Sonntag, 20. August 2017

Do It Yourself!

Das Bild geht bis zur Zimmerdecke hinauf.

Ich habe jüngstens darüber geschrieben, wie Euphorie erzeugt wird, mit oder ohne Zufuhr psychoaktiver Substanzen, in jedem Fall aber durch chemische Abläufe im Gehirn. Ich habe dort sogenannte Happy Events (HE) erwähnt, mittels derer Endorphine freigesetzt werden, die dazu führen, dass wir uns über etwas freuen. Eines dieser HEs ist es für mich, wenn ich in meiner Wohnung etwas selbst geschafft habe.

So habe ich zum Beispiel mein Bett, meine Couch, den Wohnzimmertisch, das TV-Lowboard, die Wandtattoos und vieles mehr selbst zusammengebaut bzw. angebracht. Mit kleinen Schönheitsfehlern, denn ich bin kein Handwerksmeister, aber es fühlt sich einfach toll an, vor dem eigenen Werk zu stehen! Bei Wandregalen oder allen Dingen, wo etwas in die Wand gebohrt werden muss, brauche ich Hilfe, denn ich kann nicht gut mit einer Bohrmaschine umgehen. Oder vielleicht könnte ich es, aber ich traue mich nicht.

Heute habe ich wieder ein Stück Home Improvement abgeschlossen, und zwar ein Fliesenbild im Bad. Ich möchte mehr Farbe in's Bad bringen, und während meine Wohnung von Holz, Glas und Schwarz dominiert wird, habe ich im Bad das Weiß an vielen Stellen durch Blau- und Türkistöne abgelöst und bringe gerade bei Entspannungsbädern durch Dunkelheit und Stimmungslicht noch mehr Farbtöne in's Spiel.

Dieses Fliesenbild ist eine Art Pilotprojekt, ich wollte das einfach einmal ausprobieren. Und so habe ich zwischen acht und zehn Stunden Arbeitszeit (das war eine Scheißarbeit, die Kleber um die ganzen Armaturen herum zurechtzuschneiden!) und neunzig Euro Materialkosten investiert und ich bin bisher ziemlich zufrieden, muss ich sagen. Jede der sechsundfünfzig beteiligten Fliesen ist einzeln beklebt, die Bilder sind abwaschbar und halten scheinbar bombenfest. Ich sollte sie nur nicht mit scharfen Reinigern abwischen. Ich denke, wenn ich irgendwann etwas mehr Geld zur Verfügung habe, bringe ich ein weiteres Motiv auf die Fliesen.

Nett auch in stimmungsvollerem Licht!

Vor diesem Bild zu stehen, es im Hellen oder Dunklen mit Stimmungslicht zu betrachten, zu sehen, wie bei leuchtendem Badewasser die Wellenmuster darauf tanzen, das ist schon großartig. Das trägt dazu bei, dass ich mich hier immer wohler fühle.

Es sieht großartig aus, wenn das Licht der Unterwasserlampe durch die Wasseroberfläche hindurch an die Zimmerdecke und -wand geworfen wird. Dr Hilarius und sein Spielkram...
post scriptum: Hey, Große Buba, sprich' doch mal "Unterwasserlampe" richtig aus!

Samstag, 19. August 2017

Ticket

Richtig schön scheiße geparkt, Dr Hilarius!

Selbst beim Thema Parken fallen mir ein paar Dinge ein - zunächst einmal, dass es in meinem Viertel zum Feierabendverkehr sehr schwer sein kann, einen Parkplatz zu finden. Er wohnt eine Straße weiter, und auch Er hat schon des Öfteren etwas länger suchen müssen. Und manchmal parke ich dann ganz bewusst blöd, so wie auf dem Foto. Das Interessante ist: Wenn ich selbst an einer Kreuzung stehe und wegen eines so dämlich parkenden Fahrzeugs nicht die Seitenstraßen einsehen kann, rege ich mich auf, fange an zu fluchen, Führerschein wohl im Lotto gewonnen! Und mache es dann selbst nicht besser. Die Tickets bezahle ich gern, denn vielleicht lerne ich ja mal daraus.

