Samstag, 2. Juli 2022

Frost-Armschienen

Surreal, mit Licht und so...

Ich liebe Physik. 

Ich war damals ein Teenager wie viele andere auch, der sich gedacht hat "Der Kram, den wir in der Schule lernen, den braucht man doch nie wieder!" - und werde immer wieder auf's Neue widerlegt. Nun also nach dem Sportfest. Ich hatte nicht daran gedacht, Sonnencreme auf die Arme aufzutragen, und irgendwo steckt in mir der naive Dr Hilarius, der sich denkt, naja, wenn ich im Schatten sitze, kann ich ja keinen Sonnenbrand bekommen. Dabei weiß der Physiker in mir natürlich, dass die Strahlung der Sonne auch durch ein Laubdach hindurch reichen kann. Dumm verhalten. Kann ich gut.

Und man merkt es natürlich erst gen Abend, wenn die Unterarme dann richtig anfangen, zu strahlen, zu leuchten - ich habe damit eigentlich kein großes Problem (Autisten sollen eine andere Schmerzwahrnehmung haben), aber dadurch, dass ich derzeit einen Neurodermitisschub habe, haben meine Arme nicht nur geglüht, sondern auch richtig angefangen zu jucken und Quaddeln zu bilden. Und das, während ich in Ruhe meditieren möchte.

Nach über zehn Jahren Training lässt man sich in der Meditation durch nichts mehr so leicht aus der Ruhe bringen - ich nehme die Entzündung behind closed eyelids dann als ein Strahlen wahr, anders kann ich es nicht beschreiben. Dann habe ich mir gedacht, wenn ich schon im Luftstrom des Ventilators meditiere, könnte ich doch einfach mal testen, welchen Effekt es hat, ein nasses Stofftaschentuch auf die Unterarme zu legen und in Ruhe anpusten zu lassen.

Physik sagt uns, dass es ein eiskaltes Gefühl im Arm geben dürfte, denn durch den Wind findet eine starke Verdunstung der Feuchtigkeit im Taschentuch statt, und diese entzieht der Haut ihre Wärme. Experiment sagt uns, dass es genau so ist: Es hat sich angefühlt, als hätte ich eisige Armschienen angelegt, wobei ich - wie sicherlich auch die fette Schnecke - an Rollenspiele denken musste; Frost-Armschienen sind ein Standard-Ausrüstungsgegenstand in vielen RPGs. Oft muss man sie sich selbst herstellen, mittels Schmiede oder Alchemie (der Dragon Quest-Opa sagt "Sssss-HUKKKK-Sssssss-HESSS!").

Jedenfalls hatte ich während der Meditation also eine Stunde lang eisige Armschienen, und es war wunderbar angenehm. Klassisches Hausmittel gegen Sonnenbrand: Ein nasses, dünnes Tuch auflegen und von einem Ventilator anpusten lassen.

Dr Hilarius äi käi äi MacGyver signing off!

Freitag, 1. Juli 2022

"Lach' doch mal!"


Verehrte Damen und Herren, damit hätten wir den letzten Schultag eines außergewöhnlich aufregenden Schuljahres überstanden. Die Verabschiedungen heute mit sehr viel Herz, Witz und Musik, dem Bewusstsein, dass ein toller Kollege in den Ruhestand geht, und dem Bewusstsein, dass ich nicht gehen muss. Was dann auf der Dienstversammlung auch nochmal extra gesagt worden ist - das war unerwartet für mich, und während die Kollegen dafür applaudiert haben, dass ich bleiben kann, ist mir kribbelig unwohl geworden und ich habe krampfhaft aus dem Fenster geschaut. Ein neues Gefühl, naja, man lernt nie aus.

Und danach zu meiner stellvSL und ein bisschen die Lerngruppen und Aufgaben im nächsten Jahr sondiert, und ich muss wirklich die scheiß Fröhlichkeit aus meinem Gesicht etwas verloren haben, denn als ich mit ihr über symmetrisch und gleichmäßig im Schrank ausgerichtetes Geschirr herumgenerdet habe, meinte sie "Nun lach' doch mal", und mir ist erst in jenem Moment aufgefallen, wie beschwert ich in der letzten Zeit in der Schule unterwegs war. 

Kann jetzt alles wegfallen. Und ich in die Ferien, und Anfang nächster Woche mache ich endlich dieses verdammte Archiv fertig! ;-)

KOMMT GUT IN DIE FREIE ZEIT!

post scriptum: Und heute gibt es das Staffelfinale "Stranger Things" - vier Stunden, ich bin gespannt!

Donnerstag, 30. Juni 2022

Gelassen


Ich hatte ja sowas von keine Lust auf heute. Vor meinem geistigen Auge sehe ich mich immer noch auf einem riesigen Sportfeld, ich etwa dreizehn Jahre alt, die pralle Sonne brennt runter, es gibt keine Schattenplätze, Mittagshitze, und es dauert ewig. Handballturnier. Eines der schlimmsten (leider wiederkehrenden) Events meiner Kindheit, ich schwitze, ich möchte nicht, ich hab Angst, abgeworfen zu werden, mein Kreislauf kollabiert, ich sehe weiße Sterne.

Genau das habe ich für heute kommen sehen, aber nützt nix, ich bin für "meine" Sieben A dort, Aufsicht und anfeuern bei'm Fußballturnier des siebten Jahrgangs. Wie passend, dass mir gestern der neue Logiktrainer in's Haus geflattert ist (war eine wunderbare Idee, ihn zu abonnieren, ich habe massenhaft Rätsel, um die Zeit totzuschlagen). Und ich kannte den Sportplatz bisher noch nicht, aber er ist eigentlich echt gut, komplett von hohen Bäumen umgeben, es gibt Schattenplätze und einen angenehmen Wind.

Und so habe ich einen entspannten Vormittag verbracht, Kids zugejubelt, toll, zwei der Extrapreise gingen an die A. Rätsel gelöst, mit einem Schüler über The Talos Principle herumgenerdet und als Quittung jetzt doch einen Sonnenbrand eingeheimst. Ich hatte Sonnencreme mitgenommen, aber nicht benutzt, weil ich voll in the zone war und nicht daran gedacht habe. Jetzt gibt es ein kaltes Ölbad, das hilft ungemein, denn: Sonnenbrand plus Neurodermitisschub ist eine Tortur. Pure Folter.

Aber ich kann das alles gelassen hinnehmen, denn ich habe eine Perspektive.

Mittwoch, 29. Juni 2022

Vielleicht ein bisschen schlauer


Und damit geht die diesjährige Projektwoche zu Ende. Ich habe ein paar sehr interessante neue SchülerIn kennengelernt. Wie auch schon an der Berufsschule finde ich es toll, Menschen im Kurs zu haben, die sich wirklich für Filme interessieren. So kann man ein wenig herumnerden und bekommt auch selbst neue Impulse. Und natürlich freut es mich immer wieder, einen neuen Schüler on the spectrum zu treffen.

Wir haben eine bunte Filmauswahl geschaut, diskutiert, und wie das Tafelbild zumindest in Ansätzen zeigt, sind wir zu der Feststellung gekommen, dass die Frühzeit des Films sich eigentlich noch nicht um Vielfalt geschert hat; Tod Brownings Freaks (1934) war da schon eine echte Ausnahme. Auf der anderen Seite werden heutzutage nicht nur noch vielfältige Filme produziert, es gibt immer noch Filme wie It Follows (2014), die minimalistische Züge aufweisen und vielleicht auch gerade wegen ihrer Einfachheit gut wirken. Dieser Film hat übrigens (nicht zuletzt wegen des offenen Endes) eine interessante Diskussion in Gang gesetzt - ich werde ihn definitiv in meinen Schulkanon aufnehmen, als coming of age-Film, der gleichzeitig nochmal als Warnung vor AIDS verstanden werden darf.

Allerdings bin ich nicht zufrieden mit meiner Planung. Das war am Ende nicht rund, und ich hätte definitiv mehr Zeit investieren sollen - wobei vermutlich nicht die Zeit das Problem war, denn ich habe sehr viel über diese Projekttage nachgedacht. Ich hätte mein Konzept doch lieber umfangreich verschriftlichen sollen, dann hätte ich ein paar Stolperfallen bemerkt.

Trotzdem hat es mir Spaß gemacht, und ich hoffe, die SchülerIn sind vielleicht ein bisschen schlauer aus dem Projekt gegangen. Sie sind jetzt definitiv Experten im Bechdel-Test, und ich könnte mir gut vorstellen, dass sie in Zukunft mehrere Filme hinsichtlich ihrer Repräsentation von Frauen abklopfen werden. 

Morgen Sportfest. Not my cup of tea, aber ich werde meine Siebener beaufsichtigen und anfeuern, und vielleicht finde ich ja einen Schattenplatz.

Die Ferien nahen!

Montag, 27. Juni 2022

Stuhlkreis For Breakfast & Meltdown vor der Klasse


vorweg:

Freitag, 24.06.2022, 18:04 Uhr

Wie fange ich nur an? Wo? Kopf. Gegen Außenwelt abschirmen. Shutdown, nur ich, nur Musik, nur denken.

20:46 Uhr:

Sehr schönes period drama (siebzehntes Jahrhundert England, post-Cromwell, Thema Emanzipation der Frau) angeschaut, hat geholfen, den Kopf etwas runterzubringen ("Fanny Lye deliver'd", 2019). Bin aber immer noch prä-Meditation, Bad wartet, kaltes Wasser dürfte gegen den Neurodermitisschub helfen. Wird definitiv The Orb werden, gleich.

23:28 Uhr:

Ich muss zuerst ein paar Menschen von heute kurze Nachrichten schicken, Verhalten erklären, Rückmeldung zum Projekttag schicken blablabla. Der Blogeintrag muss warten (wobei der Insider natürlich weiß, dass der Eintrag parallel im Kopf bereits geschrieben wird).

Samstag, 25.06.2022, 12:57 Uhr:

Geschlafen bis jetzt trotz 30°C in der Wohnung die ganze Nacht über. War wohl nötig. Jetzt erstmal "Frühstück" und Google News. Ich sehe das schon kommen: Ich werde den eigentlichen Blogartikel, den Account vom Freitag inklusive meiner Zukunftsperspektive erst morgen tippen. Passt schon, in meinem Kopf schreibt er sich bereits voran, und die Hausarbeit für das zweite Staatsexamen habe ich auch am letzten Abend vor Abgabe runtergeschrieben. Erstmal richtig wachwerden, mit Otts Skylon als sanftem Begleiter - geht nichts über etwas Dub am Morgen. Mittag. Whatever.

13:45 Uhr:

Und dann fällt "Roe". Und dann gibt es mal wieder ein Attentat auf einen schwulen Club, diesmal in Oslo, zwei Tote. Alles weit weg von hier, aber das erschüttert mich. Einmal raus, in die Stadt gehen, ich brauche Luft, und lese Lois Duncans "Gallows Hill" weiter, um den Geist durchzulüften.

19:00 Uhr: 

Ich zerfließe, aber Therapie ist parat. Interessant, wie mein Gehirn einen Eintrag zur Massenhandtuchwäsche schreibt (ist in einer Dachgeschosswohnung nötig) und gleichzeitig weiter den wirklich wichtigen Beitrag im Hintergrund tippt. Es ist irre, was das menschliche Gehirn alles leisten kann!

23:11 Uhr: 

Und jetzt die Ankündigung, dass "Obergefell" kippen wird - damit wird die Ehe für alle in den USA wieder Geschichte. Grauslig. Einziger Lichtblick gerade die Erkenntnis, dass dieser ganze Tagebuchkram als Metaebene in einem vorweg: kursiv gesetzt wird und ich endlich den eigentlichen Beitrag beginnen kann.


