Sonntag, 27. August 2017

Sie ist weg (+Treppen)

Das war mal, das war Zweitausendacht in den Kronshagener Bergen. Wir müssen voran blicken - es ist nicht unsere erste Abstandsphase und wir überleben es auch diesmal, denn es geht schließlich immer irgendwie weiter...

Sie ist weg - WEG! ...und ich bin wieder allein, allein...

Meine Generation dürfte sich noch gut an diese Worte der Fantastischen Vier erinnern, die Fantas haben das Gefühl des Verlassenwerdens beschrieben, allerdings auch mit einem selbstkritischen Kommentar über Egozentrik. Klingt wie mein Leben, denn jetzt ist sie weg: Gerade eben in's Auto gestiegen, mit all' ihren Möbeln, Taschen, Bildern, Kissen, Erinnerungen. Und sie hinterlässt während dieser Minuten eine große Lücke in mir, und das ist kein Wunder, denn sie war Die große Buba, oder je nach Standpunkt "die komische dicke Frau da", wenn man keine Ahnung hatte.

Und warum sitze ich jetzt überhaupt am Computer und schreibe diese Zeilen. Eigentlich sollte ich im Auto sitzen, auf dem Weg in diese neue, fremde Stadt, die mir meine Pomsa geklaut hat, und Kisten und Möbel schleppen (schweppedäh). Und ich war ja auch heute morgen pünktlich um halb zehn bei ihr, und mit der Hilfe von ein paar Freunden haben wir dann den Umzugswagen beladen. Das ging sogar relativ einfach, die große Buba hat das ganz gut geplant. Ich war allerdings ehrlich überrascht, wie schwer eine schmale Toploader-Waschmaschine sein kann; meine ganz normale, breite kam mir irgendwie leichter vor.

Aber irgendwann habe ich gemerkt, dass mein Kreislauf nicht so gut mitmacht, wie ich das gern hätte, und das hat auch seine Gründe. Ich habe in den letzten Tagen mal wieder zu wenig gegessen (passiert eben in schwierigen Situationen), und das rächt sich heute. Und somit habe ich mich nach dem Einladen des Wagens davongestohlen und sitze jetzt hier und finde zwischendurch immer mal die geistige Freiheit, diesem Beitrag einen neuen Absatz hinzuzufügen.

Die beiden Träsch-Trüllers, die dicke Frau und die Schwuchtel, kennen sich jetzt seit elf Jahren, und sie behauptet immer noch ihr Märchen vom "Das war sofort klar, dass der schwul ist", mit Leuchtschrift und so, aber soll sie mal, dafür ist sie für mich immer noch Corinna Beilhardt. Wir sind in unserer Freundschaft große Schritte aufeinander zu gegangen, und das war auch nötig. Es hat gedauert, bis wir gemerkt haben, dass wir manche Dinge am Anderen einfach nehmen müssen, wie sie sind, und dass das Umdenken und die Akzeptanz in unserem eigenen Kopf anfangen muss. Und seitdem müssen wir uns einander gegenüber nicht mehr verstellen, keine Notlügen, all sowas, was man "unter Freunden" gern mal macht. Brauchen wir nicht, und das erleichtert ungemein.

Jetzt ist sie nicht mehr einmal über die Straße rüber. Jetzt gibt es erstmal nicht mehr dieses "Du gibst laut, wenn ich rüberkommen soll", kein Monsterplätten, kein Rebecca-sterben-lassen, kein Tetris, während der Hochbegabte rumnerded. So kann man sich das alles einreden, wenn man im Drama Queen-Modus bleiben möchte. Muss anfangs auch mal sein - aber letztlich ist sie nichtmal eine Stunde Zugfahrt entfernt, und wir werden schon bald wieder Monster töten und die Welt retten und uns vor alten Klingelopas vor Angst an die Wand scheißen. Schmeißen. Ich weiß nicht mehr, was ich sagen wollte, aber Grammatik war uns sowieso nie wichtig. Sie versteht Wörter wie "deidäh" und "ni wi wi a a a". Und sie hat Arbeit, also soll sie gefälligst froh sein ;-)

