Donnerstag, 15. Dezember 2016
Spiel für Vertretungsstunden
Vertretung Weltkunde in der 10e. Die Kollegin kurzfristig erkrankt, hat keine Materialien zur Verfügung gestellt, voll okay, ich sag' den schwer pubertären Jungs und Mädels, dass sie sich in Zimmerlautstärke beschäftigen sollen. Nicht hätte ich gedacht, dass von einem Jungen der Vorschlag zu einem Spiel kommt - weil ich gern denke, dass sie sich doch dafür eigentlich zu erwachsen fühlen dürften. Nicht immer. Manchmal gehen sogar Klebesterne-Sammelkarten in einer zehnten Klasse.
Den genauen Namen des Spiels habe ich nicht verstanden, es müsste irgendwas in Richtung Namensspiel gewesen sein. Ich kannte es vorher noch nicht und fand' es interessant genug, um es hier dem einen oder anderen (teils zukünftigen) Kollegen mitzugeben für eine spontane Vertretungsstunde. Es klappt allerdings nur in einer ausreichend großen Lerngruppe (so ab sechzehn aufwärts) und wenn möglichst alle mitmachen.
Zunächst werden zwei Schüler gesucht, die gegeneinander antreten wollen. Gern ein Junge und ein Mädchen. Die beiden werden nach draußen verbannt. In der Klasse werden nun folgende Vorbereitungen getroffen:
- jeder Schüler gibt sich einen Decknamen (völlig beliebig) und merkt ihn sich
- alle Decknamen werden bunt gemischt an die Tafel geschrieben
- alle Schüler tauschen die Sitzplätze, um eine möglichst gute Durchmischung zu erreichen
Und dann werden die beiden Spieler wieder in den Raum geholt.
Folgender Spielablauf:
- abwechselnd rufen die Spieler immer zwei Decknamen von der Tafel auf
- die aufgerufenen Schüler tauschen dann Plätze
- jedesmal, wenn ein Spieler durch das Aufrufen dafür sorgt, dass einer oder beide Aufgerufenen auf ihren angestammten Sitzplatz kommen, erhält er einen oder zwei Punkte und der betreffende Name wird von der Tafel gewischt
- das Spiel wird gespielt, bis alle auf ihrem Sitzplatz sind
- es gewinnt der Spieler mit der höheren Punktzahl
Eigentlich ganz drollig, es hat ein bisschen was von Memory und ist etwas komplexer als das klassische "Wer bin ich?"-Spiel. Viel Spaß beim Ausprobieren!
Mittwoch, 14. Dezember 2016
FR-AC 973
Das könnte ein Geheimcode sein, diese Überschrift. Viel einfacher, es ist ein Nummernschild. Zwecks Datenschutzes habe ich es ein wenig abgeändert, es geht um die Geschichte dahinter, die mir heute ein süffisantes Lächeln auf die Lippen gezaubert hat. Dr Hilarius hat wieder Oberwasser! (endlich...)
Da bin ich also auf der Heimfahrt, auf dem Autobahnzubringer aus Neumünster raus. Noch in der Stadt, wo ich fünfzig gefahren bin, hat mich der FR-AC 973 überholt, und zwar rechts. Nur zur Erinnerung, das ist nicht erlaubt. Es tut mir leid, aber - warum muss es schon wieder ein Mercedes sein? Sich selbst erfüllende Prophezeiung: In den Prollkarren BMW, Benz und Audi sitzen die rücksichtslosesten Fahrer. Natürlich achte ich dann beim Fahren nur auf jene Automarken und dementsprechend kommt es mir so vor, als sage der Autohersteller etwas über den Fahrer aus.
Nun, wie dem auch sei. In der Stadt also rechts überholt, dann sind wir auf dem Zubringer, ich fahre hinter ihm, hier sind hundertzwanzig erlaubt. Warum fährt der jetzt nur hundert? Ich bin ein wenig genervt und überhole ihn, er bleibt bei seiner Geschwindigkeit, ich verliere ihn aus dem Blick. Na endlich, dann muss ich mich nicht mehr aufregen.
Angekommen auf der Autobahn, auf der endlich alle drei Fahrstreifen freigegeben sind. Freude? Nicht ganz: Immer noch sind bis zum Bordesholmer Dreieck nur achtzig erlaubt. Aber die freie Bahn verleitet zum Überholen, und so überholt mich ein Auto nach dem Anderen, während ich mit Strich achtzig entlang rolle. Und wer überholt mich?
