Sonntag, 11. März 2018

Frühlingserwachen

Damals, 2006 in den Kronshagener Bergen, war das mein täglicher Ausblick aus meinem Fenster; drei Meter Fensterfront gaben ein Gefühl, das mehr als nur "im 15.Stock" war. Es war ein tolles Erlebnis, es waren tolle, aber auch polarisierende neun Jahre, die ich nicht missen möchte. An diesen Ausblick denke ich bei Wetter wie heute, 2018, und schaue aus dem dritten Stock die Hamburger Chaussee hinauf...

Eigentlich wollte ich heute nur den Müll zur Tonne im Innenhof bringen - und hab' gedacht, ich sei in einer Paralleldimension gelandet: Als ich die Haustür geöffnet habe, ist mir eine wunderbar milde Luft entgegen geweht, strahlender Sonnenschein. So schön, dass ich spontan den Spaziergang etwas verlängert habe und durch unser Viertel spaziert bin.

Offensichtlich war ich nicht der Einzige, der diese Idee hatte; viele Menschen waren auf ihren Fahrrädern draußen, irgendein Spiel schien heute an der Waldwiese gewesen zu sein und mir sind mehrere "ambulante" Familien begegnet.

Warum ich dem einen ganzen Beitrag widme? Weil ich Sonnenschein brauche - auch wenn ich das schon öfters thematisiert habe, ist mir jedes Mal wieder jener Tag wichtig, den ich als ersten schönen Tag des Jahres erlebe (auch wenn wir bereits mehrere schöne Tage hatten). Ich hasse die dunkle Jahreszeit, ich habe keinen Antrieb, keine Motivation, keine Lust, keine Freude, bin müde, werde depressiv und schnell frustriert... das kann sich bei Unterrichtsvorbereitungen oder Korrekturen tatsächlich negativ auswirken.

Umso schöner, dass nun langsam besseres Wetter aufzieht. Vielleicht kann ich auch die Frage nach meiner Eignung für überhaupt irgendeine Schule nun unter etwas positiverem Licht betrachten. Wenn es diese Woche über so weiterginge, wäre ich sehr glücklich. Ich hoffe, Ihr kommt ebenso gut gestimmt in den Montag!

Samstag, 10. März 2018

Das Schiff in der Nacht (Prolog)


So, nun habe ich mich also entschlossen, diese Geschichte stückweise zu veröffentlichen. Bei "Beteigeuze" habe ich es damals so gemacht, dass ich abwechselnd die Geschichte und andere Beiträge gepostet habe, ich denke, so werde ich es auch dieses Mal machen. Erwartet kein Meisterwerk, klar? ;-) Das war damals nur eine Fingerübung eines Oberstufenschülers...

