Donnerstag, 26. Mai 2022

Kuh


best science fiction films 2021 rotten tomatoes

best psychological thrillers rotten tomatoes

best horror films 2022 rotten tomatoes

Das sind ganz klassische Suchanfragen, die ich Google stelle, wenn ich mir einen neuen Film anschauen möchte, und so war ich auch heute wieder auf der Suche. Da waren interessante Filme dabei, die ich noch nicht kannte (es ist sehr schade, dass man irgendwann die Besten alle kennt), über ein Attentat auf den amerikanischen Präsidenten, über einen afroamerikanischen Polizisten, der einen Mord in einer Kleinstadt aufklären soll und mit Rassismus konfrontiert wird, und dann fällt mir ein, dass mir ein anderer Film in den letzten Tagen häufiger untergekommen ist und dass ich heute eigentlich keinen Thriller brauche. Ich entscheide mich für ein anderes Genre - mit einem tollen Filmerlebnis.

Im Stil einer Dokumentation zeigt der Film Cow (2021) Szenen aus dem Leben einer Kuh - erfrischend unsentimental, einfach sachlich, fast komplett ohne Dialoge und es gibt keinerlei talking heads. Die subjektive Kamera zeigt uns das Leben einer Milchkuh. Wir sehen, wie sie kalbt. Zweimal. Wir sehen, wie sie frisst, hören, wie sie atmet. Das klingt unglaublich langweilig.

Aber es ist wie mit den Filmen Andrej Tarkovskys: Lange Szenen geben einen Denkimpuls und lassen uns als Zuschauer dann reichlich Zeit, ernsthaft philosophisch nachzudenken. Und so habe ich heute auch viel nachgedacht, während ich mir angeschaut habe, wie diese friedliche Kuh täglich zum Melken geführt wird, wie eine Maschine sie zur Seite klappt, damit ihre Hufe gefeilt werden können, wie sie mit einem Zuchtbullen zusammengebracht wird, wie sie Milch gibt, frisst, und irgendwann schleicht sich dieser Gedanke ein:

Wir holen uns also nüchtern nach Zyklen berechnet aus dieser Kuh (mit dem Namen Luma) möglichst viele Kälber heraus (sechs). Wir pumpen aus ihr so viel Milch heraus wie möglich. Jeden Tag. Und jedes Jahr ein neues Kalb. Das Ende ist natürlich erwartbar, Luma hat inzwischen ein riesiges Euter, sie kann kaum noch geradeaus gehen, also führt der Bauer sie in eine Scheune, gibt ihr einen Eimer mit Kraftfutter, verschwindet kurz, kommt mit Kopfhörern wieder und erschießt die Kuh, die - unsentimental - umfällt und ihr Leben aushaucht. Und ich frage mich, wie wir eigentlich mit Tieren umgehen.

Ein ganz großartiger Film, gerade weil kein Kitsch dabei ist, keine romantische Verklärung der fröhlichen Milchkuh auf der grünen Weide, sondern cinéma vérité - beobachten und zum ernsthaften Nachdenken anregen.

Das schafft kaum ein Thriller.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen