Montag, 20. November 2017

"Es wird sich unterhalten..."

Quelle: https://www.welt.de/img/kultur/mobile112771609/0272504837-ci102l-w1024/Unwort-des-Jahres-2012-2.jpg

Jamaika ist tot, ein perfekter Aufhänger für ein Blogthema, was mir schon lange durch den Kopf geistert. Es geht um Sprachvergewaltigung - und gerade jetzt, beim Tippen, finde ich diesen Ausdruck so gut, dass ich ein "Label" aus ihm mache. Wobei, nein, lieber nur Sprache, denn ich sehe in diesem Blog auch positive Kommentare zum Umgang mit Sprache kommen.

Es geht in diesem Beitrag also nicht um Politik selbst; wer darüber etwas lesen wollte, möge bitte jetzt abschalten.

Diese Sprachvergewaltigung, dieses... ich nenne es jetzt Unpersönliches Passiv.

Aktiv:
"Man unterhält sich."
"Man debattiert miteinander."
"Man tauscht sich über ein Thema aus."

Passiv:
"Es wird sich unterhalten."
"Es wird sich miteinander debattiert"
"Es wird sich über ein Thema ausgetauscht."

Bin ich tatsächlich der einzige Mensch, der sich zusammenkrümmt, wenn er diese Passiv-Sätze hört? Und sie treten so häufig auf, mit großer Mehrheit in der Politik. Ich habe das zum ersten Mal damals im Kieler Studierendenparlament gehört und musste mich zurückhalten, um nicht zu fragen:

Muss das sein?
Könnt Ihr nicht in Aktiv-Sätzen sprechen?
Könnt Ihr nicht einfach sagen: "Sie unterhalten sich."
Ist das zu ungebildet? Zu sehr Mainstream? Für mich jedenfalls gut genug, diesen Artikel zu schreiben, denn eigentlich hatte ich etwas über Günter Grass posten wollen. Kommt noch.

Sonntag, 19. November 2017

Nein sagen - trainierbar?


Du schaust mit mir einen Schwulenfilm - obwohl Du solche Filme eigentlich nicht magst. Du gehst mit mir auf eine Szeneparty - obwohl Du eigentlich kein Partygänger bist. Du triffst dich mit mir auf einen Kaffee - obwohl Du eigentlich wirklich keine Zeit hast. Du gehst mit mir in eine Achterbahn - obwohl Du eigentlich tierische Angst davor hast. Du übernachtest bei mir - obwohl Du eigentlich lieber zuhause schlafen würdest.

Du kennst das: Du kannst einfach nicht Nein sagen. Du möchtest mich nicht enttäuschen, Du möchtest, dass ich glücklich bin. Und Nein ist so ein hartes Wort... und irgendwie kriegen wir das doch gewuppt, also warum nicht?

Hast Du vielleicht Angst vor dem Wort? Weil Du es, genau genommen, bei Anfragen noch nie benutzt hast? Ich wünschte, ich könnte dir diese Angst nehmen. Können wir das nicht vielleicht trainieren? Indem ich Anfragen stelle, die Du definitiv nicht annehmen möchtest:

"Darf ich dich küssen?"
"Möchtest Du mit mir schlafen?"
usw.

Vielleicht durch Gewöhnung die Angst nehmen. Damit Du lernst, Nein zu sagen. Denn Du musst es nicht jedem Menschen recht machen. Du hast ein Recht darauf, abzulehnen. Du musst dich nicht verbiegen, um jeglichen Frieden zu wahren. Du hast einen Wert.

Erkennt sich jemand wieder?

Samstag, 18. November 2017

HB erklimmt Mount Waschmore

Waschprogramme der neuen Generation...

Pet Hair Removal.

Was könnte damit nur gemeint sein? Ich vermute mal, ich stecke dazu einfach mein Haustier in die Waschmaschine als Alternative zum Kahlscheren? Das muss es sein! Es ist faszinierend, was Waschmaschinen heutzutage alles können, ich glaube, ich sollte mir extra eine Katze zulegen, nur um sie dann bei nächster Gelegenheit gründlich durchzuwaschen und zu enthaaren. Und schleudern dann bei tausendvierhundert Touren? Oder besser nur achthundert? Doch... vielleicht lieber von Anfang an.

Die natürlichen Sehenswürdigkeiten in der Weltraumbasis haben einen neuen Höhepunkt erreicht, im wahrsten Sinne des Wortes. Und ich meine damit nicht den Mount Trasherest, den es vor einiger Zeit zu erklimmen galt, sondern den neuen Gipfel, der sich diesmal im Badreich befindet, den fürchterlichen Mount Waschmore.