 
Kapitel 1 - Vergangenheit

„Ethan hatte sich damals im Juli wie schon so oft also entschlossen, ins Schwimmbad zu gehen – eigentlich nichts Besonderes. Zumindest, wenn man das Grünauer Schwimmbad kannte. Mit einem Safarium in der Eingangshalle war es schon ein Besuchermagnet. Und eigentlich konnte Ethan ja nichts dafür, dass ausgerechnet er so neugierig war und nur aufgrund einer Falltür im Schwimmbecken – und ich bin mir noch immer sicher, dass er sich diesen Schwachsinn ausgedacht hat – eine Bombe im Schwimmbad entdeckt hat. Er hat dann auch noch den Bombenleger gestellt, unglaublich! Und nachdem die Polizei das halbzerstörte Schwimmbad endlich erreicht hatte, war Ethan schon wieder unterwegs. Sein Auftreten war natürlich vom Bademeister nicht unbemerkt geblieben, und der war sauer! Klar, dass Ethan sofort die Flucht angetreten hat. Aber nun wird es verwirrend. Nachdem Ethan in einem Ort mit Namen Ziehl angekommen war und sein Fluchtauto den Geist aufgegeben hatte, fand er dort auf einem Feld eine Zauberformel. Klar, ich kann zaubern und viele andere hier auch, aber Ethan war ja nicht von hier. Er kam aus Grünau – und Grünau war ebenso wie Ziehl ein Ort der Parallelwelt. Das mag seltsam klingen und war für mich damals auch ein ziemlicher Schock, aber so war es nun mal. Ziehl ist ein Ort einer Welt, in der es keine Magie gibt. Faszinierend, oder? Na ja, jedenfalls hatte Ethan diesen Zauberspruch gefunden und sprach ihn daraufhin aus. Dadurch wurde er in unsere Welt, zu mir nach Hause, nach Dandera katapultiert, genauer gesagt: Vor unseren Flughafen.“
Sie zögerte. Es war schon ein riesiger Zufall, dass er ihr genau vor die Füße gefallen war.
„Und wie es das Schicksal so wollte, war es der Tag, an dem ich mit meinen Freunden Betsy und Jake meine Urlaubsreise anging. Das wollte ich zumindest, aber auf dem Flughafen gab es irgendwelche Probleme. Wie sich später herausstellte, hatte der Bademeister von der Parallelwelt her einen Fluch über unser Land gelegt. Ich will gar nicht erst von den Strapazen anfangen, die wir auf uns nehmen mussten, damit dieses Problem endlich aus der Welt geschafft wurde. Wenn ich nur an den brennenden kleinen Tim Green denke, oder Derek Hartfort, den wir zum Selbstmord getrieben hatten, oder an Frau Turtula, die sich als Drahtzieher hinter dem Bademeister-Komplott herausgestellt hatte! Ich war sogar schon tot! Ethan, dieser Vollidiot (Ach, Buch, irgendwie war ich ja doch in ihn verknallt) hat mich auf eine Kirche geschickt, über der mal wieder ein Fluch lag. Der hat mich dann erwischt und im wahrsten Sinne des Wortes zerstört. Eingefroren und zerschmettert – es war die schlimmste Erfahrung meines Lebens, tot zu sein. Aber Ethan hat mich dann ja auch gerettet, mit der Hilfe des Phoenix bin ich wieder auferstanden. Das klingt verrückt, aber ich würde auch von niemandem verlangen, diese Geschichte zu glauben. Wir haben es jedenfalls geschafft, alle Flüche und grausamen Gegner zu besiegen. Mann, war das ein Trip – und deswegen hab ich mir ja auch dann endlich meinen Urlaub gegönnt. Ich weiß aber nicht genau, was mich hierher gezogen hat. ,Ausgerechnet England!´ hat meine Schwester gesagt. Warum denn nicht? Ist England vielleicht nicht weit weg genug, oder was? Manchmal treibt Ruth mich in den Wahnsinn, denke ich zumindest. Nachdem ich erfahren hatte, dass es diese Parallelwelt gibt, hat es mich gekitzelt und ich habe mich mal umgeschaut. Diese Welt ist mit meiner fast identisch! Nur, dass Mendozar hier England heißt und noch ein paar andere Sachen ganz komisch sind. Aber gerade deswegen war es ja so verlockend, hierher zu reisen. Nur leider kann ich hier nicht mehr zaubern. Das bringt schon Umstellungen mit sich. Man muss so vieles selbst machen… Ach was, Mädel, jetzt sei mal nicht so faul! Und jetzt werde ich nach draußen gehen und mir den schönen Sonnenuntergang anschauen.“
Sie überlegte kurz, während sie durch das Fenster nach draußen schaute. Warm wehte der Sommerwind herein.
„Ich bin sicher, dass ich zwei zauberhafte Wochen hier verbringen werde. Verstanden? Zauberhaft, haha“, waren die letzten Sätze, die Vivien in ihr Tagebuch schrieb, bevor sie es zuklappte.
 
