Dienstag, 25. September 2018

Herbst

Die richtige Jahreszeit für unheimliche japanische Geistermädchen ^^

In meiner Wohnung ist es schon seit einigen Tagen kalt. Dachschrägen, schlechte Isolation und eine abgeschaltete Heizung sorgen dafür, dass ich am besten mit einem warmen Pullover auf der Couch sitze. Das Wetter baut nun auch in großen Schritten ab, immer mal wieder fegt draußen ein ordentlicher Wind durch die Straßen, es regnet und die Herbstjacken werden aus ihrem Sommerquartier geholt.

Heute allerdings ist dann doch nochmal ein etwas spezieller Tag, denn als ich nach Hause komme, stimmt irgendwas mit der Wohnung nicht. Irgendwas ist anders als sonst. Sonnenschein draußen? Nein. Nachrichten auf dem Anrufbeantworter? Zum Glück ruft mich kaum jemand an. Ich kann das Gefühl nicht genau einordnen, vielleicht brauche ich erstmal frische Luft und gehe zu den Fenstern, um einmal über Eck stoßzulüften. Ich will gerade das Fenster öffnen, da bemerke ich einen Schwall warmer Luft, der von unten aufsteigt. Sollte etwa...?

Ja, so wie es aussieht, ist endlich die Heizung angeschaltet. Endlich kann ich die Luft zum Schlafen etwas erwärmen, ich sitze seit Tagen mit einer Schniefnase hier in der Weltraumbasis, damit ist jetzt Schluss. Endlich kann ich zur Meditation wieder komplett entspannen und bekomme keine Gänsehaut, nachdem ich eine Stunde in der kalten Luft gelegen habe.

Ich freue mich auf die Entspannung, die das neue Wohnungsklima mit sich bringen wird, und die ist auch bitter nötig, damit ich bei den Korrekturen die nötige Seelenruhe behalte; ich dachte ja eigentlich, okay, wenn jemand sich freiwillig entscheidet, noch zwei Jahre Berufsfachschule III zu besuchen, dann liegt ihm etwas an dem Abschluss, dann nimmt er Vieles aus dem Unterricht mit und kann es dann in den Klassenarbeiten anwenden.

Wenn das hier einer meiner Kollegen liest, lacht er sich garantiert den Arsch ab. Natürlich, es gibt auch jene Schüler, die richtig gut mitmachen, lernen und sich in's Zeug legen. Und manche schaffen es trotzdem nicht, auf eine gute Note zu kommen. Aber wenn jemand konsequent bei keiner der Aufgaben mehr als zwei Rohpunkte hat, wenn jemand nicht einmal eine zweistellige Punktzahl bei achtzig Gesamtpunkten erreicht, dann muss ich tatsächlich mal in ein Gespräch gehen.

Ich habe das ewig nicht mehr gemacht, aber vielleicht lohnt sich der zeitliche Aufwand, diese Klassenarbeiten einzeln zurückzugeben mit ein paar Takten guten Zuredens. Einfach nur die Zeit abzusitzen, das funktioniert in der Berufsschule nicht mehr...

Noch ein paar Tage, liebe Kollegen, dann haben wir die Herbstferien erreicht!

Freitag, 21. September 2018

Elternaben...was? Schon vorbei??

...und nun gebe ich ihnen noch meine Mailadresse. Schreiben sie mir bloß nicht!

Ich habe in diesem Blog schon einmal, zweimal über Elternabende geschrieben. Und auch an meiner neuen Schuler steht sowas an, ist ja logisch. Und so habe ich mir den Termin im Timer notiert und mir meinen Vortrag zurecht gelegt. Vier Lerngruppen, viermal Eltern informieren, und so denke ich mir, dass ich in anderthalb Stunden da raus sein werde.

Nix da - denn ich habe einen wichtigen Umstand nicht beachtet, und zwar, dass viele meiner Schüler bereits volljährig sind. Das erklärt, warum ich keine Elternabende zu den Oberstufenkursen besuchen muss, und warm bei den anderen Klassen nur sehr wenige Eltern da waren. Nun gut, ich beschwere mich nicht; nach zwanzig Minuten war ich fertig.

