Donnerstag, 31. August 2017
Der Teufel und die Fliegen
"Schade, dass du nicht bei uns bleiben kannst. Aber keine Sorge, so ein toller Lehrer wie du findet doch sofort wieder eine Stelle!"
Nein, findet er nicht.
Und darum geht es heute. Wie es sein kann, dass eine junge Lehrkraft mit den besten Referenzen keine Stelle bekommt; das lässt sich nämlich wunderbar erklären.
Ich war bisher an vier Schulen tätig. Ich bin jedesmal auf die gleiche Weise an die Schule gekommen: Es bestand kurzfristiger, dringender Bedarf für Englisch. Da in solchen Situationen jeder Lehrer besser ist als kein Lehrer, haben diese Schulen mich aufgenommen, trotz schwarzen Outfits und komischer Denkweise. Und jedesmal hat es sich an der Schule so entwickelt, dass ich ein beliebter Lehrer geworden bin. Das spricht sich rum, und so ist der Eingangssatz einer Kollegin ganz ehrlich gemeint: So ein beliebter Lehrer findet doch problemlos eine Arbeit!
Tja. Schauen wir uns mal den anderen Fall an. Jenen, bei dem an einer Schule eine Lehrerstelle frei ist und Dr Hilarius sich, wie viele andere auch, darauf bewirbt. Die Auswahlkommission hat also keine Arbeitserfahrungen, sie hat keine Ahnung, dass Dr Hilarius auch an ihrer Schule ein beliebter Lehrer werden könnte. Der einzige Eindruck ist ein halbstündiges Auswahlgespräch, und dabei komme ich nicht gegen die anderen Bewerber an. Mein Outfit schreckt ab ("Der ist wohl gerade aus der Uni, der ist uns noch zu unerfahren"), meine Sprechweise schreckt ab ("Arrogant! Überheblich! Scheint sich für Gottes Geschenk zu halten!").
Da nützt es nichts, dass ich ein Examen mit 1,9 habe (geht definitiv besser). Da nützt es nichts, dass ich Einser-Gutachten in der Tasche habe (kann ja jeder sagen). Da nützt es nichts, dass meine ehemaligen Schulleiter sich bereit erklärt haben, Werbung für mich zu machen - denn den Aufwand, dort anzurufen, macht sich die Auswahlkommission nicht.
Es ist also ganz logisch, dass meine einzige Chance auf eine Lehrerstelle darin besteht, eine Vertretung zu übernehmen ("Ja, wir nehmen Dr Hilarius, in der Not frisst der Teufel Fliegen") und die Schulleitung irgendwie davon zu überzeugen, dass ich eine großartige Bereicherung für ihre Schule wäre.
Dieses Szenario ist nicht gänzlich unrealistisch; in SPO ist es genau so gelaufen. Dort stand letzten Endes eine Entfristung bevor - aber ich bin gegangen, und ich weiß immer noch, was mir dadurch entgeht. Ich vermisse die Nordseeschule wirklich sehr.
Und somit warte ich weiter darauf, dass sich dieses Szenario wiederholt.
post scriptum: Ich habe heute angefangen, "Rime" auf der PS4 zu spielen. Toll, Nostalgie pur, ich fühle mich ganz stark an "Myst" erinnert und genieße jeden Schritt auf dieser unbekannten Insel, jedes Rätsel, das es zu lösen gilt.
Mittwoch, 30. August 2017
Wahltendenzen
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| Sollte es mich beunruhigen, dass meine Haltung immerhin zu fast einem Drittel der der AfD entspricht? |
Es ist nicht mehr lange hin bis zur Bundestagswahl. Seit heute mittag steht für Interessierte wieder der Wahl-O-Mat zur Verfügung. An alle, die ihn noch nicht kennen: Hier erfährt man anhand von achtunddreißig Thesen, welche Parteien der eigenen politischen Meinung am ehesten entsprechen. Natürlich dient das Programm nur zur Information; es soll keine politische Vorschrift geben.
Und so habe ich das Ganze heute ausprobiert und bin ein wenig erstaunt, dass Die Linke am ehesten meine politische Gedankenwelt widerspiegelt, dicht gefolgt von B'90/Grüne. Die Grünen lagen bei meinen Wahlomaten immer recht weit oben. Was mich wirklich ernüchtert ist, dass die Schnittmenge mit der NPD größer ist als mit der FDP - und die hatte ich einst gewählt.