Kapitel 2 – Gegenwart

Daraufhin legte sie es an einen sicheren Ort, wo es keiner finden würde. Das übliche Versteck ihres Tagebuchs war schließlich mehrere hundert Kilometer entfernt, also musste eine Alternative gefunden werden. Vivien blinzelte. Die Abendsonne stand so niedrig, dass sie durch das Fenster direkt auf ihre Augen traf. Ein wunderschöner Sommer! Sie verließ ihre Ferienwohnung, schloss ab und steckte den Schlüssel in die rechte Hosentasche. So verliere ich ihn garantiert nicht, dachte sie bei sich. Doch noch bevor Vivien das Grundstück verlassen hatte, war der Schlüssel durch ein Loch in der Tasche herausgefallen, ohne dass sie es bemerkte.
Sie ging der Dämmerung entgegen über einen steinigen Pfad Richtung Küste, während sie die letzten Tage Revue passieren ließ. All die Hektik, nachdem die Flughafenaffäre geregelt war, die überstürzte Abreise… aber es hatte sich gelohnt. Nun war Vivien endlich am Ziel angekommen, in einer kleinen, verschlafenen Provinz an der Westküste Englands, deren Namen sie nicht einmal aussprechen konnte. Das war aber auch egal, denn sie hatte, was sie wollte: Ruhe. Und einen schönen, inspirierenden Sonnenuntergang, den man am besten von der nicht einmal einen Kilometer entfernten Küste sehen konnte. Langsam ging sie weiter. Tim und Sally, ihre beiden Wohnungsnachbarn, kamen ihr entgegen. „Hi Vivien! Willst du auch das Abendrot genießen?“ fragte Tim. „Es ist unglaublich dieser Tage. Die Sonne spiegelt sich auf dem Meer wieder und alles ist in ein feuerrotes Licht getaucht.“ Vivien musste schmunzeln. „Jaja, Tim, das kennen wir. Das Licht wird natürlich unter gewissen Voraussetzungen noch bunter, nicht wahr?“ meinte sie und deutete auf den Picknickkorb, den Sally trug. Sie war sich sicher, dass er wie so oft die übliche Flasche Champagner enthielt. Die beiden waren eben Genießer! Sally gab sich empört: „Also Vivien, du willst uns doch hoffentlich keine Trinkeskapaden unterstellen, oder? Du weißt genau, dass wir es uns nun mal gerne gemütlich machen, und ein kleines Gläschen Schampus rundet einen Abend wie heute einfach ideal ab.“ „Ist ja schon gut, ich lass euch mal weiterziehen. Ich will schließlich auch noch zur Küste, bevor es dunkel ist.“ „Na, dann beeil dich mal“, rief Tim hinter Vivien her. Zusammen mit Sally machte er sich auf den Heimweg.
Das Feuer war wirklich atemberaubend. Vivien musste aufpassen, dass sie nicht zu lange in die Sonne starrte, aber der Anblick ließ einen nicht los. Sie stand an einer der vielen Steilklippen, wie es sie in der Gegend so oft gab. Die See unter ihr war ziemlich ruhig. Die Harmonie, die dadurch entstand, brachte Vivien schließlich dazu, sich ins Gras zu legen und die Augen zu schließen. In ihren Gedanken war alles ganz still und friedlich. Nochmals sah sie die Schrecken von vor einer Woche – der Bademeister mit seinem geradezu teuflischen Hund und die Rache der Frau Turtula. Diesmal jedoch waren sie alle ganz ruhig und freundlich. Noch während sich Viviens Gedanken neu ordneten, übermannte sie der Schlaf. Sie wurde erst wieder von einem Geräusch geweckt, das sich wie Schiffshörner anhörte.
Tatsächlich! Vivien blickte langsam auf. Es war schon sehr dunkel, eine sternenklare Nacht. In der Ferne zeigten sich schemenhaft die Umrisse eines Schiffes. Es war ziemlich frisch geworden und ein kühler Wind streifte durch Viviens Haar. Sie stand auf und ging bis an die Klippe, um das Schiff besser erkennen zu können. Weit unter ihr ruhte die See. Ihr Blick wanderte hinauf zum Mond. Er stand voll am Himmelszelt und erleuchtete die Nacht. Langsam zogen jedoch ein paar einsame Wolken auf und der Wind wurde ein wenig forscher. Das Schiff kam unmerklich langsam näher. Vivien überkam ein Schaudern. Unfreiwillig drehte sie sich um; sie hatte das Gefühl, als würde sie beobachtet. Aber hinter ihr lag ein freies Feld und es war niemand dort. Nur sie allein, die mitten in der Nacht an einer Klippe