another movie. In that case, why call it “Suspiria”? (...)"

post scriptum: Jetzt habe ich richtig Lust bekommen, mir heute die Fortsetzung anzuschauen, "Inferno" von 1980. Auf einmal habe ich wieder ein echtes Interesse, mir "gute" Filme anzuschauen, das werde ich mal ausnutzen.

Montag, 30. Oktober 2017

Gedanken über Geld

Ich habe im Portemonnaie noch immer meine drei Dollarnoten aus Kings Island, 2011 - um mich daran zu erinnern, dass ich wiederkommen werde.

Es geht um ein Gefühl. Für dieses Gefühl ist es vollkommen irrelevant, ob man mit Millionen hantiert oder ein Durchschnittseinkommen besitzt - ich meine das Gefühl von Sicherheit.

Mir ist bewusst, dass mein Arbeitslosengeld I (ALGI)  höher ist als das, was manche Menschen regulär verdienen. Es reicht für die Wohnung, das, was man gemeinhin Unterhalt nennt. Ich bräuchte mir also keine Sorgen zu machen. Als ich damals realisiert hatte, dass wieder die Arbeitslosigkeit auf mich zukommt, hat die Sannitanic das Beste getan, was in dem Moment möglich war - nämlich mich beruhigt und darauf aufmerksam gemacht, dass ich immerhin zwölf Monate lang finanziell abgesichert bin.

Es ist allerdings ein meilenweiter Unterschied, ob ich tausenddreihundert Euro als ALGI oder Gehalt bekomme; auf dem Kontoauszug sieht das gleich aus, aber ohne Arbeit habe ich das Gefühl, dass ich wieder jeden Cent doppelt umdrehen muss. Ich kaufe meine Kochzutaten mit dem Kontostand im Kopf ein. Ich kaufe mir eine Herbstjacke und denke mir, dass das schon wieder purer Luxus ist.

Ich hätte nie gedacht, wie wichtig finanzielle Sicherheit ist, welche Auswirkungen es auf das Leben haben kann, wenn diese Sicherheit eben nicht da ist. Geld. Bedeutet mir irgendwie nichts. Ist Mittel zum Zweck. Ich brauche nicht immer mehr und mehr Geld, ich strebe nicht nach Reichtum. Ich möchte nur einfach mein Leben leben können, ohne dass mir das Geld im Weg steht.

Und deswegen bin ich mit der Situation nicht zufrieden, obwohl ich finanziell erstmal abgesichert bin.

post scriptum: Im englischen Sprachgebrauch gibt es einen schönen Spruch, mit dem man sich merken kann, ob die Uhren vor- oder zurückgestellt werden müssen: "Spring forward, fall back."

paulo post scriptum:  Dieser Artikel hat überhaupt keinen roten Faden. Aber wenn ich von einem Gefühl schreibe, das ich scheiße finde, dann habe ich keine Lust, mir Mühe zu geben.

Sonntag, 29. Oktober 2017

Rachegedanken

Ein bisschen Brimborium hat damals im Studium immerhin für ein bisschen Ruhe im Kopf gesorgt ^^

Im aktuellen Videospiel gab es heute eine recht dramatische Szene, in der eine Nebenfigur, deren Bruder getötet wird, von Rachegelüsten verzehrt wird und schließlich den Verstand verliert. Schnell kann man dabei fragen, ob die Darstellung nicht etwas übertrieben ist. Hab' ich aber nicht; ich habe mich selbst gefragt, wie meine Erfahrungen mit dem Wunsch nach Rache sind.

Ich weiß nicht, wie die buddhistische Sicht zu diesem Thema ist - bzw. doch, mittlerweile weiß ich es ja. Und mittlerweile kann ich die Rachegedanken in den Meditationen in Luft auflösen, weil ich nun immer versuche, die andere Seite zu verstehen. Die Seite, die mich verletzt hat, die mich wütend gemacht hat (und ja, die gibt es auch heute noch); Mitgefühl ist eines der Entwicklungs"ziele" des Zen-Buddhismus.

Und das ist wirklich nicht leicht, denn ich muss so viel Wut runterschlucken, so viele Tränen aushalten, bevor ich endlich ehrlich die andere Seite zu verstehen beginnen kann. Aber es hilft: Dank dieses Mitgefühls verstehe ich mittlerweile, warum Er so tickt. Das löst natürlich nicht die Probleme selbst. Aber es sorgt dafür, dass ich diese Probleme wirklich lösen will, und das ohne Hinterhalte, Intrigen oder Waffen.

