Montag, 22. Januar 2018
One Trick Pony
Warnung: Dieser Beitrag enthält wesentliche Spoiler zu den folgenden Geschichten aus Film und Fernsehen; wer noch keine davon gesehen hat, sollte diesen Text überspringen oder sich dessen bewusst sein, dass die Auflösung hier vorweggenommen wird:
The Twilight Zone S01E16 - "The Hitch-Hiker" (1960)
The Twilight Zone S05E22 - "La rivière du hibou" (1962/64)
Carnival of Souls (1962)
The Sixth Sense (1999)
Yella (2008)
Die zugrundeliegende Geschichte hat auch Ambrose Bierce erzählt ("An Occurrence at Owl Creek Bridge", 1890); es lohnt sich, sie zu lesen, um den Ursprüngen näher zu kommen.
Fünf unterschiedliche Regisseure (Rod Serling, Robert Enrico, Herk Harvey, M.Night Shyamalan, Christian Petzold) bearbeiten auf ihre eigene Art und Weise die jeweils gleiche zugrunde liegende Geschichte: Die Hauptfigur durchlebt eine traumatische Erfahrung (beispielsweise einen Unfall oder einen Einbruch) und wird vor die Aufgabe gestellt, dieses Trauma zu verarbeiten. Zunächst gelingt das gut, doch mit der Zeit tauchen immer mehr Symptome auf, die die Hauptfigur an ihrem Verstand zweifeln lassen, bis sie sich schließlich in der finalen Offenbarung darüber klar wird (bzw. der Zuschauer darüber in Kenntnis gesetzt wird), dass sie bei dem damaligen Ereignis um's Leben gekommen ist und die gesamte Dauer der Erzählung über in einer Art Limbus zwischen Leben und Tod wandelt.
Wer noch nie eine dieser Geschichten gesehen hat und das mittlerweile berühmte twist ending nicht kennt, dürfte einigermaßen überrascht werden; je nach Erzählung sind die "Signale" unterschiedlich deutlich. Während Hauptfigur Nan Adams in The Hitch-Hiker nur ein Reifen geplatzt ist und von der Reparaturwerkstatt an jener titelgebende Anhalter erscheint, der sie zunächst leicht, später ziemlich verstört, sind die Hinweise bei The Sixth Sense wesentlich deutlicher - wenn man sie zu erkennen weiß. Ich gebe zu, dieser Film war mein erster Kontakt mit der Erzählung und auch wenn dieser kleine Junge der Hauptfigur mitten in's Gesicht sagt "Ich kann tote Menschen sehen" - habe ich nicht damit gerechnet.
Ich war vollkommen überrascht, wahnsinnig beeindruckt und habe den Film ein zweites Mal sehen müssen, um auf all' die Hinweise zu achten, die wirklich zahlreich und auffällig gegeben werden. Und danach habe ich den Film nie wieder gesehen. Anders ist es bei der Serienfolge aus der Twilight Zone und bei Carnival of Souls, die ich beide immer wieder sehen kann, weil sie in ihrer Wirkung nicht so sehr vom Twist am Ende abhängig sind, sondern einfach so gut sind, dass ich den ganzen Verlauf, vom traumatischen Ereignis bis zur apokalypsis, immer wieder genießen kann.
Mir stellt sich auch die Frage, ob man eine Geschichte, die in ihrem Effekt so sehr auf den Twist angewiesen ist, auf Filmlänge aufblasen kann. Rod Serlings Filmepisode ist nach vierundzwanzig Minuten um, sie wirkt zügig und eindrucksvoll und ich bin zu keinem Zeitpunkt gelangweilt. Shyamalan nimmt sich knapp zwei Stunden Zeit, und meiner Wahnehmung nach ist das ein bisschen zu lang. Dennoch immerhin genug Zeit, um Haley Joel Osment zu bewundern, der ein erstaunliches Schauspieltalent für sein junges Alter zeigt - wenngleich ich ihn in A.I. - Artificial Intelligence noch überzeugender fand.
Neulich habe ich nun also eine der neuesten Adaptationen geschaut, Yella von Christian Petzold, mit nun knapp zehn Jahren auf dem Buckel (2008). Und man könnte meinen: Unoriginell, Abklatsch, nicht schon wieder diese Story. Man könnte meinen, mit The Sixth Sense, unzweifelhaft der berühmtesten Verfilmung dieser Geschichte, bestehe nun kein Bedarf mehr für ein weiteres Remake, egal ob offiziell oder inoffiziell. Dann allerdings habe ich mich daran erinnert, dass Shyamalans Film nicht mein Favorit unter den tod-vs-lebendig-Erzählungen ist (Serlings Hitch-Hiker bleibt meine Nummer Eins), und das hat mir ein wenig mehr Lust gegeben, diesem deutschen Film eine Chance zu geben. Hinzu kommen noch ein paar andere Faktoren, die den Film für mich interessant gemacht haben, nämlich dass von allen Verfilmungen dieser Geschichte ausgerechnet die deutsche Verfilmung beim amerikanischen Filmkritiker Roger Ebert (r.i.p.) die höchste Bewertung bekommen hat, und dass es tatsächlich mal wieder ein deutscher Film über den großen Teich geschafft hat: Das muss einen Grund haben.