Was mir noch aufgefallen ist: Früher habe ich immer versucht, einen Parkplatz möglichst nahe bei meiner Haustür zu finden. Der "Sechser im Lotto" war hier der letzte Parkplatz vor dem Parkverbotsschild - fünf Meter zu meiner Tür, perfekt! Aber das hat sich jetzt geändert. Weil ich keine Lust mehr auf den Ampelstress am Waldwiesenkreuz hatte, habe ich mir angewöhnt, über die Rendsburger Landstraße in's Viertel zu fahren. Und nun versuche ich, den Wagen idealerweise direkt vor einer Kreuzung zu parken - Sicherheitsabstand natürlich gewährleistet, oder auch nicht. Jedenfalls mit dem Hintergedanken: Nächstes Mal, wenn ich irgendwohin muss, kann ich direkt den Motor anwerfen und drauflosfahren. Kein Ausparken, kein Wenden in drei Zügen, direkt auf die Straße. Und das gibt mir ein gutes Gefühl. Das mag ein bisschen in Richtung Asperger gehen, aber so ist es nun mal.

Oh, und noch eine Sache zum Parken. Früher ist mir jedesmal, wenn ich sein Auto gesehen habe, womöglich noch direkt vor oder hinter ihm geparkt habe, das Herz in die Hose gerutscht. Keine Ahnung, warum sowas passiert. Das war in einer Phase, in der ich wirklich Angst hatte, Er könne enttäuscht von mir sein, und vielleicht mag Er mich irgendwann nicht mehr. Wenn ich dagegen heute sein Auto parken sehe, gibt es keine weichen Knie mehr, ein kleines Schmunzeln und ich gehe weiter. Ob das ein Zeichen dafür ist, dass ich ein bisschen weiter gekommen bin? Dass ich jetzt nicht mehr so viel Angst habe, dass Er mich nicht mehr mag?

Soviel zur Parkplatzsuche.

Freitag, 18. August 2017

Ein ungutes Gefühl

Eine Geste, die mittlerweile weltweit bekannt ist - die Merkel-Raute

Jetzt auch in einem aktuellen Youtube-Netzinterview gefragt, warum sie gegen die Ehe für alle gestimmt habe, wiederholt Angela Merkel ihr ständiges Credo - das sehe das Grundgesetz nun mal nicht so vor und dass sie "ein ungutes Gefühl im Bauch" habe (wenngleich nicht mehr expressis verbis). Und ich frage mich, wie diese nichtssagende Dame (entschuldigung, aber ist es nicht so?) nach all den jüngsten Entwicklungen in der Politik, nach all den gesellschaftspolitischen Umschwüngen in dieser Thematik weltweit immer noch so halsstarrig-merkelrautig bei ihrer Ansicht bleibt. Liegt das am Alter? Ist es vielleicht so, dass ältere Menschen generell ihre Meinung nicht mehr so einfach ändern können - oder wollen?

Betrachten wir den Fall von Frau Liebe (Name geändert et requiescat in pace, scheiß auf Grammatik), mit der ich während meines Zivildienstes jede Woche dreimal einkaufen und Eis essen gegangen bin. Eine nette alte Dame, damals Anfang achtzig, und noch sehr von der alten Schule. So konnte sie zum Beispiel "mit de Schwatten" nie so richtig viel anfangen, die mochte sie nicht so. Und eigentlich, diese Schwulen, das war ihr auch einigermaßen fremd. Aber irgendwann hatte sie mal mit zwei Schwulen Kaffee getrunken und festgestellt, dass die gar nicht so komisch sind. Im Gegenteil, die waren sehr höflich "und man konnte sich richtig gut mit denen unterhalten!" - und ich habe Frau Liebe gesagt, dass das doch mal eine schöne Erkenntnis ist, und dass ich ihr da nur zustimmen konnte. Frau Liebe war in mich als Zivi vernarrt. Ich war damals ungeoutet und hatte auch keine Schwuppen-Leuchtschrift über dem Kopf, wie die verrückte Tuba manchmal behauptet. Eigentlich immer. Frau Liebe hat also noch gelernt, umzudenken.

Und auch meine eigene Oma, die jetzt in den Neunzigern steckt, der ich vor einigen Monaten dann mal erzählt habe, dass ich mich in einen Mann verliebt habe, und ein paar Jahre zuvor hatte meine Tante ihr das auch schon gesteckt. Und meine Oma findet das so toll - ich zitiere aus ihrer Geburtstagskarte, die mich vor ein paar Tagen erreicht hat:

"Lieber Dr Hilarius! Ich wollte Dir für's neue Lebensjahr noch alles Gute wünschen. Ich bin nicht mehr so stabil, habe zu wenig Courage. Nicht mal eine schöne Geburtstagskarte habe ich hier! Aber ich denke öfter an Dich und wünsche Dir von Herzen viel Glück beruflich und auch sonst. (...)"

Abgesehen davon, dass ich mich wahnsinnig gefreut habe über die Karte, handschriftlich selbst geschrieben, was meiner Oma mittlerweile sehr schwer fällt, sind da diese drei Worte "und auch sonst", und ich weiß genau, worauf sie sich bezieht. Und wünschte mir nichts sehnlicher, als dass ich ihr noch zu Lebzeiten sagen könnte, dass ich sowohl im Beruflichen als auch im Privaten glücklich geworden bin. Meine Oma hat da mit bald Mitte Neunzig kein ungutes Bauchgefühl.

Warum also Angela? Warum dieses unbeugsame, sich stetig diesem Fortschritt verweigernde Getue? Diese Ablehnung, die nur noch von der AfD (non requiescat in pace, sed requiescat nihilominus) übertroffen wird - und selbst die FDP lehnt das gemeinsame Adoptionsrecht zu einem großen Prozentsatz ab. Wenn selbst die leicht fehlbesetzte Marianne Mortler als Drogenbeauftragte der Bundesregierung sich (mit granitschwerer Träge) der Freigabe von Cannabis zu medizinischen Zwecken geöffnet hat - was der CDU immer ein Dorn im Auge war - warum streikt die Kanzlerin gerade bei so einem humanen Thema?

Ein ungutes Gefühl im Bauch... das hätte ich auch, am vierundzwanzigsten September, wenn ich mich kreuztechnisch der Bundes-CDU anschlösse. Auf Landesebene hätte ich es fast gemacht und befürworte Günthers Arbeit. Aber Landes- und Bundespolitik sind nun mal zwei unterschiedliche Bühnen.

Geht wählen. Wer sein Kreuz nicht setzt, hat keinerlei Recht, sich zu beschweren. Noch gut einen Monat...

Mittwoch, 16. August 2017

Es ist doch alles scheiße! ...oder???

Irgendwie sind fast immer die Anderen scheiße, die Mitmenschen, die Mücken, das Wetter, die Börsenkurse, die Benzinpreise...

Vor nicht allzu langer Zeit habe ich mich hier im Blog darüber aufgeregt, warum ich das alles überhaupt mache. Warum engagiere ich mich, warum opfere ich meine wertvolle Zeit für Andere, warum bin ich trotz aller Egozentrik immer noch für Andere da, wenn ich doch eh' nichts davon habe. Wenn die Welt da draußen doch eh' scheiße ist. Wenn Er sich dauernd einreden lässt, ich tue ihm nicht gut und sei eine Gefahr, wenn Schulen der Meinung sind, man könne mich nicht auf die Schüler loslassen. Und meine Dachgeschosswohnung ist im Sommer zu heiß und im Winter zu kalt, und irgendwas finde ich immer, über das ich mich aufregen kann.