Wie schaut es bei Euch aus? An die Große Buba: Dein Parteienspektrum würde mich mal interessieren. Klick auf den Link da unten, dauert nicht lange.
Hier geht es zum Wahl-O-Mat!
Wie soll man das eigentlich schaffen, junge Menschen dazu zu bringen, sich eine politische Meinung zu bilden? Ich fand Politik immer furchtbar uninteressant, ich kann gar nicht genau festmachen, wann der Schalter in meinem Kopf gekippt ist. Passiert das bei jedem? Zeigt jeder Mensch irgendwann politisches Interesse?
Sonntag, 27. August 2017
Sie ist weg (+Treppen)
Sie ist weg - WEG! ...und ich bin wieder allein, allein...
Meine Generation dürfte sich noch gut an diese Worte der Fantastischen Vier erinnern, die Fantas haben das Gefühl des Verlassenwerdens beschrieben, allerdings auch mit einem selbstkritischen Kommentar über Egozentrik. Klingt wie mein Leben, denn jetzt ist sie weg: Gerade eben in's Auto gestiegen, mit all' ihren Möbeln, Taschen, Bildern, Kissen, Erinnerungen. Und sie hinterlässt während dieser Minuten eine große Lücke in mir, und das ist kein Wunder, denn sie war Die große Buba, oder je nach Standpunkt "die komische dicke Frau da", wenn man keine Ahnung hatte.
Und warum sitze ich jetzt überhaupt am Computer und schreibe diese Zeilen. Eigentlich sollte ich im Auto sitzen, auf dem Weg in diese neue, fremde Stadt, die mir meine Pomsa geklaut hat, und Kisten und Möbel schleppen (schweppedäh). Und ich war ja auch heute morgen pünktlich um halb zehn bei ihr, und mit der Hilfe von ein paar Freunden haben wir dann den Umzugswagen beladen. Das ging sogar relativ einfach, die große Buba hat das ganz gut geplant. Ich war allerdings ehrlich überrascht, wie schwer eine schmale Toploader-Waschmaschine sein kann; meine ganz normale, breite kam mir irgendwie leichter vor.
Aber irgendwann habe ich gemerkt, dass mein Kreislauf nicht so gut mitmacht, wie ich das gern hätte, und das hat auch seine Gründe. Ich habe in den letzten Tagen mal wieder zu wenig gegessen (passiert eben in schwierigen Situationen), und das rächt sich heute. Und somit habe ich mich nach dem Einladen des Wagens davongestohlen und sitze jetzt hier und finde zwischendurch immer mal die geistige Freiheit, diesem Beitrag einen neuen Absatz hinzuzufügen.
Die beiden Träsch-Trüllers, die dicke Frau und die Schwuchtel, kennen sich jetzt seit elf Jahren, und sie behauptet immer noch ihr Märchen vom "Das war sofort klar, dass der schwul ist", mit Leuchtschrift und so, aber soll sie mal, dafür ist sie für mich immer noch Corinna Beilhardt. Wir sind in unserer Freundschaft große Schritte aufeinander zu gegangen, und das war auch nötig. Es hat gedauert, bis wir gemerkt haben, dass wir manche Dinge am Anderen einfach nehmen müssen, wie sie sind, und dass das Umdenken und die Akzeptanz in unserem eigenen Kopf anfangen muss. Und seitdem müssen wir uns einander gegenüber nicht mehr verstellen, keine Notlügen, all sowas, was man "unter Freunden" gern mal macht. Brauchen wir nicht, und das erleichtert ungemein.
Jetzt ist sie nicht mehr einmal über die Straße rüber. Jetzt gibt es erstmal nicht mehr dieses "Du gibst laut, wenn ich rüberkommen soll", kein Monsterplätten, kein Rebecca-sterben-lassen, kein Tetris, während der Hochbegabte rumnerded. So kann man sich das alles einreden, wenn man im Drama Queen-Modus bleiben möchte. Muss anfangs auch mal sein - aber letztlich ist sie nichtmal eine Stunde Zugfahrt entfernt, und wir werden schon bald wieder Monster töten und die Welt retten und uns vor alten Klingelopas vor Angst an die Wand scheißen. Schmeißen. Ich weiß nicht mehr, was ich sagen wollte, aber Grammatik war uns sowieso nie wichtig. Sie versteht Wörter wie "deidäh" und "ni wi wi a a a". Und sie hat Arbeit, also soll sie gefälligst froh sein ;-)
Aber das ist zunächst gar nicht so leicht, wenn man realisiert, dass man eine Menge Leute hinter sich zurücklässt, gerade wenn man ein sehr sozialer Mensch ist. Dann kann man sich in diesen Abschiedsschmerz richtig hineinsteigern, das hatte ich neulich hier beschrieben. Und dann ist es gut, wenn man sich ablenken lassen kann, und als Lehrerin sollte es ihr an Arbeit und Ablenkung eigentlich nicht mangeln.