Ohne, dass jemand zu Schaden kommt.

Samstag, 28. Oktober 2017

Verantwortung übernehmen

Büro = Verantwortung...?

Ich habe in meiner Kindheit und Jugend nie ernsthaft für irgendwas Verantwortung übernommen, manchmal nicht einmal für mich selbst. Ich wollte das auch nie; wann immer sich die "Gefahr" abzeichnete, dass ich Verantwortung für eine Gruppe oder ein Projekt übernehmen sollte, zum Beispiel in der Schule, habe ich versucht, mich irgendwie davor zu drücken. Und das war nicht immer aus Faulheit, auch wenn das für Außenstehende die angenehmste Erklärung war.

Ich hatte Angst, wie so oft, Angst davor etwas falsch zu machen und den "Sieg" unserer Gruppe zu versauen. Minderwertigkeitskomplexe. Denn, wenn ich ein Spiel nicht gewinne, wenn ich eine Aufgabe nicht schnell genug erledige, dann macht mir das nichts aus, solange nur ich selbst die Konsequenzen ertragen muss. Wenn aber andere Menschen ebenfalls unter meiner eventuellen Niederlage zu leiden hätten, das war für mich der absolute Alptraum.

Ich wollte nie, dass sie enttäuscht von mir sind. Ich habe in meiner Jugend immer wieder zu spüren bekommen, dass ich anders bin, nur leider hat sich das nie positiv angefühlt. Eher wie "Ich bin anders, und deswegen kann ich meine Aufgaben nicht zufriedenstellend erledigen".

Diese Angst, Andere enttäuschen zu können... kennt vermutlich jeder, der diesen Beitrag liest. Und auch, wer den Beitrag nicht liest; aus Erfahrung weiß ich, dass Er auch noch teilweise panische Angst davor hat, seine Mitmenschen zu enttäuschen, in der Konsequenz zu verlieren und allein zu sein. Ich muss zugeben... als wir noch normalen Kontakt miteinander hatten, hat mir oft das Verständnis für seine Angst gefehlt - "Ach, Dr Hilarius, das kennst du ja nicht mehr, du bist ja sooo viel weiter..." - und es braucht tatsächlich Intro- und Retrospektive wie an dieser Stelle, damit ich mich erinnere, dass ich diese Angst auch hatte. Habe? Ich wünschte nur, ich könnte ihm diese Angst irgendwie nehmen. Ich wünschte, Er wäre wieder bei mir.

Aus dem Grund - keine Verantwortung für irgendwas außer meinen eigenen Erfolg übernehmen zu wollen - habe ich mich im Studium sehr wohlgefühlt. Ich habe mir meine Kurse zusammengestellt, musste nur äußerst selten irgendwelche Gruppenarbeiten erledigen. Lernte so gut wie nie mit Kommilitonen für Klausuren. Hielt mich aus allem heraus, was nichts mit mir direkt zu tun hatte.

Das ging für etwa drei Semester gut. Dann meinten ein paar ältere Lateinstudenten, ich solle bei den Saturnalien mitmachen. Und dann fragte plötzlich jemand, ob ich nicht Hiwi werden wollte, ein bisschen Geld verdienen und - jep - Verantwortung übernehmen. Ich habe das Argument mit der Verantwortung ausgeklammert und einfach die monatliche Abrechnung gesehen. So wirklich ernst mit der Verantwortung wurde es, als ein Kommilitone im Examen mich überfiel mit: "Hey Doc, wir haben jetzt seit ein paar Semestern versucht, eine Fachschaft für Latein und Griechisch genehmigt zu bekommen; wir haben erst jetzt die Zusage bekommen, jetzt sind wir fast mit dem Studium durch. Würdest du das mit jemandem zusammen machen?"

Wäre da nur ich allein gewesen, hätte ich sofort abgelehnt. Aber ich hatte ein paar total verrückte Freunde gefunden - richtige Freunde, zum ersten Mal im Leben, und ich fragte sie, ob wir das vielleicht zusammen wuppen könnten. Wir bekommen dafür kein Geld, wahrscheinlich noch nichtmal ein Dankeschön von irgendjemandem. Aber wir konnten jüngeren Studenten helfen. Und das taten wir dann.

