Donnerstag, 27. März 2025

Und wieder arbeitslos :-(


Da rollen doch tatsächlich ein paar Tränchen, aber diesmal trifft mich der Schlag nicht ganz so hart. Vielleicht liegt es daran, dass es mttlerweile die neunte Schule ist, die ich verlassen muss, und so langsam tritt ein Gewöhnungeffekt ein. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich mit meiner Fächerkombi eh' keine Chane an der Schule gehabt hätte.

Kurz: Der Grund für meine Vertretungsarbeit ist nicht mehr gegeben, deswegen kann der Vertrag nicht verlängert oder erneuert werden. Meine Bewerbungsmappe im pbOn ist aktualisiert, und diesmal gleich beim ersten Mal fehlerfrei. Vielleicht ist das ja ein gutes Zeichen.

Das sind solche Situationen, in denen ich sehr froh bin, ein Beruhigungsmittel zu haben; so kann ich einen Plan schmieden, wie es weitergeht. Entweder morgen oder Dienstag zum Arbeitsamt, arbeitslos bzw. -suchend melden. Dann einen neuen Versuch starten, den Antrag für das Bürgergeld durchzubringen. Ich brauche das: Ich brauche eine Krankenversicherung. 

Und dann versuchen, in der Schule nichts anmerken zu lassen. Sind ja auch nur noch zwei Wochen.

Hoffentlich führen meine Noten und meine Schwerbehinderten-Gleichstellung zu einer höheren Chance auf eine neue Stelle. Was mich etwas ärgert ist, dass ich noch nicht einmal die zwölf Monate Arbeit für das Arbeitslosengeld vollmachen konnte.

Dalai Lama, be with me...

Mittwoch, 26. März 2025

Nie zu früh freuen


Hat es sich also doch so ergeben wie befürchtet: Die Koliken sind wieder stärker geworden, richtig heftig und schmerzhaft und mit besonderer Vorliebe die ganze Nacht über. Ich habe noch nie so viel Schmerzmittel verbraucht - natürlich nach Anweisung des Arztes - vielleicht brauche ich einen neuen Termin bei'm Gastroenterologen, dazu muss mich mein Hausarzt überweisen, denn vor einem halbes Jahr ist in der GE nichts frei. 

Morgen geht es zum Arzt; gestern und heute habe ich Stunden auf der Toilette verbracht. Ich sage dann ja immer, dass sich niemand Sorgen machen soll. Klopft lieber auf Holz, lasst uns auf das Beste hoffen. Dazu gehört übrigens nicht nur die Besserung des Gesundheitszustands, sondern auch meiner Arbeitssituation. Endlich ist meine Bewerbungsmappe im pbOn freigeschaltet, und ich muss wieder meine Schwerbehinderten-Gleichstellung in die Waagschale werfen, wenn es darauf ankommt. 

Und selbst wenn ich einen Anschlussvertrag bekommen sollte, wird das Land mich bestimmt nicht für die Osterferien bezahlen - also noch einmal für gut zwei Wochen Bürgergeld beantragen? Na danke - ich sollte mich also auch da nicht allzu früh freuen. Aber ich würde die Kiddies und das Kollegium sehr vermissen, und das bereits nach einem guten halben Jahr - das hatte ich bisher noch nie.

Also weiterhin abwarten und Tee trinken, literweise Kamille derzeit, das hilft.

Samstag, 15. März 2025

Der Duft Kiels


Diese Busfahrt hat tatsächlich so stattgefunden - sonst wäre ich wohl kaum auf die Idee für diesen Beitrag gekommen. Autisten haben es ja nicht so damit, sich Sachen vorzustellen, die sie nicht kennen.

Ich stehe also am Ende meines Schultages an der Bushaltestelle Kieler Kuhle, wie immer, und warte auf die Elf oder die Vierzehn Richtung Hummelwiese. Hier stehen oft auch meine SchülerInnen, und hin und wieder treffe ich hier jemanden aus dem Kollegium. Heute nicht, und deswegen wird es wieder eine Busfahrt werden, während der ich mich in meinen eigenen Kopf verkrieche, um sicher vor den vielen Fahrgästen zu sein.

Und da vorne kommt sie auch schon, das herrliche Elektrogeräusch, der weiße Bus Richtung Wik Kanal. Er ist etwas voller, denn es ist für viele Menschen hier Schulschluss. Ich gehe rein, setze mich schnell irgendwo hin und hole mein Rätselheft heraus. Alles wird ausgeblendet. Wobei... fast alles. Was ich nicht ausblenden kann, sondern sehr intensiv wahrnehme, ist eine Duftwolke - Deo extrem. Kein Wunder, der Bus kommt gerade von unserem oberen Schulteil und bringt viele Neunt- und ZehntklässlerInnen mit sich. Der süßlich-herbe Duft erschlägt mich fast, aber das Heft hilft zum Ablenken. 