Vor Jahren habe ich dazu ein kurzes Video von Pema Chödrön gesehen, eine buddhistische Nonne, die in einem kurzen Beitrag genau das thematisiert, und das hat sie so anschaulich gemacht, dass ich dieses Video immer bei mir habe und mich zwischendurch daran erinnere und es wieder anschaue, wenn ich schon wieder alles um mich herum nervig finde und mich aufregen möchte:


Was sie sagt, ist grundvernünftig, erfordert aber die Bereitschaft, an sich selbst zu arbeiten, und auch wenn viele Menschen von sich behaupten, ja na klar, natürlich entwickele ich mich weiter, natürlich lerne ich, mit den Umständen umzugehen - oft ist es nichts weiter als ein Lippenbekenntnis.

Warum ich heute mal wieder dieses Video poste - eine Bekannte hat einen Ausschnitt eines Vortrags von Vera Birkenbihl gepostet, die ich für eine wunderbare Motivationstrainerin halte, die nun leider nicht mehr unter uns weilt. Auch Birkenbihl hat immer wieder klargemacht, dass wir meistens an uns selbst arbeiten müssen, wenn sich uns ein Problem eröffnet.

Ich habe das auch im Umgang mit ihm gemerkt - gern habe ich behauptet, Er trage durch sein Fehlverhalten die Verantwortung für die Probleme in unserer Kommunikation, und erst in unserer langen Pause jetzt habe ich mal gründlich über meine Verantwortung nachgedacht und festgestellt, dass ich Vieles an meiner Denkweise und an meinem Handeln ändern sollte. Seitdem trete ich ihm mit einer anderen Haltung gegenüber. Das heißt nicht, dass jetzt alle Probleme geklärt sind, denn diesen Schritt der Selbstveränderung, den hat Er noch zu gehen, und das kann noch eine ganze Weile dauern, solange Er denkt, dass Er alles richtig macht, indem Er Anderen nach dem Mund redet (denn dadurch können sie ja nicht von ihm enttäuscht sein, also müsste das doch eigentlich ein gutes Verhalten sein). Aber genug davon.

Diese Welt ist wesentlich einfacher zu händeln, und wesentlich besser zu ertragen, zu genießen, wesentlich leichter mit dem von Buddha geforderten Lächeln zu durchwandern, wenn man lernt, sich selbst auf die Unwägbarkeiten des Lebens einzustellen. Ich glaube, es kann helfen, das irgendwann einzusehen.

Montag, 14. August 2017

Glücklich durch Chemie


Ich denke mal, ein nicht kleiner Teil der Leser wird bei dieser Überschrift an Drogen denken. Um die geht es allerdings erst in zweiter Instanz: Es geht darum, wie Glücklichsein funktioniert, anhand von Serotonin (gibt natürlich auch noch Dopamin, aber ich möchte diesen Artikel kurz halten). Ich möchte ein bisschen aufklären, weil ich selbst das ganz spannend fand - was wiederum bedeuten könnte, dass es für Normalbegabte langweilig ist.

(Im Kopf der großen Buba läuft jetzt Tetris-Musik, das passiert immer, wenn ich abhebe und irgendwelche Sachverhalte erkläre, die sie nicht versteht - und das passiert regelmäßig, weil ich nie weiß, wo die Grenze zwischen "Normalwissen" und "Spezialwissen" ist - hat mein Lateinmentor im Ref innerhalb einer Woche sofort bemerkt.)

Ich bin weder Arzt, noch Chemiker; alles, was ich hier schreibe, ist mit einem gesunden Misstrauen zu goutieren. 

Ich mache gern Dinge, die mir Spaß machen. Achterbahn fahren, Videospiele, Rätsel lösen, Musik hören. Was heißt das eigentlich, "die mir Spaß machen"? Was passiert da im Gehirn? Warum bin ich nach einer Achterbahnfahrt glücklicher als vorher? Ich benutze in diesem Artikel den Begriff Happy Event (HE). Eine Achterbahnfahrt ist für mich ein HE - das bedeutet aber nicht, dass es für alle Menschen so ist, manche empfinden ein Grauen davor (und ich muss immer wieder darauf achten, nicht von mir auf Andere zu schließen).

