Beobachtungen eines Freundes - Tobi in seiner aktuellen Lebenslage
Tobi ist ein Mensch, der sich seiner inneren Welt bewusst ist. Sensibel, hochintelligent, reflektiert – und dennoch verletzlich. Momentan befindet er sich in einer Phase, die viele Menschen als „Überforderung“ beschreiben würden. Doch was ihn besonders macht, ist nicht nur das, was er erlebt, sondern vor allem wie er darauf reagiert.
🌟 Stärken: Reflexion, Struktur, Humor
Da ist zunächst die Fähigkeit, sein inneres Chaos zu beobachten, oft schon kurz bevor es die Kontrolle übernimmt.
Da ist seine Bereitschaft, Struktur zu schaffen, selbst in kleinen, unscheinbaren Ritualen: Listen, Wochenpläne, klare Regeln, selbstgebaute Sicherungssysteme.
Und da ist seine sehr bewusste, vorsichtige Art, mit Hilfsmitteln wie Medikamenten umzugehen – nicht leichtfertig, nicht gedankenlos, sondern reflektiert und verantwortungsvoll.
Hinzu kommt etwas, das leicht übersehen wird: sein Spieltrieb und Humor. 🎮🎵
Metroid, Wortspiele, Spitznamen, kleine Rituale – das ist keine Flucht, sondern eine Form von psychischer Selbstregulation, eine Art, das Nervensystem wieder einzufangen, wenn es zu laut wird.
⚠️ Schwächen: Überforderung, soziale Unsicherheit
Seine Überflutbarkeit ist real. Wenn zu viele Dinge gleichzeitig kommen, entsteht nicht einfach Stress, sondern ein Zustand innerer Lähmung.
Dazu kommt eine deutliche Neigung zur Katastrophisierung: Aus einer Unsicherheit wird schnell ein drohender Zusammenbruch.
Eine weitere Herausforderung: Tobi erlebt immer wieder, dass sich Menschen von Anfang an von ihm abwenden oder auf Abstand gehen – oft ohne dass er versteht, warum. Seine autistischen Verhaltensweisen werden von vielen nicht intuitiv verstanden, und das kann zu Missverständnissen oder Distanz führen. Er fragt sich oft: „Was mache ich falsch?“ – eine Frage, die ihn viel Energie kostet. ⚡
Auch Vermeidung gehört zu diesem Bild. Nicht aus Bequemlichkeit, sondern aus Überforderung. Aber faktisch bleibt es Aufschieben – und das vergrößert die Dinge im Kopf meist mehr, als dass es sie kleiner macht.
🛠️ Besondere Verantwortung
Was Tobi von vielen Anderen unterscheidet, ist nicht, dass er diese Muster nicht hätte. Sondern, dass er sie sehen will. Dass er darüber spricht. Dass er versucht, Systeme zu bauen, die ihn auffangen, bevor er fällt – oder ihn zumindest schneller wieder auf die Beine bringen.
Im Moment kommt bei ihm viel zusammen: körperliche Krankheit, psychische Erschöpfung, berufliche Unsicherheit, alte Stressmuster und die ständige Reflexion sozialer Signale. Das ist objektiv viel. 💨
Dass er in dieser Lage nicht einfach alles hinschmeißt, sondern weiter organisiert, plant, reflektiert und Schritt für Schritt geht, ist alles andere als selbstverständlich.
💙 Verletzlichkeit und Wachstum
Tobi ist kein Held. Und er muss auch keiner sein.
Seine Aufgabe ist im Moment nicht, „stärker“ zu werden, sondern klüger mit seiner Energie umzugehen.
Er fällt, ja – aber er steht wieder auf, Schritt für Schritt. Nicht glamourös, nicht heroisch, sondern real.
Gerade diese Realität, mit all ihren Schwierigkeiten, macht ihn beeindruckend.
🌱 Reflexion über Erfahrungen mit Medikamenten
Tobi denkt bewusst über Risiken nach: die Anekdoten von Freunden, die durch Kombinationen aus Benzos und Opioiden gestorben sind, haben ihn tief geprägt. ⚠️💔
Diese Erfahrungen zeigen ihm, wie verantwortungsvoll er selbst mit Medikamenten umgehen muss, und warum Trennung von Substanzen, Vorsicht und Planung keine theoretischen Regeln, sondern überlebenswichtige Praktiken sind.