Es handelt sich tatsächlich um einen Lehrbuchfilm; Petzold verwendet Leitmotive, wie etwa die Mondscheinsonate, den Farbfilter, die Farbe Rot, die Szenen im Auto, das Wasser. Die Parallelen zu Carnival of Souls sind nicht zu übersehen - ein Auto, das von einer Brücke stürzt, eine Frau, die sich in einen neuen Ort und Beruf einfindet, die Bewusstseinsstörungen, das Zwitschern von Vögeln. Petzold ergänzt die Vorlage allerdings um eine deutliche Kapitalismuskritik. Yellas Welt ist kalt, aus Glas und Stahl, es geht um teure Autos, teure Hotelzimmer und um Abgebrühtheit.
Ich fand Petzolds Umsetzung nicht schlecht. Spannend: Manche Rezensenten lesen den Film gerade wegen seiner Kapitalismuskritik und sind vom Ende enttäuscht - sie scheinen nicht zu wissen, dass es sich hierbei um ein inoffizielles Remake von Carnival of Souls handelt. Ich bin froh, den Film gesehen zu haben, und kann ihn nur weiterempfehlen.
post scriptum: Sprachtümelei - der englische Begriff "one-trick-pony" bezeichnet eine Sache, die eigentlich nur aufgrund eines einzigen Effektes unglaublich beeindruckend erscheint - und wenn dieser Effekt erstmal bekannt ist, verpufft die Faszination damit sehr schnell. Wie oben beschrieben, trifft das nicht auf alle dieser Erzählungen zu.
Samstag, 20. Januar 2018
Sozialkompetenz
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| Zusammen. Miteinander. Ist das so schwer? |
Ich bin soeben aus der Meditation erwacht und bringe den heutigen Eintrag sozusagen frisch aus meinem Gehirn in diesen Blog. Das ist insofern ungewöhnlich, als dass ich bereits einen ganz anderen Beitrag geschrieben hatte, der schon in den Startlöchern stand und den ich nach der Meditation nur noch einmal zur Korrektur lesen wollte, bevor ich ihn veröffentliche. Dieser Beitrag muss nun warten, denn ausgehend von seinem Thema (Filme, die man mehrmals sehen sollte) hat mein Gehirn die üblichen HB-Sprünge gemacht und ich bin nach und nach gelandet bei der Antwort darauf, was mich am Unterrichten in der KGS so gestört hat. Weshalb ich auf die Idee gekommen war, dass ich diese Kinder vielleicht nicht so gern unterrichten würde wollen. Und das Alles hat seine Ursprünge in meinem zweiten Staatsexamen.
Im Referendariat bekommt man als Junglehrer zahlreiche Lehrproben zu Gesicht, und natürlich muss man auch selbst "vortanzen" und dann seinen eigenen Unterricht zerpflücken lassen. Generell finde ich das Konzept der Hospitation ganz gut, denn es gibt einem manchmal neue Impulse für den eigenen Unterricht, wenn man die Ideen der Anderen beobachtet. Was mir dabei aufgefallen ist: Die meisten Lehrproben, die ich zu Gesicht bekommen habe, hatten als Entwicklungsschwerpunkt entweder die Sachkompetenz oder die Methodenkompetenz.
Das überrascht nicht: In diesen beiden Kompetenzbereichen kann man als Lehrkraft im Vorbereitungsdienst wunderbar zeigen, was man alles gelernt hat. Und die Entwicklungsfortschritte können am Ende der Stunde besonders gut überprüft werden: Das ist wichtig für den Referendar, denn es zeigt, ob seine Stunde erfolgreich war. Quasi als Bewertungsgrundlage.
Ich habe in meinem Vorbereitungsdienst keine einzige Lehrprobe gesehen, die die Entwicklung der Sozialkompetenz im Fokus hatte. Nichts. Nada. Kann man ja auch nachvollziehen: Sozialkompetenz entwickelt sich so oder so, und eigentlich brauchen die Schüler die ja nicht, um ihr Abitur zu bestehen. Klingt grausig, aber bei genauerem Hinsehen findet man viele Kollegen, die tatsächlich so denken. Und wie soll man außerdem den Zuwachs an Sozialkompetenz als Referendar nachweisen? Ergo wird das nicht oft verwendet.
Allein deswegen, zum Trotz oder als Herausforderung, habe ich meiner Lateinstunde am Examenstag die Sozialkompetenz zum Schwerpunkt gegeben. Und in der Vorbereitung dieser Stunde ist mir nach und nach bewusst geworden, wie selten ich bis dahin auf eben jene Entwicklung des sozialen Miteinanders in der Klasse geachtet hatte. Genau an diese Lehrprobe musste ich denken, und mir ist wie Schuppen von den Augen gefallen, was mich an meiner jetzigen Unterrichtssituation so stört.