Aber das ist zunächst gar nicht so leicht, wenn man realisiert, dass man eine Menge Leute hinter sich zurücklässt, gerade wenn man ein sehr sozialer Mensch ist. Dann kann man sich in diesen Abschiedsschmerz richtig hineinsteigern, das hatte ich neulich hier beschrieben. Und dann ist es gut, wenn man sich ablenken lassen kann, und als Lehrerin sollte es ihr an Arbeit und Ablenkung eigentlich nicht mangeln.

Und was hat das Ganze nun mit Treppen zu tun? Nun ja, ich erzähle gern, dass ich keine Höhenangst habe, wohl aber Angst vor dem Fallen, und das intensiviert sich, wenn ich mit einer Kiste im Arm eine Treppe hinuntergehe und nicht genau die Stufen sehen kann. Ich habe Schuhgröße neunundvierzig, und wenn die Treppenstufen dann klein und schmal sind, habe ich Angst, dass ich danebentrete, abrutsche, mit dem Fuß nicht ganz auf der Stufe lande oder was noch alles so möglich ist, und dass ich dann in der Konsequenz stürze. Mir ist das heute wieder ganz nah in Erinnerung gerufen worden. Ich möchte in meinem nächsten Leben also gern etwas weniger intelligent und ein Stück kleiner sein (wenn ich Ansprüche stellen darf).

So, nun versuche ich mich an den "Zustand ohne große Buba" zu gewöhnen. Und ich kann mir glücklicherweise in Erinnerung rufen, dass ich zu meiner Zeit in Husum selbst über eine Stunde von ihr entfernt gewohnt habe, wir haben uns nur etwa einmal im Halbjahr gesehen, ansonsten blieb nur das Internet, und dort habe ich mich auch ziemlich einsam gefühlt, und warum genau wollte ich das jetzt nochmal als Trost hier schreiben???

Um mich daran zu erinnern, dass wir auch jene Zeit überlebt haben, und dass auch jene Zeit absehbar war und man nicht für den Rest seines Lebens an einem Ort bleiben muss, bzw. sollte, an dem es einem nicht gefällt.

Auch Du nicht, meine große-Buba-dicke-Tuba-Träsch-Transe-Pomsa-Tittenplatz-Kopfabdreh-Gabybarbie!


Samstag, 26. August 2017

Brunkert

Ob Brunkert oder Skinner - der Blick war derselbe.

Es waren immer nur die Anderen, die Brunkert hatten. Meine Brüder, oder die Parallelklasse, oder der Jahrgang über uns. Und so hörte ich von Brunkert. "Der ist richtig scheiße", hieß es. Der soll seine Schüler beleidigen, sich über sie lustig machen, bei Brunkert bekommt niemand mehr als neun Punkte, das war bekannt. Brunkerts selbstgerechtes, fieses Grinsen, wenn er einen Schüler fertiggemacht hat, das war auch bekannt. Alle hassten Brunkert, das war mir klar, und deswegen hatte ich Angst vor Brunkert. Und deswegen war ich froh, dass immer nur die Anderen ihn hatten. Und deswegen fand ich Schlotfeldt auch gar nicht sooooooo schlimm. Schlotties "Wiiieeeee, das wissen sie nicht???" war halt kein "Tja, du kannst eben nix, damit wirst du da draußen auch nix."

Und dann die Hiobsbotschaft: Nächstes Jahr Erdkunde bei Brunkert. Dürfte nachvollziehbar sein, dass ich die ganze Zeit quasi mit gesenktem Haupt dagesessen habe, Angst, drangenommen zu werden und etwas Falsches zu sagen. Aber in der Klausur, da zeig' ich es ihm, das habe ich mir vorgenommen und gelernt. Gebüffelt wie ein Irrer, stundenlang, das Thema interessierte mich nicht die Bohne! Aber ich wollte es dem Kerl zeigen. Dann kam die Klausur, dann das Ergebnis - neun Punkte. SO EIN SCHEISS! Und dann bin ich auf die Barrikaden gegangen und habe Brunkert gefragt, warum er so schlechte Noten gibt, warum er so fies und gemein zu den Schülern ist - jedenfalls zu denen, die mit seinem "von hinten schräg durch die Brust in's Auge"-Humor nichts anfangen konnten.