Und was hat das Ganze nun mit Treppen zu tun? Nun ja, ich erzähle gern, dass ich keine Höhenangst habe, wohl aber Angst vor dem Fallen, und das intensiviert sich, wenn ich mit einer Kiste im Arm eine Treppe hinuntergehe und nicht genau die Stufen sehen kann. Ich habe Schuhgröße neunundvierzig, und wenn die Treppenstufen dann klein und schmal sind, habe ich Angst, dass ich danebentrete, abrutsche, mit dem Fuß nicht ganz auf der Stufe lande oder was noch alles so möglich ist, und dass ich dann in der Konsequenz stürze. Mir ist das heute wieder ganz nah in Erinnerung gerufen worden. Ich möchte in meinem nächsten Leben also gern etwas weniger intelligent und ein Stück kleiner sein (wenn ich Ansprüche stellen darf).
So, nun versuche ich mich an den "Zustand ohne große Buba" zu gewöhnen. Und ich kann mir glücklicherweise in Erinnerung rufen, dass ich zu meiner Zeit in Husum selbst über eine Stunde von ihr entfernt gewohnt habe, wir haben uns nur etwa einmal im Halbjahr gesehen, ansonsten blieb nur das Internet, und dort habe ich mich auch ziemlich einsam gefühlt, und warum genau wollte ich das jetzt nochmal als Trost hier schreiben???
Um mich daran zu erinnern, dass wir auch jene Zeit überlebt haben, und dass auch jene Zeit absehbar war und man nicht für den Rest seines Lebens an einem Ort bleiben muss, bzw. sollte, an dem es einem nicht gefällt.
Auch Du nicht, meine große-Buba-dicke-Tuba-Träsch-Transe-Pomsa-Tittenplatz-Kopfabdreh-Gabybarbie!
Samstag, 26. August 2017
Brunkert
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| Ob Brunkert oder Skinner - der Blick war derselbe. |
Es waren immer nur die Anderen, die Brunkert hatten. Meine Brüder, oder die Parallelklasse, oder der Jahrgang über uns. Und so hörte ich von Brunkert. "Der ist richtig scheiße", hieß es. Der soll seine Schüler beleidigen, sich über sie lustig machen, bei Brunkert bekommt niemand mehr als neun Punkte, das war bekannt. Brunkerts selbstgerechtes, fieses Grinsen, wenn er einen Schüler fertiggemacht hat, das war auch bekannt. Alle hassten Brunkert, das war mir klar, und deswegen hatte ich Angst vor Brunkert. Und deswegen war ich froh, dass immer nur die Anderen ihn hatten. Und deswegen fand ich Schlotfeldt auch gar nicht sooooooo schlimm. Schlotties "Wiiieeeee, das wissen sie nicht???" war halt kein "Tja, du kannst eben nix, damit wirst du da draußen auch nix."
Und dann die Hiobsbotschaft: Nächstes Jahr Erdkunde bei Brunkert. Dürfte nachvollziehbar sein, dass ich die ganze Zeit quasi mit gesenktem Haupt dagesessen habe, Angst, drangenommen zu werden und etwas Falsches zu sagen. Aber in der Klausur, da zeig' ich es ihm, das habe ich mir vorgenommen und gelernt. Gebüffelt wie ein Irrer, stundenlang, das Thema interessierte mich nicht die Bohne! Aber ich wollte es dem Kerl zeigen. Dann kam die Klausur, dann das Ergebnis - neun Punkte. SO EIN SCHEISS! Und dann bin ich auf die Barrikaden gegangen und habe Brunkert gefragt, warum er so schlechte Noten gibt, warum er so fies und gemein zu den Schülern ist - jedenfalls zu denen, die mit seinem "von hinten schräg durch die Brust in's Auge"-Humor nichts anfangen konnten.