Erraten. FR-AC 973. Ich konnte mir das Nummernschild so gut merken, weil es ähnlich aussieht wie FLAC, die Dateiendung des Free Lossless Audio Codec. Jetzt überholt der Penner also wieder, ach ne, die Tante. Ein Rentnerehepaar. Wieder schön gegen die Vorschrift (wie neunzig Prozent der Autos auf diesem Abschnitt). Bin ich froh, als ich endlich die A215 erreiche, endlich schneller fahren?
Kann ich nicht, denn der Mercedes blockiert die Straße, die fahren lieber etwas gemütlicher. Erneut genervt ziehe ich endlich vorbei und es geht nach Hause - stopp, nein, ich muss vom Juwelier ein neues Halsband abholen für den Flo-Anhänger. Ich habe mich wirklich "nackt" gefühlt ohne ihn. Gibt mir das Gefühl, dass Flo irgendwie immer da ist.
Und dann ziehen die mit mindestens hundertsechzig Sachen an mir vorbei, jetzt haben sie das Gaspedal gefunden! Na gut, dann sind sie jetzt wenigstens weg, ich verliere sie vor mir aus dem Blick, macht nichts, ich bin beim Citti-Park angekommen. Und alle Parkplätze belegt. Ich fahre durch jede einzelne Reihe - nichts. Toll, muss ich nachher zu Fuß hingehen. Ich fahre zur Ausfahrt, ich finde hier nichts mehr.
Doch! Plötzlich sehe ich die Rückleuchten eines Wagens vor mir aufleuchten, ich brülle einmal durchs halb geöffnete Fenster "Fahren sie raus?" und die nette Dame nickt, lächelt, ich setze den Blinker, ENDLICH angekommen. Ich steige aus, schließe ab und gehe Richtung Haupteingang. Der Weg führt quer über den Parkplatz, so dass immer mal wieder Autos vorsichtig über den Weg fahren. Da vorne rechts kommt auch gerade eins, ha, diesmal habe ich Vor"fahrt", denke ich mir - der Wagen hält an. Ist sowieso sehr langsam gefahren, noch auf der Suche nach einem Parkplatz. Ich gehe ganz gemächlich vor dem Wagen vorbei und schaue aufs Nummernschild...
Dienstag, 13. Dezember 2016
Fluffernutter & s'mores
Die Amerikaner machen bei Süßwaren keine halben Sachen. Ach was, generell, wenn es um's Essen geht, irgendwie muss sich ja auch die verhältnismäßig hohe Quote Übergewichtiger in den USA erklären lassen. Sie frittieren alles (einschließlich Cola), und was sie nicht frittieren, das überbacken sie mit zwei Tonnen Käse. Als ich im Vergnügungspark Kings Island war, musste ich erstmal realisieren, dass bei meinem Essen die Menge an Pasta Bolognese genau so groß war wie die Menge Käse, die darüber gehäuft wurde - sogar eher noch kleiner. Und immer die Frage, ob ich noch extra Käse dazu haben möchte. Selbst einen Hot Dog konnte ich mir mit einem halben Kilo Käse bestreuen lassen.
Allerdings muss ich zugeben, quasi als kleines guilty secret, dass ich einige der amerikanischen Süßwaren echt gern mag. Ich habe ein Browniesrezept, das mich bereits seit dreizehn Jahren durch mein Leben begleitet. Es ist so populär, dass ich das auch hier im Blog eines schönen Tages posten werde. Die Brownies schmecken richtig toll nach Kakao, Schokolade und Fett - original amerikanisches Rezept!
Der im Titel erwähnte Fluffernutter ist ein Sandwich - man nehme also dieses pappige Weißbrot, zwei Scheiben, und bestreiche je eine Seite mit Erdnussbutter, die andere mit Marshmallow Fluff. Das ist eine Marshmallowcreme, aber der Name ist nur eine Ausrede, eigentlich könnte man den Zucker pur verspeisen. Erdnussbutter mag ich pur überhaupt nicht, aber in Kombi mit Schokolade (Reese's Bits) oder eben Marshmallowcreme wirds interessant, eine süß-würzige Kombi, habe ich vor ein paar Tagen zum ersten Mal probiert. Nach einem Teil ist man satt für den Rest des Monats, aber: LEKKAH!