stand und auf ein schwarzes Schiff schaute. Was machte dieses Schiff hier? Der nächste Hafen war mindestens 25 Kilometer entfernt, und warum hielt dieses Schiff weiter Kurs auf die Klippen? Es würde auflaufen, wenn es weiterhin geradeaus hielt. Aber was geht mich das an, dachte Vivien. Doch obwohl der Wind immer stärker wurde und sie stark zu frösteln begann, hielt ihre Neugier sie an der Klippe fest. Was würde wohl mit dem Schiff passieren? Würde es den Kurs ändern? Was war das überhaupt für ein Schiff? Es war nun so nahe, dass sie mehr davon erkennen konnte. Zwei große Segel waren gespannt, aber irgendwas war mit ihnen nicht in Ordnung. Und das ganze Schiff war schwarz – nicht ein einziges Licht oder Lebenszeichen. Viviens Gedanken wanderten automatisch zurück zu den Zeitungsartikeln, die sie seit ihrer Ankunft gelesen hatte, und natürlich waren auch die Dorfbewohner nicht gerade zurückhaltend mit den Nachrichten vom Verschwinden mehrerer Menschen umgegangen. An der Westküste Englands sollen vereinzelt Menschen verschwunden und nicht mehr aufgetaucht sein. Seit mehreren Jahren schon, aber es war höchstens ein harmloser Einwohner pro Jahr, dessen Fehlen ungeklärt blieb. Die Behörden haben diesen Fall schnell als unwichtig abgetan; vielleicht war es mal ein Betrunkener, der von den Klippen gestürzt ist oder Ähnliches. Dem ist man nie weiter nachgegangen. Aber was um alles in der Welt konnte das mit einem Schiff zu tun haben? Vivien verwarf den Gedanken, das war doch nur ein altes Schiff auf dem Meer! Sie setzte sich ins kühle Gras und beobachtete das seltsame Schiff. Sie bemerkte nicht einmal, wie immer mehr Wolken am Himmel zusammenzogen. Davon offensichtlich unbeeindruckt schien der Mond weiter und erhellte das unheimliche Szenario.
Plötzlich lag das Schiff direkt vor der Küste. Vivien stand wieder auf und ging bis zur Kliffkante. Auf dem Deck war niemand zu sehen. Es schien, als stünde das Schiff auf dem Meer. Es übte eine seltsame Faszination auf Vivien aus – oder war es mehr als das? Vivien fühlte sich von dem Schiff angezogen, aber nicht nur ihr Geist, ihr ganzer Körper wurde wie von einem Magneten von diesem seltsamen Schiff angezogen. Mittlerweile stürmte es und ein starker Wellengang brachte das Schiff zum Schaukeln. Und dann geschah das Unfassbare. Vivien ging über die Klippe. Aber sie fiel nicht ins Wasser, sondern schwebte nur ein paar Meter von der Klippe entfernt hoch über den spitzen Felszacken, die aus dem Wasser ragten. Verwirrt drehte sie sich zur Klippe um, wobei sie fast der Schlag traf. Sie sah sich selbst, ihren eigenen Körper, an der Klippe stehen und aufs Meer hinausschauen. Das konnte nicht mit rechten Dingen zugehen, doch zu weiteren Gedanken blieb Vivien keine Zeit. Sie sah, wie sich jemand in dunkler Kutte von hinten an ihr zweites Ich auf der Klippe heranschlich. Sie wollte rufen und sich selbst warnen, doch es kam kein einziger Ton über ihre Lippen. Die dunkle Gestalt trat immer näher, ein langer Gegenstand blitzte in ihrer rechten Hand auf. Sie hob den Arm und stieß Vivien den Gegenstand in den Rücken. Da sie noch immer in der Luft schwebte, musste Vivien hilflos mitansehen, wie sich eine Lanze durch die Brust ihres zweiten Ichs bohrte. Sie erlebte ihre eigene Ermordung mit. Die verhüllte Gestalt riss die Lanze aus der Brust und verschwand mit langsamen Schritten in der Dunkelheit. Der durchbohrte Körper sackte zusammen und stürzte über die Klippe auf die Felsen und ins Wasser. Bevor Vivien darüber nachdenken konnte, was soeben geschehen war, merkte sie, wie ein unheimlich starker Sog sie ergriff. Das Schiff unter ihr machte Fahrt aufs offene Meer mit einem unheimlichen Tempo. Vivien flog hinterher und wurde immer stärker von dem Schiff angezogen. Sie stieß mit dem Kopf gegen einen Mast und fiel zuerst auf das Schiffsdeck und dann in eine tiefe Ohnmacht. Als sie wieder erwachte, herrschte um sie herum eine Totenstille.