Und Brunkert antwortete. Nicht der originalgetreue Wortlaut, daher ohne Anführungszeichen. Weil ich euch auf die Welt da draußen vorbereiten möchte, auf etwas, das sich Realität nennt. Auf fremde Betriebe, die nur pure Leistung bewerten, kein Bemühen, keinen Charakter. Denn ihr seid so glücklich in eurer egozentrischen, wohlbehüteten Welt, in der Mama und Papa alles für euch tun, in der es reicht, ein paar Vokabeln zu lernen und nett zu lächeln für eine gute Note. Das ist ja alles schön und gut, aber so funktioniert die Welt da draußen nicht. Und deswegen möchte ich euch darauf vorbereiten, damit ihr nachher nicht genauso wie begossene Pudel dasteht wie bei dieser Klausur jetzt. Ihr sollt lernen, das zu erwarten, und ihr sollt Respekt vor den euch gestellten Aufgaben lernen.
Ich war so wütend, ich habe fast angefangen zu heulen, weil ich das überhaupt nicht verstanden habe, was Brunkert damit meinte. Wohlbehütete Welt? Sorry, aber meine Jugend fühlte sich für mich nicht wohlbehütet an. Die Welt da draußen? Mann Brunkert, ich mach' mein Abi, dann gehe ich an die Uni, ich muss mich sowieso nicht mit diesen Betrieben auseinandersetzen, du Arsch! Ich habe nichts davon verstanden, auch nicht nach meinem Abi, auch nicht in meinem Grundstudium, noch nichtmal zu meinem ersten Staatsexamen.
Aber Brunkert hatte Recht.
In dem Moment, wo wir uns auf dem freien Arbeitsmarkt befinden, behütet uns niemand mehr. Da geht es unfair und fies zu, da wird einem nichts hinterhergeworfen, da kassiert man Absage um Absage, da interessieren sich die Leute einen Scheiß für mich. Und ich verstehe das nun.
Er hatte vollkommen Recht, wenn man es richtig betrachtet. Von hinten schräg durch die Brust in's Auge.
post scriptum: Wenn man keine Freunde mehr in der Nähe hat, weil alle wegziehen, dann bastelt man sich eben einen neuen Freund aus nicht-newtonschem Fluid, geht ganz schnell und einfach, man kann super mit ihm spielen, man kann ihn schlagen ohne schlechtes Gewissen und ohne dreckig zu werden und er fasziniert einen immer wieder auf's Neue. Ist das nicht toll? Und wer genau so verzweifelt ist, der nehme Speisestärke und Wasser im Verhältnis 1,2 zu 1, geduldig vermengen und Spaß haben. Und wer seinen nichtnewtonschen Freund entsorgen will, lässt ihn entweder trocknen und bröselt ihn dann in den Biomüll oder verflüssigt ihn komplett (wirklich großzügig), bevor er dann in den Ausguss wandert.
ps2: Weil ich so mutig war und das Maul aufgemacht habe, hat Brunkert mir im Zeugnis dann zehn Punkte gegeben.
Freitag, 25. August 2017
Supermodelblick: Mr DILF?
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| "Wer braucht schon Inhalte, wenn man so ein geiler Typ ist?" titeln andere Persiflagen recht treffend... |
Die Partei der freien Demokraten hat sich für eine "geile Sau in natura"-Plakatkampagne entschieden. Daran ist eigentlich nichts Verwerfliches. Außerdem setzt sie darauf, dass bei den Plakaten nichts retuschiert worden ist (natürlich nicht...), will Christian Lindner als einen Mann des Volkes, nahbar, unverfälscht, authentisch zeigen.
Genau. Deswegen hat er diesen "Da hinten um die Ecke ist meine Wohnung"-Blick drauf. Deswegen zieht er sich auf den Plakaten aus und zeigt, wie rank und schlank ein Parteichef sein kann, und bloß nicht zu viel lächeln! Und deswegen auch der leicht verschämt-frivole Blick nach unten auf einem anderen Plakat. Okay, vielleicht liegt meine "Hält der sich für Mr Supersex"-Wahrnehmung daran, dass ich etwas undersexed bin (no comment) - aber es ist doch wirklich so: Andere Politiker zeigen ein offenes, oder ein warmes, oder ein verschmitztes Lächeln, unser Kubicki scheint sich auf seinen Plakaten über Lindners Posen schelmisch zu freuen. Warum also so gewollt megacool?