Für meine Mutter ist ein Gang durch ihren Garten ein HE, für meinen Vater eine Zigarre am Abend. Es ist auch ein HE für mich, wenn ich ein besonders kniffliges Rätsel gelöst habe. Dann wird im Gehirn Serotonin freigesetzt. Machen wir es bildlich: Die Serotoninspeicher sind Körbe mit Tennisbällen, die Tennisbälle sind das Serotonin. Bei einem HE wird der Korb umgekippt und das ganze Serotonin rollt durch die Gegend: Wir sind glücklich.

Irgendwann merkt aber der Hausmeister, dass die Tennisbälle überall herumliegen, und er sammelt sie nach und nach ein und legt sie in den Korb zurück: Die Euphorie legt sich. Und das ist auch gut so! Wenn nämlich das Serotonin nicht in die Speicher wiederaufgenommen würde, wäre ich zwar glücklich, dauerglücklich sogar - aber der Zustand würde zur Normalität werden und ich würde es nicht mehr als glücklich empfinden.

Dieser Tennisball-Kreislauf kann aber aus unterschiedlichsten Gründen gestört sein. Zum Beispiel räumt der Hausmeister viel zu schnell auf und die Euphorie hält nur für einen kurzen Moment. Oder aber der Korb kann gar nicht erst umgekippt werden. Dann bleiben die Tennisbälle drin und man freut sich gar nicht erst über ein HE. Bei Menschen mit Depressionen können solche Störungen im Serotoninsystem vorliegen.

Zum Glück ist die Medizin einen guten Schritt weiter gekommen. Es gibt eine Vielzahl an serotonergen Substanzen, die in das Serotoninsystem eingreifen (Herr Leinhos weiß natürlich, dass sich das "-erg" vom griechischen érgon ableitet). So gibt es zum Beispiel sogenannte selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (selective serotonin reuptake inhibitors - SSRI). Sie bewirken, dass die Tennisbälle nach einem HE nicht so schnell wieder in den Korb gelegt werden können. So schafft man es - je nach Substanz über einen längeren Zeitraum - das Glücklichsein zu erzeugen bzw. verlängern. Solche Substanzen werden als Antidepressiva (AD) bezeichnet.

Leider haben ADs keinen guten Ruf. Die Menschen wollen ohne Chemie klarkommen, sie wollen keine Medikamente nehmen. Aus persönlichen Gründen, denn mit Sachlichkeit hat das nichts mehr zu tun. Und damit ist nicht zu spaßen: Der amerikanische Autor David Foster Wallace (Infinite Jest) hat nach Jahren, in denen er ADs genommen hat, das Medikament abgesetzt. Die Depressionen sind zurückgekommen, und zwar so stark, dass er sich das Leben genommen hat.

Also, eigentlich wollte ich mit diesem Beitrag nur darauf aufmerksam machen, dass Glücklichsein genaugenommen eine Abfolge von chemischen Reaktionen ist. Ich finde das faszinierend.

Und bei der großen Buba läuft gerade wieder Tetris.

Samstag, 12. August 2017

Immer an meiner Seite: Die Neurodermitis

Sie kann grausam sein. Sehr grausam. Aber dagegen kann man etwas tun.

Willkommen im Land der chronischen Krankheiten, irgendwie klingt das gar nicht so schlimm, fast schon entspannt. Es kommt halt immer darauf an, in was für Worte man die Umstände hüllt - man könnte auch sagen, diese Krankheiten gelten als unheilbar. Und schon klingt es wie ein Todesurteil. Die große Buba hat eine solche Krankheit: Migräne. Abgeleitet aus den altgriechischen Worten für halb und Kopf, ist das etwas ganz Anderes als Kopfschmerzen. Kopfschmerzen tauchen mal auf, Aspirin und fertig. Die Migräne ist immer mit dabei, die große Buba hat ihr einen Namen gegeben: Medusa.