Und Brunkert antwortete. Nicht der originalgetreue Wortlaut, daher ohne Anführungszeichen. Weil ich euch auf die Welt da draußen vorbereiten möchte, auf etwas, das sich Realität nennt. Auf fremde Betriebe, die nur pure Leistung bewerten, kein Bemühen, keinen Charakter. Denn ihr seid so glücklich in eurer egozentrischen, wohlbehüteten Welt, in der Mama und Papa alles für euch tun, in der es reicht, ein paar Vokabeln zu lernen und nett zu lächeln für eine gute Note. Das ist ja alles schön und gut, aber so funktioniert die Welt da draußen nicht. Und deswegen möchte ich euch darauf vorbereiten, damit ihr nachher nicht genauso wie begossene Pudel dasteht wie bei dieser Klausur jetzt. Ihr sollt lernen, das zu erwarten, und ihr sollt Respekt vor den euch gestellten Aufgaben lernen.

Ich war so wütend, ich habe fast angefangen zu heulen, weil ich das überhaupt nicht verstanden habe, was Brunkert damit meinte. Wohlbehütete Welt? Sorry, aber meine Jugend fühlte sich für mich nicht wohlbehütet an. Die Welt da draußen? Mann Brunkert, ich mach' mein Abi, dann gehe ich an die Uni, ich muss mich sowieso nicht mit diesen Betrieben auseinandersetzen, du Arsch! Ich habe nichts davon verstanden, auch nicht nach meinem Abi, auch nicht in meinem Grundstudium, noch nichtmal zu meinem ersten Staatsexamen.

Aber Brunkert hatte Recht.

In dem Moment, wo wir uns auf dem freien Arbeitsmarkt befinden, behütet uns niemand mehr. Da geht es unfair und fies zu, da wird einem nichts hinterhergeworfen, da kassiert man Absage um Absage, da interessieren sich die Leute einen Scheiß für mich. Und ich verstehe das nun.

Er hatte vollkommen Recht, wenn man es richtig betrachtet. Von hinten schräg durch die Brust in's Auge.

post scriptum: Wenn man keine Freunde mehr in der Nähe hat, weil alle wegziehen, dann bastelt man sich eben einen neuen Freund aus nicht-newtonschem Fluid, geht ganz schnell und einfach, man kann super mit ihm spielen, man kann ihn schlagen ohne schlechtes Gewissen und ohne dreckig zu werden und er fasziniert einen immer wieder auf's Neue. Ist das nicht toll? Und wer genau so verzweifelt ist, der nehme Speisestärke und Wasser im Verhältnis 1,2 zu 1, geduldig vermengen und Spaß haben. Und wer seinen nichtnewtonschen Freund entsorgen will, lässt ihn entweder trocknen und bröselt ihn dann in den Biomüll oder verflüssigt ihn komplett (wirklich großzügig), bevor er dann in den Ausguss wandert.

ps2: Weil ich so mutig war und das Maul aufgemacht habe, hat Brunkert mir im Zeugnis dann zehn Punkte gegeben.

Freitag, 25. August 2017

Supermodelblick: Mr DILF?

"Wer braucht schon Inhalte, wenn man so ein geiler Typ ist?" titeln andere Persiflagen recht treffend...
Vorweg: Ich ziehe hier nicht über die FDP aufgrund ihrer Wahlplakate her. Dazu gibt es genügend andere Gründe. Ich brauche nur gerade etwas, um mich ein bisschen zu erheitern, also warum nicht Christian Lindner?

