Mittwoch, 28. Juni 2017

Flores ingenuitatis discipulorum (FID) - Stilblüten

Yes, they did their best...

Geburtstagsparty, es sollten die richtigen Vokabeln eingesetzt werden:

"Holly and Olivia can sit in the fire." 
Wobei ich zugeben muss, manchmal hat man ja tatsächlich Gäste, die man am liebsten wieder loswerden möchte - und da hilft auch der folgende Tipp:

"She can barbecue her friends."
Irgendwie finde ich das so witzig, dass ich dafür einen Bonuspunkt geben sollte; wer Addams Family Values gesehen hat, weiß, wie man Menschen grillt.

"She has a money party."
Ich finde es ein wenig verstörend, wenn Fünftklässler sich Geldparties vorstellen. Ob da ein zukünftiger Donald Trump heranwächst? Dessen Lieblingsverb taucht dort auf:

"She wants to fire the money." 
An dieser Stelle bin ich mir nicht sicher, ob das Geld einfach nur gekündigt werden soll; ich lese es so, dass sie das Geld scheineweise in den Kamin schaufeln soll.

Aufgaben zum will-future:

"Please be careful with my new sunglasses!"- "Don't worry, I will break them." 
Das Trickreiche ist ja, dass der Satz grammatikalisch korrekt ist, mir fällt es tatsächlich schwer, hier einen Fehler anzustreichen.

"Oh no, I forgot my Maths homework!" - "Don't worry, I will tell Mr Swindon."
Hach, solche Mitschüler hat man sicherlich gern - ist immer schön, wenn man sich umeinander kümmert.

"I can lend you some money." - "Thank you! I won't pay you back."
Okay, wenigstens ist er ehrlich. Auch hier wieder das Problem: Grammatikalisch ist das richtig - und inhaltlich auch möglich. Also dürfte ich das eigentlich nicht als falsch markieren.

Neue Götter:

"Martem ist der Akkusativ von Martus, Lovem, achso, klar, damit ist Juppiter gemeint, der Gott der Liebe, und Mercurius ist der Gott des Handels, weil er halt handelt, während die Anderen nur rumsitzen."

'nuff said.

post scriptum: Drollig, aber tatsächlich ist dieses PS das Erste, was ich in diesem Beitrag schreibe. Ich bin gerade zum Haus rein und sehe schon wieder einen Umzugswagen vor der Haustür. Ich fasse zusammen: Ich wohne seit gut drei Jahren in dieser Wohnung. Meine Nachbarin rechts ist ausgezogen. Mein Nachbar links verstorben und wurde von der Polizei herausgetragen. Die Nachbarn unter mir ziehen jetzt zum zweiten Mal aus. Ich glaube, die Buba und ich haben eine abschreckende Wirkung - ich kann mir GAAAAHHRRRTHÖÄARCHT vorstellen, warum...

PPS: Typisch HB: In der ersten Praxis hat es mit der Physio nicht geklappt, die nötige Therapeutin ist derzeit im Urlaub. Anstatt gleich bei der nächsten anzurufen, muss ich das erstmal verarbeiten ^^

Sonntag, 25. Juni 2017

Das Schwimmbad

Wenn aus Flächenberechnung ein ganzes Abenteuer wird...

Siebte Klasse, Mathe bei Herrn Kries. Flächenberechnung. Und Herr Kries erklärt es nochmal für alle, das hatten wir doch schon, können wir nicht endlich weitermachen? Aber nein, er versucht es nochmal auf eine andere Art und Weise zu beschreiben. Ich blicke auf meine Zeichnung von einem Quader minus kleinerer Quader und lasse die Gedanken schweifen. Das sieht aus wie der Grundriss von einem Haus, oder so. Ich zeichne mal Fenster und Türen ein, dann ist das Bild nicht mehr so langweilig, kann ja noch eine Weile dauern, bis wir in Mathe weitermachen. Und wenn schon Fenster und Türen drin sind, dann kann ich meiner Flächenberechnung auch gleich noch Möbel hinzufügen, und Menschen. Und einen weiteren Raum, und hier noch zwei. Und einen Schatz da hin und eine Bombe dorthin. Und natürlich ist die Tür zum Schatz verschlossen, warte mal, das zeichne ich hier ein, ich nenne den Schlüssel "A", damit ich nicht durcheinander komme, denn ich möchte noch mehr Schlösser einbauen...