Es gibt Momente im Leben, da knallt einem die Waschmaschine durch. Die Stoßdämpfer sind im Eimer und beim Schleudern klingt es, als ob die Maschine systematisch die Wohnung zerlegt. Die Antriebsriemen sind defekt und es bewegt sich überhaupt nichts mehr. Die Zu- und Abläufe sind vergammelt und die Wäsche riecht nach Sumpfwasser. Wenn man Glück hat, wird nicht der gesamte Standort unter Wasser gesetzt. Es kann aber sein, dass man bis zur Reparatur oder zum Ersatz keine Wäsche mehr zuhause waschen kann. Und wenn man sich von so etwas lähmen lässt, anstatt zum Nachbarn, Freundin, Waschsalon o.ä. zu gehen, dann wächst er langsam heran, der Mount Waschmore, denn die Wäschekörbe sind voll, sie bersten fast, und so schwillt der Wäscheberg zu enormen Ausmaßen.

Anfangs irgendwie ganz witzig anzusehen - doch spätestens, wenn man ein bestimmtes Wäschestück braucht und sich auf die Suche machen muss, wird es beschwerlich: Man krabbelt über den Bergfuß, versucht, sich von der Spitze nach unten durchzuarbeiten, irgendwo muss das Teil doch sein. Der Gipfel wird in eine ganze Bergkette zerteilt, die Nerven zum Zerreißen gespannt, ich hatte das Teil doch letztens auf den Haufen geworfen, oder? Und da ich ja davon ausgehe, dass ich einfach nicht genau hingeschaut habe, durchwühle ich die Bergkette ein weiteres Mal, eine Stunde nach der anderen geht in's Land, ich verstehe die Welt nicht mehr. War das Teil etwa noch in der Waschmaschine? So siedele ich um in das Badreich, finde dort nichts. Schaue entmutigt in den Spiegel - so kann es nicht weitergehen. Den Blick in den Spiegel gerichtet, schmiede ich Pläne, um der Situation endlich zu Leibe zu rücken und merke, wie lange ich es mit solchen Missständen aushalte. Dabei ist es doch kein Problem, Abhilfe zu schaffen! Aber "irgendwie geht's ja doch", nicht wahr?

Und nach langem Starren in den Spiegel bemerke ich, dass ich das gesuchte Teil die ganze Zeit am Körper trage. Kann doch nicht wahr sein, das bringt das Faß zum Überlaufen, ich schmiede Pläne, mich der alten Maschine gewinnbringend zu erledigen - die Königin des Badreichs ist tot, lang lebe die neue Königin! Und suche eine neue Waschmaschine, mit der ich schon länger geliebäugelt habe wegen niedrigerer Waschtemperatur und weniger Energie- und Wasserverbrauchs. Netterweise kommen starke Männer vorbei, die die ganze Schlepperei erledigen, und so blicke ich auf die neue Maschine, blau, passend für ihr neues Reich, und diesen seltsamen Knopf Pet Hair Removal. Und schaue, was die Bedienungsanleitung dazu sagt, damit ich weiß, wie ich mein zukünftiges Haustier waschen muss:

Zum Glück war diese Warnung in der Waschanleitung enthalten!

Aha! Ich darf mein Haustier nicht in der Waschmaschine waschen! Ich gebe zu, ich bin ein bisschen enttäuscht... aber freue mich trotzdem, dass ich immerhin wieder frische Wäsche habe und nicht mehr Angst haben muss, dass ein Gast sich vom Mount Waschmore in den Tod stürzt ;-)

Freitag, 17. November 2017

Mein erster Stummfilm

Cesare, der Schlafwandler, aus dem Cabinet des Dr. Caligari

Vorweg: Eigentlich wollte ich heute von neuen Erlebnissen im Badreich berichten, denn der fürchterliche Mount Waschmore wurde nach langem Warten endlich erklommen. Dann aber kam eine spontane Entscheidung mit Auswirkungen auf diesen Blog.