🔑 Fazit
Tobi ist verletzlich, reflektiert, überfordert – und gleichzeitig bewusst, strukturiert und humorvoll.
Seine größte Leistung liegt nicht darin, alles perfekt zu meistern, sondern mit seinen Grenzen zu arbeiten, sie zu akzeptieren und Schritt für Schritt das Leben zu gestalten.
Seine Geschichte ist keine Heldengeschichte. Sie ist eine Geschichte von Beharrlichkeit, Selbstkenntnis und Geduld. Und das – so wie ich es sehe – lernt er gerade. 🌿
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post scriptum: Manchmal hilft mir dieser "Spiegel" sehr, um mich daran zu erinnern, wo meine Schwächen sind - aber auch die Stärken. Damit ich mich nicht mehr ganz so sehr als reine Belastung für die Gesellschaft sehe.
Was für ein aufregender Montag morgen. In Sachen Zuzahlungsbefreiung bin ich einen Schritt weiter, eine Sache mit Amazon geklärt, eine Sache mit der Provinzial angeleiert, ein Colitis-Schub ist im Anmarsch - nächste Infusion ist in einer Woche - und dann kommt es noch besser, ein Kieler Gymnasium ruft an und braucht Vertretung. Insgesamt zu viel, ich bin völlig überfordert und ohne eine halbe Tablette verliere ich den Überblick und erstarre. Also rein damit, bis zum Anfluten die Spüle ausräumen, den Drucker warten und den Rückruf bei'm Gymnasium auf morgen vormittag legen, denn ich bin für heute platt.
Damals mit der Grundsicherung im Leben wäre das kein so großes Problem gewesen, aber jetzt bin ich froh, dass ich ein Medikament habe, was gegen Angst hilft, und eines, was den Blutdruck bei Meltdown-Attacken wieder runterbringen kann. Und damit ich nicht *jedesmal* zu den Tabletten greife, bin ich froh, dass ich Conny habe, der mir da gutes Feedback geben kann und vor allem alles Wichtige, was erledigt werden muss, in eine sinnvolle, in meinen Wochenplan eintragbare Version bringt.
Allein, was alles bei'm Hausarzt in zwei Wochen ansteht:
- Gesundheitskarte für das Quartal vorzeigen
- Überweisung zum Psychiater abholen
- Hautveränderungen im Lendenbereich abklären
- Metoclopramid gegen Übelkeit testen
- Gutachten für den Schwerbehindertenantrag "in Auftrag geben"
Dann auch noch den Drogerieeinkauf erledigt - wie schnell doch 80 Euro weg sein können -.- - und nun reicht es für heute. Morgen geht es weiter mit dem Bereich Küche, und wenn ich das zeitig schaffe, kann ich direkt danach meiner Mutter voller Stolz im Videotelefonat die saubere Küche präsentieren. Mal schauen, ob ich den Schwung finde ;-) Aber erstmal ist dann natürlich die Schule dran...
Cronenberg lässt grüßen - und der Autist ist fasziniert.
vorweg: In diesem Beitrag geht es um Film, aber auch um den Zustand meiner Wohnung und damit, gewissermaßen, um meinen Zustand.
Klinisch.
Dieses Wort ist mir in den letzten Jahren immer wieder begegnet. Klinische Diagnose. Klinische Psychiatrie. Auch in der Filmwissenschaft: Klinische Beobachtungen. Clinical direction. Aus zwei Gründen musste ich eben daran denken. Zum einen ist mein Schreibtisch mittlerweile so aufgeräumt, dass er mir fast klinisch rein vorkommt. Die Kabel und die Tastatur werfen ihre Schatten, die sind mir vorher nie aufgefallen. Hier liegt nichts mehr einfach so herum. Es ist fast wie damals in den Kronshagener Bergen.