Und während Herr Kries mittlerweile tatsächlich unterrichtlich weiterging, hatte ich mich bereits vollkommen in meine Zeichnung vertieft. Von den Anderen hatte ich nichts mehr mitbekommen, mein Gehirn lief auf Hochtouren, und ich fing tatsächlich an, dem ganzen Grundriss einen Plot hinzuzufügen. Das ist keine ungewöhnliche Situation gewesen, sowas kam öfters vor. Und jeder Kollege, der schon einmal hochbegabte Autisten unterrichtet hat, dürfte dieses Verhalten so oder so ähnlich kennen.

Ich habe also in den darauffolgenden Mathestunden meinen Grundriss immer weiter verfeinert, ich habe ein Schwimmbad entworfen mit einem Löwengehege in der Eingangshalle, einem blutigen, zerfetzten Kleid, das im Gitter hing, eine Midnight Lounge, in der sich ein zerstrittenes Ehepaar, ein Polizist und ein Transvestit aufhielten. Versorgungsgänge, Kellergewölbe, ein geheimer Fahrstuhl, ein Park hinter dem Schwimmbad...

Und so hatte ich ein paar Wochen später ein komplettes Rollenspiel entworfen, inklusive eines Soundtracks, der je nach Raum im Hintergrund laufen sollte - aber ob das auch etwas taugte? Es sollte sich herausstellen, dass meine Mitschüler, Bandmitglieder und Freunde Spaß daran hatten, das Geheimnis des Schwimmbades zu enthüllen; ich habe das Schwimmbad in den darauffolgenden Monaten und Jahren immer wieder mit neuen Bekannten gespielt.

Und weil ich das so cool fand, biete ich das in diesem Juli in unserer Schulprojektwoche an - Rollenspiele selbstgemacht - ich werde das originale Schwimmbad mit meiner Gruppe erst spielen und die Schüler dann anleiten, eigene Rollenspiele zu entwerfen. Und ich bin richtig gespannt, wie das wird!

Das Spiel hat damals tatsächlich eine epische Fortsetzung erhalten (jaja, wenn der Hochbegabte sich erstmal für etwas begeistert...) und aus dem dritten Teil ist mein erster "Roman" geworden. Das hat echt Spaß gemacht - kreative Zeiten...

Samstag, 24. Juni 2017

Abgelehnt

Toller Schulfotograf - aber ganz bestimmt nicht meine Schule, und so geht die Suche weiter...

"Mit Latein kannst du dir nachher deine Schule aussuchen!"

Mit diesem Satz habe ich das Werner-Heisenberg-Gymnasium verlassen und bin an die Universität gegangen. Das war eine Art Credo für mich, ich habe mich durch das damals sehr anspruchsvolle Lateinstudium gearbeitet mit genau diesem Ziel im Blick: Dass ich keine Probleme haben werde, eine Arbeit zu finden. Und jedesmal, wenn ich überlegt hatte, das Studium zu schmeißen, kam immer wieder dieses "...garantierter Job." in den Kopf und ich habe mich aufgerappelt und weitergekämpft. Ich kann mich in sowas ziemlich gut hineinsteigern, verliere dann auch gern den Blick für die Realität da draußen.

Deswegen bin ich heilfroh, dass ich die Sannitanic habe. Sie hat ihr Studium ein Jahr vor mir beendet, ein vorbildliches, fleißiges Bienchen. Als ich also mein erstes Staatsexamen einkassiert hab, hatte sie bereits ein Jahr Arbeitsmarkt und Realität erlebt und kontinuierlich, mal mehr, mal weniger subtil mir einzuhämmern versucht, dass der Satz "Mit Latein kannst du dir nachher deine Schule aussuchen!" mittlerweile obsolet war. Und immer, wenn ich irgendwelche freudigen Höhenflüge hatte, mir ausgemalt hatte, wie schön gesichert meine Zukunft sich entfaltet, dann kam sie und prügelte mir gesunden Menschenverstand ein.