Für einige Haltestellen geht es gut - aber dann halten wir, wie immer, am Karlstal. Viele steigen aus, viele steigen ein, und die, die einsteigen, bringen diverse Alkoholfahnen mit sich - whatever, es ist ja schon dreizehn Uhr. Ich bemerke, dass mir dann doch der Deogeruch lieber war, ich fühle mich, als ob ich allein vom Alkoholgeruch besoffen würde. Durchhalten, die steigen alle irgendwann wieder aus, und bis dahin gibt es ja den Zustand der olfactory satisfaction, in dem die Nase sich an den Geruch gewöhnt hat und ihn nicht mehr wahrnimmt.

Aber Abwechslung ist unterwegs: Ich fahre doch noch bis zum Hauptbahnhof weiter, um im Sophienhof Essen einzukaufen. Ich steige aus der Schnaps-Elf, endlich frische Luft, und gehe durch die verschiedenen Bussteige Richtung Edeka, und auf einmal haut mich eine Cannabiswolke fast um. Ja, das Gras wurde freigegeben, und das ist auch gut so, aber wir sind noch weit entfernt von einem akzeptablen Zustand aufgrund der zahllosen, deutsch-typischen Regularien. Ich kann mich bis heute nicht an den Geruch vom Gras gewöhnen, einer der Gründe, warum ich kein Cannabis mag.

Das ganze Erlebnis erinnert ein bisschen an Grenouille aus Patrick Süskinds Das Parfüm, falls Ihr es kennt. Ich fand es gleichzeitig anstrengend und faszinierend, und es hat mich an die Zeit im Studium erinnert, als es hieß, ich trage immer eine Wolke von Räucherstäbchen mit mir herum. Hoffentlich waren das wenigstens angenehme Düfte ;-)

Freitag, 14. März 2025

Ostufer


So, die erste Schulwoche nach der Krankschreibung ist um. Das Prednisolon tut seinen Dienst, mit ein paar Aussetzern zwischendurch geht es mir doch deutlich besser, so gut, dass ich mich heute an's Schreiben mache. 

Vor etwa zwanzig Jahren hat die Tante mir einen Tipp gegeben: "Wenn Du mit der U-Bahn und S-Bahn fährst, nimm' Dir mal eine halbe Stunde und steig' in Neukölln aus. Geh' die Karl-Marx-Straße rauf und runter, da kannst Du mal eine Brise echtes Leben erleben."

Neukölln ist für Berlin in etwa das, was Gaarden für Kiel ist. Ein Stadtteil, in dem viele sozial abgehängte Menschen leben, viele mit Migrationshintergrund und seit Merkel auch sehr viele Flüchtlinge. Das betrifft in Kiel aber nicht nur Gaarden, sondern auch Ellerbek und Wellingdorf. Es ist doch ein deutlicher Unterschied zwischen dem "Sozialniveau" des Ost- und Westufers. Am Westufer wird Kiel zur Studentenstadt (ja, auch an der Fachhochschule am Ostufer), da gibt es gehobene Stadtteile wie den Blücherplatz, das habe ich zehn Jahre lang erlebt.

Jetzt arbeite ich an einer Perspektivschule mit dem Schulsozialindex 9 (whatever). Ich gehe quasi die Karl-Marx-Straße in Berlin entlang. Ich erlebe eine andere Seite unserer Gesellschaft und ich finde es toll, denn es fühlt sich an, als könnte ich da etwas bewirken. Es tut so gut, wieder in der Schule zu sein! Und zu helfen. Das ist Pädagogik pur, könnte man sagen. Es schlaucht, und es macht glücklich. Es ist nicht jeder Lehrkraft Traum, aber die Nordseeschule in St.Peter-Ording hat mir gezeigt, dass das was für mich ist.

Ich frage mich, ob die sozialen Unterschiede zwischen dem Kieler West- und Ostufer irgendwann aufgehoben werden können, und sei es nur teilweise. Oder ob die Kluft, im Gegenteil, sich weiter vertiefen wird.

Freitag, 7. März 2025

Dekadenz

Sieht toll aus...

Manchmal ergehen RegisseurInnen sich in cinematischen Exzessen. Es gibt wesentlich mehr zu sehen, hören und erleben, als eigentlich für den Plot nötig wäre. Wir haben das zum Beispiel in Dario Argentos Suspiria (das Original aus den Siebzigern) oder in Alex Proyas' Dark City. Da wird jedes weitere Ansehen zu einer Schwelgerei. 