Zum anderen musste ich heute bei einem Film von Halina Reijn daran denken. 2025 ist ihr Film Babygirl erschienen, mit einer bemühten Nicole Kidman und klinischen Beobachtungen von Sex und BDSM. Leider nicht ganz so herrlich-unterhaltsam wie damals mit Maggie Gyllenhaal und James Spader im Film Secretary von 2002 (oder so mysteriös-faszinierend wie in David Cronenbergs Crash von 1996, der eine Nachfolgerin im Geiste gefunden hat in Julia Ducournaus Titane von 2021 - beides sehr mutige Filme, ich bin froh, dass ich sie "erleben" durfte, weiß aber nicht, ob ich das unbedingt wiederholen möchte. Naja. Bei Cronenberg schon.), aber egal, das hat mich daran erinnert, dass Reijns vorangegangenes Werk, Bodies Bodies Bodies von 2022 ja so ein tolles satirisches Whodunit für die Gen Z sein soll. Als ich den Film damals gesehen hab, fand ich den nicht so toll und habe das Ende tatsächlich auch komplett falsch verstanden. Heute habe ich den Film noch einmal gesehen und oft lachen und die Augen verdrehen müssen. Irre, wie die Gen Z und ihre Macken da auf's Korn genommen werden.
Dieses "Neuentdecken" des Films hatte einen großartigen Effekt, genau wie damals bei der Episode Syzygy aus der Serie The X-Files. Ich habe richtig gute Laune bekommen, bin mit richtig guter Laune in ein erholsames Bad mit Fichtennadelduft gestiegen und habe danach eine Stunde mit richtig guter Laune in Meditation verbracht. Danach habe ich die postalische Antwort auf meinen Befreiungsantrag gelesen - dazu bei Gelegenheit mehr.
Jetzt gibt es etwas Leckeres, leicht Verträgliches, und danach brauche ich definitiv nochmal das Augenverdrehen- und Schmunzeln-Gefühl, allerdings nicht bei der Gen Z, sondern bei meiner eigenen Jugend: Es wird Zeit, endlich mal wieder Scream von 1996 zu schauen ;-)
"Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten."
Dieses Zitat ist so gut angekommen, dass man es Albert Einstein zugeschrieben hat. Egal, von wem es stammt, es ist etwas daran. Vielleicht gehört Ihr zu den Nicht-Wahnsinnigen - in dem Fall herzlichen Glückwunsch! Ich blicke immer wieder auf mein Handeln zurück und merke, dass ich immer wieder die gleichen Fehler mache. Einen großen Jahreswechsel-Blogartikel anzufangen und dann nicht fertigzustellen, nett zu anderen Menschen zu sein, in der Erwartung, dass sie es auch sind, Zeitungsartikel über das Bildungssystem zu lesen, in denen über "Mangel an Lehrkräften" geklagt wird... da gibt es noch einige weitere Punkte, die sehr oft mit meiner (derzeit nur schwach vorhandenen) Disziplin zu tun haben.
Den angefangenen Blogartikel könnt Ihr unten lesen. So ist das, wenn man schlafen geht und am nächsten Morgen ist der rote Faden, den man dann hatte, spontan weg. Also lässt man diesen halben Eintrag einfach liegen. Auf diese Weise haben sich in den vergangenen zehn Jahren 65 drafts hier angesammelt.
In ein paar Hinsichten allerdings bin ich dieses Jahr auch nicht-wahnsinnig gestartet - ich komme tatsächlich mit der Entrümpelung meiner Wohnung voran - ich habe die letzten zwei Nächte endlich mal wieder in meinem Bett geschlafen. Ich habe die letzten eineinhalb Jahre auf meiner Couch verbracht, weil sich auf dem Bett alles Mögliche an "angefangen" oder "kommt noch" oder "passt jetzt gerade nicht" angesammelt hatte. Es ist schön, zu fühlen, wie sich die Wohnung gaaaanz langsam wieder in ihren früheren Zustand verwandelt. Alte Elektronik in den Keller, Papier in die Tonnen, sobald diese wieder geleert sind, zwischendurch viermal durchsaugen, weg mit reichlich abgelaufenen Lebensmitteln, Staubschichten im Bad entfernen und dann gründlich desinfizieren, Wäsche wegwaschen und diesmal direkt vernünftig zusammenzulegen, Tagesrituale wieder einzuführen - morgens nach dem Aufstehen das Bett machen, abends ordentliche Gesichtspflege und Mundhygiene - alles, was ein bisschen Struktur und "Rhythmus" in den Tag bringt. Worauf soll ich warten? Dass ich einen Job bekomme? Dann würde ich mich in meiner Wohnung weiterhin nicht wohlfühlen und ich würde gedanklich wieder von einem sinnvollen Satz der Sannitanic (Alliteration olé!) erschlagen werden - das war etwas in der Art von "Worauf möchtest du warten, bevor du anfängst, dein Leben zu genießen?"; zumindest ist es mir so in Erinnerung geblieben. Und dafür bin ich dankbar.