Für uns gab es da draußen kein "Schule aussuchen" mehr. Man muss nehmen, was man kriegen kann. Und die Sannitanic hatte Erfolg, ich bekam einen genauso pessimistisch-realistischen Blick auf den Stand der Dinge wie sie. Und als ich mein zweites Staatsexamen einkassiert hatte, gab es nur noch "Ich nehm' Alles, hauptsache irgendeine Arbeit!" (Dass der nächste Job mich an eine Traumschule führen sollte, lasse ich jetzt mal dahingestellt)

Und so ist es noch heute. Man sollte nehmen, was man kriegen kann. Auch wenn es Fahrzeiten bedeutet. Auch wenn es Umzug bedeutet. Und ich bewundere Herrn Leinhos da draußen, der sowohl Schulart als auch Bundesland gewechselt hat (er liest das jetzt gerade) und eine Arbeit hat. Ich beneide ihn ein wenig darum, denn ich kann das nicht. Ich bin viel zu unflexibel. Und ich habe das ein oder andere Jobangebot abgelehnt. Sylt hat eine Planstelle angeboten - der Sannitanic-Schrei: "Nimm', was du kriegen kannst!!!" - aber ich möchte in Kiel bleiben, ich möchte in meiner Wohnung bleiben. Aber es gibt auch andere Gründe, eine Stelle abzulehnen.

So hat die Lübecker Geschwister-Prenski-Schule angefragt, es ging um eine Planstelle. Sannitanic: "Wow, das würde ich mir überlegen, die soll echt gut sein!" - und das hat mich misstrauisch gemacht. Ich möchte nicht an so eine "tolle" Schule. Warum? Weil ich mir ernsthaft Sorgen mache, dass ich den Ansprüchen nicht gerecht werden kann. Dass ich nicht mit den tollen Kollegen mithalten kann. Und das würde mir immer wieder wie eine unsichtbare Last auf den Schultern gelegen haben. Lieber würde ich an eine Schule gehen, an der es Probleme gibt, damit ich mein Ding durchziehen kann.

Und es hat auch die Klaus-Groth-Schule aus Neumünster angefragt (aber befristet). Und zwar expressis verbis nach mir gefragt, denn den Schulleiter  habe ich im Studium mehrfach erlebt. Und er mich. Und mir war klar, dass ich nicht an seine Schule möchte. Nicht, weil er kein guter Lehrer wäre, ganz im Gegenteil, er ist echt super. Aber er hat mir im Studium suggeriert, dass es nur eine Art zu unterrichten gebe, nur eine Hauptstraße durch den Text (jetzt kotzt jemand). Er würde womöglich von mir erwartet haben, mich an die KGS anzupassen, mich an seinen Stil anzupassen, und das wäre ganz unschön ausgegangen, Querkopf, der ich bin. Deswegen habe ich höflich abgelehnt. Allerdings hat der Schulleiter sich nicht so schnell abwimmeln lassen, und da kommen wir zu einem weiteren Argument für eine Ablehnung.

"Dr Hilarius, wir sind ein Gymnasium, reizt sie das nicht?" - Nein, habe ich ihm nett geantwortet, gerade das ist ein Grund, nicht anzunehmen. Ich möchte an eine Gemeinschaftsschule (wie ich hier schon bis zum Erbrechen erörtert habe). Bei der Schulart Gymnasium sitzt schon wieder diese unsichtbare Last auf meinen Schultern: Elitäre Schüler, toller Ruf der Schule, niveauvoll, anspruchsvoll, keine Fehltritte erlaubt - ich würde dem niemals gerecht werden können.

Und so bleibt immer wieder die Frage - soll ich irgendeinen Job annehmen? Oder einen, in dem ich mich wohlfühlen werde? Sannitanic: Naja, dann gib' doch mehreren Schulen die Chance, die richtige für dich zu sein! Ich: Ich habe zurzeit eine Schule gefunden, an der ich mich wohlfühle und in die ich gut hineinpassen würde, trotz (oder aber wegen) meiner Eigenarten - warum soll ich an eine andere gehen?

post scriptum: Die letzte Frage ist rhetorisch ^^

Freitag, 23. Juni 2017

Ferienreif?

Liebgemeinte Abschiedsbriefe tun gerade nicht wirklich gut...

Ich habe heute in der Schule eine interessante Atmosphäre wahrgenommen. Die Sommerferien nahen, und das macht sich im Verhalten Aller bemerkbar. Ich schildere einmal ein paar Beobachtungen.