Dieses "Wetten, ich trage keine Unterwäsche?"-Bild verstehe ich nicht. Warum zeigt Lindner sich nicht ein wenig menschlicher, wenn das schon so eine "Mr Authentizität"-Kampagne sein soll? Es tut mir leid, aber ich nehme ihn eher als Mr DILF wahr. Oder, der Versuch einer DILF-Inszenierung. Personenkult. Oder wie andere Satiren es auf's Korn genommen haben: "Wer braucht schon Inhalte, wenn man so ein geiler Typ ist?"
Hat die FDP nichts Anderes mehr parat, was sie attraktiv macht? Okay, ich mag Kubicki wirklich gern, er ist so wunderbar bissig. Aber das eine Mal, als ich die Partei gewählt habe, bereue ich schon wieder. Und wenn ich dann in Statistiken sehe, dass gerade einmal etwas mehr als die Hälfte der Mitglieder für eine Gleichstellung beim Adoptionsrecht ist, dann vergeht mir die gute Laune. Vor zwölf Jahren hat diese Partei als Einzige das Konzept der Bildung in ihr Wahlprogramm mit aufgenommen und es ist nichts Gutes dabei herausgekommen. Das hängt mir noch nach, und deswegen landet mein Kreuz nicht mehr bei Gelb.
Da hilft auch kein Möchtegern-DILF.
Donnerstag, 24. August 2017
"Hochbegabung ist eine Gnade."
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| Das DGHK-Logo - die Deutsche Gesellschaft für das hochbegabte Kind scheint nach Ansicht dieser fiktiven (?) Mutter der einzige Ansprechpartner für Hochbegabte zu sein. |
Heute möchte ich mich im Blog mit einer Sichtweise zu meinem Dauerthema auseinandersetzen, die mir so noch nicht begegnet ist und ich möchte sie einfach mal zur Diskussion stellen, bevor ich "einfach nur dagegen" bin. Denn vielleicht habe ich mich in den letzten Jahren etwas zu engstirnig werden lassen, was das angeht.
So las ich vor einiger Zeit einen fiktiven Artikel, nicht geschrieben von der Mutter eines HB-Sohnes. Sie selbst hat sich viel mit dem Thema HB auseinandergesetzt und ihren Sohn über lange Zeit hinweg in der Hinsicht betreut. Sie machte sehr deutlich, wie sie zu dem Thema steht: "Hochbegabung ist eine Gnade - aber kein Freifahrtschein!" Sie erläuterte daraufhin, dass HB toll sei, die Leistungen, die man damit erbringen könnte, seien wesentlich besser als das, "was sonst so abgeliefert wird". Aber das bedeutet nicht, dass einem hochbegabten Menschen völlig ohne Mühe alle Türen offenstünden. Wie man das zu verstehen habe?
Nun, Hochbegabte müssten schon in der Lage sein, sich den Gegebenheiten unterzuordnen. "Entweder, man passt sich an und kommt weiter, oder eben nicht, dann schafft man nichtmal ein Abitur, so ist das eben."
Da mag etwas dran sein. Allerdings ist das nicht die Haltung einer Person, die sich jahrelang mit Hochbegabung auseinandergesetzt hat und nun Expertin darin ist, wie sie behauptet. Zumindest kann ich das nicht verstehen - weil eine andere Person, die ich jedenfalls für eine Expertin halte (nämlich Andrea Brackmann), genau diesen Punkt mit der Anpassung ganz kritisch beleuchtet und herausstellt, wie sehr manche Hochbegabten darunter zu leiden hätten.
Der Sohn jener Hochbegabung-ist-eine-Gnade-Mutter muss sehr anpassungsfähig sein und definitiv keiner von den unerkannten Underachievern, deren Existenz von einigen Lehrkräften gern geleugnet wird. Die Mutter ist auch der Meinung, dass "Hochbegabung nichts mit Schule zu tun hat" - und versteht darunter, dass es nicht Aufgabe der Lehrkräfte ist, Underachievern beizubringen, wie sie für ihre HB Anerkennung ernten könnten - denn das hätten die HBs selbst zu bewerkstelligen, dazu seien sie schließlich intelligent genug.