Indem ich also zum ersten Mal in meinem Leben anderen Studenten geholfen habe, sie beraten habe, habe ich also Verantwortung übernommen. Und es ist nicht so, dass meine Angst vor dem Enttäuschen plötzlich weg war: Ich hatte immer noch Angst, dass ich ihnen Unsinn erzähle, dass sie meinetwegen in ihrem Studium nicht richtig vorankommen. Die Tatsache, dass wir mehrere Mitglieder in der Fachschaft Klassische Philologie waren, hat aber Mut gemacht. Und ich dachte mir, okay, solange das nicht mehr wird, schaffe ich das.

Und irgendwann wurde es dann mehr - als Ingo Kolar damals mit einem Tablett Donuts im Hiwibüro auftauchte. "Ich wollte nur mal reinschauen und Donuts mitbringen" - immerhin hat er mit seinem Hintergedanken nicht lange hinterm Deich gehalten, das war pure Strategie: Ob ich mich für die "Fachschaftsliste HSG" (FaLi) für die nächste Wahl des Studierendenparlaments (StuPa) aufstellen lassen würde.

Ich hab ihm dann genau die gleiche Inkompetenzarie heruntergebetet, und er hat versucht, mich zu beruhigen: "Keine Angst, die Wahrscheinlichkeit, dass du tatsächlich ins StuPa kommst, ist gering, wir haben so viele Kandidaten auf der Liste... dein Name könnte uns aber ein paar zusätzliche Stimmen einbringen, denn dich kennen ja einige durch die Arbeit im Institut." - "Naja okay meinetwegen, wenn ich sowieso nicht damit rechnen muss,  reinzukommen..." - "Und wenn, dann kannst du deinen Platz ja auch einfach an den nächsten Listenkandidaten abgeben, das ist gar kein Problem!" - "Na gut, wenn ich keine Verantwortung übernehmen muss... dann setz' mich auf die Wahlliste!"

Big mistake. Or was it?

Denn irgendwie kannten mich letztlich doch so viele Studierende, dass es für einen der einundzwanzig Sitze im StuPa gereicht hat. Und plötzlich war von "Abgeben" keine Rede mehr: "Ach komm, das wird bestimmt ganz interessant, und du kannst da gar nicht viel falsch machen." Aha... "Wir wollen versuchen, in jeden der drei Ausschüsse mindestens einen FaLi-Menschen zu schicken. Im Hochschulausschuss, da musst du nie was machen, die treffen sich nur bei Bedarf, vielleicht einmal im Jahr." Aha...

...und dann stand die konstituierende Sitzung an und es ging an die Wahl der drei Ausschüsse. Wir hatten abgesprochen, dass M mich für den Hochschulausschuss vorschlägt, klasse, da kann ich als Muse Incompetentia nicht allzu viel kaputtmachen. Doch zuerst sollte der Haushaltsausschuss gewählt werden (HHA), und fröhlich und ohne Zögern rief M in die Runde: "Ich schlage Dr Hilarius vor!"

Method acting. Einfach weiterlächeln, he he... he... Erdetudichaufundverschlingmich! Spontan fiel mir Ingo wieder ein: "Der einzige Ausschuss, der tatsächlich einiges zu tun hat, ist der Haushaltsausschuss. Der bestimmt über die Verwendung der Gelder der Studierenden, Finanzanträge und so, der muss sich dazu einmal monatlich treffen." ...and the rest is history.

Und so sollte ich nun Verantwortung für einen Teil der Semesterbeiträge übernehmen? Der totale Horror, ich hatte wirklich Angst, alles falsch zu machen. Aber zum Glück waren ja auch noch andere Stupisten im HHA - und irgendwie klappte es. Irgendwie habe ich mich auf einmal ein bisschen wichtiger gefühlt. Und das wurde intensiver, als ich in meinem zweiten und dritten Jahr StuPa plötzlich HHA-Vorsitzender wurde - was übrigens nichts mit Qualifikation zu tun hat: Der Vorsitzende übernimmt die ganze Schreibarbeit, ich glaube, da sind viele froh, wenn sie es nicht machen müssen. Naja, und ich hatte ja auch Unterstützung, wer war denn da noch... Flori Pietsch, Alex Schmuck (fand ich süß - hoffentlich liest er das nicht ^^), warum kann ich mich nicht an die restlichen Mitglieder erinnern? Manu, Manu, irgendwas mit Manu - naja, wer so egozentrisch ist wie der Doc, der bekommt eh' nichts um sich herum mit.