Da werden Unterrichtsstunden genutzt, um Tanzen zu üben - für die Abschlussbälle des neunten, zehnten und dreizehnten Jahrgangs. Ich finde das großartig, ich habe heute selbst dabei Aufsicht geführt. Es ist niedlich, wie unbeholfen manche Schüler sich bewegen, und es erinnert mich daran, dass ich ganz genau so war (und in Standardtänzen immer noch bin). Wieder ist mir der Wechsel bewusst geworden, vom Schüler, der da brav die Abschlusstänze mit seiner Tanzpartnerin einübt (Conny, ich war ungeoutet), zum Lehrer, der alle richtig motivieren möchte, anfeuern, anschieben, los Leute, schlaft ihr? Wo sind eure Hüften? ...war eine schöne Stunde.

Der Raumplan zerledert sich mittlerweile. Räume sind frei, die nicht frei sein sollten, weil einige Jahrgänge keine Schule mehr haben, die Ausbuchung der Filmräume steigt deutlich an, manche Räume müssen für Nachschreiber, Projektpräsentationen und Konsorten umgemünzt werden. Das "Alles hat seinen Platz." löst sich in Luft auf - für den Hochbegabten zwar spannend, aber auch nervenaufreibend, weil da Sicherheiten wegbrechen. Wo finde ich meine Lerngruppen? In welchem Raum kann ich einen Film schauen? Wo setze ich meine eigenen Nachschreiber hin? Ich bin heute sehr viel durch die Schule gelaufen.

Die Prüfpläne hängen aus, von Montag bis Mittwoch wird die Schule ziemlich leer sein, aber vor nervlicher Anspannung explodieren, vermute ich. Gut, dass ich noch Tests korrigieren muss, dann habe ich etwas zu tun, denn wir wissen: Selbst wenn man in keiner Prüfung eingeteilt ist, besteht Anwesenheitspflicht während der Prüfungstage. Ich finde das irgendwie schwachsinnig, aber gut, soll so sein. Und eine Prüfung habe ich dann ja doch, ich bin sehr gespannt: Ich übernehme den Fachvorsitz einer mündlichen Lateinprüfung im zehnten Jahrgang, Stichwort Zulassung zur gymnasialen Oberstufe. Ich erinnere mich noch an dieses Feeling: Nach den mündlichen Prüfungen ist eh' nichts Wichtiges mehr. Wobei es auch Kollegen gibt, die den Unterricht durchziehen: Ich fange nächste Woche mit meiner Klasse eine neue Unit an. Film vor den Ferien okay, aber bis dahin wird gelernt.

Ich empfinde diese "Endzeitstimmung" als extrem früh. Die Sommerferien beginnen erst in einem Monat. Mir ist bewusst, dass es normal ist, dass jetzt schon die Zügel lockerer gelassen werden, das ist an vielen Schulen so. Ich erinnere mich aber an St.Peter-Ording: Zeugniskonferenzen in der letzten Schulwoche - und bis dahin ganz normaler Unterricht. Und ich fand das ganz schön, muss ich zugeben. Ich vermisse die Nordseeschule.

Dadurch, dass das diesmal so früh losgeht, wird ein Gefühl verstärkt: Mir bricht der Boden unter den Füßen weg und ich weiß nicht, ob es weitergeht.

Donnerstag, 22. Juni 2017

Home Improvement, part whatever

Leicht surreal, psychedelisch, mit der Schrankbeleuchtung (nicht im Bild) abgestimmt

Nachdem die Mitteilung meines Jobverlusts mich erstmal für vier Wochen gelähmt hat - vier Wochen, in denen ich nichts Sinnvolles gemacht habe - kommt langsam wieder Bewegung in dieses Gehirn. Dazu gehört, dass ich meine Wohnung an ein, zwei Ecken weiter gestalten will. Mehr Lichtspielereien, und so habe ich meinen Kopfhörer- und Brille-stützenden Glaskopf mit regulierbarer LED versehen - eine zweite dieser Unterwasser-tauglichen Lampen werde ich in einem großen Glaswürfel mit Wasserpflanzen arrangieren, mal schauen, entweder auf dem Couchtisch oder auch irgendwo auf dem TV-Schrank. Der penetrante Digitalwecker verschwindet mittels einer Projektionsfunktion in die Zimmerecke, ich mag es, wenn man die ganze Maschinerie nicht sieht, sondern nur die Effekte, und so wird in Kürze die Uhrzeit an meine Zimmerdecke projiziert werden.