Die Partei der freien Demokraten hat sich für eine "geile Sau in natura"-Plakatkampagne entschieden. Daran ist eigentlich nichts Verwerfliches. Außerdem setzt sie darauf, dass bei den Plakaten nichts retuschiert worden ist (natürlich nicht...), will Christian Lindner als einen Mann des Volkes, nahbar, unverfälscht, authentisch zeigen.

Genau. Deswegen hat er diesen "Da hinten um die Ecke ist meine Wohnung"-Blick drauf. Deswegen zieht er sich auf den Plakaten aus und zeigt, wie rank und schlank ein Parteichef sein kann, und bloß nicht zu viel lächeln! Und deswegen auch der leicht verschämt-frivole Blick nach unten auf einem anderen Plakat. Okay, vielleicht liegt meine "Hält der sich für Mr Supersex"-Wahrnehmung daran, dass ich etwas undersexed bin (no comment) - aber es ist doch wirklich so: Andere Politiker zeigen ein offenes, oder ein warmes, oder ein verschmitztes Lächeln, unser Kubicki scheint sich auf seinen Plakaten über Lindners Posen schelmisch zu freuen. Warum also so gewollt megacool?


Ich meine... was genau hat dieses Foto mit "Etwastun" zu tun? Soll es mir suggerieren, dass dieser Mann sein Jackett anzieht und Sachen anpackt, anstatt stillzusitzen? Der mitten auf der Straße läuft, wie man das nun mal macht, und der etwas bewegt (wobei, in diesem Fall eher den Verkehr blockiert)? Soll es das? Then how do you explain this:


Dieses "Wetten, ich trage keine Unterwäsche?"-Bild verstehe ich nicht. Warum zeigt Lindner sich nicht ein wenig menschlicher, wenn das schon so eine "Mr Authentizität"-Kampagne sein soll? Es tut mir leid, aber ich nehme ihn eher als Mr DILF wahr. Oder, der Versuch einer DILF-Inszenierung. Personenkult. Oder wie andere Satiren es auf's Korn genommen haben: "Wer braucht schon Inhalte, wenn man so ein geiler Typ ist?"

Hat die FDP nichts Anderes mehr parat, was sie attraktiv macht? Okay, ich mag Kubicki wirklich gern, er ist so wunderbar bissig. Aber das eine Mal, als ich die Partei gewählt habe, bereue ich schon wieder. Und wenn ich dann in Statistiken sehe, dass gerade einmal etwas mehr als die Hälfte der Mitglieder für eine Gleichstellung beim Adoptionsrecht ist, dann vergeht mir die gute Laune. Vor zwölf Jahren hat diese Partei als Einzige das Konzept der Bildung in ihr Wahlprogramm mit aufgenommen und es ist nichts Gutes dabei herausgekommen. Das hängt mir noch nach, und deswegen landet mein Kreuz nicht mehr bei Gelb.

Da hilft auch kein Möchtegern-DILF.

Donnerstag, 24. August 2017

"Hochbegabung ist eine Gnade."

Das DGHK-Logo - die Deutsche Gesellschaft für das hochbegabte Kind scheint nach Ansicht dieser fiktiven (?) Mutter der einzige Ansprechpartner für Hochbegabte zu sein.

Heute möchte ich mich im Blog mit einer Sichtweise zu meinem Dauerthema auseinandersetzen, die mir so noch nicht begegnet ist und ich möchte sie einfach mal zur Diskussion stellen, bevor ich "einfach nur dagegen" bin. Denn vielleicht habe ich mich in den letzten Jahren etwas zu engstirnig werden lassen, was das angeht.

So las ich vor einiger Zeit einen fiktiven Artikel, nicht geschrieben von der Mutter eines HB-Sohnes. Sie selbst hat sich viel mit dem Thema HB auseinandergesetzt und ihren Sohn über lange Zeit hinweg in der Hinsicht betreut. Sie machte sehr deutlich, wie sie zu dem Thema steht: "Hochbegabung ist eine Gnade - aber kein Freifahrtschein!" Sie erläuterte daraufhin, dass HB toll sei, die Leistungen, die man damit erbringen könnte, seien wesentlich besser als das, "was sonst so abgeliefert wird". Aber das bedeutet nicht, dass einem hochbegabten Menschen völlig ohne Mühe alle Türen offenstünden. Wie man das zu verstehen habe?