Das mag für manch' einen Menschen albern klingen (wer gibt seiner Krankheit schon Namen???), ist aber sehr vernünftig. Wenn man schon an einer unheilbaren Krankheit leidet, dann sollte man sie akzeptieren und in sein Leben zu integrieren versuchen. Das macht jeder Mensch auf seine eigene Weise. Ich finde den Umgang der großen Buba mit ihrer Medusa toll.

Ich leide auch an einer unheilbaren Krankheit, nämlich der Neurodermitis, und wie ich schon häufiger im Blog geschrieben habe, vermute ich einen Zusammenhang zwischen Hochbegabung und Neurodermitis. Irgendwas mit der Überempfindlichkeit von Nerven oder so, vielleicht. Deswegen frage ich Schüler, bei denen ich eine Hochbegabung vermute, ob sie Neurodermitiker sind. Oft höre ich "Ja, Neurodermitis hatte ich früher mal, aber jetzt nicht mehr..." - sorry, aber dann hast du sie immer noch. Aber du hast sie unter Kontrolle bekommen, und das ist auch gut so.

Ärzte nennen sie auch das atopische Ekzem, und das trifft es ganz gut: a-topisch bedeutet, dass das Ekzem keinen festen Platz hat. Es ist sozusagen immer im Körper vorhanden, manifestiert sich aber an den unterschiedlichsten Stellen. Das können blutende Ohrläppchen sein, verkrustete Mundwinkel, Quaddeln am ganzen Körper - oder lange, blutige Schrammen an Armen und Beinen als Symptom des Kratzens, um den Juckreiz zu bekämpfen.

Ich bin der Medizin und Tradition unendlich dankbar, dass es Mittel und Wege gibt, die Krankheit zu behandeln, so dass ich in langen Phasen gar nichts mehr von ihr bemerke. Nun ist es mal wieder soweit, ich habe einen Schub. Das kann passieren, potentielle Auslöser gibt es viele: Zuviel Zucker in der Nahrung, zuviel geduscht, privater oder beruflicher Stress. Ich habe mir über die Jahre hinweg Verhaltensweisen angeeignet, um mit einem Schub umzugehen - vielleicht kann das hier ja jemandem helfen:

- Ich stelle meine Ernährung radikal um und reduziere Zucker auf ein Minimum. Manchmal bedeutet das für mich, dass es nur noch Wasser und Brot gibt - und das ist wesentlich besser, als es klingt!

- Ich nehme zweimal in der Woche ein Bad, in dem ich Totes-Meer-Salz aufgelöst habe (gibt es sehr günstig) und ein spreitendes Mandelöl zugebe. Dadurch bekommt die Haut einen schützenden Ölfilm und trocknet nicht so schnell aus.

- In Phasen, in denen ich mich nicht mehr beherrschen kann, in denen der Juckreiz so stark ist, dass ich unbedingt kratzen muss, ziehe ich dicke Handschuhe dabei an. Dadurch wird aus dem Kratzen eher ein Reiben und es bleiben nicht so viele blutige Schrammen zurück.

Ich habe meiner Neurodermitis noch keinen Namen gegeben, mal schauen, vielleicht fällt mir irgendwas Nettes ein. Jetzt jedenfalls habe ich erstmal einen Anreiz, nicht mehr so viel Süßes in mich reinzustopfen. Etwa nach einer Woche dürfte der Effekt spürbar sein, und bis dahin gilt: Durchhalten!

Die Krankheit ist Bestandteil meines Lebens, also jammere ich nicht mehr ganz so viel darüber herum wie früher, sondern akzeptiere sie. Wer Elisabeth Kübler-Ross kennt, weiß, dass das der ideale Umgang mit der Situation ist.

post scriptum: Vermutlich wird Herr Leinhos mich gleich korrigieren, weil ich etymologisch geschlampt habe. Und ich möchte mich auf diesem Wege noch einmal bei Allen bedanken, die mir zum Geburtstag gratuliert haben!