Da sollte man meinen, dass dieses Spielkind mit all den Jahren etwas reifer wird - aber Lichtspielereien faszinieren mich mittlerweile seit meiner ersten "eigenen" Wohnung vor vierzehn Jahren. Da meine Ma mich immer zu "hell und freundlich" erzogen hat, lerne ich jetzt den Genuss des "düster, geheimnisvoll und gemütlich" kennen. Klasse, und diese Lichtspielereien sind auch nicht allzu teuer; toll, was man mit LEDs heutzutage alles erreichen kann. Nun hab ich meinen eigenen leuchtenden Glaskopf. Talking Heads ftw!

Nachschlag aus der Chirurgie: Wie es ausschaut, kommt die Heilung gut voran. Heute hat mich wieder Dr K betreut, darüber war ich sehr froh. Ihm konnte ich gut erklären, warum ich es nicht auf die Kette bekommen habe, mir innerhalb der vergangenen fünf Wochen eine Physiotherapie zu organisieren, er hat Verständnis gezeigt und meinte dann, bei den Fortschritten, die ich mache, ist sie eigentlich auch nicht mehr notwendig, soll nur ein paar Impulse für die eigene Arbeit mit dem Finger geben. Überhaupt habe ich vor Ort heute viele nette, aufmunternde Worte bekommen, auch von den netten Damen im Vorzimmer - die auch erst heute mitbekommen haben, dass ich Lehrer bin, ebenso überrascht waren wie die meisten, aber die Eine, die selbst jahrelang Elternvertreterin gewesen ist, meinte, dass sie sich das bei mir super vorstellen kann. Und dann wieder dieses "Wir drücken ihnen für den Job die Daumen, sie haben so eine tolle Ausstrahlung!" - und ich weiß mittlerweile überhaupt nicht mehr, wie ich auf so etwas reagieren soll, hab ein bisschen hilflos gelächelt, und dann meinte die Andere: "Sagen sie danke, und freuen sie sich einfach drüber!" und dann habe ich ihr zu erklären versucht, dass ich das jetzt seit fünf Jahren von einer Schule zur nächsten zu hören bekomme, und dass das wirklich nett gemeint ist, aber dass es mir nicht hilft, weil immer wieder die Arbeitslosigkeit vorbeikommt und weil im Ministerium die Stellen eben nicht nach Persönlichkeit vergeben werden.

Es ist so armselig, dass ich mich über so ein Kompliment nicht mal mehr vorgespielt freuen kann...

post scriptum: Wie bekommt man dieses Pride-Like hin???

 

Mittwoch, 21. Juni 2017

Heiße Nacht in Hassee

Hasseer Stilleben (Alex, Du kannst das per Klick vergrößern!)

Ich schwitze. Ich schaue auf die Uhr - es ist ein Uhr einundfünfzig in der Nacht. Das bedeutet, dass ich gerade zwei Stunden am Stück geschlafen habe, mehr als in der ganzen letzten Nacht, und ich freue mich. Die Magenprobleme werden also ein bisschen besser. Ändert nichts an den Temperaturen, meine Bettwäsche und alle zusätzlich ausgelegten Handtücher sind durchgeschwitzt. Meine Dachschrägenfront von Osten nach Westen nimmt sehr viel Sonne auf. Im Sommer halte ich dagegen, indem ich alle Fenster öffne - über Eck kann es da manchmal richtig angenehm durchziehen. So auch in dieser Nacht, so dass ich immer wieder einen kleinen Luftzug spüren kann, und ich atme erleichtert auf. Ich gehe gleich in die Küche, trinke ein Glas Wasser, und drehe mich wieder um.

Das Wasser dürfte meinem Hals helfen, der ist irgendwie trocken. Ich räuspere mich und fange an zu husten. Als ich mich wieder in Selbstgesprächen ergehen will, merke ich, dass meine Stimme einem Reibeisen Konkurrenz macht, warum das??? Ich beschließe, den Mund zu schließen und wieder durch die Nase zu atmen. Aber irgendwas stimmt da nicht. Irgendwie riecht es nach Rauch. Dann werde ich aufmerksam und mir wird Knallerei draußen bewusst. Ach, hat mal wieder jemand Geburtstag und die brennen ein Feuerwerk ab?