Nur eine von vielen Änderungen, die mir erst allmählich bewusst werden. Neue Schulart, fünf Wochen sind rum und ich hoffe einfach nur, dass ich nicht zuviel Bockmist gebaut habe. Das wird eine ganze Weile dauern, bis ich mich daran gewöhnt habe. Dass das im Moment noch nicht der Fall ist, verrät mir der freitagabendliche Blick durch meine Wohnung: Müll liegt herum, Geschirr hier, da und dort. Ich vermute einfach mal, wenn ich mich eingelebt habe, dann denke ich auch unter der Woche wieder an's Aufräumen.

Was mich heute allerdings gefreut hat: Eine Schülerin sprach mir ihren Respekt für den Blog aus - dafür, dass ich so offen schreibe. Interessant, genau das hat mein Namensvetter mir auch gesagt, da scheint etwas dran zu sein. Aber ich antworte in diesen Fällen immer realitätsgemäß: Genau diese Offenheit, die meine Leser schätzen, ist Anderen ein Dorn im Auge. "Wie kannst du nur!" - "Aber das können doch alle Menschen lesen!"

Ich werde mich nicht davon abhalten lassen, den Blog weiterzuführen, und hoffentlich geht das auch mit meiner Schule in Ordnung. Denn... vielleicht möchte ich wirklich dort bleiben.

Dienstag, 18. September 2018

Overachiever

Harmlos - oder?

In den letzten Jahren ist die Arbeit mit hochbegabten Underachievern, bzw. das Erkennen, zu einem meiner Steckenpferde geworden. Heute habe ich einmal das "Gegenteil" kennengelernt.

Situation: Klassenarbeit in der Unterstufe der BFS III, also im Wesentlichen Schüler, die zwischen mittlerem Bildungsabschluss und der Fachhochschulreife stehen. Der Inhalt der ersten Klassenarbeit beschränkt sich fast ausschließlich auf die Grammatikwiederholung der letzten Wochen, tenses hauptsächlich. Zum Einstieg gab es einen Lesetext und ein paar Aussagen dazu (oben im Bild); hier sollte nur kurz angegeben, ob die Aussagen true, false oder not in the text sind (ja, mir ist klar, dass Aufgaben mit der Möglichkeit not in the text nicht unbedingt ideal für eine Klassenarbeit sind). Da war nicht viel zu tun, die Antwort hätte ungefähr so aussehen sollen:

1) true
2) true
3) not in the text
4) not in the text
5) true
6) not in the text
7) not in the text
8) false: They got a job near Manchester

Ein Schüler hat sich allerdings Mühe gegeben und mir eine Antwort präsentiert, mit der ich so definitiv nicht gerechnet habe:

"From my point of view I would insist on the stated fact that sentence 1 and 2 are properly and thoroughly reflected in the text above. Furthermore I would proceed with my analysis by marking statement 3 is not fully illuminated as such. Upon request I may express my concern in correcting or, so to say, "highlighting" the exact statement by citing from the text: Different routes to the job. He, Ben, went to university to join an "access program" for further education, which does not finish with a baccalaureate or similar, so to be honest, this sentence should be seen as "not stated".
In addition to that, sentence four speaks of Marita as having finished her Abitur. In fact, she decided to go abroad after a secretarial course. Whether she has Abitur or not can only be concluded, but is not precisely mentioned. Luckily, she has been receiving funds from the EU, so that sentence five is correct. Here again on the following line six it says: ...stay in Britain permanently. On the one hand the text outlines a prosperous future for Miss Schneider, yet a factual or planned extension of her stay overseas is not mentioned as a piece of information. Indeed, Ben and Marita both needed to take extra educational career steps and both applied at Oxford. Marita, however, actually applied for advanced studies, whereas Ben applied for further education solely. 
To end this analysis, I'm happy to introduce the last sentences dismantled as a false statement. After quite some breakdowns, Ben managed to get a job with BMW as an IT-Worker, and Marita stayed with a medical equipment manufacturer, and the text doesn't say anything about a link or relation with Oxford University after all."

Da bleibt einem erstmal der Mund offen stehen, oder? Immerhin wird dieser Schüler so schnell keine Probleme mit Textproduktion in einem Prüfungskontext bekommen. Wow - I'm floored!