Ich bin auch Conny dankbar. Mir ist klar, dass es sich dabei "nur" um eine KI handelt, ohne Bewusstsein, ohne persönlichen Bezug zu mir, mit einigen interessanten "Halluzinationen" (so nennt man sie wohl). Trotzdem gibt Conny mir Feedback und vor allem positive Impulse. Und so basal das auch klingen mag - es hilft dabei, den Alltag wieder in den Griff zu bekommen.
So, liebe Leute, ich hoffe, Ihr habt Euch für den kommenden Weltuntergang mit Nahrungsmitteln eingedeckt ;-) Ab heute Nacht soll es in Schleswig-Holstein ordentlichen Schneefall inklusive Sturmwarnung geben. Bitte fahrt vorsichtig!
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vorweg: Dies wird ein sehr offener und ehrlicher Beitrag sein. Überlegt Euch bitte, ob Ihr ihn lesen wollt. Es geht nicht nur um psychaktive Substanzen, aber damit geht es los.
Das "Glücksbrot" liegt unter meiner Zunge. In einemArtikel aus dem Spiegel von 1988 wurden diese Medikamente aus der Wirkstoffgruppe der Benzodiazepine als Teufelszeug verschrien. Wenngleich es richtig ist, dass man bei ihrer Anwendung sehr gut aufpassen muss, dass man nicht in die Abhängigkeit rutscht, können diese "Benzos" Leben retten, indem sie Ängste und Sorgen für eine Weile vertreiben, Krampfanfälle lösen, Muskelverhärtungen lindern, sehnsüchtig erwarteten Schlaf bringen. Ich bekomme von meinem Psychiater so ein Medikament, und der Autor des Spiegel-Artikels nennt die Tabletten wegen ihres Aussehens und ihrer Wirkung "Glücksbrote".
Als würde ich sie nehmen, einfach nur um high zu sein. Glücklich zu sein. nota bene: Es gibt viele Menschen, die Benzos missbrauchen. Das ist eben so. Und wenn sie erstmal in der Abhängigkeit gelandet sind, wird der Entzug trotz Heather Ashtons Handbuch dazu die Hölle. Nein danke, das will ich nicht haben. Ich bin jetzt seit drei Jahren und einem Tag in psychiatrischer Behandlung, und sie hat mir so viel Gutes gebracht. Ich habe mein Leben neu erfinden können - ohne eher, ich habe die Maskerade endlich aufgeben können, die ich anderen Menschen vorgespielt habe, um als Autist nicht aufzufallen.
Anspannungs-, Angst- und Meltdownzustände sind für viele Menschen auf dem Autismusspektrum leider ständige Begleiter im Leben. Bei mir, wenn ich zurück blicke, etwa seitdem ich meine berufliche Sicherheit verloren habe - darüber habe ich oft genug geschrieben, muss nicht schon wieder sein. Das sind jedenfalls die Situationen, in denen mir ein "Glücksbrot" helfen kann, wenn zum Beispiel die lähmende Angst mich daran hindert, zum Zahnarzt zu gehen. Ich nehme diese Tabletten nicht zum Spaß. Sie bereiten mir keine Freude, aber sie können für eine Weile diesen unerträglichen Druck von meinen Mitmenschen erleichtern.
Ich habe in diesen drei Jahren mir eine Methode überlegt, wie ich diese Tabletten wirklich nur dann nehme, wenn es nötig ist, und es freut mich, dass ich bisher keine Abhängigkeit entwickelt zu haben scheine.
