Samstag, 5. August 2017

Expeditionen in die Tiefe

Into the deep...

Meine Damen und Herren, ich sehe ihnen an, dass die damaligen Expeditionen in's Badreich Lust auf mehr gemacht haben. Ich freue mich, ihnen mitteilen zu können, dass wir einen neuen Sektor freigelegt haben, und zwar geht es in die Tiefe. Da sie ja sehr groß sind, müssen sie bitte auf den Knien rutschen, damit sie die aufregenden Kleinigkeiten bestaunen können, die wir da haben.

Ich kläre sie zunächst über diesen neuen Ort unserer Expedition auf - es geht um die Spülmaschinengrotte. Die kennen sie bereits hinlänglich, sie haben schon immer gestaunt ob der blinkenden, funkelnden Eindrücke und der Geruchswelle, wenn die Grotte nach dem Wasserspektakel ihre Pforten geöffnet hat. Alles sauber, alles rein, so denkt man sich, doch wir haben genauer geforscht. Ein paar Schalter umlegen, ein paar Teile entnehmen, und plötzlich ließen sich Paneele drehen!

So entdeckten wir die tieferliegenden Höhlen, in die wir vorher noch nie gewandert sind, und was haben wir nicht alles entdeckt! Die geheime Salzkammer und der Wasserablauf, das Reinigungssieb.

Gehen wir zur Salzkammer. Dort fällt uns sogleich auf, dass das Gewinde mit einer seltsamen Schicht organischen Materials überzogen ist, gelblich-rötlich gefärbt, ein nicht identifizierbarer Geruch geht davon aus. Wir wappnen uns besser mit Putzschwämmen und legen unsere Spülmittelpanzer an, um keine Keime davonzutragen. Auch hat unsere Rüstungsabteilung neuartige Handschuhe entworfen, die unbedingt zu tragen sind. Wir erkennen, dass diese Schicht sich leicht abtragen lässt, wunderbar, entfernen wir alles, was nicht in die Salzkammer gehört - dieser Bezirk ist sauber!

Auch bei dem Wasserablauf entdecken wir diese Substanz und entfernen sie umgehend. Wir haben herausgefunden, dass man die Kuppel des Ablaufs anheben kann - eigentlich eine Selbstverständlichkeit, sagt unsere Forschungsabteilung, aber bei diesem Ablauf geht es tatsächlich nicht! Im Hebelmechanismus hat sich ein Tomatenästchen verhakt, wie mag es nur dorthin gelangt sein? Helfen sie bitte alle, mit vereinten Kräften können wir das Gestrüpp entfernen. Lassen sie sich nicht von dem Mozzarella-Basilikum-Aroma in die Irre führen, Konzentration ist angesagt. Hau-RUCK! Und da sehen sie es, wir haben den Ast entfernt, der die Kuppel des Wasserablaufs blockiert hat - auch dieser Bezirk ist nun rein!

Lassen sie uns noch ein wenig tiefer gehen. Sie sehen dort an der Wand uralte Aufzeichnungen, die vermutlich von den Altvorderen stammen. Wir lesen dort S I E M E N S, Buchstaben, doch deren Sinn erschließt sich uns nicht, und unten auf der Tafel steht "empfiehlt CALGONIT". Soll das etwa bedeuten, dass in den tieferen Ebenen der Spülmaschinengrotte das sauteure Mineral Calgonit abgebaut werden kann? Lassen wir uns von diesen Hinweisen nicht aufhalten, streben wir direkt zum letzten Brennpunkt.