Die s'mores (ganz oben abgebildet) begleiten mich schon etwas länger als der Fluffernutter. Genau genommen ist das ein typisches Lagerfeueressen, man nimmt einen Cracker, darauf kommt ein Stück Schokolade, darauf ein angerösteter Marshmallow und als Deckel ein zweiter Cracker. Der heiße Marshmallow bringt die Schokolade zum Schmelzen und yup, extrem lecker. Man kann die s'mores nachahmen, wenn man den Fluffernutter mit Nutella anstelle von Erdnussbutter macht. Die Dinger sind so lecker, kein Wunder, dass man davon immer mehr haben will - am Lagerfeuer hieß es dann "Give me some more!" - oder im schnellen Sprachgebrauch "Gimme s'more!" So ist der Name zustande gekommen.
Na, Appetit bekommen?
Montag, 12. Dezember 2016
'nen Auto
Also, ich rege mich bei Weitem nicht mehr so sehr über Sprachfehler auf wie früher ("Das Einzigste gibt es nicht!"). Passt auch zum Wandel der Fachanforderungen in Englisch: Die Kommunikation wird dadurch nicht behindert. Aber ein Wörtchen treibt mich in schöner Regelmäßigkeit auf die Palme:
'nen.
Uns bekannt als Akkusativform des maskulinen unbestimmten Artikels: Ich sehe eiNEN Mann, wir schreiben eiNEN Test, die Buba isst eiNEN Zimtstern (ich untertreibe, um die Nachricht aufrechtzuerhalten).
Coole Teenies dieser Tage (schon seit Jahren) verwenden das leider als unbestimmten Artikel für Neutra: Ich kauf mir 'nen Auto, sie suchen 'nen Krankenhaus, was für 'nen Chaos! Wie kommt es dazu? Ist es in den Fällen mangelndes Sprachbewusstsein? Oder einfach durch Umgangssprache entstanden? Und wie bekommt man das wieder weg? Ich kann nicht glauben, dass all die 'nen-Benutzer nicht wissen, was ein Akkusativ ist oder was sich hinter einem Neutrum versteckt.
Nun argumentiere ich immer wieder gern für das Fach Latein mit einer Steigerung des allgemeinen Sprachbewusstseins. Die Übersetzungen müssen sauber sein, da spielt man nicht 'nen Spiel (ludere) und kauft auch nicht 'nen Brot. Ich habe seit Jahren kein Latein mehr unterrichtet, sonst könnte ich das mal genauer beobachten. Liebe Lehrer, sieht man eine Korrelation zwischen dem Fach und dem 'nen-Gebrauch und noch solchen Dingen wie das Einzigste?
So, musste dem gerade mal Luft machen. Darauf brauche ich jetzt 'nen Eis.
Sonntag, 11. Dezember 2016
Mega-Trash
Die verrückte Buba (a.k.a. Träsch-Trüller) liegt mit einer fetten Erkältung flach - vielleicht kann ich ihr mit diesem Beitrag ja ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Es geht um Trash, um einen Film, der nur noch knapp als B-Movie gelten kann, so schlecht ist er. Und so gut!
Elvira - Mistress of the Dark stammt aus dem Jahr 1989, wenn ich mich recht entsinne. Wie bin ich nur darauf gekommen? Über Daniel, meinen ersten Freund ("Hallo, ich bin Daniel!"), der mir damals beigebracht hat, was Trash ist und warum man das lieben kann.
Elvira, selbsternannte Mistress of the Dark mit hautengem schwarzen Kleid, einem sehr aus- und einladenden Dekolleté und einer Frisur, die an einen schwarzen Bienenkorb erinnert - herrlich überkandidelt gespielt von Cassandra Peterson - moderiert Trashfilme (was auch sonst) zur schlechtesten Sendezeit in einem Schrottsender und kann sich davon kaum die Miete leisten. Natürlich springt sie sofort auf - und ihre Brüste auch - als sie erfährt, dass sie eine Erbschaft gemacht hat.
In Erwartung vieler Millionen Dollars reist sie in das Dörfchen Fallwell in Massachussetts, konservative Erwachsene und untersexte Teenager von einem Ortsende zum anderen. Dort erfährt sie, dass sie von ihrem Tantchen drei Dinge geerbt hat: Ein bruchreifes altes Haus (das sie in Windeseile neu streicht in den bissigsten Farben, die ihr zur Verfügung stehen), ein weißer Pudel namens Algonquin ("Gunk", den sie ebenfalls in Windeseile zu einer Punktöle umstylt) und ein Kochbuch. Na toll - sie kann damit überhaupt nichts anfangen.
