Freitag, 24. März 2017

Kindkontakt!

Sowas ist doch nicht normal!

Ich tu' mich ja durchaus mal schwer mit dem Thema Körperkontakt. Das Mutterschiff weiß da eine Geschichte eines Sommerfestes zu erzählen, wo sie abendlich mit Wein angeschwipst - und es war kühl - näher an mich rangerutscht ist und das war mir ziemlich unangenehm. Und sie wusste auch, dass ich mich mit ihrem kleinen Sonnenscheinchen schwer tun würde und dass ich ein bisschen besorgt war, ich würde ihr zu nahe treten, weil ich die Kleine nicht auf den Arm würde nehmen wollen.

Oder diese Anekdote, als ich bei Pizza World in der Olshausenstraße gesessen habe - meine damalige Mitbewohnerin hat während ihres Studiums dort gejobbt, ich habe auf ihr Schichtende gewartet und wir wollten zusammen nach Hause gehen. Und dann werde ich von dem Mann rechts neben mir angesprochen, sorry, aber ich bin gerade nicht in Redestimmung, aber er redet nicht nur weiter, sondern rutscht näher an mich heran. Und ich blicke nach links und sehe die Ecke der Sitzbank näherkommen. Und dann legt er ohne Vorwarnung seine Hand auf mein Bein (Spül-Buba liest das laut). Kann ich nicht haben, wirklich nicht, nicht anfassen.

Und auch Er weiß um diesen Umstand, auch wenn es ihm erst gen Ende bewusst geworden ist; ich nehme Menschen nicht so gern und oft in den Arm. Bei ihm hat es mich allerdings nie gestört, das habe ich schon damals in Husum gemerkt - im Gegenteil, ich fand es immer schön, ihn im Arm zu halten. Wenngleich es für ihn anfangs noch etwas ungewohnt war, dass zwei Jungs sich zur Begrüßung in den Arm nehmen, so hat er sich daran auch gewöhnt. Und mittlerweile möchte es wohl keiner von uns mehr missen. Allerdings habe ich ihm erst kurz vor Funkstille erklärt, dass das für mich nichts Alltägliches ist- eben weil ich es nicht so mit dem Körperkontakt habe. Und dass es bei ihm eine Ausnahme ist, deren Grund sich jeder selbst denken möge (ich habe es ihm aber zur Sicherheit nochmal explizit gesagt, filum longum und so).

Gestern wurde es dann aufregend. Aus den Rocky-Baby-Mountains ist ja inzwischen ein havariertes Mutterschiff geworden - wobei das die mountains so verharmlost: Der derzeitige Zustand erinnert an das Ergebnis schwungvoll aufeinander zudriftender Kontinentalplatten, Dr Hilarius, kannst Du Dich bitte noch komplizierter ausdrücken? Das versteht doch kein Mensch mehr! Dabei wollte ich einfach nur aussagen, dass mittlerweile ein komplettes Tafelbild auf ihrem Dekolleté Platz hat, danke auch an Jan für lustige Kommentare!

Ich besuche sie also, alles routiniert-schön-plauderig, aber weil die kleine nukleare Katastrophe mit dem goldigen Lächeln das Stillen dann doch irgendwie zum Kotzen fand, musste die RMS Sannitanic sich erstmal umziehen (kreatives Erbrechen hier gerade, hey Stegauf, hamwa drüba gesprochen, wa?). Das bedeutet: Ich für einen Moment allein mit dem Kind.

Niemand sonst.

Huch, es schaut mich an! Soll ich etwas sagen? Soll ich winken? Soll ich lächeln? Das bewegt sich ja! Was mache ich denn jetzt. Oh, es schaut auf meine Fingernägel. Ich strahle es an und zeige den schwarzen Nagellack, WHAAAAAAAAAAAHHHHHTTTTT! Das Ding greift nach meinem Finger! Körperkontakt, Kindkontakt, was passiert hier, jetzt wird es bestimmt krank, ich hab es kaputt gemacht.

Nein, im Gegenteil, es lächelt und gluckst und ich strahle und merke - Hey, so schlimm ist es ja gar nicht! Also einmal anfassen ist schon okay, und kann ich mit dem Ding reden? Das hört ja, was ich hier jetzt sage, oder? Hilfe, ich hab' das noch nie gemacht, was tue ich hier gerade, aber da kommt die Sannitanic zurückgekentert und wir bereiten alles vor für einen Gang an die Sonne und frische Luft.

Wieder ein Gefühl, das ich nur ganz schwer beschreiben kann. Kind. Und glücklich, dass es auf mich reagiert. Das muss erstmal verarbeitet werden. Ein schönes Gefühl, und dabei dachte ich immer, dass ich das vielleicht gar nicht so mag. Ich freue mich unbeschreiblich für die Sannitanic samt Vater über ihre kleine Familie!

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