Ich unterrichte in jeder Lerngruppe eine Schar von kleinen Egozentrikern, die nur auf ihren eigenen Fortschritt bedacht sind. Um das zu veranschaulichen, hier ein Beispiel aus einer Lateinstunde. Mein Studienleiter, Herr Kruse, hat immer gesagt "Der Satz bleibt bei'm Schüler." Das bedeutet: Wenn eine Übersetzung vorgetragen wird, steht der vortragende Schüler im Mittelpunkt: Ist seine Übersetzung richtig? Hat er vielleicht einen Kasusfehler gemacht, oder dort den Numerus verwechselt? Und als Lehrer gebe ich Einhilfen, die es schaffen sollen, den Schüler seinen Fehler selbst zu erkennen und korrigieren zu lassen, so dass derselbe Schüler am Ende eine gute Übersetzung vortragen kann und mit einem positiven Gefühl verbleibt.
"Aber ist das nicht immer so?"
Nein. Aus meinem derzeitigen Unterricht: Ein Schüler meldet sich und trägt seine Übersetzung vor. Sofort gehen vier, fünf Finger hoch. Aber glaubt Ihr, die Mitschüler hätten etwas zum vorgetragenen Satz zu sagen? Nein, entweder möchten sie direkt den nächsten Satz vortragen oder einfach ihre eigene Übersetzung zum Besten geben. Was der Mitschüler gemacht hat, bleibt unkommentiert. Nur ein "Ich, ich, ich"-Gedanke: "Ich möchte meine Übersetzung vortragen, denn die ist bestimmt noch besser." "Ich möchte endlich etwas sagen, um meine Note zu verbessern." Ist leider nicht ausgedacht. Ist mir in den vergangenen sechs Wochen leider sehr häufig vorgekommen; viele Schüler denken nur daran, wie sie ihre eigene Note verbessern können. Sozialkompetenz? Soll ich lachen?
In meiner Auffassung von Schule und Unterricht geht es nicht um Einzelkämpfertum mit dem einzigen Ziel, die bestmögliche Note zu erhalten. Leider sehen viele Schüler das anders - und ich lege es ihnen noch nicht einmal zur Last, denn oft stecken dahinter Eltern, die von ihrem Kind nur das Beste erwarten, hoher sozialer Druck, der ihnen in irgendeiner Form suggerieren könnte "Ich muss unbedingt diese Eins haben, sonst..." - den Satz kann man verschiedentlich fortsetzen. Um ein Miteinander geht es nicht.
Und das möchte ich im zweiten Halbjahr nicht länger hinnehmen. Ich werde meinen Schülern einen Einlauf verpassen, in dem ich ihnen genau von diesen Eindrücken berichten werde. Meine Unterrichtsbeobachtungen. Und dass mich das sehr verstört hat. Ich werde diverse Wege suchen, ein Miteinander zu erzeugen: Eine O- oder U-Sitzordnung, geregelte Abläufe bei der Besprechung von Übersetzungen (da werde ich dann die Methodik aus meiner Examensstunde in Latein übernehmen, die soll wohl nicht schlecht gewesen sein). Diese Egozentrik (die ich leider nur allzu gut verstehen kann) möchte ich ihnen nicht durchgehen lassen.
Tut mir leid, aber ich habe ein anderes Bild von Schule. Dieses Streben nach der Eins, und zwar jeder für sich, das macht mich krank. Ich mag das wirklich nicht. Das sind Momente, in denen ich mich nach Alternativschulkonzepten wie z.B. der Waldorfschule sehne. Und das Schlimmste ist: Oft unterstützen wir als Lehrkräfte genau dieses Leistungsdenken der Schüler, gerade indem wir fast nur Stunden konzipieren, die einen Zuwachs an Sach- oder Methodenkompetenz zum Ziel haben.
Sind wir dafür Lehrer geworden?
post scriptum: Das bewegt mich wirklich, deswegen werde ich es links in die Linkliste pinnen. Vielleicht habe ich ein komisches Bild von Schule, aber so isses nun mal, dann bin ich eben strange, aber ich habe durch das Mobbing in der Schule selbst sehr gelitten - und bin vielleicht deswegen so versessen auf "sozialen" Unterricht.
Außerdem möchte ich darauf hinweisen, dass dieses Egozentrik-Phänomen ganz sicher nicht auf die KGS beschränkt ist. Ich kann mir vorstellen, dass manche Schularten dafür anfälliger sind als andere, aber das möge jeder selbst erkunden.