Ihr Onkel Vincent dagegen hätte zu gern das Kochbuch, kein Wunder: Es ist in Wirklichkeit ein Buch mit magischen Beschwörungsformeln und Zaubersprüchen, und Onkel Vinnie ist ein machthungriger Irrer, der die Welt erobern will. Elvira hat eine seeeehr lange Leitung (und wird zum Mittelpunkt seeeehr zahlreicher Tittenwitze) und bekommt davon zunächst nichts mit. Die Nacht der Mondfinsternis rückt näher: Wird sie es letztlich schaffen, die Welt zu retten?
Natürlich schafft sie es, und das kann man hier noch nichtmal als Spoiler werten. Es geht ja auch gar nicht um den minimalistischen Plot. Es geht um die schwachsinnigen beabsichtigten Anschlussfehler (Elvira fällt ein Hot Dog mit Senfsoße zwischen die Titten. Die Kamera schenkt weg, schneidet wieder zurück und ihr Ausschnitt ist blitzsauber. Auch schön: Elvira wurde geteert und gefedert. Sie badet fünf Minuten und ihr Kleid und auch ihre Haare sehen aus, als wäre nichts geschehen). Nichts aber schlägt die Szene, in der Elvira mit der Macht ihrer Titten ein Friedhofstor aufsprengt:
Wow. Das muss man erstmal hinbekommen!
Genau diese anspruchslose Unterhaltung ist es, die einen wunderbar ablenken kann. Vorlage für Trinkspiele (ein Kurzer bei jeder Tittenszene), perfekt zu Fast Food, herrlich selbstironisch. Der tittigste Moment des Films ist allerdings die Schlussszene, in der Elvira uns zeigt, welches ihre Kräfte als Mistress of the Dark sind. Und die will ich tatsächlich nicht spoilern.
Lasst es wackeln!
Samstag, 10. Dezember 2016
Ich bin unglaublich anstrengend
Und diese Überschrift ist durchaus wörtlich gemeint!
Wenn ich einen neuen Menschen kennenlerne und das wohl etwas Längerfristiges sein soll, egal, ob es um eine neue Schule geht oder um eine neue Freundschaft, analog oder digital, dann warne ich vor, denn nach dreiunddreißig Jahren kann ich ein bisschen einschätzen, wie ich auf Menschen wirke. Da treten wiederkehrende Verhaltensmuster bei dem Anderen auf, aus denen ich eine Regelmäßigkeit ablese, und das ist für den Anderen nicht immer angenehm - daher die Vorwarnung:
Ich bin unberechenbar, meine Stimmungen zeigen das, und ich bin unzuverlässig, was zum Beispiel Verabredungen angeht. Ich kann sehr jähzornig sein. Ich kultiviere Unverständnis, ich kann meine Mitmenschen zur Verzweiflung treiben. Ich mache aus einer Mücke einen Elefanten, bin der Prototyp der drama queen. Ich wirke arrogant und gern auch überheblich, nicht jeder kann mit der hin und wieder auftretenden Mischung aus Sachlichkeit und Direktheit umgehen. Ich brauche viel Zeit für mich, und oft habe ich keine Lust auf Gesellschaft. Dann bin ich abweisend. Ich bin egozentrisch, halte mich für das Maß aller Dinge.
Und die Reaktion auf diese Aufklärungswelle? Fast immer gleich:
"Ach was, glaub das doch nicht. Lass dir das nicht einreden. Wer sagt denn sowas? Nein, das glaube ich dir nicht. Na und? Ich komm damit klar. Wir haben schließlich alle unsere Macken. Ich bin auch nicht perfekt."
Ich bin also unglaublich anstrengend. Warum glauben mir die Menschen nicht? Vielleicht, weil sie bisher noch nicht mit solch' einer Offenheit und Direktheit konfrontiert wurden? Vielleicht, weil ich ausschließlich negative Aspekte aufzähle und die Darstellung deswegen einseitig-unvollständig wirkt? Ich denke mir dann immer, wenn es irgendwann knallt: Sag' nicht, ich hätte dich nicht gewarnt. Denn gern kommt es vor, dass die Leute aus allen Wolken fallen, wenn sie realisieren, dass ich Recht hatte.