Ich glaube, man wächst mit seinen Aufgaben - aber dann kam das Ref und damit als Dauerkanonade ein "schlecht, falsch, ungeeignet, nicht durchdacht"-Refrain, der letztlich dazu geführt hat, dass ich wieder am Anfang stehe: Ich möchte keine Verantwortung übernehmen für irgendwas, das nicht direkt mit mir zu tun hat. Damit im schlimmsten Fall nur ich darunter zu leiden habe.

Das heißt... eine Ausnahme gibt es mittlerweile doch. Einen Menschen gibt es, für den ich Verantwortung übernehmen würde. Ich habe irgendwann einmal gehört, dass das einer der Kernbestandteile einer "Beziehung" ist - Verantwortung füreinander zu übernehmen. Ihr dürft mich gern davon überzeugen, dass ich das falsch in Erinnerung habe; ich habe in den vergangenen Jahren immer wieder behauptet, dass ich nicht auf der Suche nach einer festen Beziehung bin, und das behaupte ich auch heute noch. Aber manchmal frage ich mich, wenn Er dazu bereit wäre, wie ich dann denken würde. Für den Moment ist mir das zu hypothetisch. Aber immerhin: Der Gedanke war mal da.

So, Schluss für heute. Als letzter Zusatz sei noch erwähnt, dass auch einer der Gründe, warum ich zur Zeit kein Kind adoptieren würde, darin besteht, dass ich es mir nicht zutraue, diese Verantwortung zu übernehmen. Ich bewundere alle, die dieser Tage und Jahre Eltern werden.

Donnerstag, 26. Oktober 2017

Hausbeben

...breaking apart...

E.A.Poes The Fall of the House of Usher - modern und in Hassee. Hoffen wir mal, dass es nicht bis zur Katastrophe am Ende der Geschichte kommt. Aber von Anfang an, denn: Zukunft braucht Herkunft.

Als ich zum ersten Mal die Keller dieses Hauses erforscht hatte, war ich erstaunt, wie lang die Gänge des Gewölbes sind. Ich wohne direkt an einer vielbefahrenen Kreuzung, und mein Orientierungssinn hatte mir angedeutet, dass ein Teil der Straße unterkellert sein muss. Das ist wahrscheinlich Unsinn. Aber es fühlt sich tatsächlich so an, nicht nur optisch.

Die große Buba war neulich zu Besuch, wir saßen in aller Ruhe auf der Psycho-Couch, als plötzlich ein Beben durch die Wohnung ging. Ein, zwei, drei spürbare Stöße, quasi ein kleines Hausbeben. Ich kenne das schon zur Genüge, ich erlebe das mit hübscher Regelmäßigkeit; DGB aber hat das zum ersten Mal bewusst wahrgenommen und war, vollkommen zu Recht, etwas erschrocken.

Ich habe ihr dann erklärt, dass das immer passiert, wenn die großen LKWs die Kreuzung passieren. Meine ehemalige Nachbarin hat mich aufgeklärt, dass es am schlimmsten bei den riesigen Kränen ist: Man denkt, dass das Haus kurz vor dem Einsturz steht. Ob das was mit einer möglichen Unterkellerung der Straße zu tun hat, kann ich nicht sagen - wobei, das würden die Gewölbe doch niemals überstehen, oder? Selbst in meiner Wohnung direkt unter dem Dach sind mir schon bei der ersten Wohnungsbesichtigung die Spuren aufgefallen, die das Hausbeben hinterlässt, und nun kommen wir zum literarischen Einstieg zurück.

Die Risse in den Wänden erinnern mich nämlich unweigerlich an den Riss, der durch das Herrenhaus in Poes Geschichte führt und an dem das Haus schließlich zerbricht und dem Erdboden gleich gemacht wird. Und ich frage mich, wann es wohl hier soweit sein wird. Ich hoffe natürlich gar nicht, denn mit dieser Wohnung habe ich mich richtig angefreundet.

post scriptum: Ich schaue gerade wieder Dario Argentos "Suspiria" - die Bluray von '84 Entertainment ist fantastisch! Gestochen scharfes Bild, die Farben (ein eigener Charakter in diesem Film) leuchten noch mehr, und die 5.1-Tonspur zieht mich richtiggehend hinein in den Film. Kein Vergleich zu der DVD, die ich bisher hatte und auf deren Grundlage ich meine erste Suspiria-Rezension geschrieben habe. Es ist, als würde ich einen ganz anderen Film schauen. Ein echtes Kunstwerk!