Sollte gleich vorbei sein, also drehe ich mich um und schließe die Augen. Aber das Knallen dauert an, mittlerweile mindestens fünf Minuten. Das kann doch nicht stimmen. Ich wälze mich wieder herum und schaue zum Fenster - und sehe das Blaulicht, das rhythmisch meine Zimmerdecke erleuchtet. War ja klar. Hab' ich etwa vergessen, dass ich in Hassee wohne? Wahrscheinlich laufen hier ein paar Vollpfosten mit Böllern rum, andere haben genervt die Polizei gerufen und das regelt sich jetzt.

Jetzt höre ich, wie ein Einsatzwagen mit Sirene ins Viertel kommt. Das wird mir dann doch zu spannend, ich ziehe die Rollos hoch, muss mir aber Stoff vor das Gesicht halten, denn mittlerweile zieht dichter, schwarzer Rauch in meine Wohnung. An der Bushaltestelle stehen zwei Polizeiwagen, Polizisten laufen etwas planlos umher. Wo kommt der Rauch denn her? Ich schaue nach rechts - und sehe sie, eine dichte, schwarze Rauchsäule im Hinterhof von Sky, aus der weiterhin Knallen dröhnt und mittlerweile massenhaft Funken fliegen. Das wird ja richtig interessant, denke ich mir, während der erste Feuerwehrwagen ausgeräumt wird und ich höre, wie die Löschschläuche angeschlossen werden. Dauert nicht lange und ein zweiter Feuerwehrwagen kommt dazu - was für eine Show!

Wie auf jedem authentischen Foto erkennt man: Nichts!

Und weil es so eine Show ist, dauert es auch nicht lange, bis in der Nachbarschaft viele Fenster aufgehen, einige Nachbarn stehen unten auf der Straße mit Bierflaschen in der Hand und genießen das Spektakel. Aber das Leuchten innerhalb der Rauchsäule verschwindet langsam. Und es fliegen auch keine Funken mehr, und es knallt nichts mehr. Die Feuerwehr ist erfolgreich: Ich verliere das Interesse und gehe zurück in's Bett. Und ich komme nicht umhin, in mich hineinzukichern, weil die leidgeprüfte Hasseer Notfallsirene nun ihren dritten Einsatz hatte (nach den Zimtsternen und dem Wanderer). Ich liebe dieses Viertel - hier bin ich Träsch-Trüller, hier darf ich's sein!

Ich schwitze. Es ist jetzt zwei Uhr dreiundzwanzig; vielleicht kann ich ja noch drei Stunden schlafen. That's life!

Hier ein Artikel in der KN 

post scriptum: Erster Gedanke, als ich das Feuer realisiert habe, war "Wow, daraus kannst du etwas für den Blog machen!" - das ist genau wie der Lehrertick "Das kannst du doch irgendwie für den Unterricht gebrauchen!"...

Info-post scriptum: Also, es riecht noch nach Rauch überall, aber das Feuer hat nicht auf den Laden übergegriffen. Das war Glück im Unglück; ich bin auf die Brandursache gespannt!

Dienstag, 20. Juni 2017

Integrative/Inklusive Maßnahme

Grundidee: nachvollziehbar; Umsetzung: ungenügend

Drei meiner Lerngruppen schreiben morgen ihren letzten Test/Klassenarbeit. Das bedeutet, dass ich sieben verschiedene Testversionen entwerfen musste. Das ist für mich nicht mehr ungewöhnlich; seit knapp vier Jahren unterrichte ich in integrativen Schulformen. Ich unterrichte I-Kinder. Das I steht für integrative Maßnahme, eine wundervoll zynische Bezeichnung für die kleinen Steppkes.

I-Kinder haben einen in der Regel bereits festgestellten sonderpädagogischen Förderbedarf; in einigen Fällen muss dieser erst noch gewährt werden - gerade wenn man in Grundschulen und Orientierungsstufen unterrichtet. Es gibt verschiedene Förderbedarfe, die je nach Schulkonzept als Teil inklusiver Unterrichtsformen anerkannt werden. So gibt es Schulen, die nur Schüler mit einer festgestellten Lernschwäche (Förderbedarf L) als I-Schüler bezeichnen - Schüler wie Kläuschen.