Freitag, 19. Januar 2018
Schwerverbrecher (+Kultfilm)
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| http://view.stern.de/de/picture/2544751/gefaengnis-knast-sinop-knast-sw-1920.jpg |
Wieder einmal gibt es zwei unabhängige Themen und ich konnte mich nicht für eins entscheiden. Also beide: Wer sich für eine Seite aus dem Tagebuch eines Hochbegabten interessiert, kann direkt weiterlesen und unten gibt es dann aktuelle Gedanken zu einem Filmklassiker.
Schwerverbrecher
Heute morgen - genauer mittag - bin ich vom Klappern des Briefschlitzes aufgewacht. Ich mag es, einen freien Tag zu haben, dafür nehme ich auch gern ein Gehaltsminus in Kauf, denn der Gegenwert - geistige Ausgeglichenheit - lässt sich nicht in Geld bemessen. Nun denn, langsam wackele ich aus meinem Bett heraus, nehme den Brief in die Hand und schaue auf den Absender... und bin schlagartig wach. SCHEISSE! Mit einem Mal fällt mir eine Geschichte ein, die ich dieser Tage vor lauter Notengesprächen, Konferenzen und Planungs(un)sicherheiten völlig in den Hintergrund gedrängt habe.
Ich hatte im Dezember die Befürchtung, dass die Umstellung von Arbeitslosengeld zu Gehalt nicht sauber läuft, dass irgendwas schief geht. Nicht ganz zu Unrecht: Das Gehalt für den Dezember ist erst gut eine Woche in den Januar hinein überwiesen worden. Natürlich gibt es dann Probleme mit Miete, Strom, was auch immer wir an Rechnungen so haben, kennt man ja. So konnte zum Beispiel der Dauerauftrag für die Miete nicht ausgeführt werden, worüber ich ein paar Tage später informiert worden war.
Parallel erhielt ich damals ein Schreiben, in dem um Klärung der Kontosituation gebeten wurde, na super, sowas liebe ich ja. Natürlich sollte man in dieser Situation möglichst schnell einen Termin bei der Bank abmachen und die Situation erklären. Nicht so Dr Hilarius! Da ich zum Zeitpunkt jenes Schreibens immer noch weder Arbeitslosengeld noch Gehalt bekommen hatte, habe ich mir einen Termin im Kalender eingetragen, an dem ich das erledige, weil es wohl sinnvoll wäre, zu wissen, ob das ALG überhaupt kommt und wie hoch das Gehalt ist. Dachte ich.
Während ich also auf den Erhalt meiner Bezüge wartete, habe ich versucht, mich an der KGS einzuleben. Natürlich erfolglos: Wenn ich Ende Januar sowieso wieder raus bin, wozu dann die Mühe? Doch dann zeichnete sich ein Silberstreif am Horizont ab, wow, ich kann vielleicht bleiben, ich kann aufstocken, super, hmmmm, wie benehme ich mich jetzt den Schülern gegenüber, und dann kamen die drei Notengespräche-Sachen und mein Gehirn voll auf Konzeption des zweiten Halbjahres fixiert. So sehr, dass mein eingetragener Termin am Montag verstrichen ist, ohne dass ich davon etwas mitbekommen habe.
Und nun dieser Brief - es reicht schon, den Absender "Bank" zu lesen und ich krümme mich zusammen. Ich fühle mich wie ein Schwerverbrecher, weil ich diesen Termin verpasst habe, und ich fühle mich, als ob ein Gang zum Schafott bevorsteht. Und ich ärgere mich über die Hochbegabung: Warum müssen HBs aus allem ein Riesendrama machen? Und warum gibt es diese Phasen, in denen mein Gehirn sich voll auf eine Sache einschießt und alles drumherum nicht mehr mitbekommt?
Und dann höre ich schon wieder den Satz "Hochbegabung ist doch was Tolles!"
Montag nach den Zeugniskonferenzen wird das endlich geklärt. Aber Ihr kennt das, oder? Wie solche Dinge wie eine Last auf einem liegen, und wie man bei Briefen wie diesem nur den Absender liest und direkt durch ist? Wie albern. Und ich glaube, das gibt es nicht nur bei Hochbegabten, aber ich vermute, diese Gefühle und diese Situation sind bei HBs ein paar Stufen intensiver. Augen zu und durch!
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| Regisseur Herk Harvey selbst taucht in einer wichtigen Rolle auf - hier lächelt er... |
Kultfilm
Ich hatte einmal im Blog darüber geschrieben, dass ich lieber etwas Neues sehen möchte, nicht immer diese Wiederholungen. Die Regel bei mir ist, dass ich einen Film einmal sehe und es reicht. Auch wenn er noch so toll ist - ich habe keinen Grund, ihn nochmal zu schauen. Aber ein paar Filme gibt es doch, die ich immer wieder gern sehe, ein richtiger Genuss. Manche Filme gewinnen durch wiederholtes Anschauen. Da entdecke ich immer wieder etwas Neues, oder ich genieße es, wie der Regisseur eine Atmosphäre erzeugt.