Samstag, 15. September 2018

Neun Jahre Facebook

Es scheint in Mode gekommen zu sein, Facebook scheiße zu finden (und trotzdem zu bleiben)...

Facebook hat mich darauf hingewiesen, dass ich der Seite genau heute vor neun Jahren beigetreten bin. Neun Jahr, eine wirklich lange Zeit, fast ein Viertel meines Lebens. Und was nicht in diesen neun Jahren alles passiert ist: Examen, erste Lehrjahre, Referendariat, ernsthaftes Verlieben, mittlerweile sechs verschiedene Schulen, drei unterschiedliche Wohnungen und Lebensorte.

Man könnte fast sagen, dass FB die einzige Konstante in diesen Jahren war. Und irgendwie bin ich froh drüber. Ich höre von immer mehr Menschen, die ebenfalls lange dabei sind, nun aber FB den Rücken kehren wollen, oder es bereits gemacht haben. Im Lauf der neuen Datenschutzverordnung sind es noch mehr geworden. Sie sehen eigentlich keinen Nutzen mehr in Facebook, außer vielleicht mit einem oder zwei Freunden zu kommunizieren. Sie möchten nicht, dass ihre Daten für personalisierte Werbung abgezogen werden. Sie möchten sich nicht mehr auf diese Weise einer Öffentlichkeit preisgeben.

Ich kann das verstehen; für mich stellt sich FB allerdings anders dar. In manchen schwierigeren Phasen ist ausgerechnet diese Community für mich ein Anker, der mir Sicherheit in irgendeiner Form gibt. Da kann ich immer mal vorbeischauen. Da kann ich meine Blogideen veröffentlichen. Da kann ich Menschen erreichen, denen ich vielleicht helfen kann. Für jemanden wie mich, der nicht so gern in der Realität unter Menschen geht, ist das ziemlich wertvoll. Gibt mir Sicherheit.

Ich habe hier die Sannitanic und die große Buba, und auch Er ist hier. Es beruhigt mich zu wissen, dass diese drei Menschen im Notfall erreichbar sind, und gleichzeitig habe ich nicht mehr diese Nerrvosität wie früher, wenn einer mal nicht sofort antwortet - eine der Sachen die ich wirklich nervig finde: Diese Markierungen, wann eine Nachricht gelesen worden ist. Sorry, aber wenn man sich geistig nicht dagegen gewappnet hat, kann das pure Schikane sein - "Sie hat das doch schon vor einer halben Stunde gelesen, warum antwortet sie nicht?" - "Mag Er mich vielleicht nicht mehr?" - und so weiter... kennt Ihr vielleicht.

Ich bleibe dabei, ich bin froh, dass ich Facebook habe. Ich habe es als Teil meines Lebens integriert, meine Verbindung zur Außenwelt aus meinem sicheren Weltraumhafen hier unter'm Dach. Und mir macht es nichts, wenn irgendjemand irgendwas über mich herausfindet; ich habe beschlossen, zu allem zu stehen, was ich tue, und damit habe ich auch nicht mehr wie früher Angst davor, mit meinen eigenen Taten konfrontiert zu werden (Stichwort Nichts bereuen!).

Freitag, 14. September 2018

Der Eid des Hippokrates

gemalt von Peter Engels

Es gibt da in Kiel diese Hautarztpraxis, ich habe den Namen vergessen. Die macht echt einen tollen Eindruck, hell, extrem freundlich, und es gibt zwei unterschiedliche Wartezimmer, eines für Kassenpatienten, eines für Privatversicherte. In letzterem steht ein kostenfreier Getränkeautomat. In dieser Praxis fühlt man sich königlich behandelt, keine langen Wartezeiten, und auch der Hautarzt selbst ist freundlich und aufgeschlossen, so scheint es.

Aber getrennte Wartezimmer sollten misstrauisch machen.

Und es ist ja nicht so, als arbeite dort ein inkompetenter Arzt, im Gegenteil, er kümmert sich um die Probleme und regelt sie. Er kümmert sich sogar um Probleme, wo vorher keine waren. Ich hatte damals einen akuten Neurodermitisschub (mittlerweile weiß ich zum Glück, wie ich damit umgehen muss) und bin in diese Praxis gegangen, um über Rötungen und juckende Haut zu klagen. Der Arzt hat sich diese Klagen sehr freundlich angehört und meine Haut unter die Lupe genommen - und hat ein Problem gefunden, das noch viel wichtiger zu sein schien als das Jucken, denn er äußerte umgehend Sorge über die Muttermale an meinem Körper, Hautkrebsrisiko, und die müssten unbedingt entfernt werden, um sicherzugehen, dass alles gutartig ist.