Und dann müssen sie überlegen, ob sie die Herausforderung annehmen. Manche tun es - ihrer drei, die verrückte Buba, die Rocky-Baby-Mountains und irgendwann auch wieder Flo. Und reichlich Menschen haben sich endgültig von mir abgewendet. Zum Glück: Ich habe gern meine Ruhe und verschenke meine Zeit nicht an irgendjemanden. Je weniger, desto mehr quality time.
Wow, klingt das schon wieder arrogant! :D
Freitag, 9. Dezember 2016
Manisch-Depressiv
Schön passendes Bild, kommt von dieser Quelle
Ich vermute, jeder hochbegabte Leser ("HB") wird schon einmal eine manisch-depressive Episode gehabt haben. Und viele Andere wahrscheinlich auch. Was bedeutet das, was verbirgt sich dahinter?
Bisher konnte mir jeder HB bestätigen, dass er oder sie drastische Stimmungsumschwünge erlebt. Auch in dem sehr lesenswerten Buch über Hochbegabung von Andrea Brackmann wird dieser Punkt aufgeführt. Da ist man zunächst extrem gut drauf, läuft mit einem strahlenden Lächeln durch die Gegend, nichts kann die Stimmung trüben - denkste! Da muss nur eine Kleinigkeit kommen, die gerade mit Deinem Lebensskript, mit Deiner Sicht der Dinge und mit Deinem Plan nicht übereinstimmt und es geht bergab. Sehr schnell und sehr tief.
Beispiel gefällig?
Ich bin der beliebteste Lehrer der Schule, jeder mag mich, ich bin unkonventionell. Die Schüler freuen sich auf ihren Englischunterricht, ich nehme sie mit auf eine spannende Reise. Ich krieg' sie rum, sogar die schwierigsten Leistungsverweigerer. Sie vertrauen mir alles an, wir reden offen und ehrlich über die Probleme, die sie beschäftigen. Ich genieße die Aufmerksamkeit. Jeder sollte so sein wie ich, ich schwebe auf einer pädagogischen Wolke, bin der Begleiter im Lernprozess der Kinder. Sie finden mich einfach...
"Dr Hilarius, ich habe einen Anruf von einer Mutter bekommen."
...furchteinflößend. Ich kann mit den Schülern nichts anfangen, die hören mir überaupt nicht zu. Die Kollegen finden mich sowieso schon scheiße und unnormal. Wie bin ich überhaupt durch's Referendariat gekommen? Jeder Andere könnte ihnen den Stoff besser beibringen als ich. Alles, was ich mache, ist falsch. Selbst wenn ich vorgefertigte Materialien verwende: Die Art, wie ich sie im Unterricht benutze, ist falsch. Ich verderbe diese Kinder. Der nachfolgende Kollege muss das dann alles ausbaden. Ich habe es komplett verbockt, es ist nicht nur die falsche Schule, es ist der falsche Beruf. Was kann ich überhaupt?
Die HBs denken ja so ungünstig schnell, das erklärt, warum sie aus Kleinigkeiten gern Dramen machen (wie die Tragödienmuse). Es wird alles gesteigert bis ins Unerträgliche, man leidet und versinkt in seinem Sumpf aus Selbstmitleid. Man weint sich in den Schlaf. Und wacht fröhlich wie eh' und je auf, neuer Tag, neue Chance, die Welt sieht schon wieder ganz anders aus. Ich strahle alle Menschen an.
Hat man damit automatisch eine sogenannte bipolare Störung? Nein, nicht jeder HB ist ein BiPo, nicht jeder Mensch, der an einer bipolaren Affektstörung leidet, ist auch automatisch hochbegabt. Keine Sorge, liebe HBs. Ihr zeigt "nur" die Symptome dieser Krankheit, und so oft kommt es ja eh' nicht vor.
Aber das macht es nicht leichter. Ihr habt mein vollstes Mitgefühl, wenn Euch mal wieder die Stimmung umkippt. Da hilft nur, abzuwarten. Versetzt Euch in eine geistige Quarantäne. Schlaft drüber. Es wird auf jeden Fall wieder besser.
Und dann könnt Ihr Eure Mitmenschen wieder mit Eurer scheiß Fröhlichkeit nerven! ;-)
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