Dienstag, 24. Oktober 2017

Der beste Beruf der Welt


"Herzlichen Glückwunsch, sie haben sich für den anspruchsvollsten Beruf der Welt entschieden. Noch können sie das nicht schaffen, aber wenn sie mit diesem Teil der Ausbildung fertig sind, mit dem Referendariat, dann werden sie genauso gut sein wie wir."

Und ich bin arrogant und überheblich? Diese Worte stammen aus dem Mund des Leiters des IQSH, das in Schleswig-Holstein die Lehrerausbildung verwaltet, im Jahr 2012, wenn ich das recht erinnere. Dr Thomas Riecke-Baulecke. Wer solche Worte vor weit über hundert Nulltsemestern in den Mund nimmt, wartet nur darauf, zitiert zu werden. Und wer bisher aufmerksam mitgelesen hat, der sieht, dass R-B nicht vom besten, sondern vom anspruchsvollsten Beruf gesprochen hat - aber mit derart stolzgeschwellter Brust, dass man recht schnell merkte: Er findet sich schon ganz geil. Also, den Lehrberuf.

Und nun tun wir dem armen R-B mal nicht Unrecht; er ist nicht der Einzige mit dieser Diktion. Mit wunderbarer Regelmäßigkeit hören wir in Talkshows und lesen wir in einschlägigen Zeitschriften von Lehrkräften, die festhalten, was sie eigentlich für Arbeiten zu erfüllen haben: Sozialarbeiter, Pädagogen, Fachvermittler, Psychologen, Mediatoren, Familienhelfer - und vieles mehr. Und da ist ja auch ein bisschen was dran, wenn es nur nicht suggerieren würde, dass all' diese Lehrkräfte diese Aufgaben auch beherrschen. Tut mir nicht leid, aber ich habe in den letzten fünf Jahren ausreichend Lehrkräfte erlebt, die diesen Aufgaben eben nicht gewachsen waren. Und das ist ja auch in Ordnung, nobody is perfect, und ich ganz bestimmt erst recht nicht, sonst wäre ich nicht arbeitslos.

Ich möchte nur mal ein bisschen abkommen von der Denke, dass unser Beruf irgendwo ganz oben auf einer imaginären Rangliste anzusiedeln ist. Und möchte ein bisschen Respekt schaffen für: Ärzte, die meinen Finger wieder gerichtet haben; Klempner, dank denen ich wieder Wasser in meiner Wohnung habe; Techniker, dank denen ich überhaupt diese Gedanken in das Internet tragen kann; unterbezahlte Näherinnen in Indien, die mir meine Klamotten im Studium produziert haben; Bauarbeiter, die dafür sorgen, dass mir unter meinem Arsch nicht die Straße wegbricht; Kassiererinnen, die es ermöglichen, mein täglich Brot aus dem Regal in meine Küche zu befördern (na, registriert und analysiert schon jemand meine Verwendung der Geschlechter?); die Ladies unten bei Frau Kliewer im Laden, die mich von den nervigen Haaren befreien; Bauern, ohne die ich heute keinen Kaiserschmarrn würde backen können, für den ich Eier, Mehl und Milch benötige; ADAC-Engel, die mich nach einem Unfall auf dem Schulweg wieder in die Zivilisation befördern...

Ich kann diese Liste unendlich fortführen. Ich finde es ziemlich vermessen, Berufe in eine unsachliche Rangliste zu ordnen. Jeder einzelne dieser Berufe ist wichtig, und es mag sicherlich Unterschiede geben hinsichtlich der Frage, wie anspruchsvoll diese Berufe sind. Sich aber damit zu brüsten, gerade als Lehrer, der den Lehrberuf verlassen hat, um das IQSH zu leiten, kann ich nur schwer ertragen. Und so habe ich das IQSH hassen gelernt, bereits ein paar Tage, bevor ich überhaupt offiziell Referendar wurde.

Diese Abneigung hat dann auch dazu geführt, dass ich es abgelehnt habe, meine Hausarbeit im Institut auszustellen. Ich stelle sie gern jederzeit hier im Blog zur Verfügung, aber nicht unter der "Schirmherrschaft" des Ladens, der mich zu biegen und brechen versucht hat. Ich wollte auf keinen Fall, dass das IQSH sich diese Hausarbeit als Ergebnis ihrer Ausbildung auf die Kappe schreibt.

