Donnerstag, 30. April 2020

Die Phantom-Maske


Schwitzen - das war mein erster Eindruck in der Stadt unter Maskenpflicht. Dabei hat dieses Gefühl mit Schwitzen natürlich gar nichts zu tun, es ist der warme, feuchte Atem, der sich in der Maske verfängt, und es gibt schönere Gefühle, denke ich mal. Jedenfalls war es sehr befreiend, als ich fernab der Menschen die Maske wieder abnehmen konnte. Immerhin: Ich habe fast keine Menschen gesehen, die sich nicht daran halten. In allen Formen und Farben, und nicht selten sieht es aus, als hätte ein Mensch sich Unterwäsche über den Kopf gezogen.

Das Schwitzgefühl mag ein negativer Aspekt der aktuellen Situation sein, aber ich bin von einer Sache ganz positiv überrascht, nämlich der Hilfsbereitschaft. Plötzlich gehen viele Menschen an die Nähmaschinen und nähen Masken für ihre Mitmenschen zurecht. Eine Kollegin an meiner Schule hat allen angeboten, für Masken zu sorgen, und das fand ich richtig toll. Das ist dann die große Stunde der Näher, und Stoffmasken sind insofern besser als manch' andere, als dass man sie waschen kann.

Wieder einmal ein Moment, in dem ich stolz bin, dass meine Mutter mir beigebracht hat, wie vielseitig Stoffwindeln sind, große weiße Baumwolltücher, strapazierfähig und können gekocht werden, und sie trocknen extrem schnell. Seit fast siebenunddreißig Jahren für mich eine tolle Alternative zum Taschentuch, und jetzt kann ich jeden Tag eines dieser Tücher nehmen und am Wochenende einmal alle durchwaschen.

Eine interessante Erfahrung gab es eben in der Meditation - in der Phase gibt es nichts, was meinen Körper bedeckt, um mich möglichst frei zu fühlen. Dennoch hatte ich auf dem Gesicht immer noch eine Art Kribbeln, es fühlte sich an, als ob ich immer noch eine Maske aufgesetzt habe. Die Haut gewöhnt sich scheinbar an solche Gefühle, und das Gehirn kann sie auch registrieren, wenn die Kleidung nicht mehr angelegt ist. Erinnert mich an Phantomschmerzen.

Bleibt gesund!

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