Fortsetzung: Erster Tag (Kapitel 3-5)

Freitag, 9. März 2018

Elternsprechtag

"Sollen wir über ihren Jungen sprechen?"

"Sind sie denn jetzt hier fest angestellt?" - "Nein, mein Vertrag läuft Ende März aus. Seit sieben Jahren arbeite ich in Unsicherheit, und oft wird der Vertrag erst wenige Tage vor dem Auslaufen verlängert."

Und seit sieben Jahren erlebe ich Elternsprechtage. Und seit sieben Jahren mag ich das. Die meisten Eltern kommen vorbei, um die neue Lehrkraft einfach mal kennenzulernen - erst recht, wenn sie innerhalb von ein paar Wochen schon solche Wellen in Kollegium und Elternschaft erzeugt.

Besonders spannend finde ich es aber, wenn ich ernsthafte pädagogische Gespräche führen kann. Ich finde es unglaublich aufregend, mehr über meine Schüler zu erfahren, und nicht ohne Grund habe ich jedes Jahr Andrea Brackmanns Buch über die Hochbegabung dabei - auch heute wieder konnte ich zwei Müttern einen Anschaffungstipp geben.

Oft erfahre ich viel mütterliche Perspektive in diesen Gesprächen und kann auf diese Weise mein Bild eines Schülers ergänzen. Vielleicht klappt es sogar, dass ich ihn aus einem ganz neuen Blickwinkel sehen kann.

Ich gehe jedesmal gern zum Elternsprechtag und freue mich auf die Termine, weil ich am Ende jedesmal reicher nach Hause zurückkehre. Und so habe ich auch heute viele neue Eindrücke sammeln können, die nachher in einer wunderbaren Meditation alle verarbeitet werden können.

Und ich muss zugeben, nach den negativen Rückmeldungen zu meinem Wirken an meiner jetzigen Schule habe ich mich gefreut, auch wieder sehr positives Feedback zu bekommen. Das relativiert zwar nicht die Eindrücke der letzten Tage und Wochen - im Gegenteil, manches ist sogar intensiviert worden - aber es lässt mich glücklich in ein Wochenende starten. Und es steigert die Vorfreude darauf, meine Lerngruppen nächste Woche wieder zu sehen.

Donnerstag, 8. März 2018

Thema Offenheit


Ja, es gibt Einblicke in mein Leben. Nein, ich habe kein Problem damit.
Wieder Funkstille, es sind halt derzeit Tage, an denen ich viel nachdenke und oftmals einfach nichts posten möchte - selbst wenn zwei fertig geschriebene Artikel bereit stehen; es fühlt sich einfach nicht nach dem richtigen Moment dafür an. Heute fühlt es sich richtiger an, mit einem Zitat einzusteigen:

"Sehr geehrter Dr Hilarius, vielen Dank für Ihr Interesse an unserer Schule. Leider haben wir uns für einen ihrer Mitbewerber entschieden. Wir sind immer offen für frischen Wind im Kollegium, aber er muss in einer für uns erträglichen Windstärke pusten."