Und da sind wir nun, meine Damen und Herren, an den Staugefilden des Reinigungssiebs. Das Wasserspektakel, das sich mit schöner Regelmäßigkeit in der Grotte abspielt, fließt hier durch, und es gab eigenlich noch nie Probleme, doch nachdem wir diesen Schalter hier nach links gekippt haben, dann jenes Rad nach rechts gedreht, konnten wir einen Bolzen entfernen und einen noch tiefergehenden Blick werfen. Und da sahen wir ein Relikt aus uralten, längst vergangenen Zeiten. Niemand konnte genau sagen, auf welches Zeitalter dieses Artefakt zu datieren ist, weißlich, länglich, es schlängelt sich durch die Löcher des Reinigungssiebs. Unsere Forschungsabteilung weist uns darauf hin, dass es sich hierbei um eine Nudel handeln könnte, die das Wasserspektakel überlebt hat und sich nun hier ein gemütliches Zuhause eingerichtet hat. Wir müssen diese Nudel eliminieren, damit das Reinigungssieb wieder voll funktionstüchtig ist. Zum Glück ist das heutzutage mit einem Handgriff schnell erledigt. Wir stellen fest: Der Staudamm am Reinigungssieb ist nun auch lupenrein.

Meine Damen und Herren, werfen sie nun noch einen letzten Blick in die Spülgrotte, quasi zum Abschied. Wer weiß, vielleicht werden wir ihr eines Tages noch weitere Geheimnisse entlocken können? Seht, wie sie strahlt!


post scriptum: Das war unterhaltsam? In diesem Blog finden sich einige lustige Geschichten, ich denke, ich sollte bei Gelegenheit eine Übersicht dazu erstellen.

Freitag, 4. August 2017

Auf zu neuen Ufern!

Es ist mehr als einfach nur irgendein Ausspruch Buddhas - und es wirkt...

Die große Buba ist in Aufbruchstimmung, es geht an eine neue Schule und in eine neue Wohnung. Das triggert Erinnerungen in meinem Kopf...

Und zwar an Kronshagen. Mein Leben war bis zum ersten Staatsexamen so rund, es passte einfach alles, die olle Areté wäre stolz gewesen. Ich hatte Burger King in zehn Minuten Gehweite - und den Laden habe ich in meinem Studium oft besucht! YazzTazz und ich hatten immer mal wieder BK-Dates, sozusagen, schnacken bei Fast Food, es war großartig. Aldi war in fünf Minuten zu erreichen, ich hatte zwei Bushaltestellen zur Auswahl, wenn ich in die Stadt fahren wollte, und das habe ich auch oft gemacht. Der Bahnhof Suchsdorf war nur einen kurzen Fußmarsch entfernt, und ich bin oft mit dem Zug in die Stadt gefahren, einfach, weil es Spaß machte. Suchsdorf-Kiel-Suchsdorf. Meinen Hausarzt habe ich dort gefunden, und meinen ersten Freund und meinen ersten Kuss - ich hatte alles in Reichweite, Freunde, meine WG mit Conny und Paul. Behördengänge waren ein Kinderspiel, nachdem ich mich an das Kronshagener Bürgerhaus gewöhnt hatte. Ich habe mir über neun Jahre hinweg ein Leben aufgebaut, eine Identität, alles so, wie es sein sollte, ich sag nur Areté.

Das Stellenangebot kam dann aus Husum. Ganz woanders. Darf man ein Stellenangebot ablehnen? Hab ich mir damals noch nicht so intensiv überlegt. Soll ich jetzt wirklich aus Kronshagen wegziehen? Ich hab' doch alles, was ich brauche, soll ich das nur für einen Job aufgeben? Aber irgendwoher muss das Geld kommen, und so war ich einigermaßen überfordert, als die Schulleiterin der Husumer Theodor-Storm-Schule mich kontaktierte, und ich sagte "Okay, dann muss das jetzt wohl so sein, das ist der Gang der Dinge, ich muss die Kronshagener Berge verlassen." Und ich wurde zu einem Häufchen Elend. Angst, traurig, mein Zimmer entmöblieren, helle Flecken an den Wänden, wo jahrelang die Poster hingen. Ich saß in der Ecke und weinte. All' das ist jetzt weg, kaputt, nicht mehr da.

Und dann haben sie mir alle gesagt, dass es total toll ist, dass ich eine Vertretungsstelle bekommen habe, wo doch die Lage für Junglehrer im Land so mies ist. Und die neue Schule soll einen sehr guten Ruf haben, und meine Mama hat aus ihrem Erfahrungsschatz berichtet: "Mach' Dir keine Sorgen, du wirst da nicht allein sein, du kommst in ein Kollegium, das dich aufnimmt. Da findest du schnell neue Bekanntschaften." Aber das wollte ich in dem Moment nicht hören. Mein Blick war nicht nach vorne gerichtet, ich sah nur, wie hinter mir alle Brücken einstürzten. Das war eine Scheißzeit, es fühlte sich an, als ob man mir alles wegnimmt...

Neue Wohnung besichtigen, und ich lächelte und zwang mich, die freigewordene Wohnung gut zu finden. Muss ja. Ist ja der Gang der Dinge. Und auf einmal war Schlüsselübergabe. Auf einmal lebte ich in Husum. Plötzlich waren sie alle weg. Alleingelassen in einer fremden Welt. Und ich hatte kein Smartphone und in der neuen Wohnung auch nicht sofort Telefon und Internet. Ich war komplett abgeschnitten von meinem alten Leben, gezwungen, jetzt in Husum neu zu funktionieren. Ich fand McD in Husum, ein Hauch von Bekanntem. Und Aldi, wo ich meine gewohnten Einkäufe tätigen konnte. Ich suchte überall nach Dingen, die mir bekannt vorkamen - überhaupt nicht aufgeschlossen für Neues, ich versuchte, mein altes Leben in Husum wiederzufinden.

Die ersten Wochen waren die Hölle. Freunde weg, Kronshagener Berge weg, YazzTazz weg, komische Kesseltherme für heißes Wasser, Wände dünn wie Papier, so dass ich den Nachbarn bei - Allem - zuhören konnte. Ich wollte mich nicht einfinden. Ich wollte mich nicht wohlfühlen. Ich wollte da nicht hingehören.

Aber Zeit bringt Gewohnheit, und so lernte ich meine Nachbarin von gegenüber kennen. Und lernte Kollegen kennen. Und genoss die Zeit in der Schule, weil es mir irgendwann ein Gefühl von Zugehörigkeit brachte. Das musste es sein, was Mama gesagt hat: Das Kollegium, dem ich gezwungenermaßen täglich begegnen musste, brachte mir eine neue Gewohnheit. Ein neues Sozialleben. Die Lerngruppen, die ich unterrichtete, das gab mir Kraft. Das waren neue Gefühle, die da mit der Zeit aufkamen, und es dauerte lange, bis sie kamen, aber sie bewirkten bei mir vor allem Eines: Sie waren der Beweis, dass es immer etwas Neues gibt am neuen Ort, an der neuen Schule - im neuen Lebensabschnitt.

Und so schließe ich diesen Beitrag mit Reminiszenzen an die emotionale Achterbahn, die ich damals durchgemacht habe. Trauer, tiefe Traurigkeit über den Verlust meines Kronshagener Lebensabschnitts. Angst davor, dass es in Husum nichts Neues geben würde ("Ich habe mir in Kronshagen ein Leben aufgebaut, das werde ich niemals wieder schaffen!"). Leere. Einsamkeit allein schon durch nicht funktionierendes Telefon und Internet. All' das hat mich so weit runtergezogen, dass ich irgendwann sehr empfänglich wurde für den Wandel, irgendwann akzeptierte ich, dass das Leben rückwärts verstanden, aber vorwärts gelebt wird.

Vielleicht erkennt der eine oder andere Leser sich wieder. Diese Gefühle. Und weiß mittlerweile, durch Lebenserfahrung, dass die neuen Ufer immer etwas bereit halten, man muss es nur empfangen wollen.

Donnerstag, 3. August 2017

Kommt auf den Blickwinkel an

Immer ausgehend vom Weltall

Ich habe gestern mal wieder das jüngste Werk The Journey des Projektes Lichtmond angeschaut. War erst mein zweites Mal, da ich mich noch erinnerte, dass ich beim ersten Ansehen absolut enttäuscht war. Gestern wollte ich mich dann erinnern lassen, warum das so war, und das Vorhaben ist gnadenlos gescheitert, denn es hat mir echt gut gefallen. Das lag nicht nur daran, dass ich nach langer Pause endlich mal wieder einen 3D-Film gesehen habe, sondern auch daran, dass es immer mehr als einen Blickwinkel auf eine Sache gibt, und dass es nie schaden kann, aus mehr als einer Perspektive draufzuschauen. Diese Erkenntnis ist für Menschen wie mich sehr wertvoll, denn ich neige manchmal dazu, etwas zu schnell zu verurteilen und keine zweite Chance zu geben - oder aber im anderen Extrem die Dinge über den Klee zu loben, ohne auch mal einen kritischen Standpunkt einzunehmen. Und das gilt nicht nur für Filme, sondern für alle Situationen im Leben, und anhand von Lichtmond stelle ich diese unterschiedlichen Blickwinkel vor.

Man kann das Projekt so beurteilen:

Der neue Lichtmond-Film gehört wie auch die vorherigen Filme der Brüder Koppehele zu den Werken, die die Welt nicht braucht. Sie entbehren genau genommen jeglicher Substanz: Sie haben keinen Plot (auch wenn mancher mit viel Wohlwollen im letzten Film eine voranschreitende Handlung erkennt). Die Musik ist hochgradig weichgespülter Mainstream-Pop, die Texte bestehen aus Platitüden, egal ob als Lied oder als Rezitativ, egal ob auf deutsch oder englisch. Wobei man sich wünschen würde, dass die Sänger ausgetauscht werden, weil gerade ein paar der männlichen Stimmen (von I Muvrini mal abgesehen) sehr nach Amateurgesang klingen - man möchte reinspringen und das Ganze abbrechen - und es selbst besser machen. Und dann das Visuelle: Wie auch in den vorherigen Filmen sind es Kameraflüge durch generische, digitale Landschaften mit Edelsteinen, die vom Himmel regnen, und morphender Flugkörper, zwischendurch mit Weltallszenen versehen. Es ist unglaublich schwer, sich in den ersten Sequenzen von den Gedanken freizumachen, eine schwebende Kloschüssel am Himmel zu sehen, durch die Kristalle auf die Erde regnen - getoppt eigentlich nur von den überdimensionalen Kristalldildos in der anschließenden Sequenz. Spätestens nach einer halben Stunde fragt man sich, warum man das Ganze überhaupt weiter anschaut, und wünscht sich seine vergeudete Lebenszeit zurück. Man munkelt, der Film sei nur auf Drogen zu ertragen.

Oder aber, man sieht es so:

The Journey ist, genau wie die vorherigen Filme, ein Genuss für Menschen, die sich gern audiovisuell auf höchstem technischen Niveau berieseln lassen. Es wird die Entstehung der Welt beschrieben - sozusagen. Es beginnt bei der DNS und führt uns durch die Entstehungsphasen der Menschheit. Grafisch ein Genuss, noch detailreicher als bei den Vorgängern. Die Inspirationen kommen nicht selten aus der Mathematik - wenn man zum Beispiel durch einen Menger-Schwamm schwebt oder das Sierpinski-Dreieck wie ein Raumschiff abhebt. Man bekommt viele Denkimpulse, Inspirationen, und kann seinen Geist schweifen lassen, während man die Bilder genießt. In 3D wirkt das Ganze natürlich noch immersiver, und die Soundmischung sorgt dafür, dass man live dabei ist. Ich höre, wie links neben mir ein Raumschiff vorbeischwebt, ich höre, wie der Sprecher die Gedichte mal hier, mal dort spricht, als wäre er mit im Raum und ginge um mich herum. Das ist ein echtes Erlebnis, es passiert so viel in diesen Bildern, ich kann mich gar nicht satt sehen. Gegen Ende mag es ein wenig lang wirken, aber wenn man die Melodien von Robert Miles' Children wiedererkennt, ist man sofort wieder bei der Sache und am Ende der Reise angekommen.

Hoffentlich kommt man am Ende des Tages zu der Einsicht, dass eine Meinung, die beide Perspektiven einbezieht, die beste ist. Nüchtern betrachtet bietet die Scheibe wenig Neues, Sound in 2.1, 5.1, 7.1 und Dolby Atmos, Bild in 2D, 3D und 4K UHD. Man muss schon ein vernünftiges Equipment besitzen, um sich von diesem Film beeindrucken zu lassen.

Hinweis an alle Kieler: Lichtmond 3 gehört zum Programm im Mediendom der Fachhochschule, da kann man sich - wie im Planetarium - in den gemütlichen Sesseln zurücklehnen und sich mittels Kuppelkino auf die Reise mitnehmen lassen.

Hier geht's zum Mediendom.

Abschließend noch ein Video aus Lichtmond 3, um das Thema Kitsch-Pop zu veranschaulichen: Wenn man es bei Youtube ansieht, naja, geht so. Aber mit Heimkino zieht's mich vom Sessel.


Mittwoch, 2. August 2017

Das dauert...

Sowas kann einem schonmal Angst machen - und nicht nur einem HB, der sich tausend Horrorszenarien ausmalt.

Was zwei einfache Briefe in der Post ausmachen können. Ich neige ja dazu, die Briefe erstmal allesamt ungelesen in die Ablage zu werfen, wo sie dann vergammeln und mit jedem weiteren ungeöffneten Tag zu einer zusätzlichen Last auf meiner Seele werden. Das habe ich mittlerweile so oft erlebt, dass ich im Rahmen meiner Wohnungsumstrukturierung auch solche Sachen immer sofort erledige. Die Ausrede "Mh, das dauert aber wieder so lange und eigentlich wollte ich jetzt was Anderes machen" ist zwar irgendwo noch nachvollziehbar, aber es dauert ja nicht weniger lange, wenn ich die Post zu einem späteren Zeitpunkt erledige; im Gegenteil: Wenn, so wie heute, ein Einwurfeinschreiben dabei ist, dann zieht eine Verzögerung unter Umständen Mahnschreiben und noch viel mehr Papierkram nach sich.

Also habe ich zuerst die Vermieterpost erledigt und dann den Brief von einer ehemaligen Kollegin, und irgendwie war das ganz gut, denn dann war ich auf einmal in einem Sachen-erledigen-Schwung drin und habe mir gleich die Wäsche und die Geschirrspülmaschine vorgenommen, durchgesaugt, Rechnungen erledigt - okay, dann war es irgendwann drei Stunden später als ich eigentlich geplant hatte, aber das soll mir eine Lehre sein, dass ich lerne, es zu akzeptieren, wenn die Sachen ihre Zeit brauchen. Und dass es nicht immer das Klügste ist, zur Zeit gerade das zu machen, worauf ich Lust habe.

"Sachen sofort erledigen" zieht sich immer wieder durch diesen Blog, und irgendwann werde ich es hoffentlich komplett verinnerlicht haben, dass die schönen Sachen dann mehr Freude bringen, wenn man alles Andere vorher erledigt hat, nicht wahr, iucundi acti labores und so'n Geschmeiß, taucht hier immer wieder auf. Und so habe ich heute vielleicht nicht so viel geschafft, wie ich wollte - zumindest nicht so viel an "schönen" Sachen, aber ich habe Einiges erledigt und kann jetzt entspannt in das Land der Kohlköpfe fahren.

post scriptum: Ach, das Einschreiben - meine erste Mieterhöhung nach dreieinhalb Jahren in dieser Wohnung, das lässt sich verkraften, gerade wenn es nur so ein kleiner Betrag ist. Viel belastender wäre es gewesen, wenn dieses Einschreiben meines Vermieters die ganze Zeit ungeöffnet auf meinem Schreibtisch gelegen hätte.

Denke ich mal.

Dienstag, 1. August 2017

Erster Achter

Time and time again...

So, war das nun eine kreative Schreibpause? Hieße, dass ich viele Ideen in der Zwischenzeit angehäuft habe, nein, ich merke nur gerade, wie ich die Sommerferien nutze, um Spaß zu haben, und da liegt die Blogarbeit hin und wieder brach, obwohl mir das Publizieren auch Spaß macht.

Heute gibt es allerdings einen Anlass, der August beginnt, damit das neue Schuljahr und ich bin jetzt offiziell wieder arbeitslos. Nun könnte ich natürlich direkt im Arbeitsamt vorbeispazieren und mein Arbeitslosengeld beantragen, aber ich möchte mir den Tag nicht direkt versauen. Heute sind genügend andere Dinge zu erledigen, und da es eh' lange dauert, bis das ALG bewilligt wird, muss ich das nicht heute beantragen.

Schöner wäre es, wenn ich es überhaupt nicht beantragen müsste. Die Jobsituation ist auch Hauptgrund, warum ich nicht vor einigen Tagen zum Sommerfest am Institut für Klassische Altertumskunde der CAU gegangen bin. Eigentlich möchte ich schon seit Langem insbesondere einen Prof wiedersehen - aber ich habe keine Lust, mich den bohrenden Fragen zu stellen. Ich war damals leider im Institut bekannt wie ein bunter Hund und sicherlich würden viele Menschen gefragt haben, wo ich denn nun gelandet bin.

Und da stehe ich dann, erkläre den verbeamteten Ex-Kommilitonen mit Ehepartner und Kinderwagen, dass ich wieder im Arbeitsamt gelandet bin. Und dann die mitleidigen Blicke und Kommentare und die strunzdämliche Frage "Oh nein, wie kann das denn sein?" - das dürft Ihr mich nicht fragen! Es gibt Gründe dafür, aber die möchte ich Euch nicht umständlich erklären müssen, denn ich war damals schon ein Freak für Euch und daran hat sich nichts geändert. Und Freaks brauchen eben ein bisschen länger, bis sie ihre Nische gefunden haben. Ein ehemaliger KommilitoneSläschAutist kann davon ein Lied singen.

Und somit habe ich mich gefragt, warum um alles in der Welt ich zu diesem Fest gehen soll? Und dann immer dieses "Ach, so jemand wie du findet doch sofort wieder einen Job!" - ja ne is' klar, willkommen im Land der überflüssigen Phrasen. Stichwort Phrasendrescherei - Er war auch da, und seine Freundin später auch. Und da seine Signale, dass wir langsam mal uns gegenseitig bekanntmachen könnten, wieder nur eine Runde Phrasen-BS von ihm waren, wäre das eine weitere Situation gewesen, auf die ich verzichten konnte. Also kein Sommerfest für diesen Verrückten in diesem Jahr.

Aber es ist ja erst der Erste Achte. Die Sannitanic hat mir geraten, die Sommerferien ausgiebig zu genießen, weil ich am Ende wieder werde unterrichten müssen. Sagt die Frau, die mir sonst immer die Realitätskeule um die Ohren kloppt.

Fruamur ferias! ...oder so ähnlich...

post scriptum: Home Improvement - durch die Seifenspender an der Wand kann ich auf die Flaschen auf dem Wannenrand verzichten, die immer eklige Kalkränder erzeugen ^^ Und... ich merke, wie lange ich keinen 3D-Film mehr geschaut habe, dabei habe ich das ganze Equipment da - also einfach mal genießen, und da wären wir wieder bei der Vokabel "frui".

 

Freitag, 28. Juli 2017

Ambient und ich

Neue Musik, neue Erfahrungen...

Ich dachte eigentlich immer, Ambient sei so eine Musikrichtung, die im Hintergrund läuft. Unaufdringliche Melodien, keine Texte. Lieder, die man bei Gästen im Hintergrund laufen lassen kann. Ich dachte zum Beispiel, Oxycanta sei Ambientmusik. Dann habe ich in einer Rezension gelesen, dass nur die letzten Stücke dieses wunderbaren Albums diese Bezeichnung verdienen. Mittlerweile verstehe ich, warum das so ist.

Eine Meditation dauert bei mir immer etwa eine Stunde. Genauer gesagt: Sie dauert ein Album. Denn ich lasse mich von Konzeptalben begleiten. Im Idealfall Alben, die eine Art Reise beschreiben, bzw. zu denen mein Gehirn sich eine Reise ersinnen kann. Diese Alben haben idealerweise keine Pausen zwischen den Tracks, sondern sind als full mix abgemischt. Sie liegen in sehr hoher Soundqualität als FLAC-Dateien vor. Sie machen Gebrauch von Surroundsystemen, sind mindestens als 5.1 aufgenommen.

Das ist nämlich mein persönlicher Idealtyp der Meditation: Ich liege auf der umgeklappten Couch, natürlich nackt für maximale Freiheit und unverfälschtes Sinnesempfinden der Haut. Die Augen sind geschlossen, behind closed eyelids beginnt für mich die Reise. Die Musik ist überall: Ich kann die Lautsprecher räumlich nicht ausmachen, denn wenn man sich mit Surroundsound umgibt, erfährt man die Bedeutung des Begriffs "Klangwelten". Und ich bin mittendrin. Um mich herum fantastische Welten, suggeriert durch die Musik.

Das kann ich mit jeglicher Musik machen, die mir für den Zweck zusagt, und wie schon öfters in diesem Blog beschrieben, haben sich die Alben abgelöst: Zuerst gab es für mich überhaupt keine Alternative zu Hallucinogen in Dub, doch dann kam ein Franzose und hat das Album vom Thron gekickt. Nebulae (Live at the Planetarium) war von da an die Musik, zu der ich meditieren wollte, die Musik, die mich auf die Gedankenreise mitnehmen sollte. Dann wurde ich auf Oxycanta aufmerksam, und schließlich auf das vor Kurzem erschienene Album Polarity (natürlich vom Downtempo-Label meines Vertrauens, ultimae records).

Warum die Alben "besser" waren als ihre Vorgänger? "Naja, Du hast Dich bestimmt sattgehört an denen, ein bisschen Abwechslung tut auch mal ganz gut." - Nein, habe ich nicht. Ich kann mich an ihnen nicht satthören, dazu sind sie zu komplex, zu progressiv. Nein, diese Alben haben es geschafft, die Welten meiner Gedankenreise plastischer darzustellen. Und nun sind wir beim Ambient: Diese Musik ahmt nach, was um uns herum vor sich geht - etymologisch betrachtet - und der Effekt ist absolut fantastisch: Zu Beginn von Polarity bin ich in einer großen Halle, und hier und dort sind Aufbauten, zwischen denen Vögel hin und her fliegen. Und es geht so weiter.

Das heißt, Polarity, bzw. Ambientmusik schenkt mir nicht in erster Linie schöne Melodien, sondern detailreich ausgestattete Welten, in denen die Musik selbst eine untergeordnete Rolle spielt, und ich fühle mich in dieser Welt wohl - das scheint die perfekte Begleitung für meine Gedankenreisen zu sein. Dass Polarity Größen aus der Downtempo-Szene an einen Tisch holt, muss ich hier nicht extra erwähnen. Dass aber die AMBIENT side nur eine Hälfte des gesamten Erlebnisses ist, dass soll jeder für sich selbst entdecken, wenn er möchte.

Ich reise weiter...


Donnerstag, 27. Juli 2017

"Ich war auch mal so..."

Ja, ich war sehr gern Zivi! ...oder?

Ich habe hier vor ein paar Tagen einen Beitrag über mein Verhältnis zu Handball geschrieben. Ich würde heute gern auf das dem zugrunde liegende Problem etwas tiefer eingehen. Dazu blicke ich mal wieder zurück in meine Jugend. Handball ist die eine Sache, aber da gibt es auch andere Anekdoten.

Was das zugrunde liegende Problem ist? Der unbändige Wunsch, meine Mitmenschen nicht zu enttäuschen.

Sonntags sind wir immer zu Oma gefahren. Dort haben wir Kaffee getrunken, Kuchen gegessen und jedesmal zwei oder drei Runden Drei bis Dreizehn gespielt, das Kartenspiel hat auch einen anderen Namen, an den ich mich aber nicht erinnere. "Du warst doch immer gerne mit dabei, wenn wir zu Oma gefahren sind", tönt es. Aber eigentlich fand ich das langweilig. Die Erwachsenen haben über Themen gesprochen, die ich nicht verstanden habe. Ich mochte Drei bis Dreizehn nicht wirklich. Aber ich habe brav gelernt, wie es geht und natürlich immer mitgespielt, denn ich wollte nicht, dass Mama und Papa von mir enttäuscht sind. Dass ich froh war, nach der ersten Runde aus der Gruppe entlassen zu sein, und dass ich mir dann viel lieber eigene Beschäftigungen gesucht habe, registrierten sie nicht. Wie denn auch? Wie hätten sie es merken sollen, wenn ich sie anstrahle und ihnen erzähle, wie viel Spaß mir das Kartenspiel bereitet. Das schauspielerte ich sehr überzeugend - damit sie nicht von mir enttäuscht sind - jahrelang.

Na klasse, in der Meditation hatte ich so schöne, anschauliche Geschichten von damals parat, und nun sind sie weg. Egal, es geht um's Prinzip, nämlich dass in der Konsequenz meiner Schauspielerei meine Eltern überzeugt waren: "Das hast du früher immer gern gespielt! Das hast du früher immer gern gegessen! Früher mochtest du immer..."

Und ich? Haufenweise Selbstverleugnung, aber der Zweck wurde erfüllt: Sie waren nicht enttäuscht von mir. Dass ich dadurch nie richtig herausgefunden habe, was ich denn nun eigentlich mochte, war egal. "Was ist Dr Hilarius für ein Kind?" - diese Frage hat man damals nie wahrheitsgetreu beantworten können, denn wenn Mama mir neue Schuhe kaufte, dann trug ich sie und sagte brav "Ja, die finde ich gut." So ging es mit Essen, Sport, Kleidung - ich wurde quasi eine Projektionsfläche der Wünsche meiner Eltern und ich versuchte, ihren Vorstellungen so gut wie möglich gerecht zu werden.

Ich dachte, als Kind muss man das nun mal so machen.

Es hat sehr lange gedauert, bis sich etwas in meinem Kopf getan hat. Zwanzig Jahre Anpassung, das wird man nicht mal eben schnell los. Aber letztlich ist es irgendwann passiert, der Schalter ist umgeklappt. Jetzt sage ich offen (manchmal zu offen, ich weiß), was mir gefällt. Jetzt stehe ich zu diesen Dingen. Jetzt weiß ich, dass ich eine eigene Persönlichkeit haben darf. Jetzt weiß ich, dass meine wahren Freunde sich darin zeigen, dass ich ihnen nie etwas vorspielen muss, damit sie nicht von mir enttäuscht sind.

Jetzt ist das Alles anders, und ich bin so glücklich damit und kann gar nicht verstehen, wie Menschen Anderen etwas vormachen, ihnen zuliebe. Leute, das ist doch so einfach, Ihr müsst es niemandem recht machen! Sagt einfach, was Ihr denkt! Ja, so sehe ich das... denn immer wieder vergesse ich, dass ich auch mal so war. Immer wieder vergesse ich, dass ein jahrzehntealter Panzer aus Schauspielerei erstmal aufgebrochen werden musste.

Zum Glück fällt es mir dann hin und wieder ein, zum Glück erlebe ich in manchen Meditationen meine Jugend erneut, erlebe mich, wie ich es allen recht machen wollte, sie sollten nie von mir enttäuscht sein. Und gewinne ein wenig Empathie zurück für einen Menschen, der noch in diesem Panzer steckt. Der jedem das sagt, was er hören will, und darüber hinaus sich selbst oft genug verleugnet und damit falsche Signale nach außen sendet.

Und ich wünsche mir so sehnlich, dass Er diesen Schritt schafft...