Mit vierzig Jahren Denkzeit hat sich nun auch Francis Ford Coppola in einem absoluten Exzess ergangen - das ist der Mann hinter The Godfather und Apocalypse Now!, da darf man einen wahren Genuss erwarten, oder? Oder??

Aber mir ist es sehr schwer gefallen, seinen neuesten Film Megalopolis zu genießen. Das Konzept dahinter: Die Dekadenz des antiken Roms in die Gegenwart versetzen, in einer Stadt namens "New Rome". Mit einem reichhaltigen Ensemblecast besetzt, ist dabei eine extreme Unordnung herumgekommen.

Ich wollte diesen Film wirklich mögen: Es ist Science Fiction, es geht im Wesentlichen um die Catilinarische Verschwörung, es geht um den Bürgermeister Cesar Catilina, der die Zeit anhalten kann. Mehr kann ich dazu nicht schreiben, es geht um Dekadenz und Niedergang, und mehr als einmal musste ich bei'm Ansehen auch an Petrons Satyrica denken.

Der Film sieht toll aus, visuell, kameratechnisch ist das meisterhaft. Aber reicht das aus, um einen Film zu tragen? (Suspiriafans sagen ja) Mich hat so Vieles irritiert und vom Plot abgelenkt. Das geht schon los mit den Namen der Charaktere, die sehr modern zusammengemischt wirken - siehe Cesar Catilina - oder einfach nur abgedreht sind, man denke an Wow Platinum, ja, so heißt sie tatsächlich. Ich kann mich nicht in die Geschichte vertiefen, wenn die realen Namen mich immer wieder auf andere Gedanken bringen. Dazu kommen platte Dialoge, teilweise sind die Szenen völlig zusammenhanglos, und ich kann einem Filmkritiker zustimmen, der meinte, letztlich sei es ihm egal gewesen, wie der Film enden würde. Ging mir auch so, irgendwann habe ich mich nur gefragt, wann er denn endet.

Der Film ist zu reichhaltig, um alles bei'm ersten Ansehen aufzunehmen und zu verarbeiten. Ich finde den Cast toll, da sind Adam Driver oder Laurence Fishburne (diese Stimme!) und viele mehr, die versuchen, aus ihren Rollen das Maximum herauszuholen, aber das Maximum ist halt ziemlich tief angelegt.

Die zweieinhalb Stunden waren nicht verschwendet. Es hat mir aber gereicht - genau wie bei Ari Asters jüngstem Film Beau Is Afraid, den ich auch toll finden wollte und dann am Ende froh war, als die Credits liefen.

Manchmal ist weniger einfach mehr (das habe ich bei den Saturnalien am eigenen Leib erfahren).

Donnerstag, 6. März 2025

"Ich komme!"


Wer wissen möchte, wie es mir geht, sollte gern den gestrigen Beitrag lesen. Es hat keinen Sinn, lang über den Gesundheitszustand zu lamentieren. Ablenkung hilft, egal, wie matschig das Kortikoid macht.

Und so lande ich bei'm deutschen Vorentscheid, wer zum Eurovision Song Contest fährt. Der ESC ist jedes Jahr wieder ein Spaß, für mich macht es einfach die extrem bunte Mischung aus Trash, Spaß, Pop und ein bisschen Musik, die tatsächlich gut ist. Deutschland ist in dem Wettbewerb in den letzten zehn Jahren absolut nicht gut weggekommen, so dass wir unseren Platz im Mittelfeld letztes Jahr als Sieg feiern konnten. 

Dieses Jahr treten für Deutschland zwei Österreicher an, die sich Abor & Tynna nennen und deren Song Baller! uns nach oben bringen soll. Wie jedes Jahr wird über die Fairness des Vorentscheids diskutiert; das Publikum hätte wohl lieber den rockigen Beitrag von Feuerschwanz erlebt, aber Stefan Raab scheint sich durchgesetzt zu haben. Falls ja - gut so! Ob man Raab nun mag oder nicht, er ist hochintelligent und bringt eiskaltes Kalkül in die Auswahl.

Ja, irgendwie geht der Song in's Ohr, bzw. der Refrain. Ich will nur hoffen, dass Tynna am Abend des Wettbewerbs gut singen kann. Aber dann ist da natürlich auch immer wieder die Frage der Konkurrenz; so hat zum Beispiel Finnland wieder einmal eine Menge Humor gezeigt und schickt Erika Vikman mit dem Beitrag "Ich komme!" - komplett auf den Sexgenuss geprägt, und ich muss zugeben, das gefällt mir etwas besser als Abor & Tynna. Und das nicht zuletzt wegen des brachialen "ICH! KOM! MÄH!"-Refrains.