Vielleicht fragt sich nun der eine oder andere Leser, ob diese Sätze nicht teils zu detailliert sind, um auf einem fiktiven Artikel zu beruhen.
Das kommentiere ich nicht weiter.
post scriptum: Aber immer wieder, in den verschiedensten Situationen, werde ich vor die Wahl gestellt: Passe ich mich an? Sage ich den Menschen, was sie hören wollen? Oder sage ich lieber die Wahrheit? Bleibe ich mir selbst treu? Und verbaue mir damit Chancen und Wege?
Montag, 21. August 2017
Gedreht
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| "Right" ist hier durchaus zweideutig gemeint... |
Es geht mal wieder um Blickwinkel. Wobei, genauer gesagt um Hörwinkel. Oft habe ich hier meine Begeisterung für 5.1-Soundsysteme auf's Tapet gebracht, ich finde das toll, dieses Eintauchen in dreidimensionale, plastische Klangwelten. Gerade weil diese Welten so komplex sind (und umso komplexer, je mehr Kanäle verwendet werden, bis hin zu Hamasaki 22.2), müssen die einzelnen Lautsprecher genau ausgerichtet und aufeinander abgestimmt werden, immer in Relation zum Zuhörer.
Leider ist das in meiner Wohnung nicht so einfach für mich, das liegt an den Gegebenheiten: Die Dachbalken verhindern, dass ich meine Couch irgendwo nach Belieben platzieren kann, die Dachschrägen verhindern, dass ich die Towers der Surround-Lautsprecher passgenau hinstelle. Also habe ich meine Anlage so gut wie möglich aufgestellt und liege bei den Meditationen quer, sozusagen. Ich nehme die Musik als komplex abgemischt wahr, aber die einzelnen "Rollen" der Lautsprecher erkenne ich nicht so, wie vorgesehen. ABER: Das macht überhaupt nichts!
Ich lebe jetzt seit dreieinhalb Jahren in dieser Wohnung und ebenso lange erlebe ich meine Meditationsmusik quasi um neunzig Grad gedreht. Und ich habe überhaupt kein Problem damit. Ich genieße jede Meditation auf's Neue, ich habe mich daran gewöhnt, es funktioniert doch.
Und spätestens jetzt wird die große Buba misstrauisch.
Und vollkommen zu Recht. Heute habe ich zum ersten Mal meine Meditation in der "korrekten" Ausrichtung genossen. Eben wegen oben beschriebener Gegebenheiten musste ich dazu die Schlafcouch ausklappen, mich dann quer drüberlegen und die Füße auf den Couchtisch (mit Kissen) legen. Sozusagen Blick nach vorn, und jeder Lautsprecher nun auch dort, wo er sein sollte. Ich wollte einfach mal probieren, ob es wirklich einen Unterschied macht.
Und das tut es, und zwar gewaltig. Gerade im Zustand der Meditation, wo die Sinne abgeschaltet werden und ich mich vollkommen auf das Hören konzentrieren kann, erlebe ich meine Lieblingsalben nun endlich so, wie sie von den Künstlern konzipiert waren. Es ist, als hätte die Musik eine zusätzliche Dimension gewonnen. Das war ein tolles Erlebnis, und ich denke, ich werde es ab jetzt immer so machen, auch wenn es ein wenig umständlicher ist - mit den Füßen auf dem Couchtisch. Vielleicht finde ich ja nach und nach einen Weg, es zu optimieren.
Und warum überhaupt dieser Nerd-Beitrag? Nun, wie oben angesprochen geht es um Blickwinkel. Zu oft gewöhne ich mich an eine Situation (zum Beispiel die gedrehte Musik), "naja, es geht doch eigentlich!", verliere den Blick dafür, dass jene Situation nicht die optimale Lösung darstellt. Werde zu bequem, das mal zu ändern. Zu unflexibel, zu starr, um den Blick-/Hörwinkel überhaupt zu ändern. "Warum sollte ich irgendwas anders machen? Es läuft doch, never change a winning horse!"
Nun, für mich war das heute eine Lehrstunde, oder besser gesagt eine Erinnerung daran, aufgeschlossen zu bleiben, mich nicht der Bequemlichkeit der Gewohnheiten hinzugeben. Und sei es nur bei einem Nerdthema wie Dr Hilarius und seine komische Meditationsmusik.
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