"Stummfilme? Ne lass mal, das ist mir zu anstrengend", das war eigentlich immer meine unmittelbare gedankliche Reaktion auf die Aussicht auf einen Stummfilm. Meine Denkweise ganz klar engstirnig, mit Scheuklappen und voreingenommen, so wie ich es von mir leider schon häufiger erleben musste: "Da sind dann ja alle Dialoge als Text eingeblendet, ich hab keine Lust, den ganzen Film über so viel zu lesen!" - "Ich weiß auch gar nicht, ob ich das alles dann überhaupt verstehe!" - "Und dann diese altmodische Musik im Hintergrund, das Gedudel geht mir bestimmt bald auf die Nerven!" - "Und das ist ja auch noch alles schwarzweiß!" - "Ja, ein paar meiner Lieblingsfilme sind schwarzweiß, das weiß ich ja, aber bei den Stummfilmen ist die Bildqualität dann auch noch so schlecht, bestimmt nicht einmal vierhundertachtzig Pixel."

Kurz gesagt: "Moderne Filme sind viel bequemer, warum soll ich mir einen Stummfilm antun???"

So habe ich also bis in mein fünfunddreißigstes Lebensjahr hinein gelebt, ohne je einen dieser Filme zu sehen. Da konnte mir noch so oft aus der Internet Movie Database entgegenschallen, dass einige dieser Filme ungeheuer populär sind. Da kann mir Roger Ebert noch so oft sagen, dass einige dieser Filme zu seinen Great Movies gehören. Ich weiß es ja mal wieder besser.

Bis gestern.

In einem Anflug von "Ich muss meinen Horizont erweitern!" habe ich Amazon prime nach Stummfilmen durchstöbert, gezielt nach Das Cabinet des Dr. Caligari von 1919, und bin fündig geworden in einem Double Feature mit Nosferatu, eine Symphonie des Grauens von 1922 - zwei wichtige Filme des Deutschen Expressionismus, wie ich dem Internet entnahm. Nun denn, das Telefon ausgestöpselt, die Wohnung abgedunkelt und zuerst Nosferatu gestartet - und damit eine Aufklärungsrunde erster Güte, in der ich meine Vorurteile der Reihe nach über Bord werfen musste.

"Ich habe keine Lust, so viel Text zu lesen" - eine völlig unberechtigte Angst, denn der Film ist mit extrem wenigen Textkarten ausgestattet. Der Plot wird durch die Bilder erzählt und die Emotionen durch die Musik begleitet. Ich habe alles verstanden, allerdings war ich auch (im Vergleich zu manch' modernem Film) hoch aufmerksam, ich habe um mich herum kaum noch etwas mitbekommen. "...diese altmodische Musik nervt..." - ...so überhaupt nicht, denn nach einigen Minuten nimmt man sie kaum noch als "Filmmusik" mehr war, sondern als eigenständigen Charakter der Geschichte. Die Musik und die Bilder erzählen viel eindrucksvoller, als jegliche Dialoge oder textuelle Exposition es könnten. Ich gebe zu, ich habe ziemlich gestaunt... und ich war gespannt! So gespannt, wie es weitergeht - eben weil keine ablenkenden Farben dabei waren, keine überflüssigen Bildimpulse, keine nervigen Dialoge, ich war vollkommen absorbiert; zwischendurch musste ich pausieren, um dann in aller Eile etwas zu trinken zu besorgen, und bin sofort wieder auf die Couch gerast, um mit Thomas Hutter auf die Reise zu Graf Orlok und zurück in seine Heimat zu gehen.

Und habe ganz nebenbei gelernt, wie richtiger Horror funktioniert. Das sind keine scare tactics; ich bin nicht vor Schreck aufgesprungen. Dazu haben moderne Filme zu gute Techniken (z.B. im Sinne der jumpscares) entwickelt. Aber ich muss zugeben, dass nicht viele Filme mich so sehr mitgenommen haben. Erübrigt sich, zu sagen, dass die Meditation danach ein einziger Genuss war - diese neue Erfahrung noch einmal Revue passieren zu lassen. Und eigentlich wollte ich danach diesen Artikel schreiben, aber ich war mittlerweile viel zu neugierig geworden auf den zweiten Film, Caligari.

Ich hatte keine Ahnung, dass ich mir den ersten Horrorfilm der Welt anschauen würde. Ich hatte keine Ahnung über seinen literarischen und interpretatorischen Anspruch. Ich hatte keine Ahnung von seinem twist ending. Ich hatte keine Ahnung, wie wichtig dieser Film mittlerweile ist. Ich weiß nur, ich war gebannt wie zuvor bei Nosferatu, und am Ende habe ich gestaunt und mit Genuss die Rezensionen und vor allem die Interpretationen vor dem Hintergrund des Ersten Weltkrieges - und vor allem der damals noch weit entfernten Bedrohung durch die Nazis gelesen.