Es gibt allerdings noch weitere Formen des Förderbedarfs: E/S (emotionale/soziale Entwicklung), körperliche Entwicklung (Behinderungen), geistige Entwicklung (Behinderungen), autistisches Verhalten - das sind zumindest die Formen, mit denen ich bisher zu tun hatte.

Diese Darstellung gefällt mir - man beachte, wie bei ordentlicher Inklusion der Rahmen angepasst wird!

Wara Wende, Britta Ernst und was uns noch so erwartet - sie alle setzen auf das Konzept der Inklusion: Weg mit den Förderzentren/Sonderschulen, die die Kinder aus unserer Gesellschaft ausgrenzen, hin zu speziellen I-Klassen, in denen die Kinder mit "normalen" Schülern zusammen den Schulalltag erleben dürfen. Das klingt ja eigentlich ganz nett, aber ich störe mich an einigen Punkten:

1) Die Abschaffung der Sonderschulen und Reduktion der Flexklassen wird ausgeglichen durch individuelle Förderung der Schüler durch eine sonderpädagogisch ausgebildete Förderlehrkraft. Klingt nett - aber de facto bekommt ein Kind pro Woche 1,5 Stunden Förderung. Das ist so verschwindend gering, dass die meisten Förderlehrkräfte all ihre Stunden in einer I-Klasse (meistens zwischen vier und sechs Schülern, also bis neun Unterrichtsstunden) zusammenlegen und mit den I-Gruppen verbringen, die dann oft wieder einen eigenen Raum zum Arbeiten suchen. Großartig. Da hätte man sie gleich in den Sonderschulen belassen können, in denen sie den ganzen Schultag über angemessen betreut wurden.

2) Von normal ausgebildeten Lehrkräften wird erwartet, dass sie wissen, wie sie mit diesen speziellen Bedarfen umzugehen haben. Nichts gegen unsere Kompetenzen, aber ich fühle mich unzulänglich qualifiziert.

3) Dass der Klassenteiler an einer GemS von 26 in einer normalen Klasse auf 20 in einer I-Klasse reduziert wurde, ist genau wie das gesamte Inklusionskonzept eher geeignet, damit das Bildungsministerium sich einer Sache brüsten kann. Dass es teilweise katastrophal läuft, das könnte Britta Ernst nur herausgefunden haben, indem sie mal nicht in Vorzeigeklassen gegangen wäre, sondern in wirkliche Problemgruppen. Ist sie aber nicht, denn was sie dort erlebt hätte, passt nicht in ihr Narrativ von der erfolgreichen Inklusion.

Was bedeutet das Unterrichten in heterogenen Lerngruppen für mich als Lehrkraft? In jeder I-Klasse muss ich sowohl eine normale als auch eine differenzierte Version jeder Klassenarbeit erstellen, die genau dem jeweiligen Förderbedarf angepasst sein sollte. Super, wenn die Förderlehrkraft das übernehmen kann. Gut, wenn die Schulbuchverlage adäquate Diff-Aufgaben bereit stellen. Man sollte sich aber dennoch auf einen höheren Arbeitsaufwand in einer I-Klasse einstellen.

Und um das nicht außen vor zu lassen, denn bisher haben sich erst vier der Testversionen für morgen erklärt (zwei I-Gruppen): Selbst wenn in einem Jahrgang äußere Differenzierung herrscht [zum Beispiel in schnelle, mittlere und langsame Kurse (oh toll, jetzt fühlt sich keiner mehr ausgegrenzt, nur noch dumm)], so muss ich trotzdem in meinem mittleren Kurs auf drei Niveaus differenzierte Tests entwerfen. Ich bin der Meinung, dass Schulen da noch Entwicklungspotential haben - zum Beispiel durch erhöhte Kursdurchlässigkeit statt innerer Differenzierung (zusätzlich zur äußeren).

Fazit:

Die Idee der Inklusion klingt gut. Oder zumindest nachvollziehbar. Aber so schlampig, wie sie in Schleswig-Holstein unter Wende und Ernst (nomen est omen) umgesetzt worden ist, tun mir die Kinder mit Förderbedarf ehrlich leid.