JEDER Beruf zählt.

Montag, 23. Oktober 2017

Cinerentula - Aschenputtel Latine versa

Random-Bild, Quelle: https://www.roalddahlfans.com/wp-content/uploads/revolatin7.jpg (müsste das nicht eigentlich mit Gerundivum gebildet werden?)

Dieses Werk hat seitens des Profs, der es in Auftrag gegeben hat, nie die verdiente (oder überhaupt irgendeine) Anerkennung bekommen. Viel Spaß beim Lesen - ich garantiere nicht dafür, dass man es mit Schülern behandeln kann - aber vielleicht könnte das ganz nett werden. Wir haben eine Ewigkeit gebraucht, um in Erfahrung zu bringen, was eigentlich ein "Puttel" ist...

Cinerentula
übersetzt von Yasemin Demir, Sandra Ertel, Tobias Homann und Catrin Riegel

Fuit vir dives, cuius uxor aegrotavit. Cum se brevi tempore morituram esse sentiret, filiam ad lectum suum vocavit et “Cara puella” inquit, “in pietate et in virtute mane, ut deus tibi semper faveat. A caelo te aspicam.” Sic effata mortua est. In dies filia pia ad sepulcrum matris venit et flevit. Anno intermisso pater alteram in matrimonium duxit.
Haec mulier duas filias in domum eius induxit, quae facie pulchrae et candidae sed corde nigrae et improbae fuerunt. Tum tempus triste puellae coepit. “Licetne” aiunt, “anseri nobiscum sedere? Ei, qui edere vult, panis merendus est. Exeat ancilla!” Tum vestimentum pulchrum dereperunt et ei pallam canam veterem induerunt et calceos ligneos dederunt.
Ecce regis filia gloriosa tam ornata!” His verbis exclamatis Cinerentulam in culinam duxerunt. Ab ortu ad occasum solis laborare et ante ortum surgere, aquam portare, ignes facere, coquere et lavare debuit. Ultro sorores eam quibuscumque maeroribus affecerunt et eam illuserunt et pisa lentesque in cinerem fuderunt, ut diligeret. Vesperi exhausta non in lectu, sed in cinere iuxta focum dormivit. Cum ob eam rem sordida esset, eam Cinerentulam appellaverunt.
Accidit, quod pater in mercatum ire voluit, cum privignas interrogavit, quid allaturus sit. Tum altera “Vestes pulchras”, “Gemmas et margaritas” altera respondit. “Sed tu, Cinerentula” ait, “quid tu habere vis?” “Pater, defringe primum surculum, quod in itinere tuo caput tangit.” Privignis vestes gemmasque emit et per corulum equitans pilleum a surculo attractum amisit. Tum surculum defregit et secum duxit.
Cum domum venit privignis desiderata dedit. Cinerentulae surculum coruli dedit. Gratias egit et ad tumulum matris iit et surculum posuit. Lacrimis terram perfudit. Surculus crevit et arbor pulchra facta est. Diem de die ter sub arborem iit, flevit, oravit et semper avis alba in arborem volavit et cum puella desiderium declaravit, avis deiecit, quod ea desideravit.
Evenit, ut rex tres dies festos pararet. Ad quos omnes pulchrae virgnies terrae invitatae sunt, ut filius regis uxorem deligeret. Sorores cum id audivissent, ut ibi pararent, gavisae sunt. Tum Cinerentulam vocaverunt, quae capillos suos pecteret et soleas purgaret et fibulas figeret, quia ad nuptias in arcem regis adire voluerunt. Cinerentula paruit et flevit, quia etiam ad saltationem adire voluit. Oravit novercam, ut sibi permitteret. “Cinerentula” inquit noverca, “num sordida cinere ad nuptias adire vis? Tibi nullae vestes soleaeque sunt. Num saltare vis?” Cum Cinerentula pergeret , noverca dixit: “Ecce lentes in cinerem dispersi. Si lentes intervallo duarum horarum legeris, adibis.” Puella in hortum iit et evocavit: “Columbulae, columbulae placidae, turturillae, omnes aves sub caelo, venite et me adiuvate legere – Bonae in ollulam, malae in gutturulam.”