Wow. Lange keinen so guten Filmabend gehabt.
Und wieder ein paar Vorurteile über Bord gekickt.

Mittwoch, 15. November 2017

Liebe, Augenhöhe, Er und ich

Körperlich auf Augenhöhe zu sein, bedeutet noch lange nicht, dass man den Anderen gleichwertig behandelt...

Vorwort: Manchmal sind die Pausen zwischen zwei Beiträgen länger. Oft liegt es daran, dass ich "viel" an einem Tag zu tun habe und mein "Sozialkonto" abends aufgebraucht ist, dann möchte ich nur noch meine Ruhe haben und nichts mehr schreiben. Oder aber, wie in diesem Fall, ein Beitrag braucht einfach länger; das ist völlig unabhängig von der Länge des Textes, sondern davon, wie lange ich über den Inhalt nachdenken muss. Und das hat bei diesem Beitrag ein wenig länger gedauert.


Wir begegnen Menschen. Das gehört zu unserem Alltag dazu. Es gibt unzählige spannende Studien zur "Ich und das/der/die Andere"-Thematik; ich möchte heute einen Pädagogen-Bingo-Begriff beleuchten, den jeder in seinem Referndariat schon einmal gehört haben wird: Augenhöhe. Bzw., "auf Augenhöhe miteinander umgehen". Ich habe das Konzept irgendwann bei den Gesprächen mit der großen Buba fallengelassen, neulich hatte sie ihn selbst benutzt. Scheint gezündet zu haben, da scheint also etwas dran zu sein.


Natürlich hat das nichts mit der wörtlichen Augenhöhe, bedingt durch die Körpergröße, zu tun. Da gibt es zwar auch einen Effekt (große Menschen, größer als man selbst), aber mir geht es um Anderes: Selbst wenn wir miteinander reden und uns dabei in die Augen schauen können - wenn man sich setzt, fallen die Größenunterschiede gar nicht mehr so auf - selbst dann kann es erhebliche "Höhenunterschiede" geben.


Man stellt sich vielleicht höher als der Andere. "Ich habe mehr Erfahrung. Ich habe den höheren Posten. Ich bin dein Vorgesetzter." Und jetzt wird's eklig zu tippen, denn jetzt wird es persönlich. Ich probier's trotzdem. Denn mir passiert das sehr oft, dass ich mich im Bewusstsein meiner höheren Lebenserfahrung über meinen Gesprächspartner stelle. "Ja, das habe ich auch schon mal durchgemacht, das ist echt schlimm." - "Ah, ich kenne das, du solltest das vielleicht lieber so und so machen!" Ich gefalle mir viel zu oft in der Lehrer- oder Mentorrolle. Und trage damit Einiges dazu bei, dass ich Probleme habe, gleichberechtigte Beziehungen einzugehen. Zum Glück habe ich nicht viele Freunde, so kann das nicht allzu oft passieren.


Man kann sich natürlich auch unter seinen Kommunikationspartner stellen. Zu ihm aufblicken. Mache ich zum Beispiel bei Jay, habe ich von Anfang meines Studiums an gemacht. Zu ihm hochgeschaut. Er hat mehr Lebenserfahrung, mehr Bücher gelesen, da gehe ich dann gern in die Schülerrolle. Allerdings passiert das eher selten - ich tendiere zum Mich-Höherstellen.


Was hat das nun mit Liebe zu tun? Und wann kommt Er in's Spiel?


Fangen wir mit der Liebe an: Reflektiert mal ein wenig, ob Ihr mit eurem Lebenspartner auf Augenhöhe seid, oder ob Ihr zum Bemuttern neigt, oder vielleicht zum "Unterwerfen" (mal von sexuellen Tendenzen abgesehen). Ich behaupte einfach mal, und da dürft Ihr mich sehr gern widerlegen und/oder aufklären: Eine "ideale" Liebesbeziehung oder Partnerschaft für's Leben kann es nur geben, wenn man es irgendwann geschafft hat, sich auf Augenhöhe einzustellen. Wenn das nicht möglich ist - ist er oder sie dann wirklich der/die Richtige? Ich schaue gerade mal wieder Twin Peaks und mir werden zu Unterhaltungszwecken diverse Beziehungskonstellationen präsentiert, das regt zum Nachdenken an. Zum Kommentieren: "Shelly, warum lässt du es zu, dass dein Mann dich schlägt und als Haushälterin sieht?!"