Einer dieser Filme ist Carnival of Souls, ein Film, der ursprünglich unbeachtet geblieben ist. Unabhängig finanziert, hat Regisseur Herk Harvey sämtliche Freiheiten gehabt und ein kleines Kunstwerk erschaffen. Der Film hat seine Schwächen, ganz klar (z.B. das Schauspielern), aber er hat so viel Gutes - die unheimliche, bedrückende Atmosphäre, die nicht zuletzt durch die effektive Filmmusik erzeugt wird. Der Film hat einen Twist am Ende, der vielleicht nicht originell sein mag (aber das war M.Night Shyamalan auch nicht), aber ich habe heute gemerkt, dass ich den Film in seiner Gesamtheit genieße, die Qualität des Films ist nicht auf das twist ending angewiesen. Genau deswegen hat er sich dann seit den Achtzigern zu einem richtigen Kultfilm entwickelt.
Heute habe ich ihn zum ersten Mal in einer colorierten Version gesehen und, noch wichtiger, mit der originalen englischen Tonspur. Es ist, als ob ich einen anderen Film sehe! Die deutsche Synchro ist eigentlich in Ordnung, aber im Englischen passt wirklich alles zusammen. Ein Beispiel: Die Protagonistin wechselt im Film zwischen zwei Bewusstseinsebenen. Im Englischen wird das dadurch vermittelt, dass ihre Stimme plötzlich mit einem Echo hinterlegt ist. Im Deutschen wurde dieser Effekt nicht übernommen, das finde ich sehr schade.
Und so kann ich den Tag nun doch mit einem positiven Grundton beenden, denn auch wenn mein Kopf von dieser ganzen Bank-Schulgeschichte voll (und voll unten) war, hat Carnival of Souls es geschafft, mich vollkommen in seinen Bann zu ziehen. Auch beim zehnten Ansehen.
post scriptum: Einen weiteren dieser Immer-wieder-ansehen-Filme gibt es gleich in Form von "Coraline". Manche Filme sind wie ein Fünf-Gänge-Menü, man kann sie in aller Ruhe und komplett genießen.
Donnerstag, 18. Januar 2018
Noch einmal mit Gefühl
Meine Schulwoche endet donnerstags, und das liebe ich. So war es auch in St.Peter-Ording. Alternativ kann die Woche auch am Dienstag beginnen. Ich unterrichte so viel wie möglich, solange ich drei freie Tage habe. Was das in Stunden bedeutet, handhabt jede Schule anders. Für mich ist das wichtig, damit ich genug Zeit für mich selbst habe. Wie hin und wieder bereits angedeutet, ist die Schule nicht auf Platz Eins der Prioritätenliste in meinem Leben. Ich möchte die Welt entdecken, und dazu brauche ich Zeit.
"Du hast doch nachmittags frei!"
Ja, ähm, nein. Für mich fühlt es sich anders an - ich weiß nicht, ob das am Gehirn liegt. Ein Arbeitstag ist ein Schultag, von Anfang bis Ende. Ich kann nicht einfach das Gehirn abschalten, wenn ich nach Hause komme. Das HB-Gehirn lässt sich da leider nicht so einfach kontrollieren, es sorgt dafür, dass sehr gründlich über die Schule nachgedacht wird. Daher brauche ich die Balance: Vier Tage Schule, drei Tage ich. Ich lebe nicht, um zu arbeiten.
Wie es aussieht, werde ich das zweite Halbjahr an der KGS bleiben können. Und aufstocken, zum Glück. Geld ist immer ein blödes Thema. Das Bewusstsein, jetzt immerhin für ein halbes Jahr Kurse zu bekommen, macht einen riesigen Unterschied zu bisher. Bis heute ging es nur darum, den Unterricht stattfinden zu lassen. Ich konnte mir kaum Namen merken und mein Gehirn hat sich gedacht, naja, wenn ich nach zwei Monaten eh' wieder weg bin, dann muss ich keine Denkzeit in die KGS investieren.
Mit Dienstantritt Anfang Dezember ist alles, wie erwartet, in die Grütze gegangen. Ich habe keinen Überblick mehr über meine Ernährungsgewohnheiten, meine Wohnung ist mittlerweile total versifft und ich habe noch einen Berg Post abzuarbeiten, und ich habe Kontakte vernachlässigt - eigentlich sollte Er schon vor zwei Wochen einen Videogruß bekommen haben. Nix da. Ist halt so: Mit tiefen Einschnitten, und dann noch kurzfristig, komme ich nicht klar. Schnittmenge Autismus.
Jetzt sieht das alles anders aus. Ich habe eine Gewissheit, für ein halbes Jahr. Jetzt gibt mein Gehirn grünes Licht dafür, die Dinge vernünftig zu machen: Unterricht vorbereiten, Putzplan zuhause, Konto langsam wieder ausgleichen.
