Donnerstag, 11. Juli 2019

Cutting Ties

Plön - für mich ab sofort wieder nur ein Durchfahrtsort

Verbindungen trennen

Langsam komme ich in eine Phase, in der Weggang von Schulen zur Routine wird. Man räumt sein Fach im Lehrerzimmer auf, man gibt seine Schlüssel ab, eventuelle Kopierkarten, Parkplatz-Chips, Schulbücher, alles, was einen mit dieser Schule verbindet. Danach fühlt sich das Leben etwas anders an, und die Schulzeit wirkt nur noch wie ein Schatten nach. Man muss nicht mehr an seine Schüler denken, nicht mehr an die Kollegen, keine Stoffverteilung mehr machen - man ist komplett ungebunden.

So dürfte es bei mir jetzt auch wieder werden, denn ich habe heute meine Sachen in der Schule abgeben. Ich wollte mein Fach noch leerräumen, aber das war gar nicht mehr möglich, denn jemand hatte das bereits übernommen und meine eigenen Unterrichtsmaterialien großzügig in andere Fächer verteilt. Ich habe mir meine Sachen dann einfach zurückgeklaut.

Manchmal fühlt es sich so an, als wollte man mit seinen Schlüsseln auch noch ein paar Gedanken loswerden. Sechsmal bin ich jetzt von Schulen gegangen, und sechsmal sind Gedanken ungeäußert geblieben. Die Schlüsselabgabe geschieht meistens im Sekretariat, aber die Gedanken hätte ich gern der Schulleitung gegeben. Sie lassen sich in der Regel in eine von zwei Gruppen einsortieren, und irgendwie tauchen da auch immer wieder ähnliche Gedanken auf, wie zum Beispiel (gesammelt in den sechs vergangenen Schulen):

die positiven Gedanken

- ich werde euch vermissen
- ich bin ihnen so dankbar für die Möglichkeit, dass ich hier unterrichten durfte
- bleiben sie so, wie sie sind
- ich wünschte, mehr Schulen wären wie ihr
- alles Gute für das nächste Schuljahr
- vielleicht kann ich euch ja nochmal besuchen
- ihr wart ein tolles Kollegium und habt mich genommen, wie ich bin
- bei euch bekommt wirklich jeder Schüler eine echte Chance 

die negativen Gedanken 

- zum Glück bin ich hier endlich weg
- werden sie glücklich mit ihrer rücksichtslosen, unmenschlichen Art
- hoffentlich erhalten sie bald ihren dritten roten Akteneintrag im Ministerium
- ihr habt ein echtes Kommunikationsproblem
- mir tun nur eure Schüler leid
- kein Wunder, dass niemand bei euch den Personalrat stellen will
- wie könnt ihr es zulassen, dass eure Schüler vor versammelter Klasse gedemütigt werden
- vielleicht solltet ihr nicht ganz so offensichtlich zeigen, dass euch eure Schüler scheißegal sind

In ihrer Gesamtheit machen mich diese Gedanken immer wieder wütend, zumindest an vier von sechs Schulen, und das ist absolut nicht gut. Deswegen versuche ich immer, die negativen Gedanken nicht zu äußern, weder schriftlich noch im Gespräch. Der Buddhismus erwartet, dass man sich nicht der eigenen Wut hingibt, sondern innerlich runterkocht und einen Zustand des Gleichmutes erreicht. Das kann verdammt schwer sein, ich trainiere es immer wieder, und so habe ich auch diesmal versucht, die negativen Gedanken für mich zu behalten (naja, wenn man den Blog betrachtet, dann war ich damit nur mäßig erfolgreich).

4 Kommentare:

  1. Ich werde Sie in der Oberstufe echt vermissen, Sie waren mit großem Abstand der beste Lehrer auf dieser Schule. Ich hoffe vom ganzen Herzen, dass Sie eine Schule finden, die Sie so akzeptiert und schätzt, wie Sie sind - So wie wir Schüler es auch tun. Alles Gute :(

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    1. Das ist so nett, ich bin gerührt! Ich hätte selbst nie gedacht, dass so viele Kollegien (und vor allem Schulleitungen) an der Art, wie ich bin, Anstoß nehmen. Würde mich ja mal interessieren, wie dann die offizielle Erklärung lautet, warum ich nicht mehr bei Euch bin.... Ich hätte Euch wirklich SO gern durch die Oberstufe und bis an den Abschluss gebracht... aber ich werd mal am Ball bleiben, wie es für Euch läuft, und vielleicht komme ich dann noch einmal zu Eurer Abschiedsfeier! :-)

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    2. Ich kann die offizielle Antwort ja mal hier reinschreiben, wenn wir es nach den Ferien gesagt bekommen.:/ Wir würden uns alle seeeehr freuen, Sie nochmal wiederzusehen, denn leider konnten wir Ihnen ja nicht mal Tschüss sagen und alles Gute wünschen. Also hoffentlich bis in einem Jahr - Mit Fachhochschulreife:)

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    3. Ja, bleibt am Ball! In der Oberstufe wird es ein bisschen herausfordernder - manche könnten Probleme bekommen, wenn sie das Verhalten aus der Unterstufe weiterführen - aber das ist machbar, und ich freue mich drauf, Euch bei der Zeugnisübergabe wiederzusehen!

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