So die Rückmeldung der Schulleitung nach einem von zahlreichen Vorstellungsgesprächen (diese Art der Rückmeldung macht mir klar, dass ich an einer solchen Schule nicht arbeiten möchte). Es gibt eben Gründe, warum man mich nicht nimmt. Darüber habe ich auch an anderer Stelle geschrieben. Einer dieser Gründe scheint meine Offenheit zu sein.

Ich weiß nicht, ob das der Hochbegabung geschuldet ist, aber man kann mit mir offen und ehrlich über wirklich alle Themen reden - und damit kann nicht jeder umgehen. "Du überforderst die Kollegen/Eltern/Schüler damit", heißt es dann immer. Das mag ja so sein, aber dann sollte ich vielleicht kein Lehrer werden? Ich weiß von der Sannitanic und der großen Buba, dass es eine Weile gedauert hat, bis sie mit meiner Offenheit umgehen konnten (Ihr dürft mich in den Kommentaren aber gern korrigieren!).

Ich bin heute von einem Schüler angesprochen worden: "Also bei ein, zwei Beiträgen könnte ich mir vorstellen, dass sie das vielleicht lieber nicht öffentlich machen wollen?" Dieser Einwand kommt immer wieder, seit Monaten, seit Jahren, seitdem ich mit dem Blog begonnen habe. An allen Schulen schlägt mir reihenweise Unverständnis dafür entgegen, was ich hier von mir preisgebe. Meine Denkweise ist: Ich habe nichts zu verbergen. Nichts bereuen. Zu allem stehen. Und das möchte ich auch in diesem Blog vorleben.

Leider löst diese Sorge ("Dir ist aber schon klar, dass das jeder lesen kann, oder?" - WIE soll ich darauf reagieren?) immer wieder kollegiale Fürsorge aus, Menschen, die es gut mit mir meinen. Ist sicherlich nett gemeint. Aber ich bin mir dessen bewusst, was ich hier tue. Ich bin nicht ganz so dumm - auch wenn ich an jeder neuen Schule immer wieder von einigen Kollegen wie ein Nulltsemester behandelt werde.

Man gewöhnt sich ein dickes Fell an. Aber, ich muss ganz ehrlich zugeben, ich wäre froh, wenn es irgendwann einmal eine Schule gäbe, die stolz ist auf ihren durchgeknallten Dr Hilarius, die sich an ihn gewöhnt hat, die ihn so nimmt, wie er ist. Es scheint noch ein langer Weg bis dahin zu sein - ich gehe weiter...

Samstag, 3. März 2018

Schriftsteller

Das waren, genau genommen, die Grundlagen für diesen Blog...

Ich habe immer schon gern versucht, meinen Gedanken eine Form zu geben. Mein Cousin weiß das noch ganz genau, wenn er zum Beispiel an die Zeit zurückdenkt, in der wir aus Omas Keller eine Abenteuerhöhle gemacht haben: Mithilfe von Decken, Besen, Kisten, Schnüren und einem Kassettenrekorder habe ich einen Parcour für ihn vorbereitet, den er dann erforschen sollte. Das könnte als erster Vorläufer der Cluedo-Abende angesehen werden, über die ich an dieser Stelle geschrieben habe.

Ich habe diverse Medien durchprobiert, Drehbücher, Abenteuerspiele, Film, aber eins hatten sie alle gemeinsam: Die Gedanken mussten in Worte gefasst werden. Mein erstes Schriftstück ist entstanden im Biounterricht von Herrn Kries. Der hatte uns als Aufgabe gegeben, eine Kurzgeschichte zu schreiben, in der es um eine Erdkröte geht (und erst Jahrzehnte später realisiere ich, was für eine geniale Idee das von ihm war). Also habe ich eine Geschichte geschrieben, mit ganz viel Einfluss aus Secret of Mana, das ich zu jener Zeit eifrig gespielt hatte. Ja, es ist wirklich so: Videospiele können die Fantasie extrem anregen und ich bleibe einer ihrer Verfechter.