Zurück aus der Fiktion in das reale Leben, die Zeit um sechs Jahre zurück gedreht, und nun kommt Er. Unser Kennenlernen war von Augenhöhe meilenweit entfernt, wenn ich ihm glauben darf. Ich war damals noch Teil der Saturnalien-Crew, Theater, Sketche, Musik, und "leider" die perfekte Möglichkeit für mich, die absolute Rampensau zu werden (oder besser rauszulassen, weil sie scheinbar immer schon da war). Und dabei war es meine letzte Aufführung, und ich hatte mich schon möglichst zurückgenommen, ich habe es wirklich versucht. Und dann kam Er neu in die Theatergruppe. Und seine erste Wahrnehmung von mir hatte mit Augenhöhe nichts zu tun: "Du standest im Mittelpunkt, du hattest immer alles im Griff, du warst im Examen, du hast das alles geleitet, ich hab zu dir aufgeschaut. Dr Hilarius war das Mastermind, irgendwie, und das hat mich beeindruckt." (meinte Er Jahre später zu mir)

Er hat zu mir aufgeschaut. Und ich bin dann irgendwie wieder in die Mentorrolle gekommen. Das passte zusammen, auch wenn es keine gleichwertige Freundschaft zu sein schien. Und ich hab' das auch noch genossen! Ich habe es nicht mitbekommen, wie ich ihn bevormundet habe, ich habe es nicht gemerkt, dass Er alles Mögliche mir zuliebe gemacht hat. Wie sich das dann weiter entwickelt hat, möge Privatsache bleiben. Es geht mir nur darum, aufzuzeigen, dass diese Freundschaft zwar wunderbar geklappt hat (wir haben uns damals nie beschwert), weil wir uns beide in unseren Rollen wohl gefühlt haben.

Aber kann das eine Grundlage für eine lebenslange Freundschaft sein? Kann das ewig gut gehen? Ich bin mittlerweile bei der Meinung angekommen, wie eingangs beschrieben, dass eine ernste, enge Partnerschaft Umgang miteinander auf Augenhöhe beinhalten muss.

Und ja, mir ist bewusst, dass es da ja einen Unterschied gibt zwischen einer Freundschaft und einer Partnerschaft. Aber wie gesagt, ich möchte hier nicht seine weitere Gefühlswelt preisgeben. Schaut Euch einmal Die Verurteilten (The Shawshank Redemption, 1994) an. "Freundschaft oder Liebe" ist totaler Unsinn...


post scriptum: Das Thema für morgen steht bereits und wird definitiv leichter verdaulich - wenn alles glatt läuft!

Dienstag, 14. November 2017

Angst vor'm Zahnarzt?

Gothic-Zahnseide! :D

Ich hatte immer fürchterliche Angst vor dem Zahnarzt. Das hat sich in meiner Kindheit manifestiert: Zuviel süßes Essen, zu selten oder zu ungenau geputzt - perfekte Grundlage dafür, dass bei jedem Zahnarztbesuch irgendwas gemacht werden musste. Und insgeheim hatte ich immer gehofft, dass meine Mutter die Prophylaxetermine alle sechs Monate vergaß. Machte die Lage bei meinen Zähnen nur noch schlimmer.

Die Angst, dass der Zahnarzt bei der ganz normalen Untersuchung irgendwo draufdrückt und es wehtut. Und dass dann gebohrt werden muss. Dieses whiiiiiiiiiiiiiiiiiiii..., wenn der Bohrer eingeschaltet wird. Und was man da noch alles im Mund hängen hat. Und die Angst, dass die Betäubung nicht ausreichend wirkt und der Schmerz sich vom Backenzahn gefühlt durch die Augen bis in's Hirn verbreitet. Grausig!

Als mein Zahnarzt dann zu Anfang des Studiums andeutete, dass die Weisheitszähne raus müssen, sind bei mir alle Lichter ausgegangen und ich habe das fünf Jahre vor mir hergeschoben. Darauf hatte ich ja gar keine Lust, das Zersägen der Zähne, das Rauslöffeln, das Knacken dabei... zum Glück gab es die Option Vollnarkose.