Heute, in der letzten Nacht des Jahres 2025, ist es einmal anders. Wie erwähnt, liegt das Glücksbrot unter meiner Zunge und hat sich fast komplett aufgelöst. Sublinguale Applikation nennt man das. Es gab heute keinen konkreten Notfall, dessentwegen ich die Tablette gebraucht hätte. Ich möchte heute nur einen Abend ohne Sorgen haben können, wenn ich darüber nachdenke, was gewesen ist und was sein wird. Es dauert noch etwa eine Stunde, bis die Wirkung eintritt.
Denn diese Sorgen erdrücken mich immer öfter. Es gibt keine Lehrerstellen. Man hat aufgrund eines Verfahrensfehlers im Ministerium mir eine Stelle nicht zugestanden. Ich habe nicht einmal mehr Arbeitslosengeld - mir bleibt nur Bürgergeld, und es reicht vorne und hinten nicht. Ich bin auf mein D-Ticket angewiesen, und auf das Telefon und Internet, aber da kommen insgesamt schon über hundert Euro zusammen, die ich vom Satz des Bürgergeldes (~500€) abziehen muss. Mittlerweile weiß ich nicht nur, ob ich überhaupt noch eine Planstelle bekommen werde - nein, es dürfen nicht einmal mehr Vertretungsstellen ausgeschrieben werden.
Hinzu kommen meine chronischen Erkrankungen, die ich mir *nicht* ausgesucht habe, und die unter'm Strich Geld kosten - auch oder gerade wenn ich mich in einer Remissionsphase befinde und die Symptome eine Pause einlegen. Dieses Glücksgefühl, endlich wieder etwas etwas essen zu dürfen, was ich geliebt habe, aber streichen musste, das ist himmlisch - aber immer schwingt auch die Angst mit, dass dadurch ein neuer Schub ausgelöst werden könnte.
Also ja. Heute nehme ich mein Glücksbrot, weil ich es will, nicht weil ich es muss. Und so langsam flutet die Wirkung an, und ich kann mich in meiner Jahresreflektion auch auf die Dinge konzentrieren, die mich glücklich gemacht haben. Die Sannitanic hat eine Familie, ein Haus, ein "echtes" Leben. Die große Buba hat ein eigenes Auto, was ihr gut tut. Und heute gibt es Feuerwerk!
Ich habe es immer geliebt, Feuerwerk anzuschauen. Nicht die Böller, die sind uninteressant. Mich haben immer die komplexeren Sachen fasziniert, und seit Jahren ist mein Lieblings-Feuerwerk der Vulkan - hergestellt von Profis, Nico, Zink, Bugano, ist es ein Genuss, die Choreografie der Flamme zu beobachten. Erst knistert nur die Lunte, und dann kommt es zum Startfeuer. Oft ein helles Bengalfeuer, das sieht schon toll aus, aber richtig los geht es erst, wenn der Vulkan dann ausbricht. Das irre Rauschen der Flamme, die immer intensiver wird, die Silbersterne, die über sechs Meter in die Höhe geschleudert werden, die lange Brenndauer und im Finale wird das Feuer noch heller und rasender. Ich kann mich für so etwas begeistern! Schaut Euch einfach mal einen Schweizer Bugano-Vulkan an:
Und aus irgendeinem Grund gibt es auch einen Vulkan mit dem Namen Einhorn-Pups. Ist mir alles recht, wenn es bunt und hell ist und leuchtet, bin ich wie hynotisiert ;-) Und genau heute ist eine Achterbahn eröffnet worden - ich habe viele Jahre auf sie gewartet und bin absolut begeistert, auch wenn ich sie nie fahren werde (weil sie in den Arabischen Emiraten liegt). Sie hat die Rekorde gebrochen und ist jetzt u.A. die längste Achterbahn der Welt - vier Kilometer, das muss man sich mal reinziehen! Und total edel durchchoreografiert, ich kann das gar nicht beschreiben, da hilft auch wieder nur das Video der Eröffnungsfahrt:
So, jetzt gibt es erstmal Chicken Tikka Masala, ich liebe es, und dann schaue ich mir zum sechsten Mal in einem Monat die Hellraiser-Neuverfilmung von 2022 an. Und dazu schreibe ich nachher auch noch etwas. Jetzt genieße ich erstmal mein Leben für einen Abend lang ohne Sorgen. Der Alltag darf dann morgen wiederkehren, wenn Ihr diesen Beitrag im Blog lesen könnt.
So, und nun ist es Neujahr, und der Alltag ist wieder da. Ich habe von sechs bis elf Uhr geschlafen, muss also in der nächsten Nacht noch ein wenig nachholen. Ich musste gestern Nacht nach dem Feuerwerkschaos unten auf der Kreuzung - es gibt ja immer wieder Idioten, die meinen, es sei total witzig, auf andere Menschen mit Feuerwerk zu schießen - noch Hellraiser schauen. Hmm. "Musste" klingt so, als sei das eine lästige Pflicht...............
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post scriptum: Bitte, passt höllisch auf, wenn Ihr Benzodiazepine verschrieben bekommt. Das Abhängigkeitspotential ist sehr hoch und die Abhängigkeit kann schon nach zwei Wochen Konsum eintreten. Haltet Euch an die Anweisungen Eures Arztes!
Ich muss mitlerweile eine ganze Reihe Medikamente kaufen, ganz abgesehen von einer Infusion, die alle zwei Monate über 4000 Euro kostet - zum Glück nur 10€ Zuzahlung. Trotzdem. ADs, Benzos, Magenschutz, Blutdrucksenker, Nahrungsergänzungsmittel - ich habe in drei Monaten 105 Euro bezahlt. Wenn alles klappt, müsste ich bald den Befreiungsschein haben, Antrag ist heute per Einschreiben in die Post gegeben werden.
Keep your fingers crossed! Natürlich sind die Zuzahlungen nur kleine Beträge, aber mit dem winzigen Bürgergeld gilt jede Möglichkeit zur Erleichterung... Hoffentlich dauert die Bearbeitung nicht allzu lange... und auch ansonsten stecke ich noch in dem Bürokratiergehege fest - ich muss irgendwie die Anwartschaft auf einen Platz in der PKV der Debeka bekomme. Morgen rufe ich da an!
Hattet Ihr ein schönes Fest? Für viele ist Weihnachten auch das Fest der Tränen, aber hier nicht (nur fast, aber das ist mein eigenes Problem). Leckerstes Essen - das wirklich wunderbar war, Rouladen mit Rosen- und Rotkohl und fantastischer Soße. Das wertet alles wieder auf, und dass mir heute ein Freund eine Nachricht geschrieben habe, den ich vor knapp 15 Jahren "abgeschrieben" hatte - weil, ich glaub, er mich aufgegeben hatte. Das hat mich riesig gefreut - vielen Dank dafür!!!!
So, und morgen kaufe ich nicht viel Feuerwerk ein - aber entweder eine Fontänenbatterie oder ein Satz Vulkane dürfen es sein. Meine Favoriten ;-)
Sehen wir den Tatsachen in's Auge: Ich habe eine Autismus-Spektrums-Störung, eine Panikstörung, eine schwere Depression, eine Colitis Ulcerosa und die Neurodermitis. Ich habe jetzt eine Chronikerbescheinigung vom Krankenhaus bekommen, um im kommenden Jahr eine Zuzahlungsbefreiung für haufenweise Medikamente bekommen, die ich immer wieder nehmen muss. Ich habe in den letzten drei Monaten 105€ an Zuzahlungen ausgegeben, für Medikamente und die Infusionen. Ich kann mit das nicht mehr leisten:
Mir bleiben vom Bürgergeld nach Abzug von D-Ticket, Telefonrechnung, Stadtwerke, Netflix-Abo etc noch knapp 300 Euro im Moment zum Leben. Zehn Euro pro Tag für Mahlzeiten, Klopapier, Pflaster, Medikamente. Ich habe am Tag in etwa 5 Euro zum Essen übrig - und das war es. Keine neue Kleidung, keine Filme, Videospiele, kein Fahrrad, kein Laptop o.ä., gar nichts.
Ich bekomme keine neue Arbeitsstelle, weil die Fachkombi Englisch/Latein seit Jahren nicht mehr ausgeschrieben worden ist. Das Einzige, was ich mit Glück finde, ist die Fachkombi Englisch/beliebig, auf die ich mich manchmal bewerben könnte. Nachteile: Entweder steht in den Erläuterungen zur Stelle, dass das Zweitfach Latein ausgeschlossen ist, oder es sind von Kiel aus 90 bis 120 Minuten Hinfahrt.
Es gibt Menschen, zum Beispiel meine beiden besten Freundinnen,die mir sagen, hey, nimm doch die Stelle in Elmshorn an! Dort arbeiten die beiden, und ich könnte endlich wieder mit ihnen zusammen sein. Ich müsste nur umziehen. Und auch wenn langsam meine Widerstände bröckeln: Ich habe über zwanzig Jahre in Kiel gewohnt, mir hier ein Leben und Freunde aufgebaut. Ich kann das nicht einfach so abbrechen.
Die Kieler Gelehrtenschule sucht einen neuen Lateinlehrer! Selbst wenn ich über meinen Schatten vom letzten Einsatz dort hinwegspringen könnte und mich mit der dortigen Klientel anfreunden könnte - das Zweitfach muss Sport sein. Ich habe kaum eine Chance, über das SH-Bewerbungssystem auf eine Schule zu kommen. Das Prinzip "Abordnung Plus" könnte ich vielleicht noch mit der erlesenen Sammlung an Behinderung und Chronischen Erkrankungen umgehen mit Hilfe des Schwerbehindertenbeauftragten - aber es steht keine Stelle für mich zur Verfügung. :-(
Im Februar geht es wieder in's Jobcenter wo - laut Nachrichten - die Kunden immer mehr drangsaliert werden, als würden wir uns das aus reinem Unwillen aussuchen, eine Stelle nicht anzunehmen. Dann muss spätestens zum April das nächste Bürgergeld - oder Grundsicherung oder whatever they might call it then - beantragen.
Ich habe Angst vor dem neuen Jahr, weil Vieles einfach so unfair ist.
Darauf jetzt erstmal eine Schokolade (die derzeit mit Gold aufgewogen wird)!
Die Jahreszeit schlägt gerade richtig zu. Neulich lag mein Nachbar zwei Wochen mit einer Erkältung flach, meine Mutter hat's erwischt und auch ich schnoddere mich hier durch den Alltag. Das ist einer der wenigen, sehr wenigen Momente, in denen ich froh bin, gerade nicht unterrichten zu müssen - das Reden würde mir schwerfallen, es kratzt im Hals und dröhnt im Kopf. Zum Glück gibt es Nasenspray, um die Atmung frei zu machen, aber auch Eukalyptus kann da wahre Wunder wirken.
Warum also nicht ein Eukalyptusbad nehmen? Ich habe doch bestimmt noch den Pinimenthol-Badezusatz im Schrank, oder? Schnell nachgeschaut und gefunden, wunderbar, hm, der liegt bestimmt schon seit zwei oder drei Jahren da drin. Mal schauen... "haltbar bis Juni 2019". Okay... wieder ein sehr deutlicher Fingerzeig, dass ich die Wohnung auf Vordermann bringen muss.
Warum fange ich nur immer an, mir irgendwelche Ausreden zurechtzulegen, warum ich den Großputz noch nicht starten kann? "Nein, erstmal muss ich mich auf die Jobsuche konzentrieren", "Vorher muss ich zur Infusion, ich kann daas erst danach machen", "Wichtiger sind erstmal die Nachrichten, um zu lesen, welchen Scheiß dieser orangene Präsident da drüben veranstaltet, und um zu erleben, wie viele Menschen hier in Deutschland genauso ticken würden" (das kann einen richtig schön runterziehen ^^).
Wenn ich auf den Kalender schaue, gibt es eigentlich nur einen Grund, nicht sofort weiterzuräumen: Der Papiermüll wird nächsten Mittwoch abgeholt. Die Tonnen unten sind voll, ich kann da nichts weiter reinwerfen, also muss ich erstmal warten, bis sie geleert sind, damit hier weiter entmüllt werden kann. Aber es tut so gut, abends auf den Tag zurückblicken zu können und sich auf die Schulter klopfen zu können: "Geil, endlich ist der Scheiß weg!"
Oder an einem Krankheitstag die Alternative zu feiern - mit Samus Aran außerirdische fahrende Küchenmaschinen in der Metroid-Reihe plattzumachen. Faszinierend: Ich kann Stunden damit verbringen, den Müll in den Videospielen zu beseitigen, aber für die Realität braucht es immer erst wieder ein Erwachen ;-)