Freitagmorgen. Um halb sechs klingelt der Wecker, ich habe nur vier Stunden geschlafen, aber eine Koffeintablette macht mich arbeitsfähig. Heute lese ich mal keine News direkt nach dem Aufstehen, sondern schaue, ob mein Tagesplan immer noch steht: Acht bis Dreizehn Uhr erster Projekttag Vielfalt im Film, Vierzehn Uhr Abschiedsfeier der MSA-Kids, dann schnell nach Hause: DrS, mein Psychiater in Neumünster hat mir ein Zeitfenster von Dreizehn bis Sechzehn Uhr angeboten für ein Telefonat. Ich habe Panik, und ich bin aufgeregt, und ich fürchte, dass ich nach den ganzen Schulsachen mich doch wieder um das Telefonat drücken werde.

Aber gerade deswegen hat er mir ja vorgestern noch eine zweite Nachricht geschickt, in der er meine Telefonangst anerkennt und mich ermutigt, es trotzdem zu tun, und ich könne gar nichts falsch machen, im Gegenteil, wenn, dann sei er es, der etwas falsch mache, wenn er nicht die richtige Hilfe und Auskunft gebe. Whatever, compartmentalizing, das kommt später. Jetzt den Bluray-Player einpacken, und die Filmtasche, alle sechsunddreißig Filme sind drin. Ach so... sollte ich den Ablauf des Projekttags vielleicht noch einmal aufschreiben? Ich mache es, zur Beruhigung, aber eigentlich habe ich alles im Kopf.

Wo ist nur die Schachtel mit den name tags and clips, ich wollte mir doch so ein schönes Namensschild zurechtbasteln, nachdem ich den Schülern das am Dienstag aufgegeben hatte. Scheiße. Ich kann sie nicht finden, und da hilft es auch nicht, die gleiche Suchroute in der Wohnung dreimal abzugehen. Vielleicht liegen sie im Auto. Zeit läuft weg, Aufbruch.

Projektgruppe ist vom Tag der Vorbesprechung ein wenig geschrumpft, aber sie sehen alle startbereit aus. Sollte eigentlich mit einem Stuhlkreis beginnen, aber sie haben sich schon anders hingesetzt, whatever. Zick zack, Vielfalt, Mind Map, machen wir mal eine Timeline an's Whiteboard, notieren bahnbrechende Filme in Sachen Technik. Beide Freaks-Filme geschaut, SchülerIn brauchten nicht lang, um zu bemerken, dass die "normalen" in den Filmen negativ wirken aufgrund ihrer Abneigung gegenüber den Andersartigen, passt. 

Dazwischen halbe Stunde Frühstückspause. Wie es nun mal ist, gehen die meisten zu Rewe, das ist eine Tradition an dieser Schule. Irgendwie werde ich das vermissen, SchülerInnen zu begegnen, die heimlich in der großen Pause in den Supermarkt wollen, obwohl sie noch in der Sek I sind, und sie zurückzupfeifen. Wir bleiben zu dritt im Raum, mein Autist aus Neun, ein weiterer Schüler und ich, und wir reden ein bisschen über Autismus und so ganz nebenbei finde ich heraus, dass auch der zweite Schüler im Raum Autist ist, und so nerden wir ein bisschen rum über die Vor- und Nachteile einer frühen Diagnose. Ja, es gibt Nachteile. Nicht jetzt, nicht hier. Viel wichtiger bleibt mir im Kopf hängen, dass ich nicht der Einzige im Raum bin, der in seiner Kindheit fasziniert der Waschmaschine zugeschaut hat. Rain Man. Das scheint echt ein Klassiker zu sein.

Ich könnte mit den beiden noch weiter über Autismus reden, das ist so wunderbar entspannt, endlich mal darf ich davon ausgehen, dass meine Gesprächspartner das meinen, was sie sagen, und muss da nicht viel grübeln. Echt erleichternd. Vielleicht sollten wir eine autistische Gesprächsrunde in der Schule einrichten.