Nun, Hochbegabte müssten schon in der Lage sein, sich den Gegebenheiten unterzuordnen. "Entweder, man passt sich an und kommt weiter, oder eben nicht, dann schafft man nichtmal ein Abitur, so ist das eben."

Da mag etwas dran sein. Allerdings ist das nicht die Haltung einer Person, die sich jahrelang mit Hochbegabung auseinandergesetzt hat und nun Expertin darin ist, wie sie behauptet. Zumindest kann ich das nicht verstehen - weil eine andere Person, die ich jedenfalls für eine Expertin halte (nämlich Andrea Brackmann), genau diesen Punkt mit der Anpassung ganz kritisch beleuchtet und herausstellt, wie sehr manche Hochbegabten darunter zu leiden hätten.

Der Sohn jener Hochbegabung-ist-eine-Gnade-Mutter muss sehr anpassungsfähig sein und definitiv keiner von den unerkannten Underachievern, deren Existenz von einigen Lehrkräften gern geleugnet wird. Die Mutter ist auch der Meinung, dass "Hochbegabung nichts mit Schule zu tun hat" - und versteht darunter, dass es nicht Aufgabe der Lehrkräfte ist, Underachievern beizubringen, wie sie für ihre HB Anerkennung ernten könnten - denn das hätten die HBs selbst zu bewerkstelligen, dazu seien sie schließlich intelligent genug.

Vielleicht fragt sich nun der eine oder andere Leser, ob diese Sätze nicht teils zu detailliert sind, um auf einem fiktiven Artikel zu beruhen.

Das kommentiere ich nicht weiter.

post scriptum: Aber immer wieder, in den verschiedensten Situationen, werde ich vor die Wahl gestellt: Passe ich mich an? Sage ich den Menschen, was sie hören wollen? Oder sage ich lieber die Wahrheit? Bleibe ich mir selbst treu? Und verbaue mir damit Chancen und Wege?

Montag, 21. August 2017

Gedreht

"Right" ist hier durchaus zweideutig gemeint...

Es geht mal wieder um Blickwinkel. Wobei, genauer gesagt um Hörwinkel. Oft habe ich hier meine Begeisterung für 5.1-Soundsysteme auf's Tapet gebracht, ich finde das toll, dieses Eintauchen in dreidimensionale, plastische Klangwelten. Gerade weil diese Welten so komplex sind (und umso komplexer, je mehr Kanäle verwendet werden, bis hin zu Hamasaki 22.2), müssen die einzelnen Lautsprecher genau ausgerichtet und aufeinander abgestimmt werden, immer in Relation zum Zuhörer.

Leider ist das in meiner Wohnung nicht so einfach für mich, das liegt an den Gegebenheiten: Die Dachbalken verhindern, dass ich meine Couch irgendwo nach Belieben platzieren kann, die Dachschrägen verhindern, dass ich die Towers der Surround-Lautsprecher passgenau hinstelle. Also habe ich meine Anlage so gut wie möglich aufgestellt und liege bei den Meditationen quer, sozusagen. Ich nehme die Musik als komplex abgemischt wahr, aber die einzelnen "Rollen" der Lautsprecher erkenne ich nicht so, wie vorgesehen. ABER: Das macht überhaupt nichts!

Ich lebe jetzt seit dreieinhalb Jahren in dieser Wohnung und ebenso lange erlebe ich meine Meditationsmusik quasi um neunzig Grad gedreht. Und ich habe überhaupt kein Problem damit. Ich genieße jede Meditation auf's Neue, ich habe mich daran gewöhnt, es funktioniert doch.

Und spätestens jetzt wird die große Buba misstrauisch.