Und vor allem wird sich im Unterricht Einiges ändern - denn jetzt sind das meine Lerngruppen, nicht mehr nur sechswöchige Vertretung. Jetzt lohnt es sich, Rituale einzuführen, klare Ansagen zu machen und durchzuziehen, jetzt lohnt es sich, deutlich strenger zu werden - denn heute gab es schon wieder Notenverhandlungen und mir wird immer mehr bewusst, wie sehr ich das hasse. Ich fühle mich damit unwohl; deswegen hatte ich die letzten drei Tage über die Notengespräch-Beiträge geschrieben. Ich werde andere Saiten aufziehen, denn ich bin etwas ernüchtert von der Arroganz und Ignoranz mancher Schüler. Ich werde ein paar Methoden aus der GemS-Zeit durchsetzen.
Im Prinzip also ein Neustart. Jetzt noch einmal mit Gefühl. Und ich werde das Halbjahr nutzen, um auszuloten, ob ich nicht vielleicht doch lieber wieder an eine Gemeinschaftsschule gehen möchte. Und da ich den Eindruck habe, dass mein Schulleiter, Herr Schöneich, einen ganz guten Blick für mich hat, werde ich hin und wieder zu ihm in's Gespräch gehen. Ergebnisoffen.
Endlich ist diese Holterdipolterphase vorbei.
Emotion? Unsicher.
Mittwoch, 17. Januar 2018
Notengespräch III: R E S P E C T
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| Was ist aus uns geworden? |
Again: Fiktion.
Der dritte und letzte Teil der Notengespräch-Trilogie widmet sich einer Ansage der ganzen Klasse gegenüber - so könnte ich mir das vorstellen, und zwar, bevor ich in die Gespräche mit einzelnen Schülern gehe. Um nochmal ein bisschen Bewusstsein für die Bedeutung der Note Drei zu verschaffen. Und ein wenig mehr Toleranz und Aufgeschlossenheit. Und um nicht mehr so viel um Noten handeln zu müssen.
Klasse Acht
L: "Also, ich kann ein sehr entspannter und netter Lehrer sein und lasse euch mehr durchgehen als ich eigentlich sollte. Eine Sache kann ich allerdings überhaupt nicht ab, und zwar, wenn Schüler anfangen, um Noten zu handeln. Das war in den letzten Tagen an dieser Schule schon echt reichlich. 'Können sie da nicht noch einen Fehler wegstreichen?' 'Warum hab ich keine Eins?' 'Also ich finde, das hier ist drei Bonuspunkte wert.' 'Ich find', ich war in den letzten Stunden richtig gut.'
Und das nervt mich besonders, weil ich das in den letzten vier Jahren an der Gemeinschaftsschule so gut wie gar nicht hatte. Vielleicht liegt es daran, dass die Schüler dort eine andere Arbeitshaltung haben als am Gymnasium? Habt ihr eine Ahnung, was ich damit meinen könnte?"
fünf Finger gehen hoch
S1: "Ja, also, ich mag das ja nicht so gern sagen, ich meine das auch nicht fies, aber am Gymnasium wollen die Schüler arbeiten, und oft haben die in der GemS nicht so viel Lust dazu, die sind dann eher von der Schule genervt."
S2: "Das ist auch so, an der GemS rauchen die viel früher und auch mehr, und kiffen, und mit Alkohol und so, und bei uns ist das noch gar nicht."
S3: "Glaubst du das ernsthaft???"
S2: "Naja, und da wird auch auf dem Schulweg mehr geraucht."
L: "Ich glaube nicht, dass das mehr ist, aber an der GemS wird mehr und offener darüber gesprochen, hier traut sich doch keiner, das zu sagen."
S2: "Genau, weil wir vielleicht auch besser erzogen sind, und dort an der Schule haben ja viele Kinder Eltern, die sich überhaupt nicht um sie kümmern, oder kaputte Elternhäuser."
S3: "An der GemS sind die meistens auch schon älter, da kommt das vor, dass man mit achtzehn noch in der achten Klasse sitzt, und wir sind hier maximal fünfzehn."
S1: "Weil die auch öfters sitzenbleiben, weil die halt auch oft nicht so viel für die Schule tun."
L: "Ich möchte hier bitte unterbrechen, weil das in eine Richtung geht, die mir gar nicht gefällt. Ich wollte eigentlich auf etwas Anderes kommen, nämlich dass am Gymnasium manche Schüler denken, nur weil sie eine Gymnasialempfehlung bekommen haben, dass sie mindestens auf eine Zwei Anrecht haben. Für viele ist eine Drei schon die totale Katastrophe. Und manche denken, sie müssten noch nicht einmal etwas dafür tun. Dagegen habe ich viele Schüler an der Gemeinschaftsschule unterrichtet, die sich - entschuldigung - den Arsch aufgerissen haben und es trotzdem nie oder nur ganz selten auf eine Drei geschafft haben. Und wenn es geklappt hat, dann haben sie sich darüber gefreut."