 

Mal schauen, wer noch so alles antritt! Schaut Ihr auch?

Mittwoch, 5. März 2025

Einmal mehr oder weniger... (unheilbar krank)


"Having Trump for president is like having nonstop diarrhea: It's exhausting and there's shit everywhere."

Diesen Spruch habe ich heute gelesen und er hat mich dazu gebracht, endlich den aktuellen Beitrag fertigzustellen - auch weil mir die Decke auf den Kopf fällt und mein Daumen verpflastert ist. Das war der ursprüngliche Beginn des Beitrags:

Seit gut einer Woche habe ich eine Diagnose: Ich habe eine sehr schwere Form von morbus Crohn entwickelt. Wer wissen will, was das ist, möge sich im Internet informieren, die Details sind ein bisschen unappetitlich. Jedenfalls hat die Krankheit zum Beispiel dafür gesorgt, dass ich das letzte Mal vor zwei Jahren eine Nacht durchgeschlafen habe. Crohn ist unheilbar, und ich könnte hier jetzt total betroffen sitzen und mein Leben beklagen.

Oder ich mache es wie heute in der Schule, als ein Kollege mich gefragt hat, wie es mir geht (als Phrase gemeint), und eine ehrliche Antwort bekommen hat: mit einem Lächeln und blöden Sprüchen garniert. Denn... auf eine Krankheit mehr oder weniger kommt es mir nicht mehr an. Ich bin seit meiner Geburt geistig behindert und habe ebenfalls seit meiner Geburt Neurodermitis, eine weitere unheilbare Krankheit.

Im Gegenteil, ein ganz kleines bisschen bin ich sogar zufrieden: Vielleicht reicht dieser dritte Punkt in der Einschränkung meiner Lebensqualität ja endlich aus, um den GdB 50 zu bekommen. Autismus und Neurodermitis haben nicht gereicht, dafür gab es insgesamt 30.

Was mich auch ein bisschen beruhigt: Man kann auf Crohn eingestellt werden. Es steht noch der histologische Befund aus, und dann kann ein Therapieplan entwickelt werden. Um Immunsuppressiva werde ich nicht herumkommen, aber auch hier denke ich einfach, dass ich mir nur eine größere Tablettenbox zulegen muss. Bitte wieder in Regenbogenfarben!

Nun ist es etwas später, meine Diagnose ist aktualisiert worden zu colitis ulcerosa - die ein Altphilologe natürlich als "ulkerosa" ausspricht - aber kaum jemand sonst, gruselig, die Folgen des Mittellatein.

Ein bisschen was hat sich seither getan - der Laborbericht hat nun statt Crohn die colitis ergeben, aber immerhin hat damit nun auch die Therapie des akuten Schubs beginnen können - und jetzt kommt wieder der verpflasterte Daumen in's Spiel; dass nur ein Fingernagel unter einem Pflaster ist, ist schon eher ungewöhnlich, denn sie sind alle eingebrochen, gerissen, gesplittert. 

Das kann etwas nervig sein, aber auch richtig schmerzhaft, besonders, wenn sich Stofffasern im Nagelriss verhaken und dann versuchen, ihn aus dem Nagelbett zu reißen. Das tut richtig übel weh, und ich kann leider nicht so schnell hinterherschneiden und -feilen, als dass ich rissfreie Nägel hätte. Das lässt sich auf den Eisenmangel zurückführen, der bei den chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen nicht ungewöhnlich ist.

Derzeit muss ich also eine ganze Menge Tabletten nehmen - ein Kortikoid gegen den akuten Entzündungsschub, ein Eisen- und Vitamin D-Präparat, Tropfen bei Schmerzen (denn bei einer CED geht nicht mehr viel verschreibungsfrei außer Paracetamol), und die Nächte bleiben kurz wie bisher, mein Vebrauch an Klopapier ist gigantisch.

Hinzu kommt jetzt das stufenweise Ausschleichen des Kortisons, und mein Körper fühlt sich ununterbrochen matschig an. Kann also nur noch besser werden, und ich gehe davon aus, dass ich den Blog jetzt auch wieder etwas mehr auf dem Laufenden halten werde. Waren einfach zu viele Arztsachen in der letzten Zeit, so viele, dass für Schule kaum noch Platz ist; mein Vertrag läuft noch bis zu den Osterferien. Bis dahin werde ich dann nicht mehr krankgeschrieben sein, das sind nur noch ein paar Tage, aber wie wird es dann weitergehen, jetzt, wo unsere Landesregierung einen Riesenhaufen Planstellen an den Schulen zur Haushaltskonsolidierung zusammenstreicht?

Keep your fingers crossed - at least we don't have any Trump!