Und vollkommen zu Recht. Heute habe ich zum ersten Mal meine Meditation in der "korrekten" Ausrichtung genossen. Eben wegen oben beschriebener Gegebenheiten musste ich dazu die Schlafcouch ausklappen, mich dann quer drüberlegen und die Füße auf den Couchtisch (mit Kissen) legen. Sozusagen Blick nach vorn, und jeder Lautsprecher nun auch dort, wo er sein sollte. Ich wollte einfach mal probieren, ob es wirklich einen Unterschied macht.

Und das tut es, und zwar gewaltig. Gerade im Zustand der Meditation, wo die Sinne abgeschaltet werden und ich mich vollkommen auf das Hören konzentrieren kann, erlebe ich meine Lieblingsalben nun endlich so, wie sie von den Künstlern konzipiert waren. Es ist, als hätte die Musik eine zusätzliche Dimension gewonnen. Das war ein tolles Erlebnis, und ich denke, ich werde es ab jetzt immer so machen, auch wenn es ein wenig umständlicher ist - mit den Füßen auf dem Couchtisch. Vielleicht finde ich ja nach und nach einen Weg, es zu optimieren.

Und warum überhaupt dieser Nerd-Beitrag? Nun, wie oben angesprochen geht es um Blickwinkel. Zu oft gewöhne ich mich an eine Situation (zum Beispiel die gedrehte Musik), "naja, es geht doch eigentlich!", verliere den Blick dafür, dass jene Situation nicht die optimale Lösung darstellt. Werde zu bequem, das mal zu ändern. Zu unflexibel, zu starr, um den Blick-/Hörwinkel überhaupt zu ändern. "Warum sollte ich irgendwas anders machen? Es läuft doch, never change a winning horse!"

Nun, für mich war das heute eine Lehrstunde, oder besser gesagt eine Erinnerung daran, aufgeschlossen zu bleiben, mich nicht der Bequemlichkeit der Gewohnheiten hinzugeben. Und sei es nur bei einem Nerdthema wie Dr Hilarius und seine komische Meditationsmusik.

Sonntag, 20. August 2017

Do It Yourself!

Das Bild geht bis zur Zimmerdecke hinauf.

Ich habe jüngstens darüber geschrieben, wie Euphorie erzeugt wird, mit oder ohne Zufuhr psychoaktiver Substanzen, in jedem Fall aber durch chemische Abläufe im Gehirn. Ich habe dort sogenannte Happy Events (HE) erwähnt, mittels derer Endorphine freigesetzt werden, die dazu führen, dass wir uns über etwas freuen. Eines dieser HEs ist es für mich, wenn ich in meiner Wohnung etwas selbst geschafft habe.

So habe ich zum Beispiel mein Bett, meine Couch, den Wohnzimmertisch, das TV-Lowboard, die Wandtattoos und vieles mehr selbst zusammengebaut bzw. angebracht. Mit kleinen Schönheitsfehlern, denn ich bin kein Handwerksmeister, aber es fühlt sich einfach toll an, vor dem eigenen Werk zu stehen! Bei Wandregalen oder allen Dingen, wo etwas in die Wand gebohrt werden muss, brauche ich Hilfe, denn ich kann nicht gut mit einer Bohrmaschine umgehen. Oder vielleicht könnte ich es, aber ich traue mich nicht.

Heute habe ich wieder ein Stück Home Improvement abgeschlossen, und zwar ein Fliesenbild im Bad. Ich möchte mehr Farbe in's Bad bringen, und während meine Wohnung von Holz, Glas und Schwarz dominiert wird, habe ich im Bad das Weiß an vielen Stellen durch Blau- und Türkistöne abgelöst und bringe gerade bei Entspannungsbädern durch Dunkelheit und Stimmungslicht noch mehr Farbtöne in's Spiel.

Dieses Fliesenbild ist eine Art Pilotprojekt, ich wollte das einfach einmal ausprobieren. Und so habe ich zwischen acht und zehn Stunden Arbeitszeit (das war eine Scheißarbeit, die Kleber um die ganzen Armaturen herum zurechtzuschneiden!) und neunzig Euro Materialkosten investiert und ich bin bisher ziemlich zufrieden, muss ich sagen. Jede der sechsundfünfzig beteiligten Fliesen ist einzeln beklebt, die Bilder sind abwaschbar und halten scheinbar bombenfest. Ich sollte sie nur nicht mit scharfen Reinigern abwischen. Ich denke, wenn ich irgendwann etwas mehr Geld zur Verfügung habe, bringe ich ein weiteres Motiv auf die Fliesen.

Nett auch in stimmungsvollerem Licht!

Vor diesem Bild zu stehen, es im Hellen oder Dunklen mit Stimmungslicht zu betrachten, zu sehen, wie bei leuchtendem Badewasser die Wellenmuster darauf tanzen, das ist schon großartig. Das trägt dazu bei, dass ich mich hier immer wohler fühle.

Es sieht großartig aus, wenn das Licht der Unterwasserlampe durch die Wasseroberfläche hindurch an die Zimmerdecke und -wand geworfen wird. Dr Hilarius und sein Spielkram...
post scriptum: Hey, Große Buba, sprich' doch mal "Unterwasserlampe" richtig aus!

Samstag, 19. August 2017

Ticket

Richtig schön scheiße geparkt, Dr Hilarius!

Selbst beim Thema Parken fallen mir ein paar Dinge ein - zunächst einmal, dass es in meinem Viertel zum Feierabendverkehr sehr schwer sein kann, einen Parkplatz zu finden. Er wohnt eine Straße weiter, und auch Er hat schon des Öfteren etwas länger suchen müssen. Und manchmal parke ich dann ganz bewusst blöd, so wie auf dem Foto. Das Interessante ist: Wenn ich selbst an einer Kreuzung stehe und wegen eines so dämlich parkenden Fahrzeugs nicht die Seitenstraßen einsehen kann, rege ich mich auf, fange an zu fluchen, Führerschein wohl im Lotto gewonnen! Und mache es dann selbst nicht besser. Die Tickets bezahle ich gern, denn vielleicht lerne ich ja mal daraus.

Was mir noch aufgefallen ist: Früher habe ich immer versucht, einen Parkplatz möglichst nahe bei meiner Haustür zu finden. Der "Sechser im Lotto" war hier der letzte Parkplatz vor dem Parkverbotsschild - fünf Meter zu meiner Tür, perfekt! Aber das hat sich jetzt geändert. Weil ich keine Lust mehr auf den Ampelstress am Waldwiesenkreuz hatte, habe ich mir angewöhnt, über die Rendsburger Landstraße in's Viertel zu fahren. Und nun versuche ich, den Wagen idealerweise direkt vor einer Kreuzung zu parken - Sicherheitsabstand natürlich gewährleistet, oder auch nicht. Jedenfalls mit dem Hintergedanken: Nächstes Mal, wenn ich irgendwohin muss, kann ich direkt den Motor anwerfen und drauflosfahren. Kein Ausparken, kein Wenden in drei Zügen, direkt auf die Straße. Und das gibt mir ein gutes Gefühl. Das mag ein bisschen in Richtung Asperger gehen, aber so ist es nun mal.

Oh, und noch eine Sache zum Parken. Früher ist mir jedesmal, wenn ich sein Auto gesehen habe, womöglich noch direkt vor oder hinter ihm geparkt habe, das Herz in die Hose gerutscht. Keine Ahnung, warum sowas passiert. Das war in einer Phase, in der ich wirklich Angst hatte, Er könne enttäuscht von mir sein, und vielleicht mag Er mich irgendwann nicht mehr. Wenn ich dagegen heute sein Auto parken sehe, gibt es keine weichen Knie mehr, ein kleines Schmunzeln und ich gehe weiter. Ob das ein Zeichen dafür ist, dass ich ein bisschen weiter gekommen bin? Dass ich jetzt nicht mehr so viel Angst habe, dass Er mich nicht mehr mag?

Soviel zur Parkplatzsuche.