Dass hier und da gebohrt werden musste, habe ich mit Vorliebe auf meine Zähne geschoben, die sind halt einfach so anfällig. Ich wusste zwar, dass ich selbst die Verantwortung dafür hatte (Putzen mal wieder vergessen?), aber verinnerlicht hatte ich das nicht. Sonst hätte ich mein Verhalten vielleicht umgestellt.

ein paar Jahre später

"Das ist perfekt, hier ist nichts, nichtmal Zahnstein. Machst du irgendwas anders als früher?" fragt mich Ulf, mein Zahnarzt, und ich antworte wahrheitsgetreu: "Ich putze nur noch einmal täglich die Zähne." Und dann hat er mir erklärt, dass das durchaus eine sinnvolle Methode ist, "wenn du damit solche Ergebnisse erzielst." Ich bin noch nie so strahlend aus einer Zahnarztpraxis gegangen.

Warum nur noch einmal täglich? Weil ich das einfacher ritualisieren kann. Wie oft habe ich mir abends, müde, gedacht "Ach, mach das Zähneputzen morgen!" - und am Morgen war alles wieder vergessen, weil ich mit dem Kopf schon wieder woanders war. Ich vergaß das Zähneputzen genau so wie manchmal das Essen und Trinken. Und abends gern auch der Gedanke "Och nö, das dauert jetzt noch so lange, habe ich keine Lust drauf."

Wenn ich nur diesen einen Termin vor dem Schlafengehen habe, kann ich das leichter als Regelmäßigkeit verbuchen. Ich weiß genau, dass ich dafür zwölf Minuten brauche (putzen, Zahnseide (jeden Zwischenraum einzeln), Interdentalbürste, Mundspülung). Jetzt klappt es also, und so habe ich gestern einen sehr schnellen Besuch bei Ulf gehabt und bin strahlend nach Hause gegangen. Und mit Angst ist auch nix mehr: Die Meditationen haben mir die Furcht vollkommen genommen.

Muss ich also erst vierunddreißig Jahre alt werden, um meinen Frieden mit der Zahnpflege zu machen. ;-)

Samstag, 11. November 2017

Sprayer

Immerhin sind die Türklingeln nicht verklebt worden ^^

Ich glaube, Graffiti sind für niemanden etwas Neues mehr. Für mich war in der letzten Woche zumindest neu, dass unser Hauseingang mal des Nachts eingesprüht worden ist - aber nicht nur der, auch die Schaufenster-Eingangstür-Front von Sky nebenan ist komplett umdekoriert worden - mit weiß, ausgerechnet.

Warum gerade dieser Name???

Dieser Umstand bietet einen Denkimpuls, besonders für Leser, die selbst aus "spannenden" Umfeldern kommen oder mit "schwierigen" Schülern zu tun haben. Es geht gar nicht um die Meinung zu dieser Verschönerung - klar, das ist Sachbeschädigung und es sieht noch nichtmal gut aus. Und wenigstens hätten sie Tscheeeeeeßn richtig schreiben können. Nein, hier fliegt wieder die HB-Dauerfrage herum: Warum tut man sowas?

Ich glaube, wenn ich mich mal ein bisschen online informieren würde, wüsste ich die Antwort längst. Und es ist kein Geheimnis, dass der Anteil der Graffiti in sozial schwächeren Vierteln höher ist als in elitären Gegenden. Man wird in Düsternbrook nicht so viele Graffiti finden wie in Mettenhof. Und wenn ich durch Berlin fahre, entdecke ich auf der Fahrt durch Zehlendorf deutlich weniger Spray"kunst" als in Ahrensfelde; das wird auch Herr Leinhos bestätigen können. Und warum ist das so?

Ich frage mich, ob das Sprayen neben der Gebietsmarkierung bestimmter Gruppen auch eine Art Ventil sein kann; dann nämlich hätte es einen pädagogischen Nutzen, den Sprayern Flächen zur Verfügung zu stellen, an denen sie sich austoben können. Seit der Gemeinschaftsschularbeit ist mir bewusst, dass viele Jugendliche Energie loswerden müssen, Frust abbauen - ob Graffiti dabei helfen können?

Wenn sie mal etwas hübschere Motive nehmen würden - ein weißer Jason in unserem Hauseingang ist einfach langweilig. Witzig finde ich, wie die Außenwände des plaza-Gebäudes verziert sind: Dort sind nämlich Szenen aus dem Einkaufsalltag hingemalt/gesprüht worden. Find' ich gar nicht schlecht.

post scriptum: Er hat sich gemeldet, von sich aus - das bringt ein Lächeln auf mein Gesicht. Ich hab tatsächlich überlegt, ob Er "uns" aus dem Blick verloren hat. Hat Er nicht. Und mittlerweile sind die Graffiti weg, zumindest in unserem Hauseingang.