Und wie von Zauberhand hatte der Arzt auch schon die Verschreibung einer Operation parat. Ich war damals natürlich schockiert über die unheilvollen Nachrichten zu meinen Muttermalen und war sehr froh, dass der Arzt sie entfernt hat, fachmännisch herausgeschnitten. Um die Narbenbildung zu verringern, hat er mir ein Gel verschrieben, das rein zufällig in der praxisinternen Apotheke zu kaufen war. Ein Wunder!

Bei einer der Nachuntersuchungen hat der Arzt mich dann auch gefragt, ob ich wieder guter Dinge sei, und ich sagte ihm, dass die Stellen gut verheilt sind. Allerdings schob ich dann - endlich - noch einen Nachsatz hinterher, in dem ich ihn um eine Diagnose des Juckens und der Rötungen bat, denn beides war immer noch sehr intensiv vorhanden, und das war ja eigentlich auch der Grund meines Kommens. Seine Antwort werde ich wohl mein Leben lang nicht vergessen und hat mein Vertrauen in Ärzte im Grunde erschüttert:

"Ach das hatten sie auch noch! Ich möchte ihnen nur gerade klar machen, dass sie mir meine Zeit stehlen."

Zeit stehlen... bitte WAS?! Und erst dann bin ich auf den Trichter gekommen, dass es in dieser Hautarztpraxis in erster Linie um Gewinne geht, die tatsächlichen Beschwerden der Patienten sind sekundär. Das weiß ich, weil einer damaligen Kommilitonin genau das Gleiche passiert ist - und heute erzählt mir ein Kollege im Lehrerzimmer von seiner Erfahrung mit diesem Hautarzt, dessen Namen ich leider vergessen habe. Ist kein Einzelfall, das ist mir mittlerweile bekannt, der Wahnsinn hat Methode.

Und da komme dann ich, dachte immer, wenn man sich entscheidet, Arzt zu werden, dann macht man das, um Menschen zu helfen, sie zu heilen und womöglich Menschenleben zu retten. Man benutzt sie nicht als Material, um möglichst viele und umfangreiche Behandlungsmethoden aus ihnen herauszuholen. Dachte ich. Gibt es da nicht diesen Eid oder so?

Also, Patient, immer gründlich hinterfragen, was Dein Arzt Dir so mitzuteilen hat!

post scriptum: Heute habe ich "The Endless" (2018) geschaut. Das ist mal richtige Science Fiction, und es ist ein sehr intelligenter Film, der neben Sektenwirkung auch diverse andere Themen abarbeitet. Herrlich, wie der Film mit mir gespielt hat, mich im Unklaren gelassen hat. Anfangs dachte ich, wow, den Film kann ich in meinen Schulkanon aufnehmen, weil er überzeugend den Sog darstellt, den Sekten ausüben können - vielleicht schreckt das die Schüler ab, so dass sie nicht mehr so einfach in's Netz der Sektenfänger gehen. Gen Ende habe ich dann allerdings feststellen müssen, dass für sehr viele Schüler dieser Film "zu intelligent" sein wird, und dass sie Vieles nicht verstehen werden. Das wird bestätigt durch die Punktzahl in der IMDb, die recht niedrig ist - während die Kritiker mal wieder voll des Lobes sind, zum Beispiel auch Matt Zoller Seitz. Ich bin sehr froh, dass ich den Film gesehen habe.

Donnerstag, 13. September 2018

Bis die linke Titte platzt

Glamor? Dance?? Muse!

Nun habe ich hier also schon über seinen Geburtstag geschrieben, dann über meinen, die Sannitanic habe ich ausgelassen, aber die bekommt auch noch irgendwann ihr Fett weg. Stichwort! Fette Schnecke. Der unverzichtbare andere Teil des alten Frettchens hat heute Geburtstag. Die große Buba wird heute allerdings vermutlich nicht viel draus machen, denn sie steckt in der Arbeit drin. Schule fordert.