Whatever, geht jedenfalls weiter im Programm, und dann muss ich ihnen nur noch die Filmtasche zeigen und dann können sie sich ihre Filme

"DU! JETZT! ZUM CHEF!"

Was macht die kleine Hummel hier? Ich kann nicht jetzt

"LOS! NICHT DENKEN!"

"Das ist scheiße, das ist richtig scheiße gerade", fahre ich sie vor der Gruppe an.

Gedankenzüge entgleisen, was mache ich hier, ich gehe mit der Hummel in den Verwaltungstrakt und sie erklärt mir auf dem Weg, dass er mich an der Schule behalten möchte. Dass ich bleiben kann. 

Ich bin absolut überfordert, weiß gar nicht, wie ich diese Info verarbeiten soll, die Hummel setzt mich auf die Wartebank vor'm Chefbüro. Ich werde reingerufen, und tatsächlich. Ich kann ein Jahr verlängert werden, ich kann das kaum begreifen und werde gefragt, ob ich wohl ein weiteres Jahr an der Schule bleiben möchte, äh, ja? Nur noch warten bis Montag, dann wissen wir, ob alle Ampeln grün sind, aber das wird klappen.

Ich gehe mit einem Gefühl von frei zurück zu meinen Leuten, die letzte Stunde des Projekts erlebe ich wie in Trance, der Kopf längst nicht mehr bei Vielfalt im Film. Ende, raus auf den Schulhof, durchatmen. Es ist unglaublich heiß, und ich freue mich schon auf meinen Backofen äi käi äi Wohnung. Ich muss noch eine Stunde warten für die Abschiedsfeier, aber ich will meine Kids unbedingt mal in schick sehen. 

Und schick erscheinen sie. Wow, ich erkenne meine SchülerInnen kaum wieder! Ein Schüler mit wehenden Haaren und Sakko wie ein polnischer Pianist, eine Schülern mit Make Up, ondulierten Haaren und Kleinem Schwarzen sieht auf einmal total erwachsen aus, ich kann mich gar nicht satt sehen an diesen jungen Menschen, die plötzlich so etwas wie Seriosität zeigen. Ich genieße die Feier, die Vorträge und alle schwitzen, es sind gefühlt vierzig Grad in der Banane und der Blick wandert immer wieder zur Uhr, vierzehn Uhr dreißig, ich würde gern die Zeugnisübergabe sehen, aber ich muss aufbrechen.

Das Zeitfenster für das Telefonat mit DrS ist nämlich nicht unendlich groß. Ab nach Hause, fünfzehn Uhr. Ich habe einen Job. Bilder von der Verabschiedung. Alles kreist im Kopf und ich rufe leicht panisch DrS an, den ich vorher noch nie gehört habe und ich weiß gar nicht, wie dieses Gespräch werden wird und hoffe, er führt mich da gut durch.

Tut er. Wir sprechen knapp fünfzig Minuten, in denen mir bewusst wird, dass ich endlich ernst genommen werde. DrS lässt mich aus meinem EGO-Buch vorlesen, alles Mögliche an Verhaltensauffälligkeiten und er sagt, dass da schon einige sehr eindeutige Dinge dabei sind, und dass er mich gern als Patienten aufnehmen möchte. Ist allerdings nicht so leicht, ambulant ist er ausgebucht wie so viele andere auch, nicht wahr, Brit Wilczek, die mir in diesem Gespräch schon wieder über den Weg läuft. Was nützt mir eine ganz tolle Frau, wenn sie keine Zeit für mich hat. Aber DrS ist dran an der Sache und wird versuchen, einen Stationsplatz für mich zu bekommen. Das könnte alles etwas zeitaufwändig werden, könnte aber auch schon nach einer Woche abgeschlossen sein. Wir verabreden uns für Mitte August, dann kann er mir vielleicht sagen, ob eine freie Stelle aufgetaucht ist. 