Die Krötengeschichte habe ich nicht mehr, auch nicht Das Geheimnis der Waldresidenz, das ich danach geschrieben habe: Meine Eltern hatten eine Schreibmaschine und ich habe mich umgehend mit ihr angefreundet. Auch diese Geschichte war durch Videospiele inspiriert, ausgerechnet Resident Evil. Aber das Spiel war so immersiv, hat so vieles bei Sound und Bilddesign richtig gemacht, das hat mich damals beeindruckt.

Seither kommt es immer mal wieder vor, dass ich ein Werk schreibe - allerdings bringe ich es in den seltensten Fällen zu Ende, ich glaube, das ist eine ganz normale HB-Macke, oder Autorenmacke. Eines dieser Werke habe ich hier im Blog veröffentlicht - Beteigeuze, einen Krimi, der auf der Titanic spielt, auch wieder durch ein Computerspiel inspiriert (diesmal Titanic - Adventure Out Of Time).

Es ging mir nie darum, mit diesen Geschichten bekannt zu werden. Ich wollte einfach nur Abenteuer in Worte fassen, und vielleicht interessiert sich ja jemand dafür. Der Stammgast im Blog erwähnt jetzt vielleicht Identität - eine Geschichte, die ich angefangen habe mit dem festen Vorsatz, sie fertig zu schreiben. Allerdings habe ich ewig nichts mehr hinzugefügt, was einfach daran liegt - nein, sorry, wir sind leider noch nicht so weit, dass wir offen darüber reden könnten.

Zur Zeit spiele ich mit dem Gedanken, meine allererste "Langschrift" hier zu veröffentlichen. Sie hat mich in meinem Leben stark beeinflusst; es war der Übergang von Abenteuerspielen zu Romanen. Sicherlich auch mit einigen Ideen aus dem einen oder anderen Videospiel, aber diesmal sollte sehr viel von mir selbst enthalten sein. Die Hauptinspiration habe ich aus einigen Musikstücken erhalten. Das hat dazu geführt, dass ich im Text immer wieder Stellen untergebracht hatte, an denen ein bestimmter Teil des "Soundtracks" laufen soll. Ich wollte irgendwie eine möglichst dichte Atmosphäre schaffen.

Ich glaube, ich werde die Geschichte nächstes Wochenende veröffentlichen. Bis dahin muss ich mir noch überlegen, wie ich die Komponente "Soundtrack" hier im Blog unterbringen kann. Und bei diesen Überlegungen wird mir bewusst, dass ich die Geschichte selbst seit Jahren nicht mehr gelesen habe. Das könnte vielleicht ja sogar spannend werden. Titel ist Das Schiff in der Nacht; ursprünglich war es als Fortsetzung zur Schwimmbad-Spielereihe gedacht, deswegen lautete der komplette Titel eigentlich Schwimmbad 3 - Das Schiff in der Nacht. Vielleicht findet sich hier ja auch der eine oder andere interessierte Leser. Das ist literarisch echt nicht hochwertig, aber mit der richtigen Musik weiß es vielleicht trotzdem zu gefallen. Countdown läuft ;-)

Freitag, 2. März 2018

Bürokratiergehege 4: Der schwarze Peter


Es ist kaum zu glauben, aber diese Beitragsreihe setzt sich immer weiter fort. Man kann es drehen und wenden, wie man will, Verwaltung bietet einfach immer und überall ein umfassendes Unterhaltungsprogramm. Leider nicht immer Komödien, aber das wäre vielleicht auch langweilig.