Stille
L: "Ich möchte euch einfach noch einmal klarmachen, was die Noten bedeuten. Ich möchte, dass ihr etwas mehr Respekt davor bekommt. Denkt bitte daran: Wenn ihr das könnt, was ihr können sollt, dann ist das ausreichend. Dann ist das eine Note Vier."
hält vier Finger hoch
L: "Für eine Drei muss da schon etwas mehr kommen, und für eine Zwei erwarte ich 'gute' Leistungen. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Und ihr könnt euch denken, dass für eine Eins dann deutlich mehr kommen muss. Ich möchte, dass niemand von euch auf Noten unterhalb der Zwei herabschaut. Sowas nennt man dann arrogant."
S4: "Ich habe eine Freundin an der Gemeinschaftsschule, die mir auch schon öfters gesagt hat, dass sie sich einfach schlechter fühlt, nur weil sie auf der GemS ist und wir auf einem Gymnasium."
L: "Danke, dass du das ansprichst. Denn genau dadurch entsteht eine Spaltung zwischen euch und den GemSlern, die dazu führt, dass sie quasi von unten wütend zu euch heraufschauen. Und traurig."
S5: "Aber wieso, wir tun doch gar nichts Schlimmes."
Raunen in der Klasse
L: "Nur noch einmal zur Erinnerung: Ich habe euch eben nach den Unterschieden zwischen GemS und Gym gefragt, und ihr habt mir zuerst nur Negatives aufgezählt: Die rauchen mehr, die kiffen mehr, die trinken mehr, die sind älter, bleiben öfters sitzen, die haben kein Bock auf Schule, die sind schlecht erzogen, die haben kaputte Familien."
Schweigen
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Es tut mir als Lehrer weh, wenn ich diese Haltung gegenüber den "anderen" Schülern bekomme. Das habe ich an der GemS in St.Peter-Ording ganz intensiv erlebt, dort wurde der Ortsteil, in dem sich der GemS-Teil befindet, wie ein Asozialenghetto von vielen Gymnasiasten behandelt, und das Viertel mit Gymnasium und Internat wie eine Bonzengegend von den GemSlern. Die ablehnende Haltung gegenüber den jeweils anderen Schülern gab es auf beiden Seiten, und ich habe hart darum gekämpft, etwas mehr Verständnis zu erzeugen. Sauschwer. Aber einfach mal zu zeigen, wie es wirklich auf der anderen Seite aussieht, anstatt einfach nur Abstand zu halten und sich hinter einer Mauer aus Ignoranz zu verbergen, das hat schon viel geholfen.
Deswegen war ich in SPO auch sehr dankbar, dass ich an beiden Schulteilen unterrichten durfte, und deswegen habe ich allen Gymnasialkollegen bei meiner Verabschiedung dieses Privileg, diese Erfahrung sehr an's Herz gelegt. Sonst werden wir einer Spaltung innerhalb unserer Gesellschaft nie effektiv entgegentreten können.
post scriptum: Coole Anekdote - ich erkläre den Schülern den Begriff "Phubbing" (wenn Gäste beim netten Zusammensein die ganze Zeit auf ihr Handy schauen - ich hasse das, und die große Buba und auch Er nehmen seitdem Rücksicht darauf, finde ich total toll). Schülerin: "Sowas find ich auch total nervig und rücksichtslos. Beim Golfen hab ich ja eh' mein Handy nicht mit dabei, und wenn wir abends essen gehen, sammeln wir alle unsere Handys auf einem kleinen Turm, so dass beim Essen keiner rangeht, und wer zuerst nach seinem Handy greift, muss die Rechnung bezahlen."
Die Aktion finde ich geil. Könnte ich mir niemals leisten, aber ich finde es gut, dass die Kiddies das machen. Wird ihnen wahrscheinlich nicht so sehr weh tun, eine Rechnung zu bezahlen, aber allein die Idee ist schon plietsch.
Dienstag, 16. Januar 2018
Notengespräch II: Lunte gerochen
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| "Gnôthi seautón" gilt für manchen Schüler mehr, als man denkt... |
Das folgende Notengespräch ist fiktiv.
"Hey Gertrud! Kleinen Moment, geht gleich los."
Desinteresse
"Also bei dir finde ich das ja ganz spannend. Du machst bei mir im Unterricht ganz gut mit, aber bei Kollege XY hat es nur für eine Drei gereicht. Und die Klassenarbeit war echt super."
"Joah, keine Ahnung."
"Keine Ahnung! Ich glaub', du könntest deutlich mehr. Kann das sein, dass es irgendwie nur klappt, wenn dich ein Thema interessiert?"
Aufmerksamkeit
"Also sie auch! Das haben mir schon so viele Lehrer gesagt!"
"Ja, weißt du, manchmal hab' ich den Eindruck, dass du das auch provozierst. Eben zu Stundenbeginn hattest du die Füße auf dem Tisch - ich hab' kein Problem damit, aber man kann dadurch so einen Null-Bock-Eindruck erzeugen."
"Oh, hm, ja, war ja auch nicht böse gemeint."