Telefonat beendet. Noch mehr Leichtigkeit. Ich fange an zu heulen, vor Freude, weil plötzlich alles weitergeht. Ich kann ein weiteres Jahr an der Toni bleiben, und ich habe einen Psychiater in Neumünster, der nach einem Platz für mich sucht (passt gut, dass er Oberarzt einer Fachklinik dort ist), auch wenn ich Kieler bin und der Einzugsbereich eigentlich Neumünster ist. Die Projektwoche ist gestartet. 

Tausend Gedanken verschmelzen zu einer Art Sturm im Kopf, ich brauche eine gründliche Meditation. Soll ich darüber heute im Blog schreiben? Dafür reicht die Zeit nicht, das dürfte ein etwas längerer Eintrag werden. Aber worauf warten? Okay, ich fange definitiv heute an mit einem Blogeintrag darüber. Erstmal nur stream of consciousness. Wie fange ich nur an?

Freitag, 24.06.2022, 18:04 Uhr:

Wie fange ich nur an?

Donnerstag, 23. Juni 2022

Zuviel


...und dann kommt wieder alles auf einmal. Ich bin gespannt wie ein Flitzebogen, aufgeregt, nervös und habe den Kopf voll mit tausenden Gedanken, die ich kaum sortieren kann. Morgen wird ein komplexer Tag - zuerst beginnt unsere Projektwoche, und ich bin so aufgeregt, weil ich nicht weiß, ob das so klappt, wie ich mir das vorstelle, und weil ich heute keine Klemmbretter gefunden habe. Eine Stunde nach Ende des Projekttags findet dann die Abschiedsfeier für die SchülerInnen mit dem Ersten und Mittleren Schulabschluss statt, wo ich unbedingt hin muss, denn das sind Kids, die ich begleitet habe und die mir sehr viel bedeuten (und das Kurstreffen in den Sommerferien bekommen wir schon irgendwie geschaukelt). Gleichzeitig liegt das Zeitfenster, in dem ich den Psychiater in Neumünster anrufen kann, also werde ich nach der Feier nach Hause fahren, per Kurzmeditation meinen Kopf zu sortieren versuchen und dann steht eben jenes Gespräch an. 

Alles viel zu viel für einen Tag; morgen wird sich die abendliche Meditation definitiv lohnen, ich plane zwei Stunden ein und gehe mal wieder auf The Orb's Adventures Beyond the Ultraworld (1991), das begleitet schön bei'm Abarbeiten. Ich melde mich mit Ergebnissen, aber bitte Geduld wahren!

Mittwoch, 22. Juni 2022

This is not goodbye.


Die Tränen rollen wieder. Abschiedsgeschenke der SchülerInnen und ich würde am liebsten aus dem Fenster springen, weil das alles einfach so unfair ist und weil ich sie nächstes Jahr einfach weiter unterrichten möchte. Daraus wird nichts (in der klassischen Form), aber ich werde meinen Fuß in der Schultür behalten. So schnell werden die mich nicht los!

Morgen ist der letzte reguläre Schultag. Immerhin darf ich meinen Kurs in Acht noch einmal wiedersehen, nachdem ich sie zum Halbjahr abgeben musste. Ihnen hatte ich damals auch einen Horrorfilm versprochen - also wird es auch für sie morgen Drag Me to Hell (2009) geben. Mit meinen Siebenern schauen ich dann noch das Finale des Films, das fehlte uns, und es gibt Zeugnisnoten und -gespräche. Danach muss ich dann fix nach Hause, habe eine wichtige Mail bekommen, Details müssen warten...

...denn gleichzeitig ist morgen der letzte Vorbereitungstag für die Projektwoche, die am Freitag beginnt. Meine Gruppe hat sich nochmal etwas verkleinert, da dürften zehn SchülerInnen sitzen, mit denen ich dann zusammen ein bisschen Filmanalyse, Filmhistorie und Horizonterweiterung betreiben kann. Das mildert den Trennungsschmerz etwas ab, aber natürlich verschwindet der nicht einfach.

Aber - ich lass' nicht los. This is not goodbye!

post scriptum: Und in den Sommerferien gibt es noch ein Kurstreffen mit meinen Zehnern, darauf freue ich mich schon sehr.