Per fenestram culinae duae columbulae pervolaverunt, tum turtures, denique omnes aves sub caelo. Omnes circum cinerem circumsederunt. Bonas lentes in ollam legere coeperunt. Una hora intermissa operam finiverunt et evolaverunt. Tum puella ollam ad novercam attulit et gavisa est et se ad nuptias adire permissum iri putavit. Sed noverca dixit: “Minime, Cinerentula. Tibi nullae vestes sunt et tu saltare non potes.” Cum Cinerentula flevit, noverca “Si duas ollas” inquit, “spatio unae horae e cinere legere potueris, adibis.” Et Cinerentulam numquam perfecturam putavit.
Postquam duas ollas lentum in cinerem dispersit, Cinerentula omnes aves rursus evocavit, ut se adiuvarent. Paulo post operam finiverunt. Puella rursus ad novercam adiit. Sed noverca rursus dixit: “Nihil te adiuvabit. Non venies, quia nos pudet tuae speciei.” Denique cum sororibus abiit. Tum Cinerentula ad tumulum matris sub curulo iit et vocavit: “Arbuscula, quassa quate funde aurum et argentum.” Avis vestes et aureas et argenteas deiecit. Festinanter sibi vestes induit atque ad nuptias properavit.
Cinerentula tam pulchra fuit, ut nemo eam cognosceret, ne sorores quidem nec noverca. Filius regis totum vesperum cum ea saltavit. Cum domum ire vellet, filius regis id concedere noluit. Ergo fugientem secutus est. Cinerentula in columbarium saluit. Cum rex, qui eam in columbario esse scire vellet, id deleret, id vacuum esse vidit. Cinerentulam in cinere dormientem sordido vestimento indutam in culina invenerunt, quae antea cito e columbario domum fugisset.
Proximo vespere eadem acciderunt. Sed in hoc fugiens in hortum saluit et ascendit arborem. Tum rex arborem cecidit. Iterum Cinerentula sordido vestimento induta in culina fuit.
Tertio die avis ei vestem splendidissimam et soleas aureas dedit. In hoc filius regis gradus picandos curavit, ut Cinerentula, cum fugeret, soleam amitteret. Solea fuit venusta et aurea et parva. Ortu solis filius regis dixit: “Unam eam, cui heac solae est, in matrimonium ducere volo.”
Tum sorores gavisae sunt, quid eis pedes pulchri fuerunt. Soror maxima soleam aptare voluit, sed pollex aptus non fuit, quia solea minor fuit. Statim mater ei cultrum dedit, it ea pollicem abscindere posset. Sine pollice ad filium regis advenit et cum eo ad arcem equo avecta est. Cum ambo sepulcrum preaterirent, columbulae in curulo vocaverunt: “Turtura, turtura, sanguis est in solea. Minor est crepida, est domi sponsa vera.”
Tum filius regis sanguinem se e solea efundentem aspexit. Ergo falsam sponsam reddidit et soleam ab altera sorore aptatum iri dixit. Quae soleam aptare voluit, sed calx apta non fuit. Mater ei quoque cultrum dedit, ut calcem abscindere posset. Sine calce ad filium regis advenit et cum eo avecta est. Cum ambo sepulcrum praeterirent, columbulae in curulo vocaverunt: “Turtura, turtura, sanguis est in solea. Minor est crepida, est domu sponsa vera.”
Tum iterum filius regis sanguinem se e solea efundentem aspexit. Ergo falsam sponsam reddidit et rogavit: “Habesne aliam filiam?” Pater respondit: “Filiam sordidam tantum a mea prima uxore habeo. Ea numquam sponsa esse potest.” Sed filius regis eam videre voluit. Mter autem contradixit: “Sed ea est nimis sordida. Eam videri non licet.” Sed filius regis in sententia sua perseveravit, ut Cinerentula afferetur. Lavata ad filium regis advenit et accepit soleam auream a filio. Cum ea soleam aptaret, solea apta fuit. Statim filius regis cognovit Cinerentulam, quacum saltaret, et vocavit: “Ea sponsa vera est!” Mater et sorores aegre tulerunt. Tum filius regis Cinerentulam ad arcem duxit. Cum ambo sepulcrum praeterirent, columbulae in curulo vocaverunt: “Turtura, turtura, sanguis nullus in solea. Est apta crepida, domum it sponsa vera.”
Die nuptiarum etiam sorores falsae blanditiae causa venerunt. Poenae autem columbulae oculos sororum effoderunt. Sic caecae fuerunt ad ultimum diem, cum Cinerentula cum coniuge beate viveret ad ultimum diem.
Et, nisi mortui sunt, iam hodie vivunt.

FINIS