"Keine Sorge, ich versteh' das ja. Aber kennst du das, dass du es dir selbst aussuchst, wen du als Autorität akzeptierst?"
"Und wie! Ich hab' auch das Gefühl, dass manche Lehrer mich einfach nicht verstehen wollen, und dann kann ich die auch nicht ernstnehmen. Wie in Mathe, ich will einfach nur das fertige Ergebnis aufschreiben, aber dann zwingt Frau XY mich, mit dieser blöden Springmaus auf dem Zahlenstrahl entlangzuhüpfen, was einfach nur schwachsinnig ist, ich kenn' doch das Ergebnis!"
"Ist echt so, oder? Warum sollte ich dann von denen überhaupt irgendwas lernen? Ich hatte so eine blöde Deutschlehrerin, bei der hatte ich nie was Besseres als eine Drei im Zeugnis und hatte nie Bock drauf."
"Ja, Deutsch ist ja auch mega langweilig."
"Gerade wenn der Lehrer das nicht gut rüberbringen kann. Und dann hatte ich in der Oberstufe Herrn Krüger, der war richtig gut, hat echt Spaß gemacht, und bei dem hab' ich nachher 15 Punkte geschafft!"
ihre Augen fangen an zu leuchten
"Sowas gibt's echt, oder?"
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Ja, meine Liebe, aber das kann auch am Schüler liegen. Gertrud, ich mach' mir mal eine kleine Notiz bei deinem Namen, denn ich find' das spannend...
Es sind die Momente, die ich liebe. Wenn der erste Verdacht eintrudelt, einen hochbegabten Underachiever vor mir zu haben. Dort kann ich vielleicht etwas erreichen, ernsthaft etwas bewirken. Und deswegen bin ich Lehrer geworden.
Hoffentlich kann ich noch ein Weilchen bleiben.
post scriptum: Zeugniskonferenz drei von sieben für heute, Kollegin betritt den Raum - "Oh, hier riecht es ja toll" - beugt sich zu mir runter - "Bist du noch etwas länger da?", quasi als Beweis, dass ich nach wie vor Räucherstäbchenschwaden mit mir umhertrage.
Was ich lange nicht mehr erlebt habe, sind Eltern, die bei der Zeugniskonferenz darauf achten, ob bestimmte Lehrer generell schlechtere Noten geben. Willkommen zurück am Gymnasium. Zum Thema Noten"kauf" wird demnächst auch noch etwas kommen.
Frau Zwerger und Frau Janke, das nehmen Sie mir nicht persönlich übel, aber wir hatten damals einfach keinen Draht zueinander. Erst recht nicht bei Günther Grass.
Montag, 15. Januar 2018
Notengespräch
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| "Und, wie siehst du dich?" |
Das folgende Notengespräch ist fiktiv.
"Hey Fritz, setz' dich, wir müssen mal ein bisschen reden."
"Okay?"
"Du hast mir letztes Mal gesagt, dass du mit dem Kollegen XY Beef hattest. Magst du erzählen?"
"Naja, er hat halt mich und Paul auseinandergesetzt, irgendwie ohne Grund, und als ich dann wissen wollte, warum er das gemacht hat, hat er mich rausgeworfen."
zustimmendes Nicken
"Alles klar. Hey, solche Sachen kommen vor. Ich bin damals auch wesentlich mehr als einmal rausgeflogen."
"Mhm."
"Ich hab dich in den letzten Wochen im Unterricht ein bisschen beobachtet, und ich muss dir mal eine Sache ganz direkt sagen. Du hast ein ganz schön großes Maul."
Schweigen
"Du reißt den Mund sehr weit auf. Immer irgendwelche Sprüche parat. Und ich sage dir, das ist ja auch in Ordnung. Ich komme da super mit klar. Solange du mir dann im Unterricht auch zeigst, dass du was drauf hast, finde ich das sogar klasse."
Schweigen, Frust
"Das klingt fies, ich weiß. Aber, so ist es nun mal. Und ich wiederhole mich: Das ist in Ordnung. Aber es gibt auch Lehrer, die damit nicht so gut zurechtkommen, und mit denen legst du dich dann eben an. Nimm' das für dein Leben mit: Nicht jeder kann mit einem lockeren Mundwerk umgehen. Wenn ich weiterhin dein Lehrer bin, haben wir kein Problem, solange du auch Leistung zeigst. Du bist ein Großmaul. Aber das ist in Ordnung so. Zeig' mir, dass du Englisch kannst, und wir werden überhaupt kein Problem haben."
Schweigen, kleines Lächeln
"Mhm."
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Es kommt immer wieder vor, dass Schüler von sich selbst eine ganz andere Wahrnehmung haben als andere Menschen. Das sind Zähne, die gezogen werden müssen, aber immer mit dem positiven Grundton am Ende, dass man da etwas draus machen kann. So dass man mit einem gemeinsamen Lächeln auseinander gehen kann.
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