Vor ein paar Tagen erhalte ich meine aktuelle Gehaltsabrechnung. Schon bei den Abrechnungen im Dezember und Januar war ich mir nicht sicher, ob sich da nicht ein kleiner Fehler eingeschlichen hatte, denn mir wurde dort nach wie vor Kirchensteuer von meinem Bruttogehalt abgezogen. Obwohl ich im vergangenen September aus der Kirche ausgetreten bin. Leider wirkte der Blick auf meine aktuelle Abrechnung ein weiteres Mal stark ernüchternd: Unbeeindruckt wurden weiterhin über fünfzig Euro an Kirchensteuer einbehalten. Aha. Hat also mein Date mit Standesbeamtin Angela Kleefeld gar nicht stattgefunden? Das wäre zu schade, denn das war wirklich cool!

Also rufe ich im Diestleistungszentrum Personal des Landes S-H an, in der Hoffnung, den Fehler aufklären zu können, und meine Sachbearbeiterin sagt mir nach nur einer Sekunde des Überlegens: "Ja, da hat das Finanzamt ihre Daten einfach nicht weitergegeben, da müssen sie einmal beim Finanzamt anrufen und schauen, wo die Information dort hängengeblieben ist." Und ich Idiot mache das auch noch - rufe beim Finanzamt an, werde von A nach B durchgestellt, niemand geht ran, nach C weitergestellt und lege schließlich genervt auf - zwei Sekunden später ruft D vom Finanzamt zurück und erklärt mir, dass ich beim Finanzamt ohne Kirchensteuer eingetragen bin, dass ich aber nicht vernünftig von meinem Arbeitgeber angemeldet worden bin und der meine Daten daher nicht vernünftig abgerufen hat. Also muss ich wieder beim Dienstleistungszentrum Personal anrufen, weil man dort zu blöd war, meinen Hauptarbeitsgeber anzumelden, oder so.

Also rufe ich wieder im Dienstleistungszentrum Personal an, lasse das Telefon zwanzig, dreißig Mal klingeln, niemand nimmt ab, und gehe entnervt zu einem Gesprächstermin mit der Bank. Was mich gut unterhalten hat war, wie D vom Finanzamt sich darüber aufgeregt hat, dass der schwarze Peter schon wieder dem Finanzamt zugeschoben wurde, obwohl dort wohl alles richtig abgewickelt worden ist.

Ich fühle mich wie im Kindergarten, und der Passierschein A38 ist auch nicht weit entfernt...

Donnerstag, 1. März 2018

Sekundarstufe Zwei


Ich habe in den vergangenen Jahren hauptsächlich in der Mittelstufe unterrichtet. Das hat sich so ergeben, weil dort der Bedarf bestand, und weil eine meiner Stärken darin besteht, mit spannenden Schülern in schwierigen Phasen zu arbeiten. Klasse 7-9, da werden die Jugendlichen pubertär und es kommt eine sehr starke Haltung gegen alles auf.

Viele Lehrer sind froh, wenn sie da nicht unterrichten müssen; ich habe den Eindruck, dass insbesondere die Lehrer froh sind, um die Mittelstufe rumzukommen, denen die Fachvermittlung das Wichtigste im Lehrberuf ist. Das kann ich vollkommen verstehen - für mich ist das anders, für mich ist die Arbeit mit Menschen das Wesentliche des Berufes. Sind beides häufig vertretene Sichtweisen. Die Stoffvermittlung leidet beizeiten unter der pädagogischen Arbeit, die in dieser Lebensphase geleistet werden muss.

Aber es kommt ja irgendwann die Oberstufe, die sogenannte Sek II. Es mag sein, dass ich ein falsches Bild von der Oberstufe habe, denn ich behandle meine Schüler dann wie junge Erwachsene. Die sie langsam auch werden. Ich stelle Anforderungen, wie z.B. "Verantwortung für den eigenen Lernprozess übernehmen" - ich trage den Schülern die Unterrichtsinhalte nicht mehr hinterher. Wer fehlt, muss sich von sich aus nach Arbeitsblättern und Hausaufgaben umschauen.

Manchem Schüler fällt Alles aus dem Gesicht ("Ich war letzte Woche nicht da, woher soll ich das alles wissen?"). Sie scheinen mit Eigenverantwortung noch nicht sehr vertraut zu sein. Mache ich etwas falsch?