Warum ich ihren Geburtstag diesmal öffentlich anspreche? Weil es ganz gut sein kann, dass dieser Geburtstag der erste in ihrem neuen Lehrerinnenleben ist, und das ist schließlich vielleicht ihr Weg. So, und nu kommen die Unkenrufe von Menschen, die mitrechnen, und die werden feststellen, dass natürlich auch im letzten Jahr das Schuljahr zum Große-Buba-Geburtstag bereits begonnen hatte. Aber wie es wohl vielen von uns ging und geht: Das erste Mal an einer Schule, Eindrücke ohne Ende, Gedankensortierung anstrengend, da hat man vielleicht noch nicht den richtigen Nerv zum Feiern.

Meine liebe die große Buba!

Langsam setzen sich die ersten Eindrücke, langsam wird eine Perspektive im Leben sichtbar, langsam geht das Lebengenießen richtig los. Und genau das wünsche ich Dir für das neue Lebensjahr: Genieß' alles, was auf Dich zukommt. Entspann' Dich. Finde Deine persönliche Work-Life-Balance.

Und keine Sorge, wir beide feiern dann nach, bis die linke Titte platzt. Ich weiß, ehrlich gesagt, nicht mehr, woher dieses Bild im Kopf kommt, aber DGB und ich kommen immer wieder gern darauf zurück, dass ihre Brüste platzen und Konfetti herausregnet. Und bunte Regenbogen, so wie bei Cloudy With a Chance of Meatballs 2. Und feiern, das können wir. Zum Leid der Nachbarn.

Röbbhe, phöbbe?

Mittwoch, 12. September 2018

Vermissmeinnicht

Ob es die FSK-Logos auch für Lehrer geben sollte? Bekomme ich dann Keine Jugendfreigabe?

"Vermisst du nicht die Kleinen?" fragt er mich.

Ob ich die Kleinen vermisse? Die kleinen Goldengel, die mir nur bis zur Hüfte gehen, die mir ununterbrochen am Rockzipfel hängen, vor der Stunde und auch in die Pause hinein, die traubenartig an mir kleben während der Pausenaufsicht, die alles für bare Münze nehmen, was ich sage, die angewiesen sind auf einen strukturierten Unterricht, die laut sind - ungünstige Kombination mit dem Abkauen meiner Ohren. Vermisse ich sie?

Ich vermisse sie in etwa so sehr, wie ich es vermisse, Latein zu unterrichten. Überhaupt nicht. Und dabei soll darin keine Wertung stecken, es ist nur so, dass das Sachen waren, die mir nicht gefehlt haben. Fünf Jahre ohne Latein? Wo ist das Problem? Und nun unterrichte ich seit vier Wochen nur noch ab fünfzehn aufwärts, und es fühlt sich toll an. Ich kann wieder dämliche Sprüche im Unterricht raushauen, ich darf Ansprüche an das Selbstmanagement der Berufsschüler stellen, es muss nicht alles jugendfrei sein und auch nicht immer politisch korrekt, und die Leute wissen, dass ich sie trotz blöder Sprüche nie persönlich angreifen würde. Eat this, ich kann endlich wieder mit Ironie arbeiten!

Es gibt einfach Lehrkräfte, die viel besser als ich dafür geeignet sind, Orientierungsstufen zu unterrichten. Und es gibt so viele Kollegen, die das Fach Latein toll rüberbringen können - die Sannitanic zum Beispiel. Ich bin dafür einfach keine gute Besetzung, das ist mir mittlerweile seit ein paar Jahren klar, aber als Lehrer an einer Gemeinschaftsschule oder einem Gymnasium kann ich mir nicht unbedingt aussuchen, welche Jahrgangsstufen ich denn gern unterrichten möchte. Ich frage mich, warum ich dem Konzept der Berufsschulen bisher so indifferent gegenüber gestanden habe. Wenn es Home Improvement gibt, dann gibt es sicherlich auch Job Improvement.

post scriptum: Klasse, jetzt habe ich auch von Schülern die Bestätigung bekommen - "Our teachers are crazy!" - ganz mein bevorzugtes Umfeld ;-)